Eine neue empirische Studie vergleicht Gold und Bitcoin über fast 16 Jahre. Ihr Ergebnis: Seit 2020 liefert Gold je Risikoeinheit mehr als doppelt so viel Rendite wie Bitcoin. Für Allokationsentscheidungen in einer Phase gehäufter Krisen ist das ein relevanter Datenpunkt.
Was die Studie misst
Die Arbeit stammt von Iván Alejandro Vacio-Hernández von der Universidad Tecnológica de Hermosillo in Mexiko. Erschienen ist sie in der Fachzeitschrift Apuntes del Cenes. Sie wertet Monatsdaten von Juli 2010 bis Mai 2026 aus. Der Autor teilt sie in drei Zeiträume: die gesamte Lebensdauer von Bitcoin, die Reifephase ab 2014 und die Polykrise ab 2020.
Betrachtet werden Rendite, Risiko und das Verhalten gegenüber Aktienindizes, Öl und Währungen. Zu den Kennzahlen gehören Sharpe- und Sortino-Ratio, maximaler Drawdown und durchschnittliche Verlusthöhe. Für die Frage nach dem sicheren Hafen nutzt die Studie Tagesdaten aus 16 Stressmonaten seit 2020.
Warum Gold risikobereinigt vorn liegt
Absolut wirft Bitcoin auch seit 2020 deutlich mehr ab als Gold, doch der Preis dafür ist hoch. Bitcoin verlor in dieser Phase zeitweise 73 Prozent seines Werts, Gold höchstens knapp 17 Prozent. Beide Anlagen geben in etwa jedem zweiten Monat nach. Die Verluste von Bitcoin fallen im Schnitt aber rund fünfmal so tief aus.
Das schlägt auf die risikobereinigten Kennzahlen durch. Seit 2020 erreicht Gold eine monatliche Sharpe-Ratio von 0,16 und liegt damit klar vorn. Bitcoin kommt auf 0,07 und damit auf weniger als die Hälfte. Über den Gesamtzeitraum ab 2010 lagen beide Werte noch nahe beieinander, erst in den späteren Phasen zog Gold davon.
Bitcoin im Stress eng an Aktien gekoppelt
Für Portfolios zählt vor allem das Verhalten in Krisen. In den untersuchten Stressphasen bewegte sich Bitcoin deutlich mit den US-Aktienindizes. Die Rangkorrelation zum Nasdaq lag dort bei 0,54 und damit höher als in ruhigen Marktphasen. Der Autor stuft Bitcoin deshalb als spekulatives Risiko-Asset ein, das in Krisen keinen Schutz bietet.
Auch Gold ist im Stress kein vollkommener Schutz. Es korrelierte in Krisen schwach positiv mit den Aktienindizes. Seine Stärke zeigt sich gegenüber dem Dollar: Gold bewegte sich mit Euro und Pfund und wirkte so als Gegenpol zur US-Währung.
Was Allokationsentscheider daraus ableiten können
Die Studie spricht gegen das Bild von Bitcoin als digitalem Gold. Wer Bitcoin beimischt, erhöht in Krisen eher das Aktienrisiko, statt es zu streuen. Als Diversifikator für Stressphasen taugt Bitcoin nach diesen Daten nur begrenzt.
Nach Einschätzung der Redaktion sind die Ergebnisse dennoch mit Vorsicht zu lesen. Es handelt sich um eine Einzelstudie, und die Stressmonate hat der Autor selbst ausgewählt. Der Datensatz endet im Mai 2026, kurz nach dem Energieschock um die Straße von Hormus. Offen bleibt, ob die wachsende institutionelle Nachfrage über ETFs das Krisenverhalten von Bitcoin künftig verändert.
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