SDGs konkret: Wie die GLS Bank die Sustainable Development Goals konstruktiv-kritisch begleitet

von Jan Köpper und Dr. Laura Mervelskemper, beide GLS Bank.

Die SDGs sind ein richtungsweisendes, internationales Abkommen zum Schutz der Umwelt und zum Abbau von sozialen Ungleichheiten. Doch sie sind auch massiver Kritik ausgesetzt. Die SDGs müssen daher kritisch hinterfragt, konstruktiv begleitet und weiterentwickelt werden. In der GLS Bank analysieren wir die SDGs ganzheitlich und stellen uns dafür verschiedene Fragen: Welche Folgen haben einzelne SDGs auf die Wirtschaft insgesamt? Welche institutionellen Voraussetzungen sind für Ihre erfolgreiche Umsetzung notwendig? Wie sollten betroffene Akteure damit umgehen? Wie sind die Unterziele inhaltlich zu bewerten?

Diesen ganzheitlichen Ansatz wollen wir anhand des SDG 12 Nachhaltige/r Konsum und Produktion exemplarisch beschreiben:

Nachhaltiger Konsum / Produktion (SDG 12) – Was soll genau erreicht werden?

SDG 12 behandelt die Etablierung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster zur Gewährleistung nachhaltigen Wirtschaftswachstums und nachhaltiger Entwicklung. Die wesentlichen Schwerpunktthemen des zehnjährigen Programmrahmens für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (12.1) sind:

  • Ausgehend vom grundlegenden Gebot einer nachhaltigen Bewirtschaftung und einer effizienten Nutzung der natürlichen Ressourcen (12.2) richten sich die Anforderungen auf
    • eine Halbierung der Nahrungsmittelverschwendung und eine Verringerung der Nahrungsmittelverluste (12.3),
    • auf den umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien (12.4),
    • die Verringerung der Abfallentstehung (12.5),
    • die Einführung einer Nachhaltigkeitsberichterstattung für größere Unternehmen (12.6),
    • die Nachhaltigkeit bei der öffentlichen Beschaffung (12.7)
    • und die Bereitstellung der für Nachhaltigkeitsbewusstsein und eine nachhaltige Lebensweise erforderlichen Informationen (12.8).

Gefordert werden zudem

  • eine wissenschaftliche und technologische Stärkung der Entwicklungsländer (12.a),
  • die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus (12.b, siehe auch SDG 8)
  • sowie die Abschaffung von ineffizienten Subventionen für fossile Brennstoffe (12.c).
  • Hinzu kommt, dass Wachstum und Wohlstand weitestgehend von der Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen entkoppelt werden.

Welche Bedeutung hat SDG 12 für die Wirtschaft insgesamt?

Die anhaltende Dominanz der Finanzmärkte und die Idee des unbegrenzten Wachstums als wesentlicher Treiber menschlicher Entwicklung konterkarieren das notwendige Umdenken im Sinne nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster. Dieser wesentliche Zielkonflikt wird in den SDGs nicht thematisiert. Im Gegenteil: Globalisierung und der damit einhergehende internationale Handel sollen als Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung Armut vermindern. Zentral sei, dass sich dabei der Anteil der Exporte der Entwicklungsländer am Welthandel verdoppelt. Diese Ansicht kann jedoch nur dann als vorteilhaft akzeptiert werden, wenn erstens Kapitalakkumulation und Kapitalverteilung einen realwirtschaftlichen Bezug und zudem eine gerechte Teilhabe erlauben, zweitens Klimawandel aktiv mitgedacht wird und drittens Konsum und Produktion kritisch im Hinblick auf die Bedürfnisbefriedigung hinterfragt werden. Dort, wo sich Kapital ohne Bezug zur Realwirtschaft vermehrt und Zentralbanken zusätzliche Liquidität produzieren, um Wachstum und Beschäftigung aufrechtzuerhalten, werden untragfähige Geschäftsmodelle durch günstiges Kapital am Leben gehalten. Parallel verringern sich Anreize, in zukunftsfähige, aber initialkostenintensive Veränderungsprozesse zu allokieren und so die SDGs zu fördern.

Welche institutionellen Voraussetzungen sind für Ihre Erreichung notwendig?

Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster benötigen ein Umfeld, das Menschenrechte achtet, eine unabhängige Justiz gewährleistet sowie politischen und bürgerlichen Rechten entspricht. Dies ist umso bedeutender, als dass die Rohstoffproduktion für Waren, die oft in Industrieländern veredelt werden, ihren Ursprung in einer globalisierten Welt vermehrt in autoritären und teilweise despotischen Staaten nimmt. Die Arbeits- und Umweltstandards in weiten Teilen der Welt sind weiterhin inakzeptabel und werden durch bestehende Konsum- und Produktionsmuster in den Industriestaaten in Kauf genommen und zum Teil aktiv ignoriert. SDG 12 tangiert diese grundsätzlichen Probleme nur an der Oberfläche, wenngleich deren Berücksichtigung implizit ist. Parallel dazu betreiben ressourcenstarke Industrie- und Lobbyverbände Interessenvertretung auf politischer Ebene und erzeugen dabei abermals eine Verwässerung und Verzögerung der demokratisch erlangten Entscheidungsfindung. Ein Struktur- und Wirtschaftswandel wird dadurch deutlich erschwert.

Wie können und müssen Hersteller und Verbraucher dazu beitragen?

Hersteller und Verbraucher vertreten weiterhin mehrheitlich den Grundgedanken eines konsumorientierten Lebensstils. Neben den Zielen des SDG 12 zur Förderung eines nachhaltigen und bewussten Lebensstils sowie der Kreislaufwirtschaft müssen Hersteller und Verbraucher die Diskussion der Reduktion und Suffizienz führen, um eine für alle Staaten skalierbare Lösung von Konsum- und Produktionsmustern zu tragen. Die Förderung mündiger Kaufentscheidungen muss durch gestärkte und leicht zugängliche Verbraucherinformationen

unterstützt werden. Werbemaßnahmen und Produktionsmuster müssen die Suggestion von immer neuen Konsumbedarfen aktiv einschränken und als Teil dessen Maßnahmen der künstlichen Obsoleszenz unterlassen.

Welche inhaltlichen Themen müssten darüber hinaus aufgegriffen werden?

In Ergänzung zu oben genannten Punkten ist die Politik zudem aufgerufen, durch die Internalisierung externer Effekte und die Monetärsteuerung Anreize für nachhaltige Alternativen in Produktion und Konsum zu schaffen. CO2-Bepreisung und die Abgabe auf Spritz- und Düngemittel können hier als Beispiele genannt werden. 

Fazit

Die SDGs sind insofern positiv zu bewerten, als dass sie

  • eine internationale Vereinbarung zu Nachhaltigkeit darstellen, die Entwicklungsleitlinien für alle Länder der Vereinten Nationen definiert und globale Partnerschaften sowie Engagement fordert.
  • Nachhaltigkeit a) im Einklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem verstehen b) Industrie sowie Schwellen- und Entwicklungsländer mitdenken c) unterschiedliche politische, wissenschaftliche, gesellschaftliche und privatwirtschaftliche Akteure auf d) nationalen, regionalen und lokalen Ebenen adressieren.

Die SDGs sind insofern kritisch zu bewerten, als dass

  • die Bekämpfung von Klimawandel nicht explizit mitgedacht wird und die in Konkurrenz zu einigen Zielen steht
  • das Zusammenspiel der Ziele nicht ausreichend berücksichtig wird, sodass einzelne Ziele im Konflikt stehen oder unerwünschte negative Implikationen erzeugen
  • die Erfüllung auf Basis von Freiwilligkeit zu wenig ambitionierten Maßnahmen und zu nur geringen Fortschritten führt
  • sie leicht zu Marketingzwecken im Sinne von Greenwashing (auch Rainbow-Washing oder SDG-Washing genannt) missbraucht werden können
  • traditionelle neoliberale Dogmen wie das Wachstumsdogma unkritisch fortgeführt werden und ein notwendiges systemkritisches Umdenken kaum Berücksichtigung findet
  • Aspekte, die für die persönliche Entwicklung im Einklang mit Körper, Geist und Seele relevant sind — wie zum Beispiel Kultur vernachlässigt werden

Als GLS Bank werden wir die SDGs konstruktiv-kritisch begleiten und gemeinsam mit den Menschen der Gemeinschaft unsere Aktivitäten weiterhin auf die Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten.


Hinweis: Dieser Text ist ein redaktionell leicht überarbeiteter Auszug aus dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2019 der GLS Bank (Seiten 130-132), der unter folgendem Link verfügbar ist: https://www.gls.de/privatkunden/gls-bank/gls-nachhaltigkeit/

Jan Köpper leitet die Stabsstelle Wirkungstransparenz & Nachhaltigkeit in der GLS Bank in Bochum. In dieser Funktion verantwortet er die Konzeption, Koordination und Umsetzung der gesellschaftlichen Wirkungsmessung, der Nachhaltigkeitsprüfung im Firmenkundengeschäft sowie die Integration von Nachhaltigkeitsprozessen in das interne Nachhaltigkeitsmanagement und die Gesamtbanksteuerung. Nach Stationen bei dem Unternehmensnetzwerk CSR Europe in Brüssel und der Nachhaltigkeitsratingagentur imug in Hannover ist Jan Köpper seit April 2018 in seiner jetzigen Stelle verortet.

Dr. Laura Mervelskemper ist Co-Leiterin der Stabsstelle Wirkungstransparenz & Nachhaltigkeit in der GLS Bank. Als „Überzeugungstäterin“ setzt sie sich mit Herzblut für alle Themen rund um Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeitsrisiken, gesellschaftliche Transformation und die politischen Forderungen der GLS Bank ein. Vorher hat sie sich mehrere Jahre aus akademischer Perspektive mit der Verknüpfung von Nachhaltigkeit und dem Finanzwesen auseinandergesetzt und zu dem Thema promoviert. Nebenbei war sie sowohl in der Nachhaltigkeitsberatung als auch im Nachhaltigkeitsmanagement aktiv und hat mit der GLS Bank nun die perfekte Kombination der Themen gefunden, die ihr am Herzen liegen.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 750 Mio. Euro an (Stand 10.12.2020).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de
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Klimareporting: So setzt die GLS Bank die TCFD-Empfehlungen um

2015 wurde die Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) vom Finanzstabilitätsrat ins Leben gerufen, um Empfehlungen für eine einheitliche und vergleichbare Klimaberichterstattung auszuarbeiten. Die GLS Bank ist Mitglied der TCFD und unterstützt die Initiative. Denn nur, wenn Unternehmen transparent über Klimarisiken berichten, können Kreditinstitute, Versicherungen und Anleger*innen diese Informationen bei Investitionsentscheidungen berücksichtigen und gezielt Kapital in klimafreundliche Unternehmen lenken. Zudem können Unternehmen ihr Geschäftsmodell auf eine Klimaresilienz prüfen und ausrichten. Im Abschlussbericht der TCFD von 2017 werden hierfür elf konkrete Hinweise, zusammengefasst in vier Empfehlungen, aufgeführt:

Wir befinden uns derzeit im Prozess der Umsetzung der TCFD-Empfehlungen und möchten Ihnen unseren Ansatz näher vorstellen: 

1. Governance — Führungsstrukturen für das Klimamanagement

Die Grundsteine der nachhaltigen Ausrichtung der GLS Bank sind mit dem internen Leitbild und der Satzung festgelegt. Operationalisiert wird beides über unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze, die im täglichen Bankgeschäft den Weg in die richtige Richtung weisen. Sie gelten für uns als „erste Basis“ und Mittel zur Risiko- und Chancenidentifikation, da wir ausschließlich nachhaltige Unternehmen und Projekte unterstützen und finanzieren. Seit ihrer Gründung engagiert sich die GLS Bank mit ihren Kund*innen und Mitgliedern für den Klimaschutz. Im Jahr 2019 haben wir dann damit begonnen, uns dezidiert mit dem Thema Klimarisiken auseinanderzusetzen.

Unser Vorstand ist für risikopolitische Entscheidungen und somit auch für Klimarisiken hauptverantwortlich. Auf der operationalen Ebene haben wir in der Abteilung Wirkungstransparenz und Nachhaltigkeit zwei Stellen eingerichtet, die sich mit Klimarisiken befassen. Eine 50-Prozent-Stelle in der Gesamtbanksteuerung gewährleistet die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in die Systeme der Risikosteuerung (Risikoinventur und Risikomanagementsystem). Sie ist eine wichtige Schnittstelle zwischen beiden Fachabteilungen. Eine zweite 50-Prozent-Stelle befasst sich mit der Chancen- und Risikomodellierung durch Klimaszenarien. 

Unsere Klimaziele, die in der Geschäftsstrategie eingebunden sind, werden durch den internen Steuerungskreis mit Maßnahmen hinterlegt und umgesetzt. Die XDC (Siehe Erläuterung unter 4.) als Steuerungsgröße spielt hier insbesondere in der Überwachung der Klimaperformance eine wichtige Rolle. In der Bank ist eine Person für die Zielsetzung und -steuerung zuständig. Das Team Research unterstützt, indem es die Klimakompatibilität von Kapitalmarktemittenten prüft und mit den internen Nachhaltigkeitszielen abstimmt.

Die zur Identifikation und Bemessung von Klimarisiken notwendigen Daten werden im Rahmen der Wirkungstransparenz erhoben, die gleichzeitig zur Kund*innenansprache verwendet wird.

Die GLS Bank verfolgt höchste Transparenzstandards und berichtet über das interne Klimamanagement in einer dreigliedrigen Weise: Aufgrund der strategischen Geschäftsrelevanz der Klimaperformance berichten wir quartalsweise an den Vorstand. Als Genossenschaftsbank berichten wir zudem unseren Eigner*innen, den Mitgliedern, über unsere Ziele und Fortschritte. Über Netzwerkarbeit stellen wir unseren Ansatz vor, sammeln gleichzeitig Eindrücke von anderen Expert*innen und betonen besonders die Bewusstseinsbildung für Klimachancen im Finanzsektor.

2. Strategie — Auswirkungen von Klimachancen und -risiken auf das Geschäftsmodell

Der Schutz der natürlichen Umwelt, Wirtschaften innerhalb planetarer Grenzen und soziale Gerechtigkeit sind Ziele der GLS Bank und als solche im Leitbild und in den Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen fest verankert. Investitionen in klimaschädliche und kontroverse Branchen schließen wir daher kategorisch aus. Um unserem langjährigen Engagement stärkeren Ausdruck zu verleihen, haben wir unsere neu aufgestellte integrierte Geschäftsstrategie, eine Verbindung aus Unternehmens-, Risiko- und Nachhaltigkeitsstrategie, auf die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens sowie die SDGs ausgerichtet. Die SDGs finden außerdem über ein SDG-Mapping Eingang in unsere Anlage- und Finanzierungsgrundsätze.

Im Prozess der Identifikation, Bewertung und Offenlegung von Nachhaltigkeitsrisiken mittels Szenarien orientieren wir uns an den vom NGFS (Network for Greening the Financial System) vorgeschlagenen Basisszenarien. Darauf aufbauend entwickeln wir intern eigene Szenarien, die bewusst die Risiko- und Chancenperspektive einnehmen. Dabei entwickeln wir ein Szenario, das einen sofortigen Klimaschutz mit Erreichung der Pariser Klimaziele annimmt, ein Szenario, das einen verspäteten Klimaschutz mit Erreichung der Pariser Klimaziele annimmt, und ein Szenario, das keinen zusätzlichen Klimaschutz und ein Verfehlen der Klimaziele annimmt. Hiermit werden sowohl physische als auch transitorische Risiken und deren Interdependenzen abgebildet. Zudem entwickeln wir einen Stresstest zur Resilienzüberprüfung unserer Portfolios. Mit der X-Grad-Kompatibilität verwenden wir bereits eine Steuerungs- und Messgröße, die die Abhängigkeit des Geschäftsmodells unserer Kund*innen von CO2 bemisst. Das Klimarisikomanagement wird in der internen Effizienzanalyse mithilfe eines Effizienzdashboards berücksichtigt.

Ziel ist es, bis Ende des Jahres 2020 am Beispiel von Immobilien Klimarisiken zu identifizieren, zu bewerten und offenzulegen und die Erfahrungen für den Übertrag auf andere Branchen, wie die Landwirtschaft, zu verwenden. 

3. Risikomanagement — Identifikation, Bewertung und Management von Klimarisiken und -chancen

In Bezug auf die Risiken, die sich für eine Bank durch den Klimawandel ergeben können, ist zwischen physischen und transitorischen Risiken zu unterscheiden. Wir begrüßen den Ansatz der BaFin, diese Risiken stärker in den Fokus zu nehmen und Banken dazu aufzufordern, diese explizit in das Risikomanagement aufzunehmen und innerhalb der bestehenden Risikokategorien zu berücksichtigen.

Durch unsere strengen sozial-ökologischen Anlage- und Finanzierungsrichtlinien sind sehr CO2-intensive Branchen und damit diejenigen, die am stärksten möglichen transitorischen Risiken ausgesetzt sind, von Investitionen ausgeschlossen. Dadurch ist die Relevanz der transitorischen Risiken das Anlage- und Finanzierungsportfolio der GLS Bank vermindert. Nichtsdestotrotz bleiben mittelbare Transitionsrisiken, zum Beispiel durch die potenzielle Wertminderung von Gebäuden auf Basis möglicher neuer Anforderungen an die Energieeffizienz und den Sanierungsstand, zu berücksichtigen.

Hinsichtlich der physischen Risiken durch extreme Wetterereignisse stellen die Anlage- und Finanzierungsgrundsätze nur bedingt einen risikomindernden Filter dar. Der starke geografische Fokus des Kreditportfolios auf Projekte und Unternehmen in Deutschland kann in Bezug auf die physischen Risiken risikomindernd wirken, diese jedoch nicht ausschließen. Die Exposition bestimmter Geografien in Bezug auf physische Risiken durch den Klimawandel wird daher in nächsten Schritten methodisch hergeleitet und quantifiziert, um ihre Wesentlichkeit für unsere Risikotragfähigkeit zu beurteilen. Dies geschieht beispielsweise mit Heat-Maps und Untersuchungen von Studien und Analysen.

Begleitend zu oben genannter Identifikation von transitorischen und physischen Risiken hat die GLS Bank im Jahr 2019 die Ausrichtung des Anlage- und Finanzierungsportfolios am 1,5 °C-Ziel und damit den Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels explizit beschlossen. In Folge werden derzeit verstärkte Maßnahmen zur Umsetzung dieses Ziels im Kerngeschäft getroffen und auf diese Weise mögliche Transitionsrisiken weiter minimiert. Durch die Umsetzung der Empfehlungen der TCFD bis Ende 2021 werden zudem managementbezogene Ansatzpunkte identifiziert und in die Organisationsstruktur und Prozesse übertragen.

Die GLS Bank hat sich entschlossen, mögliche Auswirkungen von transitorischen und physischen Risiken in einem ersten Schritt am Beispiel von Immobilienfinanzierungen zu untersuchen und aufzubereiten. Dieses Projekt ist im Berichtsjahr 2020 gestartet und wurde mit einer neuen Stelle ausgestattet. Erste Ergebnisse sollen bis Ende 2020 erreicht werden. Diese Ergebnisse dienen als Grundlage, um die Ausweitung auf weitere Finanzierungsbereiche zu untersuchen.

Ebenfalls im Prozess befinden wir uns in der Identifikation zur Bemessung von Klimarisiken im Kreditportfolio sowie zur Integration des Prozesses in das reguläre Risikocontrolling. Hierfür arbeiten wir eng mit den Fachbereichen zusammen.

Eine zusätzliche Leistung ist das Projekt zur Entwicklung von Klimaanpassungskonzepten für unsere Firmenkund*innen, das im Jahr 2020 startet. Hiermit sollen sowohl Risiken gemindert als auch Chancen gehoben werden.

4. Kennzahlen und Ziele — Zieldefinition und Klimaberichterstattung

Kennzahlen und Ziele hat sich die GLS Bank sowohl für die Outside-In- (Wirkung des Klimawandels auf das Unternehmen) als auch für die Inside-Out- (Wirkung des Unternehmens auf das Klima) Perspektive gesetzt. Insbesondere bei der Inside-Out-Perspektive ist die GLS Bank Vorreiterin, da sie nicht nur innerbetriebliche Emissionen, sondern auch die für Banken ausschlaggebenden finanzierten Emissionen misst und steuert. Mithilfe der X-Grad-Kompatibilität hat die GLS Bank bereits in einer Ersterhebung für das Kreditportfolio und den Klimafonds ermittelt, wie sehr sich die Erde bis 2050 erwärmen würde, wenn alle Unternehmen so emissionsintensiv wirtschaften würden wie die des Portfolios. Bereits 2019 erreichten beide Portfolios Baseline-XDCs von deutlich unter 2 °C. Nun folgen auch die Erhebungen der Sektor- und Ziel-XDCs. Zudem wird die Methodik der XDC im Rahmen der strategischen Partnerschaft mit right. based on science unter Kooperation mit Partnern und der Wissenschaft weiterentwickelt, damit sie noch genauer auf unsere Kund*innen und Unternehmen im Anlageuniversum passt.

Mithilfe der risk exposure werden wir zusätzlich zur XDC erfassen, wie sich physische und transitorische Risiken auf unsere Kund*innen und uns als GLS Bank auswirken. Wir berichten bereits seit Jahren im Rahmen des jährlichen GRI-Berichts über unseren Carbon-Footprint. 2019 lag der Carbon-Footprint inkl. der finanzierten Emissionen bei:

  • Scope 1: 29,2 t CO2e
  • Scope 2: 183,5 t CO2e
  • Scope 3: 979,4 + 125.183 t CO2e (direkte finanzierte Emissionen der Unternehmen im Kreditportfolio)
  • Summe: 126.375,1 t CO2

Für den Bereich Immobilien arbeiten wir derzeit an einer geeigneten Kennzahl, die eine Aussage darüber ermöglicht, ob eine Immobilie mit den Pariser Klimazielen kompatibel ist. Diese Kennzahl wird in Zukunft in die Nachhaltigkeitsgutachten und den Beleihungswert einfließen. 

Ausgewählte Ziele:

  • Erhöhung des Kreditvolumens auf 5,5 Milliarden Euro bis 2022, um sozialökologische Unternehmen und Vorhaben zu unterstützen
  • Ausrichtung des Anlage- und Kreditportfolios an den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens (1,5 °C-Kompatibilität) bis 2020
  • Ausweitung der Abdeckung der XDC-Berechnung auf den GLS Bank Aktienfonds bis 2020
  • Ausweitung der Abdeckung der XDC-Berechnung auf 100 Prozent des Kreditportfolios bis 2020
  • Ausrichtung des Anlage- und Kreditportfolios an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN (SDGs) bis 2020
  • Zuordnung der SDGs zu den Aktivitäten im Anlage- und Kreditportfolio bis 2020 • 1,5 °C-Kompatibilität der betrieblichen Prozesse bis 2020

Wir berichten über zahlreiche Formate, unter anderem in unserer jährlichen Pressekonferenz, Jahreshaupt- und Mitgliederversammlung, sowie auf zahlreichen Veranstaltungen über unser Engagement und setzen uns für ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein ein. Der vorliegende Nachhaltigkeitsbericht 2019 bündelt unsere Anstrengungen und Erfolge im Bereich Klimaschutz und gibt einen umfangreichen Überblick. Für Expert*innen bieten wir zudem Geschäfts- und Investitionsberichte sowie den ausführlichen GRI-Bericht an. Kund*innen und Interessierte informieren wir regelmäßig im bankeigenen Blog „Das Blog“, in Podcasts, über die Online-Community Futopolis und über unsere Website beispielsweise über die Klimawirkung der GLS Bank und unser Engagement in der Gesellschaft.


Hinweis: Dieser Text ist ein, redaktionell leicht überarbeiteter Auszug aus dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2019 der GLS Bank (Seiten 24-27), der unter folgendem Link verfügbar ist: https://www.gls.de/privatkunden/gls-bank/gls-nachhaltigkeit/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 750 Mio. Euro an (Stand 26.11.2020).

