Stagflation und ihre Auswirkungen auf Aktien und Anleihen
Schwaches Wachstum wirkt sich negativ auf den Umsatz von Unternehmen aus, da sowohl Unternehmen als auch Verbraucher ihre Ausgaben reduzieren. Hohe Inflation verschärft diese Situation, da in einem schwachen Nachfrageumfeld steigende Inputkosten kaum an Kunden weitergegeben werden können, was die Gewinnmargen und Erträge unter Druck setzt. Zudem führen höhere Inflationserwartungen historisch zu niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren, da steigende Anleiherenditen die Aktienbewertung beeinflussen.
Für Anleihen vermindert Inflation den Wert der fixen Zinszahlungen, was Investoren dazu veranlasst, höhere Renditen zu verlangen. Die Kurse fallen entsprechend.
Herausforderung für das 60/40-Portfolio
Die gewohnte risikoreduzierende Wirkung von Anleihen neben Aktien ist in einem Inflationstreiberumfeld weniger zuverlässig, da die Korrelation zwischen beiden Anlageklassen tendenziell positiv ist. In der Vergangenheit war eine negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen eher ein neues Phänomen, während positive Korrelationen die Norm vor den späten 1990er-Jahren darstellten.
Obwohl Aktien und Anleihen in stagflationären Zeiten mit Herausforderungen konfrontiert sind, zeigen Daten seit 1926, dass das 60/40-Portfolio über Stagflationsjahre hinweg im Median eine höhere Rendite erzielt hat als Aktien oder Anleihen einzeln, was den Wert der Diversifizierung unterstreicht.
Verbesserungspotenziale für das 60/40-Portfolio
Eine wirksame Anpassung besteht in der Verkürzung der Duration des Anleiheportfolios. Kurzlaufende Staats- oder Unternehmensanleihen reagieren weniger empfindlich auf Renditeänderungen und reduzieren somit das Abwärtsrisiko. Obwohl dabei Renditen niedriger ausfallen können, verbessert dies langfristig die Risiko-Rendite-Dynamik. Ergänzend können variabel verzinsliche Wertpapiere, wie Leveraged Loans oder verbriefte Kredite, die an kurzfristige Zinssätze gekoppelt sind, eingebunden werden, um von steigenden Zinsen zu profitieren.
Risiken bei Unternehmensanleihen
Credit Spreads steigen in Stagflationsphasen typischerweise um etwa 0,3 %. Angesichts derzeit enger Spreads stellt bereits eine moderate Ausweitung ein Risiko für Investment-Grade-Unternehmensanleihen dar. Long-Term-Investoren sind bei guter Bonität weniger stark betroffen, während taktische Investoren erhöhte Vorsicht walten lassen sollten. Eine Verkürzung der Duration bietet auch hier eine Risikoabsicherung.
Aktienstile und Sektoren in stagflationären Zeiten
Quality-Aktien, also Unternehmen mit hoher operativer Profitabilität, haben sich in über 60 % der stagflationären Phasen besser als weniger profitable Unternehmen entwickelt, mit einer durchschnittlichen Outperformance von etwa 4 % p.a. Value-Titel übertrafen Growth-Aktien, da höhere Zinsen die zukünftigen Ertragswerte von Wachstumsunternehmen stärker diskontieren und so deren Gegenwartswert mindern.
Unternehmen mit konservativen Kapitalinvestitionen schnitten während hoher und steigender Inflation besser ab als solche mit aggressiven Investitionsstrategien, bedingt durch steigende Fremdfinanzierungskosten. Angesichts eines beginnenden globalen Kapitalinvestitionszyklus bleiben solche Unterschiede für Investoren relevant.
Empfehlungen für Investoren bei Stagflation
- Verkürzung der Duration von Anleiheportfolios
- Erhöhung des Engagements in Quality- und Value-Stilen zur Kompensation wachstumslastiger Positionen
- Ausbau von Investitionen in den Energiesektor sowie defensive Sektoren und Unternehmen
- Potentielle Einbeziehung von Goldaktien
- Aufstockung der Allokation in Rohstoffe und Hedgefonds
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