The added value of systematic decisions

Scientists have long known that models perform better than expert decisions in many areas. This article describes excerpts from the exciting history of this finding, explains the advantages of systematic decisions, and explains why quantitative models have not yet become widely accepted.

Der Mehrwert systematischer Entscheidungen

Wissenschaftler wissen schon lange, dass Modelle in vielen Bereich besser performen als die Entscheidungen von Experten. Dieser Artikel beschreibt Auszüge aus der spannenden Historie dieser Erkenntnis, erklärt die Vorteile systematischer Entscheidungen und geht darauf ein, warum sich quantitative Modelle trotz allem noch nicht in der Breite durchgesetzt haben.

Der CO2-Preis: Unverzichtbares Mittel im Kampf gegen die Klimakrise

von Mag. Wolfgang Pinner, Leiter Corporate Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Die sich immer schneller verschärfende Klimakrise hat weltweit enorme ökonomische, soziale und ökologische Schäden zur Folge. Die Verursacher oder Emittenten von Treibhausgasen werden in der Regel nicht für die Beseitigung dieser Schäden herangezogen. Eine Bepreisung von CO2 und anderen Treibhausgasen kann – richtig angesetzt – einen erheblichen Lenkungseffekt zur Reduktion der Emissionen entfalten.

Der sogenannte CO2-Preis ist ein für Emissionen von Kohlenstoffdioxid zu entrichtender Preis mit dem Ziel, externe und damit für die Gesellschaft insgesamt entstehende Kosten der Kohlendioxidfreisetzung dem Verursacher zuzurechnen (zu internalisieren). Damit werden die Risiken der globalen Erderwärmung zumindest teilweise berechenbar gemacht. Nicht vergessen werden darf, dass neben dem Thema Treibhausgase auch noch eine Vielzahl anderer, derzeit externalisierter Kosten im Zusammenhang mit Energieproduktion existieren, z. B. Umweltzerstörung und -verschmutzung durch Nuklearenergie.

Während im Zusammenhang mit dem Thema Treibhausgase oft vereinfacht von CO2-Emissionen die Rede ist, ist tatsächlich eine ganze Reihe von langlebigen Treibhausgasen in Berechnungen miteinzubeziehen, unter anderem Methan und Lachgas. Diese Gase weisen ein unterschiedliches Treibhausgaspotenzial oder CO2-Äquivalent auf. Darunter versteht man den relativen Beitrag zum Treibhauseffekt, also wie viel ein Treibhausgas im Vergleich zur entsprechenden Menge CO2 zur globalen Erwärmung beiträgt. Das CO2-Äquivalent beträgt beispielsweise für Methan 21, was bedeutet, dass ein Kilogramm Methan innerhalb der ersten 100 Jahre nach Freisetzung 21-mal so stark zum Treibhausgaseffekt beiträgt wie ein Kilogramm CO2.

Modelle der CO2-Bepreisung

Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten einer Ausgestaltung von CO2-Preisen:

  • Die erste Möglichkeit stellt ein Zertifikatehandel wie der existierende europäische Emissionshandel (EU ETS) dar. In diesem System entsteht ein CO2-Preis, weil Unternehmen, welche Emissionen ausstoßen, Zertifikate vorweisen müssen und diese handelbar sind. Im Emissionshandel ist die Menge der CO2-Emissionen begrenzt, der Preis variabel.
  • Die Alternative ist die direkte Festsetzung eines Preises. Möglichkeiten hierfür sind eine CO2-Steuer oder CO2-Abgabe.

Mit der Einführung eines CO2-Preises können CO2-Emissionen tatsächlich reduziert werden. Höhere Preise für klimaschädliche Güter führen zu einer geringeren Nachfrage oder zu einer sparsameren Verwendung. Alternativen wie die Entwicklung neuer, emissionsarmer und klimafreundlicher Produkte werden wirtschaftlicher. Mittels einer CO2-Bepreisung setzt Klimaschutz dort an, wo er am kostengünstigsten ist. Der Lenkungseffekt erfolgt über die Emissionsmenge oder den Emissionspreis. Die Alternative und in manchen Fällen als ergänzende Maßnahmen geeignet sind ordnungsrechtliche Maßnahmen wie ein Kohleausstieg oder Verbote von besonders klimaschädlichen Produkten. Der CO2-Preis basiert auf dem Verursacherprinzip – wer einen Schaden verursacht, der sollte auch dafür aufkommen.

Im übertragenen Sinn ist er eine „Abfallgebühr“ für das Deponieren von Treibhausgasen in der „atmosphärischen Müllhalde“. Einerseits werden Unternehmen dazu motiviert, emissionsärmer zu produzieren bzw. Produkte oder Wohnraum mit höherer Energieeffizienz auf den Markt zu bringen, andererseits werden Verbraucherinnen und Verbraucher in die Verantwortung genommen und zu Verhaltensänderungen angeregt.

Was die Höhe des CO2-Preises betrifft, so bieten Einschätzungen der gesellschaftlichen Kosten von CO2-Emissionen eine Orientierungshilfe. Das deutsche Umweltbundesamt schätzt aktuell, dass eine in Deutschland ausgestoßene Tonne CO2 etwa 180 Euro (rund 205 US-Dollar) an Schäden für Mensch und Umwelt verursacht. Höhere Bepreisungen beruhen auf neuen empirischen Einsichten zu wirtschaftlichen Produktivitätsverlusten bei hohen Temperaturen und auf robusteren Modellen zur Einschätzung, wie hoch CO2-Preise sein müssten, um einen globalen Temperaturanstieg unter der Marke von 1,5 Grad zu halten.

Auf globaler Ebene gibt es bereits eine Vielzahl von CO2-Preisen. Gemäß dem jährlich erscheinenden Weltbank-Bericht „State and Trends of Carbon Pricing“ waren 2020 weltweit 61 Systeme einer CO2-Bepreisung in Kraft oder vor ihrer Einführung. 31 Emissionshandelssysteme standen 30 CO2-Steuer-Modelle gegenüber. Betroffen sind unterschiedliche Regionen wie Chile, Kalifornien, Neuseeland, Norwegen, Südkorea und Südafrika. Mittlerweile hebt auch eine Reihe von EU-Mitgliedstaaten CO2-Steuern ein. Ihre Höhe bewegt sich nach Zahlen der Weltbank zwischen zwölf Euro pro Tonne CO2-Äquivalent in Lettland und 118 Euro in Schweden. In vielen Ländern existieren direkte Steuern oder andere Formen von Abgaben auf den Ausstoß von Treibhausgasen sowie Steuern auf die Nutzung von Kraft- und Brennstoffen, die oft nach den Emissionen beim Verbrauch eines Liters respektive einer Tonne Kraft- oder Brennstoff bemessen werden. Zusammengerechnet decken diese CO2-Preise aber lediglich rund 20 % der globalen Emissionen ab. Darüber hinaus ist die Höhe der Preise meist zu niedrig, um eine angemessene Wirkung entfalten zu können. Auf der anderen Seite werden fossile Energieträger in vielen Ländern und Regionen noch stark subventioniert.

Soziale Gerechtigkeit

Ohne Abfederungsmaßnahmen belastet ein CO2-Preis Haushalte mit niedrigen Einkommen überdurchschnittlich. Im Rahmen der Einführung eines CO2-Preises gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie dieser Preis zumindest verteilungsneutral oder sogar zum Vorteil von Haushalten mit niedrigen Einkommen ausfallen könnte. CO2-Preise resultieren in Preiserhöhungen von emissionsintensiven Gütern und Dienstleistungen, wie beispielsweise dem Betrieb großer Autos oder alter Heizungen. Haushalte mit niedrigen Einkommen geben in der Regel relativ zu ihrem Einkommen gesehen mehr Geld für diese Güter und Dienstleistungen aus. Absolut gesehen sind aber die Ausgaben reicher Haushalte höher. Die reale Auswirkung eines hohen CO2-Preises auf unterschiedliche Einkommensklassen hängt vor allem davon ab, was mit den Einnahmen aus dem CO2-Preis passiert. Die Auszahlung einer jährlichen Pro-Kopf-Pauschale oder „Klimaprämie“ ist eine Option, bei der die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung an die Konsumenten und Konsumentinnen zurückfließen. Eine andere ist die Möglichkeit der Absenkung von Steuern, die einkommensschwache Haushalte belasten. Auf diese Art erhalten Haushalte mit niedrigen Einkommen (mehr) zurück, als sie bezahlen.

Ein Argument gegen einen nationalen CO2-Preis ist die Befürchtung, dass es zu einer Verschiebung der Emissionen in andere (ärmere) Länder kommen könnte. Die Verlagerung von energieintensiven Industrien in Länder mit weniger ambitionierten Klimazielen würde zu einer Auslagerung von Emissionen statt einer tatsächlichen Minderung führen. Es gibt allerdings wenig Anzeichen dafür, dass ein solches „Carbon Leakage“ häufig vorkommt. Ein Grund dafür ist, dass Energie meist nur für einen relativ geringen Teil der Gesamtkosten verantwortlich ist. Ausnahmen könnten allerdings einzelne energieintensive und stark gehandelte Industrien bzw. Güter, wie beispielsweise Stahl, Aluminium, Chemieprodukte oder Zement, sein. In diesem Zusammenhang ist die in der EU bereits praktizierte freie Vergabe von Emissionsrechten für Firmen mit hohem Risiko von Carbon Leakage zu nennen, ebenso wie die Ergänzung des Emissionshandelssystems um konsumbasierte Komponenten und CO2-Zölle für einen eng definierten Kreis energieintensiver Industrien.

Unternehmen sind initiativ

Auf Unternehmensebene steigt die Anzahl der Betriebe immer mehr an, die auf einen internen Preis auf CO2 setzen. Das Ziel ist, sich strategisch auf eine kohlenstoffarme Welt vorzubereiten. Die Entwicklung hin zu immer mehr staatlichen und überstaatlichen Initiativen zur Besteuerung von Emissionen, auf Basis von Emissions-Handelssystemen oder direkten CO2-Steuern, macht hohe Emissionen für Unternehmen zunehmend zu einem Risikofaktor. Das Drohpotenzial besteht in zusätzlichen Kosten, die in Zukunft direkt – wie durch Steuern – oder indirekt – wie auf Basis eines veränderten Verbraucherverhaltens – entstehen.

Mit Hilfe eines internen CO2-Preises können mit Emissionen verbundene Risiken quantifiziert werden und strategische Entscheidungen bereits heute so ausgerichtet werden, dass Risiken reduziert werden. Man könnte in gewisser Weise von einer Simulation einer künftigen CO2-Bepreisung sprechen, mit der Unternehmen die Möglichkeit erhalten, Emissionen in monetäre Rechengrößen umzuwandeln.

Unternehmen können das Managementinstrument einer CO2-Bepreisung in unterschiedlicher Weise umsetzen. Zunächst besteht die Möglichkeit einer Einbindung von entweder verschiedenen Unternehmensabteilungen oder die Beschränkung auf die übergeordnete strategische Ebene. Außerdem kann das Unternehmen entweder einen realen internen Fluss von Geldströmen zulassen – eine „interne Emissionssteuer“ festlegen – oder den Preis lediglich zur besseren Entscheidungsfindung theoretisch berechnen – auf Basis eines „Schattenpreises“. In weiterer Folge können die mit den Emissionen verbundenen Kosten vergangen- oder zukunftsbezogen berechnet werden. Die wesentliche Stellschraube dabei ist das angenommene Preisniveau pro Tonne ausgestoßenes CO2.

Die Einführung einer „internen Emissionssteuer“ bei Unternehmen setzt einen fixen Preis pro Tonne CO2 an. Unternehmenseinheiten können entscheiden, ob sie die volle Abgabe zahlen oder durch Emissionsreduzierungen „Steuern“ sparen wollen. Die Einnahmen aus der „Emissionssteuer“ können vom Unternehmen in unterschiedlicher Art und Weise verwendet werden: etwa für interne Umweltschutzprojekte oder -investitionen oder auch für tatsächlich anfallende Emissionskosten. Interne Emissionssteuern führen zu einem direkten und transparenten Anreiz, den CO2-Ausstoß zu senken. Die Wahl des richtigen Preises nimmt bei der Emissionssteuer einen – im Vergleich zum im Folgenden ausgeführten Schattenpreis – noch wichtigeren Platz ein.

Der sogenannte Schattenpreis bildet einen virtuellen Preis als Entscheidungsgrundlage z. B. bei der Produktentwicklung oder bei Investitionsentscheidungen ab. Der Unterschied zu einer internen Emissionssteuer liegt darin, dass beim Konzept der Schattenpreise kein Geld fließt. Weil die Emissions-basierten Kosten die Entscheidungen für Projekte, Produkte oder Dienstleistungen strategisch beeinflussen, erfolgt ein Kostenaufschlag. Das bedeutet, dass ein einheitlicher CO2-Preis respektive eine Preisspanne als ergänzender Kostenfaktor bei der Einschätzung von Investitionen und Risiken angenommen wird. Dadurch werden externe Risiken angemessen in interne Entscheidungen einbezogen, Ziele wie Emissionsreduktion, Energieeinsparung und -effizienz gezielt gefördert und zukünftige Emissionen vermieden. Die Einführung von Schattenpreisen kann für sämtliche Investitionsentscheidungen oder nur für größere Projekte erfolgen. Das Konzept ist relativ einfach umzusetzen und gut verständlich. Eine wichtige Voraussetzung ist auch hier die Verwendung eines realistischen Preises. Schattenpreise führen – auf Basis der Entscheidung für umweltfreundlichere Investitionen – weniger zu kurz- als zu langfristigen Erfolgen in Richtung Klimaschutz.

Das Setzen eines internen CO2-Preises hat für Unternehmen eine Reihe von Vorteilen. Dazu zählen eine Risikoreduktion im Hinblick auf Emissionen, die Integration des Themas Emissionen in die strategische Entscheidungsfindung, das Anstoßen von interner Innovation, eine gute Öffentlichkeitswirksamkeit und die Erfüllung von Vorgaben seitens NGOs, Kunden und Investoren. Aktuellen Erhebungen zufolge haben bereits mehr als 250 Unternehmen in Europa einen internen CO2-Preis regelmäßig auf Basis einer eigenen Klimastrategie eingeführt. Darunter befinden sich sowohl große Konzerne als auch mittlere Betriebe.

Unabhängig davon, welche Herangehensweise gewählt wird, kann ein Lenkungseffekt nur dann zur dringend benötigten Umgestaltung der Wirtschaft führen, wenn die Kosten der globalen Erderwärmung realistisch angesetzt werden. Aus unserer Sicht muss hier sowohl auf staatlicher Ebene als auch von Unternehmensseite rasch gehandelt werden, um das 1,5-Grad-Ziel noch halten zu können.


Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Welche Wirkung hat Mikrofinanzierung auf die Sustainable Development Goals?

Die Sustainable Development Goals (SDGs) erfreuen sich am Kapitalmarkt wachsender Beliebtheit. Auch Mikrofinanzfonds nutzen das Rahmenwerk, um die positive Wirkung ihrer Investitionen darzustellen. Doch welchen Beitrag kann Mikrofinanzierung tatsächlich leisten, um die Welt nachhaltiger zu gestalten? Was sind Potenziale, aber auch Grenzen dieser Art von Anlagen?

Dazu spricht altii mit Rebecca Weber, Co-Teamleiterin Nachhaltigkeitsresearch sowie Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds GLS Investment Management GmbH.

Herr Fritz, Mikrofinanzierung gilt ja als eine klassische Form des Impact Investing. Sogar wird sie explizit in den Sustainable Development Goals genannt, beispielsweise bei SDG 1, Keine Armut. Trägt Mikrofinanzierung aktiv zur Bekämpfung von Armut bei?

Stefan Fritz: Unbestritten ist in den Anfangsjahren der Mikrofinanz, also 1970er Jahren in Bangladesch, dies ein wesentliches Argument für diese damals neue Finanzierungsform gewesen. Auch heute existiert mitunter die Wahrnehmung, dass Mikrofinanz ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Armut sei.

Doch leider ist dies aus wissenschaftlicher Sicht schwer zu belegen. Als wir unseren Mikrofinanzfonds Ende 2015 aufgelegt haben, haben wir eine Studie in Auftrag gegeben, um zu prüfen, was wir mit einem Engagement in diesem Bereich bewirken können.

Die Ergebnisse der Forschung zu Mikrofinanz als Mittel der Armutsbekämpfung waren doch ernüchternd. Systematische Erhebungen, wie Mikrofinanzierung einen positiven Einfluss auf die Einkommensverhältnisse von Kreditnehmer*innen hat, gab es wenige. Wissenschaftliche Instrumente waren nicht ausgereift, Untersuchungsmethoden unterschieden sich, es gab nur sehr wenige so genannte randomisierte Kontrollgruppen, um positive Effekte zu validieren. Es zeigte sich, dass ein anderer Aspekt vordringlich ist.

Und der wäre?

Rebecca Weber: Bevor wir über die positiven Effekte von Mikrofinanz sprechen, ist es entscheidend, dass negative Effekte bestmöglich vermieden werden. Insbesondere müssen die Empfänger der Mikrokredite geschützt werden.

Zunächst geht es also um faire Kreditkonditionen: Wir achten darauf, dass die Kreditkonditionen im lokalen Kontext angemessen sind. Das betrifft sowohl die Höhe der Zinsen als auch die Zahlungsbedingungen.

Sehr wichtig ist dann, eine Überschuldung der Kreditnehmer*innen zu vermeiden. Dazu gibt es ja auch immer wieder kritische Berichte in den Medien, dass Menschen Kredite erhalten, die überhaupt nicht dazu in der Lage sind, die Schuldenlast zu tragen.. Wir verwenden hier den so genannten Mimosa-Score, um den Überschuldungsgrad in klassischen Mikrofinanzländern zu ermitteln oder sind in kritischen Fällen mit NGOs oder Instituten vor Ort aktiv im Dialog.

Wenn all dies sichergestellt wird, wie schaffen Sie dennoch einen positiven Beitrag zu den SDGs?

Stefan Fritz: Bei Mikrofinanzierung geht es um finanzielle Inklusion, also den angemessenen Zugang zu Finanzdienstleistungen für Menschen, die andernfalls keinen Zugang zu diesen Finanzdienstleistungen erhalten würden. Ich möchte dies am Beispiel von Georgian Credit erläutern. Dieses eher kleine Institut in Georgien vergibt Kleinstkredite an Kleinbäuer*innen, die von konventionellen Banken schwerlich Geld erhalten hätten. Mehr noch: Die Kreditkonditionen sind an den Erntezyklen angepasst. Sie müssen die Zinsen also erst nach der Ernte bezahlen. Ebenfalls bietet das Institut eine Versicherung an, welche ihren Kund*innen bei Extremwetter die verlorene Ernte ersetzt. Die Kleinbäuer*innen können somit in finanzieller Sicherheit Gemüse anbauen. Dies zahlt also eher auf Ziel 2, kein Hunger, sowie Ziel 13, Maßnahmen zum Klimaschutz, ein, da es verwundbaren Menschen die Möglichkeit gibt, sich gegen Klimarisiken abzusichern.

Häufig wird auch davon gesprochen, dass Mikrofinanz einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit, sprich SDG 5 leisten kann. Hätten Sie auch dazu ein Beispiel? 

Rebecca Weber: In der Tat beabsichtigen viele Mikrofinanzinstitute eine verbesserte finanzielle Teilhabe von Frauen. Ein gutes Beispiel ist die Small Enterprise Foundation NPC (SEF), eine Nichtregierungsorganisation, die 1992 von John De Wit und Matome Malatji gegründet wurde.

Das Institut ist in Südafrika beheimatet. In Südafrika herrscht keine ausgeprägte Sparkultur wie beispielsweise in vielen westlichen Ländern. Nur ein Drittel der Einwohner zahlt Geld auf Sparkonten ein. Die langfristige Sparquote gehört zu einer der geringsten auf der Welt. Aus diesem Grund bietet die SEF Sparprodukte sowie Trainings in Finanzangelegenheiten und Gleichberechtigung an, und zwar ausschließlich an Gruppen von Frauen in ländlichen Gebieten. Themen sind Sparverhalten, HIV-Prävention oder Geschlechtergerechtigkeit. In der Folge besitzen die finanzierten Frauen finanzielle Möglichkeiten sowie auch ökonomische Bildung, ein erfolgreiches Gewerbe zu betreiben. Dies wiederum stärkt ihre Position in der Familie und Gemeinschaft.

Schulung ist ein gutes Stichwort. Können Mikrofinanzfonds auch selbst mit Maßnahmen vor Ort Kleinstkreditnehmer*innen vor Ort fördern?

Stefan Fritz: Mikrofinanzfonds haben die Möglichkeit, ein Instrument aus der Entwicklungszusammenarbeit zu nutzen, die so genannte Technical Assistance. Dies sind auf maßgeschneiderte Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen, mit denen Mitarbeitende in den Instituten aber auch Kleinstkreditnehmer*innen gefördert werden können.

In vielen Ländern des globalen Südens nutzen Kleinbäuer*innen Pestizide. Alternative Düngemethoden sind ihnen nicht vertraut. Deswegen hat 2020 und 2021 der GLS AI – Mikrofinanzfonds Trainings in Nicaragua,Ecuador und Peru organisiert, mit denen der ökologische Einsatz von Düngemitteln vermittelt wurde. Dabei wurden leicht verständliche Informationsbroschüren erstellt und auch ganz praktisch auf den Feldern erklärt, wie die Düngemittel eingesetzt werden müssen. Diese Maßnahmen haben positive Effekte. Zum einen ermöglichen sie menschenwürdigere Arbeitsbedingungen, dann geringere Gesundheitsrisiken sowie natürlich eine nachhaltigere Feldbewirtschaftung mit geringeren Auswirkungen auf die Biodiversität.

