Eine Klasse für sich: Anleihenmärkte in asiatischen Schwellenländern

Warum sich Anleger, die eine stabile und attraktive Renditequelle in einem diversifizierten Anleihenportfolio suchen, in asiatischen Schwellenländern umschauen sollten, erklärt Raymond Sagayam, Chief Investment Officer - Fixed income bei Pictet Asset Management.

Asiatische Anleihen: Einführung

Nutze jede gute Krise. 

Wenn es eine Region auf der Welt gibt, die diesem Ratschlag gefolgt ist, dann ist es Asien. 

Zwei Jahrzehnte nach dem Währungscrash in der Region florieren die asiatischen Volkswirtschaften und profitieren von den institutionellen, regulatorischen und Kapitalmarktreformen, die deren internationale Wettbewerbsfähigkeit beflügelt haben. 

Die asiatischen Schwellenländer sind mittlerweile die am schnellsten wachsende Region der Welt, mit einem Wirtschaftswachstum von etwas mehr als 6% pro Jahr1. Dank dieser starken Fundamentaldaten gewinnen die asiatischen Anleihenmärkte immer mehr an Tiefe und Vielfalt und werden zum Magnet für eine wachsende Zahl in- und ausländischer Anleger. 

Die Anleihen aus dieser Region überzeugen durch attraktive Renditen und niedrige Volatilität und bieten sich als strategisches Engagement für Anleger an, die ordentliche Erträge und Diversifizierung anstreben.

Überblick: Asien hat viel zu bieten

Anleger können aus vier Unteranlageklassen im Universum asiatischer Anleihen wählen: Staatsanleihen, die auf Lokalwährung oder US-Dollar lauten, Unternehmensanleihen und chinesische Onshore-Anleihen, die auf Renminbi (RMB) lauten (siehe Abbildung). 

ASIATISCHE ANLEIHEN IM ÜBERBLICK

*Verfallsrendite **S&P-Ratings
Quelle: JP Morgan, ChinaBond. Rendite, Duration und durchschnittliches Rating von chinesischen Anleihen in Lokalwährung sind durch Durchschnittswerte für das Pictet-Chinese Local Currency Debt-Portfolio dargestellt. Daten vom 30.06.2018.

  • Asiatische Staatsanleihen in Lokalwährung: Diese Instrumente sind anfälliger für Veränderungen der gesamtwirtschaftlichen Bedingungen im Land. Dieser Markt eignet sich für Anleger, die am langfristigen Wachstum asiatischer Volkswirtschaften sowie am langfristigen Aufwertungspotenzial asiatischer Währungen partizipieren möchten. Es ist auch möglich, dass sich Staatsanleihen in Lokalwährung mit der Zeit zu einer defensiven Anlageklasse entwickeln, wie bei US-Staatsanleihen oder japanischen Staatsanleihen geschehen.
  • Asiatische USD-Staatsanleihen: Dieses auf US-Dollar lautende Universum bietet Anlegern die Möglichkeit, von den starken wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Asien zu profitieren, ohne einem Währungsrisiko ausgesetzt zu sein. Anleger, die in diese Art von Anleihen investieren, dürften von der wahrscheinlichen Verbesserung des Bonitätsprofils der Emittenten profitieren, was langfristig die Hauptquelle für Kapitalwachstum sein wird.
  • Asiatische USD-Unternehmensanleihen: Diese Anlageklasse setzt sich aus Instrumenten mit hohem Rating zusammen; fast 70% der Emittenten sind mit BBB und höher bewertet. Beim breiteren Markt für Schwellenländeranleihen sind es nur 54%. Die meisten Emittenten sind dank großer Liquiditätspolster und niedriger Verschuldung im Vergleich zu anderen Regionen wesentlich besser aufgestellt, ihrenSchuldendienst zu leisten und ihre Schulden zurückzuzahlen. Der Verschuldungsgrad (gemessen am Verhältnis Nettoverschuldung-EBITDA) asiatischerUnternehmen liegt bei rund 1,7 – inden Schwellenländern dagegen bei 2,1 und in den USA bei 2,8. Hinzu kommt, dass sich asiatische Unternehmensanleihen zu einer immer ergiebigeren Quelle von Investmentgelegenheiten entwickeln, weil lokale Unternehmen statt auf kurzfristige Bankkredite verstärkt Möglichkeiten der längerfristigen Fremdfinanzierung nutzen.
  • Chinesische Onshore-Anleihen: Auf RMB lautende Anleihen sind bereits der drittgrößte Anleihenmarkt der Welt – der immer weiter wächst. Grund hierfür sind die attraktiven Renditen und das Engagement in einer Währung mit starkem Aufwertungspotenzial. Bisher waren chinesische Onshore-Anleihen von den großen Schwellenländer- und globalen Anleihenindizes ausgeschlossen, aber das dürfte sich bald ändern. Die Maßnahmen Pekings zur Liberalisierung des Kapitalmarkts dürften die Aufnahme in die wichtigen weltweiten Anleihenindizes erleichtern – dadurch könnten 286 Mrd. USD in die Anlageklasse fließen. Wir gehen außerdem davon aus, dass sich der RMB in den kommenden Jahren zu einer bedeutenden internationalen Währung entwickeln wird. Damit dürfte die Nachfrage nach chinesischen Anlagen im Ausland rasant wachsen und der Wert der Währung langfristig Auftrieb erhalten.