Weiterführende Informationen:

www.gls-fonds.de/
investmentfonds@gls.de
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GLS Bank Klimafonds wird 3 Jahre alt: Auch die ökonomische Bilanz stimmt

Als die GLS Bank im August 2017 den GLS Bank Klimafonds aufgelegt hat, wollte sie ihr Bekenntnis zum Klimaschutz unterstreichen. Nach drei Jahren ziehen Stefan Fritz und Tobias Baumann, beide GLS Bank, Bilanz, wie sich der Fonds ökonomisch entwickelt hat.

Strenge Nachhaltigkeit erfordert ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Es wird dieser Tage viel über Nachhaltigkeit am Finanzmarkt gesprochen; darüber, dass das verwaltete Vermögen in Nachhaltigkeitsfonds steigt; dass nachhaltige Fonds keine Renditebremse sind oder dass Investoren mit diesen Fonds zur Erreichung der Nachhaltigen Entwicklungsziele („SDGs“) der Vereinten Nationen oder der Pariser Klimaziele beitragen.

Natürlich ist es erfreulich und unterstützenswert, wenn sich Finanzmarktteilnehmer auch von sozialen und ökologischen Erwägungen leiten lassen, wenn sie einen „positiven Beitrag“ leisten wollen. Doch es gibt erhebliche Unterschiede, aus welchen Gründen einzelne Finanzmarktteilnehmer Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die entscheidende Frage ist: Haben sie überhaupt ein eindeutiges Nachhaltigkeitsverständnis, auf dem ihr Handeln gründet?

GLS Bank mit klarem öffentlichen Orientierungsrahmen

Wir bei der GLS Bank richten uns nach einem klaren Orientierungsrahmen: unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen. Grundlagen unserer Arbeit sind die Achtung der Vielfalt des Lebens und der Natur sowie die Sorge um eine friedliche Koexistenz aller Kulturen, die auf individuelle Freiheit und Verantwortung gegründet sind. Wir wollen die natürlichen Lebensgrundlagen heutiger und zukünftiger Generationen bewahren sowie ihre Weiterentwicklung fördern. Ökologie verstehen wir dabei ganzheitlich im Sinne einer Leben fördernden Einheit von Natur und Zivilisationsentwicklung.

Diese Sichtweise bestimmt unser Handeln und hat auch praktische Auswirkungen: Für unser gesamtes Bankgeschäft gelten diese sozialen und ökologischen Kriterien, die unser Investitions-, Anlage- und Finanzierungsgeschäft prägen. Wir haben keine separate Palette an Nachhaltigkeits- oder ESG-Fonds, sondern jede Investition über alle Fonds hinweg soll per se gut für Umwelt und Gesellschaft sein. Dieser Anspruch unterscheidet häufig Pioniere der nachhaltigen Finanzwirtschaft sowie Kirchenbanken von konventionellen Anbietern, die beabsichtigen, erst in den kommenden Jahren eine umfangreiche Expertise in diesem Bereich aufzubauen.

Ebenso gelten für alle Kredite sowie unser Wertpapier- und Beteiligungsgeschäft eindeutige Kriterien. Dies beginnt mit klaren Ausschlusskriterien ohne Umsatztoleranzen: Atomenergie, Kohleenergie, Rüstung und Waffen, Gentechnik in der Landwirtschaft, chlororganische Massenprodukte, Massentierhaltung, Verletzung der Menschenrechte, Korruption; um nur die wichtigsten zu nennen. Wie glaubwürdig können Finanzinstitute hinsichtlich Nachhaltigkeit sein, wenn Ausschlusskriterien nur für ein Drittel oder noch weniger des gesamten Finanzportfolios angewandt werden oder Umsatztoleranzen den eigentlichen Zweck dieser Kriterien wieder aufweichen? NGOs weisen in unterschiedlichen Veröffentlichungen (WWF BankenratingFair Finance Guide, etc.) immer wieder darauf hin, dass sich zwischen Anspruch und Realität leider doch die ein oder andere Lücke auftut.

Positivkriterien – der Schlüssel zu zukunftsweisender Wirtschaft

Dennoch sind Ausschlusskriterien nur eine Voraussetzung. Nachhaltiges Handeln verstehen wir als zukunftsweisendes Handeln. Besonderen Wert legen wir daher auf Positivkriterien. Positiv sind für uns Projekte und Unternehmen, die nachhaltig menschliche und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Im Mittelpunkt unserer Bewertung stehen immer die Menschen mit ihren Bedürfnissen. Daher ist ökonomischer Gewinn nie Zweck, sondern Folge unseres Handelns.

Was heißt dies praktisch? Wir wollen die uns anvertrauten Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Die Auswahl unserer Investments gründen wir nicht auf gängigen Börsenindizes, sondern einzig und allein auf die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells. Dafür investieren wir bewusst auch in kleine Unternehmen mit innovativen Ideen und zukunftsweisende Geschäftsfelder: Eneuerbare Energien, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Soziales und Gesundheit, Entwicklungs- und Mikrofinanzierung, Nachhaltige Mobilität und Wirtschaft.

Im Anlagegeschäft lehnen wir bewusst den Best-in-Class-Ansatz oder benchmarkorientierte Ansätze ab. Denn diese Ansätze untermauern den Status Quo und führen dazu, dass die größten Unternehmen, die bereits eine große Investorenbasis haben, noch stärker mit Kapital versorgt werden. Dies sehen wir kritisch. Ein bekanntes Sprichtwort lautet: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Übertragen auf den Kapitalmarkt stellt sich die Frage: Können große börsennotierte Unternehmen wirklich die sozial-ökologischen Herausforderungen lösen, für die sie durch ihre Geschäftstätigkeit mitverantwortlich sind? Aus unserer Sicht sind dazu junge Unternehmen mit innovativen Lösungen besser geeignet. 

Einzelfallentscheidung statt Scoring-Modell

Der Fokus auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen erfordert auch eine differenzierte Analyse von Unternehmen, die wir finanzieren bzw. in die wir investieren. Einzelfallentscheidungen sind unser bewusst gewähltes Arbeitsprinzip. Zwar erscheint dies zunächst wenig systematisch, jedoch beugt es einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. So kann das quantitative Verrechnen von Plus- und Minuspunkten nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen. Die Kritik an der mangelnden Korrelation vieler ESG-Ratings zeigt, dass diese Gefahr verstärkt von Investor*innen gesehen wird. Hinzu kommt, dass viele große Unternehmen mittlerweile professionelle Nachhaltigkeits/CSR-Abteilungen gegründet haben, die Nachhaltigkeitsinformationen nach den gängigsten Standards (z.B. GRI) aufstellen. Dies können kleine Unternehmen oftmals gar nicht leisten. Deswegen werden sie allzuhäufig trotz zukunftsweisender Geschäftsmodelle gar nicht erfasst oder in der Bewertung wegen mangelnder Informationen abgestraft.

Statt also Scoringmodelle anzuwenden, prüfen wir umfassend die Geschäftsfelder und Geschäftspraktiken der Unternehmen und führen sie in Unternehmensprofilen zusammen. Diese werden dann in einem interdisziplinär zusammengesetzten, unabhängigen Anlageausschuss mit externen Experten diskutiert. Einzig dieser Ausschuss – kein*e Nachhaltigkeitsanalyst*in oder Portfoliomanager*in – entscheidet darüber, welche Titel wir in unser GLS Anlageuniversum aufnehmen. Die Diskussionen sind mitunter sehr intensiv. Auch vertreten unsere Nachhaltigkeitsanalyst*innen bei manchen Titeln eine andere Auffassung. Aber nur dieses zusätzliche Element in unserem Auswahlprozess ermöglicht es uns, eine ganzheitliche Betrachtung der Titel vorzunehmen und sicherzugehen, dass wir in die Unternehmen investieren, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds und den B.A.U.M. Fair Future Fonds im Gesamtvolumen von rund 700 Mio. Euro an (Stand 15.10.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Bericht an den Club of Rome*: Mit diesen Handlungsprinzipien tragen Investoren und Unternehmen wirklich zu den SDGs bei

von Prof. Dr.-Ing. Christian Berg, Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank.

Die weltweite Staatengemeinschaft hat sich 2015 auf 17 Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals (SDGs), geeinigt, die ambitionierte Zielvorgaben für den Zeitraum bis 2030 formulieren. Ein Drittel dieser Zeit ist bereits verstrichen. Doch die Probleme von Klimaschutz und Artensterben, sozialer Ungleichheiten und gesellschaftlicher Polarisierung nehmen eher zu als ab. Dabei hat das Interesse an nachhaltigen Investments in jüngster Zeit unglaublich zugenommen.

Wie kommt es zu diesem Widerspruch? Es gibt am Kapitalmarkt – wie in der Realwirtschaft – viel Greenwashing. Es ist schwer, den Überblick zu behalten, die Spreu vom Weizen zu trennen und richtig einzuschätzen, welche Investitionen wirklich auf das Ziel der Nachhaltigkeit einzahlen und welche nicht.

Der neue Bericht an den Club of Rome schlägt eine überschaubare Anzahl an Handlungsprinzipien für Nachhaltigkeit vor. Diese Prinzipien bieten eine Orientierungshilfe, welche Option in einer Entscheidungssituation die nachhaltigere ist.

Investoren und Unternehmen sollten insbesondere die folgenden 5 Prinzipien beherzigen:

1. Dekarbonisieren

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen für die Menschheit im 21. Jahrhundert. Sämtliche Prozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sind deshalb so rasch wie möglich zu dekarbonisieren, also so auszurichten, dass sie ohne fossile Energieträger auskommen. Als Fossil Fuel Divestment ist dies inzwischen unter Investoren sehr verbreitet. In finanzieller Hinsicht dürften Investitionen in fossile Energien langfristig immer unattraktiver werden. Dass vor kurzem ExxonMobil nach 92 Jahren aus dem Dow Jones geflogen ist, ist ein wichtiges Symbol dieser Entwicklung. Berücksichtigt man künftige Kosten für CO2-Emissionen, wären 42 Prozent der Kohlekraftwerke über ihre gesamte Lebensdauer hinweg unprofitabel – ihre Kosten übersteigen die Erträge, so jedenfalls urteilt der britische Think Tank Carbon Tracker nach der Analyse der weltweiten Kohlekraftwerkskapazitäten (Carbon Tracker 2018).

2. Vielfalt fördern

Eigentlich dürfte es das Wort Monokultur gar nicht geben. Es ist so etwas wie ein eckiger Kreis. Denn Kultur kann niemals in der Einzahl vorkommen, immer nur in der Mehrzahl. Wir wissen heute aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, von der Entstehung des Lebens über das Funktionieren von Ökosystemen bis zur Innovationsfähigkeit von Unternehmen, dass die spannenden Dinge nur passieren, wenn sich Systeme auf dem schmalen Grad von Chaos und Ordnung bewegen. Wenn alles ganz klar gegliedert und geordnet ist, wie in einer Monokultur, dann gibt es nichts neues, dann ist sozusagen alles vorherbestimmt. Wenn es, andererseits, nur Unordnung und Chaos gibt, kann auch nichts neues entstehen, weil man dafür immer auch eine gewisse Regelmäßigkeit und Struktur braucht. Neues entsteht nur in dem schmalen Bereich dazwischen. Und genau deshalb ist es so wichtig, Vielfalt zu fördern, denn Vielfalt ist die Voraussetzung dafür, dass Neues entstehen kann.

Für Investoren hat dies viele Implikationen. Zum einen sind Geschäftsfelder, die sozusagen per definitionem damit beschäftigt sind, Vielfalt zu fördern, per se schon attraktiv. Ökologische Landwirtschaft zum Beispiel hat immer auch das Ziel, Artenvielfalt zu befördern (SDG 2 fordert u.a. eine nachhaltigere Landwirtschaft und den Erhalt genetischer Vielfalt). Umgekehrt sind alle „Monokulturen“ zu vermeiden. Dies bezieht sich aber nicht nur auf das Geschäftsfeld, sondern auch auf die Geschäftspraxis. Wird auch im Unternehmen Diversität gefördert? Es gibt hinreichend viele und belastbare Studien, u.a. von McKinsey oder der Boston Consulting Group, die zeigen, dass Unternehmen, bei denen die Führungskräfte nach Kriterien der Diversität besetzt sind, erfolgreicher und innovativer sind als solche, die mit weißen Männern besetzt sind (was ja meist die Alternative ist).

3. Transparenz erhöhen

Eine große Hürde auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Entwicklung sind Interessenkonflikte. Unterschiedliche Menschen bzw. Gruppen haben mitunter gegensätzliche Interessen: Kohlearbeiter fürchten um ihren Arbeitsplatz, Umweltaktivisten sorgen sich ums Klima. Solche Interessenkonflikte sind dann kein Problem, wenn über die unterschiedlichen Interessen in einem offenen und fairen Verfahren diskutiert und ein Interessenausgleich gesucht werden kann. Genau deshalb ist es zum Beispiel so wichtig, dass moderne Rechtsstaaten Meinungs- und Pressefreiheit haben.

Ein fairer Ausgleich von Interessen wird aber verhindert, wenn eine der beteiligten Parteien versucht, sich durch geheime Absprachen oder Zuwendungen Vorteile zu verschaffen. Korruption und Lobbyeinfluss haben immer wieder öffentlich vereinbarte Kompromisse konterkarriert.

Entscheidend ist, dass Unternehmen und Politik transparent die Beweggründe für ihre Entscheidungen kommunizieren.

Für Unternehmen und Investoren hat diese Forderung nach Transparenz weitreichende Folgen, beispielsweise über die ohnehin gesetzlich geforderten Offenlegungspflichten hinaus auch ihren Stakeholdern Transparenz über die Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Mit der vor kurzem in Kraft getretenen CSR-Berichtspflicht für Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden und /oder mehr als 50 Mio Euro Umsatz geht die EU in dieser Richtung ebenso voran wie mit der Taxonomie für nachhaltige Investitionen. Stets geht es darum, Transparenz zu erhöhen.

4. Kapital aufbauen – in vielen Dimensionen

Mit dem gewachsenen Interesse an einer ganzheitlichen Bilanzierung und der Bedeutung nicht-finanzieller Leistungsindikatoren hängt auch ein erweiterter Kapitalbegriff zusammen. Warum erlauben wir als Gesellschaft, dass Firmen ihre Renditen erhöhen zu Lasten der Allgemeinheit oder auf Kosten der Umwelt? Der Sportartikelhersteller PUMA hat in einer Bilanzierung von Umweltschäden gezeigt, dass es die Umwelt in einem einzigen Jahr in einer Größenordnung von 145 Millionen Euro schädigt, dabei aber „gute“ ökonomische Renditen erzielt. Das ist letztlich ein Profit zulasten der Allgemeinheit. Diese zweifelhafte Logik wird künftig immer mehr in Frage gestellt werden und es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, wann Unternehmen nicht mehr nur nach ökonomischer Rendite, Arbeitsplätzen und Steuerbeiträgen beurteilt werden und darüber großzügig hinweggesehen wird, wieviel Naturkapital sie dabei zerstört haben. Es liegt in der Logik einer ganzheitlichen Bilanzierung, dass sämtliche Kapitalarten darin berücksichtigt werden. Und das Ziel muss sein, über alle Kapitalarten hinweg eine positive Ertragsbilanz zu erwirtschaften. Es gibt heute schon Nachhaltigkeitspioniere, die sich in dieser Richtung bewegen, zum Beispiel solche, die Gemeinwohlbilanzen veröffentlichen.

5. Lokale und regionale Wertschöpfungsprozesse fördern

Die Corona-Pandemie hat vieles ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, was vorher nur Eingeweihten vorbehalten war. Die unerträglichen Zustände in der Fleischindustrie gehören dazu. Auch wurde uns schmerzlich bewusst, wie abhängig wir vom Funktionieren globaler Lieferketten sind – sei es bei medizinischer Schutzausrüstung, bei Medikamten oder im produzierenden Gewerbe. Hier trifft sich der Ruf nach einer resilienteren Wirtschaft mit dem nach mehr ökologischer und sozialer Verträglichkeit – denn ein wichtiger Motor für die global verteilten Wertschöpfungsketten sind ja die Kostenvorteile, die Unternehmen dadurch realisieren, dass andernorts günstiger produziert werden kann. In einem gewissen Rahmen ist das sinnvoll und legitim, ganz gewiss aber nicht, wenn der Kostendruck dazu führt, dass eine Verletzung ökologischer und sozialer Mindeststandards in anderen Weltgegenden bewusst in Kauf genommen wird.

Es gibt viele gute Gründe, warum die Globalisierung zwar nicht rückgängig gemacht werden wird, es aber in den kommenden Jahren eine sehr viel stärkere Betonung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse geben wird:

  • Es gibt eine zunehmende Transparenz über die sozialen und ökologischen Standards in den Lieferketten bzw. auch die Verletzung entsprechender Mindeststandards (s.o.);
  • auch die Gesetzgebung wird in dieser Richtung aktiv („Lieferkettengesetz“);
  • bei Verbraucherinnen und Verbrauchern nimmt das Bewusstsein für die Implikationen ihrer Kaufentscheidungen zu;
  • die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, zumindest in Schlüsselbereichen notfalls auch im heimischen Markt deutlich autarker produzieren zu können als bisher;
  • die globalen ökologischen Krisen und ihre öffentliche Diskussion werden zu steigenden Preisen für Transporte führen („CO2-Steuer“), was die Transaktionskosten erhöht und Anreize zur Auslagerung nach Übersee reduziert;

Fazit

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass entschlossenes Handeln in Wirtschaft und Politik auch in relativer kurzer Zeit möglich ist. Bis zum Jahre 2030 sind es noch knapp 10 Jahre. Um die avisierten 17 Ziele zu erreichen, werden die in diesem Artikel vorgestellten Prinzipien für nachhaltige Investitionen – Dekarbonisieren, Vielfalt fördern, Transparenz erhöhen, ein erweitertes Kapitalverständnis und eine stärkere Gewichtung lokaler und regionaler Wertschöpfungsprozesse – eine wichtige Rolle spielen. Bereits heute gibt es für einige dieser Prinzipien klare Indizien, dass sich der Markt in diese Richtung entwickelt. In dem sehr dynamischen Markt nachhaltiger Geldanlagen werden wir noch manche Überraschungen erleben. Lange nicht alles, was glänzt, wird Gold sein. Man ist deshalb gut beraten, sich auf Prinzipien zu verlassen, die bei der Beurteilung helfen, ob eine Investition auch tatsächlich auf das einzahlt, was sie zu leisten verspricht: uns dem Ziel der Nachhaltigkeit näher zu bringen.


*Der folgende Beitrag führt einige Gedanken weiter aus, die der Verfasser in seinem jüngsten Buch formuliert hat, das als Sustainable Action. Overcoming the Barriers zunächst bei Routledge, als Ist Nachhaltigkeit utopisch? Wie wir Barrieren überwinden und zukunftsfähig handeln dann bei oekom auf Deutsch erschienen ist.

Prof. Dr.-Ing. Christian Berg
beschäftigt sich seit gut 20 Jahren mit Themen nachhaltiger Entwicklung, insbesondere mit Blick darauf, was dies für Unternehmen und die Finanzwirtschaft bedeutet. Er lehrt als Honorarprofessor für Nachhaltigkeit und Globalen Wandel an der Technischen Universität Clausthal und ist Gastprofessor für Corporate Sustainability an der Universität des Saarlands. Zuvor war er bei SAP Chief Sustainability Architect. Prof. Dr. Berg ist Mitglied im Anlageausschuss der GLS Bank. Weitere Informationen unter www.christianberg.net.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 600 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

Weiterführende Informationen:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de
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Die GLS Bank: Investitionen im globalen Süden

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Die GLS Bank ist als sozial-ökologische Universalbank bekannt, die viele soziale und ökologische Projekte in Deutschland finanziert und transparent darüber berichtet. Weit weniger bekannt ist, dass die Bank in den vergangenen Jahren auch verschiedene Instrumente und Aktivitäten entwickelt hat, um in Ländern des Globalen Südens (im Finanzmarkt Emerging Markets genannt) als gesellschaftlich verantwortungsbewusster Investor zu wirken. Ein Überblick.

Der GLS AI – Mikrofinanzfonds: Die finanzielle Teilhabe stärken

Im Dezember 2015 hat die GLS Bank einen Mikrofinanzfonds ins Leben gerufen.  Der Fonds will Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen weltweit ermöglichen. Damit verfolgt der Fonds bewusst ein entwicklungspolitisches Ziel: Nur wer Zugriff auf Kredite, Sparangebote oder Versicherungen hat, kann auch am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Der Fokus liegt auf benachteiligten Bevölkerungsgruppen, vor allem in entlegenen Gebieten.

Bei der Kreditvergabe wird besonders auf faire Kreditkonditionen Wert gelegt. Dazu hat die GLS Bank spezielle Anlagerichtlinien für Mikrofinanz erarbeitet, die von einem Anlagebeirat festgelegt und regelmäßig überprüft werden. Zu den Ausschlusskriterien zählen u.a. ausbeuterische Kinderarbeit, Raubbau in (Regen-)Wäldern, Verletzung der Landrechte indigener Bevölkerungen oder intransparente Kostengestaltung. Um einer Überschuldung der Kreditnehmer*innen vorzubeugen, ist der Fonds nur sehr begrenzt in Ländern mit erhöhtem Aufkommen von Mikrokrediten aktiv. Der Fonds beabsichtigt eine breite geographische Streuung. Über die Hälfte der Kredite werden in Ländern mit geringen und mittleren Einkommen in Südeuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika vergeben.

Der Fonds hat mittlerweile ein Volumen von knapp 190 Mio. Euro und verzeichnete auch im Rahmen der Corona-Pandemie monatlich Nettozuflüsse.

Platzierung und Zeichnung von Anleihen strukturierter Entwicklungshilfefonds

Die GLS Bank unterstützt strukturierte Entwicklungshilfefonds bei der Platzierung von Anleihetranchen und agiert auch selbst als Investor. Bei den als Private-Public-Partnerships ausgestalteten Fonds handelt es sich um moderne Instrumente der Entwicklungsfinanzierung: Öffentliche Investoren wie das BMZ oder die KfW stellen das Eigenkapital in den Junior-Tranchen bereit. Die Senior-Tranche steht privaten Investoren zur Verfügung. Sie können Inhaberschuldverschreibungen ab einer Investitionssumme von 200.000 Euro erwerben. Dieser Mechanismus bietet einen hohen Schutz, da die Anleihegläubiger erst im Risiko sind, wenn das Eigenkapital des Fonds aufgebraucht ist. Der Risikopuffer beträgt in der Regel 65 bis 80 Prozent. Die Platzierung erfolgt ausschließlich im Rahmen eines Private Placements und eine Zeichnung ist nur für so genannte "well-Informed Investors" möglich.

Inhaltlich finanzieren die Fonds kleingewerbliche Institute in benachteiligten Regionen im globalen Süden so wie der SANAD Fonds (arabisch für “Unterstützung“). Dieser fördert die Beschäftigung, insbesondere für junge Menschen, im Mittleren Osten und in Nordafrika. Mehr als 90 Prozent der Endkredite werden an Kleinstunternehmen (weniger als 10.000 US Dollar) vergeben. Wie bei den GLS Fonds gibt es auch hier strenge Positiv- und Ausschlusskriterien (keine Waffen, Zwangsarbeit, Glücksspiel, usw.) Darüber hinaus werden mittels eines Technical Assistance Programms Institute und Endkreditnehmer geschult und weitergebildet.

GLS Bank Klimafonds: Zeichnung von Anleihen mit hohem Impact

Der GLS Bank Klimafonds leistet auch in Ländern des globalen Südens einen Beitrag zum Klimaschutz. Dazu zeichnet der Fonds selektiv auch Anleihen von Unternehmen, mit denen klimafreundliche Vorhaben in Ländern des Globalen Süden finanziert werden.

