Das nachhaltige Fondsangebot beim Pionier der sozial­ökologischen Banken

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank, der ersten sozial-ökologischen Bank der Welt, aufgebaut. Im Interview mit altii erklärt er, wie die vier Fonds mit 330 Mio. Fondsvolumen sozial-ökologische Wirkung erzielen und zugleich eine marktangemessene Rendite erwirtschaften sollen.

altiiBeschreiben Sie bitte die GLS Bank. Was sind Ihre Ziele und welche Strategie verfolgen Sie und Ihr Bereich? 

Karsten Kührlings: Gegründet 1974 ist die GLS Bank die erste sozial-ökologische Bank der Welt. Wir wollen eine positive Gesellschaftsentwicklung fördern – das haben wir auch in unser Leitbild geschrieben. Dafür bieten wir vielfältige Dienstleistungen und Produkte an: vom Girokonto, über Beteiligungen, Kreditfinanzierung bis hin zu Stiftungsangeboten oder Crowdfunding. Und das alles ausschließlich in Branchen, die unseren sozial-ökologischen Standards entsprechen.

Seit 2013 haben wir ein eigenes Investmentfondsgeschäft aufgebaut, in dem wir derzeit ein Fondsvolumen in Höhe von 330 Mio. Euro verwalten. Dabei übernehmen wir die gesamte Fondsentwicklung und -verwaltung, das Nachhaltigkeitsresearch sowie das Portfolio Advisory unserer Wertpapierfonds. 

Seit 2013 haben wir vier Fonds initiiert, den GLS Bank Aktienfonds (Dezember 2013), den GLS AI – Mikrofinanzfonds (Dezember 2015), den GLS Bank Klimafonds (August 2017) sowie seit Oktober 2018 den B.A.U.M. Fair Future Fonds (Aktienfonds). Darüber hinaus haben wir bereits 2010 die Auflage des FairWorldFonds mitbegleitet, der im vergangenen Jahr die Volumengrenze von 1 Mrd. Euro überschritten hat.

altii: Welche Fondsstrategien haben Sie dazu im Angebot?

Kührlings: Ziel aller Fonds ist es, eine sozial-ökologische Wirkung zu erzielen und zugleich eine marktangemessene Rendite zu erwirtschaften. Wir verfolgen eine langfristig angelegte buy-and-hold-Strategie. Der Portfolioumschlag beträgt zum Beispiel beim Aktienfonds nur rund 20% pro Jahr. Vor jeder Investition schauen wir uns im Detail an, ob der Titel sowohl sozial-ökologisch als auch fundamental attraktiv ist.

Jeder Fonds weist dabei einen klaren inhaltlichen Schwerpunkt auf. Der GLS Bank Aktienfonds investiert in die Nachhaltigkeitsvorreiter weltweit. Der GLS AI – Mikrofinanzfonds verfolgt einen entwicklungspolitischen Ansatz und will die finanzielle Teilhabe von Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern fördern. Mit dem GLS Bank Klimafonds, einem Mischfonds (70% Renten/30% Aktien) wollen wir in Unternehmen und Staaten investieren, die einen nachweislichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Und der B.A.U.M. Fair Future Fonds legt seinen Fokus auf mittelständische Unternehmen mit einem hohen Nachhaltigkeitspotenzial.

altii: Welche Performance haben die GLS-Fonds seit Auflage verzeichnet?

Kührlings: Angesichts des herausfordernden Marktumfeldes haben wir zuletzt sehr konservativ agiert. Wir haben defensive, antizyklische und dividendenstarke Titel übergewichtet sowie eine hohe Cashquote gehalten. Ökonomisch betrachtet haben sich unsere Fonds damit gut geschlagen: Der GLS Bank Aktienfonds hat seit Auflage vor fünf Jahren eine Gesamtperformance von rund 30 % erzielt und dabei eine im Marktdurchschnitt signifikant niedrigere Volatilität aufgewiesen. Er schüttet regelmäßig aus. Der GLS AI – Mikrofinanzfonds liegt seit Auflage Ende 2015 rund 5% im Plus und schüttet ebenfalls aus.

altii: Was zeichnet Sie zum Thema Nachhaltigkeit aus und wie unterscheiden Sie sich von anderen Anbietern?

Kührlings: Bei uns ist Nachhaltigkeit der Kern unserer Geschäftsaktivität. Wir haben keine konventionellen, sondern bieten ausschließlich nachhaltige Fonds an. Was für uns Nachhaltigkeit bedeutet, haben wir in Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen definiert. Potentielle Investments durchlaufen einen strengen, mehrstufigen Prozess, in dem sie auf klar definierte Positiv- und Ausschlusskriterien geprüft werden. Gezielt nehmen wir zudem an Neuemissionen von Green Bonds und Projektanleihen teil, um Kapital direkt den Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Auch dazu haben wir einen eigenen Prüfprozess ins Leben gerufen. Interne Analysten und externe Experten stellen sicher, dass ausschließlich Titel ins Portfolio kommen, die dem GLS Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen. 

Es gibt dabei übrigens kein Schwarz oder Weiß. Wichtig ist die kritische Auseinandersetzung mit jedem Titel. Statt mechanischer Bewertungsschema oder Scoring-Modelle, setzen wir auf Einzelfallentscheidungen. Denn diese bilden die Wirklichkeit viel besser ab. 

altii: Wer sind Ihre aktuellen Investoren und wen wollen sie zukünftig als Investor gewinnen?

