Mikrofinanzierung: Auch traditionelles Impact Investing erfordert einen kritischen Blick

Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank, mit einem kritischen Blick auf Mikrofinanzierung als etablierte Form des Impact Investings in Teil 3 der Serie „Impact Investing – wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt“.

Impact Investing gilt am Kapitalmarkt als der Königsweg, um die Sustainable Development Goals zu erreichen. In den vergangenen Jahren haben diese traditionell alternativen Investmentformen Verbreitung am ganzen Markt gefunden. Doch die sozial-ökologische Wirkung von OGAW-Investmentfonds ist schwer zu erfassen, da sie aufgrund regulatorischer und technischer Gründe das Geld i.d.R. nicht direkt den Unternehmen und Projekten zur Verfügung stellen und viele Unternehmen nicht stringent darüber berichten. Auch bei den am Markt sehr beliebten Green Bonds ist es umstritten, ob sie tatsächlich zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen.

Es stellt sich die Frage: Ist es nicht besser, sich auf den Markt für alternativen Investments zu konzentrieren, um impactstarken Projekten und Unternehmen direkt Kapital zur Verfügung zu stellen? So naheliegend dies erscheint, so sehr ist ein kritischer Blick notwendig. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mikrofinanzierung, eine etablierte Form des Impact Investings.

Gründe für Mikrofinanzierung: Finanzielle Inklusion statt Armutsbekämpfung

Als in den 1970er Jahren spezialisierte Mikrofinanzinstitute gegründet wurden, wollten sie mit der Vergabe von Kleinstkrediten die Armut mindern. Muhammad Yunus, Gründer der Grameen Bank, einem Mikrofinanzinstitut in Bangladesch, erhielt dafür 2006 sogar den Friedensnobelpreis. Nach mehr als 40 Jahren ziehen viele Forscher*innen jedoch ernüchtert Bilanz: Mikrofinanzierung leistet keinen wesentlichen Beitrag, um Armut zu vermindern. Aber sie hat einen anderen positiven Effekt: Sie ermöglicht vielen benachteiligten Menschen auf dem Land eine finanzielle Teilhabe. Hintergrund ist, dass viele Mikrofinanzinstitute ihre Ursprünge in kleinen Nichtregierungsorganisationen in ländlichen Regionen haben, die über die Jahre gewachsen ist. Hier erhielten arme Menschen zum ersten Mal einen Zugang zu verlässlichen Leih- und Sparmöglichkeiten. Ein großer Markt: Mehr als 2 Mrd. Menschen haben immer noch keinen Zugang zu Bankdienstleistungen.

Mikrofinanzmarkt heute: erwachsen, vielfältig, herausfordernd

Mittlerweile ist der Mikrofinanzmarkt erwachsen geworden. Die Institute sind in nahezu allen Entwicklungs- und Schwellenländern präsent. Das Gesamtvolumen an Krediten lag Ende 2017 bei 114 Mrd. US Dollar (Microfinance Barometer 2018). Regulatorische Anforderungen und der Kostendruck zwingen Institute, sich professionell aufzustellen. Dazu gründen sie u.a. internationale Holdingsstrukturen oder Netzwerke, die zentral Kapital einsammeln und dann länderspezifisch verteilen. Viele Institute agieren mittlerweile auch als Vollbanken. Um die Mikrokreditvergabe zu refinanzieren, wenden sie sich immer stärker an ausländische Investoren, die zunehmendes Interesse am Markt zeigen. Neben der guten Tat bieten die Institute auch gut verzinste Darlehen an. Mikrofinanzfonds haben sich darauf spezialisiert, ausschließlich diese Institute zu finanzieren.


Quelle: Microfinance Barometer 2018

Bekanntlich ist dabei nicht alles Gold was glänzt. Wie finden und fördern Investoren profitable Institute, die zur finanziellen Inklusion beitragen und dabei keinen Schaden anrichten? Folgende Aspekte gilt es zu beachten:

1. Umfangreiche ökonomische Due Diligence mit lokaler Expertise durchführen

Mikrofinanzinstitute sind in Entwicklungs- und Schwellenländern aktiv. Es gibt diverse Gegebenheiten zu beachten: Die Menschen haben eine fremde Sprache und Kultur. Es gibt ein anderes Rechts- und Politiksystem. Deswegen ist es hilfreich, mit ausgewiesenen Kreditspezialisten aus dem Land bzw. der Region zusammenzuarbeiten, die den Markt kennen und sich bei Besuchen vor Ort oder auf lokalen Messen ein genaues Bild von der Qualität der Institute und Kreditangebote machen können. Dieser Prozess nimmt bei Neuprüfungen häufig mehrere Monate in Anspruch. Schließlich müssen Investoren neben den obligatorischen ökonomischen Berechnungen auch die politische als auch wirtschaftliche Situation des Landes erfassen und alle Einflussfaktoren und Zusammenhänge berücksichtigen, die auf das Institut wirken. Ein Beispiel: In Russland arbeiten viele Menschen aus Zentralasien, die regelmäßig einen Teil ihres Lohnes zurücküberweisen. Damit werden auch Mikrokredite bedient. Durch die Sanktionen gegen Russland erlahmten diese Geldströme und die Zahl notleidender Kredite stieg bei diesen Instituten merklich an.

2. Strenge sozial-ökologische Kriterien beachten

Es gibt in Deutschland eine gesetzliche Definition eines Mikrofinanzinstituts. So muss es einer Aufsicht unterstellt sein, darf bei mindestens 60 % der Darlehensvergaben den Betrag von 10.000 Euro nicht überschreiten und seine Haupttätigkeit soll die Kreditvergabe an Klein- und Kleinstunternehmer für deren unternehmerische Zwecke sein (siehe §222 KAGB). Diese Definition lässt aber viel Spielraum. Um sicherzugehen, dass das Kreditportfolio eine hohe sozial-ökologische Qualität aufweist, ist es ratsam für Investoren, weitere Kriterien anzuwenden. Zunächst sollten die Kredite keinen Schaden anrichten. Auszuschließen ist die Finanzierung von Aktivitäten, mit denen Kinder ausgebeutet, Landrechte der indigenen Bevölkerung verletzt oder Raubbau an der Natur betrieben wird.

Darüber hinaus sollten Mikrofinanzinstitute bzw. -fonds genau definieren, welchem Zweck die Kredite dienen. Neben der weit verbreiteten Unterstützung von Kleinbäuern*innen (u.a. zur Vorfinanzierung der Ernte) und speziellen Kreditprogrammen für Frauen gibt es viele weitere förderungswürdige Aktivitäten: Die Finanzierung von Erneuerbare Energien-Projekten, sozial-ökologische sowie ökonomische Bildungs- und Beratungsprogramme zum Aufbau einer beruflichen Existenz, die sanitäre Versorgung von Wohnungen oder auch Versicherungs- und Sparangebote, mit denen Endkreditnehmer*innen langfristige finanzielle Perspektiven aufbauen können.

Ebenso wichtig ist es, dass die Endkreditnehmer*innen geschützt sind. In der Branche haben sich dazu die Client Protection Principles der Smart Campaign-Zertifizierung etabliert, die Mindestanforderungen an den Kundenschutz stellen. Um die begehrte Zertifizierung zu erhalten, müssen die Institute sowohl eine hohe Kostentransparenz als auch ein System zum Kundenschutz nachweisen.


Quelle: Annapurna Finance Ltd.