  • Die Hylea-Gruppe: das Unternehmen aus Bolivien ist auf den Anbau sowie Vertrieb von Paranüssen spezialisiert. Die zu 100 Prozent ökologische Produktion leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Die nusstragenden Bäume dienen als CO2-Speicher. Der Paranussbaum kann nur in einem intakten Ökosystem überleben. Die wirtschaftliche Nutzung des Baumes bildet somit einen Anreiz, den Regenwald zu schützen, und macht Rodungen mit anschließender land- oder viehwirtschaftlicher Nutzung unattraktiv.
  • Die Africa GreenTec AG: Das Unternehmen baut und betreibt Solarkraftwerke in Form mobiler Solarcontainer in Südmali. Nur 17 Prozent der dortigen Bevölkerung haben Zugang zu Strom. Dieser wird in der Regel mithilfe von Dieselkraftwerken und -generatoren erzeugt. Mit Emission der Anleihe will das Unternehmen Solarcontainer finanzieren, mit denen mindestens 250.000 Menschen vor allem in ländlichen Gebieten dezentral mit Solarstrom versorgt werden können. Die Wartung und Pflege erfolgen durch einen regionalen Partner. Für diese Arbeiten werden Servicemitarbeiter aus der Region entsprechend ausgebildet.

Technical Assistance und Mission Investing Forum

Auch über die Investition und Platzierung hinaus fördert die GLS Bank Aktivitäten im Globalen Süden:

  • Für ihren GLS AI – Mikrofinanzfonds hat sie eigene Technical Assistance Maßnahmen ins Leben gerufen. Der Begriff umfasst technisch Beratungs- und Unterstützungsdienstleistungen für Mitarbeitende von Finanzinstituten oder der Bevölkerung in den Regionen. Mit diesen Programmen leistet die Bank konkrete Hilfe vor Ort oder ermöglicht den Wissenstransfer zwischen den Kontinenten.
  • Mit den Einnahmen aus dem GLS Bank Klimafonds unterstützt die GLS Bank auch Klimaschutzprojekte in Afrika und Lateinamerika. Die Projekte verbinden Klimaschutz mit sozialen Aspekten. Dazu zählen dieses Jahr der Aufkauf und die biodynamische Bewirtschaftung von Regenwald zum Schutz vor Rodungen in Peru oder die finanzielle Förderung von Solarkiosken und Biogasanlagen, welche einen Ersatz für den Einsatz von Dieselgeneratoren oder für das Verbrennen von Feuerholz darstellen.
  • Seit 2012 veranstaltet die GLS Bank jährlich das Mission Investing Forum in Bochum. Dafür ging die Bank eine Partnerschaft mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen ein. Es werden abwechselnde inhaltliche Schwerpunkt gesetzt, um aktuell relevante Fragestellungen rund um Stiftungen aufzugreifen, u.a. zu Finanzierungsmöglichkeiten in Afrika.

Nicht nur die GLS Bank, sondern auch die GLS Treuhand ist aktiv in Ländern des Globalen Südens. Die GLS Treuhand will gemeinsam mit Stifter*innen und Spender*innen grundlegenden, gesellschaftlichen Wandel anregen, hin zu einer sozial gerechten, friedlichen und ökologischen Welt. Dies tut sie in ihren Handlungsfeldern mit Beratung und Förderung. Vor dem Hintergrund hat sie mehrere Stiftungen ins Leben gerufen, um u.a. Projekte in Ländern des Globalen Südens zu fördern. Ausführliche Informationen unter: https://www.gls-treuhand.de/


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 630 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 02.09.2020).

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Mikrofinanz 2020: Welchen Einfluss hat Corona?

Ende vergangenen Jahres führte altii einen Podcast mit Martin Feige, Teamleiter Angebotsentwicklung und -management Investmentfonds und Research der GLS Bank, zur Entwicklung der Mikrofinanzmärkte. Seitdem hat sich viel getan. Die Welt ist eine andere geworden. Zeit für ein Update.

Herr Feige, als wir im November über Mikrofinanzen sprachen, konnte niemand ahnen, was kurze Zeit später auf uns zurollte. Lassen Sie uns kurz Revue passieren. Wann wurde Corona ein Thema für die Mikrofinanzmärkte?

Die Corona-Pandemie ist ja in unterschiedlichen Wellen verlaufen. Nach China haben sich die Auswirkungen vor allem in den Industrieländern und an den internationalen Kapitalmärkten gezeigt. Nach und nach wurde dann deutlich, dass es sich um eine weltweite Herausforderung handelt.

Anfangs war der Einfluss auf die Mikrofinanzmärkte noch sehr schwer abzuschätzen. Die Kurse vieler Mikrofinanzfonds wirkten im Vergleich zu Aktienfonds beispielsweise hochstabil. Spätestens ab April wurden die Folgen für die Länder bzw. Volkswirtschaften, in denen der GLS AI – Mikrofinanzfonds investiert ist, immer sichtbarer. Maßnahmen wie Grenzschließungen, Ausgangssperren und daraus resultierende Betriebsschließungen hinderten Endkreditnehmer*innen zunehmend daran, ihren Geschäftstätigkeiten nachzugehen.

Erfreulicherweise reagierte die Politik in Schwellen- und Entwicklungsländern sehr schnell. Supranationale Institutionen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank haben milliardenschwere Hilfspakete geschnürt.

Was bedeutete dies für die Mikrofinanzinstitute?

Mikrofinanzinstitute mussten damit rechnen, dass sich die Maßnahmen auf die Zahlung von Zinsen und Tilgungen auswirken. Durch in verschiedenen Ländern angeordnete Zahlungsaufschübe (Moratorien) konnten Endkreditnehmer*innen ihre Zahlungen über mehrere Wochen aussetzen. Dies hatte Auswirkungen auf die Kreditbücher von Mikrofinanzinstituten und beeinflusste mitunter die Zahlungen der Institute an den Fonds.

Wie haben Sie mit Ihrem Fonds darauf reagiert?

Wie bereits in den vergangenen Jahren haben wir unseren Fokus auf ein aktives Risikomanagement sowie soziale Wirkung gelegt. Unser Fondsmanagement hat den Austausch mit den Partnerinstituten intensiviert. Da unsere Investmentmanager*innen direkt vor Ort arbeiten, sind sie bestens mit dem Markt vertraut. Dadurch konnten wir schnell erfassen, ob es Auffälligkeiten beim Zahlungsverhalten von Instituten gibt. Zu bedenken ist, dass manche Effekte im Kreditportfolio der Institute erst mit einer gewissen Zeitverzögerung sichtbar sind. Umso wertvoller ist dieser enge Austausch, um mögliche negative Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Ebenso legt das Fondsmanagement seit Auflage, und auch jetzt in der Pandemie, höchsten Wert auf eine breite Risikostreuung. Im Portfolio befinden sich momentan 70 Institute aus 35 Ländern. Aufgrund der breiten geographischen Streuung und der Tatsache, dass Corona-bedingte Effekte in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten einsetzten, können negative Entwicklungen in einem Land portfolioweit abgefedert werden. Dies kam dem Fonds zu Gute.

Soweit die ökonomische Sichtweise: Wie werden sie der sozial-ökologischen Mission des Fonds gerecht?

Gerade in diesen schwierigen Zeiten wollen wir bewusst unserer Verantwortung als sozial verantwortlicher und langfristiger Investor gerecht werden. Wir stehen den Instituten als ein verlässlicher Finanzierungspartner zur Seite. Zwei Maßnahmen haben wir uns dabei vorgenommen:

Zum einen wollen wir weiter Kredite auszahlen. Denn um die Wirtschaft während der Krise aufrechtzuhalten und danach wiederzubeleben, ist die Liquiditätsversorgung von Partnerinstituten und Endkreditnehmer*innen existenziell wichtig.

Zudem planen wir bei Bedarf und in Abstimmung mit weiteren Kreditgebern alle Werkzeuge der Kreditrestrukturierung – von der Verlängerung der Laufzeiten bis hin zur Stundung von Zinsen – auszunutzen, um notleidende Institute finanziell zu unterstützen.

Und wie ist das Ergebnis?

Bisher ist es für ein endgültiges Fazit sicherlich zu früh. Einige Entwicklungen bestätigen uns aber in unserer Fondsstrategie.

Der Fonds hat zum einen in der heißen Krisenphase mehrere Institute mit Darlehen versorgt, im April beispielsweise an drei Institute über 7 Mio. Euro, im Mai dann weitere zwei Kredite. Diese erfolgten an Kunden, mit denen bereits Geschäftsbeziehungen bestanden.

Ebenfalls konnten wir Kreditkonditionen neu verhandeln. Nehmen wir das Beispiel Mexiko. Dort haben wir sechs Partnerinstitute. Gemeinsam mit internationalen Kreditgebern haben wir bei drei Instituten vereinbart, fällige Kreditraten um 6 bis 12 Monate in die Zukunft zu schieben. Und das bei unverändertem Zinssatz. Dies ermöglicht den Instituten, einen höheren Spielraum bei der Bewältigung der Krise zu haben.

Wie haben ihre Anleger reagiert? Gab es nennenswerte Änderungen bei den Fondsvolumina?

Wir bemühen uns seit Beginn der Krise, unsere Anleger*innen besonnen und sachlich zur aktuellen Lage zu informieren. Wir weisen klar auf die Risiken hin, ohne aber Panik schüren zu wollen. Diese Strategie scheint aufzugehen. In jedem Monat haben wir Nettomittelzuflüsse verzeichnet. Das Fondsvolumen beläuft sich mittlerweile auf 186 Mio. Euro – im Vergleich zu 165 Mio. Euro Ende 2019. Zu beachten ist, dass der Fonds eine sehr granulare Anlegerstruktur aufweist. Auch die Renditekennzahlen des Fonds sind stabil. Seit Auflage im Dezember 2015 erzielte der Fonds einen guten Ertrag. Dies ist natürlich keine Garantie für die zukünftige Entwicklung. Wir wissen alle, dass Kurse schwanken können und die Pandemie noch nicht vorüber ist. Doch gibt die aktuelle Entwicklung Hoffnung, sowohl für den Fonds als auch für die Mikrofinanzmärkte.

Herr Feige, herzlichen Dank für das Gespräch.


Martin Feige, Teamleiter Angebotsentwicklung und -management der GLS Bank, ist ein Spezialist für die Auflage nachhaltiger Publikumsfonds. 2015 hat er gemeinsam mit seinen Kolleg*innen den GLS AI - Mikrofinanzfonds aufgelegt. Die GLS Bank ist Pionier im Bereich nachhaltiger Finanzen. Sie wurde 1974 gegründet und verfolgt sozial-ökologische Ziele. Das Ökologische und Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt des Handelns.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von rund 580 Mio. Euro und zusätzlich den B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.06.2020).

Weiterführende Informationen:

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Hinweise zur Wertentwicklung:

Year to date

2019

2018

2017

2016

Seit Auflage

0,5

2,0

0,7

1,7

1,6

7,0

Angaben zur Anteilklasse A in Prozent, Stand 31.07.2020. Die hier vorliegenden Daten dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Der Fonds weist ein nicht auszuschließendes Volatilitätsrisiko auf. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Teilfondsvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen der IP Concept sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei IP Concept unter www.ipconcept.com erhältlich.

Empfehlung der GLS: Dieser Teilfonds ist unter Umständen für Anleger nicht geeignet, die ihr Geld innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten aus dem Teilfonds wieder zurückziehen wollen.

 

„Frankreich nimmt eine Vorreiterrolle ein, die in Deutschland nicht unbemerkt bleibt“

Im nachhaltigen Finanzbereich nimmt Frankreich eine Vorreiterrolle ein, so Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds der GLS Bank, einem bedeutenden Akteur nachhaltiger Finanzen in Deutschland, sowie zuvor Analyst des französischen Researchzentrums Novethic in Paris, wo er für die Auditierung des FNG Siegels zuständig war. Im Interview mit AEF info erklärt er die unterschiedlichen Ansätze zwischen den Ländern. Während Frankreich aufgrund gesetzlicher Initiativen eine Vorreiterrolle eingenommen hat, setzt der deutsche Markt auf freiwillige Initiativen. Aber die europäische Sustainable Finance Initiative könnte die Situation grundlegend verändern.

Welche gesetzlichen Mittel gibt es in Frankreich, die es nicht in Deutschland gibt?

In Deutschland gibt es bisher wenige Instrumente, die den Markt für nachhaltige Geldanlagen gesetzlich regulieren. Hier nimmt Frankreich europaweit eine Vorreiterrolle ein, die in Deutschland nicht unbemerkt bleibt. Dies gilt besonders für den so genannten Artikel 173, der institutionelle Anleger mit mehr als 500 Mio. Euro verwalteten Vermögens verpflichtet, über die Klimawirkung ihrer Investments zu berichten. Diese 2016 umgesetzte Regulierung folgt in Frankreich einer langen Tradition. Bereits 2010 mussten Vermögensverwalter im Rahmen des loi grenelle 2 gegenüber Investoren angeben, wie sie Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien berücksichtigen.

Der deutsche Gesetzgeber hält sich mit gesetzlicher Regulierung dagegen sehr zurück und vertraut eher auf Brancheninitiativen. Diese unterschiedliche Vorgehensweise zeigt sich sehr gut an Zertifizierungssystemen für nachhaltige Investmentfonds. In beiden Ländern gibt es am Markt etablierte Siegel, die einen Mindeststandard für Nachhaltigkeit definieren. In Frankreich ist der Staat der Träger dieser Siegel. Das Umweltministerium verwaltet ein Siegel für Klimafonds (label greenfin), das Finanzministerium ein weiteres für allgemeine Nachhaltigkeitsfonds (label ISR). Demgegenüber hat im deutschsprachigen Raum der Branchenverband selbst, das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), ein Siegel für Nachhaltigkeitsfonds an den Markt gebracht (FNG Siegel).

Wie ist die Qualität bei der Erhebung, Nutzung, Darstellung und Kommunikation von Nachhaltigkeitsinformationen?

Die meisten Vermögensverwalter, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, hängen von den Nachhaltigkeitsdaten externer Researchagenturen ab. Diese sind mittlerweile alle fest in amerikanischer Hand. Das französische Haus vigeoeiris wurde vor rund einem Jahr von Moody´s mehrheitlich erworben. Der bekannteste deutsche Anbieter, die oekom research AG, gehört seit Anfang 2018 zu ISS ESG, einem der wichtigsten Stimmrechtsberater der Welt. Diese Agenturen bieten standardisierte ESG-Analysen für Unternehmen an, die in den wichtigsten Indizes weltweit gelistet sind. Kleinere Unternehmen werden nur zum Teil abgedeckt. Hier herrschen Qualitätsunterschiede. Die Bewertungsansätze unterscheiden sich je nach Motivation der Anbieter (Risikominimierung, Reputationsschutz, Erzielung einer Nachhaltigkeitswirkung) teilweise sehr stark. Wir hinterfragen diese Ansätze intern durchaus kritisch. 

Ein großer Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich ist zudem, dass es in Deutschland bedeutend seltener interne ESG-Researchabteilungen gibt. Die GLS Bank ist hier eher die Ausnahme als die Regel. Aufgrund des geringeren gesetzlichen Drucks berichten deutsche Anbieter auch weniger über die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Investments. Insbesondere die Klimareportings französischer Häuser sind deutlich ausgefeilter und umfangreicher. Wir bei der GLS Bank versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen und ermitteln, ob unsere Anlagen und Finanzierungen im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen sind.

Seit einigen Jahren bemühen sich Anbieter zudem, verstärkt den Impact ihrer Investitionen darzustellen, vor allem im Hinblick auf die Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Diese Reportings sind aber mit großer Vorsicht zu genießen.

Tragen die staatlichen Siegel in Frankreich zur Förderung einer nachhaltigen Finanzwirtschaft im Land bei? Welche Auswirkungen hat dies auf europäischer Ebene? 

Ein Blick von außen ist schwierig. Sicherlich haben die beiden staatlichen Siegel in Frankreich das Transparenzniveau erhöht und auch geholfen, ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit am Markt zu etablieren. Dabei konnte der Staat auf wichtige Erfahrungen zurückgreifen, die das Researchunternehmen Novethic, bei dem ich viele Jahre arbeitete, mit den ersten Nachhaltigkeitssiegeln sammelte.

Vor allem das staatliche Klimasiegel Greenfin hat das Potenzial, hohe Standards bei Klimainvestments zu etablieren. Denn es schließt konsequent Kernkraft und jegliche Form fossiler Energie, also auch Erdgas, aus. Die Geschäftsaktivitäten, die als klimafreundlich gelten, sind eher restriktiv gewählt und orientieren sich an der Climate Bond Initiative. Ebenfalls fordert es eine hohe Transparenz ein. Dieses Anspruchsniveau sollte auch bei der derzeitigen Diskussion eines europäischen Ecolabels für Klimafonds vorherrschen. Erste Zwischenergebnisse zeigen leider eine andere Tendenz.

Wie schätzen Sie die Arbeit des "Sustainable Finance Beirats" ein? Hat er einen Einfluss auf die Branche?

Der Sustainable Finance Beirat ist ein knapp 40-köpfiges Gremium aus Branchenexperten. Sein Ziel ist sehr ambitioniert. Er soll der Bundesregierung Empfehlungen an die Hand geben, wie Deutschland zu einem in Europa führenden Sustainable Finance-Standort ausgebaut werden kann. Anfang März 2020 hat er einen Zwischenbericht veröffentlicht, der vielfältige Vorschläge und zwei konkrete Ziele adressiert: Die Wirtschaft nachhaltig zu transformieren und widerstandsfähiger zu machen. Dazu werden konkrete Handlungsansätze formuliert. Beispielsweise schlagen die Experten vor, die KfW zu einer transformativen Förderbank umzuwandeln. Oder Investoren sollen im Risikomanagement Klimaaspekte stärker berücksichtigen.

Die Arbeit des Beirats ist in der nachhaltigen Finanzmarktszene in Deutschland definitiv ein Thema. Der Zwischenbericht geht in die richtige Richtung, ihm fehlt aber eine klare Zukunftsperspektive. Als GLS Bank haben wir unsere Einschätzung zum Zwischenbericht auf unserer Homepage veröffentlicht.

Welchen Einfluss hat die Sustainable Finance Initiative der EU-Kommission auf Deutschland, insbesondere die Einführung der EU-Taxonomie?

An der europäischen Sustainable Finance Regulierung führt kein Weg vorbei. Das ist den Akteuren am deutschen Finanzmarkt sehr bewusst. Sie ist daher der wesentliche Treiber für die Entwicklung nachhaltiger Investments in Deutschland. Auch wenn die Taxonomie rechtlich (noch) nicht bindend ist, beschäftigen sich Marktteilnehmer jetzt intensiv mit der Frage, wie sie die gesetzlichen Transparenz- und Taxonomie-Vorgaben in ihrem Investmentprozess umsetzen können. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat zudem ein vielbeachtetes Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken verfasst.

Als einer der Pioniere für nachhaltige Finanzen in Deutschland freuen wir uns einerseits über die Dynamik. Andererseits begleiten wir die Entwicklung kritisch und fragen uns, ob die Gesetzesmaßnahmen tatsächlich zu einer nachhaltigeren europäischen Wirtschaft führen. Bisher sind die Vorhaben sehr auf die Minimierung von Klimarisiken ausgerichtet, nicht auf die nachhaltige Transformation der Wirtschaft im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft.

Kann die Coronakrise die Situation in Deutschland grundlegend ändern?

Wir befinden uns derzeit in einer historischen Ausnahmesituation, deren Folgen schwer abschätzbar sind. Deswegen tue ich mich schwer, Prognosen abzugeben. Hoffnungsfroh stimmt mich aber zu sehen, wie beherzt und tatkräftig die Politik handelt, um das gesundheitliche Wohl der Gesellschaft sicherzustellen. Wenn die Politik diese Entschlossenheit auch bei der Bekämpfung der Klimakrise zeigt, dann blicke ich zuversichtlich in die Zukunft. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg!


Dies ist eine deutsche Übersetzung. Das französische Originalinterview findet sich hier: https://www.aefinfo.fr/depeche/626208

Über Stefan Fritz

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 600 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 31.03.2020).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

https://www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

ESG-Ratings: Welche Fragen sich Anleger*innen stellen sollten

von Stefan Fritz und Jakob Heidecke, beide GLS Bank.

Nachhaltigkeit erobert den Mainstream-Finanzmarkt. Damit gewinnt auch die Nachhaltigkeitsbewertung von Unternehmen an Bedeutung. Die zunehmende Relevanz dieser sogenannten ESG-Ratings ist auch der Politik nicht verborgen geblieben. Die EU-Kommission schrieb eine Marktstudie aus. Den Zuschlag erhielt laut Branchenmedien das britische Beratungsunternehmen sustainAbility. An sich ist dies natürlich eine begrüßenswerte Entwicklung. Schließlich sollten nachhaltige Geschäftsmodelle von Investoren gefördert werden. Doch ein näherer Blick auf diese Ratings ist ratsam. Das zeigt nicht zuletzt der erste Rechtsstreit zwischen einem Anbieter von ESG-Ratings sowie dem von ihm bewerteten Unternehmen. Anleger*innen sollten verschiedene Aspekte und Fragen im Blick haben:

Welchen Einfluss haben Geschäftsziele des Researchanbieters auf ESG-Ratings?

Zu Beginn der 2000er Jahre war der Markt für Nachhaltigkeitsresearch von zahlreichen kleinen Häusern geprägt. Viele von ihnen verfolgten einen ethischen Ansatz. Zwei Beispiele: Die oekom research AG (heute ISS ESG) entwickelte ihr Bewertungsverfahren aus dem Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden, einem ethischen Kriterienkatalog, der von Ökonomen, Philosophen und Theologen entwickelt wurde. Das französische Haus Vigeo (heute Vigeo Eiris) wurde 2002 gemeinsam von Investoren, Gewerkschaften und Unternehmen gegründet, um die soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen zu ermitteln.

Im Laufe der vergangenen 10 Jahre haben sich die Marktstrukturen radikal verändert. Schritt für Schritt betraten große amerikanische, börsennotierte Finanzdienstleister die Bühne. Mit ihrer Finanzkraft kauften sie nach und nach kleine Anbieter auf. 2010 kaufte MSCI Riskmetrics, 2016 erwarb S&P Trucost, 2017 beteiligte sich Morningstar an Sustainalytics, 2018 schluckte ISS die oekom Research AG und vergangenes Jahr übernahm Moody's Anteile am britisch-französischen Haus Vigeo Eiris. Die Folge: Heute zeichnet sich der Markt durch ein Oligopol weniger Anbieter aus, die mittlerweile allesamt in amerikanischer Hand liegen.


Quelle: Dr. Judith Ströhle: Die Ursprünge unterschiedlicher Ratingansätze. Erschienen in: Absolute Impact, Ausgabe 04/2019.

Es stellen sich Fragen: Inwieweit bewahren die neuen Eigentümer die ursprüngliche ethische Motivation ihrer Akquisitionen? Viele Researchhäuser betonen zunehmend das finanzielle Risiko schwacher Umwelt- und Sozialleistungen von Unternehmen und Staaten. Geht es also bei ESG-Ratings darum, das finanzielle Risiko von Nachhaltigkeitskriterien aufzuzeigen? Oder sollen die Unternehmen am besten bewertet werden, deren Geschäftsmodell zukunftsweisende Lösungen haben? Je nach Antwort können ESG-Ratings stark variieren.

Fördert die derzeitige Abdeckung von ESG-Ratings am Markt die Finanzierung wirklich nachhaltiger Geschäftsmodelle?

Viele nachhaltige Fondsanbieter und Investoren richten sich nach Benchmarks. Bei Aktienfonds ist das häufig der MSCI World Index. Das Auswahlverfahren beginnt also damit, dass die Anbieter von den rund 1.600 Indextiteln diejenigen mit dem schlechtesten ESG-Rating aussortieren. Aus den verbliebenen Titeln setzen sie dann ihr Portfolio zusammen. Um für Fondsanbieter und Investoren überhaupt in Frage zu kommen, müssen Researchanbieter die ESG-Ratings aller Unternehmen großer Indizes bereitstellen. Ihr Fokus liegt demnach auf großen börsennotierten Unternehmen. Kleinere Unternehmen fallen häufig durch das Raster, da sie aufgrund mangelnder Handelbarkeit oder zu hohem finanziellen Risiko seltener nachgefragt werden. Das klassische Prinzip von Nachfrage und Angebot eben.


