Österreich goes Green

Marktkommentar von  Martin Cech, Senior Fundmanager, Erste Asset Management.

Erster Green Bond der Republik Österreich trifft auf große Nachfrage

Seit 2007 gibt es am Kapitalmarkt Green Bonds, deren Emissionserlöse nachhaltigen ökologischen Projekte zugutekommen, die damit finanziert oder zumindest refinanziert werden. Pionier in diesem Bereich war die Europäische Investmentbank, die ihre Anleihen als „Climate Awareness Bonds“ bezeichnet. In den letzten Jahren setzte eine enorm starke Dynamik am Markt für Grüne Anleihen ein. Sowohl was die Marktbreite als auch die Markttiefe anbelangt, gab es ein starkes Wachstum. Neben supranationalen Emittent:innen waren es bald Energieversorger:innen, die mit der Auflage von Green Bonds Projekte im Bereich „Erneuerbare Energien“ finanzierten. Weiters sorgten Regionen und Städte sowie Finanzdienstleister:innen für einen starken Aufschwung dieses jungen Marktsegments.

Staaten kamen erst spät als Emittenten hinzu

Relativ spät begannen Staaten Green Bonds zu begeben und damit, ökologische Projekte direkt zu widmen. 2017 waren Frankreich und die Fidschi-Inseln unter den ersten Emittenten. Der französische Green Bond ist derzeit mit einem Volumen von knapp 32 Mrd. Euro mit Abstand die größte Emission. Es folgten 2018 Polen und Irland. Seit 2020 hat Deutschland drei Green Bonds begeben, die jeweils „Zwillingsanleihen“ zu konventionellen Anleihen sind – gleiche Laufzeit und gleicher Kupon – aufgrund der Niedrigzinsphase bei 0,0% Verzinsung.

ESG = Environmental (Umwelt), Social (Soziales), Governance (Unternehmensführung), Quelle: Bloomberg, Daten per Ende Mai 2022

Nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit und Ausarbeitung des relevanten Rahmenwerks („Framework“) und der Erstellung einer „Second Party Opinion“ – einer externen Überprüfung der Umsetzung des Marktstandards, der „Green Bond Principles“ – emittierte die Republik Österreich am 24. Mai 2022 ihren ersten Green Bond. Mit einem Emissionsvolumen von 4 Mrd. Euro katapultierte man sich gleich in die Top 20 der globalen Green Bonds. Die Begebung der Anleihe, die bei einem jährlichen Kupon von 1,85 % eine Laufzeit bis Mai 2049 hat, war ein schöner Erfolg. Bei den beteiligten Konsortialbanken gingen Aufträge in Höhe von rund 25 Mrd. Euro ein. Im Gegensatz zu vielen Emissionen in den Vorjahren kam die Anleihe nicht mit einem sogenannten „Greenium“ – also teurer als bestehende konventionelle Anleihen – sondern sogar etwas günstiger auf den Markt. Die Republik Österreich besitzt von den drei großen Ratingagenturen Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch jeweils das zweithöchste Finanzrating von AA+ bzw. Aa1, teils mit positivem Ausblick.

Österreich im nachhaltigen Spitzenfeld

Auch im Bereich von Nachhaltigkeitsbewertungen befindet sich Österreich global gesehen im Spitzenfeld, bei den Analysehäusern ISS ESG auf dem 7. Platz sowie bei Sustainalytics auf dem 9. Platz und im UN SDG (Sustainable Development Goals) Index am 6. Platz. Mit rund 1,3% grüner Investments, gemessen am jährlichen Bruttoinlandsprodukt, zählt Österreich weltweit zu den Spitzenreitern gemäß dem österreichischen Green Bond Rahmenwerk.

Während bei konventionellen Anleihen die Emittent:innen frei über die Mittelverwendung verfügen können, muss bei Grünen Anleihen gemäß den „Green Bond Principles“ die Mittelverwendung vorab genau beschrieben werden. Es muss auch die Allokation bestätigt und über die ökologische Wirkung der finanzierten Projekte berichtet werden. Grüne Bundesanleihen wie jene der Republik Österreich unterstützen somit die Etablierung und Weiterentwicklung des Marktes für Finanzierungen von grünen Projekten des Staates.

Republik muss über die Verwendung der Erlöse berichten

Um Investor:innen ein Höchstmaß an Transparenz zu bieten und ihnen einen Überblick über die erzielten Fortschritte und positiven ökologischen Auswirkungen zu geben, verpflichtet sich die Republik Österreich, ab dem auf die Erstemission folgenden Kalenderjahr, einen Bericht über die Verwendung der Erlöse der Grünen Anleihe („Allocation Report“) zu veröffentlichen und jährlich zu aktualisieren.

Darüber hinaus wird, vorbehaltlich der Verfügbarkeit der relevanten Daten, mindestens alle zwei Jahre bis zur vollständigen Zuweisung der Erlöse ein Wirkungsbericht („Impact Report“) veröffentlicht, wobei die Erstellung des ersten Berichts zwei Jahre nach der ersten Emission geplant ist.

Ein Großteil der Mittel fließt in den sauberen und nachhaltigen Transport, also wie den Ausbau des Schienennetzes. Weiters werden mit der Begebung des Green Bonds Projekte im Bereich Energieeffizienz wie intelligente Netze und Energiespeicherung sowie Abwasser-Management, Ausbau Erneuerbarer Energien, nachhaltige Landnutzung und Biodiversität finanziert. Folgende SDG-Ziele werden mit diesen Projekten hauptsächlich verfolgt:

  • SDG 6 – Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen
  • SDG 7 – Bezahlbare und saubere Energie
  • SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur
  • SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden
  • SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz
  • SDG 15 – Leben an Land
Quelle: OeBFA, Daten per Ende Mai 2022

Im weiteren Jahresverlauf möchte die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur OeBFA auch im sehr kurzen Laufzeitsegment Akzente aktiv werden. Investoren sollen grüne Treasury Bills mit Laufzeiten von unter einem Jahr angeboten werden. Damit steht sie im Gegensatz zu anderen Ländern.

Fonds ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT hat zugegriffen

Erste Asset Management hat an der Emission der ersten grünen österreichischen Bundesanleihe teilgenommen und grüne Anleihen in den ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT gekauft.

Der ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT ist ein globaler Anleihenfonds, der in Green-Bonds, Climate-Awareness-Bonds und zertifizierte Social-Bonds investiert. Eine messbare positive Auswirkung (Impact) auf Umwelt beziehungsweise Gesellschaft steht bei der Investmententscheidung im Vordergrund.

Der Fonds verfolgt eine aktive Veranlagungspolitik und orientiert sich nicht an einem Vergleichsindex. Die Vermögenswerte werden diskretionär ausgewählt und der Ermessensspielraum der Verwaltungsgesellschaft ist nicht eingeschränkt.

Weitere Ausführungen zur nachhaltigen Ausrichtung des ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT sowie zu den Angaben gemäß Offenlegungs-Verordnung (Verordnung (EU) 2019/2088) und Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852) sind dem aktuellen Prospekt, Punkt 12 und Anhang „Nachhaltigkeitsgrundsätze“ zu entnehmen. Bei der Entscheidung, in den ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT zu investieren, sollten alle Eigenschaften oder Ziele des ERSTE RESPONSIBLE BOND GLOBAL IMPACT berücksichtigt werden, wie sie in den Fondsdokumenten beschrieben sind.

Vorteile für Anlegerinnen und Anleger

  • Anlage in ausgewählten Anleihen nachhaltiger (ethischer) Emittenten.
  • Zusätzliche externe Zertifizierung der Anleihen erhöht Sicherheit über nachhaltige Ausrichtung – Vermeidung von „Greenwashing“.
  • Globale Streuung von Emittenten und Währungen.
  • Kursgewinne bei fallenden Zinsen möglich.

Zu beachtende Risiken

  • Steigende Zinsen können zu Kursrückgängen führen.
  • Bonitätsverschlechterungen können zu Kursrückgängen führen.
  • Aufgrund der Anlage in Fremdwährungen kann der Fondsanteil durch Wechselkursänderungen belastet werden.
  • Kapitalverlust ist möglich.
  • Risiken, die für den Fonds von Bedeutung sein können, sind insb.: Kredit- und Kontrahenten-, Liquiditäts-, Verwahr-, Derivatrisiko sowie operationelle Risiken. Umfassende Informationen zu den Risiken des Fonds sind dem Prospekt bzw. den Informationen für Anleger gem. § 21 AIFMG, Abschnitt II, Kapitel „Risikohinweise“ zu entnehmen.

Erläuterungen zu Fachausdrücken finden Sie in unserem Fonds ABCFonds-ABC | Erste Asset Management

Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Originalbeitrag: https://blog.de.erste-am.com/oesterreich-goes-green/?wacmpgn=em.Aussendung_Blog_2020.eMail.na.na.na 

International Women’s Day - Fondswelt, Familie und Führungsposition

Eine Geschäftsbereichsleiterin zeigt, wie es für sie zusammenpasst. Claudia Pauls berichtet von ihrem beruflichen und privaten Weg.

Zum 1. Januar 2022 wurde Claudia Pauls zur Geschäftsbereichsleiterin Financial Assets bei der Service-Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST ernannt. Tagtäglich jongliert sie mit handfesten Finanzthemen rund um die Fondsadministration, Fondspreisermittlung, Jahresabschlüsse, Investorenreportings und die Begleitung von Fondsprojekten. Doch ihre Anfänge im Unternehmen machte Claudia Pauls bereits viel früher – als Mitarbeiterin im Jahresabschluss. Ihr Weg bis hin zur Geschäftsbereichsleiterin war beispielhaft. Ohne Unterstützung sowohl von Familie als auch des Arbeitgebers und ohne Bruch von Rollenerwartungen wäre dieser wohl schwer möglich gewesen.

In Zeiten dynamischer Lebensläufe und stets wechselnder Perspektiven ist dies wohl eher die Ausnahme, aber ja, ich bin ein wahres Unternehmensgewächs. Einen Großteil meines beruflichen Lebens habe ich bei der HANSAINVEST verbracht. Von der Angestellten, zur Teamleiterin und Abteilungsleiterin bis hin zur Geschäftsbereichsleiterin ­­– all diese Karrieresprünge waren für mich bei ein und demselben Arbeitgeber möglich. Das erfüllt mich mit Stolz, gleichzeitig aber auch mit großer Dankbarkeit.

So sehr man sich selbst den beruflichen Erfolg wünscht, und so fachlich kompetent man in seinem Beruf auch sein mag – ganz ohne Unterstützung schafft man es nicht, diesen Weg zu gehen. Als Mutter ist dieser Weg sogar eine noch größere Herausforderung. Die Unterstützung meiner Familie und die mir gebotenen Möglichkeiten meines Arbeitgebers waren entscheidende Erfolgsfaktoren für meinen Werdegang. Hier kann ich nur raten: Augen auf bei der privaten und beruflichen Partnerwahl!

Vertrauen zur Familie und Mut zu neuen Rollen

Als ich 2010 Mutter wurde, war ich noch Mitarbeiterin im Team Jahresabschluss und hatte bereits zu diesem Zeitpunkt den Wunsch, mich beruflich weiterzuentwickeln. Auch meine neue Rolle als Mutter änderte nichts an diesen Ambitionen. Bei der HANSAINVEST hatte ich einen sicheren Job mit festen Arbeitszeiten, der mir zudem auch noch viel Spaß machte. Dies war auch der Grund, weshalb mein Mann und ich uns entschieden, dass mein Mann den Großteil der Elternzeit übernimmt.

Diesen Entschluss konnte damals nicht jeder in unserem direkten Umfeld nachvollziehen – entsprach es doch keineswegs der üblichen Rollenverteilung vor mehr als 10 Jahren. Und selbst heute ist diese Aufteilung die absolute Ausnahme. Aber für unsere Familie war das die beste Lösung, die auch im Rückblick sehr gut aufgegangen ist. Natürlich kostet es auch Überwindung, sich der herkömmlichen Rollenverteilung und den Erwartungen an eine Mutter bzw. an einen berufstätigen Vater ein Stück weit entgegenzustellen. Aber wir sind den Weg gegangen, der am besten zu unserer Familie gepasst hat und ich habe diese Entscheidung bis heute in keiner Weise bereut.

Die Unterstützung von meinem Mann und meiner Familie haben mir in den folgenden Jahren die Freiheit gegeben, um in meiner beruflichen Karriere weitere Schritte gehen zu können. 2011 habe ich zunächst als Teamleiterin und 2014 als Abteilungsleiterin weitere Verantwortungen im Unternehmen übernommen. Seit Anfang des Jahres bin ich nun Leiterin einer unserer zwei Geschäftsbereiche.

Der Arbeitgeber muss passen

Natürlich spielte für meinen beruflichen Werdegang nicht nur das private Umfeld eine Rolle. Wie der Arbeitgeber mit Chancengleichheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Förderung und Weiterbildung umgeht, sind ebenso wesentliche Aspekte.

Obwohl die Finanzwelt vielleicht eher ein Ort sein mag, in dem es in Führungspositionen typischerweise bislang eine höhere Dichte an männlichen Mitstreitern gibt, habe ich bei der HANSAINVEST auf Anhieb gemerkt, dass das Geschlecht keinerlei Rolle spielt. Frauen und Männern werden die gleichen Chancen für eine Fach- oder Führungskarriere eingeräumt. Zusammenhalt und ein Miteinander auf Augenhöhe werden nicht nur hoch geschätzt, sondern eben auch gelebt.

Mit der HANSAINVEST habe ich mich damals als für einen Arbeitgeber entschieden, für den diese Werte genauso selbstverständlich sind, wie für mich. Das war mir damals wichtig und das ist es bis heute.

Das zeigt sich auch im Anteil der weiblichen und männlichen Beschäftigten, der in meinem Bereich fast gleich groß ist. Auch in den höheren Positionen sind Frauen alles andere als eine Seltenheit – obwohl es da über alle Branchen sicher noch Luft nach oben gibt.
Ich freue mich sehr, dass der zweite Geschäftsbereich ebenfalls von einer Kollegin geleitet wird, mit der ich den Austausch sehr schätze.
Raum für intensiveren Austausch und Vernetzung bietet auch das firmeninterne Netzwerkprogramm women@HANSA. Dies bildet nicht nur für aufstrebende Kolleginnen eine Möglichkeit, den weiteren Werdegang zu planen, sondern gibt auch erfahreneren Kolleginnen die Gelegenheit, Wissen und Erkenntnisse weiterzugeben.

Flexibilität wird immer wichtiger

Auch wenn mein Sohn mittlerweile schon etwas älter ist und keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung mehr benötigt, haben sich besonders zu Pandemiezeiten die Relevanz flexibler Arbeitszeiten und der Möglichkeit des mobilen Arbeitens gezeigt.
Bei der HANSAINVEST haben wir – fest vereinbart als Betriebsvereinbarung – die Möglichkeit, bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit mobil zu arbeiten. Während der Hochphasen der Pandemie wurde dies natürlich auf bis zu 100 Prozent erhöht. Zusammen mit der Möglichkeit von Gleitzeit, hat dies vielen Kolleginnen und Kollegen einen großen Gestaltungsspielraum in einer schwierigen Zeit geschaffen. Ob es die Pandemie als Ausnahmesituation ist oder die Pflege von Angehörigen oder einfach der normale Familienwahnsinn – solche Zeitmodelle vereinfachen die Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben enorm und sind in so vielen Situationen Gold wert.

Welchen Weg man beruflich und privat auch immer einschlägt: So wie man sich den passenden Lebenspartner auswählt, so ist es meiner eigenen Erfahrung nach auch essenziell, bei der Wahl des Arbeitgebers genau hinzuschauen, damit es gut passt. Ich persönlich habe mit der HANSAINVEST den beruflichen Partner gefunden, mit dem ich meinen Werdegang beschreiten konnte, ohne Abstriche im Privaten machen zu müssen. Ich wünsche mir für jeden Mann und für jede Frau, sich gezielt den Arbeitgeber auszusuchen, der in Hinblick auf die Werte und die Möglichkeiten für die Arbeitnehmer zu den eigenen, individuellen Zielen passt. So kann man gemeinsam das Beste für beide Parteien aus der Partnerschaft herausholen!

Autorin Claudia Pauls, LinkedIn


Dieser Beitrag ist Teil des altii-Spezial zum Internationalen Frauentag. / This post is part of the altii special International Women's Day.


International Women’s Day - Was Du nicht beziffern kannst, gibt es nicht!

Wir haben das Jahr 2022, und Frauen sind immer noch benachteiligt. Nicht nur in fernen Ländern, sondern leider auch hierzulande. Am Internationalen Frauentag wird kurz der Fokus auf das Genderthema geworfen – „ach ja, das gibt’s ja auch!“ – und danach geht es wieder wie gewohnt weiter.

Mit dem Netzwerk Fondsfrauen, so Anke Dembowski, Gründungsmitglied und Co-Geschäftsführerin des Netzwerks „Fondsfrauen“, wollen wir die Gleichstellung von Frauen in der Finanzindustrie fördern. Dabei klagen wir nicht an. In den seltensten Fällen ist es nämlich so, dass Männer Frauen absichtlich benachteiligen. Es passiert einfach. Der Grund? Vermutlich ist es eine Mischung aus Vielem: Kulturelle Prägung, Erziehung, Gedankenlosigkeit, vielleicht sogar nett-gemeinte Schonung von Frauen.

Kulturelle Prägung, Erziehung, Gedankenlosigkeit

Weil aber die Benachteiligung sozusagen auf samtenen Pfoten daherkommt und in den seltensten Fällen mit böser Absicht geschieht, ist sie vielen kaum bewusst. Daher brauchen wir Zahlen, die unsere Kritik belegen. Die Sache ist ja die: Wenn Du heutzutage keine Statistik vorweisen kannst, die beispielsweise die Benachteiligung von Frauen dokumentiert, giltst Du als weinerlich oder ewig gestrige Mecker-Tante. In der Finanzbranche stehen Zahlen ganz besonders im Fokus – was Du nicht beziffern kannst, gibt es schlicht nicht! Davon werden auch die Dame aus dem Bereich der Impact-Messung und dem Risikomanagement, die heute hier ebenfalls zu Wort kommen, berichten können.