Übersicht: Primärer Beitrag von Mikrofinanz zu den Sustainable Development Goals

 

Das klingt alles nach sehr positiven Maßnahmen und Ideen. Wie weisen Sie nach, dass Sie am Ende auch wirklich etwas bewirken?

Rebecca Weber: Der Begriff Wirkung ist am Kapitalmarkt ja in aller Munde. Umso vorsichtiger sollten wir als Anbieter damit umgehen, um Anleger*innen nicht in die Irre zu führen.

Mikrofinanzfonds sind gewissermaßen ja schon die Vorreiter des Impact Investing. In diesem Feld sind sie Wertpapierfonds doch weit voraus. Trotzdem ist die Wirkungsmessung auch hier eine Herausforderung. Es ist relativ einfach, das Volumen von Krediten zu erfassen und zu berichten oder auch, wieviel Mittel für Technical Assistance aufgewendet werden. Das wäre der Input. Auch lässt sich, häufig durch Schätzungen und Mittelwerte errechnen, wie viele Endkreditnehmer erreicht werden können, wie hoch ihr Sparvolumen ist, oder welche Personengruppe erreicht werden. Diese Output-Indikatoren werden nicht selten als Impact-Indikatoren dargestellt. Doch da endet die Wirkungskette noch lange nicht. 

Es soll ja eine bewusste Veränderung angestoßen werden, z.B. der wirtschaftliche Erfolg der Kreditnehmer, eine Einkommenssteigerung durch Kredite, die Fähigkeit der Kreditnehmer, durch Versicherungen und Sparen auch krisenresistent zu sein, etc. Dies ist der Outcome. Erst wenn dieser ausgelöst wird, dann kann es zu einem Impact kommen. Das Wohlergehen der Kreditnehmer kann durch eine erhöhte Teilhabe und Resilienz erreicht werden.

Die Kernfrage für Anbieter von Mikrofinanzfonds ist somit, wie sie den Outcome gezielt durch Mikrokredite fördern können.

Wie ist ihre Antwort darauf?

Rebecca Weber: Wir bleiben nicht beim Output stehen, sondern bemühen uns darum, durch verschiedene Maßnahmen gezielt auf den Outcome hinzuwirken. Dies nennen wir “Wirkhebel” oder “ermöglichende Faktoren”. Das beginnt damit, dass wir bei der Auswahl der Mikrokredite zusätzliche Positivkriterien anwenden. Wir schauen genau hin, ob die Institute bewusst Versicherungen oder auch Sparangebote im Sortiment haben, ob es Beratungsangebote hat, vor allem für Frauen oder die ländliche Bevölkerung. Ganz wichtig sind hier, ich sprach es eingangs an, die strikte Beachtung von Negativkriterien, also das Vermeiden von Überschuldung, Raubbau an Wäldern, etc. Ein weiterer Punkt sind Lokalwährungskredite, mit denen wir verbesserte Refinanzierungsbedingungen für die Institute vor Ort sicherstellen.

Und wie berichten Sie darüber?

Stefan Fritz: Eine quantitative Darstellung von Indikatoren ist mitunter schwierig, da muss man ehrlich sein. Natürlich stellen wir wie auch unsere Wettbewerber einige Output-Indikatoren in unserem Monatsbericht dar. Darüber hinaus stellen wir qualitativ einzelne Institute sowie Geschichten über Endkreditnehmer*innen in unseren Informationsbroschüren vor.

Zusätzlich berichten wir in unserem Investitionsbericht darüber, wie viele Lokalwährungskredite wir vergeben haben und auf wie viele Positivkriterien die von uns finanzierten Institute einzahlen.

Zum Schluss: Versetzen Sie sich in die Lage eines Anlageberaters bzw. einer Anlageberaterin. Angesichts dieser Informationen, wie empfehlen Sie ihm, das Thema Mikrofinanz Kund*innen zu vermitteln?

Stefan Fritz: Ich würde Anlageberater*innen Folgende 5 Anregungen gerne mitgeben. Zum einen ist Mikrofinanzierung natürlich ein Impact Investing im klassischen Sinne. Das Geld fließt direkt zu den Instituten und dann den Endkreditnehmer*innen. Zum zweiten sollten Anlageberater*innen aufpassen, Mikrofinanz nicht als Mittel zur Armutsbekämpfung darzustellen. Sie sollten besser von finanzieller Teilhabe sprechen. Drittens sollten sie auch darauf hinweisen, wie Anbieter von Mikrofinanzfonds gezielt Schaden abwenden. Viertens sollten sie ehrlich zeigen, welche Wirkung nachweisbar ist – und welche nicht. Die Industrie ist noch am Anfang, die Datenlage schwierig. Ein Beispiel sagt manchmal mehr als 1.000 geschätzte Kennzahlen. Sprechen Sie von SEF oder auch der Schulung zum Umgang mit Düngemitteln. Das macht es für Kundinnen und Kunden erlebbar. Last but not least: lassen sie sich nicht von der Regulatorik verunsichern. Mikrofinanz ist nicht im Visier der Aufsichtsbehörden. Deswegen passen die Gesetzestexte alle nicht so recht auf Mikrofinanzfonds. Sich auf eine Zahl oder einen Artikel 8 oder 9 zu verlassen, könnte trügerisch sein. 

Frau Weber, Herr Fritz, vielen Dank für das Gespräch.


Über Rebecca Weber

Rebecca Paloma Weber ist Co-Leiterin des Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investment Management GmbH. Rebecca Weber ist Expertin für Mikrofinanz und Entwicklungsfinanzierung. Sie ist Vorsitzende des Anlagebeirats des GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds und Mitglied im Kriterienausschuss des Fair World Fonds.

Über Stefan Fritz

Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,2 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 08.10.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Disclaimer

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Alleinige Grundlage für den Kauf von Fondsanteilen sind die Verkaufsunterlagen (die wesentlichen Anlegerinformationen, der aktuelle Verkaufsprospekt inklusive Anlagebedingungen sowie der letztverfügbare Halbjahres- und Jahresbericht). Eine aktuelle Version der Verkaufsunterlagen in deutscher Sprache erhalten Sie kostenlos in Papierfassung bei der Verwahrstelle, der Kapitalverwaltungsgesellschaft sowie im Internet unter www.ipconcept.com und www.gls-investments.de.
Das Investmentvermögen weist ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und garantiert nicht notwendigerweise positive Entwicklungen in der Zukunft.
Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallende Depotkosten vermindern. Hinweise zu Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte den aktuellen Verkaufsunterlagen.

Mikrofinanz und das Ende von „Goldilocks“

von Michael Zink, Chief Customer Officer bei Invest in Visions.

Die Anleger:innen an den globalen Finanzmärkten erfreuten sich in den letzten Jahren am sogenannten „Goldilocks-Szenario“. Ein robustes Wirtschaftswachstum - angetrieben durch billiges Geld, niedrige Zinsen und moderate Inflation - sorgte für Rekorde an den Aktienmärkten und für die längste Hausse der Geschichte am Anleihemarkt. Selbst der Ausbruch der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr konnte dieses perfekte Kapitalmarkt-Szenario nicht nachhaltig brechen. Inzwischen aber scheint sich das Blatt gewendet zu haben: Die Renditen am langen Ende der Zinskurve steigen, die Inflationsraten in den USA und Europa ziehen deutlich an, Lieferengpässe sorgen zunehmend für Produktionseinbrüche und Werkschließungen und die wirtschaftlichen Wachstumsaussichten trüben sich global ein.

Droht Anlegern ein Stagflations-Szenario wie wir es in den 1970er-Jahren erlebt haben?

Ein solches Szenario erinnert an die Zeit der Ölkrise von 1973. Damals sorgten der Ölpreis-Schock und eine massive Abwertung des US-Dollar für einen rapiden Preisanstieg und gleichzeitig steigende Arbeitslosigkeit. Während dieser fast ein Jahrzehnt andauernden Periode der Stagflation waren Investments in Aktien und Anleihen keine gute Entscheidung. Lediglich mit Gold, Öl- und Rohstoffaktien ließen sich damals Kursgewinne realisieren. Auch wenn wir bei Invest in Visions ein langanhaltendes Stagflations-Szenario für die unwahrscheinlichere Variante erachten, sollten Anleger:innen sich über die Auswirkungen eines solchen Umfelds auf ihre Impact-Investitionen im Klaren sein.

Vor 50 Jahren gab es noch keine Mikrofinanzfonds in der uns heute bekannten Form. Dennoch gibt es gute Gründe anzunehmen, dass diese Form des Impact Investments in einer neuen Phase volatiler Märkte zu den stabilsten Anlageformen gehören wird.

Mikrofinanzfonds als attraktive Alternative

Bekanntlich zeichnen sich Mikrofinanzfonds durch eine geringe Korrelation zu anderen Assetklassen (Aktien, Anleihen, Rohstoffen) aus. Sie weisen eine moderate stetige Performance auf, begleitet von niedriger Volatilität und bieten darüber hinaus eine soziale Rendite. Dadurch eignen sie sich ideal zur Portfoliooptimierung. Die folgende Grafik zeigt am Beispiel des IIV Mikrofinanzfonds, wie die Effizienz von gemischten Investmentportfolien aus Aktien- und Anleiheprodukten durch die Beimischung des IIV Mikrofinanzfonds gesteigert wird. Ein solches Portfolio erzielt bei gleichem Risiko eine höhere Rendite bzw. bei gleicher Rendite wird das Portfoliorisiko gesenkt.

Schwankungsarm und Krisenresistent

Ein weiteres Merkmal von Mikrofinanzfonds ist die relative Immunität gegen Schwankungen der Zinskurve. Die durchschnittliche Laufzeit der vergebenen Darlehen im Fonds liegt unter 2 Jahren. Steigende Inflationserwartungen, die sich bei den Renditen am langen Ende der Staatsanleihen-Kurven zunehmend negativ bemerkbar machen, haben nahezu keinen Einfluss auf die durchschnittlich vergebenen Darlehenszinsen an die Mikrofinanzinstitute. Diese liegen im IIV Mikrofinanzfonds seit Jahren stabil bei ca. 6,2% in USD und 4% in EUR.

In der Pandemiephase hat sich bestätigt, dass Mikrofinanz in einer „Parallelwelt“ funktioniert. Es handelt sich größtenteils um Subsistenzwirtschaft (Händler:innen und Kleinfarmer:innen), die von der Welt der Zulieferer und globalen Märkte weitestgehend abgekoppelt ist. Wie die gegenwärtige Krise in Myanmar zeigt, braucht es nicht einmal ein funktionierendes Bankensystem, um die regelkonforme Bedienung der ausgegebenen Darlehen sicherzustellen. Und während in der „entwickelten Welt“ manchmal schon ein (!) querstehendes Schiff am Kanal zu massiven Beeinträchtigungen des Wirtschaftslebens führt, haben die Länder des globalen Südens aufgrund langjähriger und permanenter Krisenerfahrungen eine beachtliche Krisenresistenz entwickelt.

Investor:innen, die angesichts einer möglichen stagflationären Entwicklung ihr Portfolio immunisieren möchten sind gut beraten, die Assetklasse Mikrofinanz in Betracht zu ziehen. Sie stabilisiert das Portfolio, wenn die Kapitalmarkt-Zeiten unruhiger werden. Dass sich neben einer angemessenen finanziellen Rendite auch noch ein messbarer sozialer Ertrag erzielen lässt, macht die Anlage noch attraktiver.


Dieser Beitrag erschien zuerst im Invest In Visions Blog.

Wie ethische Investoren Green Bonds bewerten - Die Sicht der GLS Investments

Nachhaltige Anleihen erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit am Markt. Immer mehr Unternehmen, aber auch supranationale Institutionen oder Staaten begeben Anleihen, mit denen sie ihre Anstrengungen für mehr Klimaschutz oder soziale Gerechtigkeit unterstreichen wollen. Doch Vorsicht ist geboten. Nicht jede Anleihe hält, was sie verspricht. Worauf besonders zu achten ist, verrät Marieke Knußmann, Analystin aus dem Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investment Management GmbH.

Frau Knußmann, die GLS Investment Management investiert über den GLS Bank Klimafonds in den Markt nachhaltiger Anleihen. Aus welchen Gründen sind Sie in dem Markt aktiv?

Wir sind eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der GLS Bank, dem Pionier für sozial-ökologisches Banking in Deutschland. Wir verstehen es als unsere Mission, Kapital dorthin zu lenken, wo es positiv wirkt – sowohl für die Umwelt als auch für die Gesellschaft. Genau dieses Versprechen geben die Emittenten nachhaltiger Anleihen. Die eingeworbenen Mittel fließen in Green Bonds, welche z.B. Erneuerbare Energien oder nachhaltige Mobilität, oder in Social Bonds, welche erschwinglichen Wohnraum finanzieren. Dies sind spannende Projekte, die wir für sehr attraktiv halten.

Wie gehen Sie vor, wenn eine nachhaltige Anleihe an den Markt kommt?

Wir haben intern einen eigenen Prüfprozess bei Anleiheemissionen installiert, der auf mehreren Stufen beruht. In diesem Prozess ist es wichtig, dass sowohl der Emittent als auch die Anleihe nachhaltig ist und unseren strengen Kriterien entspricht. Deswegen prüfen wir bestimmte Standards auf beiden Ebenen ab. Dies sehen wir als Auftrag unserer Kunden. Hier agieren wir aus unserer Sicht strenger als viele Wettbewerber am Markt.

Womit fangen Sie an?

Zunächst schauen wir uns den Emittenten an. Wir wollen verstehen, wie glaubwürdig er ist. Ist Nachhaltigkeit tief im Geschäftsmodell verankert oder ist es doch nur eher ein Werbeinstrument? Wir schauen uns dabei sehr genau an, wie der Emittent wirtschaftet. Wenn wir Umsätze entdecken, die sich aus fossilen Energien, Waffen oder kontroversen Geschäftspraktiken oder gar Kinderarbeit ergeben, dann investieren wir nicht. Erst wenn wir hier sicher sind, dass der Emittent hier nicht aktiv ist, schauen wir uns die Anleihe selbst an.

Welche Kriterien sind bei der Anleihe entscheidend?

Anfangs untersuchen wir, was der Emittent mit den Anleiheerlösen finanzieren möchte. Fließt das Kapital in Projekte, die unserem Nachhaltigkeitsverständnis entsprechen? Bei Green Bonds bevorzugen wir Projekte, die den klimafreundlichen Transport, die Energieeffizienz von Gebäuden oder die Wasseraufbereitung in Emerging Markets unterstützen. Bei sozialen Anleihen orientieren wir uns an den Social Bond Principles der ICMA. Es geht also um bezahlbaren Wohnraum, Mikrofinanzierung oder Nahrungsmittelversorgung. In jüngster Zeit gewinnen aber auch Themen wie Diversität oder Geschlechtergerechtigkeit eine deutlich höhere Bedeutung für uns.

Wenn dies der Fall ist, wie gehen Sie weiter vor?

Wenn wir von den finanzierten Projekten überzeugt sind, prüfen wir die Prozesse und Transparenz des Emittenten. Wir schauen uns sehr genau die Second Party Opinion an. Wir wollen sicher sein, dass es ein ring fencing gibt. Emittenten sollten ein Framework haben, in dem sie ihre Kriterien öffentlich machen. Ebenso wichtig ist, dass Emittenten detailliert ihr Auswahlverfahren für die finanzierten Projekte beschreiben. Wir geben kein Geld in einen Blind Pool.

Damit ist unsere Arbeit nicht zu Ende. Wir schauen uns sehr genau das Impact Reporting an. Wir wollen wissen: Ist das Geld auch wirklich in die Projekte geflossen? Welche positiven Effekte hat die Finanzierung? Wie wurde dies gemessen? Zeigt sich ein zusätzlicher Nutzen?

Dann steht einer Investition nichts mehr im Wege, oder?

Wir sind ein ethischer Investor. Nachhaltigkeit lässt sich nicht nur in Zahlen ausdrücken. Deswegen gehen wir noch einen Schritt weiter: Auch wenn die meisten Vorzeichen gut aussehen, aber wir Bedenken haben, dann haben wir ein Vetorecht eingerichtet. Natürlich müssen Analysten dies begründen. Doch ist es uns wichtig, nicht nur auf kalte Zahlen und Fakten zu vertrauen, sondern auch auf den gesunden Menschenverstand. Es gibt immer tote Winkel, die selbst ein umfangreicher Bewertungsprozess nicht abdecken kann. Diese Bedenken offen äußern zu können, bereichert unsere Arbeit sehr.

Bei Anleiheemissionen muss es schnell gehen. Manchmal fehlt sicherlich die Zeit für eine ausführliche Analyse. Wie überprüfen Sie Ihre Entscheidung?

Ständige Prüfung ist für uns als einer der Qualitätsführer der Branche sehr wichtig. Alle Investitionen, die wir tätigen, lassen wir von unserem GLS Anlageausschuss noch einmal im Nachgang validieren. Der Ausschuss ist ein Entscheidungsgremium aus Nachhaltigkeitsexperten, der sich mehrmals im Jahr trifft. Er schaut noch einmal sehr genau hin, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Dies gibt uns, aber auch unseren Anlegern noch einmal Sicherheit, dass unsere Investments im Einklang mit unserem Nachhaltigkeitsverständnis sind.

Frau Knußmann, vielen Dank für das Gespräch


Marieke Knußmann ist seit Juni 2021 Senior Research Analystin im Nachhaltigkeitsresearch der GLS Investments. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Emittentenprüfung aus den Bereichen Mobilität, Maschinenbau und Elektrotechnik. Zudem ist sie für die Themenbereiche Green Bonds, Monitoring und den Klimafonds zuständig. Nach dem Studium der Politikwissenschaften und Internationalen Studien/Friedens- und Konfliktforschung in Darmstadt, Aberystwyth und Frankfurt am Main arbeitete sie im Sekretariat der Deutschland Extractive Industries Transparency Initiative. Von 2016 bis 2021 war Sie ESG Corporate Rating Analystin bei der Nachhaltigkeitsratingagentur ISS ESG, wo sie für die Branche Aerospace & Defense und das SDG Solutions Assessment zuständig war.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,2 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 08.10.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Das unterschätzte „S“ in ESG

von Johannes Haubrich, Head of Product Management Fixed Income & Equity bei Nordea Investment Funds S.A.

Investitionen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (Environmental, Social and Governance = ESG) sind beliebter denn je. Die verwalteten Vermögenswerte in diesem Segment werden voraussichtlich innerhalb der nächsten vier Jahre USD 53 Bio. erreichen und damit ein Drittel der erwarteten globalen AUM ausmachen1.

Während der ESG-Trend anhält, erweitern die Anleger ihren Horizont über das „E“ hinaus, um auch Faktoren zu berücksichtigen, die in die ‘Kategorie „S“, also den sozialen Bereich, fallen. Dazu gehören Arbeitnehmerrechte und -standards, Gesundheit und Sicherheit, Entwicklung des Humankapitals und Vielfalt – sei es im Hinblick auf Religion, Alter, Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft.

Unternehmen die diesen Aspekten nicht die angemessene Aufmerksamkeit schenken, laufen Gefahr, sich Reputations- und regulatorischen Risiken auszusetzen, die dauerhaften Schaden anrichten und den Aktienwert senken können. Unternehmen mit schwacher Bilanz bei der Einhaltung von Menschenrechten oder Arbeitspraktiken werden wahrscheinlich unter zunehmenden Störungen in der Lieferkette leiden. Das beeinträchtigt die operative Leistung als auch den Ruf der Marke2. Andererseits kann eine Führungsrolle im ESG-Bereich für Aufwärtspotenzial sorgen. Eine wachsende Zahl empirischer Daten deutet darauf hin, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen ESG und der Finanzperformance gibt3.

Soziale Erwägungen sind daher wichtige Faktoren, nicht nur für die Performance von Unternehmen, die dadurch vielfältiger, stabiler und widerstandsfähiger werden, sondern auch für die allgemeine soziale Verbesserung, indem Lieferketten und die Gesellschaft im Ganzen robuster werden.

Die Pandemie macht es deutlich: Soziale Aspekte sind wichtiger denn je

Wenn uns etwas die Bedeutung von sozialer Stabilität und Kohäsion gelehrt hat, dann ist es sicherlich der Ausbruch von Covid-19. Jedes Land, jeder Sektor und jede Einzelperson ist von der Pandemie betroffen. Dies hat die Bedeutung einer genaueren Untersuchung der Nachhaltigkeit globaler Geschäftsmodelle deutlich gemacht. Covid war auch ein guter Lackmustest für Investoren, um zu beurteilen, wie widerstandsfähig Unternehmen angesichts der Krise waren und wie sie auf zukünftige Störungen vorbereitet sind.

ESG-Überlegungen bei Investitionen haben angesichts der anhaltenden Gesundheitskrise eine besondere Bedeutung erlangt. Das Virus hatte einen grundlegenden Einfluss auf die Weltwirtschaft. Die als Reaktion darauf verhängten anfänglichen Lockdowns führten zu einem Einbruch des Ölpreises, einem breit angelegten Ausverkauf von Risikoanlagen und einer beispiellosen Abbremsung der Wirtschaftsleistung. In diesem Umfeld entwickelten sich ESG-Anlagelösungen stark und rückten den Bereich zusätzlich ins Rampenlicht.

