"Nachhaltigkeit ist für alle Anleger interessant"

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien wird in unterschiedlichen Produktlösungen und -ausprägungen angeboten. Auch für nachhaltige Investments ist es wichtig, den richtigen Asset Manager und die für das jeweilige Marktumfeld passende Asset Allocation auszuwählen. Lorne Campbell und Michael Schmidt, beide von der Deka, im altii Interview zu nachhaltigen Investments.

altii: Der Markt für nachhaltige Investments wächst seit Jahren dynamisch, insbesondere bei institutionellen Anlegern. Warum?

Michael Schmidt: Institutionelle Anleger setzen in ihrem Portfoliomanagement nicht nur deshalb verstärkt auf nachhaltige Ansätze, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen und ihre Reputation zu schützen oder zu fördern. Zunehmend im Fokus steht die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten als Element eines verbesserten Risikomanagements, so dass insbesondere extreme Ereignisrisiken vermieden werden können.

altii: Welche Dienstleistungen bietet die Deka ihren institutionellen Kunden im Bereich Nachhaltigkeit an?

Lorne Campbell: Wir unterstützen institutionelle Kunden individuell – vom Consulting über die Portfolioallokation und das Management bis hin zum Reporting. Dank gebündeltem Fachwissen und langjähriger Erfahrung mit verschiedenen Investmentprofilen sind unsere Experten in der Lage, die speziellen Anforderungen institutioneller Anleger mit sinnvollen Lösungen zu unterlegen und gleichzeitig die Auswirkungen auf das Portfolio zu überprüfen.

Schmidt: Das Leistungspaket wird abgerundet durch Corporate-Governance-Angebote wie die Stimmrechtsausübung bei Hauptversammlungen von börsenorientierten Unternehmen und unseren weitergehenden Engagement-Ansatz. Dabei nutzen wir unsere ca. 1.600 Unternehmenskontakte pro Jahr, um im direkten Gespräch mit Vorständen und Aufsichtsräten ESG-Themen zu adressieren.

altii: Gibt es Kunden die glauben, dass nachhaltige Investments mit Renditeverzicht einhergehen müssen?

Campbell: Diese Anleger gibt es zwar noch, aber es werden immer weniger. Mittlerweile belegen zahlreiche Studien, dass nachhaltige Investments und Rendite sich nicht ausschließen müssen. Beispiele finden sich etwa beim Center for Corporate Responsibility and Sustainability an der Universität Zürich oder der Harvard Business School und der London School of Business. Das spricht sich herum. Aber auch für nachhaltige Investments ist wichtig, den richtigen Asset Manager und die für das jeweilige Marktumfeld passende Asset Allocation auszuwählen.

altii: Sind nachhaltige Anlagen nur für Großinvestoren wie Pensionskassen und Versicherungen interessant?

Schmidt: Nachhaltigkeit ist für alle Anleger interessant. Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ist ein wirksames Instrument der Risikosteuerung – und wird in unterschiedlichen Produktlösungen und -ausprägungen angeboten. Das reicht vom Sparplan in einem nachhaltigen Fonds ab 25 Euro im Monat über Publikumsfonds für institutionelle Anleger wie z.B. Stiftungen, wo ab Anlagebeträgen von 25.000 oder 50.000 Euro passende Anlagekonzepte realisiert werden können.

altii: Wie legen institutionelle Investoren in Nachhaltigkeit an? Um welche Produkte geht es dabei?

Campbell: Wir helfen unseren Kunden, den geeigneten Nachhaltigkeitsansatz zu finden und diesen umzusetzen, wobei insbesondere Fonds vielschichtige Gestaltungs-Möglichkeiten eröffnen. Es beginnt mit der Definition dessen, was ein Kunde unter Nachhaltigkeit versteht. Unser Angebot reicht hier von der Beratung bei der Formulierung und reicht über die Operationalisierung einer Nachhaltigkeitsstrategie bis hin zur Umsetzung in Investmentlösungen – seien es Publikums-, Spezialfonds oder aber auch Mandate.

