Leben Sie nachhaltiger und gesünder! - Teil 2

Von Nina Hodzic, ESG-Spezialistin bei NN Investment Partners: Sport - verändertes Verhalten und Unterstützung von Unternehmen, die  einen gesünderen und nachhaltigeren Lebensstil unterstützen – welche Rolle spielt der Staat? 
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Sportschuhe und –bekleidung
Regelmäßige Bewegung ist nicht nur gut gegen Übergewicht, sondern trägt ganz allgemein zu Gesundheit und Wohlbefinden bei. Unter anderem senken Sport und Bewegung das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Beschwerden, wie zum Beispiel hoher Blutdruck und Herzerkrankungen, sinkt deutlich. Nicht zuletzt trägt körperliche Aktivität auch zum seelischen Wohlbefinden bei, baut Stress ab und wirkt Ängsten und Depressionen entgegen. Gewichtsbelastende Übungen wie Joggen stärken die Knochendichte und schützen so vor Osteoporose.

Die Förderung körperlicher Aktivität und eines gesünderen Lebensstils dürfte dazu führen, dass sich immer mehr Menschen sportlich betätigen. Die Aktien von Unternehmen, die im Bereich Fitness, Sport sowie Sportbekleidung tätig sind, sind gut aufgestellt, um von diesem Trend zu profitieren. In  den Emerging Markets wird seit jeher weniger Sport getrieben als in den Industrieländern, doch mit steigenden Einkommen des Mittelstands steigt auch das Interesse an Sport und körperlichen Freizeitbetätigungen. Eine wachsende Zahl von Unternehmen investiert in die Entwicklung eines Produktangebots, das sich speziell an Frauen richtet: Frauen werden zunehmend sportlicher; auf sie entfällt bereits über ein Drittel der Ausgaben für Sportschuhe. Hinzu kommt die Überalterung der Bevölkerung in vielen Teilen der Welt. Auch hier rücken Sport und regelmäßige Bewegung verstärkt in den Mittelpunkt, da die Senioren mehr Zeit mit Sport und körperlichen Aktivitäten verbringen.

Gesundheitswesen
Wie bereits erwähnt erhöht Fettleibigkeit das Risiko, an bestimmten ernährungsbedingten Störungen zu erkranken, wie insbesondere Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Diabetes ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, bei der entweder die Bauchspeicheldrüse nicht genug Insulin produziert oder der Körper das produzierte Insulin nicht verwerten kann (Quelle: WHO). Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel) ist eine häufige Folge unbehandelter Diabetes und führt im Laufe der Zeit zu ernsten Schäden der Organe, insbesondere der Nerven und Blutgefäße. Der primäre Therapieansatz besteht in Diät und regelmäßiger Bewegung. Darüber hinaus wird Diabetes medikamentös behandelt, und zwar je nach Schweregrad mit oralen Antidiabetika, GLP-1 sowie externer Insulinzufuhr.

Das dänische Unternehmen Novo Nordisk hält weltweit einen Marktanteil von 27 Prozent in der Diabetesversorgung (Quelle: Novo Nordisk Geschäftsbericht 2014). Der Absatz von Insulinprodukten und anderen Antidiabetika stieg 2014 um 7 Prozent und belief sich auf insgesamt 70 Milliarden DKK (etwa 9 Milliarden Euro). 

Der Sektor Medizintechnik steht in vielerlei Weise mit blutzuckerbedingten Erkrankungen in Verbindung, durch Dialyse, Wundversorgung, klinische Ernährung und Produkte für die Krebstherapie. Weltweit investiert die Branche der Medizingerätehersteller intensiv in Forschung und Entwicklung in Bereichen, die sich direkt oder indirekt mit Diabetes und Adipositas beschäftigen. Direkt wird in die Entwicklung einer implantierbaren künstlichen Bauspeicheldrüse investiert, mit deren Hilfe die Blutzuckerkonzentration ohne Insulin-Injektionen reguliert werden kann. Ein weiteres Beispiel für direkte Investitionen sind Magenbänder, um die Nahrungsaufnahme zu zügeln. Indirekte Investitionen gehen in medizinische Geräte, die z. B. bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – die u. U. eine Folge von Adipositas sind – eingesetzt werden sollen.

Im Bereich medizinische Dienstleistungen gehen die meisten Investitionen in den Bau neuer Kliniken und Krankenhäuser, um die wachsende Zahl chronisch Kranker behandeln zu können. Ferner fassen integrierte Versorgungskonzepte Fuß, wobei verschiedene Akteure im Gesundheitswesen (Krankenhäuser, Versicherer, staatliche Stellen usw.) enger zusammenarbeiten, um einerseits die Effizienz zu erhöhen und andererseits die Kosten für die Behandlung chronisch kranker Patienten zu senken.

