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Japan: Aussicht auf Neuwahlen weckt Marktfantasien

Markets and NewsJapan: Aussicht auf Neuwahlen weckt Marktfantasien

Ein Beitrag von Naomi Fink, Chief Global Strategist von Amova Asset Management, über die aktuelle Situation in Japan:

Lautstarke Debatte um „fiskalische Dominanz”

Aktuelle Schlagzeilen – vom politischen Druck auf die Fed bis zur Aussicht auf vorgezogene Neuwahlen in Japan – haben die Debatte um die „fiskalische Dominanz” angeheizt. Diese Debatte scheint die positiven Erwartungen der Märkte darüber zu prägen, wie sich eine lockerere Geldpolitik auf die fiskalische Expansion auswirken könnte. Diese Debatte beschreibt die bevorstehende Politik in Japan oder den USA jedoch nicht zutreffend.

Fiskalische Dominanz setzt einen Kontrollverlust sowohl über die Geldpolitik als auch über die Haushaltsdisziplin voraus. Dann bliebe nur die Inflation als Mechanismus zur Reduzierung der Haushaltsdefizite. Mit anderen Worten: Fiskalische Dominanz impliziert ein Versagen der makroökonomischen Institutionen.

Die Märkte preisen keinen vollständigen institutionellen Zusammenbruch ein. Sie bleiben risikotolerant. Es ist die Reflationsneigung, die sich weiterhin negativ auf den Yen und japanische Staatsanleihen auswirkt – nicht die Angst vor einer Kapitalflucht aus Japan. Klar ist: Nicht die Deflation ist das unmittelbarste Risiko für die Realeinkommen in Japan, sondern eine anhaltende, über dem Ziel liegende Inflation.

Aktien steigen in Erwartung einer „aggressiven Fiskalpolitik”

Japanische Aktien reagierten positiv auf Medienberichte, wonach Premierministerin Takaichi beabsichtigt, das Unterhaus aufzulösen und vorgezogene Neuwahlen anzusetzen. Sie scheint ihre politische Autorität vor der Verabschiedung des japanischen Haushaltsplans für das Geschäftsjahr 2026 festigen zu wollen.

Die Märkte interpretieren die Aussicht auf vorgezogene Neuwahlen als Zeichen für Takaichis Zuversicht, ihre politische Macht konsolidieren zu können. Die Anleger erweitern diese Logik, indem sie davon ausgehen, dass die Regierung Takaichi eine deutlich aggressivere Fiskalpolitik verfolgen wird. Doch selbst wenn die Regierung mehr politische Unterstützung erhält, muss sie eine große Menge defizitfinanzierter Anleihen ausgeben. Ein Regierungsmandat ist also nicht gleichbedeutend mit einem Freibrief für eine verschwenderische Fiskalpolitik.

Yen und japanische Staatsanleihen unter Druck: Ball liegt nun bei der BOJ

Die positive Reaktion der Märkte sollte weder als Allheilmittel für das Wachstum noch als Signal zum Verkauf japanischer Anlagen interpretiert werden. Die gute Marktlage und die soliden Konjunkturdaten sprechen gegen ein Wiederaufleben des „Japan-Premium”. Gleichzeitig bedeutet eine Inflation, die über einem komfortablen Niveau liegt, mehr Gegenwind für die künftigen Realeinkommen – auch wenn davon auszugehen ist, dass die Lohnverhandlungen im Frühjahr zu weiteren Zuwächsen führen werden.

BOJ-Gouverneur Ueda hat signalisiert, dass Zinserhöhungen weiterhin im Raum stehen, wenn sich die Prognosen der Zentralbank für anhaltendes Wachstum in Verbindung mit Lohn- und Preissteigerungen bewahrheiten. Die Märkte sind weiterhin mit der Preisfindung beschäftigt, während die japanische Wirtschaft weiter wächst. Der Weg führt nach wie vor zu höheren Zinsen, und trotz der attraktiven Carry-Dynamik, die derzeit auf den Yen drückt, ist es unwahrscheinlich, dass die Realzinsen auf unbestimmte Zeit negativ bleiben.

Rückkehr zu Abenomics unangemessen

Der ehemalige Premierminister Shinzo Abe hatte 2014 und 2017 das Unterhaus aufgelöst; die Wahlen galten als Referendum über Abes Mandat zur Ankurbelung der Wirtschaft. Es wäre jedoch falsch anzunehmen, dass Abes kompromisslose Politik zur Bekämpfung der Deflation wiederbelebt wird. Die heutigen reflationären Bedingungen unterscheiden sich grundlegend von denen der „Abenomics“. In diesem Zusammenhang dürfte die Yen-Schwäche bei den privaten Haushalten weniger beliebt sein. Für die Haushalte ist die reale Kaufkraft von Bedeutung; eine anhaltende Schwäche des Yen könnte die importierte Inflation verstärken, was wiederum die Argumente für eine baldige Zinserhöhung durch die BOJ stärken würde.

Yen-Verkäufe und die Rolle ausländischer Hedger

Dies bedeutet nicht, dass ausländische Investoren kurzfristig aufhören werden, Druck auf den Yen auszuüben. Japan benötigt jedoch keine ständigen Zuflüsse aus dem Ausland, um seine Anleiheemissionen zu finanzieren. Japan ist ein Netto-Überschussland, und der anhaltende Yen-Carry-Trade zeigt, dass die Anleger weiterhin risikofreudig sind. Dieses Umfeld unterstützt weiterhin Risikoanlagen, einschließlich japanischer Aktien.

Bild © Amova Asset Management