Regionale Bindung der asiatischen Anleger ist Stabilitätsanker

Asiatische Anleihen haben bewiesen, dass sie Marktstürme besser abwettern können als Schwellenländeranleihen. Chinesische, auf RMB lautende Anleihen zum Beispiel haben sich bei allen großen Verkaufswellen in Schwellenländern in den letzten 10 Jahren überdurchschnittlich entwickelt (siehe Abbildung).

ASIEN KANN SICH BEHAUPTEN

Anlagerendite bei großen Verkaufswellen
Es wurden folgende Zeiträume zugrunde gelegt: Weltweite Finanzkrise (01.08.2008–31.10.2008) EU-Staatsschuldenkrise (15.08.2011–30.11.2011) Drosselungsangst (08.05.2013–31.12.2013) Türkei-Argentinien-Krise (31.07.2018–31.08.2018). Alle Indizes auf Basis der Gesamtrendite und in US-Dollar. Quelle: JP Morgan, ChinaBond, Bloomberg

Asiatische Anleihen entwickeln sich zudem recht selten im Gleichschritt mit Mainstream-Anlageklassen wie Industrieländeranleihen und -aktien sowie Rohstoffen. 

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der asiatische Anleihenmarkt ist zum Beispiel nicht besonders anfällig für Veränderungen beim Rohstoffpreis, der mitunter extrem schwanken kann.

Das gilt insbesondere für asiatische Unternehmensanleihen, die nicht so stark in Öl, Gas, Metall und Bergbau investiert sind wie die Anleihenmärkte anderer Regionen2.

Asien setzt auf lokal

Was besonders ins Gewicht fällt: Der asiatische Anleihenmarkt hat eine große und stabile inländische Anlegerbasis. Bei dieser Gruppe vorwiegend institutioneller Anleger ist in der Regel der Anlagehorizont länger und die Toleranz gegenüber Währungsschwankungen größer. Das trägt dazu bei, dass sich die Gesamtvolatilität der Anlageklasse verringert.

In China machen ausländische Anleger nur 2% des auf RMB denominierten Anleihenmarkts aus. Hinzu kommt, dass auf dem asiatischen Kreditmarkt mehr als 70% der Neuemissionen von Anlegern aus der Region gehalten werden.

Zahlen der Asiatischen Entwicklungsbank belegen, dass asiatische Anleger im Durchschnitt mehr als 80% ihrer Portfolios entweder an ihren Heimat- oder regionalen Anleihenmarkt halten3.

