Saturday 1-Oct-2022
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Aktienquote in der Taktischen Asset-Allocation spürbar reduziert

OpinionsAktienquote in der Taktischen Asset-Allocation spürbar reduziert

Der von den USA vom Zaun gebrochene Handelskrieg scheint mit den jüngsten Entwicklungen an Brisanz verloren zu haben. Die Frist von 90 Tagen für Verhandlungen entschärft zumindest vorübergehend eines der dominierenden Themen des Jahres 2018 – auch wenn es in Bezug auf die Substanz der Gespräche sehr unterschiedliche Auslegungen gibt. Der Budgetstreit zwischen Italien und der EU-Kommission hat sich in den letzten Tagen entspannt. Ohne dass es am Markt zu einer maximalen Eskalation kommen musste, zeigt sich die italienische Regierung nun etwas umgänglicher. Beim Thema Brexit wird ein kapitales Scheitern der ersten Abstimmung ohnehin schon erwartet, sodass die Märkte dadurch nicht mehr in besonderem Ausmaß unter Druck kommen werden. Jedes dieser Themen hat, nicht zuletzt aufgrund der handelnden Personen, das Potenzial, ohne Vorwarnung wieder hochzukochen und am Markt Stress zu verursachen.

In Summe hat sich das politische Risiko aber verringert. Trotzdem wird die Aktienquote in der Taktischen Asset-Allocation spürbar reduziert und zwar konkret von einer Übergewichtung von einem Schritt auf eine Untergewichtung im selben Ausmaß. Die Begründung dafür liegt in allen anderen Einflussfaktoren abseits der Politik. Beispielsweise die Abschwächung der Konjunktur, die für 2019 erwartet wird. Auch die Unternehmensgewinne, die sich im Jahresverlauf – nicht zuletzt aufgrund der Steuersenkung in den USA – sehr gut entwickelt haben, verlieren zuletzt an Dynamik. Die Investorenstimmung ist zwar etwas vorsichtiger, aber bei weitem nicht so negativ, dass eine dauerhafte Bodenbildung zu erwarten wäre. Von den Charts kommen jüngst immer mehr Verkaufssignale und diverse weitere Indikatoren deuten auf eine anhaltende Phase der Risikoaversion hin. Das übergeordnete und damit wichtigste Thema ist jedoch der Liquiditätsentzug durch die Notenbanken, der uns noch weit ins Jahr 2019 hinein begleiten wird.

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Aktien – 4. Quartal glänzt auch nicht

Das Jahr 2018 läuft für Aktieninvestoren generell enttäuschend. Gute Fundamentaldaten, sowohl gesamtwirtschaftlich (Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Inflation), als auch mikroökonomisch (Unternehmensgewinne), reichen den Investoren offensichtlich nicht mehr. Sorgen um ein Abreissen der Konjunkturdynamik, Ausweitung der Handelskonflikte und weitere geopolitische Spannungen wirken belastend, ebenso das Auslaufen der expansiven Geldpolitik der führenden Notenbanken. Der globale Aktienindex „MSCI World“ ist 2018 noch im Plus, ebenso Japan und USA, aber das liegt haupsächlich an den Währungskomponenten durch den schwächeren Euro.

Europa mit dem stark exportorientierten DAX und die Emerging Markets verloren weiter an Boden – insbesondere in den letzten Monaten – dies ist auch durch die schwächere Gewinndynamik begründbar. Zwar wurden die Verluste des sehr schwachen Oktobers Anfang November teilweise wieder wettgemacht, doch eine substanzielle Erholung ist vorerst nicht eingetreten.

Aktien USA und Europa – Stimmungslage hat sich gedreht

Die entwickelten Aktienmärkte konnten sich von den Kursverlusten im Oktober etwas erholen. Gleichzeitig entwickelt sich einer der wichtigsten Unterstützungsfaktoren der letzten Jahre – der Gewinntrend bei den Unternehmen – zunehmend zu einem Risikofaktor. Die Anzahl an Gewinnwarnungen ist zuletzt merklich angestiegen. Wir sehen dies eindeutig als Warnzeichen. Nordamerika war bis vor kurzem die letzte Region mit positiven Gewinnrevisionen. Doch auch in den USA sind im Verlauf der jüngsten – wieder sehr guten – Gewinnberichtssaison, die Erwartungen für die nächsten Quartale mehrheitlich nach unten revidiert worden. Jüngste Meldungen, etwa aus dem Bereich der Technologiezulieferer, lassen befürchten, dass auch von den großen Namen im Sektor in den nächsten Wochen ein schwächerer Ausblick oder eine Gewinnwarnung abgegeben wird. Die aktuell erwarteten Gewinnwachstumsraten für 2019 liegen global bei einem Plus von unter 10 %, was insbesondere für die USA eine Abkühlung darstellt. Wir sind für die nächsten Monate nun deutlich vorsichtiger gestimmt.

Emerging Markets – Schwaches Jahr 2018

2018 ist nach wie vor von einer schwachen Entwicklung bei Emerging-Market-Aktien geprägt. Verantwortlich dafür sind zum einen spezifische Länderthemen (Türkei, Argentinien) und wohl zu einem größeren Ausmaß der Handelskonflikt und die damit einhergehende Verunsicherung bei den Unternehmen. Zum anderen ist auch die Schwäche der mittlerweile sehr stark gewichteten Technologie- und Online-Retail-Sektoren (z. B. Alibaba, Tencent) deutlich spürbar. Sollte es zu einer Entspannung im Handelskonflikt kommen, ist aus unserer Sicht eine Erholung bei Emerging-Market-Aktien zu erwarten.