Sunday 2-Oct-2022
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Ausnahmezustand

OpinionsAusnahmezustand

Es fällt schwer, die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie in Worte zu fassen. Die Anzahl der Erkrankten und Toten bewegt sich scheinbar unaufhaltsam nach oben, was beispiellose Maßnahmen notwendig macht. Demokratie und Freiheitsrechte werden eingeschränkt und das Leben des Einzelnen in einen fundamental veränderten Modus gezwungen. Sich den Kopf über taktische Risikomaßnahmen in der Asset Allocation zu zerbrechen, erscheint dabei fast nebensächlich. Die Verantwortung für unsere Kunden und das anvertraute Vermögen endet aber auch in diesem Ausnahmezustand nicht, weshalb die volle Konzentration darauf gerichtet ist, diese Phase bestmöglich zu meistern. Dabei müssen wir uns eingestehen, dass wir weder den weiteren Verlauf der Pandemie noch die wirtschaftlichen Auswirkungen seriös einschätzen können. Ja, es gibt mittlerweile den einen oder anderen Anhaltspunkt, aber mehr nicht.

An dieser Stelle kann eine der Hauptaussagen des letztmonatigen Kommentars wiederholt werden: In einer solchen Situation steht das Vorsichtsprinzip über Ertragsoptimierung. Wir haben deshalb im Verlauf des März sowohl die Aktienquote als auch das Zinsänderungsrisiko signifikant reduziert. Die Entscheidung hinsichtlich der Aktien wurde zuletzt bestätigt, auch wenn sich die Märkte in den letzten Tagen zu stabilisieren scheinen.

Das Übergreifen der Pandemie auf die USA dürfte wohl noch für ausgeprägte Volatilität sorgen. Das Zinsänderungsrisiko wurde hingegen normalisiert, weil hier aufgrund der jüngsten Aussagen diverser Notenbanken das Bedrohungspotenzial begrenzt sein dürfte.

Kurzfristig wird die Marktentwicklung somit von ausgeprägter Unsicherheit gekennzeichnet sein. Wer einen längeren Horizont hat, etwa jenen der empfohlenen Behaltedauer unserer Fonds, findet schon jetzt interessante Möglichkeiten vor.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management’s märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Aktien: Beispiellose global-synchrone Marktbewegungen

Die Lage verdüsterte sich, nachdem es Ende Februar noch weniger dramatisch aussah. Es ist wohl auch schon in Vergessenheit geraten, dass ja einige Indizes Mitte Februar noch Höchststände aufweisen konnten, der US-Markt sogar mit All-Time-High. Mit der globalen Ausbreitung der Corona-Pandemie erfolgte im März aber auch der weltweite Einbruch der Aktienmärkte. Extreme Tages- und Wochenverluste und heftige Gegenbewegungen halten die Welt in Atem. Die Marktvolatilität, der gängige Risikofaktor am Finanzmarkt, erreichte im März Extremwerte, erst Ende des Monats trat eine Gegenbewegung und dann etwas Beruhigung ein. Immerhin stiegen die Aktien Ende März auch um rund 10 % in einer Woche, was den stärksten Wochengewinn seit 11 Jahren bedeutet. Und es gibt derzeit ein kleines Licht am Horizont: Chinas Aktienmarkt ist am wenigsten unter Druck, ein Indiz der Erholung. Ebenso lassen die letzten Tage im März die Suche nach einer Bodenbildung vermuten, aber die Lage bleibt fragil.

Globale Konjunktur: Lockdown

Die Welt kämpft derzeit vor allem mit der Eindämmung der weiteren Verbreitung des Coronavirus. Der Lockdown weiter Teile des sozialen aber auch des wirtschaftlichen Lebens zur Reduktion persönlicher Kontakte ist hierbei die wesentlichste Maßnahme.

Damit kommt die globale Wirtschaft einem temporären Stillstand nahe. Dramatisch negative Auswirkungen auf die Wachstums- und Arbeitsmarktzahlen sind anhand erster Indikationen absehbar. Obwohl erst wenige konkrete Daten zur Verfügung stehen, verdeutlicht die Abrisskante bei den Surprise Indizes in allen Regionen, dass die oftmals schon deutlich nach unten angepassten Prognosen dennoch mehrheitlich negativ übertroffen werden.

Die sich täglich verändernde Nachrichtenlage bestimmt weiterhin die Entwicklung an den Aktienmärkten und macht damit kurzfristige Prognosen fast unmöglich. Die unmittelbaren Folgen für die globale Konjunktur werden jedoch greifbarer, auch in den erwarteten Unternehmensgewinnen beginnen sich die Folgen dieser Krise nun deutlich zu manifestieren.

Aktien USA und Europa: Steiniger Weg vor uns

Im aktuellen Umfeld erachten wir Fundamentaldaten als weniger relevantes Anzeichen dafür, dass im Kampf gegen die Pandemie echte Fortschritte erzielt werden. Seit dem globalen Ausbruch der Krise haben Aktienmärkte aus Ländern, die schon weiter im Zyklus der Ansteckung bzw. erfolgreicher in der Bekämpfung derselben sind, sich besser gehalten als solche aus „Nachzüglerländern”. Nicht nur absolut, sondern vor allem risikoadjustiert.

Wir glauben, dass die regionalen Ansteckungsraten in den nächsten Wochen weiter im Fokus der Anleger stehen werden und erfolgreiche „Coronabekämpfer” sich besser entwickeln werden. Das Gewinnwachstum für den MSCI Weltaktienindex inklusive Emerging Markets (basierend auf den rollierenden 12-Monatsergebnissen) war bereits Ende Februar zweistellig negativ. Während sich die Gewinnentwicklung in den Schwellenländern schon seit Ende Jänner deutlich negativ zeigt, sind nun ähnliche Entwicklungen in den entwickelten Regionen zu erwarten.

Emerging Markets: Schäden noch nicht absehbar

Lag das Auge des Hurrikans im Jänner und Februar eindeutig über China, so ist der Sturm nun weiterge zogen. Die verheerenden Verwüstungen der Corona-Pandemie werden zunehmend sichtbar: So zeigen Vorlaufindikatoren historische Tiefstände an und BIP-Wachstumszahlen werden laufend nach unten revidiert. Mittlerweile wird ein stärkerer Rückgang als in der Krise von 2008 erwartet.

Am wenigsten Visibilität gibt es noch immer auf der Unternehmensseite, wobei hier ebenso deutliche Gewinnrückgänge erwartet werden. Bisher regiert die Hoffnung auf einen kurzen Absturz.