3. Übersättigte Länder kritisch sehen

Das Kapital am Mikrofinanzmarkt ist ungleich verteilt. Manche Institute und Länder werden geradezu geflutet, andere gehen nahezu leer aus. Wenn das Angebot an Angeboten sehr hoch ist, sinken die Zinsen. Häufig nehmen Endkunden*innen dann weitere Kredite auf, die sie irgendwann nicht mehr bedienen können. Dies hat in der Vergangenheit bereits zu erhöhten Kreditausfällen bei den Instituten geführt – mit mitunter fatalen Folgen für Endkreditnehmer*innen. Um diesen Missstand zu beheben, wurde der sogenannte Microfinance Index of Market Outreach and Saturation (Mimosa-Index) entwickelt. Er zeigt an, wie hoch die Sättigung im Land ist, indem er den Human Development Index und die Kreditvolumina von Ländern in Beziehung setzt. Je höher die Sättigung, umso höher ist zumeist auch das Rückzahlungsrisiko. Daher sollten Investoren maßvoll in diesen Ländern Kredite vergeben.  Zu beachten ist beim MIMOSA-Index, dass die derzeit öffentlich zugänglichen Daten bereits 5 Jahre alt sind und daher nur als eine erste Indikation zu verwenden sind.

MIMOSA-Länderverteilung 2014

Quelle: Mimosa 2.0 – Mapping the (micro)credit cycle

4. Lokalwährungskredite fördern

Bis vor kurzem haben Mikrofinanzinstitute ihre Darlehen am Kapitalmarkt nahezu ausschließlich in Euro oder Dollar erhalten. So bequem dies für ausländische Investoren ist, so schwierig ist es für die Institute. Schließlich müssen sie die Währungsrisiken teuer absichern, oder das Risiko anderweitig steuern. Mit steigendem Investoreninteresse und aufgrund regulatorischen Drucks sind sie dazu übergegangen, Darlehen zunehmend in der landeseigenen Währung zu präferieren. Investoren wie z.B. Mikrofinanzfonds übernehmen die Absicherung, die für sie günstiger und oft überhaupt erst möglich ist. Je mehr Währungen sie im Portfolio haben, umso breiter wird das Währungsrisiko gestreut, was mittelfristig geringere Absicherungskosten zur Folge haben kann. Auch aus sozial-ökologischer Sicht ergeben sich Vorteile. Denn den Wegfall von Gebühren kann das Mikrofinanzinstitut in Form günstigerer Kreditzinsen oder mehr Krediten an die Endkreditnehmer*innen, beispielsweise den Kleinbauern*innen oder Nähern*innen, nun direkt weitergeben.

5. Technical Assistance unterstützen

Mikrokredite sollten dort vergeben werden, wo sie die höchste sozial-ökologische Wirkung entfalten. Um dies zu gewährleisten, wurden im entwicklungspolitischen Kontext bestimmte Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen konzipiert, die so genannte Technical Assistance. Sie können auf zweierlei Ebenen wirken. Einerseits erhalten Mitarbeiter*innen von Mikrofinanzinstituten in Schulungen wichtiges Wissen vermittelt, z.B. wie sich die positive Wirkung der Kredite erfassen lässt.  Andererseits können sich Endkreditnehmer*innen in Workshops über spezifische Themen austauschen, z.B. welche Rechte sie als Arbeitnehmer haben oder mit welchen Anbaumethoden sie nachhaltig erfolgreich wirtschaften. Investoren haben die Möglichkeit, mit ihren Fondseinnahmen oder Abschlussprovisionen gezielt diese Maßnahmen zu finanzieren.

6. Hohe Diversifikation im Portfolio anstreben

Um eine möglichst hohe sozial-ökologische Wirkung und Portfoliostreuung zu erreichen, bietet es sich für Investoren an, im hohen Maße in Länder anzulegen, die gemäß der Weltbank als Low Income- oder Low Middle Income-Staaten gelten. Eine weitere Möglichkeit ist es, in eine Vielzahl unterschiedlicher Institute zu investieren. Die Branche unterscheidet zwischen Tier 1, Tier 2 und Tier 3-Instituten. Bei Tier 1-Instituten handelt es sich um regulierte Institute, die eine Bilanzsumme von mehr als 50 Mio. US Dollar haben und spezifische Anforderungen an die finanzielle Nachhaltigkeit und Transparenz erfordern. Sie sind im Fokus internationaler Investoren. Darüber hinaus gibt es aber auch viele kleine, impactstarke Institute, die eine Bilanzsumme von nur wenigen Millionen US Dollar aufweisen und aufgrund ihrer Struktur kein regelmäßiges Reporting aufstellen. Auch hier können sich Investments lohnen. Zwar ist ein hoher Prüfaufwand notwendig. Jedoch ist der sozial-ökologische Impact besonders hoch, da diese Institute die Bedürfnisse ihre Kreditkunden*innen sehr gut kennen und maßgeschneiderte Kredite anbieten, aber häufig unterfinanziert sind.

7. Transparente Berichterstattung einfordern

Um über die Entwicklungen von Mikrofinanzinstituten auf dem Laufenden gehalten zu werden, sollten Investoren regelmäßig informiert werden. Bei Investments in einen Mikrofinanzfonds ist ein Monatsbericht hilfreich, der über die aktuelle Fondsperformance aber auch spezifische Mikrofinanzthemen und Neuinvestments informiert. Dies ist als Standard am Markt für Mikrofinanzfonds anzusehen. Ebenfalls bietet sich über die gesetzlichen Pflichtpublikationen hinaus ein jährlich erscheinender Bericht an, indem auch die sozial-ökologischen Aspekte umfassend gewürdigt werden. Als Wirkindikatoren bieten sich die Anzahl erreichter Mikrounternehmer, die durchschnittliche Kreditsumme, der Anteil finanzierter Frauen oder die Anzahl an Krediten an, die in ländlichen Regionen vergeben werden.

Fazit

Die Mikrofinanzierung ist ein am Markt etabliertes Finanzierungsinstrument, um die finanzielle Teilhabe von Menschen zu fördern. Investoren können damit positiv zur sozialen Entwicklung in vielen Ländern beitragen. Vor einem Investment, sei es direkt oder über einen Fonds, sollten sie neben einer umfassenden ökonomischen und sozio-ökologischen Prüfung auch die Eigenheiten und Instrumente des Mikrofinanzmarktes berücksichtigen und Transparenz einfordern. Denn nur so können sie sicher sein, dass sie wirklich eine positive Wirkung mit ihrer Anlage erzielen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an. (Stand 31.07.2019)

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Green Bonds – wie tragen sie wirklich zu einer nachhaltigen Zukunft bei?

von Thomas Graf und Marc Pfizenmaier, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Als die Europäische Investitionsbank 2007 ihren ersten Climate Awareness Bond auflegte, hat sie den Nerv der Zeit getroffen. Seitdem ist das Volumen an umweltfreundlichen Anleihen (Green Bonds) kontinuierlich angestiegen. Zuerst supranationale Institutionen (Weltbank, Entwicklungsbanken), dann Unternehmen (Apple, BNP Paribas), Kommunen (Stadt Paris) und nicht zuletzt Staaten wie Frankreich oder die Niederlande befeuerten das Wachstum. Laut der Climate Bonds Initiative wurden im vergangenen Jahr Green Bonds im Volumen von knapp 170 Mrd. US-Dollar platziert.

Wachstum Green Bond Markt seit 2011 (in Mrd. US-Dollar)


Eigene Darstellung auf Basis von Daten der Climate Bond Initiative

Wie erklärt sich der Erfolg der häufig überzeichneten Emissionen? Mit Green Bonds können institutionelle Investoren ihre Klimaversprechen, die sie insbesondere nach der Pariser Klimakonferenz abgegeben haben, leicht in die Tat umzusetzen. Aus finanzieller Sicht weisen die meisten Anleihen eine hohe Bonität auf und erfordern das Vorhalten nur geringer Eigenmittel. Inhaltlich bieten von Marktakteuren geschaffene Standards eine inhaltliche Bestätigung, dass auch tatsächlich klimafreundliche Projekte finanziert werden.

