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Das Problem mit passiven Anleihenfonds

OpinionsDas Problem mit passiven Anleihenfonds

Passive Anleihenfonds werden bei Anlegern immer beliebter, vor allem die börsengehandelten. Das Problem ist jedoch, dass Anleihen sich nicht gut für eine Indexnachbildung eignen, so Mickael Benhaim, Head of Fixed Income Investment Strategy & Solutions bei Pictet Asset Management.

Passiver Anleihenfonds – das hört sich todsicher an. Nichts, was Adrenalin freisetzt. Aber da irren Sie sich: Einem kürzlich von der Bank for International Settlements (BIS) veröffentlichten Bericht zufolge kann mit Fonds, die für die Nachbildung eines Anleihenindex konzipiert sind – wie z. B. börsengehandelte Instrumente – ein recht hohes Risiko verbunden sein.

Das grundlegende Problem besteht darin, dass Anleihen sich schlichtweg nicht gut für passives Investieren eignen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Zunächst einmal ist die große Mehrheit der Anleihenindizes nach Kapitalisierung gewichtet, so dass sich passive Anleger automatisch auf Wertpapiere stürzen, die von den am stärksten verschuldeten Regierungen und Unternehmen begeben werden. Das macht sie anfällig für ungünstige Veränderungen bei der Kreditwürdigkeit eines Emittenten – stärker als aktive Anleger, die immer noch aktiv Einfluss nehmen können.

Erschwerend für passive Anleiheninhaber kommt hinzu, dass die Kreditaufnahmekosten für Regierungen und Unternehmen, die Bestandteil der Benchmark sind, zurückgehen, wenn mehr Liquidität in indexnachbildende Fonds fließt. Das wiederum ist ein Anreiz für noch mehr Kreditaufnahmen – eine Entwicklung, die die BIS als Systemrisiko beschreibt.

Für Anleger in Indizes für Unternehmensanleihen ist es besonders schwer, sich ein genaues Bild vom Kreditrisiko zu machen. Wenn neue Anleihen in die Benchmark aufgenommen werden, kann sich die Kreditwürdigkeit des Index mitunter stark verändern. Die Herabstufung eines großen Unternehmens kann sich sehr negativ auf das Kreditprofil der gesamten Benchmark auswirken.

Abbildung: Ein schlechtes Geschäft: Die Renditen von Anleihenindizes sind niedrig und ihre Anfälligkeit gegenüber Zinsanstiegen ist hoch

Duration und Rendite des Citgroup G7 World Government Bond Index

Quelle: Pictet Asset Management, Datastream. Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.01.1995–30.03.2018.

Die Hilfslosigkeit im Fall einer plötzlichen Veränderung der Kreditwürdigkeit eines Anleiheemittenten ist nicht der einzige Fallstrick für passive Anleger. Höhere Zinssätze sind ein weiterer.

Die Duration des Barclays Global Aggregate Index zum Beispiel, einem der gängigsten Anleihenindizes, hat sich von 5,4 Jahren vor einem Jahrzehnt auf mittlerweile 7 Jahre erhöht.

Das entspricht einer Quasi-Verdopplung des Zinsrisikos, das den Anleihenindizes innewohnt. Dass dies in einer Zeit der Fall ist, wo die Zinssätze in den USA und anderen Teilen der Welt langsam steigen, bereitet Sorge.

Höhere Handelskosten erschweren auch die Zusammenstellung von Anleihenindizes. Die Umschlagsrate bei den Anleihenindizes innerhalb eines Jahres ist mit 30–70% beachtlich und viel stärker ausgeprägt als bei Aktienbenchmarks. Bei Indizes für Hochzinsanleihen kann der Turnover sogar bei 90% liegen. Die Nachbildung eines Anleihenindex erfordert daher eine hohe Handelstätigkeit, wodurch sich die Anlagekosten erhöhen. Diese Kosten werden auf rund 0,3% pro Jahr für einen Aggregate-Anleihenindex geschätzt. Bei Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen mit niedrigerem Rating können die Kosten sogar um einiges höher ausfallen. Über diese Realisierungskosten wird kaum gesprochen, aber sie trüben das schöne Bild der indexnachbildenden Anleihenfonds.

Da regionale oder weltweite Anleihenindizes bis zu 5.000 einzelne Wertpapiere umfassen können, lässt sich bei der Indexbildung nur eine begrenzte Anzahl überhaupt berücksichtigen. Wird jedoch ein Index auf diese Weise gebildet, muss oftmals auf Substitute zurückgegriffen werden. Mit anderen Worten: Aus Kostengründen ersetzen die Indexmanager häufig Anleihen mit höherer Qualität, aber niedrigerer Rendite durch solche mit höherem Risiko und niedrigerer Qualität. Aus diesem Grund müssen Index-Tracker-Fonds in Zeiten von Marktturbulenzen häufig stärkere Rückgänge hinnehmen.

Fazit: Passive Anleihenfonds sind alles andere als todsicher. Und das ist nicht unbedingt gut.


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Über den Autor
Mickael Benhaim arbeitet seit 2006 bei Pictet Asset Management, zuletzt als Co-Head Global Bonds im Fixed Income Team, bevor er im April 2017 die Leitung von Fixed Income Strategy & Solutions übernahm. Zuvor leitete er den Bereich „Euro Aggregate Fixed Income“ bei AXA Investment Managers in Paris, wo er fünf Jahre arbeitete. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung, die er unter anderem bei der Dresdner Bank-Gruppe und der BNP Paribas Gruppe gesammelt hat. Mickael Benhaim hat einen MSc in Mathematik und ein Nachdiplom in stochastischen Modellen von der Universität Jussieu und der Pantheon-Sorbonne in Paris.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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