Schmidt: Unsere nachhaltigen Wertpapieranlagen für institutionelle Kunden in Mandaten und Spezialfonds basieren häufig noch auf individuellen Ausschlusskriterien, also dem Verbot bestimmter Investments wie Waffen, Arbeits- oder Menschenrechtsverletzungen. Wir nutzen dabei die Ergebnisse renommierter ESG-Research-Anbieter und ergänzen dieses mit Research unserer Analysten. Durch den laufenden Abgleich wird sichergestellt, dass nur Wertpapiere in den Portfolios gehalten werden, die nach den für den Fonds definierten Nachhaltigkeitskriterien investierbar sind. Für alle von uns gemanagten Fonds gilt: Investitionen in Hersteller von Cluster-Munition, Anti-Personen-Minen, Handfeuerwaffen und Grundnahrungsmittel sind verboten.

altii: Müssen sich Unternehmen nicht stärker anpassen? Etwa indem ökologische und soziale Aspekte sowie eine verantwortungsvolle Unternehmensführung stärker im Bewusstsein der Verantwortlichen verankert werden?

Campbell: Unbedingt. Das sich ändernde Umfeld verlangt definitiv Anpassungen bei den Unternehmen. Aber dadurch eröffnen sich auch neue Chancen: Unternehmen, die hier vorbildlich handeln, können nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung punkten und ihre Reputation steigern, sondern auch qualifiziertes Personal gewinnen sowie den Ressourcenverbrauch reduzieren. Darüber hinaus lassen sich ganz konkret Finanzierungskosten senken und neue Investorengruppen erschließen.

altii: Wie geht die Deka damit um bei den Unternehmen, in die sie das Geld der Anleger investiert? Fordert sie Nachhaltigkeit ein, etwa bei Auftritten auf Hauptversammlungen?

Schmidt: Ja. Investoren haben nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht, Einfluss zu nehmen. Nicht zuletzt deswegen will etwa die Europäische Kommission die langfristige Einbeziehung der Aktionäre fördern – Stichwort: EU-Aktionärsrechterichtlinie. Das Stimmrecht ist eines der wertvollsten Rechte des Aktionärs und verpflichtet zu einem verantwortungsvollen Umgang damit. Dementsprechend ist die Hauptversammlung eines börsennotierten Unternehmens für Anteilseigner einer der wichtigsten Anlässe, um Kritik zu äußern und Veränderungen zu fordern – gerne mit entsprechender Öffentlichkeitswirkung für das betreffende Unternehmen.

altii: Die „Prinzipien für nachhaltiges und verantwortungsvolles Investieren“ (Principles for Responsible Investment, PRI) ist mittlerweile eine der bedeutendsten Investoreninitiativen. Die Deka war 2012 eine der ersten deutschen Fondsgesellschaften, die sich zu diesen Prinzipien bekannt haben. Was war der Grund?

Schmidt: Mit diesem Abkommen verpflichten sich institutionelle Investoren, nachhaltig und im Sinne der Gesellschaft verantwortungsbewusst zu agieren. Für unsere Kunden werden Themen aus den Bereichen Umwelt und soziale Verantwortung zunehmend wichtiger. Diese gestiegenen Anforderungen haben wir in unseren Prozessen implementiert und wollten mit der Unterzeichnung zeigen, wie wichtig es ist, verantwortungsvoll zu investieren.

Campbell: Darüber hinaus haben wir als DekaBank unsere Anstrengungen im Bereich Nachhaltigkeit von spezialisierten Nachhaltigkeits-Ratingagenturen bewerten lassen. Auf Basis umfassender Kriterienkataloge haben sie der DekaBank auch im jüngsten Berichtsjahr 2017 wieder ein im Branchenvergleich überdurchschnittliches Aktivitätsniveau bescheinigt. Dabei hat etwa die internationale Agentur Sustainalytics ihre Bewertung der Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements der DekaBank im Berichtszeitraum deutlich nach oben gesetzt. Von Sustainalytics erhält die DekaBank im aktuellen Rating 83 von 100 möglichen Punkten und wird von der Agentur erstmals als „Leader“ eingestuft. Damit erreicht sie Rang 11 von 332 insgesamt gerateten Banken weltweit. Unter den nicht-börsennotierten Banken kommt die DekaBank auf einen hervorragenden 2. Platz†.