Weitere Daten zeigen, dass sich intraregionale Anlagen in Anleihen in den 15 Jahren bis 2016 fast verneunfacht haben4.

Diese regionale Orientierung, auch gerne als „Asian bid“ bezeichnet, dürfte sich weiter verstärken, da Zentralbanken in Asien – wo sich die größten Devisenreservenbestände der Welt befinden – versuchen, mehrere Billionen Dollar an angespartem Kapital wieder direkt in die Region zurückzuführen.

Die asiatischen Währungshüter haben ein großes Interesse daran, dass sich die Anleihenmärkte der Region weiterentwickeln, damit die zu starke Abhängigkeit von kurzfristigen Bankkrediten abnimmt und die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems durch Projekte wie die „Asiatische Anleihenmarkt-Initiative“ gestärkt wird5.

Der asiatische Anleihenmarkt dürfte sich also zu einer liquiden Mainstream-Anlageklasse entwickeln, die internationale Anleger nutzen können, um ihre bestehenden Schwellenländer- oder globalen Anleihenportfolios zu diversifizieren.

Robuste wirtschaftliche Fundamentaldaten

Die günstigen makroökonomischen Rahmenbedingungen in Asien sind ein weiteres Plus. 

UNTER KONTROLLE

Gesamtinflation auf Grundlage des VPI, %

Basierend auf einem gleitenden 3-Monats-Durchschnitt einer Veränderung der Gesamtinflation auf Grundlage des VPI gegenüber dem Vorjahr. Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Thomson Reuters Datastream, Daten vom 11.09.2018

Neben dem robusten Wachstum ist zudem die Inflation in den asiatischen Schwellenländern niedrig. Die Gesamtinflationsrate liegt bei 2,4%, wie zuletzt 2009. Die Zahl ist niedriger als in Schwellenländern in Lateinamerika und Osteuropa und liegt unter dem Wert für die Schwellenländer insgesamt (siehe Abbildung).

Insbesondere Anleihen in Lokalwährung dürften davon profitieren, dass die asiatischen Währungen mittelfristig sicherlich anziehen.

Die Währungsaufwertung war in den vergangenen zehn Jahren eine Hauptrenditequelle bei Schwellenländeranleihen in Lokalwährung – in einer Größenordnung von bis zu einem Viertel der Gesamtrendite der Anlageklasse6.

AUF SCHNÄPPCHENJAGD

Abweichung Schwellenländerwährungen vom wahren Wert

*Gleichgewichtete Wechselkurse: CNY, HKD, INR, IDR, KRW, MYR, PHP, SGD, TWD, THB. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.12.1979–28.09.2018. Quelle: Thomson Reuters Datastream, Pictet Asset Management

Unseren Ökonomen zufolge sind asiatische Währungen so günstig wie zuletzt während der Finanzkrise 1997/98 – das lässt sich angesichts der robusten wirtschaftlichen Fundamentaldaten nur schwer erklären (siehe Abbildung). Da die Produktivität in der Region rasch zunimmt, ist viel Raum für eine Währungsaufwertung in den kommenden Jahren.

Das gilt insbesondere für den RMB, dessen anhaltende Internationalisierung Zuflüsse aus dem Ausland begünstigen dürfte. Unsere Ökonomen gehen davon aus, dass die chinesische Währung in den kommenden fünf Jahren auf 6 RMB je US-Dollar ansteigen wird. Sollten Wirtschaftswachstum und Produktivität in China nach oben überraschen, könnte der Anstieg sogar noch größer sein (siehe Secular Outlook 2018).

Ein breites und vielfältiges Anlageuniversum

Die asiatischen Anleihenmärkte entwickeln sich in schnellem Tempo zu einer strategischen Anlageklasse für internationale Anleger. 

An den globalen grenzüberschreitenden Zuflüssen in Anleihen ist abzulesen, dass sich Allokationen in Asien in den 15 Jahren bis 2016 auf 1,6 Bio. USD mehr als verfünffacht haben7.

