Zweiter MetaDiskurs der BayernLB: Raumfahrt als Standortfrage

Markets and NewsZweiter MetaDiskurs der BayernLB: Raumfahrt als Standortfrage

BayernLB Research hat am 22. Oktober 2026 den zweiten MetaDiskurs abgehalten, diesmal mit einer virtuellen Reise auf den Mond. Gastgeber Dr. Jürgen Michels sprach dort mit Sabine von der Recke von der OHB System AG. Thema war die Raumfahrt als Frage von Sicherheit, Wirtschaft und Geopolitik. Der Abend zeigte, wie eng Kapitalbedarf, Verteidigung und Industriepolitik im All inzwischen verknüpft sind.

Ein Format, das seine Bühne mitdenkt

Wie beim ersten MetaDiskurs im Juli trafen sich die Gäste als Avatare in der Enterprise-Metaverse-Plattform RAUM. Den immersiven Teil verantwortete Gerald Kottmann von der Münchner Beratung Alice to Bob, die die BayernLB seit Jahren bei Metaverse-Projekten begleitet. Kottmann ordnete das Thema nüchtern ein: Für Unternehmen zähle das Enterprise Metaverse, also geschlossene Plattformen für Schulung, Vertrieb, Events und Projektarbeit.

Als Maßstab nannte er die ERGO Versicherung. Sie habe in drei Jahren rund 3.000 ihrer etwa 30.000 Beschäftigten im Umgang mit virtuellen Welten geschult. Danach führte Kottmann die Gruppe durch ein „Wurmloch“ auf die Mondoberfläche. Die Kulisse machte das Thema des Abends unmittelbar erfahrbar.

Europas Rolle zwischen Kooperation und Abhängigkeit

Von der Recke, Vorständin der OHB System AG, beschrieb die Raumfahrt als durch und durch politische Branche.

Europa sei kleiner als die USA oder China, technologisch aber stärker als oft angenommen, etwa in der Erdbeobachtung. Auch die Abhängigkeit laufe in beide Richtungen: Ohne das europäische Servicemodul hätte z.B. die Artemis-Crew den Mond nicht umrunden können. Für den Mond hat OHB mit dem Flughafen München das Konzept eines „Moonport“ entwickelt. Europa würde damit die Infrastruktur stellen und eine eher vermittelnde Rolle zwischen den globalen Akteuren einnehmen.

Was Kapitalgeber aus dem Abend mitnehmen

Auf die Frage nach dem größten Hemmschuh nannte von der Recke vor allem den Übergang in die Serienfertigung. Chancen sieht sie für Zulieferer aus dem Automobilbau, die neue Märkte suchen. Den finanziellen Rahmen setzte der Bund. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat im September 2025 angekündigt, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro für Weltraumprojekte und Sicherheit im All einzusetzen.

Zugleich warnte von der Recke vor einer Schieflage in der Wertschöpfung. Aus den frei zugänglichen Copernicus-Daten der EU entstünden die meisten Geschäftsmodelle in Asien. Beim Satellitennetz IRIS² müsse Europa stärker darauf achten, dass der Nutzen im eigenen Wirtschaftsraum bleibt. Den Mond als Wirtschaftsraum sieht sie eher um 2040 als 2030 relevant werden.

Offen bleibt, ob Europas Startkapazitäten mit dem Tempo von SpaceX Schritt halten. Für eine Bank, die sich als Zukunftsfinanzierer versteht, liegt darin der Kern der Debatte. Raumfahrt wird zur Infrastrukturfrage, die Kapital in industrieller Breite braucht.

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