Die Pandemie hat nicht nur die sozialen Herausforderungen, denen sich einige Geschäftsmodelle gegenübersehen, besonders deutlich gemacht. Sie hat auch gezeigt, dass die Agilität von Unternehmen, die sich leichter an neue Arbeitsweisen anpassen konnten und deren Geschäftsmodell im Kampf gegen die Herausforderungen der Pandemie gedeihen konnte, von zentraler Bedeutung sind. So war beispielsweise der chinesische E-Health-Anbieter Ping An für die rasant steigende Nachfrage nach seinen Dienstleistungen während der Covid-Pandemie besonders gut aufgestellt. Ping An bietet Online-Gesundheitsdienste an und ermöglicht es Menschen beispielsweise, sich online vom hauseigenen Ärzteteam beraten zu lassen. Mit rund 300 Millionen registrierten Nutzern erreichet der Software-Anbieter rund ein Fünftel der chinesischen Bevölkerung und trägt dazu bei, die medizinische Versorgung in schwer zugänglichen Landesteilen zu verbessern. Mit diesem Geschäftsmodell konnte Ping An in diesen schwierigen Zeiten dazu beitragen, die Belastung von Krankenhäusern zu verringern. Die Zahl der neuen Nutzer auf seiner digitalen Plattform stieg im Januar 2020 um fast 900% gegenüber dem Vormonat.

Langsam aber stetig: Die Verschiebung in Richtung “S”

Neben dem pandemiebedingten Anlegerfokus hat ESG auch innerhalb der Regulierungslandschaft an Bedeutung gewonnen. Dies zeigte sich in Form neuer Anforderungen zur Berichterstattung über bestimmte ESG-Aspekte – einst ausschließlich freiwillig, jetzt jedoch obligatorisch – in vielen Rechtsordnungen, darunter Großbritannien, die EU und Hongkong Kong (und die USA werden wahrscheinlich nachziehen)4.

Die Regulierung zu ESG-Themen hat sich bisher überwiegend auf das „E“ und das „G“ konzentriert – was wir auch in Bezug auf die Verfügbarkeit von Unternehmensdaten sehen. Dies liegt zum Teil daran, dass soziale Fragen etwas schwieriger zu definieren und qualitativ hochwertiger sind. Das zeigt sich auch an der Diskrepanz zwischen den Standards und Ratings, die den Anlegern zwischen „E“, „S“ und „G“’ zur Verfügung stehen. Die Finanz- und Anlagewelt hat eine Reihe von Instrumenten zur Messung und Berichterstattung von Umweltauswirkungen (z.B. CO2-Fußabdruck) identifiziert. Die Sozialberichterstattung hinkt hier weit hinterher, und es ist noch wenig Konsens darüber erzielt worden, wie oder was Unternehmen berichten sollten.

Aber das ändert sich. Die Regulierung wird im Hinblick auf soziale Belange stärker definiert und – wie schon bei der Umweltberichterstattung – entwickelt sich die Sozialberichterstattung von der Freiwilligkeit zur Verpflichtung. In Europa wird beispielsweise erwartet, dass die Europäische Kommission bald eine Richtlinie herausgibt, die eine Sorgfaltspflicht für Unternehmen mit Sitz (oder mit Niederlassungen) in der EU vorsieht5. Die im März 2021 in Kraft getretene EU-Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) verpflichtet die Finanzmarktteilnehmer, über die Nachhaltigkeit ihrer Fonds – einschließlich negativer Auswirkungen – zu berichten und dort zahlreiche soziale Aspekte mit abzudecken. Die erste obligatorische Berichterstattung soll im Juli 2022 erfolgen6.

Mit der EU-Taxonomie-Verordnung wurde das Fundament für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gelegt. Sie ist ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten und bildet einen Rahmen, anhand dessen wirtschaftliche Aktivitäten als nachhaltig oder nicht nachhaltig beurteilt werden können. Während sie sich derzeit nur auf die Ermittlung detaillierter Kriterien für die ökologische Nachhaltigkeit konzentriert, werden in den nächsten Schritten soziale Kriterien berücksichtigt.

Die Lücke schließen

Im Jahr 2015 hat die internationale Gemeinschaft die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) ins Leben gerufen, in Anerkennung der Notwendigkeit, das zukünftige Wohlergehen unserer Gesellschaften zu sichern. Für Unternehmen und Investoren bieten die SDGs einen Rahmen, mit dem sie die langfristige Wertschöpfung mit den drängendsten Bedürfnissen der Gesellschaft in Einklang bringen können. Um die Ziele der SDGs bis 2030 zu erreichen, sind geschätzte jährliche Investitionen in Höhe von 5 bis 7 Bio. US-Dollar erforderlich. Die aktuellen Investitionen in SDG-bezogene Themen belaufen sich auf 3 Bio. US-Dollar pro Jahr, was eine jährliche Investitionslücke von 2 bis 4 Bio. US-Dollar hinterlässt7. Während die meisten ESG-Zuflüsse auf das „E“ in ESG ausgerichtet sind, orientieren sich 11 der 17 SDGs an der Stärkung sozialer Belange. Wir glauben, dass dies eine große Chance für Unternehmen darstellt, die diesen Bedarf erfüllen können. Für Investoren bedeutet dies, die bestehende finanzielle Kluft zu überbrücken, indem sie die Unternehmen unterstützen, die soziale Güter und Dienstleistungen anbieten. Dabei geht es nicht nur um die Priorisierung sozialer Fragen, sondern auch darum, ob es finanziell Sinn macht.

Vor allem für die Jüngeren werden soziale Aspekte immer wichtiger

Die jüngsten Bewegungen und Initiativen für soziale Gerechtigkeit und die Call-out-Kultur betonen, dass die Menschen mehr von den Unternehmen verlangen. In der Tat unterstreicht ein Bericht der OECD die Tatsache, dass Investoren zunehmend beides suchen: eine langfristig bessere Rendite und zudem eine gesellschaftliche Ausrichtung ihrer Investitionen, um die finanziellen und sozialen Renditen zu maximieren8. Dies gilt insbesondere für jüngere Anleger, die „den Maßnahmen der Unternehmen als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie und die unverhältnismäßigen finanziellen und sozialen Widrigkeiten von Covid-19“9 stärkere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Da Millennials in den nächsten 40 Jahren 30 Billionen US-Dollar erben werden10, ist dies eine klare Gelegenheit, die Unternehmen und Investoren nutzen können, um die Nachfrage zu decken.

Jetzt ist die Zeit zu handeln

Auch wenn bisher die soziale Säule bei den Investitionszuflüssen vernachlässigt wurde, so hat sich der Anwendungsbereich von „S“ in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend erweitert. Darin erkennt man das sich entwickelnde Geschäftsumfeld des 21. Jahrhunderts, in dem Unternehmen und Märkte zunehmend miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Angesichts der immer offensichtlicher werdenden Ungleichheiten im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und im Arbeitsschutz ist es unabdingbar, in Unternehmen zu investieren, die Lösungen für das „S“ priorisieren oder anbieten, wenn wir einen wirklichen Wandel zum Besseren erreichen wollen. Wir bei Nordea glauben, dass hinter diesem Megatrend eine spannende Investitionsmöglichkeit steckt. Jetzt ist die Zeit zu handeln.


Autor: Johannes Haubrich, Head of Product Management Fixed Income & Equity bei Nordea Investment Funds S.A.

1) Bloomberg Intelligence, ESG assets may hit $53 trn by 2025, a third of global AUM, 23 Feb 2021.
2) UNPRI, ‘ESG Integration: How Are Social Issues Influencing Investment Decisions?’ (2017)
3) Marina Apaydin et al, ‘The importance of Corporate Social Responsibility Strategic Fit and Times of Economic Hardship’ (2021) British Journal of Management, Vol.32, 399–415; Gunnar Friede et al, ‘ESG and Financial Performance: Aggregated Evidence from More than 2000 Empirical Studies’ (2015) Journal of Sustainable Finance & Investment, Vol.5, Issue 4, 210-233
4) Raconteur, ‘Sustainable Investing 2021’ (The Sunday Times, 14 February 2021)
5) Jacquelyn MacLennan et al, ‘Pressure mounts on EU regulator to deliver on Mandatory Human Rights, Environmental and Governance Due Diligence’ White & Case (17 March 2021)
6) PWC, ‘Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR)’ (2020)
7) Gemäß UNCTAD
8) OECD (2020), OECD Business and Finance Outlook 2020: Sustainable and Resilient Finance, OECD Publishing, Paris
9) Peter Goncalves, ‘ESG investors prioritising climate change over diversity – research’ (Investment Week, 20 May 2021)
10) N 9 (NYU Stern)

Nordea Asset Management ist der funktionelle Name des Vermögensverwaltungsgeschäftes, welches von den rechtlichen Einheiten Nordea Investment Funds S.A. und Nordea Investment Management AB (“rechtliche Einheiten”) sowie ihrer jeweiligen Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften betrieben wird. Dieses Dokument ist Werbematerial und bietet dem Leser Informationen zu den spezifischen Expertise-Feldern von Nordea. Dieses Dokument (bzw. jede in diesem Dokument dargestellte Ansicht oder Meinung) kommt keiner Anlageberatung gleich und stellt keine Empfehlung dar, in ein Finanzprodukt, eine Anlagestruktur oder ein Anlageinstrument zu investieren, eine Transaktion einzugehen oder aufzulösen oder an einer bestimmten Handelsstrategie teilzunehmen. Dieses Dokument ist weder ein Angebot für den Verkauf noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots für den Kauf von Wertpapieren oder zur Teilnahme an einer bestimmten Handelsstrategie. Ein solches Angebot kann nur durch einen Verkaufsprospekt oder eine ähnliche vertragliche Vereinbarung abgegeben werden. Es enthält Informationen für institutionelle Anleger und unabhängige Anlageberater und ist nicht zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmt. © Der rechtlichen Einheiten der Nordea Asset Management und jeder ihrer jeweiligen Zweigniederlassungen und/oder Tochtergesellschaften.

Investieren in Megatrends: Gaming und Streaming

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Die Lockdowns während der Coronapandemie haben unter anderem zwei Sektoren besonders boomen lassen: Gaming (Spiele) und Streaming (digital übertragene Medieninhalte). Während Kinos, Stadien und Opernhäuser in vielen Ländern geschlossen blieben, profitieren vor allem jene Branchen, die ihr Angebot digital anbieten konnten.

Gaming und Streaming sind zwei Subsektoren, die dabei bereits einen großen Vorsprung haben. Millionen neuer Benutzer tauchen in dieser Zeit in diese faszinierenden Welten ein, die ohne jede Übertreibung Unmengen an Zeit und Geld verschlingen können.

Der digitale Wandel in der Welt der Medien

Doch auch unabhängig von der Pandemie werden klassische Unterhaltungsbranchen wie Film, Fernsehen, Radio und Printmedien immer weiter von digitalen Medien, wie Streaming, Soziale Medien und Gaming verdrängt.

Mittlerweile belegt die elektronische Spieleindustrie mit einem Jahresumsatz von 145 Milliarden US-Dollar den ersten Platz der Unterhaltungssubsektoren, mit weitem Vorsprung vor Kino (42 Milliarden US-Dollar) und Musik (20 Milliarden US-Dollar). Fast die Hälfte des Jahresumsatzes aus der Gaming-Industrie fällt dabei in die Kategorie Mobile Gaming, also Spiele auf Tablets oder Smartphones.

Auch die SVOD-Industrie (Streaming-Video-on-Demand) holt auf die traditionellen Branchen auf. So schätzt das Bankhaus UBS, dass der globale Markt für diese Dienstleistung bis 2025 um durchschnittlich 11 % pro Jahr wachsen wird. Allein in den USA verdoppelte sich 2020 die Anzahl der SVOD-Abonnements und die Streamingzeit erhöhte sich um 75 %.

Zukunftsträchtige Branchen

Die wichtigste Grundlage für den Erfolg von Gaming und Streaming sind unumstritten die jüngeren Generationen. Während bei älteren Menschen Fernsehapparat und Rundfunk noch immer die beliebtesten Formen der Unterhaltung sind, werden diese bei der Generation Z von Gaming, Streaming, Notebook und Smartphone überholt. Diese modernen Medien haben damit starken Rückenwind seitens der demografischen Entwicklung.

Auch neue Technologien wie 5G, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität sowie Fortschritte bei Computerchips und Halbleitern eröffnen der Branche durch leistungsstärkere Smartphones und schnelleres Internet in Zukunft immer neue Möglichkeiten.

Gaming und Streaming am Finanzmarkt

Viele der großen Unternehmen in der Gaming- und Streaming-Industrie sind seit Jahren an den Finanzmärkten vertreten und etabliert. Unter den Trend Gaming fallen vor allem Werte in den Bereichen Halbleiter- und Chipherstellung, Software, genauso wie Spieleherausgeber, Grafikkartenhersteller oder Konsolen- und Spieleentwickler. Im Streaming sind alle marktdominierenden Unternehmen, wie Netflix, Amazon, Disney und Apple an der Börse vertreten, aber auch jüngere Unternehmen, wie FuboTV und Roku haben nicht zuletzt durch phänomenale Kursanstiege bereits von sich Reden gemacht.

Gaming und Streaming im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Im Portfolio des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien befinden sich zum Thema Gaming ein Grafikchiphersteller (Nvidia), ein Konsolenhersteller (Sony) und ein Spieleherausgeber (Electronic Arts). Der Megatrend Streaming ist ebenfalls durch drei große SVOD-Anbieter (Amazon, Apple, Alphabet) sowie der Streaming-Plattform Spotify im Fonds vertreten. Bei der Auswahl der Positionen wird ein großer Fokus auf Treibhausgasbilanz, Privatsphäre und Datensicherheit gelegt.

Große Chancen, vor allem in Asien

Die größten Märkte für Gaming finden sich in China, den USA, Japan und Südkorea. Dabei ist vor allem in China Mobile Gaming ein großes Thema, mit Tencent und NetEase als marktdominierende Anbieter. Bis 2027 soll der chinesische Markt rund um Mobile Gaming auf 48 Milliarden US-Dollar anwachsen – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 11,9 %. Ein Grund für dieses Wachstum sind die enormen Fortschritte in der Smartphone-Entwicklung. Leistungsstärkere Geräte und höhere mobile Datenübertragungsraten lassen die Kluft zwischen Konsolen- und Mobile-Gaming immer mehr verschwinden. In China sind wir diesbezüglich in Tencent engagiert.

Investments in die Branche bergen auch Risiken

Der Unterhaltungssektor befindet sich mitten in einem regen Wandel: Jedes Jahr betreten neue Anbieter die Bühne und kämpfen mit den etablierten Spielern um einen rasch wachsenden Markt. Den Konsumenten ist dabei vor allem ein umfangreiches und attraktives Angebot wichtig. Wer sich im Streaming und Gaming durchsetzen möchte, muss daher einerseits eine breite Auswahl an populären Filmen, Serien und Spielen bieten und andererseits attraktive Inhalte offerieren, dass die Kunden auch immer wieder zurückkommen. Das bedeutet unter anderem fortlaufende beträchtliche Investitionen, um immer wieder Neues anbieten zu können.

Darüber hinaus sind kürzlich vor allem chinesische Spieleentwickler und -verleger unter Druck geraten. Seitens der chinesischen Regierung verfügte man eine strengere Begrenzung der Spielzeiten bei Minderjährigen. Ähnlich drastische Maßnahmen sind in anderen Ländern zwar weniger wahrscheinlich, aber es bestehen zweifellos Risiken durch regulatorische Eingriffe. Diese werden die Branche kaum ernsthaft gefährden, könnten sich jedoch in unterschiedlicher Weise auf die einzelnen Unternehmen auswirken und damit auch neue Gewinner und Verlierer hervorbringen.

Ständige intensive Marktbeobachtung nötig

Daher ist auch in diesem Aktienmarktsegment eine kontinuierliche, sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich in den Bereichen Gaming und Streaming engagieren, also beispielsweise erhöhte Kursschwankungen und die Möglichkeit von Kapital und Wertverlusten.

Energiewende: Von grünem Strom bis zu smarten Gebäuden

von Mag. Hannes Loacker, Senior-Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Die Covid-19-Pandemie hat unser tägliches Leben verändert, der Klimawandel und die dafür notwendigen Maßnahmen werden das auch tun. Im Gegensatz zur Pandemie wird der Klimawandel langfristig unser Leben, die politischen Entscheidungen oder die Art, wie viele Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen herstellen und anbieten, beeinflussen. Denn der Klimawandel ist sprichwörtlich gekommen, um zu bleiben.

Im April 2021 nahmen 40 Staats- und Regierungschefs am Klimagipfel teil. Das nährte die Hoffnung, dass auch die Entscheidungsträger an den Schalthebeln der Macht die Zeichen der Zeit erkannt haben. Priorität Nummer eins bei diesem Klimagipfel hatte die Reduktion der Treibhausgase, speziell der CO2-Emissionen.

ENERGIESEKTOR GRÖSSTER TREIBHAUSGASVERURSACHER

Ein Blick auf die größten Emittenten von Treibhausgasen macht deutlich, dass der Energiesektor rund zwei Drittel der gesamten verursachten Treibhausgase produziert. Eine bedeutende Rolle kommt dabei der Stromproduktion zu, verursacht sie doch gut 40 % der gesamten energiebedingten CO2-Emissionen. Hier gilt es u. a. den Hebel anzusetzen. Ein bisschen mehr Strom aus Sonnenenergie und Windkraft wird aber zu wenig sein, um den Stromsektor grüner zu machen. Das wird noch offensichtlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass der weltweite Strombedarf laut Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) in den nächsten 20 Jahren u. a. aufgrund des Bevölkerungswachstums sowie einer zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrssektors um rund 50 % zunehmen dürfte.

SOLAR- UND WINDBRANCHE STEHT LANGANHALTENDES WACHSTUM BEVOR

In der Konsequenz muss nicht nur der aktuelle Strommix „grüner“ werden, sondern auch die steigende Stromnachfrage so gut es geht mit Strom aus erneuerbaren Energien befriedigt werden. Dass dem auch so sein wird, daran führt kein Weg vorbei. Die IEA erwartet, dass sich die Stromerzeugungskapazitäten der erneuerbaren Energien bis 2040 (gegenüber 2019) nahezu verdreifachen werden. Der mit Abstand stärkste Zuwachs wird für Solarstrom prognostiziert. Die Kapazitäten sollen sich versechsfachen. Bei Windstrom wird eine Verdreifachung erwartet, während die Kapazitäten bei der Wasserkraft um „nur“ gut 35 % zunehmen sollen. Somit kommt der Sonnen- und Windenergie beim Kampf gegen den Klimawandel eine äußerst wichtige Rolle zu. Das hat nun auch die Politik verstanden. Neben dem Green Deal der EU, zweifelsfrei ein wichtiger Eckpfeiler im Kampf gegen den Klimawandel, haben sich nahezu alle Staaten zu einer Reduktion der CO2-Emissionen verpflichtet. So möchten die USA unter Präsient Joe Biden eine Art Vorreiterrolle in der Klimapolitik einnehmen, China wiederum strebt die Klimaneutralität bis 2060 an.

Der Solar- und Windbranche kann angesichts dieser durchaus ehrgeizigen Ziele ein langanhaltendes Wachstum prognostiziert werden. Schon jetzt ist im Solarbereich in einigen Bundesstaaten der USA, aber auch in Europa ein regelrechter Boom nach Solarmodulen auf Eigenheimen auszumachen. Die Betreiber von Solarparks wiederum profitieren von deutlich sinkenden Kosten in der Stromerzeugung. Diese sind in den letzten zehn Jahren um mehr als 85 % gefallen. Dank dieser vorteilhaften Entwicklungen auf der Kostenseite ist Solarstrom im Vergleich zu Gas-, Kohle- oder Atomstrom in weiten Teilen der Erde bereits wettbewerbsfähig.

Ähnlich verhält es sich mit Strom aus Windkraftanlagen. Auch hier sind die Kosten in den letzten Jahren sehr deutlich gefallen. Im Gegensatz zur Photovoltaik hat das aber weniger mit den fallenden Equipmentkosten zu tun als vielmehr mit der Dimensionierung der Windturbinen selbst. Immer höher, immer größer, immer leistungsfähiger lautet hier die Devise. Onshore-Windturbinen in klimatisch begünstigten Gebieten können sich im Wettbewerb sehr gut behaupten. Offshore-Windenergie profitiert zwar von höheren und konstanteren Windgeschwindigkeiten, allerdings sind die Kosten gegenüber den Windturbinen an Land aktuell noch höher, da sich zusätzliches Equipment (Transformatorstation, Kabel etc.) sowie höhere Montagekosten negativ zu Buche schlagen. Auch hier wird erwartet, dass die Kosten weiter nach unten gehen. Schon die aktuellen Dimensionen sind gigantisch. Der Industrieriese General Electric wird in zwei Jahren eine 13-Megawatt-Turbine mit einer Höhe von 260 Metern und einer Rotorblätterlänge von 107 Metern auf den Markt bringen. Mit einer einzigen Umdrehung dieser Rotorblätter kann ein durchschnittliches britisches Eigenheim für mehr als zwei volle Tage mit Strom versorgt werden und das Ende der Fahnenstange ist nicht erreicht. Vestas Wind Systems arbeitet gerade an einer 15-Megawatt-Turbine. An diesem Wachstum möchten auch Unternehmen, die aktuell noch in erster Linie als Treiber der Klimakrise gelten, partizipieren. So drängen seit zwei bis drei Jahren vermehrt auch einige der großen Öl- und Gaskonzerne auf den Markt. Diese versprechen sich zudem, dadurch ihre CO2-Bilanzen zu verbessern.