Fragwürdige Mindeststandards

Doch besonders diese Standards sind in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Immer wieder gab es am Markt umstrittene Emissionen. Ist eine Anleihe investierungswürdig, mit der Müllverbrennungsanlagen refinanziert werden? Sollten Erlöse dazu verwendet werden, die Energieeffizienz von Ölpipelines zu verbessern oder große Wasserkraftwerke/Staudämme zu errichten? Sollte Kapital in Erneuerbare Energien-Projekte von Kern- oder Kohlekraftwerken fließen? Um zu bewerten, wie sehr eine Emission tatsächlich zu einer nachhaltigen Zukunft beiträgt, sollten die diversen Dokumente (Green Bond Frameworks, Second Party Opinions, Unternehmenspräsentationen, Green Bond-Reporting) positive Antworten auf die folgenden Punkte geben.

1) Die Anleihen leisten einen tatsächlichen Beitrag zum Klimaschutz

Green Bonds müssen einige Merkmale erfüllen, damit sie tatsächlich einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im Fokus der Diskussion steht die Frage, was finanziert wird. Um Klarheit darüber zu schaffen, etablierte die International Capital Markets Association die Green Bonds Principles, die vier zentralen Anforderungen (Angaben zur Verwendung der Emissionserlöse, Projektauswahl, Management der Erlöse sowie Reporting) an Green Bonds stellt. Seit mehreren Jahren verfeinern Marktakteure diese Anforderungen und stellten umfangreiche Taxonomien klimafreundlicher Investments auf. Auf dieser Grundlage arbeitet die EU derzeit daran, einen Standard für Green Bonds auch regulatorisch festzuzurren.

Taxonomie klimafreundlicher Aktivitäten der Climate Bond Initiative

Seltener allerdings wird am Markt darüber gesprochen, wie die Bonds dazu genau beitragen. Wie schon bei Impact Investing-Angeboten stellt sich die Frage nach der Additionalität, also inwieweit durch Green Bonds zusätzliches Kapital für ökologisch sinnvolle Projekte generiert wird, wie es das Südwind-Institut Anfang des Jahres in einer Studie untersucht hat. In der Praxis ist dies nicht immer der Fall. Mitunter werden Emissionserlöse zur Refinanzierung bereits bestehender Projekte verwendet. Oder es werden Wind- und Solar-Projekte in Ländern finanziert, die ihren Strom bereits zu 100 % aus erneuerbaren Energien beziehen. Ein positiver Klimabeitrag ist dabei schwerlich festzustellen.

Ebenfalls zu beachten sind so genannte Lock-In-Effekte. Investitionen erfolgen langfristig. Heutzutage gilt beispielsweise ein Gaskraftwerk für viele Investoren als ein klimafreundliches Investment, da es weniger Treibhausgasemissionen als ein Kohlekraftwerk ausstößt. Häufig wird dabei von Brückentechnologie gesprochen. In 10 Jahren ändert sich möglicherweise die Situation, Gaskraftwerke können dann als klimaschädlich gelten. Jedoch ist die Finanzierung auf 20 Jahre angelegt. Das Kapital ist damit „eingesperrt“.

2) Der Emittent hat eine glaubwürdige Klimastrategie

EnBW, EDF, ENGIE, Repsol, Iberdrola und Co. haben in den vergangenen Jahren Green Bonds aufgelegt, um ihre Aktivitäten, im Bereich Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zu finanzieren. Sind Green Bonds dieser konventionellen Energieversorger investierungswürdig? Diese Frage wird kontrovers am Markt diskutiert. Hier kommt es auf die Glaubwürdigkeit des Emittenten an: Betrachtet er Green Bonds als Teil einer langfristigen Strategie, mit der er das Geschäftsmodell auf Erneuerbare Energien neu ausrichten will? Oder sind sie nur ein einmaliges Projekt, mit dem das fossile Geschäftsmodell weiter am Leben gehalten werden soll? Zu bedenken ist auch, dass die Energiewende die Chance auf eine dezentrale und partizipative Stromversorgung bietet. Statt Strom zu beziehen, kann der Bürger als Stromproduzent aktiv am Markt teilnehmen. Dafür ist ein diversifizierter Markt mit vielen Marktakteuren notwendig. Sollte dazu Kapital an wenige, große Stromkonzerne vergeben werden?

3) Klimainvestments berücksichtigen auch Umwelt- und Sozialstandards

Diese Feststellung mag auf den ersten Blick verwundern. Doch was gut für das Klima ist, ist nicht zwangsläufig gut für die Umwelt oder Menschen. Für die Produktion von Solaranlagen oder Elektrofahrzeugen werden viele Rohstoffe (seltene Erden, Kobalt, Lithium, Silizium, usw.) benötigt. Für ihren Abbau sind erhebliche Eingriffe in die Natur erforderlich. Bei der Förderung seltener Erden können beispielsweise radioaktive Abfallstoffe ins Grundwasser gelangen. Facing Finance hat das Problem im November 2018 in der Studie „Neue Technologien und alte Probleme“ erläutert.

Damit einher geht die Frage, ob neben Klimaaspekten auch die soziale Seite eines Green Bonds Berücksichtigung findet. Der Abbau dieser Rohstoffe findet in Schwellen- und Entwicklungsländern statt. Dabei kommt es wieder zu Vorwürfen, dass Menschenrechtsstandards nicht eingehalten, bzw. gar nicht im nationalen Gesetz verankert sind. Auch bei der Finanzierung von Staudämmen kann es zu sozialen Verwerfungen kommen, von der Umsiedlung ganzer Dörfer bis zur Vernichtung der lokalen Flora und Fauna. Ein eindrückliches Negativbeispiel stellt der Belo Monte-Staudamm in Brasilien dar. Aufgrund der Tatsache, dass auch immer mehr Emittenten aus diesen Regionen Green Bonds ausgeben, wird dieses Thema weiter an Relevanz gewinnen.

Übersicht zu kritischen Rohstoffen

Rohstoff

Notwendig für

Abbaugebiet

Auftretende Probleme

Aluminium

E-Mobilität, Solar, Wind 

Guinea, China, Australien 

Streit zu Landrechten, Verunreinigung von Wasserquellen, Feinstaubbelastung

Eisenerz

E-Mobilität, Solar, Wind

Brasilien, China, Australien 

Bruch Rückhaltebecken (Folge: zahlreiche Tote und zerstörte Dörfer), Luftverschmutzung, Konflikte mit indigener Bevölkerung

Graphit

E-Mobilität,

China, USA, Brasilien

Lokale Luft- und Wasserverschmutzung, erhöhte Krankheiten lokaler Bevölkerung

Kobalt

E-Mobilität, Wind

Kongo, Russland, Australien

Schlechte Arbeitsbedingungen Menschenrechtsverletzungen

Kupfer

E-Mobilität, Solar, Wind

Chile, Peru, China

Lokale Schwermetallbelastung, Wasserver-sorgung der Bevölkerung, soziale Konflikte

Lithium

E-Mobilität,

Australien, Chile Argentinien

Streit um Landnutzungsrechte, Grundwasserverschmutzung

Nickel

E-Mobilität, Solar, Wind

Russland, Philip-pinen, Indonesien

Starke Umweltverschmutzung

Seltene Erden

E-Mobilität, Wind

China, Australien, Russland

Umweltschäden (radioaktiver Abfall)

Silber

E-Mobilität, Solar

Mexiko, Peru, China, Guatemala

Konflikte mit indigener Bevölkerung, Wasser- und Bodenverschmutzung

Eigene Zusammenstellung auf Basis von Facing Finance-Daten

4) Der Emittent muss ein nachvollziehbares Reporting zur Klimawirkung der finanzierten Projekte veröffentlichen

Aus einem „Impact-Reporting“ sollte hervorgehen, welches Projekt genau finanziert werden soll bzw. finanziert wird, um das so genannte Blind Pool-Risiko zu vermeiden. Wenn die Anleihe mehrere Aktivitäten und Projekte finanziert, ist die (geplante) prozentuale Aufteilung sowie das jeweilige Investitionsvolumen wünschenswert. Eine Second Party Opinion sollte sich nicht nur darauf beschränken, die Anforderungen der vier GBP-Anforderungen zu beantworten. Darüber hinaus sollte es dezidiert Stellung beziehen, ob Sozial- und Umweltrisiken bestehen und wie sie einzuschätzen sind. Ebenso sind Informationen notwendig, wie ein Green Bonds in die Gesamtstrategie des Unternehmens zu verorten ist.

