Ein Gastbeitrag von Malte Häusler, Co-Founder und CEO von Timeless Investments: Institutionelle Anleger ergänzen klassische Anlagen seit Jahren um alternative Investments. Immobilien, Infrastruktur oder Private Equity gehören dabei zu den etablierten Segmenten. Zugleich rücken weitere Sachwerte in den Blick. Dazu zählen auch Sammlerstücke wie Oldtimer, Luxusuhren, Kunst oder Wein. Diese Märkte funktionieren anders als die Börse. Es gibt keinen laufenden Kurs für ein einzelnes Kunstwerk oder einen historischen Rennwagen. Wer investiert, muss deshalb verstehen, wie Preise entstehen, welche Nachfrage hinter einem Objekt steht und wie es sich später wieder verkaufen lässt.
Auktionshäuser machen den Markt sichtbar
Internationale Auktionshäuser schaffen wichtige Referenzpunkte. Christie’s, Sotheby’s, Phillips oder RM Sotheby’s zeigen, welche Objekte Käufer suchen und welche Preise sie dafür zahlen. Ein einzelner Rekord reicht für eine Bewertung aber nicht aus. Professionelle Anleger müssen mehrere Verkäufe vergleichen und das konkrete Stück einordnen. Bei Oldtimern zählen etwa Modell, Zustand und Historie. Bei Kunst spielen Künstler, Werkphase und Provenienz eine Rolle. Bei Uhren kommen Referenz, Seltenheit und Sammlernachfrage hinzu. Je seltener ein Objekt gehandelt wird, desto wichtiger werden Daten, Marktkenntnis und ein klarer Auswahlprozess.
Digitale Modelle können den Zugang strukturieren
Traditionell muss ein Käufer ein Sammlerstück vollständig erwerben. Bei hochwertigen Fahrzeugen, Kunstwerken oder Uhren bindet das schnell hohe Summen. Die Tokenisierung setzt an diesem Punkt an. Sie teilt ein physisches Asset in digitale Anteile. Timeless Investments nutzt dieses Modell für Luxusuhren, Oldtimer, Kunstwerke, Whisky und limitierte Sneaker. Seit dem Start der Plattform im Februar 2021 hat Timeless mehr als 1000 Sammlerstücke mit einem Gesamtwert von über 45 Millionen Euro tokenisiert. Das physische Objekt bleibt bestehen und wird während der Haltedauer professionell gelagert und versichert. Für institutionelle Anleger ist dabei nicht die niedrige Einstiegssumme entscheidend. Interessanter ist das Prinzip der Fraktionierung. Hohe Einzelwerte lassen sich strukturieren, und Kapital kann auf mehrere Objekte oder Kategorien verteilt werden. Die Besonderheiten des Marktes verschwinden dadurch nicht. Auch ein tokenisiertes Sammlerstück muss bewertet, verwahrt und später verkauft werden. Die Technik verändert den Zugang. Sie ersetzt nicht die Prüfung des Assets.
Für Anleger mit langem Anlagehorizont könnten Sammlerstücke vor allem als Beimischung interessant sein. Ihre Preise werden teilweise von anderen Faktoren bestimmt als die Kurse börsengehandelter Aktien und Anleihen. Bei Luxusuhren zählen beispielsweise Seltenheit, Marke und Sammlernachfrage, bei Kunstwerken Künstler, Werkphase und Provenienz. Dadurch können Sammlerstücke eine vergleichsweise geringe Korrelation zu traditionellen Wertpapieren aufweisen und zur Diversifikation eines Portfolios beitragen. Historische Marktdaten einzelner Kategorien deuten zudem auf attraktive Renditen bei teilweise geringerer Volatilität sowie eine gewisse Widerstandsfähigkeit in Phasen fallender Aktienmärkte hin. Für Pensionskassen oder Versorgungswerke kann ein solcher Ansatz grundsätzlich relevant sein, sofern Anlagerichtlinien und regulatorische Vorgaben ein solches Investment zulassen. Der Ansatz sollte nicht darin bestehen, auf den nächsten Auktionsrekord zu setzen. Sinnvoller wäre ein Portfolio aus mehreren Objekten und Kategorien. Eine Luxusuhr folgt anderen Nachfragefaktoren als ein Kunstwerk. Ein Oldtimer entwickelt sich wiederum nicht automatisch wie eine seltene Münze. Diese Unterschiede können für langfristige Investoren interessant sein. Sie verhindern keine Verluste, verringern aber die Abhängigkeit von einem einzigen Objekt oder Sammlermarkt. Gleichzeitig kann ein Exit Zeit brauchen – das kann je nach Kategorie unterschiedlich sein, in der Regel von 12 bis 98 Monate. Wer Sammlerstücke einsetzt, sollte deshalb von Beginn an mitdenken, wer ein Asset später kaufen könnte.