OHNE WASSERSTOFF WIRD DIE ENERGIEWENDE NICHT GELINGEN

Strom aus Sonnenenergie und Windkraft wird also zunehmend die Stromproduktion aus Kohle und Gas verdrängen. Da es sich bei Solar- und Windstrom allerdings um sogenannte intermittierende Stromquellen handelt – diese sind aufgrund der nicht konstanten Verfügbarkeit von Sonne und Wind deutlich weniger als 24 Stunden am Tag abrufbar –, kann ein zu hoher Anteil von Solar- und Windstrom am Gesamtstrommix die Versorgungssicherheit gefährden sowie die Energienetze zusätzlich belasten. Daher kommt dem Thema Energiespeicherung eine immer bedeutendere Rolle zu. Batterien haben den Nachteil, dass sie den Strombedarf nur für wenige Stunden, bestenfalls einige wenige Tage überbrücken können. Wasserstoff hingegen kann als mehrtägiger und saisonaler Energiespeicher für das Stromnetz dienen. Zudem ist Wasserstoff mehr als reichlich vorhanden. Etwa 75 % der gesamten Materie im Universum (nach Masse) sind Wasserstoff. Wasserstoff hat auch den Vorteil einer sehr hohen Energiedichte – ein Kilogramm Wasserstoff hat fast den dreifachen Energiegehalt von Benzin und mehr als den doppelten von Erdgas.

Grüner Wasserstoff kann nicht nur die bisherige Wasserstoffproduktion aus fossilen Energien ersetzen, er kann auch wesentlich zur Dekarbonisierung der weltweiten Stromerzeugung beitragen, ohne dass die Versorgungssicherheit gefährdet wird. Der Stromsektor ist jedoch nicht der einzige Sektor, in dem Wasserstoff zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen kann. Auch andere Sektoren wie die Stahlindustrie, die chemische Industrie oder der Transportsektor können mit Hilfe von Wasserstoff zumindest teilweise dekarbonisiert werden. Sowohl in der Stahlindustrie als auch in der chemischen Industrie gibt es eine Reihe von vielversprechenden Pilotprojekten.

ENERGIEEFFIZIENZ ALS WICHTIGER BAUSTEIN DER ENERGIEWENDE

Grüner Strom oder Wasserstoff stellen aber nur zwei Eckpfeiler dar, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Ein weiterer Schlüssel ist, die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern. Das Potenzial in diesem Bereich ist enorm. In der EU entfallen rund 40 % der konsumierten Energie auf Gebäude. Gleichzeitig zeichnen diese für rund 36 % der energiebedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der Grund für diesen hohen Anteil liegt in erster Linie darin, dass 35 % der Gebäude in der Europäischen Union über 50 Jahre alt sind und 75 % des Gebäudebestandes als energieineffizient eingestuft werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, muss die Renovierungsrate von aktuell einem Prozent pro Jahr zumindest verdoppelt werden. Und genau das möchte die EU mit ihrer Renovierungsoffensive im Rahmen des Green Deals erreichen. Dazu nimmt die Staatengemeinschaft sehr viel Geld in die Hand. Bis zum Jahr 2030 dürften laut Schätzungen der EU jedes Jahr zusätzlich 275 Milliarden Euro an Investitionen in Gebäude nötig sein, damit sich die Renovierungsrate auf zwei Prozent erhöht.

Damit sollen aber nicht nur die CO2-Emissionen deutlich nach unten gebracht werden, die Investitionen sollen zudem auch einen wesentlichen Beitrag zur Ankurbelung der wirtschaftlichen Erholung und zur Verringerung von Energiearmut leisten. Laut EU-Kommission können es sich aktuell fast 34 Millionen Europäerinnen und Europäer nicht leisten, ihre Wohnung zu heizen. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz dienen daher auch zur Bekämpfung von Energiearmut. Sie wirken sich positiv auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen aus und helfen dabei, die Energierechnungen niedrig zu halten.

GREEN BUILDINGS

Gerade in Europa gibt es eine Fülle von Unternehmen, die sich dem Thema Green Buildings verschrieben haben und somit ihren Beitrag zur Erhöhung der Energieeffizienz bei Gebäuden leisten. Das beginnt schon bei einer verbesserten Isolierung. Dadurch wird nicht nur der Heizungs- und Kühlungsbedarf reduziert, sondern es können hier zusätzlich bei der Verwendung des Materials für die Gebäudeaußenhülle CO2-Einsparungen erzielt werden. Eines der größten europäischen Unternehmen in diesem Bereich setzt beispielsweise bei seinen Isolationskomponenten verstärkt auf die Wiederverwertung von Plastikmaterialien (z. B. PET-Flaschen oder Plastikmüll aus dem Ozean).

Eine verbesserte Isolation allein macht ein Gebäude aber noch lange nicht zu einem Green Building. Darunter versteht man vielmehr, dass Gebäude abseits der verwendeten Materialien mit einem umfassenden Energiemanagementsystem (Stichwort „Internet of Things“) ausgestattet werden. Dadurch lassen sich Daten von vernetzten Geräten nutzen, Wartungsarbeiten zeitnah durchführen, Gebäudesysteme und Räume verwalten, die Stromversorgung überwachen und der Energieverbrauch optimieren. Letzteres wird auch durch den Einsatz sogenannter Smart Meter unterstützt. Diese zeichnen die von einem Gebäude verbrauchte elektrische Energie auf und übertragen diese Daten in digitaler Form. Sie stellen nicht nur für die Versorgerunternehmen eine Möglichkeit dar, die Energienutzung zu optimieren, sondern liefern dem Energiekonsumenten Daten über das Energieangebot sowie den Energiebedarf zum Zeitpunkt der Nutzung. Somit kann der Verbraucher seine Energieverbrauchsgewohnheiten besser an den tatsächlichen Energiebedarf anpassen.

Eine weitere Komponente für ein „grünes“ Gebäude kommt aus der Beleuchtungsindustrie. Durch LED-basierte Lichtsysteme werden sowohl die CO2-Emissionen als auch die operativen Kosten gesenkt. Laut dem Unternehmen Signify könnten in den Benelux-Ländern rund 80 % der bestehenden Beleuchtungen durch LED-basierte Lichtsysteme ersetzt werden. Im Rest von Europa stellt sich die Situation nicht viel anders dar. Signify schätzt, dass durch eine solche Umstellung in Europa rund 40 Milliarden Euro an Einsparungseffekten erzielt werden könnten. Zudem rechnet das Unternehmen mit CO2-Einsparungen im Ausmaß von in etwa 100 Millionen Tonnen.

Wie man sieht, erstreckt sich der Kampf gegen den Klimawandel auf mehrere Schauplätze. Die Energiewende selbst ist bereits in vollem Gange, sie wird in den nächsten Jahren ein stetiger Begleiter sein. Und jeder von uns kann und muss ein Teil davon sein!

FAZIT & NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Der Klimawandel und die Notwendigkeit einer Energiewende haben neue Entwicklungen in der Energieerzeugung vorangetrieben, die von ihren potenziellen Auswirkungen her für die Nachhaltigkeitsbetrachtung von extrem hoher Relevanz sind. Die Energiewende steht für die Umsetzung einer nachhaltigen Energieversorgung in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität mit erneuerbaren Energien. Dementsprechend finden Unternehmen speziell in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien ein äußerst positives Marktumfeld vor.

E (Environment)

Energiewende und die Bekämpfung des Klimawandels sind stark umweltbezogene Themen, es geht um die Eindämmung potenzieller Umweltzerstörungen, das Abwenden von Gefahren für Fauna und Flora sowie den Erhalt möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten. Umweltzerstörung basiert auf der Tatsache, dass mit dem Klimawandel das Risiko für Wetterextreme wie Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser und andererseits Hitzeperioden steigt. Die verstärkte Gletscherschmelze sowie auch die thermische Ausdehnung des Wassers führen zu einem Anstieg des Meeresspiegels, zudem ist beispielsweise die Trinkwasserversorgung von auf die Gletscherschmelze angewiesenen Menschen gefährdet.

S (Social)

Der Klimawandel führt auf sozialer Ebene zu Problemen auf unterschiedlichen Ebenen. Dabei ist zunächst eine potenzielle Gesundheitsbelastung verursacht durch Wetter- und Klimaveränderungen zu nennen. Durch Wetterextreme wird außerdem die Gefahr von Hungersnöten erhöht. Und schließlich können einzelne Regionen der Welt in zunehmendem Ausmaß unbewohnbar werden, was zu Migrationsströmen führen kann.

G (Governance)

Staaten, aber auch Unternehmen müssen dem Klimawandel entgegenwirken. Das Problem dabei ist das Fehlen einer unmittelbaren Zurechenbarkeit des Phänomens zu Verantwortlichen, also die Existenz von Externalitäten. Die umfangreichen Förderprogramme des letzten Jahrzehnts für erneuerbare Energien haben frühzeitig zu einem schnellen Anstieg der Kapazitäten geführt, heute sind viele Technologien auch ohne staatliche Förderungen konkurrenzfähig. Trotzdem ist ein Eingriff des Regulators weiterhin wesentlich, man denke an Einspeisetarife in einer zunehmend dezentralen Struktur der Stromwirtschaft.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist die Energiewende ein wesentliches Zukunftsthema. Insbesondere bei Investments in Unternehmen und Emissionen im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien nimmt es eine wichtige Rolle ein.


Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Der Wald als Assetklasse

Der Wald hat sich seit Mitte der 1980er Jahre unter privaten und institutionellen Investoren zu einer etablierten Anlageklasse entwickelt, erklärt Felix Jenninger, Head of Investment & Transaction bei Salm-Salm & Partner GmbH.

Die Assetklasse Wald hebt sich durch mehrere, einzigartige Merkmale von anderen Anlageformen ab. So werden Renditen überwiegend von den Holzpreisen und dem biologischen Wachstum bestimmt. Holzpreise sind, wie andere Rohstoffpreise auch, das Ergebnis der Interaktion von Holzangebot und -nachfrage. Im Falle niedriger Holzpreise kann der Einschlag unterlassen werden, wobei unabhängig von allen Konjunkturzyklen und Finanzmarktgeschehnissen auf der Fläche immer biologischer (Wert-)Zuwachs stattfindet. Da die Renditen in der Forstwirtschaft von anderen wirtschaftlichen Größen getrieben werden als bei Aktien und Anleihen, korrelieren forstwirtschaftliche Vermögenswerte nur geringfügig oder sogar negativ mit den Preisen von Finanzanlagen. Dies bietet einem gemischten Portfolio das Potential zur Diversifikation und zur Verbesserung der Anlageperformance. Ein weiterer Vorteil eröffnet sich durch das Eigentum an Grund und Boden und das biologische, krisenunabhängige Wachstum von Wäldern: Die Assetklasse schützt vor Inflation. Wald bietet dem Investor daher einen langfristigen Vermögenszuwachs des gebundenen Kapitals bei gleichzeitigen Einnahmen aus dem Holzeinschlag.


Quelle: Salm-Salm (2020)

Chancen eines Waldinvestments

Cashflow-Renditen eines global diversifizierten Waldportfolios liegen im Schnitt der Jahre zwischen 2 und 3 %. Hinzu kommt eine potenzielle Wertsteigerung der Grundstücke. Eigentum von Grund und Boden bietet abhängig von Lage und Eignung der Waldfläche obendrein die Chance, weitere Einkommensquellen zu erschließen. Solche Einkommensquellen sind der Bau von Windkraft- oder Solaranlagen, die Verpachtung der Jagdrechte, der Abbau von Sanden und Kiesen oder die Generierung von CO2-Zertifikaten.

Im Vergleich zu Ackerland bieten Forstinvestitionen flexible Erntezeiten. In den meisten Fällen kann ein Ernteplan um mehrere Jahre beschleunigt oder verschoben werden, was dem Eigentümer die Möglichkeit bietet, die Ernte mit dem persönlichen Einkommensbedarf abzustimmen oder auf eine günstigere Preissituation zu warten.

Die Assetklasse besticht darüber hinaus auch auf anderen Ebenen: das Sachwertinvestment ist ein wahres Commitment hinsichtlich Klima- und Ressourcenschutz. Wald bietet einen Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere und für den Menschen einen Ort der Erholung. Zusätzlich nehmen die Wälder dieser Welt eine signifikante Klimaschutzfunktion ein. Ein Investment in Wirtschaftswald unterstützt langfristig Anbau und Ernte von Holz unter kontrollierten Bedingungen. Einen Nachweis über die Nachhaltigkeit der forstwirtschaftlichen Praktiken können unabhängige Siegel, beispielsweise von FSC oder PEFC, liefern.

Risiken der Assetklasse Wald

Typische Risiken der Assetklasse Wald sind Markt- und Währungsschwankungen sowie biotische und abiotische Risiken. Unter biotische Risiken fallen Umweltfaktoren, an denen Lebewesen beteiligt sind, wie beispielsweise Schädlingsbefall. Abiotische Risiken sind Feuer und Wind. Alle Risiken im Wald können durch aktives Management deutlich verringert werden. Der entscheidende Faktor für ein risikoarmes Waldinvestment ist jedoch der Kauf des richtigen Grundstückes. Für das Risikoniveau entscheidend sind klimatische Lage, geografische Lage und Marktlage. Global empfiehlt es sich, sich auf rechtssichere Länder zu konzentrieren, die über gute Zuwachsraten und einen ausgeprägten forstwirtschaftlichen Sektor verfügen.

Voraussetzungen für ein erfolgreiches Waldinvestment

Die Basis für ein erfolgreiches Waldinvestment sind Rechtssicherheit und Absatzmarkt. Typisch für Waldinvestments sind Anlagehorizonte von über 15 Jahren. Aus Sicht eines Anlegers müssten daher alle Länder für ein Waldengagement ausgeschlossen werden, die über instabile politische Verhältnisse verfügen.

Auch der Holzmarkt ist ein entscheidendes Kriterium, da es sich bei Holzmärkten um regionale Märkte handelt. Um langfristig den Absatz des Holzes zu sichern, bedarf es einer diversifizierten Struktur an holzverarbeitenden Betrieben im direkten Umkreis des Waldgrundstücks.

Der Zugang zum Waldinvestment

Das Investment in Wald kann über verschiedene Wege und Möglichkeiten geschehen. Professionelle private und institutionelle Investoren suchen den Zugang zu Waldinvestments meist über geschlossene Fondslösungen oder Direktinvestments. Mindestinvestitionen liegen für Direktinvestments in Wald i. d. R. bei über 25 Mio. Euro. Fondslösungen eröffnen die Chance in der Regel ab 5 Mio. Euro, an den Vorteilen eines diversifizierten Waldportfolios zu partizipieren, ohne alle Grundstücke selbst erwerben zu müssen. Das Mitspracherecht bei Investmententscheidungen ist daher eingeschränkt. Wünscht der Anleger volle Flexibilität hinsichtlich der Grundstückswahl, der Bewirtschaftungsform sowie des perspektivischen Exits, fällt die Wahl meist auf ein Direktinvestment. Typischerweise werden dabei mehrere bestehende Forstbetriebe erworben und anschließend vollumfänglich bewirtschaftet.

Fazit und Ausblick

Wald bietet bei richtigem Ankauf und gutem aktiven Management die Möglichkeit, Investitionsportfolios auf vielfältigen Ebenen zu diversifizieren. Maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg des Investments haben grundlegende Faktoren wie Rechtssicherheit, Absatzmarkt, biologisches Wachstum und das forstliche Management. Stimmt die Strategie, eröffnet die Assetklasse attraktive Renditen – besonders im aktuellen Zinsumfeld.

Die USA bietet den größten Markt für Waldinvestitionen mit attraktiven biologischen Wachstumsbedingungen und einer sehr guten forstwirtschaftlichen Infrastruktur. Der aktuelle Zeitpunkt eignet sich optimal für den Einstieg in die Assetklasse, da sich der Holzpreis im Südosten der USA immer noch auf einem vergleichsweisen niedrigen Niveau befindet. Nachdem für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum für die Holzpreise im Südosten der USA vorhergesagt wird, kann ein direkter Wertzuwachs der Bestände erwartet werden. Für steigende Holzpreise sprechen das Wachstum der Weltbevölkerung, hohe Investitionen von Sägewerken im Südosten der USA sowie die Erholung des US-Häusermarktes nach der Krise in den Jahren 2008/2009.

Vor dem Hintergrund des limitierten Holzangebots werden die Holzpreise und der Wert der Wälder, zum Vorteil aller Waldbesitzer weiterhin steigen, was das Waldinvestment neben stabilen Renditen, Nachhaltigkeit und Portfoliodiversifikation weiterhin zu einer attraktiven Assetklasse macht.


Dieser Text stammt von FONDSTRENDS.LU, veröffentlicht am 25. August 2021.

Felix Jenninger

Felix Jenninger arbeitet als Head of Investment & Transaction bei Salm-Salm & Partner GmbH, einer Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Wallhausen, die sich auf Holz- und Agrarinvestitionen in Europa und den USA spezialisiert hat. Zu seinem Aufgabenbereich gehören Markt- und Objektanalysen sowie die Kundenbetreuung. Bevor er seine Tätigkeit bei Salm-Salm aufnahm, studierte er Forst- und Agrarwirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen und schloss sein Studium mit einem Master in Agrarökonomie ab.

B.A.U.M. Fair Future Fonds wird 3 Jahre alt: Erfolgreich wie der Mittelstand

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds, und Christian Pass, Portfolioberater des B.A.U.M. Fair Future Fonds, beide GLS Investment Management GmbH.

Bitte beachten Sie die Hinweise zu den ökonomischen Aussagen am Ende des Artikels.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Er gibt wichtige Impulse für ein nachhaltigeres Wirtschaften. Besonders in Deutschland spielt er eine herausragende Rolle. Mit Auflage des B.A.U.M. Fair Future Fonds wollten wir unseren Anleger*innen die Möglichkeit geben, den nachhaltigen Mittelstand bewusst zu stärken. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Maximilian Gege, Gründer und langjähriger Vorsitzender des Bundesarbeitskreises für Nachhaltiges Wirtschaften (B.A.U.M.) e.V., einem ausgewiesenen Experten für den Nachhaltigen Mittelstand, haben wir einen Aktienfonds aufgelegt, der diesen Ansprüchen gerecht wird. Zum dritten Geburtstag ziehen wir eine erste ökonomische Bilanz.

Ökonomische Ausrichtung des B.A.U.M. Fair Future Fonds

Anlagestrategie

Der B.A.U.M. Fair Future Fonds ist ein Aktienfonds. Das Fondsmanagement verfolgt eine langfristige Anlagestrategie. Letzteres spiegelt sich in einer geringen Portfolioumschlaghäufigkeit wider, die sich im vergangenen Geschäftsjahr im einstelligen Prozentbereich bewegt hat. Die Auswahl der Titel erfolgt in einem mehrdimensionalen, integrierten Auswahlprozess auf Basis sozial-ökologischer Anlagekriterien. Der Fonds investiert in die Branchen und Unternehmen, die die sich mit den wichtigen Zukunftsmärkten wie u.a. Energie, Ressourceneffizienz, Infrastruktur, Bauen und Wohnen, Mobilität, Wasser, Gesundheit, Abfallvermeidung oder Digitalisierung unter Beachtung nachhaltiger Aspekte beschäftigen. Der Fonds orientiert sich an keiner Benchmark, die einem sektoralen oder geografischen Ansatz folgt, sondern fokussiert sich ausschließlich auf Unternehmen, die den oben genannten Kriterien entsprechen. Zugleich wird kein Best-in-Class-Ansatz bei der Nachhaltigkeitsprüfung angewandt. Das bedeutet, dass Öl- und Gasunternehmen nicht im Portfolio sind. Zu Vergleichszwecken wird in diesem Artikel der MSCI Europe Small Cap Index (EUR) aufgrund des hohen Europa-Exposure des B.A.U.M. Fair Future Fonds als Maßstab herangezogen.

Portfoliostruktur

Der Fokus des Fonds liegt auf Industrieunternehmen, die IT-Branche sowie Gesundheit, die zusammengenommen mehr als 50 Prozent des Fondsvolumens ausmachen. Im Mittelpunkt stehen kleinere Unternehmen. Die Hälfte der investierten Titel erwirtschaften einen Umsatz von nicht mehr als 1 Mrd. Euro. Wert gelegt wird auf eine granulare Portfoliostruktur. Die Top 10-Positionen machen rund ein Sechstel des Fondsvolumens aus. Insgesamt hat der Fonds etwa 100 Positionen. Geographisch liegt der Schwerpunkt mit 75 Prozent des Portfolios auf Europa. Ein Drittel des Fonds besteht aus deutschen Titeln. Schweizerische, amerikanischen und japanische Unternehmen machen insgesamt 25 Prozent aus. In der Währungsstruktur dominiert Euro (60 Prozent), gefolgt von Dollar und Schweizer Franken mit jeweils rund 10 Prozent. Die Kassenposition liegt bei rund 15 Prozent.