Beispiel Impact Reporting


Quelle: World Bank-Bericht Green Bond Proceeds Management and Reporting

Fazit

Green Bonds sind zweifelsohne ein Schritt in die richtige Richtung. Um ihre Klimawirkung zu bemessen, sind eine Vielzahl an Fragen an die Anleihe selbst, aber auch den Emittenten notwendig. Dabei zählt nicht nur, was finanziert, sondern auch wie etwas finanziert wird. Es zeigt sich schnell, dass es das perfekte Klimainvestment nicht gibt. Wichtig ist, dass Investoren einen umfassenden Blick auf die soziale und ökologische Qualität sowohl von Emittent als auch Emission werfen.


Thomas Graf arbeitet seit 2011 bei der GLS Bank und ist Teamleiter im Nachhaltigkeitsresearch.  Neben der sozial-ökologischen Prüfung von Wertpapieren, Wertpapieremittenten und Entwicklungsfinanzierungsvehikeln, kümmern sich er und sein Team um die sozial-ökologische Begleitung neuer Angebote. Zudem ist er verantwortlich für die Moderation und Koordination des GLS Anlageausschusses.

Seit 2012 arbeitet Marc Pfizenmaier als Analyst im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Bank. In seiner Funktion als Senior Analyst vertritt er die Bank als Mitglied in diversen Nachhaltigkeitsgremien, ist betraut mit der Klärung von sozial-ökologischen Grundsatzfragen und Ansprechpartner für Stakeholder-Dialoge und verschiedene Netzwerke. Sie finden Marc Pfizenmaier sowohl auf XING als auch LinkedIn.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 350 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Der Impact von Publikumsfonds

Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank, beleuchtet im zweiten Teil der Serie 'Impact Investing – wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt' Fonds die entsprechend den Sustainable Development Goals (SDG) investieren.

Haben Sie sich schon einmal die Top 10-Positionen von sogenannten SDG-Publikumsfonds näher angeschaut? Sie werden erstaunt sein. Denn darin finden Sie häufig Aktien und Anleihen der weltweit größten Konzerne. Vertreter der Finanzindustrie tummeln sich dort ebenso wie Pharmakonzerne, Konsumgüterhersteller oder Big-Data-IT-Unternehmen.

Unternehmen in den Top 10-Positionen von Impact/ SDG-Indizes und -Fonds (Auswahl)

Unternehmen

Branche

Marktkapitalisierung 

 (10. Mai 2019)

ABBvie Inc. 

Pharma

101 Mrd. Euro

Air Liquide

Industrie

49 Mrd. Euro

Apple Inc.

IT

821 Mrd. Euro

Microsoft Corp.

IT

853 Mrd. Euro

Procter & Gamble Co.

Konsumgüter 

233 Mrd. Euro 

Unilever N.V. 

Konsumgüter

182 Mrd. Euro 

United Health Group Aktie

Pharma

204 Mrd. Euro

Visa Inc.

Finanzen

247 Mrd. Euro

Quelle: Eigene Recherche

In den Fonds befinden sich also häufig Unternehmen, die in konventionellen Investmentfonds bereits prominent vertreten sind. Dabei ist die Kernidee des Impact Investings doch, absichtlich eine messbare sozial-ökologischen Wirkung zu erzielen (siehe Teil 1). Sollte dafür nicht Kapital direkt in Firmen mit innovativen Geschäftsmodellen fließen, die andernfalls womöglich keine Gelder erhielten? Wie kommt es, dass die sehr rege gehandelten Anteile von Großkonzernen als impactwürdig gelten und in die Fonds aufgenommen werden? Um dies zu verstehen, hilft ein kritischer Blick auf den Nachhaltigkeitsansatz von Impactfonds-Anbietern.

Auf große börsennotierte Konzerne ausgerichtet: die Rechtsstruktur offener Publikumsfonds (OGAW)

Am Markt für nachhaltige Investmentfonds dominiert ein Fondstyp, der Organismus für die gemeinschaftliche Anlage in Wertpapiere, der sogenannte OGAW-Fonds. Wie der Name schon sagt, legt er den größten Teil seiner Gelder in Wertpapiere an. Das Gesetz verlangt, dass Wertpapiere zu einem regulierten Börsenhandel zugelassen sind. Dies sind vorrangig Aktien und Anleihen großer Unternehmen, Banken oder öffentlicher Institutionen. Denn die Notierung an einer Börse kostet Geld. Ein Wertpapierprospekt muss erstellt und Börsenregeln eingehalten werden. Kleine Unternehmen können dies kaum leisten. Um für einen OGAW-Fonds investierbar zu sein, müssen klare wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllt sein, die vor allem große Unternehmen begünstigen. Somit sind kleinere Unternehmen, die z.B. in innovativen Feldern agieren, für diese Fonds nicht oder nur im begrenzten Maße investierbar.

Impact-Messung bei börsennotierten Unternehmen eine Herausforderung

Wenn ein*e Fondsmanager*in eines OGAW-Fonds Anleihen oder Aktien eines Unternehmens kauft, erwirbt er bzw. sie die Anteile in der Regel über die Börse von anderen Investor*innen. Das Geld fließt also nicht in die Kasse des Unternehmens. Nur im Rahmen von Kapitalmaßnahmen (v.a. Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen) sammeln Unternehmen zusätzliche Gelder ein, um damit neue Projekte zu finanzieren. Dies macht es schwierig, einen direkten Impact des Investors zu ermitteln. Aber mit dem Kauf von Aktien nachhaltiger Unternehmen können Anleger*innen indirekt eine Wirkung erzielen. Denn diese Unternehmen weisen ein geringeres Risikoprofil auf, da ihr nachhaltiges Geschäftsmodell wie ein Risikofilter wirkt. Deswegen können sie günstiger an der Börse Kapital beschaffen. Mit dem eingesparten Geld können sie u.a. neue wirkungsstarke Projekte finanzieren. Dieser positive Effekt wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Studien belegt1.

Eine zweite Herausforderung ist das Reporting. Unternehmen berichten bisher nicht oder nur unzureichend darüber, wie ihre Geschäftsaktivitäten eine sozial-ökologische Wirkung entfalten. Zwar geben diverse Nachhaltigkeitsberichte Fondsmanager*innen Aufschluss über Kennzahlen wie Wasser- bzw. Energieverbrauch oder Personalfluktuation. Jedoch fließen diese Zahlen bislang kaum als Steuerungsgröße in Unternehmensstrategien ein. Neue Allianzen, z.B. zwischen PRI, UN Global Compact und der Global Reporting Initiative (GRI), gehen diesen Missstand aktiv an. Sie fordern Unternehmen zur Berichterstattung auf und geben Handlungsempfehlungen. Der Erfolg (oder Misserfolg) wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Enterprise oder Investor Impact? SDG/Impact-Fondsanbieter mit klarem Favoriten

Impact-Fonds begegnen diesen Herausforderungen häufig mit einem eigenen Impact-Verständnis bei der Titelauswahl, das häufig stark variiert. Entscheidend ist dabei nicht, ob ein Investor einem Unternehmen frisches Kapital zur Verfügung stellt mit der Absicht, eine sozial-ökologische Wirkung zu erzielen (Investor Impact). Im Mittelpunkt steht vielmehr die Wirkung der Unternehmensaktivitäten an sich (Enterprise Impact), unabhängig von der Rolle der Investierten.