Wir müssen also Zahlen, Daten, Fakten bringen, um unsere Themen transportieren zu können. Aus diesem Grund erstellen wir Fondsfrauen regelmäßig Studien – die letzte zusammen mit KPMG Deutschland und der Uni Mannheim - um die Ungleichheit zahlenmäßig belegen zu können. Hier ein paar Ergebnisse, die zum Internationalen Frauentag nachdenklich stimmen:


 Die Studien und Beiträge:

  1. Studie der Fondsfrauen und von KPMG zu Gender-Diversity - Fondsfrauen
  2. 14,7% Frauen-Quote in der Geschäftsleitung der BVI-Gesellschaften - Fondsfrauen
  3. Gender-Diversity: Leichte Verbesserungen. Forderungskatalog der Fondsfrauen - Fondsfrauen

  •  Der Anteil an weiblichen Bewerberinnen in der deutschen Fondsbranche liegt mit 26% deutlich unter dem der männlichen Bewerber. Das zeigt, dass weibliche Arbeitnehmerinnen die Asset Management Branche offenbar nicht häufig genug als potenzielle Arbeitgeber in Betracht ziehen.
  • Der Frauen-Anteil an den Berufsanfänger*innen ist mit 42% überproportional hoch (gegenüber 26% Bewerberinnen) und verdeutlicht, dass sich die Unternehmen häufiger am Pool der weiblichen Bewerber bedienen. Offenbar sind die Bewerberinnen gut ausgebildet und kompetent – sonst würden sie nicht eingestellt.
  • Der Anteil weiblicher Mitarbeiterinnen insgesamt ist seit 2015 leicht von 41% auf 38% gesunken.
  • Der Frauenanteil in der Geschäftsführung ist hingegen von 12% (2015) auf 13% im Geschäftsjahr 2020 gestiegen. Bei der Anzahl von Frauen in der Geschäftsführung ist also noch Luft nach oben.
  • Deutlicher Anstieg des Anteils von Frauen im Executive Committee. Hier befanden sich 2015 nur 8% Frauen, und mittlerweile ist der Anteil deutlich auf 17% im Geschäftsjahr 2020 gestiegen. Das ist eine gute Entwicklung, zeigt sie doch, dass Frauen dort wo funktionsbezogen gearbeitet wird, kompetent sind und von den Unternehmen gern eingesetzt werden.
  • Viele Frauen sind in den sogenannten „Pink Ghettos“ zu finden: In den Personalabteilungen arbeiten 81% Frauen, in Compliance sind es 67%, und im Marketing 57%. Dahingegen finden nur 21% Frauen ihren Weg ins Portfoliomanagement, 22% in den IT Bereich und 25% in den Vertriebs-Außendienst. Die Ausprägung der „Pink Ghettos“ ist rückläufig - 2015 war sie deutlich höher.
  • Bei den variablen Jahresvergütungen gibt es deutliche Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Beschäftigten innerhalb eines Unternehmens. Auf der 2. Führungsebene lag der Unterschied bei knapp 70%, und in der 3. Ebene bei knapp 60%. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Frauen ihre Boni weniger stark verhandeln als Männer.

Mit solchen Zahlen können wir zu den Unternehmen gehen, um etwas zu ändern. Leider wird das ein langer Weg sein, denn kulturelle Verständnisse können wir nicht hopplahopp ändern. Aber wir müssen dran bleiben und die Themen immer wieder ansprechen. Sonst wird sich nichts tun!

Wir glauben, dass es Frauen bei der Verfolgung ihrer Karriere hilft, wenn wir sie dazu inspirieren, anspruchsvolle Positionen anzustreben, und sie darin unterstützen, ihre Ziele zu erreichen; sei es durch Netzwerk-Möglichkeiten, durch Zahlen & Fakten, die wir ihnen an die Hand geben, oder durch tolle weibliche Vorbilder, die wir zeigen.

Und auch wir Frauen selbst werden durch unsere Erziehung und Kultur geprägt. Wir müssen auch uns selbst immer wieder wachrütteln, dass wir nachfragen, dass wir laut sind, dass wir uns gut vernetzen und gegenseitig unterstützen.

Autorin: Anke Dembowski, Gründungsmitglied und Co-Geschäftsführerin des Netzwerks „Fondsfrauen“.


Dieser Beitrag ist Teil des altii-Spezial zum Internationalen Frauentag. / This post is part of the altii special International Women's Day.


Gender Lens Investing — Chancen und Herausforderungen

Die GLS Investments möchte die sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft mitgestalten. In dem ganzheitlichen und integrierten Auswahlprozess ihrer Investitionen spielen soziale Aspekte eine wichtige Rolle. Das zeigt sich auch beim Thema Diversität und Gendergerechtigkeit, das im Asset Management zunehmend an Bedeutung gewinnt. 

The added value of systematic decisions

Scientists have long known that models perform better than expert decisions in many areas. This article describes excerpts from the exciting history of this finding, explains the advantages of systematic decisions, and explains why quantitative models have not yet become widely accepted.

Der Mehrwert systematischer Entscheidungen

Wissenschaftler wissen schon lange, dass Modelle in vielen Bereich besser performen als die Entscheidungen von Experten. Dieser Artikel beschreibt Auszüge aus der spannenden Historie dieser Erkenntnis, erklärt die Vorteile systematischer Entscheidungen und geht darauf ein, warum sich quantitative Modelle trotz allem noch nicht in der Breite durchgesetzt haben.

Mikrofinanz und das Ende von „Goldilocks“

von Michael Zink, Chief Customer Officer bei Invest in Visions.

Die Anleger:innen an den globalen Finanzmärkten erfreuten sich in den letzten Jahren am sogenannten „Goldilocks-Szenario“. Ein robustes Wirtschaftswachstum - angetrieben durch billiges Geld, niedrige Zinsen und moderate Inflation - sorgte für Rekorde an den Aktienmärkten und für die längste Hausse der Geschichte am Anleihemarkt. Selbst der Ausbruch der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr konnte dieses perfekte Kapitalmarkt-Szenario nicht nachhaltig brechen. Inzwischen aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben: Die Renditen am langen Ende der Zinskurve steigen, die Inflationsraten in den USA und Europa ziehen deutlich an, Lieferengpässe sorgen zunehmend für Produktionseinbrüche und Werkschließungen und die wirtschaftlichen Wachstumsaussichten trüben sich global ein.

Droht Anlegern ein Stagflations-Szenario wie wir es in den 1970er-Jahren erlebt haben?

Ein solches Szenario erinnert an die Zeit der Ölkrise von 1973. Damals sorgten der Ölpreis-Schock und eine massive Abwertung des US-Dollar für einen rapiden Preisanstieg und gleichzeitig steigende Arbeitslosigkeit. Während dieser fast ein Jahrzehnt andauernden Periode der Stagflation waren Investments in Aktien und Anleihen keine gute Entscheidung. Lediglich mit Gold, Öl- und Rohstoffaktien ließen sich damals Kursgewinne realisieren. Auch wenn wir bei Invest in Visions ein langanhaltendes Stagflations-Szenario für die unwahrscheinlichere Variante erachten, sollten Anleger:innen sich über die Auswirkungen eines solchen Umfelds auf ihre Impact-Investitionen im Klaren sein.

Vor 50 Jahren gab es noch keine Mikrofinanzfonds in der uns heute bekannten Form. Dennoch gibt es gute Gründe anzunehmen, dass diese Form des Impact Investments in einer neuen Phase volatiler Märkte zu den stabilsten Anlageformen gehören wird.

Mikrofinanzfonds als attraktive Alternative

Bekanntlich zeichnen sich Mikrofinanzfonds durch eine geringe Korrelation zu anderen Assetklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffen) aus. Sie weisen eine moderate stetige Performance auf, begleitet von niedriger Volatilität und bieten darüber hinaus eine soziale Rendite. Dadurch eignen sie sich ideal zur Portfoliooptimierung. Die folgende Grafik zeigt am Beispiel des IIV Mikrofinanzfonds, wie die Effizienz von gemischten Investmentportfolien aus Aktien- und Anleiheprodukten durch die Beimischung des IIV Mikrofinanzfonds gesteigert wird. Ein solches Portfolio erzielt bei gleichem Risiko eine höhere Rendite bzw. bei gleicher Rendite wird das Portfoliorisiko gesenkt.

Schwankungsarm und Krisenresistent

Ein weiteres Merkmal von Mikrofinanzfonds ist die relative Immunität gegen Schwankungen der Zinskurve. Die durchschnittliche Laufzeit der vergebenen Darlehen im Fonds liegt unter 2 Jahren. Steigende Inflationserwartungen, die sich bei den Renditen am langen Ende der Staatsanleihen-Kurven zunehmend negativ bemerkbar machen, haben nahezu keinen Einfluss auf die durchschnittlich vergebenen Darlehenszinsen an die Mikrofinanzinstitute. Diese liegen im IIV Mikrofinanzfonds seit Jahren stabil bei ca. 6,2% in USD und 4% in EUR.

In der Pandemiephase hat sich bestätigt, dass Mikrofinanz in einer „Parallelwelt“ funktioniert. Es handelt sich größtenteils um Subsistenzwirtschaft (Händler:innen und Kleinfarmer:innen), die von der Welt der Zulieferer und globalen Märkte weitestgehend abgekoppelt ist. Wie die gegenwärtige Krise in Myanmar zeigt, braucht es nicht einmal ein funktionierendes Bankensystem, um die regelkonforme Bedienung der ausgegebenen Darlehen sicherzustellen. Und während in der „entwickelten Welt“ manchmal schon ein (!) querstehendes Schiff am Kanal zu massiven Beeinträchtigungen des Wirtschaftslebens führt, haben die Länder des globalen Südens aufgrund langjähriger und permanenter Krisenerfahrungen eine beachtliche Krisenresistenz entwickelt.

Investor:innen, die angesichts einer möglichen stagflationären Entwicklung ihr Portfolio immunisieren möchten sind gut beraten, die Assetklasse Mikrofinanz in Betracht zu ziehen. Sie stabilisiert das Portfolio, wenn die Kapitalmarkt-Zeiten unruhiger werden. Dass sich neben einer angemessenen finanziellen Rendite auch noch ein messbarer sozialer Ertrag erzielen lässt, macht die Anlage noch attraktiver.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Invest In Visions Blog.

Das unterschätzte „S“ in ESG

von Johannes Haubrich, Head of Product Management Fixed Income & Equity bei Nordea Investment Funds S.A.

Investitionen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (Environmental, Social and Governance = ESG) sind beliebter denn je. Die verwalteten Vermögenswerte in diesem Segment werden voraussichtlich innerhalb der nächsten vier Jahre USD 53 Bio. erreichen und damit ein Drittel der erwarteten globalen AUM ausmachen1.

Während der ESG-Trend anhält, erweitern die Anleger ihren Horizont über das „E“ hinaus, um auch Faktoren zu berücksichtigen, die in die ‘Kategorie „S“, also den sozialen Bereich, fallen. Dazu gehören Arbeitnehmerrechte und -standards, Gesundheit und Sicherheit, Entwicklung des Humankapitals und Vielfalt – sei es im Hinblick auf Religion, Alter, Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft.

Unternehmen die diesen Aspekten nicht die angemessene Aufmerksamkeit schenken, laufen Gefahr, sich Reputations- und regulatorischen Risiken auszusetzen, die dauerhaften Schaden anrichten und den Aktienwert senken können. Unternehmen mit schwacher Bilanz bei der Einhaltung von Menschenrechten oder Arbeitspraktiken werden wahrscheinlich unter zunehmenden Störungen in der Lieferkette leiden. Das beeinträchtigt die operative Leistung als auch den Ruf der Marke2. Andererseits kann eine Führungsrolle im ESG-Bereich für Aufwärtspotenzial sorgen. Eine wachsende Zahl empirischer Daten deutet darauf hin, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen ESG und der Finanzperformance gibt3.

Soziale Erwägungen sind daher wichtige Faktoren, nicht nur für die Performance von Unternehmen, die dadurch vielfältiger, stabiler und widerstandsfähiger werden, sondern auch für die allgemeine soziale Verbesserung, indem Lieferketten und die Gesellschaft im Ganzen robuster werden.

Die Pandemie macht es deutlich: Soziale Aspekte sind wichtiger denn je

Wenn uns etwas die Bedeutung von sozialer Stabilität und Kohäsion gelehrt hat, dann ist es sicherlich der Ausbruch von Covid-19. Jedes Land, jeder Sektor und jede Einzelperson ist von der Pandemie betroffen. Dies hat die Bedeutung einer genaueren Untersuchung der Nachhaltigkeit globaler Geschäftsmodelle deutlich gemacht. Covid war auch ein guter Lackmustest für Investoren, um zu beurteilen, wie widerstandsfähig Unternehmen angesichts der Krise waren und wie sie auf zukünftige Störungen vorbereitet sind.

ESG-Überlegungen bei Investitionen haben angesichts der anhaltenden Gesundheitskrise eine besondere Bedeutung erlangt. Das Virus hatte einen grundlegenden Einfluss auf die Weltwirtschaft. Die als Reaktion darauf verhängten anfänglichen Lockdowns führten zu einem Einbruch des Ölpreises, einem breit angelegten Ausverkauf von Risikoanlagen und einer beispiellosen Abbremsung der Wirtschaftsleistung. In diesem Umfeld entwickelten sich ESG-Anlagelösungen stark und rückten den Bereich zusätzlich ins Rampenlicht.

Die Pandemie hat nicht nur die sozialen Herausforderungen, denen sich einige Geschäftsmodelle gegenübersehen, besonders deutlich gemacht. Sie hat auch gezeigt, dass die Agilität von Unternehmen, die sich leichter an neue Arbeitsweisen anpassen konnten und deren Geschäftsmodell im Kampf gegen die Herausforderungen der Pandemie gedeihen konnte, von zentraler Bedeutung sind. So war beispielsweise der chinesische E-Health-Anbieter Ping An für die rasant steigende Nachfrage nach seinen Dienstleistungen während der Covid-Pandemie besonders gut aufgestellt. Ping An bietet Online-Gesundheitsdienste an und ermöglicht es Menschen beispielsweise, sich online vom hauseigenen Ärzteteam beraten zu lassen. Mit rund 300 Millionen registrierten Nutzern erreichet der Software-Anbieter rund ein Fünftel der chinesischen Bevölkerung und trägt dazu bei, die medizinische Versorgung in schwer zugänglichen Landesteilen zu verbessern. Mit diesem Geschäftsmodell konnte Ping An in diesen schwierigen Zeiten dazu beitragen, die Belastung von Krankenhäusern zu verringern. Die Zahl der neuen Nutzer auf seiner digitalen Plattform stieg im Januar 2020 um fast 900% gegenüber dem Vormonat.

Langsam aber stetig: Die Verschiebung in Richtung “S”

Neben dem pandemiebedingten Anlegerfokus hat ESG auch innerhalb der Regulierungslandschaft an Bedeutung gewonnen. Dies zeigte sich in Form neuer Anforderungen zur Berichterstattung über bestimmte ESG-Aspekte – einst ausschließlich freiwillig, jetzt jedoch obligatorisch – in vielen Rechtsordnungen, darunter Großbritannien, die EU und Hongkong Kong (und die USA werden wahrscheinlich nachziehen)4.

Die Regulierung zu ESG-Themen hat sich bisher überwiegend auf das „E“ und das „G“ konzentriert – was wir auch in Bezug auf die Verfügbarkeit von Unternehmensdaten sehen. Dies liegt zum Teil daran, dass soziale Fragen etwas schwieriger zu definieren und qualitativ hochwertiger sind. Das zeigt sich auch an der Diskrepanz zwischen den Standards und Ratings, die den Anlegern zwischen „E“, „S“ und „G“’ zur Verfügung stehen. Die Finanz- und Anlagewelt hat eine Reihe von Instrumenten zur Messung und Berichterstattung von Umweltauswirkungen (z.B. CO2-Fußabdruck) identifiziert. Die Sozialberichterstattung hinkt hier weit hinterher, und es ist noch wenig Konsens darüber erzielt worden, wie oder was Unternehmen berichten sollten.

Aber das ändert sich. Die Regulierung wird im Hinblick auf soziale Belange stärker definiert und – wie schon bei der Umweltberichterstattung – entwickelt sich die Sozialberichterstattung von der Freiwilligkeit zur Verpflichtung. In Europa wird beispielsweise erwartet, dass die Europäische Kommission bald eine Richtlinie herausgibt, die eine Sorgfaltspflicht für Unternehmen mit Sitz (oder mit Niederlassungen) in der EU vorsieht5. Die im März 2021 in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) verpflichtet die Finanzmarktteilnehmer, über die Nachhaltigkeit ihrer Fonds – einschließlich negativer Auswirkungen – zu berichten und dort zahlreiche soziale Aspekte mit abzudecken. Die erste obligatorische Berichterstattung soll im Juli 2022 erfolgen6.

Mit der EU-Taxonomie-Verordnung wurde das Fundament für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gelegt. Sie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten und bildet einen Rahmen, anhand dessen wirtschaftliche Aktivitäten als nachhaltig oder nicht nachhaltig beurteilt werden können. Während sie sich derzeit nur auf die Ermittlung detaillierter Kriterien für die ökologische Nachhaltigkeit konzentriert, werden in den nächsten Schritten soziale Kriterien berücksichtigt.

Die Lücke schließen

Im Jahr 2015 hat die internationale Gemeinschaft die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen, in Anerkennung der Notwendigkeit, das zukünftige Wohlergehen unserer Gesellschaften zu sichern. Für Unternehmen und Investoren bieten die SDGs einen Rahmen, mit dem sie die langfristige Wertschöpfung mit den drängendsten Bedürfnissen der Gesellschaft in Einklang bringen können. Um die Ziele der SDGs bis 2030 zu erreichen, sind geschätzte jährliche Investitionen in Höhe von 5 bis 7 Bio. US-Dollar erforderlich. Die aktuellen Investitionen in SDG-bezogene Themen belaufen sich auf 3 Bio. US-Dollar pro Jahr, was eine jährliche Investitionslücke von 2 bis 4 Bio. US-Dollar hinterlässt7. Während die meisten ESG-Zuflüsse auf das „E“ in ESG ausgerichtet sind, orientieren sich 11 der 17 SDGs an der Stärkung sozialer Belange. Wir glauben, dass dies eine große Chance für Unternehmen darstellt, die diesen Bedarf erfüllen können. Für Investoren bedeutet dies, die bestehende finanzielle Kluft zu überbrücken, indem sie die Unternehmen unterstützen, die soziale Güter und Dienstleistungen anbieten. Dabei geht es nicht nur um die Priorisierung sozialer Fragen, sondern auch darum, ob es finanziell Sinn macht.

Vor allem für die Jüngeren werden soziale Aspekte immer wichtiger

Die jüngsten Bewegungen und Initiativen für soziale Gerechtigkeit und die Call-out-Kultur betonen, dass die Menschen mehr von den Unternehmen verlangen. In der Tat unterstreicht ein Bericht der OECD die Tatsache, dass Investoren zunehmend beides suchen: eine langfristig bessere Rendite und zudem eine gesellschaftliche Ausrichtung ihrer Investitionen, um die finanziellen und sozialen Renditen zu maximieren8. Dies gilt insbesondere für jüngere Anleger, die „den Maßnahmen der Unternehmen als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie und die unverhältnismäßigen finanziellen und sozialen Widrigkeiten von Covid-19“9 stärkere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Da Millennials in den nächsten 40 Jahren 30 Billionen US-Dollar erben werden10, ist dies eine klare Gelegenheit, die Unternehmen und Investoren nutzen können, um die Nachfrage zu decken.

Jetzt ist die Zeit zu handeln

Auch wenn bisher die soziale Säule bei den Investitionszuflüssen vernachlässigt wurde, so hat sich der Anwendungsbereich von „S“ in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend erweitert. Darin erkennt man das sich entwickelnde Geschäftsumfeld des 21. Jahrhunderts, in dem Unternehmen und Märkte zunehmend miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Angesichts der immer offensichtlicher werdenden Ungleichheiten im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und im Arbeitsschutz ist es unabdingbar, in Unternehmen zu investieren, die Lösungen für das „S“ priorisieren oder anbieten, wenn wir einen wirklichen Wandel zum Besseren erreichen wollen. Wir bei Nordea glauben, dass hinter diesem Megatrend eine spannende Investitionsmöglichkeit steckt. Jetzt ist die Zeit zu handeln.


Autor: Johannes Haubrich, Head of Product Management Fixed Income & Equity bei Nordea Investment Funds S.A.

1) Bloomberg Intelligence, ESG assets may hit $53 trn by 2025, a third of global AUM, 23 Feb 2021.
2) UNPRI, ‘ESG Integration: How Are Social Issues Influencing Investment Decisions?’ (2017)
3) Marina Apaydin et al, ‘The importance of Corporate Social Responsibility Strategic Fit and Times of Economic Hardship’ (2021) British Journal of Management, Vol.32, 399–415; Gunnar Friede et al, ‘ESG and Financial Performance: Aggregated Evidence from More than 2000 Empirical Studies’ (2015) Journal of Sustainable Finance & Investment, Vol.5, Issue 4, 210-233
4) Raconteur, ‘Sustainable Investing 2021’ (The Sunday Times, 14 February 2021)
5) Jacquelyn MacLennan et al, ‘Pressure mounts on EU regulator to deliver on Mandatory Human Rights, Environmental and Governance Due Diligence’ White & Case (17 March 2021)
6) PWC, ‘Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR)’ (2020)
7) Gemäß UNCTAD
8) OECD (2020), OECD Business and Finance Outlook 2020: Sustainable and Resilient Finance, OECD Publishing, Paris
9) Peter Goncalves, ‘ESG investors prioritising climate change over diversity – research’ (Investment Week, 20 May 2021)
10) N 9 (NYU Stern)

Nordea Asset Management ist der funktionelle Name des Vermögensverwaltungsgeschäftes, welches von den rechtlichen Einheiten Nordea Investment Funds S.A. und Nordea Investment Management AB (“rechtliche Einheiten”) sowie ihrer jeweiligen Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften betrieben wird. Dieses Dokument ist Werbematerial und bietet dem Leser Informationen zu den spezifischen Expertise-Feldern von Nordea. Dieses Dokument (bzw. jede in diesem Dokument dargestellte Ansicht oder Meinung) kommt keiner Anlageberatung gleich und stellt keine Empfehlung dar, in ein Finanzprodukt, eine Anlagestruktur oder ein Anlageinstrument zu investieren, eine Transaktion einzugehen oder aufzulösen oder an einer bestimmten Handelsstrategie teilzunehmen. Dieses Dokument ist weder ein Angebot für den Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots für den Kauf von Wertpapieren oder zur Teilnahme an einer bestimmten Handelsstrategie. Ein solches Angebot kann nur durch einen Verkaufsprospekt oder eine ähnliche vertragliche Vereinbarung abgegeben werden. Es enthält Informationen für institutionelle Anleger und unabhängige Anlageberater und ist nicht zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmt. © Der rechtlichen Einheiten der Nordea Asset Management und jeder ihrer jeweiligen Zweigniederlassungen und/oder Tochtergesellschaften.

Der Wald als Assetklasse

Der Wald hat sich seit Mitte der 1980er Jahre unter privaten und institutionellen Investoren zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt, erklärt Felix Jenninger, Head of Investment & Transaction bei Salm-Salm & Partner GmbH.

Die Assetklasse Wald hebt sich durch mehrere, einzigartige Merkmale von anderen Anlageformen ab. So werden Renditen überwiegend von den Holzpreisen und dem biologischen Wachstum bestimmt. Holzpreise sind, wie andere Rohstoffpreise auch, das Ergebnis der Interaktion von Holzangebot und -nachfrage. Im Falle niedriger Holzpreise kann der Einschlag unterlassen werden, wobei unabhängig von allen Konjunkturzyklen und Finanzmarktgeschehnissen auf der Fläche immer biologischer (Wert-)Zuwachs stattfindet. Da die Renditen in der Forstwirtschaft von anderen wirtschaftlichen Größen getrieben werden als bei Aktien und Anleihen, korrelieren forstwirtschaftliche Vermögenswerte nur geringfügig oder sogar negativ mit den Preisen von Finanzanlagen. Dies bietet einem gemischten Portfolio das Potential zur Diversifikation und zur Verbesserung der Anlageperformance. Ein weiterer Vorteil eröffnet sich durch das Eigentum an Grund und Boden und das biologische, krisenunabhängige Wachstum von Wäldern: Die Assetklasse schützt vor Inflation. Wald bietet dem Investor daher einen langfristigen Vermögenszuwachs des gebundenen Kapitals bei gleichzeitigen Einnahmen aus dem Holzeinschlag.


Quelle: Salm-Salm (2020)

Chancen eines Waldinvestments

Cashflow-Renditen eines global diversifizierten Waldportfolios liegen im Schnitt der Jahre zwischen 2 und 3 %. Hinzu kommt eine potenzielle Wertsteigerung der Grundstücke. Eigentum von Grund und Boden bietet abhängig von Lage und Eignung der Waldfläche obendrein die Chance, weitere Einkommensquellen zu erschließen. Solche Einkommensquellen sind der Bau von Windkraft- oder Solaranlagen, die Verpachtung der Jagdrechte, der Abbau von Sanden und Kiesen oder die Generierung von CO2-Zertifikaten.

Im Vergleich zu Ackerland bieten Forstinvestitionen flexible Erntezeiten. In den meisten Fällen kann ein Ernteplan um mehrere Jahre beschleunigt oder verschoben werden, was dem Eigentümer die Möglichkeit bietet, die Ernte mit dem persönlichen Einkommensbedarf abzustimmen oder auf eine günstigere Preissituation zu warten.

Die Assetklasse besticht darüber hinaus auch auf anderen Ebenen: das Sachwertinvestment ist ein wahres Commitment hinsichtlich Klima- und Ressourcenschutz. Wald bietet einen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und für den Menschen einen Ort der Erholung. Zusätzlich nehmen die Wälder dieser Welt eine signifikante Klimaschutzfunktion ein. Ein Investment in Wirtschaftswald unterstützt langfristig Anbau und Ernte von Holz unter kontrollierten Bedingungen. Einen Nachweis über die Nachhaltigkeit der forstwirtschaftlichen Praktiken können unabhängige Siegel, beispielsweise von FSC oder PEFC, liefern.

Risiken der Assetklasse Wald

Typische Risiken der Assetklasse Wald sind Markt- und Währungsschwankungen sowie biotische und abiotische Risiken. Unter biotische Risiken fallen Umweltfaktoren, an denen Lebewesen beteiligt sind, wie beispielsweise Schädlingsbefall. Abiotische Risiken sind Feuer und Wind. Alle Risiken im Wald können durch aktives Management deutlich verringert werden. Der entscheidende Faktor für ein risikoarmes Waldinvestment ist jedoch der Kauf des richtigen Grundstückes. Für das Risikoniveau entscheidend sind klimatische Lage, geografische Lage und Marktlage. Global empfiehlt es sich, sich auf rechtssichere Länder zu konzentrieren, die über gute Zuwachsraten und einen ausgeprägten forstwirtschaftlichen Sektor verfügen.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Waldinvestment

Die Basis für ein erfolgreiches Waldinvestment sind Rechtssicherheit und Absatzmarkt. Typisch für Waldinvestments sind Anlagehorizonte von über 15 Jahren. Aus Sicht eines Anlegers müssten daher alle Länder für ein Waldengagement ausgeschlossen werden, die über instabile politische Verhältnisse verfügen.

Auch der Holzmarkt ist ein entscheidendes Kriterium, da es sich bei Holzmärkten um regionale Märkte handelt. Um langfristig den Absatz des Holzes zu sichern, bedarf es einer diversifizierten Struktur an holzverarbeitenden Betrieben im direkten Umkreis des Waldgrundstücks.

Der Zugang zum Waldinvestment

Das Investment in Wald kann über verschiedene Wege und Möglichkeiten geschehen. Professionelle private und institutionelle Investoren suchen den Zugang zu Waldinvestments meist über geschlossene Fondslösungen oder Direktinvestments. Mindestinvestitionen liegen für Direktinvestments in Wald i. d. R. bei über 25 Mio. Euro. Fondslösungen eröffnen die Chance in der Regel ab 5 Mio. Euro, an den Vorteilen eines diversifizierten Waldportfolios zu partizipieren, ohne alle Grundstücke selbst erwerben zu müssen. Das Mitspracherecht bei Investmententscheidungen ist daher eingeschränkt. Wünscht der Anleger volle Flexibilität hinsichtlich der Grundstückswahl, der Bewirtschaftungsform sowie des perspektivischen Exits, fällt die Wahl meist auf ein Direktinvestment. Typischerweise werden dabei mehrere bestehende Forstbetriebe erworben und anschließend vollumfänglich bewirtschaftet.

Fazit und Ausblick

Wald bietet bei richtigem Ankauf und gutem aktiven Management die Möglichkeit, Investitionsportfolios auf vielfältigen Ebenen zu diversifizieren. Maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Investments haben grundlegende Faktoren wie Rechtssicherheit, Absatzmarkt, biologisches Wachstum und das forstliche Management. Stimmt die Strategie, eröffnet die Assetklasse attraktive Renditen – besonders im aktuellen Zinsumfeld.

Die USA bietet den größten Markt für Waldinvestitionen mit attraktiven biologischen Wachstumsbedingungen und einer sehr guten forstwirtschaftlichen Infrastruktur. Der aktuelle Zeitpunkt eignet sich optimal für den Einstieg in die Assetklasse, da sich der Holzpreis im Südosten der USA immer noch auf einem vergleichsweisen niedrigen Niveau befindet. Nachdem für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum für die Holzpreise im Südosten der USA vorhergesagt wird, kann ein direkter Wertzuwachs der Bestände erwartet werden. Für steigende Holzpreise sprechen das Wachstum der Weltbevölkerung, hohe Investitionen von Sägewerken im Südosten der USA sowie die Erholung des US-Häusermarktes nach der Krise in den Jahren 2008/2009.

Vor dem Hintergrund des limitierten Holzangebots werden die Holzpreise und der Wert der Wälder, zum Vorteil aller Waldbesitzer weiterhin steigen, was das Waldinvestment neben stabilen Renditen, Nachhaltigkeit und Portfoliodiversifikation weiterhin zu einer attraktiven Assetklasse macht.


Dieser Text stammt von FONDSTRENDS.LU, veröffentlicht am 25. August 2021.

Felix Jenninger

Felix Jenninger arbeitet als Head of Investment & Transaction bei Salm-Salm & Partner GmbH, einer Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Wallhausen, die sich auf Holz- und Agrarinvestitionen in Europa und den USA spezialisiert hat. Zu seinem Aufgabenbereich gehören Markt- und Objektanalysen sowie die Kundenbetreuung. Bevor er seine Tätigkeit bei Salm-Salm aufnahm, studierte er Forst- und Agrarwirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen und schloss sein Studium mit einem Master in Agrarökonomie ab.

Mit Ethik die Kapitalanlage wertvoller gestalten

von Samuel Drempetic, Head of Ethics and Sustainability der Steyler Ethik Bank.

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“ heißt es in der Verfassung des Freistaates Bayern. Die Praxis zeigt leider, dass dies nicht immer der Fall ist. Gerade die Finanzwirtschaft beweist leider oft genug, dass das goldene Dreieck der Geldanlage – bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität - einen höheren Stellenwert erhält als gesellschaftliche Werte. Dennoch spielt für viele Menschen eine weitere Dimension eine immer wichtigere Rolle. Konkret geht es um die Frage, welche unternehmerische Aktivität gut und moralisch ist. Gewinne sind aus dieser Perspektive weder Selbstzweck, noch rechtfertigen sie die Wahl der Mittel. 

In den vergangenen Jahren wurde gerade die Welt der Finanzwirtschaft um einige Begriffe reicher, die viele vor Jahrzenten dort nicht gesehen haben. Sie alle zielen auf Werte ab, die über reines Renditestreben hinausgehen: Nachhaltigkeit, ökologische, soziale und Governance-Kriterien (kurz ESG) sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, bekannt als SDGs sind die prominentesten Beispiele hierfür. Mittlerweile wird in vielen Bereichen auch nicht mehr gefragt, ob die oben genannten Kriterien berücksichtigt werden sollen. Vielmehr stellt sich zunehmende die Frage, wie sie integriert werden können. Gerade das Engagement der EU für eine nachhaltige Finanzwirtschaft hat hier für einen enormen Schub gesorgt und jede Krise wird mittlerweile zurecht in den internationalen Kontext der Nachhaltigkeit gesetzt.

Ein Nischendasein hat jedoch weiterhin das ethische bzw. ethisch-nachhaltige Investment – der Ursprung des nachhaltigen Geldanlegens. Der Begriff ethisches Investment ist nicht eindeutig definiert, ebenso wie nachhaltiges Investment. In der wissenschaftlichen Literatur wird er mal als ursprünglicher Begriff für verantwortliches Investment gesehen, mal als Überbegriff. Als Ursprung gilt er, da die Religionsgemeinschaften der Quäker und Methodisten schon vor rund 200 Jahren Ausschlusskriterien für die Investition ihrer Gelder schufen, die als ethisches Investment bezeichnet wurden. Ähnliche Ansätze finden sich in diversen Religionen und religiösen Gemeinschaften. Die wichtigste Intention gläubiger Menschen ist dabei, kein Geld mit Produkten und Dienstleistungen zu verdienen, die sie grundsätzlich ablehnen. 

Spricht man über ethisches Investment, so ist dies nicht klar von einem nachhaltigen Investment abzugrenzen. Und häufig kommen beide Begriffe im Doppelpack als ethisch-nachhaltiges Investment daher, was die Grenzen noch einmal mehr verschwimmen lässt.

Auch wenn ethisches-nachhaltiges Investment aufgrund der Begriffsherkunft und geschichtlicher Vorbilder überwiegend mit Kirche bzw. allgemein mit Religion assoziiert wird, ist diese Verbindung nicht zwangsläufig. Christliche, jüdische oder muslimische Wertvorstellungen sind häufig Ausgangspunkt für ethisch-nachhaltiges Investment, aber es gibt ebenso nicht-religiöse Begründungen. Unseres Erachtens nach sollte man das Thema auch nicht auf die moralischen Kategorien von „gut“ oder „schlecht“ reduzieren. Vielmehr stellt sich die Frage, mit welchen Produkten und Dienstleistungen man Geld verdienen will bzw. was man unterstützen möchte. Ein Nicht-Investment oder auch Divestment ist nicht automatisch mit einer Verurteilung gleichzusetzen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis als Nachhaltigkeitsexperte der Steyler Ethik Bank soll dies verdeutlichen: Die Bewaffnung der Polizei ist unseres Erachtens moralisch nicht verwerflich. Schließlich erfüllt die Polizei wichtige hoheitliche Aufgaben und dient damit unserer Gesellschaft. Dennoch möchten wir als nachhaltiger Investor mit christlichen Wurzeln nicht an der Produktion von Waffen Geld verdienen. Das staatliche Gewaltmonopol stellen wir damit selbstverständlich nicht infrage.

Ethik wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr oft mit Moral verwechselt. Die Ethik reflektiert jedoch nur das gesellschaftliche und individuelle Handeln. In der Reflexion ist es aber durchaus relevant, welche Wertevorstellung zugrunde gelegt wird.

Ethisches Investment ist kompliziert. Die Grenzen sind nicht eindeutig und durch individuell Vorstellungen bestimmt. Doch einer Gesellschaft, die allzu oft in den Schwarz-Weiß-Mustern denkt, fällt es manchmal schwer auszuhalten, dass es Graustufen gibt. Einige Investoren sehen ein Problem darin, dass die ESG Scores von Ratingagenturen nicht übereinstimmen. Der Frust ist einerseits verständlich, weil er die Arbeit der Investoren schwieriger macht. Andererseits zeigt sich hier schlicht, dass Nachhaltigkeit nicht auf einem Grundkonsens aufbaut, sondern ethisch begründet wird. Und je nach kulturellen Wertvorstellungen der Marktteilnehmer kommt es damit zu ganz unterschiedlichen Bewertungen. So sehen einige in der Nuklearenergie eine Chance, CO2-Emissionen zu reduzieren und dem Klima zu helfen. Andere lehnen die Technik als gefährlich für den Menschen ab und verweisen auf die ungelöste Frage sicherer Endlager. 

Eine vergleichbare Bewertung ist also nur unter der Annahme möglich, dass alle dieselbe Wertevorstellung teilen. Beim nachhaltigen Investment wird in letzter Zeit der Ruf nach einer einheitlichen Definition lauter. Genau in diese Richtung führt auch die Taxonomie-Verordnung der EU. Dennoch wird ethisch-nachhaltigem Investment seine Individualität behalten. Und in den meisten Fällen wird ethisch-nachhaltiges Investment den gesellschaftlichen definierten Nachhaltigkeitszielen nicht im Weg stehen.

Ethische Geldanlage ist kein Selbstläufer. Wer in diesem Feld mitmischen will, muss bereit sein, immer wieder um die besten Lösungen und Ansätze zu ringen. Denn ehrenwerte Motive allein, führen noch nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein Beispiel aus dem Bereich der Arbeits- und Menschenrechte. In der aktuellen Pandemie haben viele Näherinnen und Näher ihren Job verloren oder wurden über einen längeren Zeitraum nicht gebraucht und folglich nicht bezahlt. Das dies zu enormen sozialen Problemen führt, ist offensichtlich. Doch wem wollen wir hierfür die Schuld geben? Zumal in einer Welt, in der die Verantwortlichkeiten durch internationale Arbeitsteilung nicht so leicht zuzuordnen sind. Ist das Zulieferunternehmen, das mangels Aufträgen Personal freigestellt hat, der Bösewicht? Oder ist es eher der weltbekannte Hersteller von Sportartikeln, der die Aufträge wegen fehlender Nachfrage storniert hat, während er trotz Corona weiter große Gewinne einfährt? Kritisieren kann man auch die Staaten, die sich – anders als Deutschland – kein Kurzarbeitergeld leisten konnten, wodurch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Armut stürzten. Und welche Rolle spielt der ethisch-nachhaltige Investor selbst? Darf er auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter von den Gewinnen der Unternehmen profitieren, die Teil dieser Lieferkette sind, ungeachtet der oben beschriebenen Probleme?

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele, die bei immer mehr Finanzprodukten berücksichtigt werden: Handelt man als Investor ethisch und nachhaltig, indem man in ein Krankenhaus investiert. Reicht also als Begründung aus, dass der Gesundheitssektor nach der Logik der SDGs dem Entwicklungsziel 3 „Good Health & Well-Being“ zugeordnet wird? Wie geht man dabei mit privaten Krankenhausketten um, die in vielen Ländern die Corona-Pandemie als eine Gelegenheit der Gewinnmaximierung gesehen haben – teilweise auf Kosten des Staates oder der Angestellten? Dieses Verhältnis von Medizin und Ökonomie ist als ethisch-nachhaltiger Investor durchaus zu diskutieren. Dabei reicht es eben nicht die Dienstleistung einem SDG zuzuordnen und sich als Investor wegen der guten Tat auf die Schulter zu klopfen. 

Ethisches Investment bedeutet Diskussion, Reflexion und ständiges Infragestellen der aktuellen Meinung. Ethisch-nachhaltiges Investment ist nicht aus einer Nachhaltigkeitsdatenbank abzulesen. Es ist mehr als nur das Anwenden von Zahlen und Scores. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich und den eigenen Werten ohne die Verurteilung anderer Ansätze.


Samuel Drempetic

Als Head of Ethics and Sustainability verantwortet Herr Samuel Drempetic seit Mitte 2018 alle Themen rund um Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank. Dies umfasst sowohl die eigene Nachhaltigkeit der Bank als auch die Überprüfung der Investments. Der diplomierte Volkswirt und Pädagoge betreut die beiden Gremien Ethik-Anlagerat und Ethik-Ausschuss.

Die Steyler Ethik Bank

Die Steyler Ethik Bank ist Anbieter von fairen Finanzdienstleistungen. Sie wurde 1964 vom katholischen Orden der Steyler Missionare gegründet und steht allen Privatkunden offen, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Die Bank investiert nach sozialen und ökologischen Kriterien und ist Initiator von drei nachhaltigen Publikumsfonds der Marke Steyler Fair Invest. Seit ihrer Gründung förderte die älteste ethische Bank Deutschlands mit über 100 Millionen Euro Steyler Hilfsprojekte in 80 Ländern. www.steyler-ethik-bank.de, www.steyler-fair-invest.de

Kontakt

Oliver Müller, Senior Sales Manager DACH | Steyler Fair Invest
Steyler Bank GmbH, Arnold-Janssen-Str. 22, D-53757 Sankt Augustin
Telefon: 02241 120 51 72, E-Mail: oliver.mueller@steyler-fair-invest.de
www.steyler-fair-invest.de

Die nordischen Märke als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit

Im Interview mit FondsTrends beleuchtet Hagen-Holger Apel, Head of Wholesale bei DNB Asset Management, die aktuellen Herausforderungen seiner Branche sowie die neusten Nachfragetrends und Opportunitäten am Markt.

FondsTrends: Hagen-Holger Apel, vor welchen Herausforderungen stehen Asset Manager aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie?

Hagen-Holger Apel: Eine der großen Aufgaben in der Branche ist es gegenwärtig, trotz Social Distancing, Stay at Home und Lockdown, präsent bei den Kunden zu sein. Gerade in der momentanen Situation schöpfen wir alle technologischen Möglichkeiten aus, um Kontakte zu pflegen und in Verbindung zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir bei DNB Asset Management die virtuellen One-to-One-Meetings mit unseren Portfoliomanagern ins Leben gerufen. Als eine Art digitale Kompensation des FONDS professionell Kongress werden wir deshalb am 9. & 10. sowie 15. & 17. Juni ein virtuelles Forum mit persönlichen Online-Gesprächen anbieten, welches unseren Kunden erlaubt sich trotz der aktuell schwierigen Situation mit unseren Fondsmanagern und Kapitalmarktexperten auszutauschen.

FondsTrends: Welchen übergeordneten Nachfragetrend erkennen Sie gegenwärtig am Markt?

Hagen-Holger Apel: Unsere Kunden fragen uns aktuell nochmals vermehrt nach ESG-Produkten. Das liegt sicherlich an den regulatorischen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus konnte ich in den vergangenen Monaten feststellen, dass sich viele Fondsselektoren zunehmend Gedanken über die Implikationen der einzelnen Fonds machen und gezielt nach Impact-Strategien suchen. Derartige Anfragen freuen mich persönlich stets sehr, da wir, als einer der größten nordischen Asset Manager, bereits seit über 30 Jahren ESG-Aspekte in unsere tägliche Arbeit bzw. unsere Investmententscheidungen einfließen lassen. Denn gerade in den nordischen Volkswirtschaften ist das Thema Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend, sondern ein Teil der skandinavischen DNA.

FondsTrends: Bieten Sie ihren Kunden gezielte Anlagelösungen in diesem Segment?

Hagen-Holger Apel: Angesichts der gestiegenen Anforderungen am Markt und der noch nie dagewesenen Sensibilität in Bezug auf soziale, gesellschaftliche und ökologische Aspekte bin ich sehr stolz darauf, dass wir unseren Kunden mit dem DNB Fund Renewable Energy eine Anlagelösung bieten können, die nicht nur eine hohe Reputation besitzt, sondern auch einen echten Mehrwehrt für Mensch und Natur bietet. So ist unser Fonds, welcher eine sehr zielgerichtete ESG-Strategie verfolgt, nach Artikel 9 gelistet und wurde im vergangenen Jahr das dritte Mal in Folge mit der höchstmöglichen Bewertung von drei Sternen im Rahmen der Vergabe des FNG-Siegels (Forum Nachhaltige Geldanlage) ausgezeichnet. Damit können wir den Bedarf an transparenten, validen und renditestarken ESG-Anlagen mit einem zukunftsfähigen Produkt abdecken.

FondsTrends: Was meinen Sie konkret mit der Aussage „Nachhaltigkeit ist ein Teil ihrer DNA“?

Hagen-Holger Apel: Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft, die gerade in den skandinavischen Ländern eine sehr lange Tradition hat. Folglich wurde dieser Gedanke schon über Generationen hinweg weitergegeben. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland weiß somit schon jedes Kind, dass für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer Baum gepflanzt werden sollte.

FondsTrends: Gibt es weitere Trends, die gegenwärtig auf eine hohe Nachfrage stoßen?

Hagen-Holger Apel: Das zweite große Thema, das bei unseren Kunden gegenwärtig auf besonders hohes Interesse trifft, ist der Technologie-Sektor. Viele Investoren möchten natürlich gerade jetzt, in einer Welt, die vom digitalen Wandel geprägt ist, alle möglichen Opportunitäten im Sektor mitnehmen. Denn ohne Zweifel wird die technologische Entwicklung nach COVID weiter voranschreiten, und neue Geschäftsmodelle werden alte ersetzen. Mit dem DNB Fund Technology, mit welchem wir seit gut 20 Jahren zu den erfolgreichsten Fonds am Markt zählen, bieten wir dabei, gerade für Investoren die Klumpenrisiken vermeiden möchten, eine sinnvolle Ergänzung zu Einzelinvestments. Zwar träumt jeder Anleger davon, die nächste Amazon in seinem Depot zu haben, allerdings, und das macht die Sache so schwierig, sind diese Perlen anfangs nicht zu erkennen. Wir setzen daher langfristig auf aussichtsreiche Substanzwerte.

FondsTrends: Das Momentum im Tech-Sektor hat sich zuletzt stark abgeschwächt, mit welcher Strategie möchten Sie dennoch eine positive Performance in diesem Sektor erzielen?

Hagen-Holger Apel: Unsere beiden Portfoliomanager Anders Tandberg-Johansen und Sverre Bergland verfolgen mit dem DNB Fund Technology einen sehr soliden, leicht auf „Value“ ausgerichteten Ansatz, welcher ein weitaus geringeres Bewertungsniveau als der Nasdaq 100 Index aufweist. So konnte der Fonds, der unter Artikel 8 gelistet ist, seit Auflage 2007 in Luxemburg eine durchschnittliche Rendite von 16,28 Prozent generieren. Mit diesem Ansatz konnte unser Technologie-Fonds, nach Gebühren und in allen Marktphasen, seine Benchmark um durchschnittlich 4,54 Prozent übertreffen. So zahlt es sich auch im gegenwärtigen Marktumfeld aus, nicht blindlings den FANG-Werten hinterherzulaufen, sondern Ausschau nach günstigen Tech-Value-Werten zu halten. Diese sind aktuell besonders in Europa und im Bereich der Telekommunikationsdienstleister sowie in der Tech-Hardware und Equipment-Branche zu finden.

FondsTrends: Herr Apel, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 31. Mai 2021.

Hagen-Holger Apel

Hagen-Holger Apel ist seit Juli 2015 bei DNB Asset Management S.A. als Senior Client Portfolio Manager beschäftigt. In dieser Funktion ist er ein Bindeglied zwischen dem in Norwegen basierten Fondsmanagement und den internationalen Kunden und gewährleistet somit ein hohes Maß an Qualität in der Kundenbetreuung. Apel ist Diplom-Volkswirt (LMU München) und Certified International Investment Analyst (CIIA) der DVFA Frankfurt. Er verfügt über 20 Jahre Branchenerfahrung als Bankkaufmann, Händler und Portfoliomanager und ist seit vierzehn Jahren am luxemburgischen Finanzplatz tätig. Er spricht Deutsch, Englisch und Schwedisch. Im internationalen Geschäft ist er in leitender Position verantwortlich für die Schweiz, Deutschland und Österreich.

"Der Konsument bleibt der wichtigste Treiber der Transformation"

Die Transformation Europas hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft – der im Oktober 2020 gestartete European Circular Bioeconomy Fund (ECBF) möchte nicht nur an dieser Transformation teilhaben, sondern vor allem darin investieren, erklärt Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer der High-Tech Gründerfonds Management GmbH.

Mit der Europäischen Investmentbank (EIB) als Hauptinvestor und Hauck & Aufhäuser Funds Services als Verwalter stellt der ECBF den ersten Venture-Fonds dar, der sich ausschließlich auf die Bioökonomie und die zirkuläre Bioökonomie in Europa konzentriert. Der Fonds will somit als wichtiges Finanzinstrument zur Erreichung der Ziele des European Green Deal beitragen, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. FondsTrends sprach mit Dr. Michael Brandkamp, CEO und General Partner des ECBF, über Impact Investing in Krisenzeiten, das Potenzial biobasierter Kreislaufwirtschaft sowie die Nachhaltigkeit von Nachhaltigkeit.

FondsTrends: Herr Dr. Brandkamp, was ist der European Circular Bioeconomy Funds (ECBF) genau und wodurch zeichnet er sich aus?

Michael Brandkamp: Der ECBF ist ein „Alternative Investment Fund“, der sich an innovativen Wachstumsunternehmen der europäischen Bioökonomie beteiligt. Das Zielvolumen von EUR 250 Millionen wird der ECBF in rund 25 Unternehmen aus Europa investieren, um aus regional agierenden Unternehmen erfolgreiche, pan-europäische oder globale Player zu machen. Alle Unternehmen müssen nicht nur sehr attraktive Renditen erbringen, sondern auch einen deutlichen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs) in Aussicht stellen bzw. die sogenannten Environmental, Social and Governance- (ESG-) Kriterien erfüllen.

Der ECBF ist ferner eine Initiative der Europäischen Kommission und der European Investment Bank (EIB), die dazu beitragen soll, die Finanzierungslücke für innovative „Scale-ups“ in der Europäischen Union und den sogenannten „Assoziierten Länder“ zu schließen. Dafür investiert die EIB als Cornerstone Investor EUR 100 Millionen in den ECBF, dessen Konzept und Team in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren geprüft und ausgewählt wurden. Mit dem zweiten Closing am 14. Dezember 2020 konnte der ECBF bereits ein Volumen von EUR 175 Millionen akquirieren und damit auch erstklassige Fachexpertise und ausgezeichnete Netzwerke aus fünf verschiedenen Ländern einbinden.

Der ECBF ist bis August 2021 für weitere Investoren offen, die sinnstiftend investieren und an den Chancen teilhaben wollen, die sich aus der Transformation der fossilbasierten linearen zu einer biobasierten zirkularen Wirtschaft ergeben werden.

FondsTrends: Sie sind seit Januar 2020 General Partner des ECBF. Wenn Sie nun auf die ersten zehn Monate dieses turbulenten Jahres zurückblicken – haben Sie sich bereits in Ihre neue Rolle eingelebt? Welche Aufgaben sind grundlegend neu, an welchen Stellen können Sie aus Ihrem Erfahrungsschatz schöpfen?

Michael Brandkamp: Meine neue Rolle ist so abwechslungsreich, spannend und aufregend, dass man nicht von „Einleben“ sprechen kann. Aber die Rolle macht mir sehr viel Freude und ist mir eine Herzensangelegenheit. Allerdings war das Jahr 2020 sehr abenteuerlich: Der Aufbau des Fonds ist genau in die Zeit der Corona-Pandemie gefallen und durch diese auch in Gefahr geraten. So ist das Fundraising zur Achterbahnfahrt geworden bis wir, mit rund sechs Monaten Verzug, Ende August das erste Closing erreichen konnten. In den ersten acht Monaten des Jahres hatten wir sehr wenige Ressourcen, da wir den Aufbau aus unseren eigenen, privaten Mitteln vorfinanzieren mussten. Aber seit Anfang Oktober ist der ECBF operativ und gibt Gas. Das Team wächst und wir haben jetzt die Möglichkeit, von unseren Erfahrungen zu profitieren. Diese Erfahrungen helfen uns nun, die drei Aufgabenfelder des ECBF effizient und professionell zu bearbeiten:

  1. Fundraising – bis August 2021 planen wir, unser Funding-Ziel von EUR 250 Millionen erreicht zu haben.
  2. Fonds- und Teamaufbau – d.h. Aufbau von Strukturen, Prozessen für die Auswahl und die Due Diligence attraktiver Investmentopportunitäten erfordert viel Erfahrung, die wir mit unserem nun wachsenden Team erweitern werden.
  3. Investitionen  in attraktive Wachstumsunternehmen der Bioökonomie, deren Anfragen uns aus unseren eigenen Netzwerken und den Netzwerken der Europäischen Institutionen bereits in großer Zahl erreicht haben.

FondsTrends: Gehen wir einmal zurück zum Anfang. Wann kamen Sie zum ersten Mal mit dem Thema Impact Investing in Berührung? Was hat Sie schließlich, vielleicht auch speziell am Thema biobasierter Kreislaufwirtschaft, nicht mehr losgelassen?

Michael Brandkamp: Beim High-Tech Gründerfonds, für den ich knapp 15 Jahre als Geschäftsführer tätig war, haben wir den Bereich “Sustainable Chemistry” und dessen Potenziale intensiv analysiert. Die Start-up-Szene war sehr unterentwickelt in diesem Bereich. Der größte Engpass lag aber in der Wachstumsfinanzierung. Ferner haben wir erkannt, dass sich die Land- und Forstwirtschaft, die Ernährungs- und Futtermittelindustrie sowie die Verpackungs- und Textilindustrie umstellen und nachhaltiger wirtschaften werden. Es war und ist offensichtlich, dass Innovationen in diesen Bereichen auf sehr große Märkte gerichtet sind und über erhebliche wirtschaftliche Potenziale verfügen. Neben den Renditepotenzialen spielt vor allem die Erkenntnis eine Rolle, dass Innovationen, die die Transformation zu einer zirkularen Bioökonomie voranbringen, nicht nur das Leben erleichtern, sondern zwingend sind, wenn die Menschheit langfristig auf hohem Lebensniveau auf der Erde leben möchte.

Entscheidend war dabei auch der Impuls meiner jüngsten Tochter, die mich bereits vor drei Jahren streng ermahnt hat, etwas für die Zukunft unseres Planeten zu tun.

FondsTrends: Die Corona-Krise scheint nicht nur diverse Lebensbereiche massiv geprägt, sondern auch das Bewusstsein für nachhaltige Investments geschärft zu haben. Welche Aspekte der ESG-Thematik sehen sie besonders davon betroffen? Ist diese Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes nachhaltig, also „here to stay“?

