Green Bonds

Die Akzeptanz nachhaltiger Investments steigt sowohl bei institutionellen als auch bei Privatkunden immer mehr an. Gleichzeitig wächst aber auch die Erwartung an die Investmentprodukte. Die Nachhaltigkeit soll durch mehr als nur einen bloßen Filter, der auf einer Palette von Ausschlusskriterien basiert, dokumentiert sein.

Genau dieser erhöhte Anspruch bedeutet aber auch, dass das Thema des „Impacts“ – d. h. der Wirkung der nachhaltigen Geldanlage – zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Um einen Impact zu erzielen, kann man im Bereich der Aktieninvestments auf Unternehmen direkt zugehen, etwa durch einen aktiven Unternehmensdialog und die Nutzung der Aktionärsrechte – also der Stimm- und Fragerechte – bei den Hauptversammlungen.

Aber auch was festverzinsliche Investments betrifft, tut sich durch die immer mehr an Bedeutung gewinnende Idee der Green Bonds eine neue Möglichkeit auf, Veränderung im Sinne der Nachhaltigkeit herbeizuführen. Denn die Emissionserlöse aus Green Bonds sind zweckgewidmet, und zwar dem Thema Klimaschutz.

Um diese Zweckwidmung sicherzustellen und die Qualität der neuen Assetklasse zu gewährleisten, wurden vor allem in den letzten Monaten weitere Richtlinien und Standards entwickelt. Raiffeisen Capital Management* hat in diesem Zusammenhang einige Emittenten – darunter supranationale Gesellschaften und Unternehmen – zu Details rund um die Begebung von Green Bonds befragt.

Den vollständigen Newsletter von Raiffeisen Capital Management inklusive Case Study finden Sie links als PDF.

Green Bonds

Green Bonds sind Anleihen, mit denen ökologische Projekte mit Klimarelevanz finanziert werden. Dazu zählen beispielsweise Investitionen in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Schadstoffbekämpfung, nachhaltige Abfallwirtschaft, nachhaltige Bodennutzung, sauberer Transport, sauberes Wasser, Wasserversorgung und nachhaltiges Bauen.

Das aktuelle Marktvolumen an Green-Bond- Emissionen liegt bei rund 50 Mrd. US-Dollar und ist während der letzten Monate dynamisch angestiegen. Bis zum Ende des Jahres kann man von bis zu einer Verdoppelung des aktuellen Volumens ausgehen.

Um eine Standardisierung des Begriffs Green Bond voranzutreiben, haben sich 2014 einige Finanzmarktakteure zusammengefunden und ein Rahmenwerk entwickelt. Die damals aufgesetzten „Green Bond Principles“ wurden erst im März 2015 nochmals überarbeitet, aktualisiert und verbindlicher gestaltet. Grundsätzlich sind sie auf vier Komponenten aufgebaut.

Es sind dies an erster Stelle die Verwendung der Mittel aus der Begebung der Anleihe. Hier kommen die bereits genannten Bereiche rund um erneuerbare Energien und andere nachhaltige Themen mit dem Ziel des Klimaschutzes ins Spiel.

An zweiter Stelle steht die Darstellung des Investitionsentscheidungsprozesses, denn jedes Projekt muss auf seine Nachhaltigkeit hin überwacht werden.

Drittens sollten die via Green-Bond-Emissionen aufgenommenen Mittel in einem Subportfolio angelegt werden, auch eine Zweckwidmung ist wünschenswert. Wesentlich ist jedenfalls die Transparenz der Mittelverwendung, eventuell sollte auch eine Kontrolle durch externe Prüfer angedacht werden.

Der vierte und letzte Punkt der „Green Bond Principles“ beschreibt das Reporting. Emittenten sollten mindestens im jährlichen Rhythmus über den Stand ihrer durch Green Bonds finanzierten Projekte berichten. Eine Darstellung des konkreten Effekts der Projekte – also des Impacts – ist anzustreben. Zudem empfehlen die Principles, die Umsetzung der Emission von unabhängigen Dritten begleiten zu lassen. Etwa durch eine „second party consultation“, deren Ergebnisse dann auch veröffentlicht werden.