Quelle: Coffey, Brendan, Here Are Fund Managers’ Favorite ESG Stocks (2019)

Doch müssen für den Weg zu mehr Nachhaltigkeit nicht neue Geschäftsmodelle gefördert werden? Muss das Geld nicht dorthin fließen, wo es tatsächlich gebraucht wird; in kleine, junge Unternehmen, die ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell haben; Unternehmen, die über Anleiheemissionen oder Kapitalerhöhungen frisches Kapital einnehmen und direkt in wirkungsstarke Projekte investieren? Soll nicht die Zukunftsfähigkeit eines Geschäftsmodells und nicht die Börsenkapitalisierung der Ausgangspunkt eines Investmentprozesses sein? Würde sonst nicht eher der Status quo gefördert? In welcher Weise haben Researchhäuser darauf eine Antwort?

Scoring-Modelle mit hoher Divergenz

Anbieter von ESG-Scorings müssen sich immer wieder gegen den Vorwurf wehren, ihre Bewertungen seien unpräzise und würden stark voneinander abweichen. Während die Ratings großer Kreditratingagenturen in der Regel sehr nahe beieinander liegen, sei die Korrelation von ESG-Ratings vergleichsweise gering. Dafür gibt es viele Gründe. Während Kreditratings nur die Kreditausfallwahrscheinlichkeit messen und auf standardisierten Verfahren beruhen, spielen bei ESG-Ratings unterschiedliche Faktoren eine Rolle:

  • Zielsetzung des Ratings: Es gibt unterschiedliche Zielrichtungen eines ESG-Ratings. Anleger*innen sollten sich fragen: Zielt das Rating darauf ab, finanzielle Risiken zu vermeiden, die sich aus ESG-Aspekten ergeben? Oder soll es Unternehmen ermitteln, die eine hohe ökologische und soziale Wirkung erreichen?
  • Gewichtungen von ESG-Kriterien: Es gibt keinen Standard, wie bestimmte Umwelt- und Sozialaspekte berücksichtigt und gewichtet werden sollen. Je nach Ziel des ESG-Ratings kann dies erheblich variieren. Manche Anbieter gewichten Sozialaspekte höher, andere Umweltaspekte. Einer der Hauptkritikpunkte an der EU-Taxonomie ist derzeit, dass Klimaaspekte einen zu hohen Einfluss haben und Sozialaspekte nur im schwachen Maße Beachtung finden.
  • Qualität und Verfügbarkeit von Daten: Die Qualität der berichteten Daten kann sich von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterscheiden. Große multinationale Konzerne haben häufig ein umfassendes Berichtswesen, mit dem sie umfangreich über ihre ESG-Leistungen Auskunft erteilen. Bei kleineren Unternehmen fehlen nicht selten die Kapazitäten, um sich mit ESG-Reportinganforderungen auseinanderzusetzen. Deswegen wird am Markt kolportiert, dass es eine positive Verzerrung von ESG-Ratings für große Unternehmen gäbe. Anleger*innen müssen also vor allem bei kleinen Unternehmen sehr genau hinterfragen, ob eine schlechte Bewertung auf schwache Sozial- oder Umweltleistungen zurückzuführen ist oder schlichtweg auf fehlende Angaben.
  • Betrachtungsweise: Manche Anbieter nehmen innerhalb einer bestimmten Gruppe an Unternehmen (Indizes, Branchen, Ratinguniversum) eine relative Verteilung von ESG-Ratings vor. Das Ergebnis ist dann einer Standardnormalverteilung sehr ähnlich. Das wäre wie das Ergebnis einer Klassenarbeit, bei der es genauso viele Einser wie Sechser, Zweier wie Fünfer, Dreier wie Vierer gibt. Der Notenschnitt läge in der Mitte. Demgegenüber gibt es Anbieter, die unabhängig von solchen Gruppen eine absolute ESG-Bewertung vornehmen. Um im Bild der Notenverteilung zu bleiben, gäbe es vielleicht keine Einser und Zweier, dafür einige Dreier und Vierer und sehr viele Fünfer und Sechser. Der Schnitt wäre demnach sehr viel schlechter. 


Quelle: Eccles, Robert G. and Stroehle, Judith, Exploring Social Origins in the Construction of ESG Measures (July 12, 2018). Available at SSRN: https://ssrn.com/abstract=3212685

Fazit und wie die GLS Bank zu ESG-Ratings steht:

Die ESG-Bewertung von Unternehmen wird immer relevanter am Kapitalmarkt. Dies ist ein richtiger und wichtiger Schritt, um Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen. Jedoch sollten Anleger*innen die unterschiedlichen Motivationen und Methoden der Anbieter von ESG-Ratings am Markt hinterfragen. Die GLS Bank selbst überprüft jedes Investment im Detail auf sozial-ökologische Kriterien. Statt allerdings quantitativ Plus- und Minuspunkte zu verrechnen, wählt die Bank die Einzelfallentscheidung als bewusstes Arbeitsprinzip. In einem interdisziplinär zusammengesetzten Anlageausschuss diskutieren und entscheiden renommierte Nachhaltigkeitsexpert*innen, auf Basis von quantitativen und qualitativen Indikatoren, ob Unternehmen in das GLS Anlageuniversum aufgenommen werden oder nicht. Dies mag auf den ersten Blick wenig systematisch wirken. Aber es beugt einem mechanischen und einseitigen Bewertungsschema vor. Schließlich kann ein ESG-Scoring nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen.

Statt also ausschließlich auf ESG-Scorings zu vertrauen, stellen die Expert*innen die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells selbst in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. Sie wollen Gelder dorthin lenken, wo sie am stärksten gebraucht werden. Deswegen werden auch kleinere Unternehmen aufgenommen, die eine hohe direkte Wirkung entfalten, jedoch nur vereinzelt von den Bewertungsansätzen der ESG Ratingagenturen erfasst werden. Auf diese Weise will die GLS Bank in ihrem Investmentfondsgeschäft die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft fördern und einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen leisten.


Über Stefan Fritz

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Über Jakob Heidecke

Jakob Heidecke ist im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank tätig. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung neuer Emittenten sowie dem kontinuierlichen Monitoring des GLS Anlageuniversums. Zuvor absolvierte er einen M.Sc. Studiengang im Bereich Sustainable Finance an der Universität Maastricht.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 31.03.2020).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Die CORONA-KRISE: Welche Auswirkungen hat dies für Anleger*innen?

Interview mit Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds & Research der GLS Bank, zur aktuellen Marktentwicklung (Stand: 19.03.2020)

Herr Kührlings, diese Tage sind nichts für Anleger*innen mit schwachen Nerven. Können Sie uns kurz die Hintergründe für die Kursrückgänge erläutern?

Es gibt zwei Ursachen für die massiven Kursrückgänge. Einerseits ergeben sich erhebliche wirtschaftliche Verwerfungen aus der Corona-Pandemie. Diesen kann sich kaum ein Unternehmen auf der Welt entziehen. Zum zweiten findet ein massiver Ölpreisverfall statt, der auf eine wirtschaftliche Auseinandersetzung zwischen Russland und Saudi-Arabien zurückzuführen ist.

Welche Branchen sind besonders betroffen?

Alle, wenn auch im unterschiedlichen Ausmaß. Unter dem Ölpreisverfall leiden insbesondere die großen Ölkonzerne. Auch Aktien von Unternehmen aus dem Rohstoffsektor, der Konsumgüterindustrie oder der Finanzindustrie sind im hohen Maße rückläufig. Dies gilt ebenso für Unternehmen aus der Luftfahrt- und Tourismusindustrie.

Was bedeutet die aktuelle Marktentwicklung für GLS Investmentfonds?

Selbstverständlich konnten sich auch unsere Fonds nicht der aktuellen Marktentwicklung entziehen und haben signifikante Kursrückgänge verzeichnet. Im Vergleich zu gängigen Marktindizes ist die Marktentwicklung unserer Fonds aber durchaus nicht so schlecht. Wir investieren bewusst in zukunftsweisende Geschäftsfelder, wie sie in unseren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen beschrieben sind. Das sind Unternehmen, die Telearbeitslösungen anbieten statt Dienstreisen, Erzeuger Erneuerbarer Energien statt fossiler Energien. Im Portfolio befinden sich keine Fluglinien, keine Kreuzfahrten, keine Anbieter von Massentourismus. Wir haben auch sehr granulare Portfolien, um bewusst Klumpenrisiken zu vermeiden. Insbesondere in Krisenzeiten zahlt sich das aus.

Wie reagieren die Anleger*innen?

Unsere Berater*innen sind im engen Austausch mit unseren Kund*innen. Viele haben derzeit Gesprächsbedarf. Insgesamt reagieren unsere Investoren aber sehr besonnen. Wir verzeichnen keine Mittelabflüsse. Im Gegenteil, in den vergangenen Tagen haben wir sogar Mittelzuflüsse gehabt.

Das heißt, es gibt derzeit keinen Grund angesichts der aktuellen Marktentwicklung Anteile zu verkaufen?

Wir können hier keine pauschalen Kauf- und Verkaufsempfehlungen aussprechen. Dafür gibt es ja Beratungsgespräche. Ganz allgemein lässt sich sagen: Bei aller Sorge sollten Anleger*innen nicht vergessen, dass Panik-Verkäufe so ziemlich das schlechteste sind, was sie ihrem Vermögen antun können. In der Regel stabilisieren sich die Kurse nach Panikperioden. Anleger*innen sollten daher ihre Anteile als langfristiges Investment betrachten und auch größere Schwankungen aushalten. Dies entspricht auch unserer eigenen Anlagephilosophie. Wir verstehen uns als Buy- and Hold-Investor, der starke nachhaltige Unternehmen langfristig begleitet. Diesem Grundsatz werden wir auch in den kommenden Monaten treu bleiben. Denn wir sind überzeugt, dass die Aussichten für Aktien langfristig weiterhin gut sind.

Ist vielleicht sogar der Zeitpunkt gekommen, nachzukaufen?

Es ist ja eine alte Börsenweisheit, dass Kursrückgänge auf lange Sicht ein Mittel sein können, um Fondsanteile nachzukaufen. Doch müssen Anleger*innen sich einer Gefahr bewusst sein: Wenn sie zu früh kaufen und die Kurse weiter fallen, greifen sie in ein „fallendes Messer“. Deswegen raten viele Börsenexpert*innen, nicht alles auf einmal zu investieren, sondern über einen längeren Zeitraum sukzessive nachzukaufen.

Wie werden sich die Börsen in der Zukunft entwickeln?

Die derzeitige Situation ist für alle Beteiligten neu. Daher sind seriöse Aussagen über die Kursverläufe derzeit nicht möglich. Viele Experten, etwa große Investmenthäuser oder Börsenjournalisten, publizieren regelmäßig Markteinschätzungen, an denen sich Anleger*innen orientieren können. Wir haben organisatorisch alle Voraussetzungen geschaffen, um auch in den kommenden Wochen und Monaten im vollen Maße einsatzbereit zu sein. Unsere Portfolioberatung wird wie bereits in den vergangenen Tagen und Wochen den Markt sehr genau beobachten und vorsichtig im Interesse der Anleger*innen agieren.


Weitere Informationen zur Kursentwicklung der Fonds:

Informationen zu Chancen und Risiken: Die hier vorliegenden Aussagen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Investmentfonds weisen auf Grund ihrer Zusammensetzung und ihrer Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilpreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Investmentvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei Universal-Investment unter www.universal-investment.com bzw. IP Concept unter www.ipconcept.com erhältlich.

Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds sowie den B.A.U.M. Fair Future Fonds an.

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Klimareporting von Investoren: Was man von Frankreich lernen kann

Die Diskussion am deutschen Kapitalmarkt zu klimafreundlichen Investments nimmt immer mehr Fahrt auf. Im Interview stellte Tobias Baumann aus der Portfolioberatung der GLS Bank den Ansatz des GLS Bank Klimafonds vor. Unter Branchenkennern heißt es oft, dass französische Investoren bei der Darstellung von Klimarisiken europaweit führend sind. Schon 2015 hat der französische Gesetzgeber Finanzinstitute mit mehr als 500 Mio. Euro an verwalteten Vermögen dazu verpflichtet, über die Klimarisiken ihrer Investments zu berichten („Artikel 173“). Seitdem schauen Investoren auch hierzulande jedes Jahr auf die Entwicklungen am französischen Markt. Gibt es dort Ansätze und Maßnahmen, von denen auch deutsche Finanzmarktakteure lernen können? Das französische Researchunternehmen Novethic veröffentlicht jedes Jahr eine Studie, in dem es über die neuesten Klimareportings großer Investoren berichtet. Dazu hat es die Berichtsdaten von 72 der größten Investmenthäuser Frankreichs mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 2.000 Mrd. Euro ausgewertet.

Hier sind die wesentlichen Erkenntnisse der jüngsten Studie:

Erkenntnis 1: Die Richtlinien der Task Force on Climate-related Financial Disclosure werden immer beliebter

Am deutschen Finanzmarkt weitgehend unbemerkt, tagte bereits 2017 unter dem Vorsitz des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Michael Bloomberg eine hochrangige Arbeitsgruppe mit einem klaren Ziel: Standards für Klimareportings weltweit zu etablieren. Ihr Name: Task Force for Climate-related Financial, kurz TCFD. Ein Investor sollte gemäß den TCFD-Richtlinien Auskunft auf vier Fragen geben: 1) Spielen klimabezogene Risiken in der Unternehmenspolitik und Führungsgremien eine Rolle? 2) Finden diese Risiken Eingang in die Unternehmensstrategie und 3) im Risikomanagement? 4) Mit welchen Kennzahlen werden sie gemanagt? Obwohl der französische Gesetzgeber keine Vorgaben zum Rahmenwerk der Klimaberichterstattung macht, richten sich immer mehr Investoren nach diesem Standard, vorrangig die Anbieter mit dem ehrgeizigsten Klimareporting. Auch die aktuellen Regulierungsvorhaben auf EU-Ebene orientieren sich an diesen Richtlinien.


Quelle: Novethic

Erkenntnis 2: Messung des CO2-Fußabdrucks auch in Frankreich eine Herausforderung

Sosehr die TCFD-Richtlinien an Akzeptanz gewinnen, so sehr bleibt die Messung und Darstellung des CO2-Fußabdrucks eine Herausforderung. Heterogene Berechnungsmethoden, geringe Abdeckung und verschiedene Darstellungsformen machen die Vergleichbarkeit sehr schwierig – eine Einschätzung, welche die GLS Bank teilt. Zwar berichten rund zwei Drittel der Befragten über diese Kennzahl. Doch herrschen zwischen den Assetklassen deutliche Unterschiede. Am weitesten verbreitet ist die Erhebung der Kennzahl für Unternehmensanleihen und Aktien, wohingegen bei Infrastruktur- und Immobilieninvestments nur wenige Investoren dazu Daten erheben. Häufig werden die hauseigenen Daten mit Benchmarks verglichen, um die Klimaleistung des Portfolios darzustellen.  Allerdings ist die Aussagekraft dieser Vergleiche sehr begrenzt, da der Benchmark selbst keine ESG-Kriterien berücksichtigt. Nichtsdestotrotz nutzen immer mehr Investoren die Kennzahl als ein Instrument, um den Fortschritt ihrer Klimaanstrengungen zu messen und zu überwachen.

Erkenntnis 3: Es gibt unterschiedliche Strategien, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren

Es gibt unter französischen Investoren sehr unterschiedliche Ansätze, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Die Studie unterscheidet vier Ansätze:

  1. Stockpicking: Die Investoren legen ihr Geld in Unternehmen mit geringen Treibhausgasemissionen an, z.B. Technologieunternehmen. Oder sie schließen die Unternehmen mit den höchsten Treibhausgasemissionen aus, z.B. durch den Ausschluss von Kohle.
  2. CO2-neutrale Zielsetzungen: Dieser neue Trend besteht darin, dass Investoren durch die Bündelung verschiedener Maßnahmen (Energieeffizienz, Emissionsreduzierung, Kompensation) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einen neutralen CO2-Fußabdruck erzielen wollen. Bisher ist dieser Ansatz nicht sehr ausgeprägt. Mit der Net-Zero Asset Owner Alliance, die im September 2019 startete, könnte hier eine neue Dynamik entstehen.
  3. Absolute Reduktionsziele: Dabei will der Investor seinen CO2-Fussabdrucks über die Zeit um einen bestimmten Prozentsatz senken. Mit dieser Maßnahme lässt sich aber nicht sagen, ob der Investor ein 2 Grad- kompatibles Portfolio hat oder nicht.
  4. Verringerung des CO2-Fußabdrucks von Immobilien: 25 Prozent der CO2-Emissionen Frankreichs stammen aus dem Immobilienbereich. Hier gibt es ein hohes Einsparpotenzial. Allerdings ist auch dies ein wenig verbreiteter Ansatz.

Erkenntnis 4: Der Anteil „grüner Investments“ steigt

Immer mehr institutionelle Investoren legen ihr Geld in Assets an, die als „grüne Investments“ ausgewiesen sind. Rund 1,4 Prozent des verwalteten Vermögens wurde entsprechend allokiert, eine Steigerung um 8,6 Mrd. Euro innerhalb eines Jahres. Auch setzen Investoren spezifische Ziele, ihren Anteil „grüner“ Investments kontinuierlich auszubauen.

Erkenntnis 5: Die Angabe einer Portfolio-Temperatur gewinnt an Bedeutung

Die GLS Bank hat auf ihrer Bilanzpressekonferenz Anfang Februar präsentiert, inwieweit ihr Klimafonds im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen steht. Auch auf dem französischen Markt zeigt sich, dass die Messung, inwiefern ein Portfolio kompatibel mit einem bestimmten Erderwärmungsszenario ist, an Relevanz gewinnt. 32 der 78 befragten Investoren haben dazu Messungen vorgenommen. Die Teilnehmer gehen dabei methodisch verschiedene Wege. Die eine Gruppe von Investoren berichtet, wie hoch die Portfoliotemperatur ausfällt. Manche von ihnen berücksichtigen dabei explizit spezifische Sektorbudgets. Die andere Gruppe verglich den Energiemix ihrer Investments mit den Szenarios der Internationalen Energie Agentur (IEA).

Fazit

Am französischen Markt gibt es eine Vielzahl an Mitteln und Wegen, die Klimarisiken im Portfolio großer institutioneller Investoren zu erfassen und zu managen. Zum Teil stoßen die befragten Institute auf die gleichen Herausforderungen wie deutsche Häuser. Die Ansätze erscheinen jedoch weitgehender und ausgereifter als hierzulande. Wenngleich gesetzliche Regulierung nicht immer ein Allheilmittel darstellt, so haben die gesetzlichen Reportingpflichten doch zu einer höheren Sensibilität bei institutionellen Investoren geführt. Die Praxis zeigt, dass es einige Musterschüler gibt, aber auch sehr viele, die sich mit dem Thema nur soviel befassen, wie sie müssen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen zum GLS Bank Klimafonds:

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Wie kann ein Fonds einen Beitrag zum Klimaschutz leisten?

Klimaschutz ist am Kapitalmarkt das Thema der Stunde. Die Akteure am Finanzmarkt sollen ihren Beitrag leisten, um ehrgeizige Klimaschutzziele auf nationaler und internationaler Ebene zu erreichen. Initiativen wie die Taskforce on Climate-related Financial Disclosure (TCFD), Klimastresstests oder der EU Action Plan on Sustainable Finance sollen dazu den Weg weisen. Viele Fondsanbieter haben die Zeichen der Zeit erkannt und legen spezielle Anlageprodukte auf, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Auch die GLS Bank hat sich vor rund 2,5 Jahren zur Auflage eines Klimafonds entschieden. Der hauseigene Mischfonds legt in Aktien und Anleihen an, die aus Sicht der GLS Bank einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zum Ansatz des Fonds spricht altii mit Tobias Baumann aus dem Portfolio Advisory der GLS Bank.

Die GLS Bank ist Pionier des sozial-ökologischen Bankgeschäfts. Welche Position nimmt die Bank beim Klimaschutz ein?

Tobias Baumann: Klimaschutz liegt in der DNA der GLS Bank. Die Ursprünge reichen dabei weit zurück. Als eine der ersten Banken hat die GLS Bank Ende der 80er Jahre Finanzierungen für Windkraftanlagen bereitgestellt. In ihren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen hat sich die GLS Bank zum Ziel gesetzt, eine regenerative, dezentrale und bürgernahe Energieversorgung zu fördern. Die Bank möchte gezielt die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, die sie als Bank hat.

Dafür beteiligt sie sich aktiv an der öffentlichen Debatte. So fordert sie eine ausnahmslose und gerechte Bepreisung auf den Ausstoß von Treibhausgasen. Zudem ist die GLS Bank Vorreiter. Bewusst setzt sie Zeichen. Gemeinsam mit sozial-ökologischen Banken weltweit hat sie sich Anfang 2019 dazu verpflichtet, innerhalb der nächsten drei Jahre die Klimawirkung ihres Kreditportfolios und ihrer Investments zu messen. Das Ziel dahinter ist klar. Das gesamte Anlage- und Finanzierungsportfolio soll bis Ende 2022 im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens stehen, sprich 1,5 Grad-kompatibel sein. Darüber hinaus nimmt sie im Rahmen von Companies for Future beim Klimastreik teil.

Dann lassen Sie uns näher über ihren Anspruch sprechen, Sie haben im August 2017 einen eigenen Klimafonds aufgelegt. Was sind die Hintergründe?

Tobias Baumann: Die GLS Bank wollte auch auf der Fondsseite ihr Bekenntnis zum Klimaschutz unterstreichen. Kund*innen soll die Möglichkeit geboten werden, einen aktiven Beitrag zur Eindämmung des Klimaschutzes zu leisten. Besonders im Blick hatte die GLS Bank bei Fondsauflage die Divestment-Bewegung. Staatlichen und öffentlichen Investoren, die ihr Geld aus fossilen Investments abgezogen hatten, wollte die GLS Bank eine sinnvolle Wiederanlagemöglichkeit ihres Kapitals bieten. Die Wahl fiel dabei auf einen Mischfonds. Damit konnte der Fonds auf der Anleiheseite auch in Green Bonds investieren, die zum damaligen Zeitpunkt von einer zunehmenden Anzahl an Emittenten und mit wachsendem Volumen begeben wurden.

Mit welchem Ansatz geht die GLS Bank an das Thema heran? Investiert der Fonds in alle Branchen?

Tobias Baumann: Der generelle Anspruch der GLS Bank ist es, ihren Investoren Anlagemöglichkeiten zu bieten, die die hohen sozialen und ökologischen Standards berücksichtigen. Deswegen gelten für den Fonds die hauseigenen, strengen Ausschlusskriterien: Unternehmen mit Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen, gentechnisch veränderte Nahrungsmittel, Atomkraft, Massentierhaltung, Waffenhersteller sind ohne Ausnahme ausgeschlossen. Auch müssen alle Unternehmen in zukunftsweisenden sozial-ökologischen Geschäftsfeldern aktiv sein. Investitionen in Energieeffizienzprojekte von Flughafenbetreibern oder Erdölförderern, die am Markt als klimafreundlich beworben werden, kommen daher für die GLS Bank nicht in Frage.

Wie stellt der Fonds sicher, in klimafreundliche Unternehmen zu investieren?

Tobias Baumann: Die GLS Bank hat dafür besondere Klimakriterien entwickelt. Zum einen investiert sie in Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Umsätze in besonders klimaschützende Geschäftsfelder erwirtschaften und so einen positiven Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels leisten. Das sind Fahrradhersteller, Betreiber öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, Erzeuger erneuerbarer Energien, Produzenten ökologischer Dämmstoffe etc. Zum zweiten möchte der Fonds auch die Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft mitgestalten. Deswegen investiert er auch in Unternehmen, die entweder bereits viele Treibhausgasemissionen eingespart oder eine besonders anspruchsvolle Klimastrategie mit hohen Einsparzielen aufgestellt haben und darüber umfassend berichten.