Quelle: Factsheet Ultimo September, Anteilklasse B, Universal Investment
 

Performance und Volatilität des B.A.U.M. Fair Future Fonds

Der B.A.U.M. Fair Future Fonds hat seit seiner Auflage am 1. Oktober 2018 bis Ende September 2021 eine absolute Performance von 47,27 Prozent erzielt. Das entspricht einer durchschnittlichen Performance von 13,8 Prozent pro Jahr. Während der Fonds im Auflagejahr 2018 eine negative Wertentwicklung verzeichnete, weist der Fonds sowohl in den Jahren 2019 und 2020 als auch Year-to-Date eine positive Wertentwicklung im zweistelligen Prozentbereich auf. Zum Vergleich: Die jährliche Rendite des MSCI Europe Small Cap Index (EUR) der vergangenen 3 Jahre belief sich auf 11,2 Prozent (Stand 30.09.2021). 


Quelle: Factsheet Ultimo September, Anteilklasse B, Universal Investment


Quelle: Factsheet Ultimo September, Anteilklasse B, Universal Investment

Ausgeglichenes Chancen-Risiko-Verhältnis

Die hohe Anzahl kleinerer Portfoliotitel bedingt eine geringere Liquidität und in der Folge höhere Volatilität des Portfolios. Das Fondsmanagement legt Wert darauf, ein für den Anleger vorteilhaftes Risiko-Rendite-Verhältnis anzubieten, indem sie einen Ausgleich zwischen höherer Ertragschance und für die Assetklasse typischen höheren Wertschwankungen sicherstellt. Die Volatilität beläuft sich auf 15,21 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI Europe Small Cap Index (EUR) weist im selben Zeitraum eine Volatilität in Höhe von 21,85 Prozent aus (Stand 30.09.2021).

In das Verhältnis gesetzt mit der Rendite ergibt sich ein Sharpe Ratio von 0,94 über einen Zeitraum von 3 Jahren. Damit ist das historische Rendite-Risiko-Verhältnis vorteilhafter als dasjenige des MSCI Europe Small Cap Index (EUR) – das Sharpe Ratio beträgt hier 0,60. (Stand 30.09.2021).


Quelle: Eigene Darstellung, beruhend auf Universal Investment und MSCI-Factsheet, Stand 30.09.2021, Anteilklasse B

Fazit

Den nachhaltigen Mittelstand stärken steht beim B.A.U.M. Fair Future Fonds an erster Stelle. Die Kursentwicklung seit Auflage des Fonds zeigt darüber hinaus, dass sich eine konsequente Ausrichtung auf Nachhaltigkeit für Anleger*innen ökonomisch auszahlt – auch im Marktvergleich. Mit laufenden Kosten von 0,82 Prozent für die Anteilklasse B weist der Fonds ein attraktives Kostenprofil für einen aktiv gemanagten Nachhaltigkeitsfonds auf. Dies spiegelt sich auch in der dynamischen Zunahme des Fondsvolumens mit monatlichen Nettozuflüssen auch während der Covid-19-Pandemie wider. Lag das Fondsvolumen Ende 2020 noch bei 82 Mio. Euro, so liegt es per 30.09.2021 bei 156 Mio. Euro.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Christian Pass arbeitet als Senior Experte Portfoliomanagement im Fondsadvisory der GLS Investments, wo er für das Management des B.A.U.M. Fair Future Fonds verantwortlich ist. Zuvor hat er u.a. als Berater für Finanzdienstleistungsunternehmen gearbeitet. Herr Pass hat einen Master in Finance an der European Business School absolviert und ist CFA Charterholder.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,2 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 08.10.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Wichtige Hinweise zu den ökonomischen Aussagen dieses Artikels (Disclaimer)

Risikohinweis

Die Angaben dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder ein Angebot bzw. eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen dar. Sie richten sich nicht an natürliche und juristische Personen, deren Wohn- bzw. Geschäftssitz einer ausländischen Rechtsordnung unterliegt, die für die Verbreitung derartiger Angaben Beschränkungen vorsieht, insbesondere nicht für US-amerikanische Staatsbürger oder Personen mit Wohnsitz bzw. ständigem Aufenthalt in den USA. Alleinige Grundlage für den Kauf von Fondsanteilen sind die Verkaufsunterlagen (die wesentlichen Anlegerinformationen, der aktuelle Verkaufsprospekt inklusive Anlagebedingungen sowie der letztverfügbare Halbjahres- und Jahresbericht). Eine aktuelle Version der Verkaufsunterlagen in deutscher Sprache erhalten Sie kostenlos in Papierfassung bei der Verwahrstelle, der Kapitalverwaltungsgesellschaft sowie im Internet unter www.universal-investment.com und www.gls-investments.de. Das Investmentvermögen weist ein nicht auszuschließendes Risiko erhöhter Volatilität auf, d.h. in kurzen Zeiträumen nach oben oder unten stark schwankender Anteilspreise. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und garantiert nicht notwendigerweise positive Entwicklungen in der Zukunft. Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallende Depotkosten vermindern. Hinweise zu Chancen und Risiken entnehmen Sie bitte den aktuellen Verkaufsunterlagen.

Für Sie geeignet, wenn Sie

Nicht für Sie geeignet, wenn Sie

  • in eine faire Zukunft investieren wollen
  • soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen möchten
  • erhebliche Wertschwankungen in Kauf nehmen
  • höhere Ertragschancen bei entsprechend höheren Risiken akzeptieren
  • eine langfristige Depotbeimischung wünschen
  • Anteile jederzeit zum aktuellen Tageswert verfügen möchten
  • keine erheblichen Wertschwankungen akzeptieren
  • Ihr Kapital nur kurz- bis mittelfristig anlegen möchten
  • einen sicheren Ertrag anstreben
  • mögliche Wechselkursverluste gegenüber Anlegerwährung nicht akzeptieren
  • keine erheblichen Wertschwankungen akzeptieren
  • Ihr Kapital nur kurz- bis mittelfristig anlegen möchten
  • einen sicheren Ertrag anstreben
  • mögliche Wechselkursverluste gegenüber Anlegerwährung nicht akzeptieren


Quelle der Daten:
 Die Angaben zu den ökonomischen Kennzahlen (Wertentwicklung/Performance, Kosten, Volatilität, Sharpe Ratio) beziehen sich alle auf die für institutionelle Investoren konzipierte Anteilklasse B, die im Vergleich zur Anteilklasse A ein vorteilhafteres Kostenprofil für Investoren aufweist. Anteile an der Klasse B sind ab einer Mindestanlagesumme von 200.000 Euro erwerbbar.

Stand der Daten: Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich alle Angaben auf den 30.09.2021.

Erläuterung zur Kostenquote: Die Gesamtkostenquote gilt für das aktuelle Geschäftsjahr und errechnet sich aus den Kosten des abgelaufenen Geschäftsjahres (01.09.2019 bis 31.08.2020). Die Gesamtkostenquote drückt sämtliche vom Sondervermögen im Jahresverlauf getragene Kosten und Zahlungen (ohne Transaktionskosten) im Verhältnis zum durchschnittlichen Nettoinventarwert des Sondervermögens aus.

Bei der Darstellung der Wertentwicklung handelt es sich um Nettowerte. Der Wert kann sich um individuell anfallenden Depotkosten vermindern. 

Sharpe-Ratio: Die Sharpe Ratio ist die Differenz zwischen erzielter Performance p.a. und risikolosem Zins (Citigroup Euro 3 M TR (EUR)) p.a., dividiert durch die Volatilität. Sie lässt sich daher als "Risikoprämie pro Einheit am eingegangenen Gesamtrisiko" interpretieren. Grundsätzlich ist es umso besser, je höher sie ist (hohe Performance bei geringem Risiko). Auf Grund ihrer Konzeption als relative Größe können Sharpe Ratios verschiedener Portfolios sowohl untereinander als auch mit der Benchmark verglichen werden.

Das eigene Zuhause gewinnt im Zuge der Pandemie an Bedeutung

von Tobias Just und Rupert K. Eisfeld, beide IREBS – Universität Regensburg.

Folgt man Berichten in Medien und Immobilienmarktprofessionals hatte die Covid-19-Pandemie bisher keine Auswirkungen auf die deutschen Wohnungsmärkte: Wohnungen sind vielerorts weiterhin knapp, und die Mieten und Preise sind bis zuletzt weiter gestiegen.

Diese Darstellung ist richtig und doch in (mindestens) dreifacher Hinsicht zu holzschnittartig. Erstens reagieren Wohnungsmärkte sehr langsam auf Schocks; Anpassungen benötigen mitunter Jahre. Wir erleben aktuell zunächst nur die unmittelbaren Auswirkungen. Immerhin. Zweitens greift der reine Blick auf die eingetretene Entwicklung dahingehend zu kurz, weil der Referenzpunkt fehlt. Ein richtiger Referenzpunkt ist aber nicht Stagnation, sondern wie sich die Märkte ohne die Pandemie entwickelt hätten. Dies hätte stürmischer oder weniger dynamisch sein können. Doch ohne ein Referenzszenario ist eine Analyse der Pandemieeffekte nicht sinnvoll. Drittens schmelzt das Eingangsstatement viele kleinräumige und qualitative Details und Verschiebungen zu einer einzigen Aussagelegierung zusammen. Das ist wie gesagt nicht falsch, aber manchmal lohnt es sich eben zusätzlich auf die Unterschiede hinter den Details zu achten.

In diesem Standpunkt gehen wir auf den dritten Aspekt ein und zeigen anhand von Analysen zum Internetsuchverhalten von Menschen in Deutschland, dass mit Verschiebungen in den Wohnpräferenzen zu rechnen ist. Es kam nämlich über viele Monate zu statistisch signifikanten Abweichungen darin, nach welchen Wohnungsattributen Menschen im Internet suchten im Vergleich zu den Quartalen vor der Pandemie.1

Die Analyse von Internet-Suchanfragen ist in den letzten Jahren zu einem regelrechten eigenen Forschungszweig gewachsen, da die investierte Zeit als klares Zeichen für die Suchbereitschaft gilt. Dann lässt sich eben auch vermuten, dass Veränderungen in den Suchanfragen einen gewissen Vorlauf zu Marktbewegungen haben (Choi & Varian 2012). Für Immobilien sind die Wirkungsverzögerungen natürlich länger als für Güter des täglichen Bedarfs, aber Bezüge sind hier feststellbar (Hohenstatt et al. 2011; Dietzel et al. 2014).

Mit „Google Trends“2 lassen sich z.B. die Suchanfragen für immobilienwirtschaftlich relevante Begriffe im Kontext der COVID-19-Pandemie analysieren: Wie häufig googelten Menschen z.B. nach den Begriffen „Garten“ oder „Balkon“. Die Suchanfragen werden dann auf wöchentlicher Basis zur Verfügung gestellt, der Wert mit den höchsten Suchanfragen erhält den Wert 100 zugeordnet, alle anderen werden entsprechend kalibriert. Absolute Zahlen gibt es also nicht, daher sind alle weiteren Auswertungen zunächst eher Indikationen für mögliche Bewegungen – ob die relativen Veränderungen nämlich reichen, um harten, nennenswerten Marktbewegungen vorauszulaufen, bleibt zum Teil abzuwarten.

Tatsächlich kam es in den Lockdown-Phasen zu einer deutlichen Veränderung im Suchverhalten, die vielfach als Bedeutungsgewinn des Wohnens und mitunter auch des Wohneigentums interpretiert werden könnten. Bestimmte Wohnungsmerkmale, die nämlich zudem im städtischen Umland angeboten werden, wurden häufiger gesucht. Neben die qualitativen Nachfrageverschiebungen könnten also auch regionale Verschiebungen treten.

Für die folgenden Grafiken wurde wie folgt vorgegangen: Es wurde zunächst für den Zeitraum von 2018 bis zum Beginn der Pandemie ein Trend berechnet. Dieser wurde dann für die Pandemie fortgeschrieben und dient als Referenzszenario. Weichen die realisierten Suchverläufe deutlich ab – hier außerhalb eines Prognoseintervalls, in dem sich 95% aller möglichen Werte befinden müssten – wurde dies besonders hervorgehoben. Hier können wir mit hoher statistischer Sicherheit von einer nennenswerten und dann wohl auch durch die Pandemie bewirkten Abweichung sprechen.

Die folgenden Abbildungen veranschaulichen, dass deutlich häufiger als vor der Pandemie nach „Haus kaufen“ oder „Balkon“ oder „Garten“ gesucht wurde. Der Zugang zur eigenen Freifläche, zur eigenen Grünfläche sprechen für eine Bedeutungsverschiebung wichtiger Wohnungsmerkmale: Vergleicht man zum Beispiel die Mittelwerte für „Haus kaufen“ und „Balkon“ vor der Pandemie mit jener während der Pandemie zeigt sich eine Zunahme der Suchanfragen von 26,6% bzw. 70,1%. Da Häuser viel seltener innerstädtisch als in der Peripherie erworben werden, spricht der starke Anstieg der Suchanfragen auch für eine Nachfrageverschiebung nach außen vor die Kernstädte.

Abbildung 1: Suchanfragen nach "Haus kaufen" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Nun muss man gerade bei solchen Schocks vorsichtig sein, ob Menschen nicht angesichts der Besonderheit der Situation erst einmal nur suchen, ohne zu handeln. Dies ist natürlich möglich, doch dagegen spricht, dass auch außerhalb der Lockdown-Phasen zum Teil heftige Abweichungen feststellbar sind. Außerdem wird in der Studie gezeigt, dass eben nicht nur Änderungen im Suchverhalten messbar waren. Für die weiteren Parameter verweisen wir auf die vollständige Studie.

Abbildung 2: Suchanfragen nach "Balkon" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Auch nach Wohnungen mit Arbeitszimmern wurde deutlich häufiger gesucht als das zuvor gezeigte Suchverhalten hätte nahelegen können. Die Abweichungen liegen zum Teil weit außerhalb des 95%-Intervalls.

Abbildung 3: Suchanfragen nach "Arbeitszimmer" (höchster Wert = 100), Lockdown-Phasen und linearer Trend bis zur 13. Kalenderwoche 2020. Rot: Unerwartet deutliche Abweichung. Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Und natürlich gibt es hier einen direkten Zusammenhang mit der Verlagerung des eigenen Arbeitsplatzes ins Homeoffice (Abbildung 4). Die Suche nach Arbeitszimmern war stärker eine transitorische Frage als die Suche nach dem Hauserwerb.

Abbildung 4: Suchanfragen nach "Homeoffice" und nach „Arbeitszimmer“ (höchster Wert = 100). Daten: Google Trends; Eisfeld, Just (2021).

Aktuell gehen die Infektionszahlen in Deutschland wieder hoch. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die 4. Welle begonnen hat, sondern nur noch wie heftig sie ausfällt und ob dies auch angesichts relativ hoher Impfquoten zu ähnlichen Einschränkungen wie 2020 und zum Beginn des Jahres 2021 führen muss. Und in diesem Sinne stellt sich dann auch die Frage, ob es zu ähnlich starken Impulsen für geänderte Wohnpräferenzen kommen könnte. Dies steht sicherlich in direkter Verbindung zu den noch folgenden Maßnahmen. Werden nur wenig invasive Maßnahmen ergriffen, werden weniger Haushalte um eine Anpassung der Wohnverhältnisse bemüht sein. Doch gerade weil Immobilienkäufe mitunter jahrelange Vorbereitungen erfordern, dürfte jede weitere Welle der Unsicherheit im Zuge der Pandemie einige Haushalte, die zuvor eben nur gesucht hatten, auch zum Handeln führen. Für die innerstädtischen Mietmärkte dürfte dies tendenziell entspannend wirken. Die Mieten und vor allem Preise im Umland (wohl nicht im ländlichen Raum) dürften dann sogar weiterhin stark steigen. Und weil dies quasi eine „Single-Auskoppelung“ ist, verweisen wir für weitere Ergebnisse der Studie auf die Langspiel-Datei (siehe unten).


1) Für die anderen beiden Aspekte verweisen wir auf die Ergebnisse der Studie Eisfeld, Just (2021). Der Link zur Studie findet sich am Ende dieses Standpunkts.
2) https://trends.google.de

Dieser Standpunkt zeigt ein Teilergebnis aus der Studie: Eisfeld, R.K., Just, T. (2021). Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die deutschen Wohnungsmärkte. Hans-Böckler-Stiftung Study Nr. 74, September 2021. Die Studie kann kostenlos hier heruntergeladen werden.

Zum Weiterlesen:

  • Choi, H., & Varian, H. (2012). Predicting the present with Google Trends. Economic record, 88, 2-9.
  • Dietzel, M. A. & Braun, N. & Schäfers, W. (2014). Sentiment-based commercial real estate forecasting with Google search volume data. Journal of Property Investment & Finance, 32(6), 540-569.
  • Hohenstatt, R. & Käsbauer, M. & Schäfers, W. (2011). " Geco" and its potential for real estate research: Evidence from the US housing market. Journal of Real Estate Research, 33(4), 471-506.

Impact-Steuerung von Portfolien – was Investoren beachten müssen

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Wirkung oder Impact ist das Wort der Stunde am Kapitalmarkt. Viele Fondsanbieter wollen mit ihren Finanzprodukten „einen Beitrag leisten“, „im Einklang sein“ bzw. „einzahlen“ auf die nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen („SDGs“) oder das Pariser Klimaschutzabkommen.

Über diese Marketingversprechen wird mit Einführung der Offenlegungsverordnung sowie der EU-Taxonomie ein einheitlicher Regulierungsrahmen gezogen. Künftig müssen Fondsanbieter über die nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen ihrer Investitionen berichten oder die Gesamtnachhaltigkeitswirkung von Finanzprodukten offenlegen. Damit wächst der Anreiz aber auch Druck für viele Investoren, ihr Gesamtportfolio nicht nur nach finanziellen Kennzahlen, sondern auch sozialen und ökologischen Auswirkungen zu steuern.

Eine Lösung wäre, bestimmte Wirkungsziele auf Ebene des Gesamtportfolios zu etablieren, z.B. eine Verringerung der CO2-Emissionen oder des Wasserverbrauchs. Dies ist in der Praxis eine Herausforderung, die aufgrund ihrer technischen Komplexität gut durchdacht sein sollte.

Herausforderung 1: Bestimmung des Impactpotenzials einer Assetklasse

Ein Investor kann nur dann eine Wirkung erzielen, wenn durch sein Handeln ein erkennbarer sozialer oder ökologischer Nutzen („Additionalität“) gestiftet wird, beispielsweise mehr menschenwürdige Arbeitsplätze, ein höherer Anteil an erneuerbare Energien, etc.

Aus verschiedenen Assetklassen ergeben sich unterschiedliche Impactpotenziale. Ein alternativer Investmentfonds stellt Eigen- oder Fremdkapital direkt den Unternehmen zur Verfügung. Ein Wertpapierfonds kauft i.d.R. Aktien oder Anleihen über den Börsenhandel von einem anderen Investor. Aufgrund der unterschiedlichen Kapitalströme ist es nicht möglich – wie leider häufig am Markt zu beobachten ist – , eine direkte Zuordnung von Wirkung unabhängig von der Berücksichtigung der Assetklasse vorzunehmen. Daher müssten Investoren zunächst ausdifferenzieren, welche Impact-Potenziale ihre verschiedenen Assetklassen haben.

Herausforderung 2: Ermittlung des Impact der spezifischen Assetklasse

Impact Investing ist bisher ein Nischenthema gewesen. Es gibt bis heute keine allgemein standardisierten Verfahren, um den Impact einzelner Assetklassen zu ermitteln. Im alternativen Investmentfondsbereich können Investoren auf Vorarbeiten aus der Entwicklungsfinanzierung zurückgreifen. Staatliche Entwicklungsbanken wie die niederländische FMO oder die KfW-Tochter DEG haben Ansätze entwickelt, welche die tatsächliche Wirkung ihrer Finanzierungen nachhalten sollen (z.B. Development Effectiveness Rating). Ebenfalls wurden durch Initiativen wie dem Global Impact Investing Network (GIIN) erste Indikatorensets wie IRIS+ entworfen, um Wirkungskennzahlen zu ermitteln.

Demgegenüber ist die Lage bei Wertpapierinvestitionen unübersichtlich. So genannte SDG-Scoring-Modelle oder Klima-Portfolio-Daten von Wertpapierfonds verführen häufig zu Fehlschlüssen. Das tatsächliche Impactpotenzial in dieser Assetklasse liegt woanders: Im Dialog mit Unternehmen und durch die Teilnahme an Kapitalmaßnahmen unterfinanzierter Unternehmen.

Herausforderung 3: Datenerhebung

Die größte Herausforderung ist die Sammlung und Analyse von Daten. Im Wertpapierfondsbereich beschränken sich Investoren derzeit auf einfache Output-Faktoren wie Umsatz – ein Vorgehen, welches durch die Taxonomie weiter verstärkt werden wird. Die Ermittlung indirekter Wirkketten, z.B. durch Engagement, ist darüber hinaus quantitativ (derzeit) nicht möglich.

Investoren im alternativen Fondsbereich haben einen besserer Zugang zu investierten Unternehmen. V.a. Entwicklungsbanken haben einzelne aussagekräftige Indikatoren geschaffen, z.B. Reduktion der CO2-Emissionen oder Schaffung von Arbeitsplätzen. Sie setzen Geschäftsaktivitäten in Kontext mit den Gegebenheiten vor Ort oder sektorspezifischen Anforderungen. Dies ermöglicht eine tiefere Analyse, inwieweit der Output von Unternehmen tatsächlich zu Outcome und dann einen spezifischen Impact führen kann (siehe Grafik). Diese Analysen sind sehr komplex, kostenintensiv und erfordern ein umfangreiches Know-how über die Gegebenheiten vor Ort.


