Nachhaltige Entwicklungsziele: SDGs und Unternehmen

Dass Nachhaltigkeit zum Megatrend geworden ist, wird auch durch die Entwicklung der so genannten SDGs unterstrichen. Diese Abkürzung steht für „Sustainable Development Goals“ oder „Ziele für nachhaltige Entwicklung“. Damit bemühen sich die Vereinten Nationen, eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Basis zu unterstützen.

Die SDGs traten zu Beginn des Jahres 2016 in Kraft und haben eine Laufzeit von fünfzehn Jahren. Die insgesamt siebzehn Ziele decken Themen wie Gesundheit, hochwertige Bildung, Geschlechtergleichheit oder Vermeidung von Armut und Hunger ab. Die ökologische Dimension spiegelt sich in Zielen wie reines Wasser, saubere Energie und Schutz der Meere sowie der Biodiversität wider. Außerdem geht es um nachhaltiges Wachstum, nachhaltige Städte und nachhaltigen Konsum. Gerechtigkeit wird ebenso thematisiert wie Maßnahmen zum Klimaschutz und die Förderung von Innovationen. Die Erreichung der Ziele soll partnerschaftlich erfolgen.

Viele Unternehmen haben sich bereits mit der Frage beschäftigt, zu welchen dieser siebzehn SDGs sie selbst beitragen können. Das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management hat sich die aktuell größten Positionen in den Nachhaltigkeitsfonds angesehen und Fragen rund um das Thema SDGs und die möglichen Commitments durch die Unternehmen gestellt.

Sustainable Development Goals (SDGs)

Historisch gesehen, gehen die SDGs einerseits auf die Rio-Konferenz 1992 mit der dort verabschiedeten Agenda 21, andererseits auf den Millenniumsgipfel des Jahres 2000 und die im Anschluss daran formulierten „Millennium Development Goals“ zurück.

Die „Millennium Development Goals“ oder MDGs waren von ihrer Anzahl und ihrem Umfang her begrenzt. Es handelte sich um acht Ziele und 21 Zielvorgaben, die sich fast ausschließlich auf die Bereiche Armutsbekämpfung und soziale Entwicklung bezogen. Im Mittelpunkt stand der notwendige Aufholprozess der ärmeren Länder auf globaler Ebene.

Die ersten 15 Jahre des neuen Jahrtausends haben große Umwälzungen mit sich gebracht. Die Basis für die Beschlüsse der SDGs war somit eine völlig andere als beim Millenniumsgipfel im Jahr 2000.

Hohes Wachstum und Wohlstandsgewinne haben die wirtschaftlichen und politischen Einflussmöglichkeiten von Ländern wie China, Indien und Brasilien deutlich erhöht.

Anlässlich der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung (Rio+20) im Jahr 2012 wurden daher umfassendere, nicht mehr bloß auf das soziale Level begrenzte Ziele für eine nachhaltige Entwicklung – eben die SDGs – beschlossen.

Der Anspruch bei dem neuen Zielsystem waren eine Abdeckung sämtlicher Dimensionen nachhaltiger Entwicklung und die Möglichkeit einer weltweiten Anwendung. In der Präambel der SDGs werden die Themenbereiche der 2030-Agenda umrissen und unter fünf Schlagworten – den so genannten fünf Ps – zusammengefasst. Es sind dies „People“, „Planet“, „Prosperity“, „Peace“ und „Partnership“.

Die eigentlichen Ziele für nachhaltige Entwicklung bilden das Kernstück der 2030- Agenda. Der Katalog umfasst 17 SDGs mit insgesamt 169 Zielvorgaben. Was die Zielvorgaben betrifft, so sind die SDGs deutlich anspruchsvoller und detaillierter als ihre Vorgänger, die MDGs. Das Ziel zwei beispielsweise fokussiert eine vollständige Beendigung von Hunger und allen Formen von Fehlernährung. Die MDGs hatten sich 15 Jahre zuvor noch mit einer Halbierung der Zahl der Menschen, die in Hunger leben, begnügt.