Kührlings: Die Anlegerstruktur der Fonds ist sehr granular. Besonders hoch ist die Nachfrage bei den Kunden der GLS Bank. Dabei handelt es sich vor allem um Privatanleger sowie Stiftungen. 

Die positive Entwicklung und kontinuierlichen Zuflüsse unserer Fonds bestärkt uns darin, unsere Angebote einer breiteren Zielgruppe bekannt zu machen. Impact Investing ist das Stichwort. Stiftungen suchen vermehrt nach Investitionsmöglichkeiten, die ihren Werten entsprechen. Und auch andere institutionelle Investoren ziehen ihre Gelder aus z.B. CO2-intensiven Branchen zurück und suchen Alternativen. Möchten sie die Gelder nachhaltig und zudem langfristig anlegen, sind wir ein interessierter Partner. Ebenfalls können wir uns vorstellen, mit Akteuren am Markt zusammenzuarbeiten, die ihr Fondsangebot ernsthaft und bewusst um eine Nachhaltigkeitssparte ergänzen wollen.

altii: Gibt es schon Vehikel und Strategien, die von institutionellen Investoren in Deutschland erworben wurden?

Kührlings: Alle unsere Fondsangebote haben eine Anteilklasse, die sich speziell an institutionelle Anleger richtet und ein attraktives Kostenprofil aufweist. Die Mindestanlage beträgt 200.000 Euro beim Aktienfonds, Klimafonds sowie B.A.U.M. Fair Future Fonds, 500.000 Euro beim Mikrofinanzfonds. Alle unsere Strategien sind auch als Spezialfondsmandat darstellbar.

altii: Wie stehen Sie zum Thema “Greenwashing” und wie schützen Sie die Investoren davor?

Kührlings: Wir halten dies für eine ernste Gefahr, der sich die Branche stellen muss. Insbesondere den neuesten Trend am Markt, viele ESG-Fonds jetzt in sogenannte SDG- oder Impact-Fonds umzufirmieren, sehen wir kritisch. Aus unserer Sicht ist eine tatsächliche nachhaltige Wirkung häufig sehr schwer festzustellen. Hier kann es zur Irreführung des Anlegers kommen. 

Um sich davor zu schützen, sollte ein Investor die Glaubwürdigkeit der Anbieter hinterfragen: Seit wann beschäftigt sich der Anbieter mit Nachhaltigkeit? Gibt es allgemeine Anlagegrundsätze, z.B. Ausschluss von Waffen oder Tabak? Gelten diese für alle Anlageprodukte? Und natürlich: Wie wichtig ist dem Anbieter Transparenz? Ist der Auswahlprozess nachvollziehbar?

Insbesondere der letzte Punkt ist für uns entscheidend. So machen wir als GLS Bank alle unsere Investments umfassend transparent. Einmal im Jahr veröffentlichen wir für jeden Fonds einen Investitionsbericht, in dem alle Interessierten nachlesen können, aus welchen Gründen wir investiert – oder devestiert - haben. Ebenfalls haben wir als Bank ein Pilotprojekt gestartet, mit dem wir die Wirkung unserer Kreditfinanzierungen und Kapitalanlagen ganzheitlich erfassen wollen.

altii: Was erwarten Sie für die nächsten 12 bis 24 Monate?

Kührlings: So volatil die Kapitalmärkte aus unserer Sicht bleiben werden, so dynamisch wird sich das Feld nachhaltiger Kapitalanlagen entwickeln. Der Druck des Gesetzgebers, Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen, wird für Versicherungen und Pensionsfonds immer größer. Das EU-Ausland ist dabei häufig schon mehrere Schritte weiter als wir. 

Jeder institutionelle Investor muss sich in Zukunft daher nicht mehr die Frage stellen, ob Nachhaltigkeit wichtig ist, sondern wie er sie am besten umsetzt. Will er die höchsten sozialen und ökologischen Risiken lindern, um Ruf- und Performanceschäden vorzubeugen? Oder will er eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen, die glaubwürdig ist und eine positive Rendite bringt? Für die zweite Wahl haben wir ein gutes Angebot.

altii: Danke für das Interview.


Über Karsten Kührlings

Karsten Kührlings hat in den vergangenen fünf Jahren das Investmentfondsgeschäft der GLS Bank aufgebaut. Der gelernte Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2013 bei der GLS Bank tätig. Zuvor hat er bei der Sparkasse Mülheim das Wertpapiergeschäft geleitet. Er sitzt in mehreren Gremien (Anlageausschüssen) und ist Vorsitzender des Verwaltungsrates des GLS AI – Mikrofinanzfonds. Herrn Kührlings finden Sie auf Xing und LinkedIn.

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Die Genossenschaftsbank mit Sitz in Bochum finanziert und investiert nur in sozial-ökologische Unternehmen. Ihre Geschäfte macht sie umfassend transparent. Im Investmentfondsgeschäft bietet sie drei eigene Fonds im Gesamtvolumen von mehr als 300 Mio. Euro sowie zwei Partnerfonds (B.A.U.M. Fair Future Fonds und FairWorldFonds) an.

Kontakt

Karsten Kührlings
+49 234 5797 100
investmentfonds@gls.de
www.gls-fonds.de