Dauerlauf? Drei Gründe, warum die Steuerung der Duration ein wichtiger Erfolgsfaktor ist

Die durchschnittliche Duration in Anleiheportfolios beeinflusst maßgeblich den Anlageerfolg. Denn entscheidend für die Rendite und das Risiko festverzinslicher Wertpapiere ist auch, wann Investoren ihr eingesetztes Kapital wieder zurückbekommen. Curtis Evans, Head of Fixed Income Investing bei Fidelity, mit drei Gründen für ein aktives Durationsmanagement.

1. Duration ist eine unterschätzte Renditequelle

Wer eine Anleihe zeichnet, verleiht Geld und bekommt dafür Zinsen. Für deren Höhe spielt das Risiko, dass der Schuldner seine Schuld später nicht begleichen kann, eine entscheidende Rolle. Meistens schauen Investoren auf die Wahrscheinlichkeit einer Pleite, anders gesagt auf die Bonität des Schuldners, um dieses Risiko abzuschätzen. Doch hängt das Risiko auch stark davon ab, wie lang das Leihgeschäft dauert. Wer sein Geld schon nach zwei Jahren wieder erhält, geht eben weniger Risiken ein als der, der es für zehn Jahre verleiht. Es ist nur logisch, dass es für das zweite Geschäft deutlich höhere Zinsen gibt. So lag nach Angaben der Bundesbank die Rendite für eine deutsche Staatsanleihe mit zehn Jahren Restlaufzeit Anfang August bei plus 0,53 Prozent, die einer zweijährigen Anleihe dagegen bei minus 0,70 Prozent (Stand: 1.8.2017). Wer also die Duration in seinem Anleiheportfolio verkürzt, verzichtet auf erhebliche Erträge. Umgekehrt bietet eine höhere Duration gerade in Zeiten niedriger Zinsniveaus eine zusätzliche Renditequelle.

2. Die Zinssensitivität von Langläufern wird überschätzt

Obwohl die Rendite darunter leidet, verkürzen derzeit auch viele professionelle Investoren die Duration in ihren Anleiheportfolios. Der Grund: Sie fürchten, dass der Kurs von Anleihen mit längeren Laufzeiten besonders stark leidet, wenn die allgemeinen Marktzinsen steigen. Richtig ist: Je länger die Anleihen laufen, je länger Investoren also mit festen Erträgen rechnen können, desto sensibler reagiert ihr Rentenportfolio auf Zinsänderungen. Schließlich stehen bei Langläufern noch viele Zinszahlungen an die Investoren aus – die bei einem allgemein steigenden Zinsniveau weniger attraktiv werden als jene Zinsen, die eine neue Anleihe bietet. Wer nun allerdings stattdessen Kurzläufer kauft, zahlt dafür den Preis deutlich geringerer und weniger planbarer Zinszahlungen. Das muss man abwägen.

Dabei hilft vor allem die Kennziffer „Modified Duration“. Sie gibt an, um wie viel Prozent der Kurs einer Anleihe sinkt, sollten die Zinsen um einen Prozentpunkt steigen. Wer diesen Wert kennt, weiß, was im Portfolio passiert, sollten die Zentralbanken hier oder anderswo die Zinsen erhöhen. Sorgen machen müssen Investoren sich auch dann aber nicht direkt. Ein Kursverlust einer Anleihe sieht zwar auf dem Papier nicht schön aus, macht aber nicht viel aus, wenn man den Titel bis zum Ende der Laufzeit behält und der Schuldner alles zurückzahlt. Dann war der Kursverlust bloß virtuell – und die Duration nur der Preis dafür, sein Geld längere Zeit nicht ohne Verlust anderswo zu höheren Zinsen anlegen zu können.

Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Die Kurse von Anleihen schwanken in der Realität nicht immer so stark, wie es die Mathematik vorhersagt. Tatsächlich lag die rechnerische Duration – also die Zinssensitivität von Anleihen – zuletzt vielfach deutlich höher als die tatsächlich gemessene Duration an den Märkten, die immer auch von der Psychologie der Investoren und weiteren Einflussfaktoren abhängt. Auch Anleiheportfolios schwankten im Wert zuletzt signifikant geringer, als es die Berechnungen vorhersagen (siehe Grafik). Professionelle Investoren können den Unterschied zwischen der mathematischen und der empirischen Duration gezielt nutzen.

3. Durationsmanagement erhöht die Diversifikation

Der am meisten unterschätzte Beitrag einer höheren Duration auf ein Anlageportfolio: Investoren können damit die Abhängigkeit vom Aktienmarkt verringern. Kurz laufende Anleihen entwickeln sich in vielen Fällen tatsächlich recht ähnlich wie Aktien, steigen und fallen also im Takt mit den Börsen. Die Korrelation länger laufender Anleihen zum Aktienmarkt ist deutlich geringer. Wer also Rentenpapiere auch nutzen will, um sich gegen Schwankungen am Aktienmarkt abzusichern, der kann dieses Ziel mit einer höheren Duration besser erreichen.

Empirische (beobachtete) vs. mathematische Duration unterscheiden sich erheblich

Quelle: Fidelity International, Bloomberg per 09.06.2017. Die beobachtete Duration basiert auf den wöchentlichen Erträgen (Returns) der Asset Klasse während der vergangenen fünf Jahre verglichen mit den Renditeveränderungen (Yields) der 7- bis 10-jährigen Bundesanleihen – die beobachtete Duration kann sich verändern und dient nur illustrativen Zwecken. Es wurden Barclays, JP Morgan, FTSE, S&P LSTA und Credit Suisse Bond Indizes verwendet. Die Schätzungen für die Finanz CoCos basieren auf Datenreihen, die untergeordnete Finanzindizes nutzen, um eine längere Datenhistorie abzubilden. Es wurden die 7- bis 10-jährigen Staatsanleihe-Indizes verwendet.

Was misst die Modified Duration?

Die sogenannte Modified Duration ist das bekannteste Maß dafür, wie sensibel eine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Anders als die Duration, die die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer einer Anleihe in Jahren angibt, ist die Modified Duration eine Verhältniszahl, die die relative Wertschwankung einer Anleihe bei einer Zinsänderung angibt. Sie lässt sich berechnen aus der Duration dividiert durch den Zins. Eine Anleihe mit einer Duration von 6,5 Jahren und einem Zins von 4 Prozent hat damit eine Modified Duration von 6,5 / 1,04 = 6,25. Das bedeutet, dass der Kurs dieser Anleihe um ungefähr 6,25 Prozentpunkte sinken wird, wenn der Marktzins um einen Prozentpunkt steigt.