Impact-Ansätze im Auswahlprozess von Investmentfonds

Name

Investor Impact

Enterprise Impact

Art

Direkte Bereitstellung von Kapital an wirkungsstarke Unternehmen

Identifizierung von Unternehmen mit Impact-Geschäftsfeldern

Wirkungsform

Direkt

Indirekt

Messgröße

Vorab festgelegte Wirkindikatoren (u.a. Schaffung lokaler Arbeitsplätze, Rückgang Virenerkrankungen)

Finanzindikatoren (i.d.R. Umsatz)

Unternehmenstypen

Kleine, lokale Unternehmen

Börsennotierte Unternehmen, darunter globale Konzerne

Rechtliche Fondsstruktur

Alternativer Investmentfonds 

Offener Wertpapierfonds (OGAW)

Zugang für Privatanleger

Begrenzt (Ausnahme: Mikrofinanz)

Gegeben

Handelbarkeit

Begrenzt 

Gegeben

Quelle: eigene Zusammenstellung

Wie genau lässt sich dieser Enterprise Impact börsennotierter Unternehmen ermitteln? Notwendig ist dazu, eine Taxonomie an Themen festzulegen, die aus Anbietersicht eine positive sozial-ökologische Wirkung aufweisen. Die 17 Sustainable Development Goals (SDG) stellen dafür einen Orientierungsrahmen dar, da sie positiv besetzt sowie am Markt bekannt und akzeptiert sind. Analyst*innen ermitteln anhand gängiger Finanzkennzahlen wie z.B. Umsatz, inwiefern die Geschäftsfelder eines Unternehmens einen Beitrag zu den SDGs leisten. Diese Werte werden für jedes Unternehmen im Portfolio erhoben und auf Fondsebene aggregiert.

Auf die Themendefinition kommt es an – 169 SDG-Unterziele weisen den Weg

Dieser Ansatz ist nicht sonderlich neu. In ähnlicher Form bemessen auch viele Anbieter nachhaltiger Themenfonds die Nachhaltigkeitsqualität von Unternehmen. Daher überrascht es auch nicht, dass genauso wie bei nachhaltigen Themenfonds die Umsätze an SDG-Aktivitäten auf sehr unterschiedliche Art und Weise erhoben werden. Es ist ratsam, diese Prozentangaben kritisch zu hinterfragen und genau hinzuschauen, wie streng und umfassend die Impact-Definition des Fondsanbieters ist.

Erfreulicherweise haben Anleger*innen ein Hilfsmittel zu Hand, das in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannt ist: Die Vereinten Nationen haben nicht nur 17 Hauptziele verabschiedet, sondern darüber hinaus auch 169 Unterziele, die aufzeigen, wie eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 konkret zu erreichen ist. Diese Unterziele richten sich zwar hauptsächlich an Staaten, jedoch sind sie auch im bestimmten Maße für Unternehmen anwendbar.

Die Relevanz dieser Unterziele zeigt sich beispielsweise an SDG 3, Gesundheit und Wohlergehen. So leistet ein Pharmaunternehmen nicht per se einen positiven Beitrag zu den SDGs. Denn die Unterziele sehen vor, weltweit Virenkrankheiten wie AIDS, Tuberkulose und Malaria zu besiegen und Menschen Zugang zu bezahlbarer Medizin und Impfstoffen zu ermöglichen. Dies ist für viele Pharmakonzerne jedoch ein umsatz- und margenschwaches Geschäft. Stattdessen fokussieren sie sich auf den Verkauf von Produkten mit hohen Margen, die für viele Menschen nicht erschwinglich sind.

Unterziele des Nachhaltigkeitsziels 3 „Gesundheit und Wohlergehen“

  1. Die weltweite Müttersterblichkeit senken (< 70 je 100.000 Lebendgeburten)
  2. Vermeidbare Todesfälle bei Neugeborenen und Kinder unter 5 Jahren beseitigen
  3. AIDS, Tuberkulose, Malaria, Tropenkrankheiten besiegen 
  4. Frühsterblichkeit durch Prävention um ein Drittel senken
  5. Prävention und Behandlung des Substanzmissbrauchs (v.a. Alkohol)
  6. Zahl der Toten durch Verkehrsunfälle halbieren
  7. Allgemeiner Zugang zu sexualmedizinischer Versorgung/Aufklärung/Familienplanung
  8. Allgemeine Gesundheitsversorgung, inkl. Absicherung finanzieller Risiken. Allgemeiner Zugang zu bezahlbaren und unentbehrlichen Arzneimitteln (z.B. Impfstoffe)
  9. Zahl der Todesfälle und Erkrankungen aufgrund gefährlicher Chemikalien und Luft/Boden/Wasser-Verschmutzung erheblich verringern

Quelle: https://www.globalgoals.org/3-good-health-and-well-being, eigene Übersetzung und Zusammenfassung

Positiven UND negativen Beitrag erfassen

Die Praxis zeigt, dass viele Unternehmen sowohl einen positiven als auch negativen Beitrag zu diesen Unterzielen leisten. Es ist daher ratsam, beide Seiten zu betrachten und nicht nur den positiven Beitrag hervorzuheben. Viele Nahrungsmittelunternehmen erzielen unter Einsatz von Pestiziden oder gentechnisch verändertem Saatgut hohe Ernteerträge, womit sie den Hunger auf der Welt bekämpfen wollen (SDG 2). Doch damit beeinträchtigen sie zugleich die genetische Vielfalt oder eine nachhaltige und resiliente Nahrungsmittelproduktion, wie es in den Unterzielen definiert ist.

Fazit

Je großzügiger der Fondsanbieter ein SDG-Thema definiert hat, umso mehr Geschäftsaktivitäten eines Konzerns können als impactwürdig eingestuft werden. Deswegen sollten Investoren kritisch darauf achten, wie streng die Impact-Bewertung des Anbieters ist, ob sie die positive und negative Wirkung umfasst und ob diese überhaupt veröffentlicht ist.

Legt ein Anbieter weniger strenge Maßstäbe an, dann kann er mehr Unternehmen als impactwürdig einstufen. In der Folge tauchen dann Titel im Portfolio auf, deren sozial-ökologische Wirkung Fragen aufwirft.


1) Siehe u.a. die Studie von Gordon, Feiner, Viehs „From The Stockholder tot he Stakeholder – How Sustainability can drive Financial Outperformance, March 2015, Updated Version, University Oxford.

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 350 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Impact Investing – wie der Finanz-Mainstream einen Nischenmarkt entdeckt

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Impact Investing ist in Mode. Viele Fondsanbieter beschwören diese Art des Investierens als einen Königsweg, um eine nachhaltige Welt im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) zu erreichen. Internationale Investoreninitiativen wie die PRI oder UNEP-FI weisen den Weg. Sie schaffen Impact Investing Market Maps oder formulieren Principles for Positive Impact Finance, an denen sich Fondsanbieter orientieren sollen. In kurzer Zeit ist eine Vielzahl an neuen Produkten, Anlagestrategien und Reportings entwickelt und am Markt platziert worden, mit denen Fondsanbieter in aller Deutlichkeit ihren positiven Impact demonstrieren wollen.

Impact Investing kann eine sehr wichtige Rolle auf dem Weg in eine nachhaltigere Wirtschaft spielen. Aber wie es so häufig ist, sollten Anleger*innen kritisch sein, wenn ein Thema am Kapitalmarkt hochgejubelt wird. Denn Impact Investing heißt übersetzt erst einmal nur wirkungsorientiertes Investieren. Ob dieses positiv oder negativ ist, verrät das Wort selbst nicht. Wie ist es aber dann dazu gekommen, dass sich Impact Investing diesen positiven Ruf erworben hat? Ist es tatsächlich zu einem starken Anstieg an wirkungsvollen Investments gekommen, wie der Markt vermuten lässt oder werden alte Nachhaltigkeitskonzepte lediglich unter einem neuen Namen verkauft?

Die ursprüngliche Idee des Impact Investing

Wer den Grundgedanken von Impact Investing verstehen will, wird beim Global Impact Investing Network (GIIN) fündig. Die Referenz am Markt hat eine allgemein akzeptierte Definition veröffentlicht. So sei für diese Art von Investments die Absicht entscheidend, eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite zu erzielen. Die Investitionen sollen dazu beitragen, die drängendsten Probleme auf der Welt zu lösen, von nachhaltiger Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, oder Mikrofinanz bis hin zu erschwinglichen und zugänglichen Basisdienstleistungen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung.