Eine solche „second opinion“ ist für Green- Bond-Emissionen mittlerweile fast schon zum Standard geworden. Dafür ist eine neutrale und objektive Sichtweise der beurteilenden Partei Grundvoraussetzung. Der Investor kann auf diese Weise eine Reihe von Details zur Emission und zu den Projekten ablesen.

Nachhaltigkeitsbewertung und Green Bonds

Die drohende Klimaerwärmung zählt heute auch an den Finanzmärkten zu den wesentlichen Herausforderungen. Green Bonds mit dem Hintergrund der Finanzierung von Klimaschutzprojekten zielen genau auf dieses Thema ab.

Im Rahmen seines thematischen Engagement- Prozesses hat sich das Nachhaltigkeitsteam von Raiffeisen Capital Management diesmal mit verschiedenen Emittenten zu Details des Themas Green-Bond-Emissionen ausgetauscht. Der Hintergrund dabei ist der Versuch, bei derartigen Emissionen den Vorwurf des „greenwashings“ (Grünfärberei) von Beginn an zu entkräften. Der von Raiffeisen Capital Management an die relevanten Emittenten versendete Fragebogen umfasst folgende Punkte:

  • Sind Ihnen Green-Bond-Emissionen bekannt, die Sie persönlich als „greenwashing“ betrachten würden?
  • Wie sieht der Prozess rund um die Emission eines Green Bonds in Ihrem Haus aus?
  • Wie beurteilen Sie das Reputationsrisiko, das mit einer Green-Bond-Emission verbunden ist, wenn es zu externer Kritik, etwa durch NGOs, kommt?
  • Erwarten Sie ein unterschiedliches Pricing bei der Emission eines Green Bonds durch seine Zertifizierung in ebendieser Kategorie?
  • Was wären aus Ihrer Sicht die theoretischen Konsequenzen, wenn die Mittel aus der Emission eines Green Bonds nicht entsprechend den ursprünglichen Commitments durch den Emittenten erfolgen?

Von den im Zuge unseres Engagement-Prozesses kontaktierten Emittenten haben uns mit einer Ausnahme alle Feedback gegeben.

Die erzielbaren Renditen sind bei Green Bonds annähernd gleich im Vergleich zu herkömmlichen Anleiheplatzierungen. Im Hintergrund steht für den Emittenten allerdings der Mehraufwand für den Aufbau interner Strukturen – wie Projektmonitoring – und für die „second opinion“. Das Unternehmen Verbund könnte sich bei einer weiteren positiven Entwicklung des Green-Bond-Markets vorstellen, dass die Preisgestaltung bei Green Bonds für den Emittenten attraktiver werden könnte. So würde der Emittent für seine Anstrengungen im Bereich Klimaschutz quasi „belohnt“. „Second opinions“ sollten nicht als Gefälligkeitsgutachten abgetan werden, da das in einem solchen Fall entstehende Reputationsrisiko nicht zu unterschätzen sei.

Im Fall von KfW wird zusätzlich zur „second opinion“ auch die Umweltwirkung der Emission zertifiziert. In Bezug auf mögliche Kritikpunkte von Investoren oder NGOs an Green-Bond- Emissionen sehen KfW, die Weltbank und Verbund die Transparenz der Transaktion als wesentlichste Möglichkeit, der Kritik zu entgegnen.

Generell haben Emittenten, die keine wirklich einwandfreien respektive den aktuellen Qualitätsansprüchen entsprechenden Green- Bond-Emissionen begeben, mit steigenden Reputationsrisiken zu kämpfen. Die Finanzierung von aus Umwelt- und Nachhaltigkeitssicht umstrittenen Projekten ist kaum mehr möglich.

Die Transparenzerfordernisse steigen, Investoren verlangen eine immer höhere nachhaltige Qualität. Unter andrem haben sich zuletzt auch NGOs wie der WWF des Themas Green Bonds angenommen


Den vollständigen Newsletter von RCM inklusive Case Study finden Sie links als PDF.

* Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage GmbH