Michael Brandkamp: In der Tat wächst die Ansicht, dass Rendite- und Impactziele komplementär sind, unter Investoren rasant. Es wird immer deutlicher, dass sich Risiken ergeben, wenn die Investmenttargets die Kriterien für „Enviromental, Social and Governance (ESG)“ nicht erfüllen. Alle drei Themenfelder sind sehr wichtig:

  • E: Wenn Unternehmen die Umwelt belasten, wird das zum Risiko, da z.B. Kohlendioxidemissionen etwa durch Steuern oder Zertifikate teuer werden können.
  • S: Wenn öffentlich wird, dass Unternehmen von Kinderarbeit profitieren oder Mitarbeiter diskriminieren, müssen sie damit rechnen, von Kunden abgestraft zu werden.
  • G: Korruption und Vetternwirtschaft sind nur die Spitze des Eisbergs. Wer hier Schwächen zeigt, wird am Kapitalmarkt gerügt. Gute Transparenz- und Compliance-Regeln sind nicht nur Luxus, sondern führen auch zu besseren Entscheidungen und besseren Renditen in den Unternehmen.

Wir sind fest davon überzeugt, dass Investoren in Zukunft grundsätzlich erwarten, dass die ESG-Kriterien erfüllt werden. Viele Investoren interessieren sich immer mehr dafür, was mit dem Geld passiert – Sie wünschen, dass ihr Geld sinnstiftend eingesetzt wird.

FondsTrends: Im Fokus des ECBF liegen vor allem Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit in diversen Bereichen wie z.B. der BlueEconomy oder der Ernährung setzen. Wo sehen Sie hier am meisten Potenzial? Was bedarf einer größeren, wenn nicht gar der größten Umstrukturierung?

Michael Brandkamp: Die Ernährung ist der größte Wirtschaftssektor der Welt. Um in einigen Jahren nahezu 10 Milliarden Menschen zu ernähren, ohne dabei die Lebensbereiche des Menschen auf der Erde zu zerstören, benötigen wir neue Technologien, neue Nahrungsmittel und eine Nutzung von Abfall- bzw. Wertstoffströmen. Der ECBF hat seine beiden ersten Investments in diesem Feld getätigt. PeelPioneers aus den Niederlanden beispielsweise nimmt Orangenschalen auf und verarbeitet diese in der eigenen Bio-Raffinerie zu wertvollen Ausgangsstoffen für die Nahrungsmittelproduktion. Prolupin aus Deutschland stellt aus der regionalen Lupine vegane Joghurts, Eis und Frischkäse her.

Ferner verlangen Kunden, dass Verpackungen nachhaltiger, Textilien recycelt und z.B. Pflegeprodukte ökologischer werden. Auch das Meer als Quelle von neuen Materialien oder Nahrungsmitteln wird an Bedeutung gewinnen. In diesen Feldern werden die Wertschöpfungsketten völlig neu definiert. Hier liegen erhebliche Investitionspotenziale.

FondsTrends: In Anbetracht von Maßnahmen wie dem European Green Deal– wo sehen Sie den ECBF in zehn Jahren?

Michael Brandkamp: Unser Ziel ist, dass der ECBF in zehn Jahren der führende Investor für innovative Wachstumsunternehmen in der Bioökonomie Europas sein wird. Er wird dann bereits seinen dritten Fonds auflegen, gute Investments tätigen und attraktive Renditen erwirtschaften. Der European Green Deal und viele andere Maßnahmen werden den Wandel von der linearen fossilbasierten zu einer biobasierten Wirtschaft fördern. Regulatorische Anpassungen werden neue Märkte schaffen und neue Unternehmen gute Wachstumschancen eröffnen. Dennoch bleibt der Konsument der wichtigste Treiber der Transformation.

FondsTrends: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Inwiefern hat die Corona-Pandemie Ihren beruflichen wie auch privaten Alltag verändert?

Michael Brandkamp: Die Krise hat mir in der ersten Hälfte des Jahres 2020 Angst gemacht, da uns viele Fondsinvestoren abgesagt haben und neue Investoren nicht ansprechbar waren. Das Projekt stand kurz vor dem Scheitern. Aber mit Unterstützung der EIB, der vertrauensvollen Investoren preZero und Dr. Hettich Beteiligungen sowie durch den starken Teamgeist haben wir es dann geschafft. In meinem Alltag gab es aber auch sehr schöne Momente, da meine ganze Familie zuhause beisammen war. Zwei von meinen drei wunderbaren Töchtern sind bereits im Studium. Corona hat unserer Familie also auch eine sehr schöne gemeinsame Zeit geschenkt.

FondsTrends: Herr Dr. Brandkamp, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen weiterhin alles Gute!


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 18. Januar 2021.

Dr. Michael Brandkamp

Dr. Michael Brandkamp studierte Wirtschaftswissenschaften in Münster, Nairobi und Bonn und promovierte an der Fakultät für Unternehmensinnovation der TU Freiberg. Als Geschäftsführer der High-Tech Gründerfonds Management GmbH schrieb er nicht nur dessen Geschäftsplan, sondern baute auch eine breitgefächerte Organisation auf, die unter seiner Leitung in mehr als 550 Start-ups investierte und mehr als 100 Exits realisierte. Im Dezember 2019 verließ er den HTGF nach mehr als 15 Jahren, um sich als General Partner und CEO dem Aufbau des neuen European Circular Bioeconomy Fund (ECBF) zu widmen, der in innovative Unternehmen an der Schnittstelle aus Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft investiert.

Offene Immobilienfonds in Corona-Zeiten: Krisenfest dank neuer Regeln

von Robert Guzialowski, Leiter Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG.

Durch die Neuregulierung in Folge der Finanzkrise sind offene Immobilienfonds heute wesentlich weniger anfällig für externe Schocks. Somit haben sich Mindesthalte- und Kündigungsfristen in der Corona-Krise bewährt.

Weitere regulatorische Maßnahmen leisten ebenfalls Abhilfe bei der Erhaltung der Stabilität von offenen Immobilienfonds.

Vor mehr als zehn Jahren sind viele offene Immobilienfonds in der Finanzkrise in Schieflage geraten und mussten einen erheblichen Vertrauensverlust hinnehmen. Überraschenderweise waren beispielsweise offene Immobilienfonds im Kern von der Finanzkrise gar nicht betroffen. Im Gegenteil: Bis zur Finanzkrise erzielten offene Immobilienfonds eine durchschnittliche Rendite von 5,1 Prozent p.a.. Mietverträge mit längeren Laufzeiten waren zudem der Garant, dass die anstehende globale Rezession die Renditen kurz- bis mittelfristig nicht deutlich schmälern würde.

Aus Unsicherheit oder auch, um sich Liquidität zu verschaffen, zogen jedoch vor allem institutionelle Investoren von heute auf morgen Millionenbeträge ab. Die auf Fondsseite vorhandenen Liquiditätsreserven konnten die gesteigerten Rückgabeforderungen oftmals nicht decken. Das hatte zur Folge, dass die Rücknahme der Anteile ausgesetzt werden und Immobilien gewissermaßen im Schnellverfahren verkauft werden mussten, um Rückgabewünsche von Anteilsbesitzern zeitnah erfüllen zu können. Da ein Verkauf illiquider Vermögenswerte wie Immobilien allerdings oft über Jahre hinweg vorbereitet werden muss, ließen sich vielfach nicht die gewünschten Erlöse erzielen. Konnte ein offener Immobilienfonds daraufhin auch nach Aussetzung der Anteilsrücknahme nicht genügend liquide Mittel zur Auszahlung der Anleger auftreiben, so musste der Immobilienfonds geschlossen werden. Damit offenbarte sich ein entscheidender Konstruktionsfehler der Vehikel.

Der Regulator hat mit der Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) im Jahr 2013 – streng genommen bereits kurz zuvor durch das Inkrafttreten des Anlegerschutz- und Funktionsverbesserungsgesetzes (AnsFuG) – diesen entscheidenden Konstruktionsfehler bei offenen Immobilienfonds behoben. Nunmehr gilt für offene Immobilienfonds eine Mindesthaltedauer von zwei Jahren und eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Eine Flucht aus offenen Immobilienfonds, wie sie während der Finanzkrise zu beobachten war, ist faktisch nicht mehr möglich. Tatsächlich waren dann auch keine Mittelabflüsse in größerem Ausmaß zu verzeichnen (Stand Ende Mai 2020), sodass die Liquidität für offene Immobilienfonds weiterhin gesichert ist. Die Aussetzung von Anteilsrücknahmen gilt nun nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich als „ultima ratio“, womit dem nicht volatilen Charakter der Immobilien Rechnung getragen wird.

Eine weitere regulatorische Folge der Finanzkrise ist die unabhängige quartalsweise Bewertung der Immobilien durch externe Bewerter. Mit der vierteljährlichen Bewertung soll mehr Transparenz geschaffen werden, denn die enormen Rückgabewünsche in der Finanzkrise waren nämlich unter anderem auf die Sorge vieler Anleger zurückzuführen, dass die Immobilien der Fonds nicht den Verkehrswert innehatten, der in den Fondsbüchern ausgewiesen war. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die quartalsweise Bewertung Immobilienfonds volatiler und damit für Krisen entgegen der gesetzgeberischen Intention anfälliger macht. So könnten sich bereits kurzfristige Mietausfälle während der Corona-Krise – vielfach befördert durch das Ende März verabschiedete Notgesetz, das Mietern den Kündigungsschutz auch bei Mietaussetzungen garantiert – negativ in der Immobilienbewertung niederschlagen. Entsprechend müsste sodann der Anteilspreis der offenen Immobilienfonds kurzfristig nach unten korrigiert werden. Fraglich erscheint, ob ein derartiges Prozedere dem Charakter von Immobilieninvestments gerecht wird. Als illiquide Vermögensgegenstände dienen sie zuvörderst der langfristig orientierten Kapitalanlage. Bewertungsansatz und -rhythmus sollten diese grundlegenden Eigenschaften einer Immobilie als Kapitalanlage nicht übermäßig konterkarieren und keine kurzfristigen Schwankungen der Verkehrswerte vorspiegeln, die auf bloßen Momentaufnahmen beruhen.

Bislang haben sich derartige Befürchtungen allerdings nicht bewahrheitet, wie während der Corona-Krise erstellte Bewertungen belegen. Nur temporäre Ertragsstörungen entfalten zunächst keinen wesentlichen Einfluss auf die Parameter zur Ermittlung des Verkehrswertes. Vielmehr gilt weiterhin der Grundsatz, diesen auf Basis eines durchschnittlichen Preises vieler Marktteilnehmer und Objekte zu einem bestimmten Zeitpunkt zu bestimmen, ohne kurzfristige individuelle Entwicklungen, wie einzelne Mietausfälle oder -stundungen, über Gebühr zu berücksichtigen. Insofern entfaltete das Notgesetz keine größeren Auswirkungen auf die Bewertung von Immobilien. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Investor im Falle kurzfristiger Mietausfälle, die nicht in den Fondswert einfließen, im Zweifel nicht auf den aktuellen Fondswert verlassen kann. Durch die oben geschilderte Bewertungspraxis entsteht bei nur kurzfristigen Mietausfällen somit ein Spannungsverhältnis zwischen der Stabilität der Immobilienfonds auf der einen Seite und dem Vertrauen des Marktes auf die Richtigkeit des aktuellen Fondswertes auf der anderen Seite. Gerade letzteres stellt erhöhte Anforderungen an die Manager der AIF, um die Risiken zu messen sowie Maßnahmen zu treffen und diese dann an die Investoren zu kommunizieren.

Sollten Dauer und Ausmaß der Mietausfälle höher ausfallen und mittel- bis langfristiger Natur sein – etwa in Folge neuerlicher Verschärfungen der Corona-Regeln oder anhaltender Unsicherheit über den Fortgang der Krise – dürfte dies größere Auswirkungen auf die Bewertung von Immobilien mit sich bringen. Mittel- bis langfristige Mietausfälle, insbesondere aber auch dauerhafte Reduzierungen der Mieten, schlagen sich unweigerlich im Ertragswert von Immobilien nieder, was sich zwangsläufig auch auf die Bewertungen und damit auf den Anteilspreis offener Immobilienfonds auswirkt.

Gerade bei Gewerbeimmobilien, vor allem im Einzelhandels- und Hotelsegment, kam es bereits vermehrt zu Verhandlungen über die Stundung oder Reduzierung der Miete. Auch in diesem Fall spielen regulatorische Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle. So sind die Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) bei Verhandlungen über Mietreduzierungen im Sinne eines „ordentlichen Geschäftsmanns“ verpflichtet, die Interessen der Anleger bestmöglich zu vertreten, sprich den Schaden so gering wie möglich zu halten. Hier ist auf Seiten der KVGen eine sorgfältige Abwägung gefordert: Inwieweit sind vorübergehende Mietausfälle, -stundungen oder gar dauerhafte Reduzierungen auch nach Auslaufen der gesetzlichen Sonderregeln zu akzeptieren, um Mietern untragbare finanzielle Belastungen zu ersparen und damit den langfristigen Investmenterfolg sicherzustellen? Zwar steht den KVGen hier in aller Regel ein großzügiger Verhandlungsspielraum zu, allerdings sind alle Entscheidungen sorgfältig zu begründen und zu dokumentieren. Im Zweifelsfall hat in diesem regulatorischen Spannungsverhältnis zudem auch die finanzierende Bank ein Wort mitzureden, wenn es entsprechende Vertragsklauseln gibt.

In welchem Ausmaß es hier zu Anpassungen kommen wird, hängt im Wesentlichen vom Fortgang der Corona-Krise ab. Ein neuerlicher Lockdown träfe etliche Mieter mit Sicherheit hart. Bislang aber bleibt positiv festzuhalten, dass die Pandemie, anders als zu Zeiten der Finanzkrise, dank der in großen Teilen umsichtigen Regulierung keine Panikverkäufe zur Folge hatte und offene Immobilienfonds wieder die Stabilität bieten, für die sie bei Anlegern vor der Finanzkrise lange Zeit standen.

Klar ist dabei, dass auch eine starke Regulierung nicht gänzlich vor den Folgen einer Krise schützen kann. Sie kann aber für Rahmenbedingungen sorgen, die einen angemessenen Schutz vor Überreaktionen der Investoren bieten. Wird sie, wie aktuell, von einem sensiblen Handeln der Aufsichtsbehörde – kurzfristig hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht das aus massiven Aktienverlusten resultierende Überschreiten der vorgegebenen Immobilienquote von 25 Prozent auf Seiten vieler institutioneller Investoren nicht moniert – flankiert, so leistet sie einen wesentlichen Beitrag dazu, dass Immobilienfonds ihrem Anspruch als langfristig orientierte und krisenfeste Anlagelösungen neuerlich gerecht werden.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 27. Oktober 2020.

Robert Guzialowski

Robert Guzialowski ist Leiter Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG. Er verantwortet neben Vertrieb und Kundenmanagement der AIF-Verwahrstelle die Begleitung der KVGen von der Aufnahme der Geschäftsbeziehung über das Onboarding bis hin zu den Fondstransaktionen. Robert Guzialowski ist Rechtsanwalt und veröffentlicht regelmäßig zu aufsichtsrechtlichen Entwicklungen.

„Schutz der Meere und Ozeane durch nachhaltige Aquakultur“

von Reinhard Liebing, Geschäftsführer der SUSTAINABLE INVESTING TRUST StBG mbH.

Durch Innovationen, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Elektrifizierung, Prozessoptimierung von CO2 intensiven Prozessen, und Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft kann eine nachhaltigere Zukunft gestaltet werden. Wie schnell und wie weit diese Veränderungen gehen werden, kann derzeit noch nicht gänzlich abgeschätzt werden. Das ökonomische und technische Umfeld steht vor größten Herausforderungen. Hinzu kommen das andauernde Niedrigzinsumfeld und die politischen Unsicherheiten sowie die Klimaveränderungen und ihre physischen Auswirkungen. Langfristige Trends wie das globale Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung, und die nachhaltige Ernährung können hierbei allerdings als eine Richtschnur dienen, um die Chancen der Veränderungen auch positiv zu begreifen.

Bevölkerungswachstum, Überfischung, und Aquakultur

Aktuell leben ca. 7,6 Mrd. Menschen auf unserem Planeten. 2030 werden es ca. 8,6 Mrd. Menschen sein. 2050 werden voraussichtlich ca. 9,8 Mrd. Menschen unseren Planten bevölkern. Ein Wachstum um ca. 30 % bei konstanten Ozeanen und Meeren.

Aufgrund der massiven Überfischung sind die Ozeane und Weltmeere an ihrer Grenze. Bedingt durch das Bevölkerungswachstum entsteht eine zunehmende Nachfrage nach Meeresfrüchten als wertvolle Proteinquelle. So wächst die Nachfrage nach Meeresfrüchten und Fisch aktuell doppelt so schnell wie die Zunahme des Bevölkerungswachstums.

Aquakultur gehört nach einem Research Dokument der Rabobank aus dem Jahr 2018 zu den schnellsten wachsenden Sektoren zur Erzeugung von tierischen Proteinen. In nur 6 Jahren hat sich der Wert seit 2010 bis 2016 um fast 100 Mrd. US$ auf ca. 232 Mrd. US$ erhöht (eine durchschnittliche Wachstumsrate von ca. 10 %). In den Jahren davor dauerte es 15 Jahre, für einen Zuwachs von ca. 94 Mrd. US$.

Zu den Zugangswegen für Investoren zählen insbesondere börsengelistete Gesellschaften, Direktbeteiligungen, oder Fondsinvestments. Allerdings ist das Universum der Fondsinvestments mit entsprechenden Managern noch überschaubar.

Mehr als die Hälfte der konsumierten Meeresfrüchte stammt heute bereits aus der Aquakultur. Die bisherige Aquakultur in Teichen und Seegehegen ist stark von den Umweltbedingungen abhängig und unterliegt in deren Folge hohen Produktionsschwankungen.

Nach Angaben der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen aus 2018 haben 93% der Wildbestände die maximale Fangquote erreicht. Folglich ist die Steigerung der Produktion von Meeresfrüchten aus Aquakultur unerlässlich, um die gestiegene Nachfrage von ca. 33 Mio. Tonnen pro Jahr bis 2030 befriedigen zu können.