Um die Absicht und die Messbarkeit der sozial-ökologischen Wirkung geht es also. Dafür haben Impact Investoren als geeignete Investmentobjekte viele Jahre lang vor allem Alternative Investment Fonds (AIF) angesehen. Denn hier wird das Anlagegeld dem Unternehmen oder Projekt in Form von privatem Eigenkapital, Darlehen oder Mezzanine-Kapital direkt zur Verfügung gestellt. Bei Publikumsfonds (OGAW) tauschen dagegen in der Regel nur zwei Investoren ihre Anteile. In den Portfolios der AIFs befinden sich häufig kleinere Unternehmen und Projekte. Denn mit ihnen kann eine individuelle Messung bestimmter Kennzahlen vereinbart werden. Aufgrund des hohen Risikos und der häufig geringen Handelbarkeit richten sich diese Anlagen an professionelle Anleger. Privatanleger bleiben – mit Ausnahme von Mikrofinanzfonds - von diesem Markt weitgehend ausgeschlossen.

Das traditionelle Impact Investing stellte damit jahrelang nur eine kleine Unterkategorie im dynamisch wachsenden Markt an nachhaltigen Anlageprodukten dar, der von OGAW-Publikumsfonds dominiert wird und gemeinhin unter dem Begriff „Socially Responsible Investment“ (SRI) bekannt wurde. Eine 2015 entwickelte Grafik der Investmentfirma Bridge Venture macht diesen Gegensatz deutlich. Die Grafik vergleicht unterschiedliche Investmentstrategien miteinander. Je weiter rechts man auf die Grafik schaut, umso höher die positive sozial-ökologische Wirkung.

Wie der Impact-Gedanke die „SRI“-Szene aufmischt

Vor dem Hintergrund der strengen Anforderungen dümpelte der Markt für Impact Investments in den vergangenen Jahren vor sich hin. Die GIIN-Marktstudie 2016 ermittelte für Ende 2015 anhand einer Befragung von Impact-Investoren ein Volumen von knapp 50 Mrd. US-Dollar weltweit. Zum Vergleich: laut BVI beträgt das Fondsvolumen 2018 allein in Deutschland 2.954 Mrd. Euro. Bei der dynamischen Marktentwicklung nachhaltiger Investments spielte Impact Investing lange nur eine Nebenrolle. Dies bezeugt auch die Eurosif SRI-Studie 2016. Von allen nachhaltigen Anlagestilen lag das verwaltete Vermögen bei Impact Investments am geringsten, wiewohl sich bereits Wachstumspotenziale andeuteten.

Seit Verabschiedung der siebzehn Sustainable Development Goals Ende 2015 hat sich die Wahrnehmung von Impact Investing am Kapitalmarkt fundamental gewandelt. Mit siebzehn bunt bebilderten Piktogrammen bieten die SDGs das ideale Narrativ für die Finanzindustrie, um Anleger*innen von der ökologischen und sozialen Sinnhaftigkeit ihrer Anlageprodukte zu überzeugen. Auf Veranstaltungen, in Initiativen, Ratings, Produktbroschüren, Marketingauftritten von Websites – überall wird die Relevanz der Ziele sowie die Bemühungen zu ihrer Erreichung hervorgehoben.

Bei näherem Hinschauen zeigt sich, dass neue Ansätze nicht der traditionellen Definition des Impact Investing folgen. Statt AIFs werden vor allem Publikumsfonds (OGAW) mit einer Impact-Strategie versehen. Neben der Auflage neuer Fonds wird auch verstärkt der Impact bereits vorhandener Nachhaltigkeitsfonds hervorgehoben. Die Grenzen zwischen ursprünglichen Nachhaltigkeitsprodukten und Impact-Produkten verwischen dabei zunehmend.

Doch wie viel „Impact“ steckt tatsächlich in diesen neuen Produkten? Können sie den Anspruch des klassischen Impact Investing erfüllen? Und falls ja, wie gelingt dies ihnen? Schließlich unterliegt der Markt für Alternative Investments ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als der Markt für offene Investmentfonds (OGAW).

Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des zweiten Artikels zu Impact Investing, der ab Ende Mai auf der Homepage von altii verfügbar sein wird.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 350 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Nachhaltige ETFs – macht das Sinn?

von Stefan Fritz, Investmentfonds & Research, GLS Bank.

Das Wachstum von ETFs („Exchange-Traded Funds“) scheint unaufhaltsam. Gemäß einer Studie des Datenanbieters Morningstar stieg das Volumen der im europäischen Markt angebotenen ETFs Ende 2017 auf 670 Milliarden Euro. Vier Jahre zuvor waren es erst 284 Milliarden Euro. Weltweit wurden sogar 5,15 Billionen US-Dollar in ETFs verwaltet. Die Rekordzuflüsse erklären sich unter anderem dadurch, dass diese Fonds landläufig als leicht nachvollziehbare und günstige Produkte gelten. Mit nachhaltigen ETFs würden Anleger*innen demnach günstige Fonds erwerben, die gut fürs Gewissen sind. Wer daran zweifelt und überlegt, ob diese Fonds eine ökonomisch sowie sozial-ökologisch sinnvolle Anlagemöglichkeit sind, ist auf dem richtigen Weg.

ETF-Markt weist risikoreiche Strukturen auf

Schaut man sich ETFs genauer an, so stellt sich heraus, dass die Strukturen hinter einem ETF alles andere als leicht nachvollziehbar sind. Der Kauf und Verkauf von ETF-Anteilen erfolgt über die Börse. Im Gegensatz zur einmal täglichen Preisfeststellung bei aktiv gemanagten Publikumsfonds findet bei ETFs eine fortlaufende Preisstellung statt. Dies erfordert eine komplexe Handelsarchitektur. Anleger*innen handeln nicht direkt mit dem ETF-Emittenten. Dazwischen geschaltet ist ein sogenannter Authorized Participant (AP). Er agiert als Mittelsmann zwischen Käufern/Verkäufern, bzw. dem Börsenhandel und dem ETF-Emittent. APs sind typischerweise große Finanzinstitute, wie etwa Bank of America, Barclays, Deutsche Bank, HSBC und weitere, die in vielen Fällen ebenfalls als ETF-Anbieter aktiv sind. Sie ermöglichen in einem mehrstufigen Prozess den Handel und bringen je nach Bedarf neue Anteile („Creation Units“) in Umlauf.

In Stressphasen, wenn es zu heftigen Kursverlusten an den Aktienmärkten kommt, hat diese Konstellation mitunter fatale Folgen. Es besteht das Risiko, dass die Wertverluste von ETFs die Verluste ihres Referenzindizes übersteigen. Auf einen Grund dafür wies das „Financial Stability Board“ 2017 ausdrücklich hin. So seien APs nicht dazu verpflichtet, ETF-Anteile jederzeit auszugeben oder zurückzunehmen. Sie tun dies nur dann, wenn dies in ihrem eigenen Interesse liegt. Kommt es also zu einer Marktsituation, in der wenige oder keine APs mehr bereit sind, ETF-Anteile zu handeln, sind diese nur noch mit deutlichen Abschlägen oder gar nicht mehr verkäuflich.

Dies ist auch deswegen als kritisch anzusehen, weil der Markt mittlerweile oligopolistische Strukturen angenommen hat. Drei Anbieter vereinen den überwiegenden Anteil des globalen Anlagevolumens der ETFs auf sich: Vanguard, BlackRock (iShares) und State Street Global Advisors. Hohe Markteintrittshürden verhindern Wettbewerb. Bei weiter steigenden ETF-Volumina kann dies sogar dazu führen, dass eine Handvoll von ETF-Vermögensmanagern in hohem Maße Stimmrechte großer Aktiengesellschaften ausüben und somit die Kontrolle über diese Unternehmen erlangen könnte – mit unabsehbaren Folgen für die Governance von Unternehmen und Finanzmärkten. Davor warnte nicht irgendwer, sondern John Bogle, der „Erfinder“ von ETFs, in einem kurz vor seinem Tod erschienen Beitrag für das Wall Street Journal.    

