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Investitionen in Verteidigung bieten Chancen für Investoren

Markets and NewsInvestitionen in Verteidigung bieten Chancen für Investoren

Bei der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz steht die Verteidigungsfähigkeit Europas im Vordergrund. Um gegen Großmächte bestehen zu können, brauchen Deutschland und Europa ausreichend militärische Stärke und moderne Ausrüstung. Deutsche Unternehmen aus dem Verteidigungsbereich können hiervon profitieren, wie Christoph Ohme, Leiter Deutsche Aktien bei ODDO BHF AM, in folgendem Kommentar zeigt.

„Wir sehen in Europa – und ganz besonders in Deutschland – eine grundlegende sicherheitspolitische Neuausrichtung“, schreibt Ohme. Die Bundesrepublik erhöht ihren Verteidigungsetat massiv: Die Verteidigungsausgaben sollen in diesem Jahr auf 108,2 Milliarden Euro und damit auf einen Höchststand seit Ende des Kalten Krieges steigen. Nach dem von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf für den Bundeshaushalt 2026 sind im regulären Wehretat Ausgaben von 82,69 Milliarden Euro eingeplant, weitere Ausgaben von 25,51 Milliarden Euro sollen aus dem Sondervermögen Bundeswehr finanziert werden.

Aufträge über Jahre gesichert

Die langfristig festgelegten Mittel bis 2029 sorgen dafür, dass die Orderbücher der Rüstungsunternehmen über Jahre hinweg sehr gut gefüllt sein werden. In der letzten Sitzung des Haushaltsausschusses im Dezember 2025 wurden zudem weitere 30 Großvorhaben über etwa 50 Milliarden Euro bewilligt. „Das heißt, dass die Industrie über Jahre mit planbaren Aufträgen rechnen kann, in manchen Fällen bis über 2030 hinaus. Ein solches strukturelles Wachstum ist in anderen Sektoren derzeit kaum zu finden“, erklärt der Experte von ODDO BHF AM.

Gestiegene Bewertungen unterlegt durch besondere Auftragssituation

Diese langfristigen Investitionen verleihen Verteidigungs-Unternehmen weiteren Schwung. „Die Bewertungen sind sicherlich gestiegen und sind nicht mehr günstig.“ Der Nachfrageschub habe aber den Vorteil, nicht nur von der Konjunktur, sondern vor allem von der sicherheitspolitischen Lage abhängig zu sein. Die Aufträge im Systembereich, etwa bei gepanzerten Fahrzeugen, Flugabwehr oder hochmodernen Radarsatellitensystemen, sind außergewöhnlich umfangreich. „In diesem Umfeld sind höhere Bewertungen nachvollziehbar. Sie sind Ausdruck der hohen Visibilität von Umsätzen und Gewinnen in der Branche”, ergänzt Ohme.

Für die höhere Volatilität sieht der Experte mehrere Gründe: „Zum einen haben die gestiegenen Bewertungen zu größeren Ausschlägen geführt. Zum anderen steht die Industrie vor der Herausforderung, enorme Auftragsmengen effizient abzuarbeiten. Hinzu kommen bekannte Themen wie Lieferkettenengpässe oder der Fachkräftemangel – doch trotz all dieser Faktoren ist die Grunddynamik im Sektor positiv.“ Die Budgets seien langfristig beschlossen, da die sicherheitspolitische Lage dauerhaft hohe Investitionen erfordere und Europa mehr Verantwortung in der Nato übernehme. „Ich bin weiterhin überzeugt, dass die langfristigen Aussichten positiv sind“, fasst Ohme zusammen. Auch andere Sektoren entlang der Lieferkette profitieren. „Zulieferer für Spezialstähle, Verbundwerkstoffe oder elektronische Bauteile sind genauso gefragt wie Unternehmen aus der Sensorik oder der Spezialchemie. Die Breite der deutschen Beschaffungsprogramme sorgt dafür, dass die positiven Effekte über die eigentlichen Rüstungsunternehmen hinausgehen“, führt Ohme aus.

Fazit: Strukturelle Nachfrage sorgt für planbare Erträge

Europa erlebt gerade den größten sicherheitspolitischen Wandel seit dem Ende des Kalten Krieges. Die politischen Entscheidungen der letzten zwei Jahre – insbesondere in Deutschland – schaffen ein Umfeld, in dem die Verteidigungsindustrie über Jahre hinweg deutlich wachsen kann. „Für langfristig orientierte Anleger bleibt der Sektor deshalb attraktiv mit gut planbaren Erträgen. Die strukturelle Nachfrage wird uns noch lange begleiten“, fasst der Experte von ODDO BHF AM zusammen.

Bild © ODDO BHF AM