Quelle: European Venture Philanthropy Association, 2015

Herausforderung 4: Aggregation und Reporting des Impacts

Asset-Klassen und ihre Impactpotenziale unterscheiden sich. Dies macht ein umfassendes Reporting erforderlich, in welchem Investoren Potenziale aber auch Grenzen ihrer Impact-Aktivitäten darlegen. Angetrieben durch die Regulierung ist derzeit ein Trend zur Aggregation und Simplifizierung heterogener Daten erkennbar. Es wird dann häufig nicht mehr unterschieden, welche Wirkung ein Investor selbst hat, sondern das investierte Unternehmen.

Die hohe Verdichtung von Daten führt dazu, dass ihre Aussagekraft stark abnimmt bzw. Raum für Interpretationen lässt. Was möchte der Anbieter eines Aktienfonds sagen, wenn er angibt, mehr als 50 Prozent seines Portfolios trüge zu den SDGs bei? Wer ehrlich und transparent über seine Wirkung berichten will, darf sich Stand heute nicht zu sehr an der gängigen Marktpraxis oder gesetzlichen Vorgaben orientieren und muss Anleger*innen auch komplexe Wahrheiten zumuten.

Fazit

Das Gesamtportfolio nach bestimmten Impactzielen zu steuern ist in der Praxis sehr komplex und voller technischer Herausforderungen. Investoren haben die Wahl: Sie können „einfache Impact-Wahrheiten“ suchen, wie sie z.T. durch regulatorische Entwicklungen begünstigt werden. Oder sie können nach tatsächlichem Impact streben und über die damit verbundenen zahlreichen Hürden berichten. Der erste Weg mag auf den ersten Blick verführerischer sein. Doch wer seine Rolle als nachhaltiger Investor ernst meint, sollte diese Sisyphosarbeit nicht scheuen. Es bleibt zu hoffen, dass Anleger*innen sowie der Gesetzgeber diese Mühen eines Tages auch belohnen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,1 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand: 05.08.2021).
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Mit Ethik die Kapitalanlage wertvoller gestalten

von Samuel Drempetic, Head of Ethics and Sustainability der Steyler Ethik Bank.

„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl“ heißt es in der Verfassung des Freistaates Bayern. Die Praxis zeigt leider, dass dies nicht immer der Fall ist. Gerade die Finanzwirtschaft beweist leider oft genug, dass das goldene Dreieck der Geldanlage – bestehend aus Rendite, Sicherheit und Liquidität - einen höheren Stellenwert erhält als gesellschaftliche Werte. Dennoch spielt für viele Menschen eine weitere Dimension eine immer wichtigere Rolle. Konkret geht es um die Frage, welche unternehmerische Aktivität gut und moralisch ist. Gewinne sind aus dieser Perspektive weder Selbstzweck, noch rechtfertigen sie die Wahl der Mittel. 

In den vergangenen Jahren wurde gerade die Welt der Finanzwirtschaft um einige Begriffe reicher, die viele vor Jahrzenten dort nicht gesehen haben. Sie alle zielen auf Werte ab, die über reines Renditestreben hinausgehen: Nachhaltigkeit, ökologische, soziale und Governance-Kriterien (kurz ESG) sowie die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, bekannt als SDGs sind die prominentesten Beispiele hierfür. Mittlerweile wird in vielen Bereichen auch nicht mehr gefragt, ob die oben genannten Kriterien berücksichtigt werden sollen. Vielmehr stellt sich zunehmende die Frage, wie sie integriert werden können. Gerade das Engagement der EU für eine nachhaltige Finanzwirtschaft hat hier für einen enormen Schub gesorgt und jede Krise wird mittlerweile zurecht in den internationalen Kontext der Nachhaltigkeit gesetzt.

Ein Nischendasein hat jedoch weiterhin das ethische bzw. ethisch-nachhaltige Investment – der Ursprung des nachhaltigen Geldanlegens. Der Begriff ethisches Investment ist nicht eindeutig definiert, ebenso wie nachhaltiges Investment. In der wissenschaftlichen Literatur wird er mal als ursprünglicher Begriff für verantwortliches Investment gesehen, mal als Überbegriff. Als Ursprung gilt er, da die Religionsgemeinschaften der Quäker und Methodisten schon vor rund 200 Jahren Ausschlusskriterien für die Investition ihrer Gelder schufen, die als ethisches Investment bezeichnet wurden. Ähnliche Ansätze finden sich in diversen Religionen und religiösen Gemeinschaften. Die wichtigste Intention gläubiger Menschen ist dabei, kein Geld mit Produkten und Dienstleistungen zu verdienen, die sie grundsätzlich ablehnen. 

Spricht man über ethisches Investment, so ist dies nicht klar von einem nachhaltigen Investment abzugrenzen. Und häufig kommen beide Begriffe im Doppelpack als ethisch-nachhaltiges Investment daher, was die Grenzen noch einmal mehr verschwimmen lässt.

Auch wenn ethisches-nachhaltiges Investment aufgrund der Begriffsherkunft und geschichtlicher Vorbilder überwiegend mit Kirche bzw. allgemein mit Religion assoziiert wird, ist diese Verbindung nicht zwangsläufig. Christliche, jüdische oder muslimische Wertvorstellungen sind häufig Ausgangspunkt für ethisch-nachhaltiges Investment, aber es gibt ebenso nicht-religiöse Begründungen. Unseres Erachtens nach sollte man das Thema auch nicht auf die moralischen Kategorien von „gut“ oder „schlecht“ reduzieren. Vielmehr stellt sich die Frage, mit welchen Produkten und Dienstleistungen man Geld verdienen will bzw. was man unterstützen möchte. Ein Nicht-Investment oder auch Divestment ist nicht automatisch mit einer Verurteilung gleichzusetzen. Ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis als Nachhaltigkeitsexperte der Steyler Ethik Bank soll dies verdeutlichen: Die Bewaffnung der Polizei ist unseres Erachtens moralisch nicht verwerflich. Schließlich erfüllt die Polizei wichtige hoheitliche Aufgaben und dient damit unserer Gesellschaft. Dennoch möchten wir als nachhaltiger Investor mit christlichen Wurzeln nicht an der Produktion von Waffen Geld verdienen. Das staatliche Gewaltmonopol stellen wir damit selbstverständlich nicht infrage.

Ethik wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr oft mit Moral verwechselt. Die Ethik reflektiert jedoch nur das gesellschaftliche und individuelle Handeln. In der Reflexion ist es aber durchaus relevant, welche Wertevorstellung zugrunde gelegt wird.

Ethisches Investment ist kompliziert. Die Grenzen sind nicht eindeutig und durch individuell Vorstellungen bestimmt. Doch einer Gesellschaft, die allzu oft in den Schwarz-Weiß-Mustern denkt, fällt es manchmal schwer auszuhalten, dass es Graustufen gibt. Einige Investoren sehen ein Problem darin, dass die ESG Scores von Ratingagenturen nicht übereinstimmen. Der Frust ist einerseits verständlich, weil er die Arbeit der Investoren schwieriger macht. Andererseits zeigt sich hier schlicht, dass Nachhaltigkeit nicht auf einem Grundkonsens aufbaut, sondern ethisch begründet wird. Und je nach kulturellen Wertvorstellungen der Marktteilnehmer kommt es damit zu ganz unterschiedlichen Bewertungen. So sehen einige in der Nuklearenergie eine Chance, CO2-Emissionen zu reduzieren und dem Klima zu helfen. Andere lehnen die Technik als gefährlich für den Menschen ab und verweisen auf die ungelöste Frage sicherer Endlager. 

Eine vergleichbare Bewertung ist also nur unter der Annahme möglich, dass alle dieselbe Wertevorstellung teilen. Beim nachhaltigen Investment wird in letzter Zeit der Ruf nach einer einheitlichen Definition lauter. Genau in diese Richtung führt auch die Taxonomie-Verordnung der EU. Dennoch wird ethisch-nachhaltigem Investment seine Individualität behalten. Und in den meisten Fällen wird ethisch-nachhaltiges Investment den gesellschaftlichen definierten Nachhaltigkeitszielen nicht im Weg stehen.

Ethische Geldanlage ist kein Selbstläufer. Wer in diesem Feld mitmischen will, muss bereit sein, immer wieder um die besten Lösungen und Ansätze zu ringen. Denn ehrenwerte Motive allein, führen noch nicht zum gewünschten Ergebnis. Ein Beispiel aus dem Bereich der Arbeits- und Menschenrechte. In der aktuellen Pandemie haben viele Näherinnen und Näher ihren Job verloren oder wurden über einen längeren Zeitraum nicht gebraucht und folglich nicht bezahlt. Das dies zu enormen sozialen Problemen führt, ist offensichtlich. Doch wem wollen wir hierfür die Schuld geben? Zumal in einer Welt, in der die Verantwortlichkeiten durch internationale Arbeitsteilung nicht so leicht zuzuordnen sind. Ist das Zulieferunternehmen, das mangels Aufträgen Personal freigestellt hat, der Bösewicht? Oder ist es eher der weltbekannte Hersteller von Sportartikeln, der die Aufträge wegen fehlender Nachfrage storniert hat, während er trotz Corona weiter große Gewinne einfährt? Kritisieren kann man auch die Staaten, die sich – anders als Deutschland – kein Kurzarbeitergeld leisten konnten, wodurch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in die Armut stürzten. Und welche Rolle spielt der ethisch-nachhaltige Investor selbst? Darf er auf Kosten der Arbeiterinnen und Arbeiter von den Gewinnen der Unternehmen profitieren, die Teil dieser Lieferkette sind, ungeachtet der oben beschriebenen Probleme?

Ein anderes Beispiel aus dem Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele, die bei immer mehr Finanzprodukten berücksichtigt werden: Handelt man als Investor ethisch und nachhaltig, indem man in ein Krankenhaus investiert. Reicht also als Begründung aus, dass der Gesundheitssektor nach der Logik der SDGs dem Entwicklungsziel 3 „Good Health & Well-Being“ zugeordnet wird? Wie geht man dabei mit privaten Krankenhausketten um, die in vielen Ländern die Corona-Pandemie als eine Gelegenheit der Gewinnmaximierung gesehen haben – teilweise auf Kosten des Staates oder der Angestellten? Dieses Verhältnis von Medizin und Ökonomie ist als ethisch-nachhaltiger Investor durchaus zu diskutieren. Dabei reicht es eben nicht die Dienstleistung einem SDG zuzuordnen und sich als Investor wegen der guten Tat auf die Schulter zu klopfen. 

Ethisches Investment bedeutet Diskussion, Reflexion und ständiges Infragestellen der aktuellen Meinung. Ethisch-nachhaltiges Investment ist nicht aus einer Nachhaltigkeitsdatenbank abzulesen. Es ist mehr als nur das Anwenden von Zahlen und Scores. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich und den eigenen Werten ohne die Verurteilung anderer Ansätze.


Samuel Drempetic

Als Head of Ethics and Sustainability verantwortet Herr Samuel Drempetic seit Mitte 2018 alle Themen rund um Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank. Dies umfasst sowohl die eigene Nachhaltigkeit der Bank als auch die Überprüfung der Investments. Der diplomierte Volkswirt und Pädagoge betreut die beiden Gremien Ethik-Anlagerat und Ethik-Ausschuss.

Die Steyler Ethik Bank

Die Steyler Ethik Bank ist Anbieter von fairen Finanzdienstleistungen. Sie wurde 1964 vom katholischen Orden der Steyler Missionare gegründet und steht allen Privatkunden offen, unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung. Die Bank investiert nach sozialen und ökologischen Kriterien und ist Initiator von drei nachhaltigen Publikumsfonds der Marke Steyler Fair Invest. Seit ihrer Gründung förderte die älteste ethische Bank Deutschlands mit über 100 Millionen Euro Steyler Hilfsprojekte in 80 Ländern. www.steyler-ethik-bank.de, www.steyler-fair-invest.de

Kontakt

Oliver Müller, Senior Sales Manager DACH | Steyler Fair Invest
Steyler Bank GmbH, Arnold-Janssen-Str. 22, D-53757 Sankt Augustin
Telefon: 02241 120 51 72, E-Mail: oliver.mueller@steyler-fair-invest.de
www.steyler-fair-invest.de

Investieren in Megatrends: Smart Food

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien.

Zwischen Klimawandel-Ängsten und Coronapandemie ist ein Thema in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund getreten, das eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit darstellt: die gesunde und nachhaltige Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung.

Gewaltige Herausforderungen

Im Jahr 2050 werden 9,8 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, rund zwei Milliarden mehr als gegenwärtig. Dieser Bevölkerungszuwachs ist in doppelter Hinsicht problematisch: Zum einen gilt es, zwei Milliarden mehr Menschen zu ernähren. Zum anderen bedeutet ein solcher Bevölkerungszuwachs zwangsläufig einen weiteren Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen und einen noch größeren Bedarf an natürlichen Ressourcen aller Art. Hinzu kommt, dass hunderte Millionen Menschen in höhere Einkommensklassen aufsteigen – und damit wird ihr Speiseplan umfangreicher und ihre Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Man erinnere sich, dass sich auch in Europa vor noch gar nicht so langer Zeit große Teile der Bevölkerung eine Fleischmahlzeit nur hin und wieder leisten konnten. Gleichzeitig müssen trotz wachsender Nahrungsmittelproduktion Treibhausgasemissionen vermindert und weitere Umweltschäden vermieden werden.

Neue Konzepte und neue Trends...

Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es neuer Konzepte, sowohl für unsere Ernährung als auch für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie, um künftig die gesamte Menschheit nachhaltiger und gesünder ernähren zu können. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran. Nahrungsmittel werden dabei ja nicht nur konsumiert, um zu sättigen. Sie sind auch ein Genussmittel und dieser Aspekt wird mit steigendem Lebensstandard immer bedeutsamer. Je weniger sich jemand darum sorgen muss, ob er seinen Hunger stillen kann, umso mehr wird er sich darum kümmern können und wollen, wie er ihn am besten stillen kann.

Neben Sattwerden und Genießen legen immer mehr Menschen Wert auf weitere wichtige Gesichtspunkte: Qualität, Fairness und Transparenz beim Handel, Herstellung unter ethisch und ökologisch vertretbaren Bedingungen und vieles mehr. Mit wachsendem Problem- und Gesundheitsbewusstsein reduzieren dabei viele Menschen freiwillig ihren Fleischkonsum, greifen mehr zu Bioprodukten oder bevorzugen in ihrer Lebensregion erzeugte Lebensmittel. So ernähren sich zum Bespiel bereits heute 52 % der Deutschen „flexitarisch“, das heißt, sie essen an drei oder mehr Tagen in der Woche kein Fleisch. In Österreich haben sich (laut AMA Marketing) die Ausgaben für Bio-Lebensmittel 2020 um mehr als ein Fünftel erhöht und liegen nun bei 714 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr gab ein durchschnittlicher, österreichischer Haushalt über 190 Euro für frische Bioprodukte aus.

...bedeuten auch neue Investmentchancen und -risiken

Das Thema Ernährung und die damit verbundenen Wachstumschancen finden inzwischen auch an den Finanzmärkten immer stärkere Beachtung. Um daran zu partizipieren, wurde Smart Food als neuer Sub-Trend in den Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien aufgenommen. Unter diesen Wachstumstrend fallen speziell Nahrungsmittel, die sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden positiv beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise biologisch angebaute Produkte, vegane und vegetarische Lebensmittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel, aber auch spezielle Sportlernahrung, wie Energieriegel oder Proteinshakes.

Smart Food im Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien

Der Raiffeisen-MegaTrends-ESG-Aktien investiert dabei zum einen in Lebensmittelhersteller, die gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel herstellen (Sunopta oder Bellring Brands). Im Fondsportfolio finden sich zum anderen Zulieferer (DSM, Kerry Group), aber auch Unternehmen, die Altöle und Fette recyclen und wiederverwenden (Darling Ingredients). Bei der Auswahl der Unternehmen wird stark auf Nachhaltigkeit geachtet. Im Fokus stehen ein geringer CO2-Abdruck, niedriger Wasserbedarf und minimale Nahrungsmittelverschwendung.

Ein wichtiges Thema im Bereich gesunder und nachhaltiger Ernährung ist der zunehmende Verzicht auf Fleisch und tierische Produkte. Das Unternehmen Sunopta etwa erzeugt Milch und Milchprodukte aus Hafer, Soja und Hanf und wies in den letzten Jahren starke Wachstumsraten auf. Auch ihr Geschäft mit funktionalen Lebensmitteln, also gesunden Snacks wie etwa Obstriegel, war in den letzten Jahren sehr profitabel.

Leistungsnahrung für Sportler ist ein weiterer wichtiger Baustein des Themas Smart Food. Ein bedeutendes Unternehmen in diesem Bereich ist Bellring Brands, vielen Sportlern mit den Energieriegeln oder Protein-Shakes der Marke „Power Bar“ und „Dymatize“ bekannt. Das Unternehmen konzentriert sich damit auf ein stark wachsendes Segment, in dem derzeit hohe Gewinnmargen erzielt werden können.

Unternehmen wie DSM oder Kerry Group sind weltweit führende Hersteller von Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminen, Enzymen, Geschmackstoffen oder probiotischen Kulturen. Damit sorgen sie nicht nur dafür, dass die Lebensmittel besser schmecken, sondern hauptsächlich auch dafür, dass sie weniger Fett und Zucker enthalten und somit insgesamt gesünder für den Menschen sind.

Ein besonders heißes Thema im Bereich Smart Food ist derzeit im Labor gezüchtetes Fleisch. Noch gibt es allerdings kein börsennotiertes Unternehmen, das sich speziell auf diesen Bereich konzentriert und eine Marktreife für solche Produkte liegt noch in weiter Ferne. Zugleich sollte man nie unterschätzen, wie schnell sich zuweilen neue Technologien und Produkte herausbilden und etablieren können. Langweilig wird es im Bereich Smart Food jedenfalls ganz sicher nicht!

Fazit

Unsere Ernährung und alle Prozesse rund um Erzeugung und Transport unserer Nahrungsmittel sind in einem regen Wandel begriffen, bei dem gleich mehrere drängende Herausforderungen zeitgleich zu meistern sind. Das eröffnet sowohl neue Chancen als auch neue Risiken für bestehende und neu auf den Markt drängende Anbieter. Daher ist hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich Smart Food engagieren.

Die nordischen Märke als Vorreiter in puncto Nachhaltigkeit

Im Interview mit FondsTrends beleuchtet Hagen-Holger Apel, Head of Wholesale bei DNB Asset Management, die aktuellen Herausforderungen seiner Branche sowie die neusten Nachfragetrends und Opportunitäten am Markt.

FondsTrends: Hagen-Holger Apel, vor welchen Herausforderungen stehen Asset Manager aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie?

Hagen-Holger Apel: Eine der großen Aufgaben in der Branche ist es gegenwärtig, trotz Social Distancing, Stay at Home und Lockdown, präsent bei den Kunden zu sein. Gerade in der momentanen Situation schöpfen wir alle technologischen Möglichkeiten aus, um Kontakte zu pflegen und in Verbindung zu bleiben. Aus diesem Grund haben wir bei DNB Asset Management die virtuellen One-to-One-Meetings mit unseren Portfoliomanagern ins Leben gerufen. Als eine Art digitale Kompensation des FONDS professionell Kongress werden wir deshalb am 9. & 10. sowie 15. & 17. Juni ein virtuelles Forum mit persönlichen Online-Gesprächen anbieten, welches unseren Kunden erlaubt sich trotz der aktuell schwierigen Situation mit unseren Fondsmanagern und Kapitalmarktexperten auszutauschen.

FondsTrends: Welchen übergeordneten Nachfragetrend erkennen Sie gegenwärtig am Markt?

Hagen-Holger Apel: Unsere Kunden fragen uns aktuell nochmals vermehrt nach ESG-Produkten. Das liegt sicherlich an den regulatorischen Rahmenbedingungen. Darüber hinaus konnte ich in den vergangenen Monaten feststellen, dass sich viele Fondsselektoren zunehmend Gedanken über die Implikationen der einzelnen Fonds machen und gezielt nach Impact-Strategien suchen. Derartige Anfragen freuen mich persönlich stets sehr, da wir, als einer der größten nordischen Asset Manager, bereits seit über 30 Jahren ESG-Aspekte in unsere tägliche Arbeit bzw. unsere Investmententscheidungen einfließen lassen. Denn gerade in den nordischen Volkswirtschaften ist das Thema Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend, sondern ein Teil der skandinavischen DNA.

FondsTrends: Bieten Sie ihren Kunden gezielte Anlagelösungen in diesem Segment?

Hagen-Holger Apel: Angesichts der gestiegenen Anforderungen am Markt und der noch nie dagewesenen Sensibilität in Bezug auf soziale, gesellschaftliche und ökologische Aspekte bin ich sehr stolz darauf, dass wir unseren Kunden mit dem DNB Fund Renewable Energy eine Anlagelösung bieten können, die nicht nur eine hohe Reputation besitzt, sondern auch einen echten Mehrwehrt für Mensch und Natur bietet. So ist unser Fonds, welcher eine sehr zielgerichtete ESG-Strategie verfolgt, nach Artikel 9 gelistet und wurde im vergangenen Jahr das dritte Mal in Folge mit der höchstmöglichen Bewertung von drei Sternen im Rahmen der Vergabe des FNG-Siegels (Forum Nachhaltige Geldanlage) ausgezeichnet. Damit können wir den Bedarf an transparenten, validen und renditestarken ESG-Anlagen mit einem zukunftsfähigen Produkt abdecken.