Fische – effizient und nachhaltig aufzuziehende Tiere

Fische gehören zu den am effizientesten aufzuziehenden Tieren, da ihr Futterverwertungsverhältnis so niedrig ist. Das Futterverwertungsverhältnis ist die Futtermenge, die ein Tier benötigt, um ein Kilogramm Körpergewicht zu erreichen. Aufgrund jahrelanger Forschung über die spezifischen Ernährungsbedürfnisse ist der Atlantische Lachs heute das am effizientesten aufzuziehende Tier mit dem niedrigsten Futterverwertungsverhältnis. Typischerweise benötigt Atlantischer Lachs 1,15 kg Futter, um 1 kg Körpergewicht zu erreichen. Schweine brauchen mehr als doppelt so viel Futter wie Lachse, um 1 kg zuzunehmen, während Schafe fast sechsmal so viel fressen müssen.

Quelle: https://www.skretting.com/en/faq/how-much-wild-fish-is-needed-to-feed-farmed-fish/

Fisch hat auch einen relativ hohen Ernteertrag im Vergleich zu anderen Zuchttieren. Der Ernteertrag ist der Prozentsatz des Tieres, der nach der Entfernung ungenießbarer Teile genutzt werden kann. So hat beispielsweise atlantischer Lachs einen Ertrag von ca. 86%. Huhn hat im Vergleich dazu einen Ernteertrag von nur 47 %.

Lachsaufzucht in Off- und On-Shore Aquakulturen

Im Mittelpunkt der Off-Shore Aquakultur steht die Aufzucht des atlantischen Lachs. Lachse benötigen eine Wassertemperatur von 2-20 Grad Celsius. Daher kann Lachs nur in bestimmten Regionen der Welt, wie Norwegen, Schottland, Chile, und Kanada aufgezogen werden. Die Aufzucht der Lachse im Meer ist jedoch nicht unproblematisch. So werden gegen Parasiten wir die Lachslaus erhebliche Mengen an Chemikalien und Pestiziden eingesetzt, um diese zu bekämpfen. Nach vorliegenden Schätzungen werden von den Gestehungskosten für 1 Kilogramm Lachsfleich ca. 25 % für die Bekämpfung der Lachslaus im Meer aufgewendet. Darüber hinaus belasten die Exkremente der Lachsfarmen das Meerwasser. Aufgrund der Stürme auf See entkommen häufiger größere Fischmengen aus den Gehegen. So sind bei einem der letzten Stürme im August dieses Jahrs vor Schottland Lachsfarmen vom Weltmarktführer Mowi schwer beschädigt worden. Etwa 30.000 Lachse starben in Folge des Sturmes und ca. 50.000 Lachse entkamen aus den Netzen. Ähnliche Vorkommnisse vor Britisch Columbia haben dazu geführt, dass die kanadische Regierung plant die Genehmigungen für die Off-Shore Aquakultur vor Britsch Columbia einzustellen, da die Zuchtlachse für die Meere und die Wildlachse ernstzunehmende Belastungen darstellen. So weist der Premierminister Justin Trudeau in einem Schreiben vom 13. Dezember 2019 die Ministerin für Fischerei an, „mit der Provinz Britisch Columbia und den indigenen Gemeinschaften zusammen zu arbeiten, um einen verantwortungsvollen Plan für den Übergang von der offenen Netzgehe-Lachszucht in den Küstengewässern Britsch-Kolumbiens bis 2025 zu erstellen, und mit der Arbeit an der Einführung des ersten kanadischen Aquakulturgesetztes überhaupt zu beginnen.“

Swiss Lachs als ein Erfolgsbeispiel

Eine Alternative zu der Off-Shore Aufzucht ist die landbasierte Aufzucht der Lachse in sogenannten Kreislaufanlagen, die bereits weltweit im Einsatz sind. Swiss Lachs, eine Indoor Lachsaufzucht im bündnerischen Misox, ist hierfür ein Erfolgsbeispiel, das aktuell sogar noch ausgebaut werden soll. Diese Kreislaufsysteme bestehen aus Aufzuchtbecken, die durch Rohre an ein Filtersystem (in der Regel Biofilter) miteinander verbunden sind. Wasser zirkuliert fortlaufend und bildet insoweit einen geschlossenen Kreislauf. Das Wasser wird ständig gefiltert und bei fortschrittlicher Technik ist nur ein minimaler Anteil an Wasser nachzufüllen. Pumpen lassen das Wasser zirkulieren und erzeugen in den Becken eine künstliche Strömung, die dem natürlichen Bewegungsdrang der Fische entgegenkommt. Durch die Abgeschlossenheit der Systeme wird sichergestellt, dass keine schädlichen Umwelteinflüsse auf die Tiere einwirken. Insofern bedarf es auch keiner Antibiotika und Zusatzstoffe wie Pestizide oder Hormone. Zugleich verbietet sich beim Einsatz von Biofiltern die Verwendung von Antibiotika.

Bislang wachsen alle geschlüpften Lachse zunächst an Land auf und werden erst später ins Meer ausgesetzt. Da in einigen Regionen der Welt mittlerweile keine weiteren Lizenzen für Off-Shore Lachsfarmen vergeben werden, wachsen die jungen Lachs in diesen Regionen der Welt nun schon fast 2 Jahre an Land auf, um die verbleibende Zeit bis zur „Ernte“ im Meer zu verbringen.

Aquakultur – Risikomanagement, Nachhaltigkeit, und Skalierbarkeit der Assetklasse

Bei landbasierten Kreislaufanlagen sind vier zentrale Risikotypen zu beachten:

  • Operationale Risiken, bspw. Technologische Probleme, Biologische Herausforderungen wie Krankheiten, Parasiten, Produktqualität wie Farbe, Geschmack, Struktur
  • Marketing und Vertriebsrisiken, wie Kundenakzeptanz, Preisrisiken, Vermarktungsrisiken
  • Regulatorische Risiken, wie Genehmigungen, Akzeptanz auf lokaler Ebene, Wasserver- und entsorgung
  • Finanzielle Risiken, bspw. hohe Investitionskosten und Profitabilität

Die meisten der vorstehenden Risiken lassen sich mit einem kompetenten und erfahrenen Team, einem passenden Standort und einem Industriepartner mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung und der Umsetzung von Aquakultur Kreislaufanlagen erfolgreich managen, wenn zudem ein starkes Business- und Marketing Konzept vorliegt.

In der Praxis sehen wir Projekte, bei denen nachhaltiger Landlachs unter Berücksichtigung der SDGs in Deutschland zu attraktiven Erträgen aufgezogen werden kann. Dieser Landlachs wächst bspw. in Ostdeutschland in Regionen auf, die hervorragende Wasserqualitäten und -mengen besitzen. Für geplante erste 5.000 Tonnen Jahresproduktionen liegen in dem Fall zudem schon schriftliche LOI´s für jährliche Abnahmemengen von über 7.000 Tonnen von größten deutschen Handelsorganisationen vor.

Fertigstellungsrisiken werden durch entsprechende Fertigstellungsgarantien bonitätsstarker Bauunternehmen abgesichert und der Betrieb der Anlagen in der Anlaufphase durch Funktionsgarantien von Weltmarktführern aus der Aquakulturindustrie reduziert.

Nachhaltig erzeugte landbasierte Lachsaufzucht mit skalierbarer erprobter Technologie für die Märkte der Regionen bittet attraktive Renditen mit einem hohen SDG Impact. Biosicherheit in Kombination mit Biofutter und Transparenz der Nahrungsmittelproduktionsketten lässt sich somit erreichen. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein kompetentes und erfahrenes Team, dass gemeinsam die Herausforderungen der Aquakultur managend. Wie die Covid 19 Pandemie zeigt, unterliegen ganze Wirtschaftsstrukturen wie Luftfahrt, Transport und Touristik biologischen Risiken, die durch entsprechende Hygienekonzepte gesteuert werden müssen. Eine ganzheitliche Betrachtung der wirtschaftlichen Eco-Systeme verknüpft mit den ökologischen Eco-Systemen vor dem Hintergrund der vorhandenen Megatrends ist ein Schlüssel in eine nachhaltigere Welt.


Kontakt: info@susi-trust.com

Folgen der Corona-Krise – was auf Immobilienfonds jetzt zukommt

von Robert Guzialowski, Leiter Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG.

Das ganze Ausmaß, in dem sich die derzeitige Krise auf die Wirtschaft und die einzelnen Sektoren auswirkt, ist noch unklar. Das gilt auch für den Immobilienmarkt, dessen einzelne Segmente sowie für Immobilienfonds. Allerdings lassen sich aus einer Vorher- und Nachher-Perspektive auf die Corona-Krise Tendenzen erkennen.

Immobilienfonds stehen weiterhin hoch im Kurs

Immobilienfonds erfreuten sich in den vergangenen Jahren wachsender Beliebtheit. Eine der Hauptursachen dafür waren die niedrigen Zinsen. Deshalb, und weil sich die Konjunkturaussichten zuletzt eingetrübt hatten, galten Immobilien als sichere Anlageklasse. Entsprechend hoch waren die Investitionsvolumina. Bei Wirtschaftsimmobilien (u.a. Büro, Logistik, Hotel) erreichte das Transaktionsvolumen im Jahr 2019 mit 72,6 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Lediglich im Einzelhandelsbereich waren Schwächen auszumachen; er litt, mit Ausnahme des Nahrungsmittelsegments, unter dem verstärkten Trend zum Online-Handel, weshalb sich dort das Transaktionsvolumen zuletzt das zweite Jahr in Folge verringerte. Dagegen stand der Wohnsektor bei Investoren ebenfalls hoch im Kurs, was einen Kaufpreisanstieg von zuletzt 9,5 Prozent zur Folge hatte.

Insgesamt lässt sich über fast alle Nutzungsklassen hinweg deshalb feststellen, dass sich die einzelnen Immobiliensegmente vor der Corona-Krise einer anhaltend hohen und wachsenden Nachfrage gegenübersahen. Doch wie sich schon in der Finanzkrise zeigte, bleiben auch Immobilien von Krisen nicht unberührt. So hat sich nach einer Umfrage von Savills das Transaktionsvolumen bei Wohn- und Gewerbeinvestments im April im Vergleich zum Vorjahr von 5,1 Mrd. Euro auf 2,3 Mrd. Euro mehr als halbiert.

Wie beeinflusst Corona die künftige Miet- und Preisentwicklung?

Die wichtigste Ursache für diese Entwicklung: Die derzeitige Unsicherheit über die künftige Miet- und Preisentwicklung. Aktuellen Schätzungen zufolge sind je nach Immobiliensegment Preiskorrekturen von bis zu 20 Prozent denkbar. Es stellt sich also die Frage, wie viel Sicherheit Immobilienfonds nun bieten? So hatte die hohe Nachfrage für die Zeit vor Corona zu deutlich steigenden Kaufpreisen geführt. Doch weil die Mieten bei Neuverträgen nicht im gleichen Maße wie die Immobilienpreise nach oben gingen, könnte der eine oder andere Objektwert unter Umständen inzwischen zu hoch angesetzt sein.

Dazu kommt, dass der Immobilienmarkt zwar auch dieses Mal im Vergleich zu den volatileren Märkten zeitlich nachgelagert reagierte. Anders als in der Vergangenheit war der Abstand aber geringer. Am deutlichsten zeigte sich das im Hotel-Bereich. So führte der Lockdown schnell zu einem massiven Einbruch bei den Hotelübernachtungen. Das wiederum hatte Mietausfälle zur Folge. Nun drohen Insolvenzen der Pächter und womöglich eine Konsolidierung des Marktes, die auch Auswirkungen auf Hotel-Investoren haben wird.

Immobilienfonds sehen sich deshalb bereits immer zahlreicheren Anfragen von Mietstundungen oder -verhandlungen gegenüber. Das könnte zu Umsatzeinbußen für Immobilien-AIF führen. Wie stark sich die Corona-Pandemie letztlich auf den Hotelmarkt und somit die Performance der sie haltenden Fonds auswirken wird, hängt von der Dauer des Lockdowns ab. Jedoch sind die Übernachtungszahlen in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen. Langfristig ist deshalb mit einer Rückkehr zu diesem positiven Trend und einer Erholung des Hotelsektors zu rechnen.

Das könnte im Einzelhandel, soweit es den Nicht-Lebensmittelbereich betrifft, anders aussehen. Auch dort sind Ausfälle von Mietzahlungen festzustellen. Wie erläutert, hatte es dieses Segment, das unter einem veränderten Konsumverhalten leidet, auch vor der Krise schon nicht leicht. Jetzt ist denkbar, dass sich dieser strukturelle Wandel durch die Corona-Pandemie beschleunigt. Das könnte eine steigende Zahl von Insolvenzen und Ladenschließungen bedeuten. Die Folge wären erhöhte Leerstände und möglicherweise eine deutliche Korrektur bei den Mieten und Preisen. Die Auswirkungen auf Immobilienfonds könnten hier deshalb womöglich nicht nur temporär sein.

Optimistischer Ausblick für Logistik- und Wohnimmobilien

Positiver stellt sich die Lage bei Büro-, Logistik- und Wohnimmobilien dar. Trotz der spürbaren Auswirkungen und den ungewissen Aussichten für die nahe Zukunft sollten sich diese aller Voraussicht nach relativ schnell erholen – und entsprechend sollten Immobilienfonds durch diese Segmente auch nicht allzu stark beeinträchtigt werden. Gerade für die Bereiche Logistik und Wohnen sind die langfristigen Prognosen eher positiv. Wegen des zunehmenden Trends zum Online-Handel und der sich abzeichnenden Tendenz zur Regionalisierung von Lieferketten, eine Folge der De-Globalisierung, dürfte die Nachfrage nach Logistikobjekten sogar eher zunehmen.

Zugleich ist die Mietnachfrage bei Wohnimmobilien vielerorts stabil. Auch wenn die Renditen niedrig sind, könnte hier ein wachsendes Interesse sicherheitsorientierter Anleger zu weiter steigenden Preisen führen. Etwas gemischter fällt das Bild bei Büroimmobilien aus. Aufgrund der durch den Lockdown erzwungenen Umstellung auf Heimarbeit ist im Bürosektor ein gewisser Rückgang bei der Flächennachfrage zu erwarten – Stichwort Desk Sharing. Dem entgegen steht derzeit zwar die geringe Leerstandsquote, weshalb es vorerst nicht zu starken Preiskorrekturen kommen dürfte. Doch dürfte dieser Leerstands-Puffer aufgrund hoher Fertigungszahlen bei Büroimmobilien im kommenden Jahr aufgezehrt werden. Langfristig könnte sich das Bild deshalb eintrüben.

Fazit

Die Auswirkung der Krise auf die Gesamtwirtschaft für den Immobiliensektor wird entscheidend sein. Kommt es zu einem schweren Konjunktureinbruch, der Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen trifft, dann wird dies nicht ohne Folgen für die Immobilienmärkte bleiben. Dennoch gilt diese Anlageklasse als sicherer Hafen. Denn als Sachwerte bieten Immobilien gerade in Krisenzeiten ein höheres Maß an Stabilität als viele andere Anlageklassen. Immobilienfonds sollten aus dieser Krise deshalb gestärkt hervorgehen.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 16. Juni 2020.

Robert Guzialowski

Robert Guzialowski ist Leiter Real Assets Deutschland bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG. Er verantwortet neben Vertrieb und Kundenmanagement der AIF-Verwahrstelle die Begleitung der KVGen von der Aufnahme der Geschäftsbeziehung über das Onboarding bis hin zu den Fondstransaktionen. Robert Guzialowski ist Rechtsanwalt und veröffentlicht regelmäßig zu aufsichtsrechtlichen Entwicklungen.

Ausländische Asset Manager in Deutschland – ihre größten Herausforderungen prae Covid-19

von Hagen Gerle, Spezialist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen aus der Finanzbranche.

Spezifische Anforderungen von Kundenseite, die fondsbezogene Regulierung und der Zugang zu Vertriebspartnern sind die größten Herausforderungen für ausländische Fondsgesellschaften auf dem deutschen Markt – oder waren es zumindest bis zum Beginn des Coronavirus-Lockdowns. Die höchste persönliche Schwierigkeit für Mitarbeiter und Dienstleister von Investmentgesellschaften war bis dato der Umstand, dass Deutschland sehr dezentralisiert ist und viele unterschiedliche Finanzzentren hat.

Das sind die Kernergebnisse der Umfrage „Welche Hürden müssen ausländische Fondshäuser auf dem deutschen Markt überwinden?“, welche die spezialisierte Kommunikationsberatung Gerle Financial Communications (GFC) initiiert hat. An der Online-Umfrage beteiligten sich zwischen Januar und März dieses Jahres Vertreter von 18 Unternehmen, die bei ausländischen Fondshäusern arbeiten oder für diese Dienstleistungen erbringen, vor allem im Vertrieb.

Die teilnehmenden Investmentfirmen stammen aus Europa (neun Unternehmen), Nord- und Südamerika (acht) sowie Asien (eine Firma) und repräsentieren ein gesamtes weltweit verwaltetes Vermögen von rund 4,3 Billionen Euro (Stand Dezember 2019).

Deutsche Kunden haben besondere Erwartungen und Anforderungen

In der Befragung nannte mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Teilnehmer die besonderen Anforderungen deutscher Fondskunden – etwa in Bezug auf das Reporting für gesonderte Anteilklassen, individuelle Zielgruppen und obligatorische Kennzahlen – als die größte Herausforderung, gefolgt von der fondsspezifischen Regulierung und dem Zugang zu den richtigen Vertriebspartnern mit jeweils 22 Prozent. „Informationsmaterial in deutscher Sprache“ landete auf dem dritten Rang (17 Prozent).

„Ob Deutschlands Dezentralität mit seinen verschiedenen Finanzzentren nach Covid-19 noch eine Hürde für ausländische Asset Manager sein wird, bleibt abzuwarten.“
Hagen Gerle, Geschäftsführer Gerle Financial Communications

Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) bezeichnete Deutschlands dezentrale Struktur mit seinen verschiedenen Finanzzentren als die höchste persönliche Hürde, die sie zu nehmen hatten, als sie nach Deutschland kamen. „Das ist allerdings eine Hürde, die angesichts von Social Distancing, stark eingeschränktem Reiseverkehr und dem wachsenden Zuspruch für Online-Seminare und Video-Konferenzen künftig niedriger ausfallen könnte“, sagt GFC-Geschäftsführer Hagen Gerle.