SDGs und Unternehmen

Auf den ersten Blick scheinen die Ziele für nachhaltige Entwicklung etwas vage formuliert zu sein und als Forderungen in verschiedenste Richtungen zu gehen, die sich zum Teil konterkarieren. Zur Erleichterung einer Umsetzung sind allerdings alle SDGs auch mit exemplarischen Indikatoren versehen.

Generell haben die 17 SDGs für Unternehmen je nach Branchenzugehörigkeit unterschiedliche Bedeutung.

Viele Unternehmen beschäftigen sich aber mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung im Sinne eines umfassenden Katalogs zum Thema.

Im Zusammenhang mit dem Thema SDGs zielt der Unternehmensdialog des Nachhaltigkeitsteams von Raiffeisen Capital Management auf die größten Unternehmen im globalen Aktienportfolio und ihre Strategien zu diesen Zielen ab.

Der Fragenkatalog sieht wie folgt aus:

  • Sehen Sie die 17 SDGs und ihre Subziele als relevant für Ihr Unternehmen an?
  • Welche der SDGs beeinflussen die Entwicklung oder Perspektiven Ihres Unternehmens oder der Branche, in der Sie tätig sind?
  • Welche Begründung steckt hinter dieser Beeinflussung?
  • Haben Sie als Antwort auf die SDGs und auf ihre Subziele bereits strategische Maßnahmen gesetzt oder planen Sie diese?
  • Glauben Sie, dass die SDGs für Ihr Unternehmen oder die Branche, in der Sie tätig sind, in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen werden und wirtschaftliche Aktivitäten beeinflussen werden?

Von den während des Engagement-Prozesses kontaktierten Unternehmen haben uns fast alle Feedback gegeben.

Einige Unternehmen wollen die SDGs nutzen, um ihre hauseigene Nachhaltigkeitsstrategie zu überprüfen und weiterzuentwickeln. So hat etwa KBC auf Basis der nachhaltigen Entwicklungsziele seine Strategien zu erneuerbaren Energien überdacht und ISO 14001 als weltweiter Norm für Umweltmanagement mehr Bedeutung eingeräumt.

Ein adressiertes Unternehmen hat sich mit den SDGs bisher nicht im Detail beschäftigt und fokussiert im Bereich des Nachhaltigkeitsreportings die Systematik der GRI (Global Reporting Initiative). Wir haben dem Unternehmen das Potenzial der SDGs zur Kenntnis gebracht.

ie SDGs werden etwa im Fall von Campbell Soup oder Owens Corning in unterschiedliche Ebenen eingeteilt. Erstens in solche, auf denen das Unternehmen selbst Impact erzeugt, zweitens in SDGs, bei denen Auswirkungen über die Wertschöpfungskette entstehen, und drittens in die Ebene der allgemeinen unternehmerischen Einflüsse auf die Gesellschaft. Die beiden Unternehmen berücksichtigen alle drei Ebenen in ihren Überlegungen.

Die SDGs dienen Unternehmen auch als Basis für eine Einschätzung des positiven Impacts auf Umwelt und Gesellschaft. Munich RE hat die Ziele für nachhaltige Entwicklung in einen interaktiven Diskussionsprozess mit seinen Stakeholdern eingebracht.

3M hat bereits im Mai 2015 seine Nachhaltigkeitsziele für 2025 veröffentlicht – angepasst an die SDGs, die mit einem Zeitrahmen bis 2030 versehen sind. Auch SAP hat seine Unternehmensstrategie in einer Publikation explizit mit den SDGs in Beziehung gesetzt und deren Wichtigkeit für das Unternehmen analysiert.

Die von den Unternehmen am häufigsten als relevant genannten Ziele für nachhaltige Entwicklung waren:

  • Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz  Ziel 3: Gesundheit und Wohlergehen
  • Ziel 4: hochwertige Bildung
  • Ziel 7: bezahlbare und saubere Energie  Ziel 8: menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  • Ziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur
  • Ziel 12: verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster

Die Ziele, die wahrscheinlich wegen der am wenigsten beeinflussbaren Inhalte oder wegen der hohen Spezialisierung am wenigsten im Fokus standen, waren:

  • Ziel 1: keine Armut
  • Ziel 14: Leben unter Wasser (Ozeane und Meere schützen)
  • Ziel 10: weniger Ungleichheiten
  • Ziel 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele