Interview mit Sabine Knee, Fondsmanagerin, Heemann Vermögensverwaltung AG
Frau Knee, der FU Fonds Multi-Asset weist aktuell einen vergleichsweise hohen Anteil an Bau- und Infrastrukturwerten auf. Was steckt hinter dieser Positionierung?
Die Gewichtung ist das Ergebnis unserer konsequent aktiven Branchenrotation. Der Fonds ist derzeit mit 12,64 Prozent im Segment Infrastruktur und Bau investiert. Wir haben diesen Bereich bereits zu einem Zeitpunkt aufgebaut, als viele Investoren ihn noch weitgehend ignoriert haben. Zyklische Unsicherheiten, steigende Zinsen und politische Zurückhaltung bei Investitionsprogrammen hatten lange Zeit zu einer Unterbewertung geführt.
Welche Titel stehen dabei exemplarisch für diese Ausrichtung?
Zu den Kernpositionen zählen unter anderem Hochtief, Heidelberg Materials sowie die spanische ACS, die als Muttergesellschaft von Hochtief eine zentrale Rolle im europäischen Infrastrukturgeschäft spielt. Diese Unternehmen verfügen über volle Auftragsbücher, starke Marktpositionen und eine hohe Visibilität der künftigen Cashflows.
2025 haben Bau- und Infrastrukturwerte deutlich angezogen. Was hat den Stimmungsumschwung ausgelöst?
Mehrere Faktoren kommen zusammen. Zum einen steigt der politische Druck, Investitionen endlich umzusetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz hat zuletzt offen eingeräumt, dass die bisherigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen noch nicht zu einer spürbaren Belebung geführt haben. Zum anderen steht mit dem Sondervermögen für Infrastrukturprojekte erhebliche Finanzierungskraft bereit. Der Markt beginnt, diese Perspektive einzupreisen.
Warum liegt der regionale Schwerpunkt klar auf Europa und nicht auf Nordamerika?
Die Investitionsdynamik in Europa ist strukturell getrieben. Viele Länder haben einen erheblichen Nachholbedarf bei Verkehrswegen, Energieinfrastruktur und öffentlicher Bauinvestition. Das Sondervermögen dürfte vor allem deutschen und europäischen Unternehmen zugutekommen. In Nordamerika sind entsprechende Programme bereits weiter fortgeschritten und stärker bewertet.
Welche zusätzlichen Impulse könnten den Sektor weiter stützen?
Ein mögliches Ende des Krieges in der Ukraine wäre ein erheblicher zusätzlicher Treiber. Der Wiederaufbau des Landes würde über Jahre hinweg enorme Bau- und Infrastrukturleistungen erfordern. Ähnliches gilt – unter anderen politischen Voraussetzungen – auch für einen möglichen Wiederaufbau des Gazastreifens. Solche Szenarien sind heute noch nicht eingepreist, erhöhen aber das langfristige strukturelle Potenzial des Sektors.
Wie fügt sich das Segment in die Gesamtstrategie des Fonds ein?
Bau- und Infrastrukturwerte stehen exemplarisch für unseren Ansatz, antizyklisch zu investieren und strukturelle Trends frühzeitig zu identifizieren. Die aktuelle Gewichtung ist kein statisches Bekenntnis, sondern Ausdruck unserer Überzeugung, dass sich Risiko-Rendite-Profile im Markt laufend verschieben – und aktiv genutzt werden müssen.
Bild © Heemann Vermögensverwaltung AG
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Pro BoutiquenFonds