FondsTrends: Was meinen Sie konkret mit der Aussage „Nachhaltigkeit ist ein Teil ihrer DNA“?

Hagen-Holger Apel: Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft, die gerade in den skandinavischen Ländern eine sehr lange Tradition hat. Folglich wurde dieser Gedanke schon über Generationen hinweg weitergegeben. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland weiß somit schon jedes Kind, dass für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer Baum gepflanzt werden sollte.

FondsTrends: Gibt es weitere Trends, die gegenwärtig auf eine hohe Nachfrage stoßen?

Hagen-Holger Apel: Das zweite große Thema, das bei unseren Kunden gegenwärtig auf besonders hohes Interesse trifft, ist der Technologie-Sektor. Viele Investoren möchten natürlich gerade jetzt, in einer Welt, die vom digitalen Wandel geprägt ist, alle möglichen Opportunitäten im Sektor mitnehmen. Denn ohne Zweifel wird die technologische Entwicklung nach COVID weiter voranschreiten, und neue Geschäftsmodelle werden alte ersetzen. Mit dem DNB Fund Technology, mit welchem wir seit gut 20 Jahren zu den erfolgreichsten Fonds am Markt zählen, bieten wir dabei, gerade für Investoren die Klumpenrisiken vermeiden möchten, eine sinnvolle Ergänzung zu Einzelinvestments. Zwar träumt jeder Anleger davon, die nächste Amazon in seinem Depot zu haben, allerdings, und das macht die Sache so schwierig, sind diese Perlen anfangs nicht zu erkennen. Wir setzen daher langfristig auf aussichtsreiche Substanzwerte.

FondsTrends: Das Momentum im Tech-Sektor hat sich zuletzt stark abgeschwächt, mit welcher Strategie möchten Sie dennoch eine positive Performance in diesem Sektor erzielen?

Hagen-Holger Apel: Unsere beiden Portfoliomanager Anders Tandberg-Johansen und Sverre Bergland verfolgen mit dem DNB Fund Technology einen sehr soliden, leicht auf „Value“ ausgerichteten Ansatz, welcher ein weitaus geringeres Bewertungsniveau als der Nasdaq 100 Index aufweist. So konnte der Fonds, der unter Artikel 8 gelistet ist, seit Auflage 2007 in Luxemburg eine durchschnittliche Rendite von 16,28 Prozent generieren. Mit diesem Ansatz konnte unser Technologie-Fonds, nach Gebühren und in allen Marktphasen, seine Benchmark um durchschnittlich 4,54 Prozent übertreffen. So zahlt es sich auch im gegenwärtigen Marktumfeld aus, nicht blindlings den FANG-Werten hinterherzulaufen, sondern Ausschau nach günstigen Tech-Value-Werten zu halten. Diese sind aktuell besonders in Europa und im Bereich der Telekommunikationsdienstleister sowie in der Tech-Hardware und Equipment-Branche zu finden.

FondsTrends: Herr Apel, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 31. Mai 2021.

Hagen-Holger Apel

Hagen-Holger Apel ist seit Juli 2015 bei DNB Asset Management S.A. als Senior Client Portfolio Manager beschäftigt. In dieser Funktion ist er ein Bindeglied zwischen dem in Norwegen basierten Fondsmanagement und den internationalen Kunden und gewährleistet somit ein hohes Maß an Qualität in der Kundenbetreuung. Apel ist Diplom-Volkswirt (LMU München) und Certified International Investment Analyst (CIIA) der DVFA Frankfurt. Er verfügt über 20 Jahre Branchenerfahrung als Bankkaufmann, Händler und Portfoliomanager und ist seit vierzehn Jahren am luxemburgischen Finanzplatz tätig. Er spricht Deutsch, Englisch und Schwedisch. Im internationalen Geschäft ist er in leitender Position verantwortlich für die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Real Assets and the Inflationary Awakening

by Rob Guiliano and Michael Narkiewicz, both Senior Portfolio Manager at State Street Global Advisors.

Over the last decade, inflation has been subdued around the globe and struggled to come close to central bank targets despite loose monetary policy actions. However, influenced by the economic effects of the global pandemic, inflation appears poised to re-emerge in 2021 and to have an impact in the years to come.

This should encourage a re-examination of portfolios that have largely benefited from robust equity and bond returns, and which may now face inflationary challenges. Investors who find themselves vulnerable to a sustained move higher in inflation should consider the inclusion of inflation-hedging assets, such as real assets, which have historically performed well and shown a higher beta and correlation to inflation than traditional assets.

Cyclical Inflation Drivers Accelerating

By keeping short-term interest rates low, the US Federal Reserve (Fed) expects to stimulate overall economic conditions and spark a business cycle expansion, which it hopes will be inflationary. The Federal Reserve Banks of San Francisco and Cleveland have explored the relationship between core inflation and the business cycle. They concluded that cyclical drivers of personal consumption expenditure (PCE) inflation (e.g., housing, recreational services, food services, select nondurable goods) have improved since the recession that followed the 2008 Global Financial Crisis (GFC), while acyclical drivers of PCE inflation (e.g., health care services, financial services, clothing, transportation) have remained stubbornly low and kept overall inflation subdued.1,2

For 2021, State Street is anticipating increased economic growth, measured by GDP rising 5.3% in the US and 5.7% globally.3 The V-shaped recovery in manufacturing is evidence of firming aggregate demand; along with supply constraints, the recovery has led to reduced stockpiles and higher commodity prices. Concerns about significant inflationary effects result from a resurgence of cyclical influences (e.g., healing labor markets) as well as from modestly rising acyclical influences.

State Street Inflation Outlook

Market expectations for inflation recently touched 2.6%, with 5-year breakevens reaching a level not seen since July of 2008, i.e., before the GFC sank inflation expectations. The implied inflation pick-up moved from a pre-pandemic reading of 1.7% to a low of 0.18% in mid-March of 2020, when investors fully considered the implications of continued easy monetary policy, massive fiscal stimulus, potential dollar weakness, and declining economic slack in the future.

We expect that, over the next few months, inflation measures will get a significant bump due to negative base-effects rolling off from 2020 and higher recent energy and food prices. The St. Louis Fed’s President James Bullard has suggested that the US economy is going to recover more quickly than many forecasters expect, and unlike recent experience he foresees more price volatility and higher inflation. In fact, he would embrace inflation over 2% on a sustained basis and accept it staying 0.5 percentage points above the Fed’s target for an extended period.4 Further, purchaser and manufacturer input costs have accelerated in the first two months of 2021, experiencing their largest gains since December of 2009.

Inflation-Hedging Asset Strategies

Investors currently under-allocated to inflation-hedging assets are vulnerable to a sustained move higher in inflation. Real assets have historically performed well in such an environment, with higher beta and correlation to inflation than traditional assets.

This current cyclical pick-up in inflation may, therefore, also counsel the consideration of investments such as commodities and global natural resources, as well of value-oriented equities in areas like infrastructure. For the latter, the potential approval of increased fiscal spending directed toward infrastructure in the later part of 2021 could prove to be another tailwind.

Real estate has been hit particularly hard over the last two years but has begun to recover and adjust its business models to the new reality of the pandemic-changed work environment and to the increased shift to e-commerce.

While inflation-linked bonds may have already experienced much of the increase in inflation expectations, shifting exposure to shorter-duration securities would be a way to mitigate interest rate volatility and better align with future inflation moves — without giving up too much yield at current levels.

And what if actual readings surpass current consensus expectations? If inflation overshoots at sustained higher levels, gold may play a larger and more significant roll due to the negative effect inflation can have on broad equity and fixed income exposures.

Closing Thoughts

The current inflation outlook is more complex than it has been in some time. Massive monetary and fiscal stimulus, the release of pent-up demand in depressed service areas, pressures on global supply chains, and a weaker US dollar are all influencing expectations. And while output gaps may serve to cap the amount of the rise, a cyclical recovery likely will lift inflation almost everywhere.

Higher inflation may not surprise the markets, but the accompanying volatility will test investors’ asset allocation strategies. All investors may soon find themselves vulnerable to a sustained move higher in inflation, and should consider the inclusion of inflation-hedging assets, such as real assets, in their portfolios because of strong historical performance during inflationary periods.


Please find a PDF version of the article attached as a download here or the full version on ssga.com.

1) Mahedy, Tim, and Adam Shapiro. 2017. “What’s Down with Inflation?” Federal Reserve Bank of San Francisco Economic Letter 2017-35, November 27, 2017.
2) Zaman, Saeed. 2019. “Cyclical versus Acyclical Inflation: A Deeper Dive.” Federal Reserve Bank of Cleveland Economic Commentary 2019-13. September 4, 2019.
3) Weekly Economic Perspectives — GMPR Quarterly, State Street Global Advisors, March 22, 2021.
4) Jeremy D. Schwartz, 2021. “Behind the Markets Podcast: St. Louis Fed President Jim Bullard,” Episode 227, Behind the Markets Podcast, March 5, 2021.

About the State Street Real Asset Strategy

State Street offers investors a seasoned, diversified multi-asset strategy that combines exposure to a broad array of liquid real asset securities. The Real Asset Strategy is expected to perform best during periods of increasing inflation or rising unexpected inflation. The Strategy is meant to be a complement to traditional equity and bond assets, providing further diversification, attractive returns, and a source of income in a low-yielding environment. For complete information, please contact your State Street representative.

About State Street Global Advisors

Our clients are the world’s governments, institutions and financial advisors. To help them achieve their financial goals we live our guiding principles each and every day: Start with rigor, build from breadth, invest as stewards, invent the future.
For four decades, these principles have helped us be the quiet power in a tumultuous investing world. Helping millions of people secure their financial futures. This takes each of our employees in 31 offices around the world, and a firm-wide conviction that we can always do it better. As a result, we are the world’s third-largest asset manager with US $3.47 trillion* under our care.

* This figure is presented as of December 31, 2020 and includes approximately $75.17 billion of assets with respect to SPDR products for which State Street Global Advisors Funds Distributors, LLC (SSGA FD) acts solely as the marketing agent. SSGA FD and State Street Global Advisors are affiliated.

Impact Investing – wie die Offenlegungsverordnung zur Verwirrung führt

von Stefan Fritz, Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation, GLS Investment Management.

Impact Investing ist in Mode. Viele Fondsanbieter machen Werbeversprechen, mit ihren Angeboten zu einer nachhaltigen Welt im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) beizutragen. Seit März gelten neue Spielregeln, denn der Gesetzgeber hat mit der Offenlegungsverordnung neue Transparenzvorschriften erlassen. Er will Klarheit schaffen, welche Fonds nicht nachhaltig, ein wenig nachhaltig und sehr nachhaltig sind oder gar eine positive soziale oder ökologische Wirkung erzielen. Wenn ein Investor künftig behauptet, er erziele Impact, dann sollte er seinen Fonds in Artikel 9 der Offenlegungsverordnung einklassifizieren und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Bei solchen Fonds heißt es, sie verfolgten ein nachhaltiges Ziel (siehe Definition unten).

Auf den ersten Blick klingt es nach einer richtigen Idee. Doch leider schafft der Gesetzgeber in der technischen Ausgestaltung mehr Verwirrung als Klarheit. Der Begriff Impact Investing verwässert. Eine Analyse:

Die ursprüngliche Idee des Impact Investing

Das Global Impact Investing Network, der wichtigste Verband im Bereich Impact Investment hat eine klare Haltung, was Impact Investing ausmacht. So sei für diese Art von Investments die Absicht entscheidend, eine messbare, positive soziale und ökologische Wirkung neben der finanziellen Rendite zu erzielen. Die Investitionen sollen dazu beitragen, die drängendsten Probleme auf der Welt zu lösen, von nachhaltiger Landwirtschaft, erneuerbarer Energien, oder Mikrofinanz bis hin zu erschwinglichen und zugänglichen Basisdienstleistungen wie Wohnen, Gesundheit oder Bildung. Dafür haben Impact Investoren als geeignete Investmentobjekte viele Jahre lang vor allem Alternative Investment Fonds (AIF) angesehen. Denn hier wird das Anlagegeld dem Unternehmen oder Projekt in Form von privatem Eigenkapital, Darlehen oder Mezzanine-Kapital direkt zur Verfügung gestellt. In den Portfolios der AIFs befinden sich häufig kleinere Unternehmen und Projekte. Aufgrund des hohen Risikos und der häufig geringen Handelbarkeit richten sich diese Anlagen an professionelle Anleger. Impact Investment geht somit über Sustainable Investment-Ansätze, wie in der Grafik dargestellt, hinaus.


Quelle: Bridge Venture, Spectrum of Capital

Diese Definition ist am Markt im weiten Maße anerkannt, wenngleich es einige Diskussionen gibt, wie streng Intentionalität und Messbarkeit auszulegen sind, um als klassisches Impact Investment gelten zu müssen.

Der Ansatz des Gesetzgebers

Mit Inkrafttreten der Offenlegungsverordnung am 10. März 2021 beginnt eine neue Zeitrechnung, was als nachhaltige Investition angesehen wird bzw. nicht. Im Text wird zwischen drei Nachhaltigkeitsklassen unterschieden (Artikel 6, 8 und 9). Eine nachhaltige Investition ist demnach:

(…) eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines Umweltziels beiträgt, gemessen beispielsweise an Schlüsselindikatoren für Ressourceneffizienz bei der Nutzung von Energie, erneuerbarer Energie, Rohstoffen, Wasser und Boden, für die Abfallerzeugung, und Treibhausgasemissionen oder für die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Kreislaufwirtschaft, oder eine Investition in eine wirtschaftliche Tätigkeit, die zur Erreichung eines sozialen Ziels beiträgt, insbesondere eine Investition, die zur Bekämpfung von Ungleichheiten beiträgt oder den sozialen Zusammenhalt, die soziale Integration und die Arbeitsbeziehungen fördert oder eine Investition in Humankapital oder zugunsten wirtschaftlich oder sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen, vorausgesetzt, dass diese Investitionen keines dieser Ziele erheblich beeinträchtigen und die Unternehmen, in die investiert wird, Verfahrensweisen einer guten Unternehmensführung anwenden, insbesondere bei soliden Managementstrukturen, den Beziehungen zu den Arbeitnehmern, der Vergütung von Mitarbeitern sowie der Einhaltung der Steuervorschriften; (Artikel 2 (17) Offenlegungsverordnung)

Investor Impact versus Enterprise Impact

Wer nun diese nachhaltige Investition anstrebt, gilt als sehr nachhaltig. Das klingt zunächst einleuchtend. Problematisch ist, dass die Offenlegungsverordnung für Investmentfonds nicht unterscheidet, wer eine positive Wirkung erzielen soll: Ist es der Investor wie bei der Definition des Global Impact Investing Network? Oder ist es das Unternehmen, in das investiert wird? Zweites ist der Ansatz vieler Wertpapierfonds, welche eine Wirkung auf die SDGs erzielen wollen, dabei aber nur messen, inwieweit das investierte Unternehmen mit seinen Geschäftsaktivitäten darauf einzahlt. In der Wissenschaft hat sich mittlerweile eine Unterscheidung zwischen der Wirkung des Investors (Investor Impact) und der Wirkung der investierten Unternehmen (Enterprise Impact) entwickelt.

Grob lassen sich folgende Unterscheidungsmerkmale treffen:

Impact-Ansätze im Auswahlprozess von Investmentfonds

Name

Investor Impact

Enterprise Impact

Art

Direkte Bereitstellung von Kapital an wirkungsstarke Unternehmen

Identifizierung von Unternehmen mit Impact-Geschäftsfeldern

Wirkungsform

Direkt

Indirekt

Messgröße

Vorab festgelegte Wirkindikatoren (u.a. Schaffung lokaler Arbeitsplätze, Rückgang Virenerkrankungen)

Finanzindikatoren (i.d.R. Umsatz)

Unternehmenstypen

Kleine, lokale Unternehmen

Börsennotierte Unternehmen, darunter globale Konzerne

Rechtliche Fondsstruktur

Alternativer Investmentfonds 

Offener Wertpapierfonds (OGAW)

Zugang für Privatanleger

Begrenzt (Ausnahme: Mikrofinanz)

Gegeben

Handelbarkeit

Begrenzt 

Gegeben

Quelle: eigene Zusammenstellung

Der Enterprise-Impact-Ansatz wird mittlerweile immer kritischer hinterfragt. Denn de facto wird bei diesen Fonds in der Regel die Aktie bzw. Anleihe von einem anderen Investor über die Börse erworben. Das Kapital fließt also nicht direkt ins Unternehmen. Ein direkter Wirkzusammenhang lässt sich nicht zeigen. Auf dieser Ansicht gründet auch die Klage der Verbraucherzentrale zu so genannten Impactrechnern am Markt.

Folgen der Verwirrung

Die derzeit fehlende Präzisierung in der Offenlegungsverordnung birgt verschiedene Herausforderungen, u.a.:

  • Gefahr des Greenwashing: Die Unterscheidung zwischen Investor und Enterprise Impact dürfte v.a. Privatanleger*innen nicht geläufig sein. Generell gilt die Finanzbildung in Deutschland als schwach. Eine weitere Detaillierung im Bereich Nachhaltigkeit dürfte wohl für noch mehr Unverständnis führen. Anleger*innen könnten so in die Irre geführt werden, dass sie mit dem Kauf von Anteilen an Wertpapierfonds tatsächlich CO2-Emissionen einsparen. Diese unmittelbare Wirkung ist wissenschaftlich nicht fundiert, indirekt Wirkketten sind in der Branche umstritten.
  • Nachhaltigste Unternehmen unerkannt: Zur Transformation der Wirtschaft braucht es junge Unternehmen mit innovativen Geschäftsmodellen. Sie suchen händeringend nach Investorenkapital, haben aber häufig nicht die Kapazitäten für ein umfangreiches Nachhaltigkeits-Reporting. Damit ist aus Sicht des Fondsanbieters häufig nicht klar, inwieweit sie die gesetzlichen Anforderungen an eine Artikel 9-Klassifizierung erfüllen. Folge: in sie wird nicht investiert. Stattdessen wird in große nationale Unternehmen investiert, die umfassend über ihre Nachhaltigkeitsanstrengungen Bericht erstatten.
  • Verwässerung von Branchenstandards: Ebenso wenden sich Finanzakteure von einstigen Branchenstandards ab (wie eben jenem vom GIIN) und definieren anhand gesetzlicher Vorgaben ihren eigenen Impact-Standard. Einstige Branchenstandards verlieren somit an Relevanz.

Fazit und Verbesserungsvorschläge

Die bisherige Ausgestaltung zu nachhaltigen Investitionen in der Offenlegungsverordnung bietet Raum für Interpretation. Der Gesetzgeber sollte sich überlegen, nachzuschärfen. Glücklicherweise findet am Markt eine lebhafte Diskussion über die Wirkung von Investmentfonds statt. Wissenschaftler beziehen Position, welche Arten von Wirkung es bei den einzelnen Fondsklassen gibt. Drei Studien und Gutachten bieten gute Orientierungspunkte und eine gute Starthilfe für den Gesetzgeber. Der wissenschaftliche Artikel „Impact Investing – a call for (re)orientation“ differenziert die Impact-Potenziale von Investoren und Unternehmen. Das Gutachten von Prof. Dr. Klein im Auftrag der Verbraucherzentralen nimmt aus Verbrauchersicht Stellung dazu. Einen sehr guten Überblick über verschieden Impact-Ansätze bietet auch der Investor's Guide for Impact von Florian Heeb und Julian Kölbel. Es wäre eine Überlegung wert, bei der Umsetzung von technischen Regulierungsstandards die Kernpunkte dieser Werke mit einfließen zu lassen.


Stefan Fritz arbeitet als Spezialist Investmentfonds mit Fokus Sustainable Finance Regulatorik, Prozessmanagement und Fachkommunikation der GLS Investment Management GmbH. In den Jahren 2015 bis 2018 war er für das französische Researchunternehmen Novethic mit Sitz in Paris tätig, von wo aus er die Entwicklung des europäischen Marktes für nachhaltige Investments begleitete und für das Audit des FNG-Siegels zuständig war. LinkedIn

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig.
Mehr Informationen unter: www.gls-investments.de und kontakt@gls-investments.de

Anmeldung zum Newsletter: http://newsletter.gls.de/f/165422-291881/

Über die GLS Bank

Bei der GLS Bank ist Geld für die Menschen da. Sie finanziert nur sozial-ökologische Unternehmen und macht ihre Geschäfte umfassend transparent. Dabei bietet die Bank alle Leistungen einer modernen Bank: Girokonten, nachhaltige Fonds, Vorsorge und vieles mehr. Als Genossenschaftsbank kann jeder Anteile zeichnen und mitbestimmen. Über ihre Partnerin GLS Treuhand ist der Bereich Stiften und Schenken abgedeckt. Die GLS Bank hat ihren Sitz in Bochum und Standorte in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Freiburg, München und Stuttgart.

Biodiversität: Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene

von Wolfgang Pinner, Leiter Sustainable and Responsible Investment bei der Raiffeisen KAG.