Um die Wirkung des Fonds zu steigern, nimmt der Fonds regelmäßig an Kapitalmaßnahmen teil und stellt den Unternehmen Kapital direkt zur Verfügung. Dadurch ermöglicht sie den Unternehmen, ihre geplanten und notwendigen klimaschützenden Projekte zu realisieren. Beispielsweise zeichnete der Fonds neue Aktien der 7C Solarparken AG, einem kleinen deutschen Solarparkbetreiber, der mit dem eingeworbenen Geld seine Solarparks erweitert. Oder der Fonds beteiligte sich an der Anleiheemission der Africa GreenTec AG, die mit dem Erlös Solarcontainer für die ländliche Bevölkerung in Mali finanziert.

Der GLS Bank Klimafonds investiert auch in Green Bonds. Wie ist hier ihr Vorgehen?

Tobias Baumann: Die GLS Bank freut sich über die positive Marktentwicklung von Green Bonds. In der täglichen Arbeit im Portfoliomanagement und im Nachhaltigkeitsresearch stellen wir leider häufig einen Mangel an Transparenz und Standardisierung sowie teilweise eine zweifelhafte Mittelverwendung fest. Auch die Zweitmeinungen externer Researchagenturen, so genannte Second Party Opinions, geben nicht immer ausreichend Aufschluss über die Qualität.

Um den eigenen Anspruch gerecht zu werden, haben wir intern einen eigenen Green Bonds Prüfprozess ins Leben gerufen, der vier Bewertungsstufen umfasst, von der eingehenden Prüfung des Emittenten, über die Inhalte des Bonds, Prozesse und Transparenz bis hin zu einem internen Vetorecht. Damit gelingt es uns, schnell auf Neuemissionen zu reagieren und die inhaltliche Qualität sicherzustellen. Im Ergebnis zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Green Bonds die hauseigene Prüfung nicht bestehen.

Ein Klimafonds sollte auch belegen, dass er gut für das Klima ist. Viele Fonds tun dies anhand des CO2-Fußabdrucks. Wie zeigen Sie dies?

Tobias Baumann: Die GLS Bank lässt auf verschiedene Art und Weise die Klimawirkung des Fonds feststellen. Zunächst prüft die Nachhaltigkeitsresearchagentur imug jedes Jahr den Auswahlprozess des Fonds und analysiert Titel im Portfolio darauf, inwiefern sie einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Dies wird in einem Prüfvermerk festgehalten, der sich auch im Investitionsbericht des Fonds auf der Website wiederfindet.

Auch werden für den Fonds jährlich die CO2-Emissionen des Portfolios erhoben. Dazu Jahr arbeiteten wir zum ersten Mal mit dem renommierten Wuppertal-Institut zusammen. Es handelte sich dabei um eine sehr viel tiefergehende Analyse Bis auf einen Titel konnten alle Investments erfasst werden. Dies ist bemerkenswert, da sich im Fonds auch viele kleinere Titel befinden, die nicht immer von anderen Anbietern abgedeckt werden. Im Ergebnis werden pro 1 Mio. Euro Wertschöpfung bzw. Bondvolumen ca. 218 Tonnen Kohlenstoffäquivalente emittiert. Die Darstellung dieser Kennzahl betrachten wir aber mit gemischten Gefühlen.

Warum?

Tobias Baumann: Es gibt sehr viele Herausforderungen bei der Berechnung von CO2-Kennzahlen. Das fängt mit einer geringen Portfolioabdeckung an, da Datenanbieter nicht die Treibhausgasemissionen aller Unternehmen bereitstellen. Auch fehlen Standards, nach denen sich alle richten. Der GLS Bank Klimafonds orientiert sich an dem Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF)-Standard. Andere Fonds haben andere Berechnungsgrundlagen. Dadurch schwankt die Qualität der erhobenen Daten. Drittens gibt es keine einheitliche Darstellung am Markt. Beziehen sich Fondsanbieter auf die Marktkapitalisierung? Oder den Umsatz? Oder stellen sie absolute Werte dar? Manche Fonds werden zudem schöngerechnet, indem besonders schlechte Benchmarks gewählt werden. Oder die Sektorallokation des Fonds sieht so aus, dass sie nicht die Investmentwirklichkeit widerspiegelt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass der CO2-Fußabdruck eine vergangenheitsbezogene Zahl ist, mit der keine Aussage zu künftigen Emissionen der Unternehmen im Fonds getroffen werden kann. Damit ist es für Investoren sehr schwierig, anhand dieser Kennzahl die Klimawirkung des Fonds abzulesen.

Kennen Sie einen anderen Weg, der aus Sicht der GLS Bank besser geeignet ist, die Klimawirkung zu erfassen?

Tobias Baumann: Der Ansatz der GLS Bank ist, sich bei der Messung der Klimawirkung stärker auf die Zukunft zu konzentrieren. Der Fokus sollte auf der Frage liegen: Ist der Fonds im Einklang mit dem Pariser Klimaschutzabkommen? Dazu ist die Bank eine Entwicklungspartnerschaft mit right. based on science, einem Anbieter wissenschaftsbasierter Daten eingegangen. Bewusst verfolgt die GLS Bank damit das Ziel, eine Diskussion zu diesem Thema anzustoßen, die nicht in der Vergangenheit stehen bleibt. Auf der Bilanzpressekonferenz am 5. Februar wurde das Ergebnis der Ersterhebung präsentiert. Erfreulicherweise ist der Fonds im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens (Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen der Berechnung). In den kommenden Jahren soll der Ansatz sukzessive weiterentwickelt werden.

Findet ihr Konzept Anklang bei Investoren? Richtet es sich auch an institutionelle Investoren?

Tobias Baumann: Seit Auflage im August 2017 verzeichnet der Fonds kontinuierliche Zuflüsse. Die öffentlichen Diskussionen um das Klima haben dem Fonds in den vergangenen Monaten einen beachtlichen Volumenschub gegeben. Im laufenden Geschäftsjahr seit dem 1. August 2019 stieg das Fondsvolumen von 49 Mio. Euro auf 85 Mio. Euro an.

Mit der Anteilscheinklasse B, die ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar ist, spricht die GLS Bank gezielt institutionelle Investoren an. Zu den Anleger*innen dieser Tranche gehören einige semi-professionelle sowie institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen oder Family Offices. Auch Akteure aus der Zivilgesellschaft mit sozialen Zielen wie z.B. NGOs zeigen starkes Interesse. Die laufenden Kosten betragen 1,0 Prozent.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Was erwarten Sie für den Fonds in den kommenden 12 Monaten?

Tobias Baumann: Die Klimadebatte wird weitergehen, sowohl öffentlich als auch am Kapitalmarkt. Dies dürfte den Fonds auch in den kommenden Monaten zu Gute kommen. Darüber hinaus wird der Fonds im August drei Jahre alt und weist damit ein Alter auf, in dem viele Fonds von großen Finanzplattformen bewertet werden. Dieser Track Record dürfte den Fonds für weitere Investorenkreise interessant werden lassen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Über Tobias Baumann

Tobias Baumann arbeitet seit knapp einem Jahr in der Portfolioberatung der GLS Bank und ist für das Management des GLS Bank Klimafonds verantwortlich. Zuvor war er mehrere Jahre als Portfoliomanager im Asset Management der Wüstenrot & Württembergischen AG tätig. Tobias Baumann ist seit 2015 CFA Charterholder und hat ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim abgeschlossen.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen 

www.gls-fonds.de/klima
investmentfonds@gls.de

Wahl nachhaltiger Investmentfonds: Worauf Anleger*innen achten sollten

von Thomas Graf, Teamleiter Nachhaltigkeitsresearch, GLS Bank.

In jüngster Vergangenheit wird auf politischer Ebene viel über die Definition nachhaltiger (oder zumindest klimafreundlicher) Investments debattiert. Der regulatorische Druck wächst. In diesem Zuge berücksichtigen immer mehr Investoren Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (englisch ESG für Environmental, Social, Governance) im Investmentprozess. Das Angebot an Fonds mit nachhaltigen Anlagestrategien wächst. Bereits heute haben viele Anleger*innen Schwierigkeiten, die sozial-ökologische Qualität von Nachhaltigkeitsfonds richtig einzuschätzen. Doch es gibt ein paar Hilfsmittel, mit denen Anleger*innen einen strengen und glaubwürdigen Nachhaltigkeitsansatz identifizieren können.

1) Die Motivation und Kriterien des Fondsanbieters hinterfragen

In Zeiten, in denen sich große Fondsanbieter als führende Nachhaltigkeitshäuser positionieren, gerät eine entscheidende Frage schnell in den Hintergrund: Warum beschäftigen sich Fondsanbieter eigentlich mit Nachhaltigkeit? Es gibt sicherlich unterschiedliche Motivationen für die Auflage von Nachhaltigkeitsfonds. Manche Asset Manager schielen auf die Fondseinnahmen, andere wollen eine Reputation als verantwortliches Haus aufbauen. Für eine dritte Gruppe wie Alternativbanken zählt Nachhaltigkeit zum Kerngeschäft. Sie wollen einen Fonds, der ihren Werten entspricht.

Anleger*innen können dies überprüfen. Viele Fondsanbieter veröffentlichen ihre Anlagekriterien im Internet. Es lässt sich darin nachlesen, ob kontroverse Geschäftsfelder (z.B. Atomkraft, Kohle, Massentierhaltung, Gentechnik) ebenso wie kritische Geschäftspraktiken (Korruption, Kinderarbeit, Umweltzerstörung, etc.) ausgeschlossen sind. Auf die Details ist zu achten: Gelten die Regeln nur für eine Gruppe an Fonds oder für das gesamte Wertpapiergeschäft? Darf ein kleiner Umsatzanteil doch in kontroversen Aktivitäten erwirtschaftet werden oder gilt die Nulltoleranz? Häufig werden hier Unterschiede gemacht.

Aber nur kritische Unternehmen auszuschließen, greift zu kurz. Wichtig ist es, Gelder der Kunden*innen bewusst in neue Projekte und Unternehmen zu leiten, die nachhaltige und zukunftsweisende Ziele verfolgen. Best-in-Class-Ansätze greifen dabei häufig zu kurz, da sich diese an gängigen Marktindizes orientieren, deren Mitgliedsunternehmen schon im hohen Maße mit Kapital versorgt sind. Stattdessen sollten sich Anleger*innen fragen: Gibt es spezielle Themenfelder, in die Fondsanbieter investieren. Handelt es sich dabei um Akteure in zukunftsweisenden Branchen, z.B. nachhaltige Mobilitätsdienstleister oder Erneuerbare Energien-Betreiber? Oder befinden sich beispielsweise auch Öl- und Kohlekonzerne im Portfolio, deren ökologischer Mehrwert sich auf ein branchenweit überdurchschnittliches gutes Umweltmanagementsystem beschränkt? Ein Blick auf die Portfoliozusammensetzung (Factsheet, Finanzberichte) gibt eine erste Orientierung.

Beispiel Kriterienkatalog der GLS Bank

 

2) Die Strenge der Nachhaltigkeitsbewertung überprüfen

Anleger*innen sollten sich bewusst sein, dass es trotz anspruchsvoller Anlagekriterien knifflige Fälle gibt. Multinationale Konzerne haben diverse Geschäftsfelder und sind weltweit tätig. Bei manchen Sachverhalten ist es schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu treffen. In welchem Maße ist ein Schlüsselkomponentenhersteller für Elektroautos investierungswürdig, der im Verdacht steht, Arbeitsrechte in der Zuliefererkette zu verletzten? Wie ist mit Unternehmen umzugehen, deren Produkte unter Umständen auch in militärischen Geräten verbaut werden können? Anleger*innen sollten fragen, wie kritisch ein Anbieter genau mit diesen Fällen umgeht. Standard ist, das Nachhaltigkeitsrating spezialisierter ESG-Agenturen zu beachten, welches eine gute erste Faktenlage liefert. Doch das ist erst der Anfang! Im Idealfall sollten Nachhaltigkeitsanalysten*innen mit langjähriger Erfahrung anhand dieser Daten und eigener Recherchen den Sachverhalt bereichern und um eine eigene ausgewogene Einschätzung ergänzen. Dabei geht es auch um das eigene kritische Urteilsvermögen. Denn ein Scoring-Modell, das mechanisch Plus- und Minuspunkte quantitativ verrechnet, kann nie die realen Gegebenheiten eines Unternehmens in seiner Komplexität erfassen.

Auch der externe Blick ist wichtig. Deswegen sollte die Diskussion und Bewertung eines Unternehmens in einem unabhängigen Expertengremium erfolgen. Dieses Verfahren ermöglicht eine umfassende Einschätzung, ob eine Investition den eigenen Anlagegrundsätzen gerecht wird oder nicht.

Researchprozess der GLS Bank

 

Unternehmen ändern sich, daher sollte jeder Titel im Portfolio kontinuierliche Überwachung auf mögliche Missstände und zweifelhafte Geschäftsfelder überwacht werden. Fällt ein Unternehmen negativ auf, kann es erneut dem externen Gremium vorgelegt werden, welches dann über das weitere Vorgehen entscheidet. Anleger*innen sollten schauen, ob Unternehmen, bei denen sozial-ökologische Kontroversen auftreten, auch wieder vom Fondsanbieter entfernt werden. Weitere externe Überprüfungen von unabhängigen Institutionen können zudem helfen, wie der Ansatz beurteilt wird. Der Fair Finance Guide beispielsweise prüft den Umfang interner Richtlinien und deren Umsetzung, also ob Banken sich an ihre eigenen Richtlinien halten.

3) Transparenz einfordern

Anleger*innen sollten die sozial-ökologische Qualität des Portfolios nachvollziehen können. Sie müssen verstehen, ob die Kriterien auch tatsächlich eingehalten werden. Dafür sollten sie ein leicht verständliches Reporting von Fondsanbietern verlangen. Hier zeigt sich, dass es am Markt bisher noch die größten Defizite gibt. Fehlende Berichtsstandards führen dazu, dass viele Fonds sich auf Finanzkennzahlen beschränken oder die erhobenen Umwelt- und Sozialindikatoren schwer zu interpretieren sind. Um zu beweisen, dass Fondsanbieter ihren Worten auch Taten folgen lassen, sollten sie in leicht verständlicher Art und Weise die Qualität ihrer Portfoliotitel aus sozial-ökologischer Sicht darstellen, sei es durch Kurzbeschreibung der Wertpapiere oder eingängige Graphiken.

Übersicht der Branchen, in die der GLS Bank Aktienfonds investiert


Quelle: Investitionsbericht des GLS Bank Aktienfonds

Wenn Anleger*innen zufriedenstellende Antworten auf diese Fragen erhalten, haben sie schon einen großen Schritt bei der Auswahl eines strengen sozial-ökologischen Fonds gemacht.


Thomas Graf arbeitet seit 2011 bei der GLS Bank und ist Teamleiter im Nachhaltigkeitsresearch. Neben der sozial-ökologischen Prüfung von Wertpapieren, Wertpapieremittenten und Entwicklungsfinanzierungsvehikeln, kümmern sich er und sein Team um die sozial-ökologische Begleitung neuer Angebote. Zudem ist er verantwortlich für die Moderation und Koordination des GLS Anlageausschusses.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

GLS Bank Aktienfonds 2019: Auch strenge Nachhaltigkeit bringt Rendite

von Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Hartnäckig hält sich am Finanzmarkt das Vorurteil, Nachhaltigkeit koste Rendite. Dabei haben zahlreiche Studien das Gegenteil bewiesen oder zumindest festgestellt, dass sie keinen negativen Effekt auf die Performance habe. Insbesondere die im deutschsprachigen Raum viel beachtete Metastudie von Bassen und Friede aus dem Jahr 2015 hat dies noch einmal nachdrücklich belegt. Wir möchten diese Debatte zum Anlass nehmen, anhand der ökonomischen Entwicklung des GLS Bank Aktienfonds 2019 zu zeigen, inwieweit der strenge Nachhaltigkeitsansatz der GLS Bank - der GLS Bank Aktienfonds wurde im Oktober 2019 im ECOfondstest als sehr nachhaltig bezeichnet -, auch ökonomisch erfolgreich ist.

Bitte beachten Sie die Hinweise zu den ökonomischen Aussagen am Ende des Artikels.

Ökonomische Ausrichtung des GLS Bank Aktienfonds

Das Fondsmanagement verfolgt eine langfristige Anlagepolitik. Dies spiegelt sich in einer geringen Portfolioumschlaghäufigkeit von ca. 20 Prozent pro Jahr wider. Der Fonds investiert in die Branchen und Unternehmen, die im Sinne der GLS Bank zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen anbieten. Dies unterscheidet den Fonds von klassischen Best-in-Class-Fonds, die sich in ihrer Branchenaufteilung häufig sehr nahe an klassischen Indizes orientieren. Der Fokus des Fonds liegt auf Industrieunternehmen, Gesundheitsdienstleistungen sowie der IT-Branche. Auf Versorgerseite gibt es ausschließlich Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, so genannte Independent Power Producer (IPP). Konsumgüterhersteller oder Finanzinstitute sind im Vergleich zu traditionellen Indizes untergewichtet. Wert gelegt wird auf eine granulare Portfoliostruktur. Die Top 10 Positionen machen rund ein Sechstel des Fondsvolumens aus. Insgesamt hat der Fonds durchschnittlich etwa 100 Aktienpositionen. Ähnlich verhält es sich bei der Länderallokation. Ein Sechstel kommt aus den USA, rund 10 Prozent aus Deutschland, gefolgt von Japan, Niederlande, Norwegen und Kanada. Die Kassenposition liegt bei rund 11 Prozent. 


Quelle: Universal Investment, Stand 30.12.2019

Performance des GLS Bank Aktienfonds 2019 besser als der MSCI World Index

Der GLS Bank Aktienfonds hat seit seiner Auflage im Dezember 2013 bis zum 30.12.2019 eine absolute Performance von 65,47 Prozent erzielt (jährliche Entwicklung siehe Tabelle). 2019 stieg der Anteilswert um 31,87 Prozent auf 72,99 Euro. Hinzu kommen jährliche Barausschüttungen. Für das Geschäftsjahr 2018/19 lag diese bei 1,76 Euro pro Anteil. Diese Entwicklung lässt sich auf das positive Kapitalmarktumfeld für Aktien zurückführen: Der MSCI World Index verzeichnete im selben Zeitraum einen Anstieg um 31,71 Prozent. Werttreiber des Fonds waren Unternehmen aus dem IT-Sektor, Versorger sowie Industrieunternehmen. Auf Morningstar ist der Fonds mit vier Sternen bewertet. Auf Fünfjahressicht verzeichnete der Fonds eine Performance in Höhe von 49,53 Prozent. Diese liegt höher als der europäische Referenzindex Stoxx 600, der 44,52 Prozent erzielte. Alle Angaben zum Fonds beziehen sich auf die Anteilklasse B.

Performance (30.12.2014 – 30.12.2019)


Quelle: Eigene Berechnung, Wertentwicklung der Anteilklasse B 

Performance seit Auflage (in Prozent)


Quelle: Eigene Berechnung, Wertentwicklung der Anteilklasse B

Geringe Volatilität und hohe Sharpe Ratio

Die Performance allein ist natürlich nur die eine Seite der Medaille. Genauso wichtig ist für das Fondsmanagement, eine stabile Wertentwicklung zu erzielen. Es ist daher beabsichtigt, die Wertschwankungen (Volatilität) im Fonds gering zu halten. 2019 belief sie sich auf 8,59 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI World wies im gleichen Zeitraum eine Volatilität von 13,55 Prozent aus, der Stoxx600 15,16 Prozent, der DAX 17,51 Prozent. Die Sharpe Ratio beträgt 1,30 Prozent. (Erläuterung der Kennzahl siehe unten). Dementsprechend fällt das FWW-Fundstars-Rating des Fonds positiv aus. Die Kennzahl misst die risikoadjustierte Performance von Fonds, also das Verhältnis zwischen erzielter Wertentwicklung und dabei eingegangenem Risiko. Der Fonds wird derzeit mit 5 von 5 Sternen bewertet. Alle Angaben zum Fonds beziehen sich auf die Anteilklasse B, siehe weitere Erläuterung in den Hinweisen zu den ökonomischen Aussagen.


Quelle: Eigene Berechnung

Fazit

Nachhaltigkeit steht bei der GLS Bank an erster Stelle. Dies belegt nicht zuletzt der Fondstest des Ecoreporter zum GLS Bank Aktienfonds. Die Kursentwicklung seit Auflage zeigt aber auch, dass sich eine konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit nicht nur aus sozialökologischen Gründen lohnt, sondern Anleger*innen mit dem GLS Bank Aktienfonds auch ökonomisch eine im Marktvergleich interessante Anlagemöglichkeit haben. Zudem weist der Fonds mit laufenden Kosten von 0,88 Prozent für die Anteilklasse B ein attraktives Kostenprofil für einen aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds auf. Dies spiegelt sich auch in der dynamischen Zunahme des Fondsvolumens wider. Lag dieses Ende 2018 bei 148 Mio. Euro, so liegt es zum Jahresende bei 247 Mio. Euro.


Wichtige Hinweise zu den ökonomischen Aussagen dieses Artikels (Disclaimer):

Quelle der Daten: Die Angaben zu den ökonomischen Kennzahlen (Wertentwicklung/Performance, Kosten, Volatilität, Sharpe Ratio) beziehen sich alle auf die für institutionelle Investoren konzipierte Anteilklasse B, die im Vergleich zur Anteilklasse A ein vorteilhafteres Kostenprofil für Investoren aufweist. Anteile an der Klasse B sind ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar.
Stand der Daten: Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich alle Angaben auf den 30.12.2019.
Erläuterung zur Kostenquote: Die Gesamtkostenquote gilt für das aktuelle Geschäftsjahr und errechnet sich aus den Kosten des abgelaufenen Geschäftsjahres (01.10.2018 bis 30.09.2019). Die Gesamtkostenquote drückt sämtliche vom Sondervermögen im Jahresverlauf getragene Kosten und Zahlungen (ohne Transaktionskosten) im Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoinventarwert des Sondervermögens aus.
Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallenden Depotkosten vermindern.
Risikohinweis: Die hier vorliegenden Daten dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Der Fonds weist auf Grund seiner Zusammensetzung und seiner Anlagepolitik ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilpreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Alleinige Grundlage für den Anteilerwerb sind die Verkaufsunterlagen (Wesentliche Anlegerinformationen, Verkaufsprospekt, Jahres- und Halbjahresbericht) zum Investmentvermögen. Verkaufsunterlagen zu allen Investmentvermögen der Universal-Investment sowie den ökonomischen Kennzahlen sind kostenlos bei Ihrem Berater / Vermittler, der zuständigen Verwahrstelle / Depotbank oder bei Universal-Investment unter www.universal-investment.com erhältlich.
Sharpe Ratio: Diese Kennzahl ist die Differenz zwischen erzielter Performance p.a. und risikolosem Zins p.a., dividiert durch die Volatilität. Sie lässt sich daher als „Risikoprämie pro Einheit am eingegangenen Gesamtrisiko“ interpretieren.  Grundsätzlich ist sie umso besser, je höher sie ist (hohe Performance bei geringem Risiko). Auf Grund ihrer Konzeption als relative Größe können Sharpe Ratios verschiedener Portfolios sowohl untereinander als auch mit der Benchmark verglichen werden.
Morningstar-Rating: ©2019 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar noch deren Inhalte-Anbieter sind verantwortlich für etwaige Schäden oder Verluste, die aus der Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
FWW FundStars: Die FWW FundStars® basieren auf der RisikoAdjustieren Performance (RAP). Diese zweidimensionale Kennzahl errechnet sich aus der erzielten Wertentwicklung (Performance) und dem dabei eingegangene Risiko (Volatilität). Grundlage ist die RAP-Kennzahl für den 3-Jahres-Zeitraum. Zusätzlich werden Korrekturfaktoren herangezogen, die aus den RAP-Kennzahlen für den 1-Jahres-Zeitraum und, wenn vorhanden, für den 5-Jahres-Zeitraum berechnet werden. Dabei geht die Entwicklung des Fonds im Zeitraum 1 Jahr und, wenn vorhanden, 5 Jahre in Bezug auf den Basis-Zeitraum 3 Jahre mit jeweils 25 Prozent ein. Für die FWW FundStars® werden die Fonds in 5 Ranking-Studen à 20 Prozent klassifiziert, aus denen die Auszeichnung mit 5 bis 1 Sternen hervorgeht. Dabei erhalten die besten 20 Prozent der Fonds fünf Sterne. Der GLS Bank Aktienfonds befindet sich in der Kategorie Globaler Aktienfonds, All Cap, d.h. keine Beschränkung der Marktkapitalisierung. Weitere Informationen: https://www.fww.de/de/loesungen/fww-fundstars

Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 500 Mio. Euro inklusive des B.A.U.M. Fair Future Fonds an (Stand 30.12.2019).