Schmidt: MSCI ESG, die auf Nachhaltigkeitsrankings spezialisierte Sparte von MSCI, bewertet die Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements mit einem sehr guten AA-Rating. Die DekaBank erreicht damit Rang 10 unter den insgesamt 133 analysierten Banken. Von ISS oekom wird die DekaBank mit dem begehrten oekom Prime-Status ausgezeichnet. Er wird ausschließlich an Banken vergeben, die die strengen Anforderungen der Agentur an die Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements umfassend erfüllen. Mit einem Rating von C+ erreicht die Deka-Gruppe unter den insgesamt 82 analysierten Banken eine Top 10-Platzierung. Imug testierte der DekaBank in ihrem „Sustainability Rating“, welches die Nachhaltigkeitsleistung des Gesamtunternehmens bewertet, im März 2018 mit „positiv / B“, eine Verbesserung um zwei Stufen. Zudem erreicht die Deka-Gruppe im imug-Rating bei unbesicherten Anleihen, öffentlichen Pfandbriefen und Hypothekenpfandbriefen im Branchenvergleich überdurchschnittliche Bewertungen1.

altii: Warum sollten sich heute nicht nur institutionelle, sondern auch Privatanleger eine breitere Sicht bei ihren Anlageentscheidungen haben?

Schmidt: Man kann mit seiner Geldanlage zur Erreichung der Klimaziele oder einer nachhaltigen Entwicklung insgesamt beitragen – und zwar auch ohne Renditeverzicht, denn teilweise ergeben sich sogar Wachstumschancen aus neuen Geschäftsmodellen. Nicht zuletzt sollte man aus der Verantwortung für kommende Generationen heraus einen Beitrag leisten für deren Wohlstand in einer lebenswerten Umwelt. Oder wie es der französische Präsident Emmanuel Macron formulierte: „Make our planet great again!“


1) Stand: MSCI, 12.5.2017; sustainalytics: 12.10. 2017; oekom: 28.02.2018; imug: 28.02.2018 (Öffentliche Pfandbriefe positive B; uncovered bonds neutral CC; Hypothekenpfandbriefe positive BB)

Über DEKA

Die DekaBank ist das Wertpapierhaus der Sparkassen, gemeinsam mit ihren Tochtergesellschaften bildet sie die Deka-Gruppe. Mit Total Assets in Höhe von rund 288 Mrd. Euro (per 30.06.2018) sowie rund 4,5 Millionen betreuten Depots ist sie einer der größten Wertpapierdienstleister und Immobilien-Asset Manager in Deutschland. Sie eröffnet privaten und institutionellen Anlegern Zugang zu einer breiten Palette an Anlageprodukten und Dienstleistungen. Die DekaBank ist fest verankert in der Sparkassen-Finanzgruppe und richtet ihr Angebotsportfolio ganz nach den Anforderungen ihrer Eigentümer und Vertriebspartner im Wert­papiergeschäft aus. 2018 feiert die DekaBank Deutsche Girozentrale ihr 100-jähriges Jubiläum.

Über Michael Schmidt, CFA

Herr Schmidt ist Mitglied der Geschäftsführung der Deka Investments GmbH. Der Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt leitet den Bereich Asset Servicing & Alternative Investments. Zuvor war er Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Privatfonds GmbH und Leiter Portfoliomanagement Aktien, nachdem er im Asset Management der Deutschen Bank das Portfoliomanagement Aktien für Institutionelle Kunden verantwortete

Über Lorne Campbell

Herr Campbell leitet seit August 2016 den Bereich Vertrieb Institutionelle Kunden der Deka-Gruppe. Er verfügt über mehr als 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung und ist als Partner und Berater institutioneller Investoren im In- und Ausland tätig gewesen. Seine berufliche Laufbahn führte ihn von Schröder Münchmeyer Hengst & Co. über Cheuvreux de Virieu zur Credit Suisse, bei der er zuletzt als Mitglied der Geschäftsführung in Deutschland das Aktiengeschäft leitete.

Kontakt

Frank Salchow
Produktservice Institutionelle Kunden

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deka-institutionell@deka.de

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