Das Leben im anthropogenen (menschengemachten) Zeitalter bedeutet für die meisten Spezies dieser Erde nichts Gutes. Die Vielfalt an Arten und die Stabilität von Ökosystemen ist durch den Menschen immer stärker bedroht. Die immer weniger nachhaltigen Lebens- und Verhaltensmuster von zunehmend mehr Menschen führen zu einer spürbaren Verschlechterung der Umfeldbedingungen aller Tiere und vieler Menschen auf unserem Planeten. Die Frage stellt sich, ob der Mensch noch Teil des Ökosystems Erde ist oder er und seine Handlungen nur mehr im Widerspruch zur Natur stehen.

Ein Erhalt von funktionierenden Ökosystemen als Basis für die biologische Vielfalt unserer Welt ist daher das Ziel von nachhaltig denkenden Menschen und Investoren und wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft immer mehr als große Herausforderung für die Zukunft erkannt.

Der Begriff Biodiversität oder biologische Vielfalt bezeichnet die Vielfalt des Lebens, anders gesagt, die Variabilität verschiedener lebender Organismen in Ökosystemen an Land und im Meer. Biodiversität beschreibt damit einerseits die Vielfalt zwischen den Arten und andererseits die Vielfalt der Ökosysteme selbst sowie die genetische Vielfalt. Ein nachhaltiger Umgang mit der biologischen Vielfalt der Erde ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Menschen, Fauna und Flora.

Das Thema Biodiversität erhielt erstmals durch die Umweltkonferenz 1992 in Rio de Janeiro eine breite Aufmerksamkeit und gesellschaftspolitische Bedeutung. Ein Jahr später trat die Convention on Biological Diversity, das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) – ein internationales Umweltabkommen – in Kraft. Aktuell haben 196 Staaten unterzeichnet. Mit zwei Protokollen, dem Cartagena-Protokoll und dem Nagoya-Protokoll existieren zwei völkerrechtlich verbindliche Abkommen zur Umsetzung der Ziele der CBD. Das Cartagena-Protokoll regelt den grenzüberschreitenden Verkehr von gentechnisch veränderten Organismen, während das Nagoya-Protokoll die Aichi-Ziele für den weltweiten Artenschutz festgelegt hat. Die Aichi-Ziele besagten, dass bis 2020 der Verlust an natürlichen Lebensräumen halbiert werden sollte, die Überfischung der Weltmeere gestoppt und 17 % der Landfläche respektive 10 % der Meere unter Schutz gestellt werden sollten. Die Jahre 2011 bis 2020 waren von den Vereinten Nationen zur „Dekade der Biodiversität“ proklamiert worden. Im September 2020 wurde bekannt, dass die Aichi-Biodiversitätsziele nicht erreicht werden konnten.

Biodiversität im Zusammenhang mit der Vielfalt der Arten, Gene und Ökosysteme steht in Wechselwirkung mit der Gesundheit des Menschen. Gesunde und intakte Ökosysteme sind eine wesentliche Grundlage für die menschliche Gesundheit. Sie sorgen für saubere Luft und Trinkwasser, bieten gesunde Nahrung und Basis für Arzneimittel. Weitere Aspekte der Biodiversität sind der Schutz vor Naturgefahren und das Angebot von Erholungs- und Erfahrungsraum, beide sind für die menschliche Psyche und das Wohlbefinden wesentlich.

BODENVERBRAUCH IN ÖSTERREICH

Biodiversität und Bodenverbrauch stehen im klaren Widerspruch zueinander. Auf Basis der Daten des Österreichischen Umweltbundesamtes wurden in Österreich bis zum Jahr 2019 insgesamt 5.729 km2 an Boden verbraucht. Diese Flächeninanspruchnahme entspricht 7 % der Landesfläche und 18 % des Dauersiedlungsraumes. Die Bezeichnung „Bodenverbrauch“ bedeutet, dass biologisch produktiver Boden durch Verbauung und Versiegelung für Siedlungs- und Verkehrszwecke verloren geht. Die Definition umfasst auch intensive Erholungsnutzungen, Deponien, Abbauflächen, Kraftwerksanlagen und ähnliche Intensivnutzungen. Bodenversiegelung bedeutet, dass Boden luft- und wasserdicht abgedeckt wird, wodurch Regenwasser nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen versickern kann.

Die negativen Wirkungen der Bodenversiegelung umfassen neben der Gefährdung der biologischen Vielfalt auch verschiedene andere Aspekte, wie den Verlust der biologischen Funktionen, einen Prozess, der schwer rückgängig gemacht werden kann. Mit der Bodenversiegelung geht auch der Verlust der Produktivität einher, da die meisten Siedlungen in Regionen mit fruchtbarem Ackerland liegen. Außerdem ergeben sich ein erhöhtes Hochwasserrisiko, der Verlust der Staubbindung und Hitzeeffekte, da bei versiegeltem Boden kein Wasser verdunsten kann.

Der wachsende Bodenverbrauch bedeutet, dass sich der Umfang an Österreichs produktiven Böden verringert, wobei der jährliche Verlust im Zeitraum 2001 bis 2019 gemäß Umweltbundesamt zwischen 38 km2 und 104 km2 schwankte. Ab dem Jahr 2009 war eine Verlangsamung des Trends erkennbar, der aktuelle Mittelwert über drei Jahre liegt bei 44 km2, was in etwa der Größe von Eisenstadt entspricht. Dabei liegt der versiegelte Anteil zwischen 32 % und 41 % des jährlichen Bodenverbrauchs. Das Regierungsprogramm 2020–2024 sieht eine deutliche Verringerung des Bodenverbrauchs vor, der jährliche Zuwachs soll bis 2030 auf 9 km2 pro Jahr sinken. Übrigens gilt auf EU-Ebene die Vereinbarung, bis zum Jahr 2050 einen Nettolandverbrauch von null zu erreichen.

KAUSALER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN KLIMAWANDEL UND ABNAHME DER BIODIVERSITÄT

Bis vor einigen Jahrzehnten standen die unbedachte oder gezielte Ausrottung von Spezies und die Übernutzung an der Spitze der Gründe für eine Abnahme von Biodiversität. Mittlerweile führt die Veränderung oder Zerstörung ganzer Ökosysteme zu einem in der Historie bisher beispiellosen Artenrückgang. Ein wesentlicher Grund für den Verlust von Biodiversität ist die fortschreitende Änderung der Landnutzung. Wälder werden abgeholzt und natürliche Ökosysteme umgestaltet, um den Umfang landwirtschaftlich genutzter Flächen zu erhöhen. Neben der Waldvernichtung sind Gewässerverschmutzung, Verbauung von Flüssen, Zersiedelung und Versiegelung von Flächen Ursachen, die den Lebensraum vieler Arten vernichten. Folgen des Verlustes an Biodiversität sind Klimaänderungen, erhöhte Stickstoffbelastung in den Gewässern über Kunstdünger, die Einführung von invasiven Arten und die Erhöhung der Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Es zeigt sich, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Abnahme von Biodiversität und dem Phänomen des Klimawandels existiert.

LIVING PLANET INDEX

Der Living Planet Index ist ein Indikator zur Messung biologischer Vielfalt, er basiert auf Trends in der weltweiten Population von verschiedenen Spezies von Wirbeltieren. Der Index wurde vom WWF und dem UNEP Weltüberwachungszentrum für Naturschutz entwickelt. Basis des Living Planet Index ist die Entwicklung von fast 21.000 Populationen von fast 4.000 Wirbeltierarten. Aus dem aktuellen Report aus dem Jahr 2020 geht hervor, dass der Rückgang der biologischen Vielfalt zwischen 1970 und 2016 bei 68 % lag.

NEUN ÖKOLOGISCHE GRENZEN

Auch die neun Belastungsgrenzen des Planeten beschäftigen sich mit dem Thema Biodiversität. In ihrem Konzept über die ökologischen Grenzen der Erde hat die Universität von Stockholm neun Grenzen unseres Planeten definiert und Zukunftsszenarien bezüglich der globalen Umweltveränderungen gezeichnet. Diese Belastungsgrenzen der Erde (oft als „Planetare Grenzen“ bezeichnet) umfassen neben dem Verlust an Biodiversität den Ozonabbau der Stratosphäre, die Einbringung neuartiger Substanzen (wie Mikroplastik, Nanomaterial oder radioaktiven Abfall), den Klimawandel, die Übersäuerung der Ozeane, den Süßwasserverbrauch, die nicht nachhaltige Landnutzung, atmosphärische Aerosole und biochemische Kreisläufe (vor allem die Anreicherung der Ozeane mit Phosphor und Entnahme von Stickstoff aus der Atmosphäre). Aus Sicht der Wissenschaftler ist in bereits vier Fällen die Belastungsgrenze überschritten, es sind dies der Klimawandel, biochemische Kreisläufe, Landnutzung und der Biodiversitätsverlust.

Mögliche Maßnahmen zum Erhalt von Biodiversität sind die Schaffung von Schutzgebieten, die Vorbeugung bezüglich der Ausdehnung invasiver Arten, die Miteinbeziehung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei in Konzepte zum Erhalt von Biodiversität sowie die Schaffung starker Institutionen, die den Erhalt der Biodiversität und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen unterstützen und internationalen Abkommen zur Umsetzung verhelfen. Wesentlich erscheint auch die Information der Öffentlichkeit über den Nutzen der Erhaltung von Biodiversität. Biologische Vielfalt erhalten bedeutet auch die Förderung einer nachhaltigen Ausrichtung der Landwirtschaft, die Anpassung und eine Einschränkung der Zunahme der Nährstoffniveaus in Wasser und Boden.

FAZIT & NACHHALTIGKEITSBEWERTUNG

Biodiversität stellt in der Nachhaltigkeitsbewertung auf Unternehmensebene wie auf Staatenebene ein Positivkriterium dar und wird auch in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung mit SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) und SDG 14 (Leben unter Wasser) abgebildet.

E (Environment)

Biodiversität und damit verbunden die Artenvielfalt sind ein stark umweltbezogenes Thema, es geht um den Erhalt möglichst vieler Pflanzen- und Tierarten. Dabei sind einerseits die genetische Vielfalt innerhalb einer Art und andererseits die biologische Vielfalt der Lebensräume oder Ökosysteme von Relevanz. Auf Länderebene ist das Thema Biodiversität mit einer Einschätzung der Artenvielfalt – mit Bezug auf Säugetiere, Brutvögel, Reptilien und Fische – ein eigener Punkt der Nachhaltigkeitsanalyse.

S (Social)

Biologische Vielfalt gilt als wichtige Grundlage für das menschliche Wohlergehen. Die Natur stellt dem Menschen verschiedenste Ressourcen zur Verfügung, wie Nahrung, Brennmaterial und Baustoffe. Auch der psychische Aspekt der Biodiversität ist ein wesentlicher Faktor für das menschliche Wohlbefinden.

G (Governance)

Staaten, aber auch Unternehmen müssen Sorge tragen für den Erhalt der Biodiversität. Das auf Staatenebene geschlossene Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung des Erhalts der Artenvielfalt.

Fazit

Für Raiffeisen Capital Management ist Biodiversität ein wesentliches Zukunftsthema. Insbesondere bei Investments in Staatsanleihen nimmt es eine wichtige Rolle ein.


Die vollständige Ausgabe 32 von Raiffeisen Capital Management's Nachhaltig Investieren mit Grafiken finden Sie hier als PDF.

Investieren in Megatrends: Cashless Society

von Günther Schmitt, Fondsmanager des Raiffeisen-MegaTrends-Aktien.

Im 10. bis 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung wurde erstmals in der Menschheitsgeschichte staatlich anerkannt Papiergeld eingeführt – und zwar in China. Rund 1000 Jahre später ist China erneut Vorreiter bei der Entwicklung neuer Formen des Geldes und des Bezahlens. Papiergeld und generell das Bargeld erscheinen zunehmend als Auslaufmodelle. Geld wird uns grundsätzlich bis auf weiteres erhalten bleiben, ist es doch das „Schmiermittel“ unserer modernen Zivilisation, in vielerlei Hinsicht. Jedoch wird dabei das Bargeld zunehmend durch neue, elektronische (digitale) Bezahlformen ergänzt beziehungsweise verdrängt. Das beinhaltet zahlreiche Umwälzungen in vielen Wirtschafts- und Lebensbereichen. Diese Entwicklungen bieten gutes Ertragspotenzial für vorausschauende Investoren und bedeuten zugleich zusätzliche Risiken für all jene Unternehmen und Investoren, die diese Trends ignorieren.

Nur Bares ist Wahres?

Bargeld und seine Zukunft sind Themen, die sehr rasch zu erhitzten, emotionalen Debatten führen können. Für die einen hat es ausgedient und ist ein archaisches Relikt, das jede Menge Probleme und Nachteile mit sich bringt. Für die anderen ist es eine der wichtigsten Bastionen persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit. Für die einen ist es ein Ärgernis, das Geldwäsche, Geldfälschung und kriminelle Handlungen aller Art erleichtert und Geldpolitik erschwert. Für die anderen ist es ein robustes, bewährtes Bezahlverfahren, das auch dann noch problemlos funktioniert, wenn Stromversorgung oder Internet ausfallen und das für Hackerattacken unerreichbar ist.

Die Bezahlwelt ist im Umbruch

Wenn der „Durchschnittsbürger“ in Europa, Nordamerika oder Japan an bargeldloses Bezahlen denkt, dann verbindet er damit vor allem Bankomat-, Kreditkarte und Online-Überweisung. In China hingegen wird man in erster Linie an das Smartphone denken. Es ist absolut möglich, dass es junge Menschen in Shanghai, Peking oder Dalian gibt, die noch nie in ihrem Leben mit Bargeld oder Kreditkarten hantiert haben und dies auch niemals tun werden. Chinas Milliardenvolk hat die Kreditkarte weitgehend übersprungen – sehr zum Leidwesen der Branchenriesen Visa und Mastercard. Stattdessen ist das „Reich der Mitte“ Vorreiter bei Bezahl-Software, mit der Banktransaktionen und Bezahlvorgänge per Handy erfolgen.

Einfach das Handy im Supermarkt einzusetzen, findet aber auch hierzulande zunehmend Verbreitung. Die Covid-19-Pandemie und die Angst vor Virenübertragung durch Geldscheine und Münzen haben dem bargeldlosen Bezahlen auch in Europa einen starken Schub gegeben. Selbst in Ländern wie Österreich und Deutschland, in denen weiterhin viele Menschen Bargeld bevorzugen, ist der Anteil bargeldloser Transaktionen in den letzten 12 Monaten sprunghaft gestiegen. Hinzu kommt der zusätzliche starke Impuls für den – naturgemäß bargeldlosen – Online-Handel als Folge von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen. Wichtig für Investoren ist dabei, dass der Trend zu bargeldlosen Zahlungen nicht durch die Pandemie geschaffen, sondern durch sie nur verstärkt wurde. Daher wird er auch nicht mit ihr enden. Ein weiterer starker Treiber für den Vormarsch elektronischer Bezahlformen zeichnet sich ab: die Notenbanken! Auch hier scheint China einer der Vorreiter zu sein, aber auch in der Eurozone, den USA, Japan und selbst in Staaten wie Venezuela, arbeiten die Zentralbanken offenbar mit Hochdruck an der Einführung „digitaler Währungen“. Sie würden ihnen unter anderem zusätzliche Möglichkeiten in der Geldpolitik eröffnen.

„Kryptowährungen“ – das Geld der Zukunft?

Beim Stichwort „digitale Währungen“ werden allerdings viele Menschen wohl nicht so sehr an Euro oder US-Dollar denken, sondern in erster Linie an Bitcoin und Co. Diese so genannten Kryptowährungen haben vor allem durch ihre gewaltigen Preisanstiege in den letzten Monaten (gegenüber den herkömmlichen „Papiergeldwährungen“) viele neue Fans gewonnen und auch so manchen Skeptiker in Unternehmen und bei institutionellen Investoren überzeugt. Allerdings: der Begriff „Kryptowährung“ ist eigentlich irreführend. Kaum einer dieser inzwischen tausenden verschiedenen „cryptocoins“ erfüllt auch nur annähernd die Kriterien einer Währung. Das gilt selbst für Bitcoin und Ethereum, die beiden Platzhirsche in dem Segment. Je nach Sichtweise sind sie aktuell in erster Linie Anlage- oder Spekulationsobjekte, die gehortet, aber nicht zum Bezahlen verwendet werden. Ganze Bücher lassen sich über Chancen, Risiken und mögliche Zukunftsanwendungen dieser meist auf so genannten Blockchains basierenden Anwendungen schreiben. Die zugrundeliegenden Technologien (beispielsweise „smarte Verträge“) oder deren Weiterentwicklungen könnten viele Vorgänge in modernen Volkswirtschaften stark verändern. Vor allem, aber nicht nur, in der Finanzbranche. Für den Moment und noch für längere Zeit sind die „cryptocoins“ in Bezug auf eine Funktion als Zahlungsmittel aber ein reines Nischenprodukt und kein ernstzunehmender Faktor im weltweiten Zahlungsverkehr. Ob sie jemals einer werden oder überhaupt überleben, ist derzeit noch völlig offen.

Der neue Goldrausch?

Es liegt auf der Hand, dass der stürmische Trend zu neuen Bezahlformen eine wahre Goldgrube sein kann für jene Unternehmen, die sich an die Spitze dieser Entwicklung setzen können und eine ernsthafte Bedrohung für diejenigen, die sie ignorieren. Etliche Unternehmen, die bargeldloses Bezahlen ermöglichen oder vereinfachen, haben gewaltige Wertsteigerungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfahren. Angefangen bei den heute schon fast „traditionell“ wirkenden Kreditkartenanbietern Visa und Mastercard bis hin zu den deutlich jüngeren Unternehmen, wie PayPal, Square, Apple pay (Apple) oder Alipay (Alibaba). Fast allen ist gemeinsam, dass sie über eine enorme Skalierbarkeit verfügen und vergleichsweise wenig in Maschinen, Gebäude oder Personal investieren müssen. Skalierbarkeit bedeutet letztlich, dass mit minimalem zusätzlichen Kapitalaufwand große Mengen an zusätzlichen Erlösen möglich sind. Die Softwarebranche ist das Paradebeispiel dafür und im Grunde sind fast alle bargeldlosen Bezahlformen auch in erster Linie Softwarelösungen. Selbstverständlich sind solche Wertsteigerungen in der Vergangenheit aber keinerlei Gewähr oder Anhaltspunkt für zukünftige Kursentwicklungen.

Bezahlunternehmen – aussichtsreich, aber kein Selbstläufer

Wo neue Gewinner entstehen, gibt es naturgemäß immer auch Verlierer. Banken waren einst die Alleinherrscher beim Bezahlen, bis ihnen die Kreditkartenunternehmen zunehmend Teile des Geschäfts abgruben. Den Banken war es trotzdem lange Zeit recht, weil auch sie vom zusätzlichen Transaktionsvolumen profitierten. Inzwischen aber drohen sie weitgehend abgehängt zu werden in der Bezahl-Wertschöpfungskette. Zugleich sehen sich aber auch Kreditkartenunternehmen unter Druck durch neue Mitbewerber, die online oder auch im Supermarkt Zahlungen ganz ohne Kreditkarte (oder Bankomatkarte) ermöglichen.

Was bedeutet das für Anleger und Investoren? Nun, vor allem, dass auch ein vermeintlich klarer Trend, wie bargeldloses Bezahlen, keinesfalls automatisch zu Reichtum für Investoren führt. Und wie bei jedem vermeintlichen „Goldrausch“ gibt es natürlich auch etliche „schwarze Schafe“, die versuchen mit zu schwimmen und zu profitieren, Stichwort: Wirecard. Der Raiffeisen-MegaTrends-Aktien war in Wirecard übrigens nicht investiert, da das Unternehmen vom Fondsmanagement als nicht gut genug befunden wurde. Stattdessen engagiert sich der Fonds in Unternehmen, wie beispielsweise Adyen, Worldline, Paypal, GMP Payment Gateway, Alibaba oder Visa.

Der grundlegende Ansatz dabei: Das Fondsmanagement setzt auf ein relativ breites Spektrum sehr wahrscheinlicher Profiteure und versucht, etwaige Verlierer möglichst zu vermeiden. Es wird vermutlich mehr als nur einen großen Gewinner geben, bietet doch das bargeldlose Bezahlen eine ganze Reihe von unterschiedlichen profitablen Tätigkeitsfeldern für findige Unternehmer.

Übrigens: Viele Bezahlunternehmen dürften eine ausgezeichnete Absicherung gegen etwaige Inflationsrisiken bieten, die zuletzt ganz verstärkt im Rampenlicht vieler Investoren stehen. Denn mit generell anziehenden Preisen für Waren und Dienstleistungen steigen auch die Transaktionsvolumina und damit die Gebühren und Gewinne dieser Unternehmen.

Fazit

Bargeld wird zunehmend durch neue Formen des Bezahlens ergänzt und verdrängt. Dabei gibt es verschiedene konkurrierende Technologien und Anbieter und damit ist auch hier eine kontinuierliche sorgfältige Beobachtung und eine gute Unternehmensauswahl durch das Fondsmanagement vonnöten. Dementsprechend können sich die Positionierungen des Fonds auch jederzeit ändern. Die mit Aktieninvestments grundsätzlich verbundenen Risiken gelten selbstverständlich auch für die Unternehmen, die sich im Bereich „bargeldloses Bezahlen“ engagieren.