Körperpflege
Verbraucher wollen nicht nur wissen, welche Inhaltsstoffe in ihren Lebensmitteln stecken, sondern auch, was in ihren Körperpflegeprodukten enthalten ist. In jüngster Zeit werden Kosmetika und andere Produkte der Schönheitspflege häufig als „Paraben-frei“ beworben. Parabene sind die am häufigsten in Körperpflegemitteln verwendeten Konservierungsmittel. Sie sorgen dafür, dass sich keine Bakterien und Mikroben häuslich in unseren Cremes und Kosmetika einrichten. Seit ein paar Jahren wird unter Wissenschaftlern, Aufsichtsbehörden und Herstellern kontrovers diskutiert, ob diese Chemikalien gesundheitsschädlich sind. Für eine schädliche Wirkung gibt es zwar keinen schlüssigen Beweis, doch viele Kunden vermeiden parabenhaltige Produkte nach dem Prinzip „sicher ist sicher“. Die Kosmetikindustrie verzichtet daher nach und nach auf den Einsatz von Parabenen.

Ein weiterer Zusatzstoff, den die Industrie allmählich ausmustert, sind Mikrokügelchen aus Kunststoff, die in Hautpeelings und Waschgels zum Einsatz kommen, um abgestorbene Zellen zu entfernen. In jüngster Zeit wurde Kritik im Hinblick auf die Umweltfolgen dieser Kügelchen laut. Sie sind zu klein, um in der Kläranlage herausgefiltert zu werden, und gelangen daher schließlich ins Meer, wo der Kunststoff einen langlebigen Schadstoff darstellt. Er ist nicht biologisch abbaubar und wird vom Meeresgetier aufgenommen. So gelangt er in die Nahrungskette.

Nächste Schritte
Um gesund zu leben, müssen wir unser Verhalten ändern. Hier ist der Staat gefordert, durch Vorgaben zur Nährwertkennzeichnung, verantwortungsvolles Marketing, Besteuerung und Subventionen die Verfügbarkeit, Erschwinglichkeit und Akzeptanz gesünderer Nahrungsmittel zu verbessern. Ferner sollte der Staat darauf hinwirken, dass gesundheitsschädliche Zutaten in Lebensmitteln und Getränken reduziert werden. Auch sollten die Verbraucher verstärkt zum Verzehr von Obst und Gemüse animiert werden. Nicht zuletzt könnten gesundheitspolitische Kampagnen dazu dienen, das Ernährungsverhalten der Verbraucher zu verbessern und sie zu mehr Bewegung zu ermuntern.

Wie können wir dieses Thema für unseren Nachhaltigkeitsfonds nutzen?
Fettleibigkeit ist ein weltweites Phänomen, das nicht so einfach verschwinden wird. Regierungen in der ganzen Welt bemühen sich, das Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein zu schärfen. Auch eine wachsende Zahl von Unternehmen wirbt mit einem gesunden Lebensstil. Daraus ergeben sich zahlreiche Gelegenheiten für Investoren in den Bereichen Gesundheitswesen, Versicherungen und konsumnahe Industriezweige. Bei NNIP stehen wir in engem Kontakt mit Unternehmen in den verschiedenen Sektoren, um sie in die richtige Richtung zu lenken.

 

Nachfolgend Beispiele für Unternehmen in unserem Sustainable Equity Aktienfonds Portfolio, die das Thema gesunder Lebensstil ernst nehmen. 

Das japanische Unternehmen Asics mit Sitz in Kobe und seine Tochtergesellschaften stellen Sportgeräte her. Das Unternehmen wurde in der Überzeugung gegründet, dass Sport und Fitness die körperliche und geistige Gesundheit fördern. Durch kontinuierliche Forschung und Innovation konzipiert Asics Produkte und Leistungen, die den physischen und psychischen Nutzen von Sport steigern und so allgemein zur Volksgesundheit beitragen.

Asics verfügt über ein eigenes Forschungsinstitut, in dem Forscher und Wissenschaftler die neuesten Erkenntnisse über den menschlichen Körper mit den jüngsten technischen Fortschritten verknüpfen, um seine Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Unternehmen hat den Anspruch, Nachhaltigkeit als Prinzip in all seinen Prozessen und Produkten sowie über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg umzusetzen. Als solches ist Asics Mitglied der Sustainable Apparel Coalition und setzt sich für die Weiterentwicklung des Higg Index ein, mit dem Bekleidungsunternehmen die ökologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Produkte besser messen und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen ergreifen können.

Asics überprüft fortlaufend die Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette. Über ein Rating-System bewertet das Unternehmen jede Fabrik nach bestimmten Kriterien, wie etwa Arbeitszeiten sowie Gesundheit und Sicherheit. Regelmäßig werden drei verschiedene Audits durchgeführt: Selbstbeurteilungen, eigene Audits und Audits durch Dritte.