Qualifiziertes Personal einzustellen (16 Prozent), die deutsche Sprache (13 Prozent) und das deutsche Steuerwesen (neun Prozent) folgten mit weitem Abstand. Einen passenden Job für den Lebenspartner (eine Nennung) oder Zugang zu guten Schulen für die Kinder zu finden (keine Nennung) stellten offensichtlich keine Schwierigkeiten dar.

ESG und Regulierung machen mehr Arbeit als im Heimatmarkt

Im Vergleich zu ihren Heimatmärkten sind vor allem die Regulierung sowie das Sichten und Auswählen von nachhaltigen und sozial verantwortlichen Investments (ESG/SRI) für ausländische Fondsgesellschaften in Deutschland aufwändiger. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (56 Prozent) haben danach mit den Themen „Regulierung“ sowie „ESG/SRI“ in Deutschland mehr Arbeit als in ihren jeweiligen Heimatländern. „Digitalisierung“ (88 Prozent) sowie „New Work“ (65 Prozent), also neue flexible Arbeitskonzepte, bereiten hierzulande hingegen weniger oder genauso viel Arbeit wie in den Ursprungsländern der Asset Manager.

„Als wir die Umfrage starteten, war natürlich nicht abzusehen, welche tiefgreifenden Folgen Covid-19 haben würde. Und die Frage nach den ,größten Herausforderungen für ausländische Asset Manager auf dem deutschen Markt‘ zu beantworten, schien uns im Verlauf der Krise nicht mehr angemessen“, kommentiert Gerle. „Zumal sich diese Herausforderungen ganz stark, speziell für kleinere Gesellschaften, auf den reinen Fortbestand reduzieren.“

Zwar repräsentiere eine Anzahl von 18 Antworten nur einen kleinen Teil der ausländischen Asset Manager und ihren Blick auf die deutsche Fondsbranche. „Da die Teilnehmer unserer Befragung aber eine gute Bandbreite abdecken – von globalen Top-Ten-Häusern bis hin zu spezialisierten Investmentboutiquen aus aller Welt – geben sie einen interessanten Einblick in die Schwierigkeiten, welche ausländische Asset Manager bei ihrem Start in Deutschland haben – nach wie vor einem der am stärksten gefragten Märkte weltweit“, sagt Kommunikationsberater Gerle. Es werde sicher aufschlussreich werden, die Frage nach den höchsten Hürden in einem Jahr erneut zu stellen und dann den Einfluss von Covid-19 auf das Geschäft in Deutschland festzuhalten.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 05. Juni 2020.

Hagen Gerle

Hagen Gerle ist Spezialist für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen aus der Finanzbranche. Der gelernte Tageszeitungsredakteur und ehemalige Kommunikationsmanager von Fidelity Investments berät seit 1994 vorrangig ausländische Fondsgesellschaften. 2002 gründete er sein eigenes Beratungsunternehmen in Frankfurt/Main: Gerle Financial Communications bietet Kunden strategische Beratung, Medienarbeit, Investment writing und Erstellung von Unternehmenspublikationen. 2011 siedelte Hagen Gerle mit Familie und Geschäft in den Südwesten Englands um, von wo er Finanzunternehmen in verschiedenen Ländern betreut.

Requirements for Security Token Issuance

by Yanina Petrovskaya, Alexander Yudovich, and Philipp Lennert, Rechtsanwälte Lennert Partners.

Liechtenstein has paved the way for blockchain with the ICO fact sheet, the first security token prospectus registered in Europe and with numerous drafts of the Blockchain Act, which has now been in force since the beginning of 2020. It is a unique legislation for tokens, asset tokenisation and security tokens, and provides legal certainty for international projects looking for fundraising or more liquidity for existing assets and their investors. Security tokens have been introduced from this legal perspective in part one of this article. This part focuses on the security token offering requirements.

Services of token issuer and token generator

Token issuer are persons who publicly offer tokens on behalf of third parties. This includes not only sales, but also other forms of offering, such as an award for a fee or a gift (eg, airdrop). A possible application is trading venues that carry out ICOs or IEOs for their customers.

In addition, persons who carry out their own issuance must also register if the equivalent value of the tokens issued in one year exceeds or will exceed CHF5 million.

As far as we understand under token issuer mainly of utility tokens (ICO or IEO in case the token issue is conducted primarily by a known exchange) and security tokens (STO) fall those who issue tokens professionally in the name of a client or in their own name in the amount of CHF5 million or more to be issued within a period of 12 months.

In general, every token issuer has to be registered in the FMA register. The obligation does not apply in cases in which the issuer sells his own tokens for the amount less than CHF5 million within twelve months to the public.

Services of a registered token generator who generates tokens technically are also needed within the TVTG framework. Project planning fundraising using tokens could either seek the registration as token generator or use services of the registered token generator on site. Requirements for token issuer registration can be summarised as follows:

Personal, management and shareholders have to be reliable in terms of bankruptcy and criminal law. An organisation structure with defined areas of responsibility, including procedures for dealing with conflicts of interest must exist. Furthermore, a minimum capital of 50,000 Francs, 100,000 Francs and 250,000 Francs have to be at the company’s disposal if tokens with a total value respectively of up to and including CHF5 million, of more than CHF5 million and of more than CHF25 million are issued within a period of 12 months. 

Publication of basic information and notification for token issuance 

Article 30 TVTG contains an obligation to prepare, report and publish basic information which should contain information about the tokens to be issued and associated rights.

An issuer of tokens that are offered to the public is obliged to create and publish appropriate basic information in advance. The corresponding obligation to provide information serves to protect users and is intended to adequately inform the interested public about the purpose of the token issue and the associated opportunities and risks.

The central difference between a securities prospectus according to Securities Prospectus Act and basic information according to TVTG is that basic information according to TVTG must be brought to the attention of the FMA in good time before the token issue; the information must also be published, eg, on the issuer's website. However, no formal approval of the information by the FMA is required.

Assumingly publication of the basic information is the major requirement for ICO/IEO or an STO which does not need to publish a prospectus, ie, raising from CHF5 million to CHF/EUR8 million.

TVTG provides for an exemption to publish basic information for the case if there is already an obligation to publish qualified information about the public offering of tokens according to other laws. Additionally, token issuer must notify the FMA of any token issuance in advance.

Requirements under prospectus regulations and access to single market

Liechtenstein as part of the European Economic Area (EEA) has to implement the European Directives into national legislation, which is the case with EEA Securities Prospectus Implementation Act (EWR-WPPDG).

This section is based mainly on existing regulations, tailored to traditional securities (such as Delegated Regulations (EU) 2017/1129, supplemented by Regulations (EU) 2019/979 and 2019/980), as well as FMA’s instructions and communication to be found at FMA’s website.

In summer 2018, the FMA approved a first securities prospectus for security tokens in the entire European Union. These securities prospectuses combine the features of classic securities prospectuses on the one hand and the elements of blockchain technology on the other.

Existing regulations, tailored to traditional securities (such as Delegated Regulations (EU) 2017/1129, supplemented by Regulations (EU) 2019/979 and 2019/980) can only be applied to security tokens if their security characteristics are fulfilled. The security property is generally assessed based on the three criteria of transferability, standardisation and tradability.

Securities

When offering securities to the public or admitting securities to trading in a regulated market, information disclosure is key to investor protection as it eliminates information asymmetries between investors and issuers.

In the public offering of securities, information disclosure is of central importance to investor protection, as it eliminates the information asymmetry between investors and issuers. Offering securities to the public generally requires preparation and publication of a securities prospectus under the EEA Securities Prospectus Implementation Act (EWR-WPPDG) (Article 1, Paragraph 1 EWR-WPPDG).

A public offering of securities in Liechtenstein may therefore only take place if previously according to the provisions of Regulation (EU) 2017/1129 and the Delegated Regulation (EU) 2019/980 and Delegated Regulation (EU) 2019/979 prospectus drawn up and approved has been published.

Prospectus Content

The minimum content of the prospectuses is specified in the Annexes to Delegated Regulation (EU) 2019/980. The Annexes to the Delegated Regulation (EU) 2019/980 contain in particular the registration forms, the securities descriptions and information on the minimum content. The type of the underlying asset is decisive, ie, depending on the focus and orientation of the security, the relevant appendices must be observed.

A securities prospectus must be approved by the FMA and published as required by law in order to be considered valid. There is no obligation to publish a prospectus if an exemption applies under Article 1 of Regulation (EU) 2017/1129. In any case, a security prospectus may be published voluntarily in order to extend the offer to the whole EEA.

Exemptions to the prospectus obligation can be found in Article 1, Paragraph 4 Regulation (EU) 2017/1129 and Article 3 EEA-WPPDG.

The most frequently used exemptions are private placement not falling under description of the public offering and exclusively qualified investors are approached. Offer of securities to the public means a communication to persons in any form and by any means, presenting sufficient information on the terms of the offer and the securities to be offered, so as to enable an investor to decide to purchase or subscribe for those securities. This definition also applies to the placing of securities through financial intermediaries.

However, such exempted offers of securities to the public should not benefit from the passporting regime under the regulation. 

Resale of securities

It is important to mention, that subsequent resale of securities which were previously the subject of one or more of points (a) to (d) of Article 1(4) shall be considered as a separate offer and the definition set out in point (d) of Article 2 shall apply for the purpose of determining whether that resale is an offer of securities to the public. The placement of securities through financial intermediaries shall be subject to publication of a prospectus unless one of the exemptions listed in points (a) to (d) of Article 1(4) applies in relation to the final placement.

No additional prospectus shall be required in any such subsequent resale of securities or final placement of securities through financial intermediaries as long as a valid prospectus is available in accordance with Article 12 and the issuer or the person responsible for drawing up such prospectus consents to its use by means of a written agreement.

Voluntary prospectus approval

If a further public resale on a trading platform is planned, it could be recommended to obtain a voluntary prospectus approval. Where an offer of securities to the public or an admission of securities to trading on a regulated market is outside the scope of this Regulation in accordance with Article 1(3), or exempted from the obligation to publish a prospectus in accordance with Article 1(4), 1(5) or 3(2), an issuer, an offerer or a person asking for admission to trading on a regulated market shall be entitled to voluntarily draw up a prospectus in accordance with this Regulation.

Since Liechtenstein is an EEA member, the prospectus, including any supplements, is valid in any number of EEA member states without an additional approval procedure for a public offer or admission to trading (European passport). The FMA shall send the necessary documents to the competent authorities of the host Member State and the European Securities and Markets Authority (ESMA) within one working day of receipt of the application or approval.

Conclusions

Security token offering requirements in Liechtenstein look as follows in brief:

  • securities prospectus registration is required with FMA if token qualifies as security;
  • registration as token issuer in case of professional activity or issuance over CHF5 million;
  • basic information publication in case of issuance under CHF5 million/other exemptions from prospectus obligation; and
  • notification of the token issuance.

Rechtsanwälte Lennert Partners (RLP Lawyers) provide legal support for distributed ledger technology (DLT)/blockchain projects in Liechtenstein and beyond. RLP Lawyers are regularly retained by domestic and global technology companies to advise on their major transactions in Liechtenstein. Services include company incorporation in Liechtenstein and Switzerland, STO advisory services, tokenised investment fund and crypto exchanges registration, opening of bank accounts, tax compliance services as well as company maintenance in Switzerland and Liechtenstein. The firm has a powerful, flexible, small team of 4 partners and 2 associates and a high-profile international network with a focus on DACH LI, USA, Russia and the CIS countries. The firm is a member of the STO Working Group of the Crypto Valley Association and the Global Legal Blockchain Consortium (GLBC), an organisation of legal and technology industry stakeholders.

Yanina Petrovskaya is an experienced adviser to blockchain projects with over eight years of international legal consulting experience. Coming from an international consultancy background, Yanina used to work as head of compliance in a fund management company before joining RLP Lawyers as of counsel. Yanina is a speaker at international blockchain events such as Blockchain Leadership Summit, Blockchain and Bitcoin Conference, Axess Think Tank, St. Moritz Institutional Investors Summit, etc, as well as partner and lecturer of the supplementary education program Blockchain Lawyers (BCL).

Alexander Yudovich has a field of activity that includes advising private individuals and international companies on all aspects of Russian and international tax law. With over ten years of consulting experience with international law firms in Germany and Russia, he is particularly appreciated by his clients for his cross-border competence in Russia and the CIS issues. As head of tax of a large German law firm in Moscow, he has supported several international business projects from a tax perspective. Alexander sees himself as a problem solver and an international legal intermediary for the goals of his clients.

Philipp Lennert counsels entrepreneurs in questions of international asset succession planning, tax optimisation and asset protection. As a qualified trustee expert, he advises non-profit foundations and their beneficiaries in DACH LI. The focus is on the planning and implementation of structural measures in coordination with the responsible supervisory authorities and the financial administration in Liechtenstein and abroad. As a member of the Board of Trustees, Philipp works on a pro bono basis for various charitable projects.

Rechtsanwälte Lennert Partners

Lettstrasse 37, 9490 Vaduz, Liechtenstein
Tel: +423 231 13 03
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Security Token Offering for Fundraising and Assets Tokenisation under Liechtenstein Blockchain Act

by Yanina Petrovskaya, Alexander Yudovich, and Philipp Lennert, Rechtsanwälte Lennert Partners.

After over 80% of unregulated initial coin offerings (ICOs) turned out to be scams, regulated security token offerings (STOs) became more popular. It turned out that almost every asset can be linked with token as entry in a decentralised register which leads to the appearance of security token, tokenised or digital security.

Security tokens, together with cryptocurrencies, are a fairly new topic in financial market reality and law. The potential of the security tokens or assets tokenisation markets is claimed to be worth billions. In 2018-19 we have seen the rise of security token offering both as a method of fundraising and an attempt to make some illiquid assets such as real estate more liquid. Global STO research with statistics was provided by a swiss tokenisation platform Blockstate, which can be used as illustration for the above statements.

Switzerland and Liechtenstein, as countries with reputable financial markets, recognised the potential of asset tokenisation for their financial market early in its development, and have done much work to provide relevant legal frameworks. In 2018-2019 around fifteen STOs were conducted in Switzerland and around seven in Liechtenstein. The Principality of Liechtenstein as possible jurisdiction for initial coin offerings (ICO) and blockchain projects in general got on the radars together with Switzerland as it published ICO fact sheet in 2017. 

One of the first prospectuses on security token issue in Europe was approved by regulators starting from August 2018, ie, prospectus of the NEON Exchange by Financial Market Authority (FMA) Liechtenstein.

Also the “Alpine Malta” attracted attention of the international and especially European crypto-community, when it announced to be one of the first countries in the world to adopt a special legislation on blockchain namely the Token and TT Service Provider Act (Token and Trustworthy Technology Service Provider Act, TVTG, Blockchain Act), also called the Liechtenstein Blockchain Act, which has been enforced from the beginning of 2020, creating one of the world’s first safe and regulated environment for token related services.

This forward-thinking act creates legal security and trust for blockchain service providers as well as protects investors from fraud. The Liechtenstein Blockchain Act serves as an optimal environment for established companies as well as start-ups and investors to take their businesses to the next level by creating an excellent, innovation-friendly and technology-neutral framework.

Unique Civil Law for Tokens

The Liechtenstein Blockchain Act seems to be quite a unique regulation giving first the civil law definition for token, blockchain and blockchain transactions.

The law uses the term "Trustworthy Technology" (or TT) for blockchain and possible future technologies. These are technologies through which the integrity of tokens, the clear assignment of tokens to TT Identifiers and the disposal of tokens is ensured. A TT identifier allows for the clear assignment of Tokens ("public key"), whereas a TT key allows for disposal of Tokens ("private key").

A token container model was developed alongside the Blockchain Act, meaning a token can represent rights to all possible assets.

A “token” is a piece of information on a TT System which can represent claims or rights of memberships against a person, rights to property, or other absolute or relative rights, and is assigned to one or more TT Identifiers.

Key points for effective transfer of tokenised assets are:

  • the holder of the private keys has right of disposal (Verfügungsgewalt) over the token; 
  • they are presumed to be the authorised person with “proprietor’s rights” (Verfügungsberechtigte) over the token; and
  • the disposal over the token effects the disposal over the right represented by the token.

Security Tokens from a Legal Perspective

Though when introducing token container model the government wanted specifically not to provide any classifications of tokens, the classical swiss classification from FINMA ICO Guidelines should be mentioned.

FINMA introduced ICO guidelines with major simplified classification of tokens based on its content for the sole purpose of financial market law:

  • utility tokens;
  • security or asset tokens; and
  • payment tokens.

Utility token's give access to services or infrastructure also used for crowdfunding, as donations more known as initial coin offering (ICO) (ie, Bluenote, Smart Valor, Tezos, Ubex etc). Security or asset tokens represent shares in a company, claim or financial instrument (Mt Pelerin, Healthbank, Nexo, HYGH, BlockState, Swiss Alps Mining, eLocations, BlueShare etc). Payment tokens function as a means of payment (Bitcoin, Ether, Ducascopy etc).

A more detailed classification is to be found in the Conceptual Framework for Legal and Risk Assessment of Crypto Tokens ("BCP Framework").

Intense discussions took place in Liechtenstein and Switzerland regarding the legal nature of security tokens. In conclusion, the Liechtenstein government proposed to include uncertified security (or book-entry security) with all the functions of a traditional security of public faith with new articles in Final Part of the Persons and Company’s law (PGR).

The basis of a genuine book-entry security is an electronic register in which both the issue and the transfer of book-entry securities must be recorded. At the same time, Section 81a, Final Part PGR, creates a new interface between the TVTG and securities law. Because the value right register can also be kept on the basis of a blockchain or TT system, such systems are particularly suitable for this purpose because they enable a clear and seamless assignment of legal title to each book-entry security and cannot be manipulated.

Consequently, the issuing of securities and the clearing and settlement of securities transactions on TT Systems are considered to be one of the key potential applications for TT technologies.

Behind the security token could be various types of traditional securities, such as registered shares, participation certificates or profit participation certificates (Swiss and Liechtenstein equivalents of non-voting shares), bonds, collective investment scheme shares and also new uncertificated securities which could be created using tokenisation, ie, derivatives as rights to future income, rights to future commissions (Neon/Nash exchange), derivative security with features of a structured bond (Crowdli project about real estate investments), etc.