Synthetische ETFs ohne positive sozial-ökologische Wirkung

Aus Nachhaltigkeitssicht betrachtet sind die Probleme noch gravierender. Auch wenn es am Markt (bisher) keine allgemein anerkannte Definition gibt, was eine nachhaltige Kapitalanlage ausmacht, so gibt es zumindest einen gemeinsamen Nenner: Projekte und Unternehmen finanzieren, die bestimmte sozial-ökologische Kriterien erfüllen. Um dies zu erreichen, muss Kapital in der realen Wirtschaft allokiert werden. Bereits hier lauert der erste Stolperstein. Denn ETFs unterscheiden sich deutlich voneinander. Auf der einen Seite gibt es replizierende (oder „physische“) ETFs, die einen Fonds durch Kauf bzw. Verkauf der Inhalte des Referenzindex nachbilden. Bei der Vollreplikation geschieht dies zu 100%, (das heißt, der Fonds kauft alle Titel des Indexes in der entsprechenden Indexgewichtung), beim „Sampling“ nur teilweise. So weit, so gut.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch so genannte synthetische ETFs. Dabei handelt es sich um Fonds, die gar nicht direkt in Indextitel investieren. Das Portfolio setzt sich vielmehr aus Swaps, also derivativen Finanzinstrumenten zusammen, mit denen künstlich der Index nachgebildet werden soll.  Eine positive gesellschaftliche Wirkung ist bei diesen ETFs nicht erkennbar. 

Der sozial-ökologische Auswahlprozess vieler ETFs bleibt ohne Wirkung

Doch welche Wirkung haben replizierende ETFs, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen? Die überwiegende Mehrheit der am Markt verfügbaren ETFs bilden die großen Börsenindizes ab (MSCI World, FTSE Russell, etc.). Für diese Börsenindizes haben ETF-Anbieter in den vergangenen Jahren Nachhaltigkeits-ETF-Paletten entwickelt. Die Praxis zeigt, dass Anbieter ihre Referenzindizes vorrangig anhand von Finanzkennzahlen wie der Marktkapitalisierung erstellen. Erst danach spielen Nachhaltigkeitskriterien eine Rolle. Die bekannten Indizes setzen sich demnach aus großen Unternehmen zusammen. Kleine und mittlere Unternehmen, die z.B. in Deutschland die Energiewende vorangetrieben haben und häufig innovative Geschäftsmodelle vorantreiben, finden keine Beachtung. 

Der sozial-ökologische Auswahlprozess orientiert sich dabei in der Regel an der gängigen Branchenaufteilung. Es sollen die Unternehmen jeder Branche mit der besten Nachhaltigkeitsleistung ausgewählt werden (Best-in-Class). Ein Fokus auf Branchen mit positiver nachhaltiger Wirkung wird selten gelegt oder hat nur Einfluss auf die Gewichtung, nicht die Auswahl von Indextiteln. Dadurch bleiben häufig kontroverse Branchen und Unternehmen im Portfolio. Dies hat beispielsweise zur Folge, dass aktuell im FTSE All-World Russell Green Revenues Index ein Ölkonzern, im Dow Jones Sustainability Index World sogar zwei andere Ölkonzerne unter den Top 10-Werten gelistet sind. 

Einzelne aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds, darunter diejenigen der GLS Bank, nehmen gezielt an Anleiheemissionen und Kapitalerhöhungen teil, um Unternehmen Kapital direkt zur Verfügung zu stellen. Denn gerade die Direktfinanzierung stellt einen Hebel für eine hohe sozial-ökologische Wirkung dar. Diese Zielsetzung steht bei ETFs aufgrund ihrer Handelsstruktur nicht im Vordergrund. 

Was ein strenger Nachhaltigkeits-ETF leisten sollte

Doch wie könnte dann ein strenger Nachhaltigkeits-ETF aussehen? Die gute Nachricht: viele der genannten Defizite sind kein inhärentes Problem von ETFs. So kann bei der Definition des Ausgangsuniversums bereits sichergestellt werden, dass sozial-ökologische Kriterien eine wesentliche Rolle spielen. Dies ist am Markt bei kleinen Indizes wie dem Natur-Aktien-Index (30 Werte) oder dem Global Challenges Index (50 Werte) der Börsen Hamburg-Hannover der Fall. Auch stellt die Direktfinanzierung von Unternehmen kein unüberwindbares Problem dar. Die schlechte Nachricht: Idealerweise sollte ein wirkungsvolles Nachhaltigkeitsresearch die Qualität der Indextitel überwachen und Mechanismen entwickeln, kontroverse Titel auszuschließen bzw. durch Engagement bzw. Einflussnahme auf die Unternehmen auf eine Verbesserung hinarbeiten. Hier zeigt sich die Kehrseite von ETFs. Denn geringe Kosten führen zu geringen Einnahmen, die diese Mechanismen ggf. nicht finanzierbar machen. 

Fazit: Bei der Auswahl von ETFs müssen Anleger genau hinschauen

So unkompliziert und einleuchtend das Konzept passiv verwalteter Fonds auf den ersten Blick erscheint, so wichtig ist es, sich kritisch mit ETFs auseinanderzusetzen. Bereits die Abwicklung des ETF-Börsenhandels ist hochkomplex. Anleger stoßen auf eine vielschichtige Handelsstruktur, die zum Teil schwer durchschaubare finanzielle Risiken birgt. Um keine Fehlentscheidung zu treffen, müssen Investoren sehr aufmerksam die Fondsbestimmungen durchlesen. Auch aus Nachhaltigkeitssicht weist der derzeitige ETF-Markt klare Defizite aus. Denn passive Fonds bilden die derzeitige Marktentwicklung ab. Für eine nachhaltigere Welt müssen Finanzströme aber bewusst in soziale und ökologische Geschäftsmodelle umgelenkt werden. Daher sollte ein Index strenge Nachhaltigkeitskriterien aufweisen. Dies können am Markt (bisher) noch sehr wenige Indizes leisten.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds im Angebotsmanagement des Investmentfondsgeschäfts der GLS Bank. Zuvor war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete.

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 300 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Weiterführende Informationen

www.gls-fonds.de
investmentfonds@gls.de

Das nachhaltige Fondsangebot beim Pionier der sozial­ökologischen Banken

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank, der ersten sozial-ökologischen Bank der Welt, aufgebaut. Im Interview mit altii erklärt er, wie die vier Fonds mit 330 Mio. Fondsvolumen sozial-ökologische Wirkung erzielen und zugleich eine marktangemessene Rendite erwirtschaften sollen.

altiiBeschreiben Sie bitte die GLS Bank. Was sind Ihre Ziele und welche Strategie verfolgen Sie und Ihr Bereich? 

Karsten Kührlings: Gegründet 1974 ist die GLS Bank die erste sozial-ökologische Bank der Welt. Wir wollen eine positive Gesellschaftsentwicklung fördern – das haben wir auch in unser Leitbild geschrieben. Dafür bieten wir vielfältige Dienstleistungen und Produkte an: vom Girokonto, über Beteiligungen, Kreditfinanzierung bis hin zu Stiftungsangeboten oder Crowdfunding. Und das alles ausschließlich in Branchen, die unseren sozial-ökologischen Standards entsprechen.

Seit 2013 haben wir ein eigenes Investmentfondsgeschäft aufgebaut, in dem wir derzeit ein Fondsvolumen in Höhe von 330 Mio. Euro verwalten. Dabei übernehmen wir die gesamte Fondsentwicklung und -verwaltung, das Nachhaltigkeitsresearch sowie das Portfolio Advisory unserer Wertpapierfonds. 