Weitere Informationen:

www.gls-fonds.de

Der Mittelstand, ein unterschätzter Riese der Nachhaltigkeit

Karsten Kührlings, Leiter Investmentfonds & Research, GLS Bank, und Prof. Dr. Maximilian Gege, Gründer und Vorsitzender B.A.U.M. e.V., erklären, warum und wie Investoren gezielt den Mittelstand fördern können.

In der aktuellen Sustainable-Finance-Debatte nimmt der Mittelstand nur eine Nebenrolle ein. Bei der Frage, welche Unternehmen sie auf Nachhaltigkeit prüfen, orientieren sich die meisten Nachhaltigkeitsrating-Agenturen und Investoren an deren Marktkapitalisierung, Liquidität oder Zugehörigkeit zu gängigen Börsenindizes (MSCI World, etc.). Die Analyse von mittelständischen Unternehmen ist für viele Analysten aufwändig, da diese Unternehmen über weniger Ressourcen verfügen, um bestimmte Nachhaltigkeitskennzahlen zu erheben und zu kommunizieren. Häufig werden Mittelständler gar nicht geprüft oder ihre Bewertung fällt entsprechend schlecht aus, sodass sie durch die Prüfung fallen und als „nicht nachhaltig“ eingestuft werden.

Dabei bildet der Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft vieler Länder, besonders in Deutschland. Er steht für inhabergeführte Unternehmen, langfristige Investitionen, hohe Steuerzahlungen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Nicht selten kommen Innovationen und zukunftsweisende Trends von einem der vielen mittelständischen Unternehmen, die schnell und pragmatisch auf entsprechende Impulse aus den Märkten reagieren und mit kreativem Elan neuartige Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Auf diese Weise spielt der Mittelstand eine enorm wichtige Rolle als Wegbereiter für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise.

Doch wie können Investoren mittelständische Unternehmen unterstützen und gleichzeitig vom nachhaltigen Wirtschaftswachstum im Mittelstand profitieren? Oder anders gefragt: Wie können nachhaltige Mittelständler und Investoren zueinander finden? Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.) ist mit rund 500 Mitgliedsunternehmen die größte Umweltinitiative der Wirtschaft in Europa. Bewusst legt sie seit der Gründung im Jahre 1984 ihren Fokus auf den Mittelstand. Die gemeinnützige Organisation verfügt über eine umfangreiche und praxiserprobte Expertise, wie mittelständische Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleitet werden können.

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK): Der Kompass auf dem Weg zu Nachhaltigkeit

Heute nehmen sehr viele mittelständische Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit wichtiger als noch vor wenigen Jahren. Um zu verstehen und zu bewerten, wie nachhaltig sie tatsächlich sind, orientieren sich viele am Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Dieses in der deutschen Wirtschaftswelt weit verbreitete Referenzwerk ist mehr als eine Transparenzinitiative. Der umfassende Kodex soll unterzeichnende Unternehmen dabei unterstützen, für sich eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und in die eigenen unternehmerischen Aktivitäten zu integrieren. Anhand von 20 klar strukturierten Kriterien kann sich jedes Unternehmen einen Überblick über alle wesentlichen sozialen und Umweltaspekte verschaffen: von Treibhausemissionen über Ressourcenverbrauch bis hin zu Arbeits- und Menschenrechten. Der DNK bietet zugleich einen guten Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Weiterer positiver Effekt: Regelmäßig zu berichten ermöglicht es Unternehmen, ihre Entwicklung im Zeitverlauf zu überwachen.

 Abbildung 1: Kriteriengerüst Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Genau an dieser Stelle setzt die Green Growth Futura (GGF) an, eine Ausgründung von Prof. Dr. Maximilian Gege, Gründer und Vorsitzender des B.A.U.M. e.V. Die Green Growth Futura hat eine Analyse- und Bewertungsmatrix für kleine und mittelständische Unternehmen entwickelt, die auf dem DNK basiert. Beim Nachhaltigkeitsresearch findet ein sich auf die 35-jährige Erfahrung von B.A.U.M. stützendes Bewertungsmodell Anwendung, wobei sowohl quantitative als auch qualitative Elemente bewertet werden. Zum einen sind dies die durch Kennzahlen belegbaren Nachweise aus Quellen wie dem Nachhaltigkeitsbericht, nicht finanzielle Geschäftsberichte oder die Unternehmenskommunikation auf Geschäftsfeldebene. Zum anderen werden auch bisher ausschließlich qualitativ erfassbare Informationen aus unternehmensexternen Quellen berücksichtigt.

Das GGF-Bewertungsmodell: Ein ganzheitlicher Blick auf das Warum, Wie und Was

Zu Beginn der Analyse stellen die Analyst*innen der Green Growth Futura zunächst die Strategie eines Unternehmens in den Fokus ihres Bewertungsmodells. Warum setzt sich ein Unternehmen überhaupt mit Nachhaltigkeit auseinander? Es stellt sich also die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Unternehmens. Konkret wird untersucht, ob es eine Nachhaltigkeitsstrategie gibt und diese ein Bestandteil der unternehmerischen Aktivitäten ist. Verfolgt ein Unternehmen dafür langfristige Ziele? Berücksichtigt es dabei die wesentlichen Chancen und Risiken, die eine nachhaltige Entwicklung fördern bzw. behindern? Ebenso wichtig ist, dass ein Unternehmen Umwelt- und Sozialaspekte der gesamten Wertschöpfungskette im Blick hat.

Die ambitionierteste Strategie nützt jedoch nichts, wenn sie nicht im Unternehmen gelebt wird. Deswegen schauen sich die Analyst*innen der Green Growth Futura sehr genau an, wie die einzelnen Ziele im Prozessmanagement umgesetzt werden. Ist das Thema Nachhaltigkeit der oberen Leitungsebene zugeordnet und wissen Mitarbeiter und Öffentlichkeit, wer die Verantwortung dafür trägt? Existieren Regeln und Prozesse, wie genau die Nachhaltigkeitsstrategie im Tagesgeschäft integriert wird? Hier lohnt sich ein Blick darauf, ob Managementsysteme oder Leistungsindikatoren vorhanden sind und auch kommuniziert werden. Testate von unabhängigen Prüfern sind dabei willkommene und aussagefähige Quellen.

Im dritten Schritt beschäftigen sich die Analysten damit, welche Maßnahmen, also was vom Unternehmen im Sozial- und Umweltbereich geleistet wird und in den kommenden Jahren plant. Auf der Umweltseite liegt der Schwerpunkt auf der Inanspruchnahme von Ressourcen, dem Ressourcenmanagement sowie dem Verbrauch von Treibhausgasemissionen. Hat das Unternehmen beispielsweise die Auswirkungen entlang des gesamten Produktlebenswegs (Lieferkette) im Blick? Sind Maßnahmen und Ziele in den letzten fünf Jahren umgesetzt worden, um die Energieeffizienz zu verbessern? Oder zur Reduzierung der Treibhausgase?

Auf der Sozialseite interessiert die Analyst*innen der Green Growth Futura, was ein Unternehmen in den Bereichen Arbeitnehmerrechten, Chancengerechtigkeit, Qualifizierung, Menschenrechte oder Gemeinwesen unternimmt. Engagiert sich das Unternehmen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus, um Mitarbeiter einzubinden und zu beteiligen? Verfolgt das Unternehmen Ziele, um die Integration von Migranten und Menschen mit Behinderung, angemessene Bezahlung sowie Vereinbarung von Familie und Beruf zu fördern? Ebenfalls erfassen die Analyst*innen politische Einflussnahme, Korruption, Skandale oder andere Kontroversen.

Alle Ergebnisse werden in einem Unternehmensprofil zusammengefasst. Eine SWOT-Analyse hebt darin die Stärken und Schwächen eines Unternehmens hervor. Auch geben die Profile einen Aufschluss darüber, in welchen positiven, zukunftsweisenden Branchen aktiv sind und wie sie zur Erreichung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (UN) beitragen.

Abbildung 2: Aufbau des GGF-Bewertungsmodells

Der kritische Blick von Außen: Der Nachhaltigkeitsbeirat

Ebenso wichtig wie die umfangreiche Analyse eines Unternehmens ist die kritische Auseinandersetzung zwischen Expert*innen zu einem Unternehmen. Nur wenn unterschiedliche Sichtweisen zu einem Unternehmen ausgetauscht werden, ergibt sich eine sehr gute Entscheidungsgrundlage, ob in einen Titel investiert werden sollte oder nicht. Aus diesem Grunde wurde ein Nachhaltigkeitsbeirat ins Leben gerufen, der aus ausgewiesenen Branchenkennern besteht, die sich seit geraumer Zeit mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Darunter finden sich Persönlichkeiten wie Prof. Dr. Ernst Ulrich Weizsäcker, Ko-Präsident des Club of Rome, Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieökonomin, Monika Griefahn, ehemals Umweltministerin von Niedersachsen, Prof. Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Volker Weber, Vorsitzender des Vorstands des Forums Nachhaltige Geldanlagen, sowie Prof. Dr. Timo Busch, Professor für Management & Sustainability an der Universität Hamburg. Auf Grundlage der umfangreich recherchierten Unternehmensprofile debattieren sie in mehrfach im Jahr stattfindenden Beiratssitzungen die Pros und Contras einer Investition. Nur der Nachhaltigkeitsbeirat entscheidet durch Abstimmung über die schlussendliche Aufnahme eines Unternehmens in das Anlageuniversum des B.A.U.M. Fair Future Fonds.

Fazit

Der Mittelstand spielt in der Nachhaltigkeitsdiskussion am Kapitalmarkt eine untergeordnete Rolle. Dabei liegt hier ein enormes Potenzial, die Wirtschaft nachhaltiger aufzustellen. Investoren können durch gezielte Investitionen einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Bereits heute gibt es wirkungsvolle Instrumente wie den Deutschen Nachhaltigkeitskodex, um den Beitrag mittelständischer Unternehmen zu einer nachhaltigen Entwicklung zu erfassen. Der Green Growth Futura ist es dank der langjährigen Expertise des B.A.U.M. e.V. sowie der GLS Bank gelungen, mit ihrem Bewertungsmodell diesen weitverbreiteten DNK-Ansatz auf Unternehmen am Kapitalmarkt anzuwenden.


Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Prof. Dr. Gege

Prof. Dr. Maximilian Gege ist Gründungsmitglied und Vorsitzender von B.A.U.M. e.V, sowie Gründer der Green Growth Futura (GGF) und Initiator des B.A.U.M. Fair Future Fonds. Er bekleidet zahlreiche Funktionen in Beiräten und Jurys. Professor Gege und B.A.U.M. erhielten über 20 nationale und internationale Auszeichnungen (Auszeichnungen Prof. Dr. Maximilian Gege/B.A.U.M.). Seit 2001 ist er Honorarprofessor der Leuphana Universität Lüneburg.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Über die Green Growth Futura GmbH

Die Green Growth Futura GmbH (GGF) wurde von Prof. Dr. Maximilian Gege, dem Vorsitzenden des B.A.U.M. e.V., gegründet. Vor diesem Hintergrund kooperiert die Gesellschaft auch eng mit dem B.A.U.M. e.V. und weiteren Partnern des B.A.U.M. Unternehmensnetzwerkes. Ziel und Zweck der Gesellschaft ist die Beratung des B.A.U.M. Fair Future Fonds im Nachhaltigkeitsresearch und die sozial-ökologische Analyse von Unternehmen auf Grundlage von eigenen Research- und Analysetätigkeiten und basierend auf ethisch, ökologischen und nachhaltigen Vorgaben. Darüber hinaus überprüft die Green Growth Futura GmbH (GGF) als Berater Portfolios und unterstützt ihre Kunden im Bereich der nachhaltigen Anlageentscheidungen.

Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.)

Unter dem Kürzel B.A.U.M. verbindet der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. seit 1984 erfolgreich und zukunftsorientiert ökonomische, ökologische und soziale Fragen, also die Prinzipien der Nachhaltigkeit, miteinander. Heute ist B.A.U.M. mit weit über 500 Mitgliedern das größte Unternehmensnetzwerk für nachhaltiges Wirtschaften in Europa. Neben vielen bekannten Unternehmen sind auch Verbände und Institutionen Fördermitglied.

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

https://greengrowthfutura.de/

Die Ernährung der Zukunft – der Wandel ist bereits im Gange

Die tierische Produktion verbraucht Unmengen an Flächen, verursacht massiv Treibhausgasemissionen und belastet die menschliche Gesundheit und das Tierwohl. Die derzeitige Landwirtschaft sieht sich, wie im ersten Teil "Die Ernährung der Zukunft – wird Fleisch zum nächsten Stranded Asset?" erläutert, mit massiven Problemen konfrontiert. Doch Lösungen sind bereits vorhanden, erklärt Damian Pilka, Spezialist Investmentfonds, GLS Bank. Welche das genau sind, lesen Sie im zweiten Teil der Serie.

Aus rot mach grün. Vor zehn Jahren änderte McDonald`s sein Firmenlogo. Der Firmenname ist seitdem grün umrahmt. Für die gesamte Ernährungsindustrie ist dies natürlich eine Randnotiz. Doch zeigt dieser Schritt eines der größten Fleischverarbeiter der Welt, dass die Branche in Bewegung ist. Das Tempo nimmt dabei stetig zu. So bietet McDonald´s seit diesem Jahr vegane Burger in Kooperation mit Nestle an. Hierzulande ein Novum, in den USA gängige Praxis. Fast alle großen amerikanischen Fastfoodketten sind Kooperationen mit Anbietern von Fleischersatzprodukten eingegangen, z.B. Beyond Meat oder Impossible Foods. Auch die deutsche Traditionsfirma Rügenwalder Mühle macht bereits knapp 40 Prozent des Umsatzes mit veganen bzw. vegetarischen Alternativen. Dieser Trend ist längst am Kapitalmarkt angekommen. Vor zwei Jahren hat Danone Whitwaves (Hersteller z.B. pflanzlichen Joghurts) für mehr als 12 Milliarden US Dollar übernommen. Und das im ersten Teil erwähnte Unternehmen Beyond Meat wird nach dem erfolgreichsten Börsengang des Jahres bereits mit mehr als 6 Milliarden US Dollar bewertet.

Die Erfolgsformel der neuen Anbieter: Fleischersatz statt Fleischalternative

Woher kommt dieser Erfolg? Alternativprodukte wie Tofu oder Tempeh werden schließlich seit vielen Jahrzehnten vermarktet. Dass ihre Ökobilanz besser als die von Fleisch ist, ist seit langem bekannt. Doch haben sie stets ein einsames Nischenleben in den Bio-Läden geführt. Denn dem Großteil der Bevölkerung schmecken sie einfach nicht. Für sie ist Fleisch ein traditionelles Kulturgut, das bequem zu kaufen ist. Nur wenige fahren für ein Tofuschnitzel extra in den Bio-Markt.

Die neuen Anbieter am Markt wählen daher einen anderen Ansatz. Sie wollen Verbraucher*innen nicht Alternativen aufdrängen, sondern mit pflanzlichen Produkten so gut wie möglich den Geschmack tierischer Produkte imitieren. Bei Beyond Meat entsteht „Fleisch“ aus Erbsen. Das Potenzial ist dabei enorm. Laut einer Studie von AT Kearney und JP Morgan wird den Anbietern von Ersatzprodukten im Jahr 2025 ein Marktanteil von 10 Prozent am globalen Fleischmarkt zugetraut. Dieses würden bereits in 5 Jahren Umsätze um 20 Milliarden Dollar bedeuten - aktuell liegt der Umsatz noch unter einer Milliarde Euro. Bei anderen tierischen Produkten wie Milch oder Joghurt ist der Prozess bereits weiter. Der Markt für „pflanzliche“ Milch (aus Soja, Hafer, Mandeln usw.)  hat sich bereits etabliert. In den USA ist der Markt aus tierischer hergestellter Milch alleine im Jahr 2018 um eine Milliarde Dollar gesunken. Mit pflanzlicher Milch wird weltweit bereits dieses Jahr ein Umsatz von 15 Milliarden Dollar erzielt. Das Research- und Beratungsunternehmen Transparency Market Research rechnet mit einer weiteren Verdopplung innerhalb der nächsten 10 Jahre.


Fallbeispiel: Milcheis aus Hefebakterien

Perfect Day Foods hat im Juni 2019 das erste „Milcheis“ ausgeliefert, welches mit Hilfe von Hefebakterien anstelle von Kühen hergestellt wurde. Dafür wurde die Hefe so verändert, dass diese nun Molkenprotein und Kasein herstellen. Diese Grundbestandteile von Milchprodukten wurden mit weiteren pflanzlichen Stoffen für die Produktion von Eis genutzt. Im Resultat entsteht ein „Milcheis“ welches inhaltlich (Nährstoffe) und geschmacklich so gut wie nicht mehr von einem tierischen Produkt zu unterscheiden ist. Das Unternehmen hat als „Proof of Concept“ die ersten 1.000 Portionen online zum Kauf angeboten. Der Preis einer Portion ist mit 20 US Dollar derzeit aber noch hoch. Um es mittels Skaleneffekten wettbewerbsfähig zu machen und kostengünstiger als klassisches produziertes Speiseeis herzustellen, strebt das Start-Up Kooperationen mit großen Lebensmittelherstellen an. Des Weiteren ist eine Ausweitung des Produktspektrum um weitere Milchprodukte (wie z.B. Käse) geplant.


Viele Wege führen zum Fleischersatz: Ein Überblick über die unterschiedlichen Produktionsmethoden

Wie so üblich, wenn sich ein neuer Markt bildet, gibt es eine Vielzahl an Akteuren, die auf ganz unterschiedliche Weise an dem „Fleisch“ der Zukunft tüfteln. Die Rede ist dann häufig von CRISPR, Precision Fermentation, Precision Biology, Fermentation, Cell Based Meat. Ihnen gemein ist, dass sich dadurch tierische Produkte ganz ohne Viehzucht produzieren lassen. So unterschiedlich die Verfahren sind, gibt es einen gemeinsamen Nenner: Die Produkte können zukünftig deutlich günstiger und Ressourcen schonender hergestellt werden. Werden in der „traditionellen“ Produktion für eine tierische Kilokalorie durchschnittlich zwischen 6 und 15 pflanzliche Kalorien als Input benötigt (bei Rindfleisch sogar 30:1), liegt das Verhältnis bei neuen Anbietern bei nahezu 1:1.

Produktart

Alternativ-
Produkte

Pflanzen-basierte Produkte

Clean Meat

Precise Fermentation

Ersatz/

Alternative für

Fleisch und Milchprodukte 

Starke Unterschiede im Geschmack und Zubereitung

Fleischprodukte wie Hack (Burger, Lasagne, Würstchen)

Fleisch, Fisch

Milch, Milchprodukte, Tierische Proteine in verarbeitenden Produkten  

Ausgangs-

stoffe 

Hülsenfrüchte, z.B. Soja, Lupinen

Hülsenfrüchte (Soja, Lupinen), Öle (z.B. Kokosöl), Stärke (z.B. Kartoffeln)

Vergleichbar mit Fleischherstellung: Soja, Weizen, Mais

Vergleichbar mit Fleischherstellung: Soja, Weizen, Mais

Produktion-

verfahren

Fermentation (Tofu/Tempeh) und/oder Extraktion von Proteinen (z.B. Seitan) 

Druck und Wärme, physikalische Veränderung/

Zubereitung/Mischung der pflanzlichen Zutaten

Entnahme Muskelzellen von Tieren. Multiplikation in einer Nährlösung in Tanks 

 

Produktion von tierischen Proteinen/Fetten (Fermentierung). Diverse Endprodukte durch veränderte Hefebakterien (CRISPR)  

Kosten

(reduktions-

potential)

Vollausgeschöpft

Nicht ausgeschöpft Preisparität wird erwartet, langfristig deutlich günstiger als tierische Produktion

Langfristig deutlich günstiger als aktuelle Produktion

Preisparität 2022 erwartet, langfristig bis zu 90% günstiger als aktuelle Wertschöpfungskette 

Beispiel bzw. 

Unternehmen

Tofu, Tempeh, Seitan, Sojamilch, usw.

Beyond Meat, Impossible Meat, Rügenwalder Mühle

Mosa Meat, Super Meat,  Alpeh Farms, New Age Meat, Just, Finless Foods

Clara Foods, Wild Earth, Perfect Day Foods

Herausforderungen/

Fragestellungen

Annahme durch Verbraucher

Skalierung (größtenteils noch nicht biozertifiziert)

Skalierung, Zulassung, Annahme durch Kunden

Reputation: Gentechnik, Zulassung, Skalierung

Markreife/

Einführung

Vor 20-30 Jahren

2018 bzw. 2019 

Skalierung ab 2020

Ca. 2022-2025 je nach Quelle und Unternehmensangaben

2019 - 2020

Quelle: eigene Zusammenstellung

In welchem Bereich wird sich der Wandel am frühesten vollziehen? Nicht wenige Stimmen erwarten dies bei bereits verarbeiteten Lebensmitteln wie Fertigpizzen, vorgekochten Tortellini,  usw. in der Branche als Convenience Food bekannt. Insbesondere die sogenannte Precise Fermentation kann hier schnell Einzug in die Produktion finden. Gemäß der Studie „Rethinking Food and Agriculture“ sind innerhalb von 5 Jahren Kosteneinsparungen von bis zu 80 Prozent (im Vergleich zur konventionellen Herstellungsmethoden) möglich. Da Kund*innen verarbeiteter Produkte eine lange Liste an Inhaltsstoffen schon gewöhnt sind, ist von einer hohen Akzeptanz auszugehen. Insbesondere wenn z.B. der Proteingehalt erhöht oder der Fettanteil reduziert werden kann, ohne dass Verbraucher*innen geschmackliche Nachteile bemerken.

Welche Unternehmen werden die Verlierer des Wandels sein?

Was hieße dieser Wandel für die traditionelle Landwirtschaft und ihre weitreichende Wertschöpfungskette? Im vergangenen Jahr erzielte die Industrie alleine im Bereich der Viehwirtschaft (Kühe) mehr als 600 Mrd. US Dollar Umsatz. Der Löwenanteil von knapp 50 Prozent wird in der Verarbeitung tierischer Produkte erwirtschaftet. Ein knappes Drittel entfällt auf den Anbau und die Verarbeitung von tierischen Futtermitteln, weniger als ein Fünftel jeweils auf die Viehwirtschaft und den Vertrieb.


Quelle: Rethink Food and Agriculture

Die oben bereits erwähnte Studie „Rethink Food and Agriculture“ erwartet, dass in der konventionellen Landwirtschaft alle Glieder der Wertschöpfungskette massive Umsatzeinbußen zu befürchten haben. Zunächst wären Produzenten tierischer Nahrung, Hersteller von Schlachtanlagen, Kühlhäusern, Verabeitungsstätten sowie die eigentliche Fleisch- und Milchindustrien betroffen. Aufgrund der hohen Kosteneinsparpotenziale in den kommenden Jahren, welche die neuen Anbieter ermöglichen, stellt sich bereits heute die Frage, ob bei Finanzierungszeiträumen von 10-15 Jahren Investitionen in Akteure der klassischen Ernährungsindustrie Gewinne erwirtschaftet werden können. Oder handelt es sich dabei tatsächlich um die nächsten Stranded Assets – von der Carbon Bubble zur Meat Bubble?

Die Auswirkungen eines Wandels in der Ernähungsindustrie ginge aber noch weiter. Gedanken machen müsste sich die Pharmaindustrie, welche Antibiotika für die Massentierhaltung herstellt. Oder aber auch die Chemieindustrie. Denn mit den neuen Methoden müsste deutlich weniger Ackerflächen bestellt werden. Inbesondere die großen Monokulturen an Mais, Soja, Weizen die größenteils in den Futtertrogen der Viehwirtschaft landen, werden zumeist nicht mehr benötigt. Der Bedarf an Pestiziden und Dünger sänke merklich. Und wäre die Automobilbranche nicht gebeutelt genüg, so müsste sie sich auch überlegen, ob sie künftig noch ihre landwirtschaftlichen Maschinen absetzen kann.