Asset tokenisation models for real estate as well as for other illiquid and quite expensive assets such as collectable cars, art objects, precious metals and stones can look as follows:

  • Tokenisation of bonds;
  • Tokenisation of company equity;
  • Tokenisation of collective investment scheme shares;
  • Tokenisation of co-ownership in a specific object;
  • Tokenisation of future revenue streams etc.

Conclusions

Liechtenstein has paved the way for blockchain with the ICO fact sheet, the first security token prospectus registered in Europe and with numerous drafts of the Blockchain Act, which has now been in force since the beginning of 2020. It is a unique legislation for tokens, asset tokenisation and security tokens, and provides legal certainty for international projects looking for fundraising or more liquidity for existing assets and their investors. Part two of this article focuses on the security token offering requirements in Liechtenstein.

Risks related to application of blockchain technology are mostly in relation to the technology itself, the lack of security tokens trading platforms and the globally fragmented regulations.

Though potential risks of technological and economic nature exist, the potential of tokenisation to transform the assets world is quite large. For now, the market remains in its early stages, with the lack of secondary market holding back the development. Overall, only the application of the new regulations in the real world will provide proof of the success of the regulators approach.


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Yanina Petrovskaya is an experienced adviser to blockchain projects with over eight years of international legal consulting experience. Coming from an international consultancy background, Yanina used to work as head of compliance in a fund management company before joining RLP Lawyers as of counsel. Yanina is a speaker at international blockchain events such as Blockchain Leadership Summit, Blockchain and Bitcoin Conference, Axess Think Tank, St. Moritz Institutional Investors Summit, etc, as well as partner and lecturer of the supplementary education program Blockchain Lawyers (BCL).

Alexander Yudovich has a field of activity that includes advising private individuals and international companies on all aspects of Russian and international tax law. With over ten years of consulting experience with international law firms in Germany and Russia, he is particularly appreciated by his clients for his cross-border competence in Russia and the CIS issues. As head of tax of a large German law firm in Moscow, he has supported several international business projects from a tax perspective. Alexander sees himself as a problem solver and an international legal intermediary for the goals of his clients.

Philipp Lennert counsels entrepreneurs in questions of international asset succession planning, tax optimisation and asset protection. As a qualified trustee expert, he advises non-profit foundations and their beneficiaries in DACH LI. The focus is on the planning and implementation of structural measures in coordination with the responsible supervisory authorities and the financial administration in Liechtenstein and abroad. As a member of the Board of Trustees, Philipp works on a pro bono basis for various charitable projects.

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Nachhaltigkeit und verbundene Risiken im Finanzsektor Luxemburgs

von Mevlüde-Aysun Tokbag und Fabian Frankus, beide Wildgen S.A.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bekannt und führen unter anderem zu „Fridays for Future“ und zur Thematisierung auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Wie aber wirkt sich das auf den Finanzsektor aus?

Die so oft kritisierte Finanzindustrie, die von Gesetzes wegen zu einer ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation und einem angemessenen Risikomanagementsystem verpflichtet ist, kann sich diesem Aufruf zu mehr Nachhaltigkeit nicht mehr entziehen und will dies offenbar auch nicht. Die Einbeziehung der Nachhaltigkeit und der damit verbundenen Risiken in den Finanzsektor spiegeln den gesellschaftlichen Wandel wider, wobei der Finanzsektor an den zum Teil selbst festgelegten Zielen gemessen werden wird.

Nachhaltigkeit – Begriff und Bedarf

Der Begriff Nachhaltigkeit als solcher ist nicht unbekannt und jeder wird sich hiermit in Bezug auf sein eigenes Handeln bereits auseinandergesetzt haben. Unternehmensbezogen versteht man unter Nachhaltigkeit, im Sinne von Environmental, Social and Governance („ESG“), ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen und der unternehmerischen Praxis ökologische und sozialgesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet bzw. bewertet werden. In anderen Worten: Wie können Gewinne umwelt- und sozialverträglich erwirtschaftet werden? Für die Finanzindustrie stellt sich daher die Frage, wie sie ESG-konform, d.h. verantwortungsvoll, investieren kann.

Diese Frage ist mangels einer einheitlichen Definition von ESG keine einfache und wird daher durch die einzelnen Akteure des Finanzsektors sehr unterschiedlich beantwortet. Dies ist auch der Weite der einzelnen unter ESG zusammengefassten Themen geschuldet, denn ESG meint nicht nur Umweltthemen, wie den Klimawandel, sondern umfasst auch Arbeitsbedingungen in Unternehmen und Unternehmensführung. So ist das Ergebnis einer Bestandsaufnahme der Fondsindustrie nicht überraschend. Es gibt eine Vielzahl an Fonds, die sich selbst als ESG-konform, grün, nachhaltig o.ä. bezeichnen. Oftmals werden hierbei zwar einzelne ESG-Faktoren berücksichtigt, aber das Prädikat „nachhaltig“ kann nicht vergeben werden. Dennoch ist es wichtig festzustellen, dass sich die Finanzindustrie dieses Themas bereits seit längerem angenommen hat.

Indes ist das gestiegene Bewusstsein für ESG innerhalb der Finanzindustrie nicht nur dem Verständnis von der eigenen Verantwortung geschuldet, sondern vielmehr ein Selbstzweck. Der gesellschaftliche Wandel und das Bewusstsein für ESG, das hiermit einhergeht, haben einen „neuen“ Anlegertypus geschaffen. Diese „neue“ Art von Anlegern bevorzugt es, in ESG-konforme Anlagen zu investieren, die sich an ihren ethischen Vorstellungen von nachhaltigen Investitionen orientieren. Daher ist es für die Finanzindustrie eine neue Herausforderung, diese Anleger für sich zu gewinnen und folglich die gewohnten Pfade zu verlassen. Dass diese Anleger oftmals bereit sind, eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen, wenn sie sich über die ESG-Konformität sicher sind, ist nur ein schwacher Trost, denn Anleger erwarten Rendite. Rendite ist auch auf ESG-konforme Weise zu erreichen und diejenigen Akteure, die sich diesem Thema bereits widmen, scheinen sich einen Vorteil zu Ihrer Konkurrenz – nicht nur im Werben um Investoren – zu erarbeiten, in dem sie einen sich verändernden gesetzlichen Rahmen antizipieren.

Rechtsrahmen in Luxemburg

Derzeit ist es jedoch nicht gewährleistet, dass ESG-Investitionen tatsächlich nachhaltig sind, auch wenn die diversen Akteure des luxemburgischen Finanzsektors den für sie geltenden gesetzlichen Bestimmungen, die unter anderem im allgemeinen Sinne, eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation und ein angemessenes Risikomanagementsystem vorschreiben, unterliegen. Denn bis dato besteht in Luxemburg „lediglich” eine Pflicht für die Akteure des Finanzsektors, alle wesentlichen Risiken zu identifizieren, zu bewerten, zu überwachen, zu steuern und zu kommunizieren. Die Nachhaltigkeitsrisiken im ESG-Sinne sind jedoch aufgrund eines bisher fehlenden Rechtsrahmens (noch) nicht zu berücksichtigen, auch wenn diese bereits auf die bekannten Risikoarten einwirken. Dementsprechend erfolgt auch keine nachhaltigkeitsbezogene Beaufsichtigung solcher Anlagen.

In Bezug auf die Nachhaltigkeitsrisiken und die von den Akteuren durchzuführenden Risikoidentifikations-, Risikosteuerungs- und Risikocontrolling-Prozesse bedeutet dies konkret, dass zum Beispiel Kreditrisiken (Geschäftsmodell des Kreditnehmers wird durch Nachhaltigkeitsrisiken beeinflusst), Marktrisiken (Marktstimmung führt aufgrund regulatorischer Maßnahmen zu Abwertungen), Liquiditätsrisiken (zwingende Veräußerung von Aktiva nach massiven Geldabfluss zur Schadensbeseitigung nach Naturkatastrophen), versicherungstechnische Risiken etc. unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsrisiken neu bewertet werden müssen, um ESG-konform zu sein und in der Folge neue Anleger für sich zu gewinnen.

Derzeitige Marktpraxis in Luxemburg

Im luxemburgischen Finanzsektor sind die Begriffe „Nachhaltigkeit“ bzw. ESG, wie bereits gesagt, nicht unbekannt, trotz eines mangelnden Rechtsrahmens.

So hat die Luxemburger Börse bereits im Jahre 2016 die erste globale Plattform für grüne, sozial verantwortliche und nachhaltige Wertpapiere gegründet: Die Luxembourg Green Exchange. Dies bedeutet, dass an der luxemburgischen Börse grüne, soziale oder nachhaltige Wertpapiere gehandelt werden können.

Auch können in Luxemburg Fondspromoter bereits seit 2016 ein Anlagekennzeichnungssystem nutzen, mit dem sie ein für Investoren sichtbares Zeichen für nachhaltige und transparente Anlagen setzen. Die beiden in diesem Bereich relevanten staatlichen Labels des LuxFLAG-Anlagekennzeichnungssystem sind das Climate Finance Label und das ESG Label. Mit dem Climate Finance Label wird den Investoren versichert, dass ein Fonds mindestens 75% seines Gesamtvermögens in direktem Zusammenhang mit dem Klimaschutz und/oder der Anpassung an den Klimawandel investiert. Mit dem ESG Label wird den Investoren die Gewissheit gegeben, dass ein Fonds sein Vermögen während des gesamten Anlageprozesses tatsächlich unter Berücksichtigung von ESG–Aspekten anlegt.

Als Beispiel für diesen in Luxemburg bereits etablierten Markt, können verschiedene Produkte von Bankhäusern wie auch anderen Institutionellen genannt werden.

Ein sich wandelnder Markt bedarf eines geänderten Rechtsrahmens

Die Bedürfnisse der Investoren erfordern einen klaren Rechtsrahmen.

Wie so oft ist es die EU-Gesetzgebung, die einen solchen Rahmen schafft. In Bezug auf die Nachhaltigkeit im Finanzsektor sind es vor allen Dingen zwei Verordnungen, die diesen Zusammenhang berücksichtigen. Zum einen die Verordnung (EU) 2019/2089 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 zur Änderung der Verordnung (EU) 2016/1011 hinsichtlich EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel, hinsichtlich auf das Übereinkommen von Paris abgestimmter EU-Referenzwerte sowie hinsichtlich nachhaltigkeitsbezogener Offenlegungen für Referenzwerte (die “ESG-Referenzwerteverordnung”). Zum anderen die Verordnung (EU) 2019/2088 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (die “Verordnung”).

Durch die Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2016 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden, und zur Änderung der Richtlinien 2008/48/EG und 2014/17/EU sowie der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 (die „Referenzwerteverordnung“) wurde ein gemeinsamer Rahmen zur Sicherstellung der Genauigkeit und Integrität von Indizes eingeführt, die als Referenzwert bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten oder zur Messung der Wertentwicklung von Investmentfonds in der EU verwendet werden (Artikel 1 der Referenzwerteverordnung).

Wie der vollständige Name der Referenzwerteverordnung (siehe vorherigen Absatz) erahnen lässt, gelten Indizes, welche bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten oder zur Messung der Wertentwicklung von Investmentfonds in der EU verwendet werden, als Referenzwerte. Unter der Referenzwerteverordnung gilt jede Zahl als Index, (i) die veröffentlicht oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, (ii) ganz oder teilweise, durch Anwendung einer Formel oder einer anderen Berechnungsmethode oder durch Bewertung bestimmt wird und (iii) auf der Grundlage eines Wertes oder mehrerer Basispreise, einschließlich geschätzter Preise, tatsächlicher oder geschätzter Zinssätze, Quotierungen und verbindlicher Quotierungen oder sonstiger Werte oder Erhebungen erfolgt. Die Referenzwerteverordnung hatte – nicht nur, aber auch in Anbetracht der Skandale um die Referenzwerte LIBOR und EURIBOR – zum Ziel, einen präventiven Regulierungsrahmen zu schaffen, Interessenkonflikte und Manipulationsspielräume bei der Bereitstellung von Referenzwerten zu vermeiden und die Ermittlung von Referenzwerten transparenter zu machen. An dieser Stelle kann darauf hingewiesen werden, dass der LIBOR zum Jahreswechsel 2021/2022 eingestellt wird.

Die ESG-Referenzwerteverordnung verfolgt die gleichen oben genannten Ziele der Referenzwerteverordnung und ergänzt diese um ESG-Kriterien.

Bezogen auf die Referenzwerte ändert die ESG-Referenzwerteverordnung die Referenzwerteverordnung insofern ab, als dass sie EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel, hinsichtlich auf das Übereinkommen von Paris abgestimmter EU-Referenzwerte sowie hinsichtlich nachhaltigkeitsbezogener Offenlegungen für Referenzwerte, einführt. Diese Änderungen wurden notwendig, um einen harmonisierten Rahmen zur Sicherstellung der Genauigkeit und Integrität der wichtigsten Kategorien von Referenzwerten für CO2-arme Investitionen zu schaffen und um hierdurch das reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes zu gewährleisten. In anderen Worten: Durch die Änderungen der Referenzwerteverordnung wird ein Regulierungsrahmen eingeführt, in dem auf EU-Ebene Mindestanforderungen an EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte festgelegt werden.

Somit enthält die Referenzwerteverordnung (durch die ESG-Referenzwerteverordnung) nunmehr auch ESG-Kriterien für Finanzinstrumente. Die neuen Bezeichnungen „EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel“ und „Paris-abgestimmter EU-Referenzwert“ sind für Anleger in der gesamten EU leicht erkennbar und verlässlich, da nur Administratoren, die die Anforderungen der Referenzwerteverordnung erfüllen, diese Bezeichnungen bei der Vermarktung von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten in der EU verwenden dürfen. An dieser Stelle darf auf unseren Artikel über eine die Referenzwerte betreffende Mitteilung der CSSF verwiesen werden.

Die Verordnung dagegen richtet sich an die in Artikel 2 Nr. 1 der Verordnung aufgeführten Finanzmarktteilnehmer. Mit dieser Verordnung werden harmonisierte Vorschriften für Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater über Transparenz bei der Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken und der Berücksichtigung nachteiliger Nachhaltigkeitsauswirkungen in ihren Prozessen und bei der Bereitstellung von Informationen über die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten festgelegt (Artikel 1 der Verordnung).

Diese beiden Verordnungen finden – so wie es ihnen eigen ist – unmittelbare Anwendung in den Mitgliedsstaaten der EU, sodass die hierin festgehaltenen Pflichten durch die betroffenen Akteure und für die Instrumente auch in Luxemburg zwingend sind. Angemerkt sei jedoch, dass die Verordnung erst ab dem 10. März 2021 gilt, wobei die Referenzwerteverordnung seit dem 10.Dezember 2019 Anwendung findet.

Konkret bedeutet dies in Bezug auf die Transparenzpflichten der Verordnung, dass die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsrisiken die Transparenzanforderungen erhöhen. So enthält die Verordnung Transparenzbestimmungen zu

  • den Strategien für den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken,
  • den nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen auf Ebene des Unternehmens,
  • der Vergütungspolitik im Zusammenhang mit der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken,
  • der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken,
  • den nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen auf Ebene des Finanzprodukts,
  • der Bewerbung ökologischer oder sozialer Merkmale in vorvertraglichen Informationen,
  • der vorvertraglichen Informationen bei nachhaltigen Investitionen,
  • der Bewerbung ökologischer oder sozialer Merkmale und bei nachhaltigen Investitionen auf Internetseiten, und
  • der Bewerbung ökologischer oder sozialer Merkmale und bei nachhaltigen Investitionen in regelmäßigen Berichten.

Den Adressaten der Verordnung wird die Veröffentlichung einer Vielzahl der genannten Punkte betreffenden Information auf ihrer Internetseite vorgeschrieben. Auch müssen in den vorvertraglichen Informationen zusätzliche Erläuterungen mitaufgenommen werden und unter gewissen Umständen müssen auch die regelmäßigen Berichte zusätzliche Angaben enthalten. Ein Mehr, bezogen auf die Instrumente, ist dann bereits durch die Referenzwerteverordnung sichergestellt.

Dieses „Mehr“ an Transparenz seitens der Akteure wird den Anlegern zu Gute kommen, da die Vergleichbarkeit der ESG-Anlagen in der EU vereinfacht wird. Auch wird sich die Spreu vom Weizen trennen, d.h. etwaige schwarze Schafe im derzeitigen ESG-Umfeld werden vom Markt verdrängt werden.

In Luxemburg besteht, wie bereits erwähnt, derzeit (noch) keine national eigene Pflicht zur Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsrisiken, außer den EU-Verordnungen.

Aufgrund dieser europarechtlichen Vorgaben ist jedoch davon auszugehen, dass die lokale Aufsichtsbehörde der Finanzwelt (CSSF) sich bereits dem Thema angenommen hat. Daher dürfte die Veröffentlichung nationaler Bestimmungen oder entsprechender Vorgaben nur eine Frage der Zeit sein.

Vielleicht kann man auch das deutsche Nachbarland als Vorbild nehmen, welches bereits seitens der eigenen Aufsicht (BaFin) entsprechende Vorgaben erst kürzlich herausgegeben hat.

Zu sämtlichen allgemeinen Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Fragen sowie Rechts- und Anwendungsfragen zu den angesprochenen europarechtlichen und nationalen Veröffentlichungen stehen die Autoren Ihnen zur Verfügung.


Der Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 25. März 2020.

Mevlüde-Aysun Tokbag

Mevlüde-Aysun Tokbag ist Partnerin & Rechtsanwältin bei Wildgen S.A. und hat mehr als 10 Jahre Erfahrung im Fonds- sowie Finanzmarktrecht, überwiegend im grenzüberschreitenden Deutsch-Luxemburgischen Rechtsverkehr. Seit 2015 leitet Frau Tokbag auch den kanzleiintern neu gegründeten German Desk und betreut mit ihrem Team, bestehend aus mehreren Rechtsanwälten, vorwiegend deutsche Unternehmen, Versicherungsgesellschaften sowie Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute in ihren luxemburgischen Projekten.

Fabian Frankus

Fabian Frankus ist Associate & Rechtsanwalt bei Wildgen S.A. Als Mitglied des kanzleiinternen German Desk berät er insbesondere deutschsprachige Mandanten bei ihren luxemburgischen Projekten im Bereich Investmentfonds und im Gesellschaftsrecht.