Oldtimer zeigen, wie stark die Auswahl zählt
Der Markt für klassische Fahrzeuge macht die Unterschiede sichtbar. Der HAGI Top Index legte in den ersten acht Monaten des betrachteten Jahres um 4,32 Prozent zu. Porsche entwickelte sich deutlich stärker. Der Markenindex gewann 2025 bislang 19,65 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch 11,38 Prozent verloren hatte. Noch deutlicher zeigt ein einzelnes Spitzenobjekt, wie stark Seltenheit und Historie einen Preis prägen können. Ein Mercedes-Benz W196 Grand Prix aus dem Jahr 1954 erzielte bei RM Sotheby’s rund 51 Millionen Euro. Damit wurde er zum zweitteuersten jemals versteigerten Fahrzeug. Ein solcher Verkauf bildet den Oldtimermarkt nicht ab. Er zeigt aber, warum eine Kategorie allein als Investmentthese nicht reicht. Wer klassische Fahrzeuge auswählt, muss auch Marke, Modell und das konkrete Objekt prüfen.
Mehrere Märkte statt eines einzelnen Spitzenobjekts
Auch für Versicherungen könnte ein breiterer Ansatz relevant sein, sofern Strategie und Regulierung ihn zulassen. Statt das Engagement auf ein einzelnes Sammlerstück zu konzentrieren, lassen sich verschiedene Kategorien kombinieren. Ein Portfolio aus ausgewählten Fahrzeugen, Uhren und Kunstwerken verteilt das Kapital auf mehrere Sammlermärkte. Der langfristige Erfolg hängt dann weniger von einem einzelnen spektakulären Verkauf ab. Wichtiger ist, ob die ausgewählten Assets über Jahre gefragt bleiben und sich später zu einem angemessenen Preis veräußern lassen. Für institutionelle Anleger geht es deshalb vor allem um die Frage, welchen Platz ein solches Investment im Gesamtportfolio einnehmen kann und welches Risiko sie dafür eingehen möchten.
Der Gesamtindex erzählt nur einen Teil der Geschichte
Hinweise auf die langfristige Entwicklung von Sammlerstücken liefert der Knight Frank Luxury Investment Index. Er bündelt zehn Sammlerkategorien. Eine Auswertung von Timeless auf Basis des Index zeigt: In allen untersuchten rollierenden Fünfjahreszeiträumen zwischen 2005 und 2025 war die annualisierte Rendite positiv. Sie bewegte sich zwischen 0,4 und 12,8 Prozent und lag im Durchschnitt bei knapp sieben Prozent pro Jahr. Über den gesamten Zeitraum von 20 Jahren gewann der Index rund 250 Prozent an Wert. Die historische Entwicklung ist jedoch keine Garantie für zukünftige Erträge. Diesen langfristigen und diversifizierten Ansatz greift auch Collectible Invst auf. Das neue Angebot von Timeless soll Anlegern über ein depotfähiges Wertpapier mit ISIN und WKN Zugang zu einem kuratierten Portfolio realer Sammlerstücke aus sechs Kategorien ermöglichen. Das Angebot befindet sich derzeit noch in der Vorbereitungsphase. Für institutionelle Anleger zeigt das vor allem eines: Collectibles bilden keine homogene Anlageklasse. Ein Gesamtindex sagt nur begrenzt etwas darüber aus, wie sich ein bestimmtes Asset entwickelt. Wer in den Markt geht, muss zuerst die Kategorie verstehen und anschließend das einzelne Objekt prüfen.
Langfristigkeit allein reicht nicht
Ein langer Anlagehorizont macht ein Investment nicht automatisch geeignet. Sammlerstücke bleiben weniger liquide als börsengehandelte Wertpapiere. Für jedes Objekt muss sich beim Verkauf ein Käufer finden. Preise können schwanken, und vergangene Wertentwicklungen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse. Institutionelle Anleger müssen deshalb vor allem prüfen, ob ein solches Engagement zu ihrer Anlagestrategie, ihrem Liquiditätsbedarf und ihren regulatorischen Vorgaben passt. Sammlerstücke werden Aktien, Anleihen oder etablierte alternative Anlagen dabei ganz klar nicht ersetzen. Sie können aber zusätzliche Sachwertmärkte erschließen. Für langfristig orientierte Investoren zählt daher nicht der nächste Rekordpreis. Entscheidend ist, ob die Anlageklasse sinnvoll in das bestehende Portfolio passt und das Verhältnis von Chancen, Risiken und Liquidität überzeugt.
Zum Autor
Malte Häusler ist Co-Founder und CEO von Timeless Investments. Er gründete das Unternehmen 2018 gemeinsam mit Andreas Joebges und Jan Karnath. Die Plattform Timeless startete im Februar 2021 und ermöglicht privaten Anlegern den fraktionierten Zugang zu Sammlerstücken wie Luxusuhren, Oldtimern, Kunstwerken, Whisky und limitierten Sneakern. Bislang hat Timeless mehr als 1000 Sammlerstücke mit einem Gesamtwert von über 45 Millionen Euro tokenisiert.
Bild © Timeless Investments
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