Thursday 29-Sep-2022
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Anleihen profitieren von Aktienschwäche

OpinionsAnleihen profitieren von Aktienschwäche

Die Blicke der Marktteilnehmer richteten sich zuletzt auf die Aktienmärkte. Grund war der massive Abschwung im Dezember. Dieser stützte die meisten Rentenmärkte – zumindest die Staatsanleihen, sie legten im Dezember generell zu. Italien profitierte derweil von der Entspannung im Budgetkonflikt mit der Europäischen Kommission. Auch die Renditeabstände der Emerging-Market-Anleihen konnten sich ein wenig einengen. Generell war die Wertentwicklung der Emerging Markets, vor allem des Hartwährung-Segments, enttäuschend.

Die auf den ersten Blick sehr gute Wertentwicklung der US-Rentenmärkte ist im Wesentlichen der Währung geschuldet. Der Dollar hat gegen den Euro seit Jahresbeginn rund 5 % aufgewertet. Am stärksten schnitten somit die deutschen Bundesanleihen (und damit auch die österreichischen) ab – ein Anzeichen der Krise.

Die Renditeabstände (Spreads) der Unternehmensanleihen inklusive High-Yields steigen auf Jahreshöchststände, wir sind aber noch deutlich von den „Krisenniveaus“ vergangener Jahre entfernt.

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Geld-/Kapitalmarkt – EZB-Politik an der Wende

Die amerikanische Wirtschaft befindet sich im späten Zyklus und wird in den kommenden Jahren etwas weniger, wenngleich immer noch gut wachsen. In den USA sind 2019, aus aktueller Sicht, zwei weitere Zinsanhebungen zu erwarten, wohingegen die EZB maximal einmal anheben wird. Die Zinsdifferenz bleibt somit weiterhin zugunsten der USA bestehen, mittelfristig wird sich das Bild aber drehen und dann auch den Euro unterstützen. Auch das ansteigende Haushaltsdefizit belastet die amerikanische Währung. Insgesamt erwarten wir somit keine großen Währungsbewegungen und gehen für 2019 von einem Kurs von ca. 1,2 EUR/ USD aus.

Auch wenn die erste Zinsanhebung frühestens im 4. Quartal 2019 kommen wird, war der Beschluss der EZB, das Anleihekaufprogramm per Ende 2018 auslaufen zu lassen, ein Signal an die Investoren. Weiterhin ist viel Geld bei der Notenbank geparkt und die Renditen der Staatsanleihen der Kernländer sind extrem niedrig. Leicht rückläufiges Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation sowie die Funktion des sicheren Hafens sprechen auch 2019 für tiefe Renditen.

Staats- und Unternehmensanleihen – Flache US-Zinskurve

Die amerikanische Zinskurve ist innerhalb eines Jahres deutlich flacher geworden und bietet nun über alle Laufzeiten hinweg eine attraktive Verzinsung, insbesondere im Vergleich zu deutschen Papieren. Wir erwarten kaum inflationäre Tendenzen, was gepaart mit der etwas schwächeren Konjunkturentwicklung und dem geringeren Fed-Engagement nur mehr zu einem geringen Anstieg der Renditen führen wird.

Steigende Verunsicherung hat zu deutlich höheren Risikoprämien und zugleich negativen Überschusserträgen an den Kreditmärkten geführt. Da die Ausfallsraten aber weiterhin sehr niedrig zu erwarten sind, werden die Spreads trotz Angebotsüberhang, wenn überhaupt, nur mehr moderat ansteigen – verglichen mit der eigenen Historie sind sie bereits recht attraktiv.

High-Yield-Spreads haben sich 2018 so stark ausgeweitet, dass für das kommende Jahr nur mehr geringe Bewegungen zu erwarten sind und sich somit im Laufe des Jahres interessante Kaufniveaus bieten werden. Aktuell halten wir High-Yield-Anleihen untergewichtet.