Aktien-Erträge mit Dividenden: Es kommt auf die Marktphase an

von Harald Egger, Chief Analyst der Erste Asset Management.

Wenn man von der „Performance von Aktien“ spricht, verstehen darunter die meisten die Veränderungen der Kurse. Vernachlässigt wird dabei die zweite Ertragskomponente, die Dividende. Die alleinige Betrachtung des Kursverlaufes erscheint mir zu einseitig. Denn die Dividenden können wie z.B. bei den an der Wiener Börse notierten Aktien bis zu einem Drittel zu den Gesamterträgen beisteuern. Doch nicht in jeder Marktphase sorgen dividendenstarke Titel auch für die höchsten Gesamt-Erträge.

In der Börsen-Baisse mehr Gewicht für Dividenden

Global gesehen beträgt der Anteil der Dividenden am Gesamtertrag ca. ein Fünftel. Im Zeitablauf ist dieser Anteil relativ konstant geblieben. In schwierigen Börsenphasen können die Dividendenerträge die alleinige Einnahmequelle darstellen, wenn Kurssteigerungen ausbleiben.

Dividendenerträge spielen an allen Börsen eine Rolle 

Quelle: Thomson Reuters Datastream
Quelle: Thomson Reuters Datastream

Gesamtertrag mit Dividenden langfristig doppelt so hoch als nur mit Kurssteigerung

Im langfristigen Vergleich sind Dividenden von großer Bedeutung. Wenn wir die Entwicklung der letzten 40 Jahre zurückverfolgen, liegt der Gesamtertrag mehr als doppelt so hoch wie die Kurssteigung alleine. Vorausgesetzt natürlich, dass die Dividenden wieder investiert werden.

Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt lt. OeKB Methode. In der Wertentwicklung sind keine Spesen oder Steuern berücksichtigt (Ausnahme: Dividendenertragssteuer von 28%). Der bei Kauf anfallende einmalige Ausgabeaufschlag und andere ertragsmindernde Kosten wie individuelle Konto- und Depotgebühren sind in der Darstellung auch nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung einer Börse oder eines Fonds zu.

Cost-Average-Effekt mit wieder veranlagten Dividenden

Gerade in einer Phase stark schwankender Kurse mit deutlichen Korrekturen und Rückschlägen profitieren Anlegerinnen und Anleger durch das antizyklische Handeln. Sinken die Kurse, kann man mit seiner reinvestierten Ausschüttung mehrere Aktienanteile kaufen. Dieser sogenannte „Cost-Average-Effekt“ kommt den Anlegern voll zugute. Das setzt natürlich voraus, dass Anleger die Dividenden sofort wieder veranlagen und nicht zuwarten

Dividenden als Inflationsschutz

Im Gegensatz zu Ausschüttungen bei Anleihen steigen die Dividenden-Auszahlungen kontinuierlich an. Im Durchschnitt haben die Unternehmen im MSCI-Weltaktien-Index ihre Dividenden um 5,2 Prozent pro Jahr gesteigert. Über einen Zeitraum von 40 Jahren entspricht das einer Verzehnfachung. In den 70er Jahren bis weit in die 2000er Jahre boten Dividenden einen ausgezeichneten Inflationsschutz. Seit der Finanzkrise sind die Dividenden sogar deutlich stärker als die Inflation gestiegen. 

Quelle: Thomson Reuters Datastream
Die Berechnung der Wertentwicklung erfolgt laut OeKB Methode. In der Wertentwicklung sind keine Spesen oder Steuern berücksichtigt. Der bei Kauf anfallende einmalige Ausgabeaufschlag und andere ertragsmindernde Kosten wie individuelle Konto- und Depotgebühren sind in der Darstellung auch nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine verlässlichen Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung einer Börse oder eines Fonds zu.

High Dividend Aktien als Stilbetrachtung

Die Bedeutung von Faktoren/ Stile ist in den letzten Jahren wieder deutlich gestiegen. Neben High Dividend (Aktien mit hoher Dividendenrendite) genießen die Faktoren „Value“ (Aktien mit niedrigen Bewertungskennzahlen), „Quality“ (Aktien mit hohen Qualitätsmerkmalen), „Momentum“ (Aktien, die in der Vergangenheit outperformt haben) oder „Small Caps“ (niedrige Börsenkapitalisierung) einen hohen Stellenwert.

Ich bin mit der Stilbezeichnung „High Dividend“ nicht wirklich glücklich. Die Gruppe solcher Dividendenaktien ist sehr inhomogen: Ein Teil der High Dividend-Aktien sind der Kategorie Value andere wiederum der Kategorie Quality zuzuordnen. Beide Segmente können sich sehr unterschiedlich entwickeln.