Der ESG-Score des Unternehmens beträgt 67,3 gegenüber dem Branchendurchschnitt von 56,3. Asics schneidet bei allen drei ESG-Faktoren weit über dem Durchschnitt ab. Das Unternehmen verfolgt konsequent allgemeine ESG-Grundsätze und hat den Anspruch, Risiken und deren Folgen zu minimieren.  Es bestehen keine ernsthaften ESG-Probleme / Kontroversen im Hinblick auf Asics.

Eli Lilly bemüht sich insbesondere in den folgenden vier Bereichen, seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden: (1) medizinischer Fortschritt; (2) Stärkung der Gemeinschaften vor Ort; (3) Verbesserung der globalen Gesundheit; (4) verantwortungsbewusste Verfahrensweisen. Dabei will Eli Lilly über seine beiden Gesundheitsprogramme vor allem einige der dringlichsten globalen Gesundheitsprobleme angehen: Die Lilly NCD Partnership wurde als Reaktion auf die steigenden Lasten durch nicht übertragbare Krankheiten in den sich wirtschaftlich entwickelnden Ländern geschaffen. Nicht übertragbare Krankheiten sind u. a. Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen. 80 Prozent der Todesfälle infolge dieser Krankheiten ereignen sich in Ländern mit niedrigen bzw. mittleren Einkommen. In der Vergangenheit standen in diesen Ländern Infektionskrankheiten im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass nicht übertragbare Krankheiten häufig zu spät – wenn überhaupt – diagnostiziert werden. Damit steigt das Risiko von Komplikationen, und knappe Ressourcen werden zusätzlich beansprucht. Über diese Partnerschaft bemüht sich Eli Lilly um die Entwicklung neuer Lösungen zur Betreuung von Zuckerkranken in armen Regionen.

Die Lilly MDR-TB Partnership konzentriert sich auf schwer behandelbare Tuberkulose bzw. multiresistente Tuberkulose (MDR-TB), die besonders in Armut lebende Menschen befällt. Darüber hinaus unterhält Eli Lilly auch eine Reihe von Programmen, die Patienten und ihren Familien bei Krankheiten und während des Genesungsprozesses beisteht. Hier sei beispielhaft Lilly TruAssist genannt, das Menschen in den USA hilft, die entweder keinen Zugang zu Medikamenten von Eli Lilly haben oder sich diese Medikamente nicht leisten können. 

Der ESG-Score des Unternehmens beträgt 64,2 gegenüber dem Branchendurchschnitt von 56,9. Eli Lilly verfügt über konsequente ESG-Grundsätze und -Managementsysteme, darunter auch ein extern zertifiziertes Umweltmanagementsystem. Es bestehen keine ernsthaften ESG-Probleme / Kontroversen im Hinblick auf Eli Lilly. 

Axa ist ein Kompositversicherer, der über seine Tochtergesellschaften Kunden in der ganzen Welt Schaden- und Unfallversicherung, Krankenversicherung und Lebensversicherung, Vermögensverwaltungsleistungen sowie Retailbanking anbietet. Nach Angaben des Unternehmens ermöglicht ihm seine soziale Verantwortung, Kosten zu senken und bestimmte geschäftliche und operative Risiken zu senken. Zugleich maximiert das Unternehmen seine Marktchancen in neuen oder künftigen gewerblichen Segmenten, um so neue Ertragsströme zu schaffen.

AXA bietet seinen Kunden Lösungen in den Bereichen Altersvorsorge, Vermögensverwaltung sowie Einkommenssicherung, die mit Kranken- und Pflegeversicherungen kombiniert werden können, vor allem im Hinblick auf die Langlebigkeit.

Das Unternehmen setzt sich ebenfalls für die Finanzierung von Forschung und Präventionsstrategien ein, wie insbesondere die Früherkennung von Alzheimer und die Entstehung von Diabetes. Die von AXA unterstützten unterstützten Forschungsprojekte decken ein breites Spektrum unterschiedlicher Disziplinen ab, wie z. B. Lebensrisiken, sozioökonomische Risiken und Umweltrisiken.

Dazu stellt das Unternehmen umfassende medizinische Informationen zur Verfügung, darunter auch Factsheets sowie Online-Artikel zum Thema, die allesamt leicht zugänglich sind. Ferner gibt es eine Expertenrunde, die gesundheitsbezogene Fragen beantworten kann.

Der ESG-Score des Unternehmens beträgt 81,0 gegenüber dem Branchendurchschnitt von 57,0. Axa schneidet bei allen drei ESG-Faktoren weit über dem Durchschnitt ab. AXA verfügt über ausgeprägte ESG-Grundsätze und Managementsysteme. Darüber hinaus hängt die Höhe der Vergütung der Geschäftsführung explizit von der Erreichung der ESG-Ziele ab. Es bestehen keine ernsthaften ESG-Probleme / Kontroversen im Hinblick auf AXA.

Im Übrigen haben wir unsere Exponierung gegenüber Produzenten reduziert, die mit einer ungesunden Lebensführung in Verbindung gebracht werden. Entsprechend haben wir unsere Bestände von McDonald's- und Pepsico-Titeln abgestoßen.