Auf lange Sicht kann der asiatische Anleihenmarkt sogar mit noch größeren Zuflüssen rechnen. Da sich immer mehr internationale Anleger bewusst werden, welch bedeutende Rolle asiatische Anleihen in einem diversifizierten Portfolio spielen können, dürfte der in die Anlageklasse fließende Anteil des Vermögens – zurzeit um einiges niedriger als in anderen Schwellenländerregionen (siehe Abbildung) – mit der Zeit wachsen.

ASIEN UNTERREPRÄSENTIERT

Verteilung Schwellenländeranleihen-Portfolios nach Land

Basierend auf einer Umfrage von JP Morgan bei Kunden, die in Schwellenländern engagiert sind. Diese Befragung findet monatlich statt und gibt Auskunft über die Positionierung in Schwellenländeranleihen und Devisenanlagen. Befragt werden 200 Anleger, die ein Vermögen von mehr als 1 Bio. USD in Schwellenländeranlagen verwalten. Skala reicht von +10 (stark übergewichtet) bis -10 (stark untergewichtet). Quelle: JP Morgan, Daten vom 31.08.2018

Alles spricht für aktives Investieren

Wir glauben, dass Anleger das attraktive Anlagepotenzial asiatischer Anleihen am effizientesten mit einem aktiven Investmentansatz nutzen können. Pictet Asset Management investiert schon seit vielen Jahren erfolgreich in Schwellenländern, so dass wir sehr gut aufgestellt sind, um die Chancen auf dem asiatischen Anleihenmarkt zu nutzen.


Quellen

1) Nach Prognosen des IWF werden asiatische Volkswirtschaften 2018 und 2019 mit einer Rate von mindestens 6,5% wachsen.
2) Quelle: JP Morgan, JPM CE MBI Broad Index, Daten vom 31.07.2018
3) Bezug auf acht asiatische Märkte (Hongkong, Indonesien, Korea, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand). Ohne Indien, wo die Allokation in Heimatmärkte bei fast 100% liegt. Quelle: Asiatische Entwicklungsbank, Stand 30.04.2012.
4) Quelle: IWF/Institute for International Monetary Affairs, Daten vom 03.02.2018
5) Die „Asiatische Anleihenmarkt-Initiative“ ist ein Projekt, das im Dezember 2002 von der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) und der Volksrepublik China, Japan und der Republik Korea (zusammen ASEAN+3) ins Leben gerufen wurde, um die Finanzstabilität zu erhöhen und die Anfälligkeit der Region gegenüber einer plötzlichen Umkehr der Kapitalflüsse zu mindern.
6) Quelle: JP Morgan GBI-EM Index, basierend auf Daten für den Zeitraum 31.12.2001–31.08.2018
7) Quelle: IWF/Institute for International Monetary Affairs, Daten vom 03.02.2018

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Über Raymond Sagayam

Raymond Sagayam kam 2010 zu Pictet Asset Management und ist Chief Investment Officer für Fixed Income.
Bevor er zu Pictet kam, war Raymond Sagayam Geschäftsführer bei Swiss Re Asset Management, wo er sich als Leiter für Dollar- und Euro-Anlagen um Kredit Relative-Value-Strategien kümmerte. Davor arbeitete er für Bank Brussels Lambert (ING) im Handel mit US-Unternehmensanleihen. Er hat mit Unternehmensanleihen aus allen wichtigen Regionen gehandelt und begann seine berufliche Laufbahn 1997 bei ING Barings im Bereich Schwellenländer.
Raymond Sagayam hat einen BSc in Wirtschaft der London School of Economics & Political Science (LSE) und einen Master („Contemporary Theology in the Catholic Tradition“) des Heythrop College der University of London. Zudem ist er Chartered Financial Analyst (CFA).

Über Pictet Asset Management 

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 163 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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