Wie sieht es aber mit der ökologischen Landwirtschaft aus? Die meisten Studien gehen davon aus, dass Bio-Landwirte deutlich besser gewappnet sind als ihre konventionellen Konkurrenten. Denn Konsument*innen von Bio-Landwirten sind weniger preissensibel. Sie sind bereit, für ökologisch hergestellte Lebensmittel einen höheren Preis zu bezahlen. Somit weist die ökologische Landwirtschaft langfristig ein deutlich stabileres und zukunftsfähigeres Geschäftsmodell auf.

Fazit und Ausblick: Investoren sollten den Wandel in der Branche ernst nehmen

Die Landwirtschaft, wie wir sie heute kennen, steht vor massiven Umwälzungen. Ein Weiter so ist angesichts des Bevölkerungswachstums, des Flächen und Ressourcenverbrauchs sowie der Treibhausgasemissionen nicht möglich. Ebenfalls steigen die gesellschaftlichen und ökologischen Kosten durch den Einsatz von Pestiziden, Rodungen usw. immer weiter an. Damit wird das heutige Geschäftsmodell mehr und mehr unrentabel.

Doch es gibt keinen Grund zur Verzweiflung, denn Lösungen sind in Sicht und zum Teil bereits wettbewerbsfähig. Neue Anbieter mit innovativen Produktionsverfahren haben das Potenzial, die Art und Weise, wie wir Nahrung produzieren, grundlegend zu verändern. Für Unternehmen bietet dies neben allen Risiken große Chancen. Um die neuen Anbieter herum ist der Aufbau einer komplett neuen Infrastruktur notwendig. Für die Produktion von Cell-Based Fleisch und der Fermentation müssen beispielsweise neue Tanks entwickelt und gebaut werden. Wer schon in „vergleichbaren“ Branchen aktiv ist, z.B. Anlagenbauer für aktuell Gärungs- und Fermentierungsprodukte wie Bier, dem bieten sich neue Ertragspotenziale.

Investoren sollten diese Entwicklungen sehr genau beobachten, um nicht den Anschluss zu verpassen. Klassische Lebensmittelkonzerne überdenken schon ihre strategische Marktpositionierung. Der Lebensmittelgigant Tyson Foods versteht sich künftig nicht mehr als „Meat Company“, sondern „Protein Company“. Das ist häufig ein Zeichen, dass die Ernährungsindustrie an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter steht. Diese Botschaft wird womöglich auch der Kapitalmarkt mehr und mehr vernehmen. 


Damian Pilka ist seit 2013 als Wertpapierspezialist in der Angebotsentwicklung der GLS Bank tätig. Der ausge-bildete Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Finanzwirtschaft ist insbesondere für die Be-treuung und Auflage von Alternativen Investmentsfonds zuständig.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
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Wie die GLS Bank zu Ernährung und Landwirtschaft steht

Wie in ihren öffentlich zugänglichen Anlage und Finanzierungsbedingungen festgeschrieben, investiert in und finanziert die GLS Bank Unternehmen, die in der Erzeugung, Verarbeitung und dem Handel von und mit landwirtschaftlichen Produkten und gesunden Lebensmitteln gemäß den anerkannten Richtlinien der ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft tätig sind. Der Einsatz von Mineraldüngern, Pestiziden sowie gentechnisch veränderten Organismen, Massentierhaltung und industrielle Fleischverarbeitung sind durch diese Richtlinien ausgeschlossen. In ihren politischen Forderungen verlangt die GLS Bank eine konsequente Abgabe auf die Nutzung von Pestiziden und Stickstoffdünger. Sie unterstützt die Ackergiftkampagne des Bündnisses für enkeltaugliche Landwirtschaft.
Die GLS Bank ist in keinem der im Artikel erwähnten Unternehmen investiert (Stand 17.10.2019).

Mission Investing Forum 2019 – Der Treffpunkt für Stiftungen, die wirkliches Impact Investing wollen

Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, und Amon Fernandes-Christ, Junior Spezialist Wertpapierfonds, beide GLS Bank, stellen in Teil 5 der Serie: „Impact Investing – wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt“ das Mission Investing Forum vor. Die Veranstaltung findet am 6. und 7. November in Bochum im Gebäude der GLS Bank statt, um Investoren einen neuen Blickwinkel auf wirkungsorientiertes Investieren zu bieten. Hier geht es direkt zur Anmeldung.

Viele Anleger*innen sind auf der Suche nach wirkungsstarken Anlagemöglichkeiten. Das trifft insbesondere auf Stiftungen zu, die ihr Stiftungskapital gerne entsprechend dem Stiftungszweck anlegen möchten. Sie brauchen dafür laufende Cashflows im Anlagengeschäft. Aufgrund der aktuellen Marktsituation streben immer mehr Stiftungen dem Kapitalmarkt zu. Doch in der Praxis ist es gar nicht so einfach, wirkungsvoll anzulegen. Die sozial-ökologische Wirkung von OGAW-Investmentfonds ist schwer zu erfassen und auch klassische Impact-Produkte wie Green Bonds oder Mikrofinanzfonds bedürfen eines kritischen Blicks. Ebenso herausfordernd ist, dass wirkungsstarke Projekte weit entfernt sind oder für Stiftungen wenig sichtbar sind. Daher besteht immer noch eine große Diskrepanz zwischen Anlageverhalten von Stiftungen und deren (gemeinnützigen) Stiftungszwecken. 

Im fünften Teil der Serie wollen wir daher in eigener Sache eine Veranstaltung vorstellen, wo wir Investoren einen anderen Blickwinkel auf wirkungsorientiertes Investieren bieten – jenseits vollmundig angepriesener SDG- oder Impact Investing Events. Die Rede ist von unserem Mission Investing Forum, das am 6. und 7. November wieder in Bochum im Gebäude der GLS Bank stattfindet.

Hintergründe des Mission Investing Forum

Als die GLS Bank 2012 in ihrer Frankfurter Filiale zum ersten Mission Investing Forum lud, wollte sie Investoren eine Plattform geben, in spannende Projekte weltweit mit hohem sozialen oder ökologischen Nutzen zu investieren bzw. zu finanzieren. Dabei wollte sie ihre langjährige Erfahrung in dem Bereich weitervermitteln. Denn seit fast vier Jahrzehnten ist die gesamte Bank in dem Bereich tätig. Über die GLS Treuhand hat sie im Laufe ihrer Geschichte verschiedene eigene Stiftungen ins Leben gerufen. Für das Mission Investing Forum ging die Bank 2012 eine Partnerschaft mit dem Bundesverband Deutscher Stiftungen ein. Mehr als 70 Stiftungsaktive, darunter Stiftungsvertreter*innen, Vermögensmanager der GLS Bank und Stiftungsexpert*innen der GLS Treuhand, nutzten die Veranstaltung damals zu einem intensiven Austausch über die aktuelle Situation der Stiftungsarbeit.

Seitdem ist die Veranstaltung zu einer jährlich gern wahrgenommenen Austauschmöglichkeit für Stiftungsvertreter*innen geworden. Im Laufe der Zeit ist die Teilnehmer*innenanzahl stetig angestiegen. 2018 waren es 120 Teilnehmer*innen. Die Themen ändern sich von Jahr zu Jahr. Es werden abwechselnde inhaltliche Schwerpunkt gesetzt, um aktuell relevante Fragestellungen rund um Stiftungen aufzugreifen. Von klassischen Themen wie Risiko und Rendite über den Fokus auf bestimmte Anlageklassen wie Immobilien bis hin zu Finanzierungsmöglichkeiten in Afrika im vergangenen Jahr.

Mission Investing Forum 2019

Auch in diesem Jahr können sich Investoren zu aktuellen Stiftungsfragen austauschen. Unter dem Motto „Gemeinsam investieren — Gemeinnutz schaffen“ haben Teilnehmer*innen neben der Pflege und Aufbau ihres Netzwerks die Möglichkeit, Finanzierungslösungen für fünf Projekte gemeinsam zu erarbeiten. Statt auf Podiumsdiskussionen oder Powerpoint-Präsentation setzt die GLS Bank auf die Intelligenz und Kreativität des Schwarms. Gemeinsam begeben sich die Teilnehmer*innen auf die Suche nach praktischen Lösungen, wie Geld zu innovativen Initiativen gelangen kann. So entstehen neue Investmentmöglichkeiten und -vorstellungen. Ziel ist es, Projekte zu finanzieren, die mit den gängigen Werkzeugen der Finanzwirtschaft schwerlich oder kaum umzusetzen sind. Durch dieses interaktive Format können Teilnehmer*innen ihr eigenes Wissen zum wirkungsorientierten Investieren gezielt ausbauen und auch neue Ansätze kennenlernen.

Auch wenn die Finanzierung noch unklar ist, so stehen die fünf Projektvorschläge bereits fest. Dazu gehört Criterion, ein US-amerikanisches Projekt, dass an der Veränderung des Finanzsystems arbeitet. Konkret geht es um die Frage, wie Gelder in die Bekämpfung von gender-basierter Gewalt (u.a. Gewalt gegen Frauen) und deren Folgekosten fließen können. Ein weiteres Projekt wird von der pan-afrikanischen Organisation Africans rising vorgestellt. Hier geht es um die Finanzierung eines Konferenz- und Schulungszentrums für die 373 Mitglieder*innen, alles afrikanische NGOs.

Die 5 Projekte im Einzelnen:

Weitere Informationen

Die Teilnahme steht allen für Stiftungen tätigen Menschen offen, die mit ihrem Kapital nach innovativen Wegen suchen, ihr Stiftungskapital anzulegen. Der Eintritt ist kostenlos. Eine Anmeldung ist bis zum 31. Oktober 2019 möglich. Hier geht es zum Anmeldeformular sowie der Agenda.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Amon Fernandes-Christ ist seit 2015 bei der GLS Bank. Als Junior Spezialist Wertpapierfonds arbeitet er im Angebotsmanagement und ist dort insbesondere im Bereich der Alternativen Investmentfonds (AIF) tätig. In dieser Rolle ist er an der Entwicklung und Konzipierung innovativer Fondsprodukte beteiligt.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

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Wie viel Kohle ist uns unser Klima wert?

von Vanessa Bolmer, Investmentfonds & Nachhaltigkeitsresearch, GLS Bank.

Rund 1.400 Tage ist es inzwischen her. Vor vier Jahren, im Dezember 2015 versprachen in Paris 197 Staaten ihre CO2-Emissionen zu senken. Die Folgen des Klimawandels, der zunehmende Verlust der biologischen Vielfalt und fruchtbarer Ackerböden, vermehrt schwere Wetterkapriolen sollten verhindert werden. Doch die notwendigen Veränderungen wurden nur halbherzig angegangen. Im vergangenen Jahr entstand plötzlich ein Ruck in der Gesellschaft: Die Aktivitäten rund um den Hambacher Wald zeigten im Spätsommer 2018 die Meinung Vieler zur Energiewende. Und vor allem was hier schiefläuft. Die Botschaften von Fridays for Future sind daher nicht neu. Aber ihnen ist es endlich gelungen, Momentum zu erzeugen, damit den ambitionierten Worten nun auch Taten folgen. Dies hat massiven Einfluss auf den Kapitalmarkt. Welchen Einfluss haben Treibhausgasemissionen auf das Portfolio und wie lassen sich diese überhaupt sinnvoll erfassen?

Gestrandete Vermögenswerte & Carbon Bubble

Investitionen in fossile Brennstoffe richten ökologische Schäden an. Über diese Aussage wird nicht mehr diskutiert. Im Hintergrund stand bisher ein anderes Argument, das durch die Initiative Carbon Tracker in den vergangenen Jahren langsam in den Vordergrund tritt: Das ökonomische Risiko fossiler Brennstoffe. Energiekonzerne investierten in der Vergangenheit viel Geld in die Erschließung fossiler Brennstoffe. Um die Pariser Ziele zu erreichen, dürfen ein Drittel des Erdöls, die Hälfte des Erdgases und mehr als 80 Prozent der globalen Kohlereserven nicht gefördert werden. Sie müssen im Boden verbleiben. Auch Mercer prognostiziert deutliche Wertverluste für die Anlageklassen Kohle, Öl und Gas in den nächsten 10 Jahren. Die Investitionen wären verloren (stranded assets). Das Konzept der Kohlenstoffblase (Carbon Bubble) macht seitdem am Finanzmarkt die Runde.

Parallel hat sich ein neuer Markt entwickelt: Windparks werden ohne Subventionen errichtet. Auch der Strompreis aus alternativen Quellen ist deutlich günstiger geworden. Die Branche wird wettbewerbsfähig, was sich insbesondere an der hohen Nachfrage nach Green Bonds zeigt.

Die Tendenz zeigt: Die Transformation zu einer Low-Carbon-Industrie hat begonnen. In der Folge müssen sich Investoren fragen, inwieweit Investments in CO2-intensive Branchen sinnvoll sind – oder den Preis dafür zahlen.

Dekarbonisierung der Wirtschaft: Der Gesetzgeber macht Ernst

Die Vereinbarungen des Pariser Klimagipfels sind ein entscheidender Schritt in die richtige Richtung. Denn um sie und damit eine wirksame Dekarbonisierung der Wirtschaft zu erreichen, wird jetzt der rechtliche Rahmen abgesteckt. Diskutierte Maßnahmen sind ein einheitlicher Standard für den CO2-Fußabdruck einer Geldanlage sowie eine ausnahmslose CO2-Abgabe. Solche Abgaben würden tatsächlich vorhandene, aktuell noch versteckte Risiken in den Bilanzen sehr vieler Unternehmen und kumuliert bei den finanzierenden Banken sichtbar machen. Es könnte ein fairer Wettbewerb entstehen, in dem die Verursacher und Finanzierer emissionsintensiver Branchen in die Verantwortung genommen werden.

Genau in diese Richtung bewegen sich die Regulierungsbehörden. Sie verlangen bereits von Banken, die klimarelevanten Risiken ihres Geschäftsfeldes auszuweisen.Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Die Bank of England erwartet, dass britische Institute künftig klimarelevante Risiken adäquat berücksichtigen. Tun sie dies nicht, kann dies höhere Eigenkapitalanforderungen zur Folge haben. Entsprechende Klimastresstest bereitet sie bereits vor. Frankreich nimmt große Investoren mit in die Verantwortung: Sie müssen bereits berichten, wie sie Klimarisiken in ihrer Anlagepolitik berücksichtigen. Und auf europäischer Ebene entsteht derzeit eine Taxonomie, die definiert, welche Geschäftsaktivitäten zum Klimaschutz und weiteren ökologischen Zielen beitragen.

Das regulatorische Bestreben, Fragen zur Werteorientierung des Kunden als obligatorischen Bestandteil in die Beratungsgespräche aufzunehmen, ist ein weiteres Signal. Damit im Einklang steht das Verhalten der Anleger*innen: So stiegen der norwegische Pensionsfonds und deutsche Versicherer aus bestimmten Investments aus. Weitere Akteure, wie die DZ Bank, beugen sich dem Druck der Investoren und Netzwerke und überdenken ihre Strategien bzgl. Kohleinvestitionen.

Doch wie können Anleger*innen erkennen, dass sie betroffen sind von den Klimarisiken?

Eine Lösung: Klimatransparenz

Eine Lösung wäre Transparenz über die CO2-Emissionen einer Geldanlage. Doch die Entwicklung steckt noch in den Anfängen. Denn die Messung und Bewertung klimaschädlicher Emissionen ist nicht einfach. Es mangelt an Daten sowie allgemeingültigen Berichtsstandards. Insbesondere kleineren Unternehmen fehlen die notwendigen Kapazitäten. Die Folge: Viele Daten sind nur grobe Schätzwerte. Die Ergebnisse wenig belastbar und kaum vergleichbar.

Die Finanzbranche versucht, sich selbst zu helfen. So hat die Taskforce on Climate-related Financial Disclosure einen Berichtsstandard entwickelt, wie Investoren auf institutioneller Ebene über klimarelevante Investitionen berichten sollen. Die „Corporate Value Chain“ des Greenhousegas Protocol ist ein Standard, den viele Unternehmen wie auch Städte inzwischen nutzen. Er betrachtet den gesamten Wertschöpfungskreislauf. Warum ist das entscheidend? Rein die Geschäftstätigkeit einer Bank betrachtet, würde sie als Dienstleistungsunternehmen verglichen mit produzierenden Unternehmen einen recht niedrigen Wert ausweisen. Bezieht sie jedoch weitere Werte mit ein, wie die Anfahrtswege der Mitarbeitenden sowie die Auswirkung der finanzierten Unternehmen, muss sie einen deutlich höheren Wert ausweisen.


Quelle: Task Force on Climate-related Financial Disclosure

CO2-Fußabdruck: Ein Standard mit Schwächen

Auf Produktebene weisen viele Fonds heutzutage einen CO2-Fußabdruck aus. Hier ist Vorsicht geboten. Denn nicht immer ist klar, was gemessen wird. Nur eigene oder fremdbezogene Emissionen (auch Scope 1 und 2 genannt) oder alle Emissionen der Wertschöpfungskette (Scope 1, 2 und 3)? Die Darstellung selbst erfreut sich ebenfalls großer Vielfalt: Einige geben ihre Ergebnisse in COje Tonne an, andere wiederum in COje Umsatz. Manche schließen Kohlendioxid-intensive Branchen gleich ganz aus. Nutzen sie eine Benchmark, die diese nicht ausschließt, wirkt ihr Ergebnis natürlich viel besser. Ob die Anlage mit andere Nachhaltigkeitskonzepten, z.B. den Sustainable Development Goals (SDGs) im Einklang steht, sagt der Fußabdruck ebenfalls nicht aus. Transparenz und Authentizität über die zu Grunde gelegten Prozesse und Kriterien werden damit immer wichtiger.

Der nächste Schritt: künftige Emissionen messen

Der Abdruck ist derzeit eine Kennziffer. So lässt sich zwar vergleichen und feststellen, ob der Wert reduziert wurde. Doch sie trifft keine in die Zukunft gerichtete Aussage über die Qualität der Portefeuilles bezogen auf die Erderhitzung: Sind die Aktivitäten der Unternehmen ausreichend, um die Erhitzung der Erde auf 1,5 °C zu beschränken? Diese Fragen stellen sich derzeit das Frankfurter Start-up right. based on science und die GLS Bank. Können wir eine Methodik entwickeln, die es Investoren künftig erleichtern könnte, die Spreu vom Weizen zu trennen? Die Entscheidung für oder gegen eine Investition fällen zu können? Dazu an späterer Stelle mehr.


Über die Autorin

Seit 2011 ist Vanessa Bolmer bei der GLS Bank tätig. Als Verantwortliche für die OGAW-Fonds der GLS Bank ist die Geisteswissenschaftlerin und Bankbetriebswirtin mit dem Produktmanagement und der Weiterentwicklung der Fonds betraut. Ihre Rolle umfasst zugleich die Entwicklung und Konzipierung innovativer Fondsprodukte. Sie finden sie auf Linkedin und Xing.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

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EU-Taxonomie: Was Anleger*innen jetzt beachten müssen

von Gesa Vögele, Mitglied der Geschäftsführung, Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) e.V., und Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Die Europäische Union bringt die Akteure am europäischen Finanzmarkt gehörig ins Schwitzen. Im Mai 2018 hat die EU-Kommission den EU Aktionsplan zur Finanzierung Nachhaltigen Wachstums verabschiedet. Darin hat sie konkrete Maßnahmen beschlossen, wie der Finanzmarkt zur Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele der EU sowie der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (SDG) beitragen soll. Seitdem herrscht EU-weit rege Betriebsamkeit. Überall werden Konferenzen abgehalten, Beiräte gegründet, Stellungnahmen veröffentlicht, um sich auf die bevorstehenden Schritte vorzubereiten.

Besonders eine Maßnahme ist Gegenstand der Diskussion: Die EU-Taxonomie. Sie ist das Herzstück des Aktionsplans. Mit ihr soll Klarheit am Finanzmarkt geschaffen werden, welche wirtschaftlichen Tätigkeiten zur Erreichung der oben genannten Ziele beitragen. Eine Sachverständigengruppe machte sich vergangenen Sommer ans Werk, diese Maßnahmen auszugestalten. Am 18. Juni 2019 veröffentlichte sie ein viel beachtetes Zwischenergebnis: Ein mehr als 400 Seiten starker technischer Bericht, der detailliert festlegt, welche Tätigkeiten im Einklang mit der Taxonomie sind.

Doch was heißt dies für die verschiedenen Teilnehmer am Kapitalmarkt? Was kommt auf sie zu? Wer ist betroffen? Bis wann ist Zeit, sich darauf vorzubereiten? Können sie sich am Prozess beteiligen? In diesem Artikel möchten wir Antworten auf diese und weitere wichtigen Fragen geben:

Das Taxonomie-Grundgerüst: Eine Liste an Aktivitäten, die sechs ökologische Ziele verwirklichen sollen

Die Taxonomie stellt nichts anderes als eine Liste von Wirtschaftstätigkeiten dar, die einen substanziellen Beitrag zu sechs ökologischen Zielen leisten sollen. Sie basiert auf Expertise aus Branche, Zivilgesellschaft und Wissenschaft und soll dynamisch im Laufe der Zeit den technologischen Wandel berücksichtigen. Es gibt auch keine graduelle Abstufung oder Note wie bei ESG- Ratings. Sobald fertiggestellt, soll sie Finanzmarktteilnehmern dazu dienen, die Umweltperformance ihrer (nachhaltigen) Aktien- oder Rentenfonds zu messen und darüber zu berichten. Der EU-Kommission schwebt vor, dass sie eine Ausgangsbasis für die Gestaltung neuer, grüner Finanzprodukte ist. In dem Zusammenhang ist auch die Einführung eines Ecolabels für grüne Investmentfonds angedacht. Institutionellen Investoren sollen mit ihrer Hilfe Investment-Präferenzen formulieren oder Engagement betreiben.

Die sechs ökologischen Ziele der EU-Taxonomie

  1. Klimaschutz
  2. Anpassung an den Klimawandel
  3. Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen
  4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling
  5. Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
  6. Schutz gesunder Ökosysteme

Im veröffentlichten Bericht hat die technische Arbeitsgruppe bisher Aktivtäten identifiziert, die einen substanziellen Beitrag zu den ersten beiden Zielen leisten, allein 67 für den Klimaschutz. Die weiteren Ziele und damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Aktivitäten werden bis Ende 2022 ausgearbeitet.

Vor allem Anbieter nachhaltiger Investmentfonds betroffen

Die Taxonomie richtet sich in erster Linie an Anbieter unterschiedlicher Arten von Investmentfonds. Sie sollen offenlegen, inwiefern ihre Produkte im Einklang mit der Taxonomie stehen.

Das betrifft aber nicht alle Fondsanbieter. Derzeitiger Sachstand ist, dass nur institutionelle Investoren und Vermögensverwalter, die Investmentprodukte als nachhaltig vermarkten, erklären müssen, ob und wie sie die Taxonomie-Kriterien genutzt haben.

Nutzer und Anwendung der Taxonomie

 

Offenlegungspflichten

Optionale Nutzung

Asset Management

  • OGAW/AIF/Venture/Infrastruktur-Fonds
  • Portfoliomanagement

 

Versicherung

  • Versicherungsbasierte Investmentprodukte
  • Versicherung

Corporate- und Investment-Banking

  • Verbriefungsfonds/Venture Capital und Private Equity Fonds / Indexfonds
  • Portfoliomanagement
  • Verbriefung/ Venture Capital und Private Equity
  • Indizes
  • Projekt- und Unternehmensfinanzierung 

Retailbanking

-

  • Hypotheken/ Immobilien-, Auto- Hauskredite

Quelle: Tabelle basiert auf Seite 60 im EU Taxonomy Technical Report

In den vergangenen Monaten ist eine lange Debatte dazu entstanden, warum die Offenlegungspflichten nicht für alle Anbieter gelten. Hauptkritikpunkte am jetzigen Vorschlag sind Wettbewerbsnachteile für Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte sowie eine mangelnde Hebelwirkung, da der Anteil nachteiliger Produkte nur ein Bruchteil des Gesamtmarktes ausmacht. Auch das EU-Parlament steht dem Vorschlag kritisch gegenüber. Es will stattdessen nahezu alle Fondsanbieter in die Pflicht nehmen und stellt darüber hinaus klar, dass die Offenlegungspflichten auch für Kreditinstitute und börsennotierte Unternehmen gelten sollten. Bisher sehen die Vorschläge für Banken und Unternehmen eine freiwillige Nutzung vor.