Wenn wir das Ertrags/ Risiko Verhältnis der einzelnen Stilrichtungen betrachten, ergibt sich folgendes Bild:

Quelle: Bloomberg

Das Risiko-Ertragsverhältnis mit Qualitätsaktien verbessern

High Dividend Aktien haben sich in den letzten 15 Jahren etwas besser geschlagen als der Weltaktienindex MSCI. Allerdings war das Risiko höher. Wollte man in den letzten Jahren das Ertrag/Risiko-Verhältnis verbessern, wäre eine Konzentration auf Quality-Aktien, d.h. Unternehmen mit einer hohen Profitabilität, einer geringen Verschuldung und einer konstanten Gewinnentwicklung, angebracht gewesen. Ein Teil der High Dividend-Aktien fällt in diese Kategorie, aber eben nicht alle. Vor allem Finanzwerte und Rohstoffaktien erfüllen diese Anforderung zumeist nicht.

Geringeres Risiko bedeutet nicht geringeren Ertrag

Interessant ist die Performance der „Minimum-Volatility“ Strategie in den letzten 15 Jahren. Sie widerlegt die akademische Annahme, dass die Verringerung von Risiko mit geringeren Erträgen einhergeht. Wenn man für die Veranlagung Fonds in Betracht zieht, die eine High Dividend-Strategie verfolgen, sollte man sich genau ansehen, was das Fondsmanagement tut: Konzentriert es sich auf Qualitätsaktien mit einer stabilen Dividendenauszahlung? Oder spielen auch zyklische Unternehmen, also solche, deren Erträge stark schwanken, eine Rolle? Oder versucht das Management gar eine Minimum Volatility-Komponente im Fonds einzubauen.

Dies geschieht zum Beispiel beim ERSTE RESPONSIBLE STOCK DIVIDEND, einem nachhaltigen Dividendenaktienfonds aus dem Sortiment der ERSTE-SPARINVEST. Der Fonds konzentriert sich bewusst auf dividendenstarke Unternehmen, die eine hohe Qualität und eine unterdurchschnittliche Volatilität aufweisen. Damit ist der Fonds defensiv ausgerichtet.

In Abwärtsphasen steht bei diesem Fonds die Reduzierung von Verlusten im Vordergrund. Wenn die Börsen boomen, wie dies in letzter Zeit der Fall war, hinkt er der Wertentwicklung von Fonds mit Wachstumsfokus (wie zB ESPA STOCK GLOBAL) hinterher. Dieses Merkmal lässt sich durch die Stil-Analyse untermauern. Je nach Erwartung der Börsenphase, stehen somit unterschiedliche Produkte zur Auswahl.

Unterschiede in der Performance: Vor oder nach der Finanzkrise 

High Dividend Stocks haben sich in den letzten Jahren zwar leicht besser als der Gesamtmarkt entwickelt, aber schlechter als die anderen gängigen Faktoren. Auffallend ist die Unterperformance in den letzten fünf Jahren. Seit der Finanzkrise in 2008 haben vor allem Quality- und Momentum-Aktien den Markt deutlich schlagen können. Vor der Finanzkrise waren Value-Aktien die Star-Performer. Eine Dividenden-Strategie hätte während der gesamten Beobachtungszeit von 15 Jahren erfolgreich sein können. Allerdings hätte man sich vor der Finanzkrise auf Rohstoff- und Finanzaktien mit hoher Rendite konzentrieren sollen. Nach der Finanzkrise wären defensive Konsum- oder Gesundheitsaktien besser gewesen. Schön zu sehen ist, dass die Minimum Volatility- Strategie dann gut funktioniert, wenn an den Märkten ein Krisenszenario vorherrscht. 2016 bis 2018 war wenig von Krisen an den Aktienmärkten zu spüren. Die Minimum Volatility-Strategie konnte in dieser Phase nicht mit dem Markt mithalten. 

Quelle: Bloomberg
Quelle: Bloomberg

Zusammenfassend kann man festhalten, dass in unterschiedlichen Phasen unterschiedliche Segmente von High Dividend Aktien im Fokus der Anleger stehen: In einer schwierigen Börsenphase (schwache Konjunktur) werden Dividendenaktien aus dem Segment Konsum und Gesundheitswesen besser performen. Wenn die Wirtschaft stark ist und die Zinsen steigen, werden Finanz- und Rohstoffwerte besser abschneiden. Gerade diese inhomogene Zusammensetzung des High Dividend-Segment macht es schwierig von einer Gruppe zu sprechen.


Über den Autor
Harald Egger ist Chief Analyst und arbeitet seit 2001 bei der Erste Asset Management. Davor war er vier Jahre als Fondsmanager und Analyst für AXA Investment Management in London tätig. Er leitete den Bereich Aktien innerhalb der Erste Asset Management und war bis April 2013 CIO für das Unternehmen. Er ist seit 1992 in der Finanzindustrie tätig.
Harald Egger hat ein Studium der Volkswirtschaft der Universität Wien absolviert. Darüber hinaus besitzt er die Diplome zum CEFA (Certified European Financial Analyst) sowie CFA (Chartered Financial Analyst).

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.