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Die Subscription Economy als Investment: Bilanz nach einem Jahr

TopicsDie Subscription Economy als Investment: Bilanz nach einem Jahr

Das Geschäftsmodell des Abonnements ist schon länger fester Bestandteil des Konsumentenverhaltens. Sie bieten für Anbieter sowie Nutzer neben Flexibilität und Individualität gleichermaßen Vorteile gegenüber dem einmaligen Kauf eines Produkts. Der Megatrend Subscription Economy ist mittlerweile in fast allen Branchen präsent und zunehmend in den Blickpunkt von Investoren und Investmentmanagern gerückt – so auch von Natixis Investment Managers.
Auf FondsTrends sprechen die Portfoliomanager Nolan Hoffmeyer und Walid Azar Atallah von Thematics Asset Management über die ersten Schritte in einem noch sehr jungen Investmentbereich, das Potenzial hinsichtlich Resilienz und Wachstum sowie spannende Herausforderungen für die Zukunft. 

FondsTrends: Herr Hoffmeyer, Herr Atallah, woher kam die Idee in die Subscription Economy zu investieren?

Nolan Hoffmeyer: Tatsächlich weiß ich noch ganz genau, wo ich war, als ich zum ersten Mal auf diesen Gedanken kam: Auf meinem Roller an einer roten Ampel mit Blick ins Fenster eines Fitnessstudios. Da konnte ich deutlich erkennen, dass sich Abodienste wirklich überall durchsetzen! Ganz neu war mir das Konzept nicht, denn ich hatte mich schon eine ganze Weile mit Softwareanbietern beschäftigt und dort einen Wandel beobachtet.
Als wir im Team gründlichere Recherchen anstellten, merkten wir ziemlich schnell, was das für ein breites, attraktives Thema war.
So ein Produkt kommt natürlich nicht über Nacht auf den Markt: von der Machbarkeitsstudie über das Investmentdesign bis zur Auflegung verging rund ein Jahr.

FondsTrends: Wie fühlen Sie sich heute nach einem Jahr als Investor der Sparte „Subscription Economy“?

Nolan Hoffmeyer: Als „Thema“ ist die Subscription Economy die jüngste Idee unter den themenspezifischen Investments und genoss im ersten Jahr entsprechend viel Aufmerksamkeit. Um die Wahrheit zu sagen, kam mir dieses Jahr durch das Marktumfeld, das wir erleben, länger vor.
Auf jeden Fall bot es uns Gelegenheit, die Widerstandsfähigkeit des Konzepts auf die Probe zu stellen. Es ist zwar noch recht früh, doch wir sind mit den ersten Entwicklungen zufrieden, und wenn alle mitspielen, rechnen wir mit einer glänzenden Zukunft.

FondsTrends: Wie außergewöhnlich ist Ihr Ansatz in Ihren Augen?

Walid Azar Atallah: Als Neuzugang im Team war die Einzigartigkeit des Investmentthemas für mich eindeutig eine Motivation, mich mit in dieses Abenteuer zu stürzen. Ich hatte bereits Erfahrung im Management themenspezifischer Strategien mit Schwerpunkt auf den Millennials gesammelt und fühlte mich ganz klar vom innovationsorientierten Ansatz des Unternehmens angesprochen.

Nolan Hoffmeyer: Das Team hat hart daran gearbeitet, ein unserer Ansicht nach einzigartiges und vielfältiges Spektrum von Investmentgelegenheiten in Angriff zu nehmen.

FondsTrends: Welche drei Fakten und Zahlen würden Sie gern allen mit auf den Weg geben?

Walid Azar Atallah: Heute machen Abomodelle erst 5 bis 6 %1 der Verbraucherausgaben aus. Da ist also noch viel Spielraum nach oben.

Nolan Hoffmeyer: Kunden bleiben ihren Abos treu: So wurden beispielsweise Immobilienportale während der Pandemie hart getroffen, doch Unternehmen wie Rightmove aus dem Vereinigten Königreich oder Scout24 aus Deutschland haben kaum Kunden verloren. Der Nachhaltigkeitsaspekt von Abomodellen wird häufig übersehen: So kann beispielsweise die Migration von unternehmenseigenen Diensten auf Cloud-Dienste den Energieverbrauch im Schnitt um 65 %2 und den CO2-Ausstoß um 84 %2 verringern.

FondsTrends: 2020 hat sicherlich viele Überraschungen gebracht. Bitte verraten Sie uns, welche für Sie die größte war.