Seit 2013 haben wir vier Fonds initiiert, den GLS Bank Aktienfonds (Dezember 2013), den GLS AI – Mikrofinanzfonds (Dezember 2015), den GLS Bank Klimafonds (August 2017) sowie seit Oktober 2018 den B.A.U.M. Fair Future Fonds (Aktienfonds). Darüber hinaus haben wir bereits 2010 die Auflage des FairWorldFonds mitbegleitet, der im vergangenen Jahr die Volumengrenze von 1 Mrd. Euro überschritten hat.

altii: Welche Fondsstrategien haben Sie dazu im Angebot?

Kührlings: Ziel aller Fonds ist es, eine sozial-ökologische Wirkung zu erzielen und zugleich eine marktangemessene Rendite zu erwirtschaften. Wir verfolgen eine langfristig angelegte buy-and-hold-Strategie. Der Portfolioumschlag beträgt zum Beispiel beim Aktienfonds nur rund 20% pro Jahr. Vor jeder Investition schauen wir uns im Detail an, ob der Titel sowohl sozial-ökologisch als auch fundamental attraktiv ist.

Jeder Fonds weist dabei einen klaren inhaltlichen Schwerpunkt auf. Der GLS Bank Aktienfonds investiert in die Nachhaltigkeitsvorreiter weltweit. Der GLS AI – Mikrofinanzfonds verfolgt einen entwicklungspolitischen Ansatz und will die finanzielle Teilhabe von Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern fördern. Mit dem GLS Bank Klimafonds, einem Mischfonds (70% Renten/30% Aktien) wollen wir in Unternehmen und Staaten investieren, die einen nachweislichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und der B.A.U.M. Fair Future Fonds legt seinen Fokus auf mittelständische Unternehmen mit einem hohen Nachhaltigkeitspotenzial.

altii: Welche Performance haben die GLS-Fonds seit Auflage verzeichnet?

Kührlings: Angesichts des herausfordernden Marktumfeldes haben wir zuletzt sehr konservativ agiert. Wir haben defensive, antizyklische und dividendenstarke Titel übergewichtet sowie eine hohe Cashquote gehalten. Ökonomisch betrachtet haben sich unsere Fonds damit gut geschlagen: Der GLS Bank Aktienfonds hat seit Auflage vor fünf Jahren eine Gesamtperformance von rund 30 % erzielt und dabei eine im Marktdurchschnitt signifikant niedrigere Volatilität aufgewiesen. Er schüttet regelmäßig aus. Der GLS AI – Mikrofinanzfonds liegt seit Auflage Ende 2015 rund 5% im Plus und schüttet ebenfalls aus.

altii: Was zeichnet Sie zum Thema Nachhaltigkeit aus und wie unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?

Kührlings: Bei uns ist Nachhaltigkeit der Kern unserer Geschäftsaktivität. Wir haben keine konventionellen, sondern bieten ausschließlich nachhaltige Fonds an. Was für uns Nachhaltigkeit bedeutet, haben wir in Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen definiert. Potentielle Investments durchlaufen einen strengen, mehrstufigen Prozess, in dem sie auf klar definierte Positiv- und Ausschlusskriterien geprüft werden. Gezielt nehmen wir zudem an Neuemissionen von Green Bonds und Projektanleihen teil, um Kapital direkt den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Auch dazu haben wir einen eigenen Prüfprozess ins Leben gerufen. Interne Analysten und externe Experten stellen sicher, dass ausschließlich Titel ins Portfolio kommen, die dem GLS Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen. 

Es gibt dabei übrigens kein Schwarz oder Weiß. Wichtig ist die kritische Auseinandersetzung mit jedem Titel. Statt mechanischer Bewertungsschema oder Scoring-Modelle, setzen wir auf Einzelfallentscheidungen. Denn diese bilden die Wirklichkeit viel besser ab. 

altii: Wer sind Ihre aktuellen Investoren und wen wollen sie zukünftig als Investor gewinnen?

Kührlings: Die Anlegerstruktur der Fonds ist sehr granular. Besonders hoch ist die Nachfrage bei den Kunden der GLS Bank. Dabei handelt es sich vor allem um Privatanleger sowie Stiftungen. 

Die positive Entwicklung und kontinuierlichen Zuflüsse unserer Fonds bestärkt uns darin, unsere Angebote einer breiteren Zielgruppe bekannt zu machen. Impact Investing ist das Stichwort. Stiftungen suchen vermehrt nach Investitionsmöglichkeiten, die ihren Werten entsprechen. Und auch andere institutionelle Investoren ziehen ihre Gelder aus z.B. CO2-intensiven Branchen zurück und suchen Alternativen. Möchten sie die Gelder nachhaltig und zudem langfristig anlegen, sind wir ein interessierter Partner. Ebenfalls können wir uns vorstellen, mit Akteuren am Markt zusammenzuarbeiten, die ihr Fondsangebot ernsthaft und bewusst um eine Nachhaltigkeitssparte ergänzen wollen.

altii: Gibt es schon Vehikel und Strategien, die von institutionellen Investoren in Deutschland erworben wurden?

Kührlings: Alle unsere Fondsangebote haben eine Anteilklasse, die sich speziell an institutionelle Anleger richtet und ein attraktives Kostenprofil aufweist. Die Mindestanlage beträgt 200.000 Euro beim Aktienfonds, Klimafonds sowie B.A.U.M. Fair Future Fonds, 500.000 Euro beim Mikrofinanzfonds. Alle unsere Strategien sind auch als Spezialfondsmandat darstellbar.

altii: Wie stehen Sie zum Thema “Greenwashing” und wie schützen Sie die Investoren davor?

Kührlings: Wir halten dies für eine ernste Gefahr, der sich die Branche stellen muss. Insbesondere den neuesten Trend am Markt, viele ESG-Fonds jetzt in sogenannte SDG- oder Impact-Fonds umzufirmieren, sehen wir kritisch. Aus unserer Sicht ist eine tatsächliche nachhaltige Wirkung häufig sehr schwer festzustellen. Hier kann es zur Irreführung des Anlegers kommen. 

Um sich davor zu schützen, sollte ein Investor die Glaubwürdigkeit der Anbieter hinterfragen: Seit wann beschäftigt sich der Anbieter mit Nachhaltigkeit? Gibt es allgemeine Anlagegrundsätze, z.B. Ausschluss von Waffen oder Tabak? Gelten diese für alle Anlageprodukte? Und natürlich: Wie wichtig ist dem Anbieter Transparenz? Ist der Auswahlprozess nachvollziehbar?

Insbesondere der letzte Punkt ist für uns entscheidend. So machen wir als GLS Bank alle unsere Investments umfassend transparent. Einmal im Jahr veröffentlichen wir für jeden Fonds einen Investitionsbericht, in dem alle Interessierten nachlesen können, aus welchen Gründen wir investiert – oder devestiert - haben. Ebenfalls haben wir als Bank ein Pilotprojekt gestartet, mit dem wir die Wirkung unserer Kreditfinanzierungen und Kapitalanlagen ganzheitlich erfassen wollen.

altii: Was erwarten Sie für die nächsten 12 bis 24 Monate?

Kührlings: So volatil die Kapitalmärkte aus unserer Sicht bleiben werden, so dynamisch wird sich das Feld nachhaltiger Kapitalanlagen entwickeln. Der Druck des Gesetzgebers, Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen, wird für Versicherungen und Pensionsfonds immer größer. Das EU-Ausland ist dabei häufig schon mehrere Schritte weiter als wir. 

Jeder institutionelle Investor muss sich in Zukunft daher nicht mehr die Frage stellen, ob Nachhaltigkeit wichtig ist, sondern wie er sie am besten umsetzt. Will er die höchsten sozialen und ökologischen Risiken lindern, um Ruf- und Performanceschäden vorzubeugen? Oder will er eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, die glaubwürdig ist und eine positive Rendite bringt? Für die zweite Wahl haben wir ein gutes Angebot.

altii: Danke für das Interview.


Über Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 300 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Kontakt

Karsten Kührlings
+49 234 5797 100
investmentfonds@gls.de
www.gls-fonds.de