Wie Anleger*innen herausfinden, ob ihre Investments Taxonomie-konform sind

Für jede der identifizierten 67 Aktivitäten gibt es konkrete technische Kriterien. Akteure am Kapitalmarkt, die herausfinden wollen, inwieweit ihre Investments der Taxonomie entsprechen, haben drei Schritte dabei zu gehen. Zunächst müssen sie prüfen, ob ihre Anlagen einen substanziellen Beitrag leisten (substantially contribute). Zudem darf ein Investment keine anderen ökologischen Ziele (Do no significantly harm - DNSH) oder die ILO-Kernarbeitsnormen verletzen (social safeguards).


Quelle: Presentation EU Taxonomy, Seite 3

1. Ermittlung des substanziellen Beitrags: es gibt verschiedene Wege

Die Taxonomie definiert unterschiedliche Möglichkeiten, wie eine Aktivität substanziell beitragen kann. Beim Ziel Klimaschutz adressiert sie Tätigkeiten mit bereits geringen Emissionswerten, z. B. (nahe) Null-Emissions-Transport oder Aufforstung. Ebenso zielt sie auf Tätigkeiten ab, die niedrige Emissionen oder substanzielle Reduktionen von Emission ermöglichen (Greening durch Tätigkeiten). Beispiel hierfür sind Hersteller von Windrädern.

Aber nicht nur Windräder oder elektrische Straßenbahnen können einen substanziellen Beitrag leisten. Um emissionsintensive Wirtschaftssektoren klimafreundlicher zu machen, hat die technische Arbeitsgruppe auch bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten identifiziert, bei denen zwar noch kein Netto-Null-Emissionsstand erreicht wurde, die aber zu einer Netto-Null-Emissions-Wirtschaft im Jahr 2050 beitragen können. Hier geht es um das Greening von Tätigkeiten (z. B. Renovierung von Gebäuden oder Autos mit unterdurchschnittlichem CO2-Ausstoß). Bei der Aufstellung der Kriterien hat sich die Arbeitsgruppe an den Sektorvorreitern orientiert. Die Performance soll damit über den Industrie-Durchschnitt gehoben werden, vergleichbar mit einem Best-in-Class-Ansatz bei Nachhaltigkeitsfonds. Die Kriterien für diese Tätigkeiten sollen im Laufe der Zeit kontinuierlich verschärft werden mit dem Ziel, Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Als Grenzwert für stromerzeugende Wirtschaftsaktivtäten wurde beispielsweise heute 100g CO2/kWh gewählt. Dies schließt emissionsintensive Sektoren wie die Kohleindustrie bereits heute aus.


Quelle: Using the taxonomy, Supplementary Report 2019, Seite 14

2. Do no significant harm: Was gut für ein Ziel ist, darf nicht schlecht für die anderen Ziele sein

Investoren müssen darauf achten, dass ökonomische Tätigkeiten, die einen substanziellen Beitrag zu einem der sechs ökologischen Bereiche bzw. Ziele der Taxonomie leisten, kein anderes Umweltziel substanziell schädigen. Für jedes der sechs Umweltziele wurde dies näher spezifiziert. So sollte keine Tätigkeit zu erheblichen Treibhausgasemissionen (Ziel 1) und Schadstoffemissionen (Ziel 5) führen oder einen negativen Effekt auf die natürliche und bauliche Umwelt haben (Ziel 2). Der Zustand der Meere und Flüsse (Ziel 3) und weiterer Ökosysteme (Ziel 6) in der Europäischen Union darf nicht beeinträchtigt werden. Ebenfalls sollte eine erhebliche Ineffizienz bei der Materialnutzung in einer oder mehreren Phasen des Lebenszyklus von Produkten vermieden werden (Ziel 4). Für jede wirtschaftliche Tätigkeit wurden konkrete Kriterien festgelegt. Dieser Schritt hat auch zum jetzigen Sachstand zum Ausschluss von Kernkraft geführt, da es ungeklärte Fragen zur Entsorgung des atomaren Abfalls gibt, was in Konflikt zu Ziel 3 steht. Allerdings wird auf EU-Ebene weiterhin diskutiert, Kernkraft doch als eine treibhausgas-neutrale Technologie für die Taxonomie zuzulassen.

3. Soziale Kriterien: EU-Kommission setzt auf Mindeststandards

Bisher wurde viel von Umweltkriterien gesprochen. Was ist eigentlich mit sozialen Kriterien oder Kriterien der guten Unternehmensführung? Die EU-Kommission greift hier auf bestimmte soziale Mindestanforderungen (social safeguards) zurück. Das Unternehmen, das die Wirtschaftstätigkeit ausübt, muss die acht Kernarbeitsnormen in der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit befolgen. Dies sind das Recht, keiner Zwangsarbeit unterworfen zu werden, die Vereinigungsfreiheit, das Recht der Arbeitnehmer, sich zu organisieren, das Recht auf Tarifverhandlungen, gleiche Entlohnung für männliche und weibliche Arbeitnehmer für gleichwertige Arbeit, Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf sowie das Recht, keiner Kinderarbeit unterworfen zu werden. Weiter geht die Taxonomie nicht. Insbesondere das Fehlen konkreter sozialer Ziele zum jetzigen Zeitpunkt sehen viele Marktteilnehmer sehr kritisch und wurde kontrovers diskutiert. Hier zeigt sich auch ein klarer Unterschied zwischen dem EU-Parlament und der EU-Kommission. So plädiert das Parlament dafür, dass auch die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte, (…) und die Internationale Charta der Menschenrechte, befolgt werden. Laut Parlamentsposition müssen weitere Leitlinien zu den Tätigkeiten erarbeitet werden, die zu anderen Nachhaltigkeitszielen, darunter soziale Ziele und Steuerungsziele [englische Version: governance objectives] beitragen. Nur so ließe sich die Agenda 2030 zur Erreichung der SDGs wirksam umsetzen.

Wie es weitergeht: Finanzmarktakteure können sich in den Prozess mit einbringen

An den ersten beiden Bereichen bzw. Umweltzielen wird die technische Arbeitsgruppe noch bis zum Jahresende arbeiten. Alle Finanzmarktakteure haben noch bis zum 13. September 2019 die Möglichkeit, Hinweise und Kritikpunkte zu äußern, indem sie ein Feedback zum Bericht an die EU-Kommission versenden (Hier geht es zum Call for Feedback). Für die weitere Umsetzung der Taxonomie wird im kommenden Jahr eine so genannte Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen geschaffen. Diese würde insbesondere die vier weiteren Umweltbereich- bzw. -ziele der Taxonomie entwickeln. Die EU-Kommission plant im ersten Halbjahr 2020 Konsultationen zu künftigen delegierten Rechtsakten, die die technischen Screening-Kriterien spezifizieren sollen.

Parallel dazu finden derzeit Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und den EU-Staaten zum Taxonomievorschlag der Kommission statt, die so genannten Trilog-Verhandlungen. Angesichts unterschiedlicher Standpunkte zwischen Parlament und Kommission kann es noch zu Anpassungen kommen. Dennoch wird davon ausgegangen, dass die Verhandlungen im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden können.


Quelle: EU Taxonomy Technical Report, Seite 18

Wo Anleger*innen hilfreiche Informationen finden

Es ist derzeit nicht einfach, den Überblick zu bewahren. Die offizielle Seite der EU-Kommission zu Sustainable Finance erläutert Hintergründe und bisherige Maßnahmen. Zur besseren Veranschaulichung hat die Kommission ein Factsheet und eine Präsentation entworfen, in denen die wichtigsten Maßnahmen erläutert werden. Die rechtliche Grundlage bildet der Aktionsplan: Finanzierung nachhaltiges Wachstum

Zur näheren Erläuterung der Taxonomie ist online eine Präsentation erhältlich. In ihr finden sich auch die Hinweise auf weitere Dokumente, zum einen den ausführlichen technischen Bericht, der die Methodik und alle Tätigkeiten mitsamt Kriterien eingehend beschreibt, sowie als Praxishilfe einen Leitfaden, wie die Taxonomie anzuwenden ist. CRIC hat darüber hinaus einen Fragenkatalog veröffentlicht, der die wesentlichen Punkte zusammenfasst. Zum aktuellen Taxonomie-Entwurf hat CRIC am 2. September 2019 gemeinsam mit dem FNG, ÖGUT und oekofinanz-21 eine Stellungnahme veröffentlicht, die von der GLS Bank unterstützt wird.


Gesa Vögele ist seit Juli 2017 Mitglied der Geschäftsführung bei CRIC. Zuvor war sie über sieben Jahre beim FNG tätig ­– einem Fachverband für nachhaltige Geldanlagen, der hauptsächlich die Anbieterseite repräsentiert. Zu ihren dortigen Schwerpunkten zählten die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, politisches Lobbying sowie Projekte in den Bereichen Transparenz- und Qualitätssiegel, Weiterbildung und Marktstudien. Vorherige berufliche Stationen von Gesa Vögele umfassen außerdem die Redaktion eines Fachverlages sowie die wissenschaftliche und zuvor studentische Mitarbeit in Forschungseinrichtungen. Bereits zum Ende ihres Studiums befasste sie sich bei einer Nichtregierungsorganisation mit sozial-verantwortlichen bzw. ethisch-nachhaltigen Geldanlagen. Gesa Vögele ist Diplom-Volkswirtin und ausgebildete Fachredakteurin.

CRIC (Corporate Responsibility Interface Center) ist ein gemeinnütziger Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit bei der Geldanlage und versteht sich gleichermaßen als Informationsplattform und Kompetenzzentrum. Ziel der Aktivitäten von CRIC ist es, ökologischen, sozialen und kulturellen Aspekten in Unternehmen und der Wirtschaft mehr Gewicht zu verleihen. Mit mehr als 100 Mitgliedern vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist CRIC die größte Investorengemeinschaft zur ethisch-nachhaltigen Geldanlage im deutschsprachigen Raum. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen in der Bewusstseinsbildung, dem Dialog mit der Wirtschaft (engl. Engagement) und der wissenschaftlichen Begleitforschung. CRIC wurde im Jahr 2000 gegründet. Der Vereinssitz ist Frankfurt am Main. Weitere Informationen: www.cric-online.org.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

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Mikrofinanzierung: Auch traditionelles Impact Investing erfordert einen kritischen Blick

Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank, mit einem kritischen Blick auf Mikrofinanzierung als etablierte Form des Impact Investings in Teil 3 der Serie „Impact Investing – wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt“.

Impact Investing gilt am Kapitalmarkt als der Königsweg, um die Sustainable Development Goals zu erreichen. In den vergangenen Jahren haben diese traditionell alternativen Investmentformen Verbreitung am ganzen Markt gefunden. Doch die sozial-ökologische Wirkung von OGAW-Investmentfonds ist schwer zu erfassen, da sie aufgrund regulatorischer und technischer Gründe das Geld i.d.R. nicht direkt den Unternehmen und Projekten zur Verfügung stellen und viele Unternehmen nicht stringent darüber berichten. Auch bei den am Markt sehr beliebten Green Bonds ist es umstritten, ob sie tatsächlich zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen.

Es stellt sich die Frage: Ist es nicht besser, sich auf den Markt für alternativen Investments zu konzentrieren, um impactstarken Projekten und Unternehmen direkt Kapital zur Verfügung zu stellen? So naheliegend dies erscheint, so sehr ist ein kritischer Blick notwendig. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mikrofinanzierung, eine etablierte Form des Impact Investings.

Gründe für Mikrofinanzierung: Finanzielle Inklusion statt Armutsbekämpfung

Als in den 1970er Jahren spezialisierte Mikrofinanzinstitute gegründet wurden, wollten sie mit der Vergabe von Kleinstkrediten die Armut mindern. Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank, einem Mikrofinanzinstitut in Bangladesch, erhielt dafür 2006 sogar den Friedensnobelpreis. Nach mehr als 40 Jahren ziehen viele Forscher*innen jedoch ernüchtert Bilanz: Mikrofinanzierung leistet keinen wesentlichen Beitrag, um Armut zu vermindern. Aber sie hat einen anderen positiven Effekt: Sie ermöglicht vielen benachteiligten Menschen auf dem Land eine finanzielle Teilhabe. Hintergrund ist, dass viele Mikrofinanzinstitute ihre Ursprünge in kleinen Nichtregierungsorganisationen in ländlichen Regionen haben, die über die Jahre gewachsen ist. Hier erhielten arme Menschen zum ersten Mal einen Zugang zu verlässlichen Leih- und Sparmöglichkeiten. Ein großer Markt: Mehr als 2 Mrd. Menschen haben immer noch keinen Zugang zu Bankdienstleistungen.

Mikrofinanzmarkt heute: erwachsen, vielfältig, herausfordernd

Mittlerweile ist der Mikrofinanzmarkt erwachsen geworden. Die Institute sind in nahezu allen Entwicklungs- und Schwellenländern präsent. Das Gesamtvolumen an Krediten lag Ende 2017 bei 114 Mrd. US Dollar (Microfinance Barometer 2018). Regulatorische Anforderungen und der Kostendruck zwingen Institute, sich professionell aufzustellen. Dazu gründen sie u.a. internationale Holdingsstrukturen oder Netzwerke, die zentral Kapital einsammeln und dann länderspezifisch verteilen. Viele Institute agieren mittlerweile auch als Vollbanken. Um die Mikrokreditvergabe zu refinanzieren, wenden sie sich immer stärker an ausländische Investoren, die zunehmendes Interesse am Markt zeigen. Neben der guten Tat bieten die Institute auch gut verzinste Darlehen an. Mikrofinanzfonds haben sich darauf spezialisiert, ausschließlich diese Institute zu finanzieren.


Quelle: Microfinance Barometer 2018

Bekanntlich ist dabei nicht alles Gold was glänzt. Wie finden und fördern Investoren profitable Institute, die zur finanziellen Inklusion beitragen und dabei keinen Schaden anrichten? Folgende Aspekte gilt es zu beachten:

1. Umfangreiche ökonomische Due Diligence mit lokaler Expertise durchführen

Mikrofinanzinstitute sind in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv. Es gibt diverse Gegebenheiten zu beachten: Die Menschen haben eine fremde Sprache und Kultur. Es gibt ein anderes Rechts- und Politiksystem. Deswegen ist es hilfreich, mit ausgewiesenen Kreditspezialisten aus dem Land bzw. der Region zusammenzuarbeiten, die den Markt kennen und sich bei Besuchen vor Ort oder auf lokalen Messen ein genaues Bild von der Qualität der Institute und Kreditangebote machen können. Dieser Prozess nimmt bei Neuprüfungen häufig mehrere Monate in Anspruch. Schließlich müssen Investoren neben den obligatorischen ökonomischen Berechnungen auch die politische als auch wirtschaftliche Situation des Landes erfassen und alle Einflussfaktoren und Zusammenhänge berücksichtigen, die auf das Institut wirken. Ein Beispiel: In Russland arbeiten viele Menschen aus Zentralasien, die regelmäßig einen Teil ihres Lohnes zurücküberweisen. Damit werden auch Mikrokredite bedient. Durch die Sanktionen gegen Russland erlahmten diese Geldströme und die Zahl notleidender Kredite stieg bei diesen Instituten merklich an.

2. Strenge sozial-ökologische Kriterien beachten

Es gibt in Deutschland eine gesetzliche Definition eines Mikrofinanzinstituts. So muss es einer Aufsicht unterstellt sein, darf bei mindestens 60 % der Darlehensvergaben den Betrag von 10.000 Euro nicht überschreiten und seine Haupttätigkeit soll die Kreditvergabe an Klein- und Kleinstunternehmer für deren unternehmerische Zwecke sein (siehe §222 KAGB). Diese Definition lässt aber viel Spielraum. Um sicherzugehen, dass das Kreditportfolio eine hohe sozial-ökologische Qualität aufweist, ist es ratsam für Investoren, weitere Kriterien anzuwenden. Zunächst sollten die Kredite keinen Schaden anrichten. Auszuschließen ist die Finanzierung von Aktivitäten, mit denen Kinder ausgebeutet, Landrechte der indigenen Bevölkerung verletzt oder Raubbau an der Natur betrieben wird.

Darüber hinaus sollten Mikrofinanzinstitute bzw. -fonds genau definieren, welchem Zweck die Kredite dienen. Neben der weit verbreiteten Unterstützung von Kleinbäuern*innen (u.a. zur Vorfinanzierung der Ernte) und speziellen Kreditprogrammen für Frauen gibt es viele weitere förderungswürdige Aktivitäten: Die Finanzierung von Erneuerbare Energien-Projekten, sozial-ökologische sowie ökonomische Bildungs- und Beratungsprogramme zum Aufbau einer beruflichen Existenz, die sanitäre Versorgung von Wohnungen oder auch Versicherungs- und Sparangebote, mit denen Endkreditnehmer*innen langfristige finanzielle Perspektiven aufbauen können.

Ebenso wichtig ist es, dass die Endkreditnehmer*innen geschützt sind. In der Branche haben sich dazu die Client Protection Principles der Smart Campaign-Zertifizierung etabliert, die Mindestanforderungen an den Kundenschutz stellen. Um die begehrte Zertifizierung zu erhalten, müssen die Institute sowohl eine hohe Kostentransparenz als auch ein System zum Kundenschutz nachweisen.


Quelle: Annapurna Finance Ltd.

3. Übersättigte Länder kritisch sehen

Das Kapital am Mikrofinanzmarkt ist ungleich verteilt. Manche Institute und Länder werden geradezu geflutet, andere gehen nahezu leer aus. Wenn das Angebot an Angeboten sehr hoch ist, sinken die Zinsen. Häufig nehmen Endkunden*innen dann weitere Kredite auf, die sie irgendwann nicht mehr bedienen können. Dies hat in der Vergangenheit bereits zu erhöhten Kreditausfällen bei den Instituten geführt – mit mitunter fatalen Folgen für Endkreditnehmer*innen. Um diesen Missstand zu beheben, wurde der sogenannte Microfinance Index of Market Outreach and Saturation (Mimosa-Index) entwickelt. Er zeigt an, wie hoch die Sättigung im Land ist, indem er den Human Development Index und die Kreditvolumina von Ländern in Beziehung setzt. Je höher die Sättigung, umso höher ist zumeist auch das Rückzahlungsrisiko. Daher sollten Investoren maßvoll in diesen Ländern Kredite vergeben.  Zu beachten ist beim MIMOSA-Index, dass die derzeit öffentlich zugänglichen Daten bereits 5 Jahre alt sind und daher nur als eine erste Indikation zu verwenden sind.

MIMOSA-Länderverteilung 2014

Quelle: Mimosa 2.0 – Mapping the (micro)credit cycle

4. Lokalwährungskredite fördern

Bis vor kurzem haben Mikrofinanzinstitute ihre Darlehen am Kapitalmarkt nahezu ausschließlich in Euro oder Dollar erhalten. So bequem dies für ausländische Investoren ist, so schwierig ist es für die Institute. Schließlich müssen sie die Währungsrisiken teuer absichern, oder das Risiko anderweitig steuern. Mit steigendem Investoreninteresse und aufgrund regulatorischen Drucks sind sie dazu übergegangen, Darlehen zunehmend in der landeseigenen Währung zu präferieren. Investoren wie z.B. Mikrofinanzfonds übernehmen die Absicherung, die für sie günstiger und oft überhaupt erst möglich ist. Je mehr Währungen sie im Portfolio haben, umso breiter wird das Währungsrisiko gestreut, was mittelfristig geringere Absicherungskosten zur Folge haben kann. Auch aus sozial-ökologischer Sicht ergeben sich Vorteile. Denn den Wegfall von Gebühren kann das Mikrofinanzinstitut in Form günstigerer Kreditzinsen oder mehr Krediten an die Endkreditnehmer*innen, beispielsweise den Kleinbauern*innen oder Nähern*innen, nun direkt weitergeben.

5. Technical Assistance unterstützen

Mikrokredite sollten dort vergeben werden, wo sie die höchste sozial-ökologische Wirkung entfalten. Um dies zu gewährleisten, wurden im entwicklungspolitischen Kontext bestimmte Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen konzipiert, die so genannte Technical Assistance. Sie können auf zweierlei Ebenen wirken. Einerseits erhalten Mitarbeiter*innen von Mikrofinanzinstituten in Schulungen wichtiges Wissen vermittelt, z.B. wie sich die positive Wirkung der Kredite erfassen lässt.  Andererseits können sich Endkreditnehmer*innen in Workshops über spezifische Themen austauschen, z.B. welche Rechte sie als Arbeitnehmer haben oder mit welchen Anbaumethoden sie nachhaltig erfolgreich wirtschaften. Investoren haben die Möglichkeit, mit ihren Fondseinnahmen oder Abschlussprovisionen gezielt diese Maßnahmen zu finanzieren.

6. Hohe Diversifikation im Portfolio anstreben

Um eine möglichst hohe sozial-ökologische Wirkung und Portfoliostreuung zu erreichen, bietet es sich für Investoren an, im hohen Maße in Länder anzulegen, die gemäß der Weltbank als Low Income- oder Low Middle Income-Staaten gelten. Eine weitere Möglichkeit ist es, in eine Vielzahl unterschiedlicher Institute zu investieren. Die Branche unterscheidet zwischen Tier 1, Tier 2 und Tier 3-Instituten. Bei Tier 1-Instituten handelt es sich um regulierte Institute, die eine Bilanzsumme von mehr als 50 Mio. US Dollar haben und spezifische Anforderungen an die finanzielle Nachhaltigkeit und Transparenz erfordern. Sie sind im Fokus internationaler Investoren. Darüber hinaus gibt es aber auch viele kleine, impactstarke Institute, die eine Bilanzsumme von nur wenigen Millionen US Dollar aufweisen und aufgrund ihrer Struktur kein regelmäßiges Reporting aufstellen. Auch hier können sich Investments lohnen. Zwar ist ein hoher Prüfaufwand notwendig. Jedoch ist der sozial-ökologische Impact besonders hoch, da diese Institute die Bedürfnisse ihre Kreditkunden*innen sehr gut kennen und maßgeschneiderte Kredite anbieten, aber häufig unterfinanziert sind.

7. Transparente Berichterstattung einfordern

Um über die Entwicklungen von Mikrofinanzinstituten auf dem Laufenden gehalten zu werden, sollten Investoren regelmäßig informiert werden. Bei Investments in einen Mikrofinanzfonds ist ein Monatsbericht hilfreich, der über die aktuelle Fondsperformance aber auch spezifische Mikrofinanzthemen und Neuinvestments informiert. Dies ist als Standard am Markt für Mikrofinanzfonds anzusehen. Ebenfalls bietet sich über die gesetzlichen Pflichtpublikationen hinaus ein jährlich erscheinender Bericht an, indem auch die sozial-ökologischen Aspekte umfassend gewürdigt werden. Als Wirkindikatoren bieten sich die Anzahl erreichter Mikrounternehmer, die durchschnittliche Kreditsumme, der Anteil finanzierter Frauen oder die Anzahl an Krediten an, die in ländlichen Regionen vergeben werden.

Fazit

Die Mikrofinanzierung ist ein am Markt etabliertes Finanzierungsinstrument, um die finanzielle Teilhabe von Menschen zu fördern. Investoren können damit positiv zur sozialen Entwicklung in vielen Ländern beitragen. Vor einem Investment, sei es direkt oder über einen Fonds, sollten sie neben einer umfassenden ökonomischen und sozio-ökologischen Prüfung auch die Eigenheiten und Instrumente des Mikrofinanzmarktes berücksichtigen und Transparenz einfordern. Denn nur so können sie sicher sein, dass sie wirklich eine positive Wirkung mit ihrer Anlage erzielen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de