Nolan Hoffmeyer: Wir könnten sagen, die Resilienz des Geschäftsmodells, doch das war für uns in Wirklichkeit gar keine Überraschung. Aber mit ein bisschen Abstand beeindruckte uns, wie schnell sich die Gesellschaft auf die Krise einstellte und das hat offensichtlich auf die Unternehmen durchgeschlagen, in die wir investiert sind.

Walid Azar Atallah: Ich komme ja eher aus der Konsumecke und hatte persönlich nicht damit gerechnet, dass so viele B2B-Unternehmen ins Abogeschäft einsteigen würden. Auch die Zahl der Offline-Produkte und -Dienste, die über Abomodelle angeboten werden, fand ich überraschend.

FondsTrends: Modelle auf Abobasis sind von etlichen Branchen eingeführt worden, die in den letzten Jahren im Umbruch waren (Musik, Video, Spiele etc.). Wo stellt sich die nächste Herausforderung?

Walid Azar Atallah: Wir haben viel Disruption in einem breiten Spektrum von Branchen beobachtet, was der technischen Entwicklung und der stetig zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft zuzuschreiben war. Ich glaube, auch die Fitnessbranche ist reif für Veränderungen. Die jüngsten Ereignisse haben die Umwälzung noch beschleunigt. An die Spitze des Trends haben sich Unternehmen wie Peloton gesetzt, doch wir sehen, wie immer mehr namhafte Unternehmen wie Amazon und Apple versuchen, sich ihren Anteil am Fitness-2.0-Markt zu sichern.

Nolan Hoffmeyer: Das Internet der Dinge ist zweifellos ein faszinierendes Segment, in dem sich Unternehmen wie Signify herausbilden, das ein Abomodell für smarte Beleuchtungsdienste anbietet. Ein weiteres Beispiel, das in den Medien zu kurz kommt, sind die Börsen. Unternehmen wie Nasdaq und LSE wenden sich von transaktionsgestützten Modellen ab und gewähren stattdessen durch Abos Zugang zu ihrer Technologie und ihren Datensätzen.

FondsTrends: Welche Dienste oder Produkte abonnieren Sie privat?

Walid Azar Atallah: Wir abonnieren tatsächlich etliche der Dienste, in die wir im Konsumsektor investieren: Dazu gehören unter anderem Online-Nachrichten, Fitnessstudios, Live-Gaming-Dienste und natürlich Video- und Musik-Streaming-Abos.
2020 haben wir uns beide beim Kochbox-Lieferdienst HelloFresh angemeldet – eine gute Möglichkeit, etwas Abwechslung in unseren Speiseplan zu bringen.

Nolan Hoffmeyer: Und wir haben 2020 beide geheiratet und deshalb unsere Dating-Service-Abos gekündigt!

FondsTrends: Herr Atallah, Herr Hoffmeyer, wir danken Ihnen für das interessante Interview und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute!


Dieser Text stammt von FondsTrends – Die Zukunft des Fondsgeschäftes, veröffentlicht am 27. April 2021.

1) Quelle: Waterstone Management Group, Juli 2018, und ING Economic Department, April 2018
2) Quelle: Accenture Research, September 2020

Nolan Hoffmeyer

Nolan Hoffmeyer ist verantwortlich für die Subcription Economy Strategie. Er ist außerdem Co-Manager der AI & Robotics Strategie und verfügt über 7 Jahre Erfahrung. Zuvor war er bei Pictet Asset Management tätig (seit 2012). Nolan schloss sein Studium an der Universität St. Gallen mit einem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre ab und hat einen Master in Financial Engineering von der Universität Lausanne. Nolan Hoffmeyer ist außerdem CFA-Charterholder.

Walid Azar Atallah

Walid Azar Atallah ist Co-Manager des Thematics Subscription Economy Fonds. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen war Walid 4 Jahre bei Decalia Asset Management in Genf tätig, wo er den Decalia Millennials und den Decalia Silver Generation mitverwaltete. Er begann seine Karriere innerhalb des Thematics-Teams von CPR Asset Management, wo er 3 Jahre als Junior-Portfoliomanager für CPR Silver Age und CPR Global Silver Age tätig war. Walid hat einen Master-Abschluss in Handel und Risikomanagement von INSEEC in Paris und einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftswissenschaften von der Saint Joseph Universität in Beirut.