Das globale Makrobild hat sich trotz der geopolitischen Spannungen kaum verändert: Der Öl-Impuls moderiert sich, die Zinserwartungen der Märkte sind zu hawkish, und der weltweite Manufacturing-Aufschwung bleibt intakt. Zu diesem Schluss kommt Alpine Macro in seiner aktuellen Asset-Allocation-Analyse. Die Konsequenz für Investoren: Aktienpositionierungen sollten übergewichtet bleiben, High Yield auf neutral angehoben und Duration über Benchmark-Positionen ausgebaut werden.
Ölpreisschock bleibt begrenzt
Die zentrale Frage für die zyklische Asset Allocation lautet, inwieweit sich makroökonomische Bedingungen und Unternehmensfundamentaldaten seit Konfliktausbruch tatsächlich verändert haben. Die Antwort von Alpine Macro fällt klar aus: kaum. Der Ölpreisschub sollte keine signifikante Belastung für die Weltwirtschaft darstellen. Die Ölintensität der globalen Wirtschaft ist seit dem Höhepunkt nach dem arabischen Embargo 1973 um 60 Prozent gesunken – durchschnittlich 1,8 Prozentpunkte pro Jahr – und allein im letzten Jahrzehnt um fast 20 Prozent.
Zwar kann ein hinreichend schneller Preisschock noch immer einen Einkommensschock auslösen und eine Rezession auslösen. Der aktuelle Anstieg bleibt jedoch deutlich unterhalb der kritischen Schwelle. Die Auswirkungen könnten sogar noch gedämpfter ausfallen, wenn die Preise unterschießen, sobald die geopolitische Risikoprämie ihren Höhepunkt erreicht und die Produktion hochfährt. Alpine Macro stellt Öl daher auf Downgrade-Watch, wartet aber noch auf weitere Signale.
Notenbankerwartungen zu restriktiv
Die Zinserwartungen für die entwickelten Volkswirtschaften haben sich derweil zu hawkish entwickelt, obwohl die langfristigen Inflationserwartungen stabil bleiben. Kurzfristig könnte die Inflation überraschend nach unten zeigen, sollte sich der Ölpreisschock umkehren. Bei einem Anhalten des Ölpreisanstiegs würde der daraus resultierende Wachstumseinfluss die Notenbanken langfristig zu einer akkommodierenden Haltung zwingen. In beiden Fällen neigt der Policy-Pfad zu einer dovish Wendung.
Fed-Chef Powell hat bereits klargestellt, dass das FOMC nicht beabsichtigt, als Reaktion auf höhere Ölpreise die Zinsen zu straffen. Das bedeutet: Der globale Manufacturing-Aufschwung sollte intakt bleiben. Die Industrielle Aktivität profitiert weiterhin von den verzögerten Effekten einfacherer Finanzierungsbedingungen – niedrigere Renditen, ein schwächerer Dollar und sinkende Ölpreise.
Growth-Underperformance hat sich ausgespielt
Alpine Macro hat lange ein Übergewicht von Growth gegenüber Value empfohlen, gestützt auf die These, dass technologiebezogene Sektoren von einem strukturellen Produktivitätsanstieg profitieren würden, der starkes Gewinnwachstum und Margenexpansion antreibt. Rückblickend begann im November ein weiterer „Narrative Shakeout“ im Growth-Bereich. Solche periodischen Rücksetzer – frühes 2025 und Mitte 2024 markierten ähnliche Episoden – werden typischerweise von scharfen Rallyes eingeleitet, gefolgt von Investorenmüdigkeit und dem Auflösen überfüllter Positionen.
Der Mean-Reversion-Trade in Value hat seinen Lauf weitgehend beendet. Value-Aktien benötigen ein enges Set makroökonomischer Bedingungen, um nachhaltig gegen Growth zu outperformen: robuste Wirtschaftstätigkeit, sich festigende aber kontrollierte Inflation und ein akkommodierender geldpolitischer Rahmen. Historisch traten diese Bedingungen in drei Regimen auf: Rohstoffbooms, frühe Kreditexpansionen und Tech-Blasen-Platzer. Dieses Nadelöhr zu durchqueren ist eine hohe Hürde.
Die relative Performance von Value ist zudem primär auf das deutliche De-Rating im Growth-Bereich zurückzuführen. Das Forward-KGV ist um etwa ein Viertel gesunken, von 33,1x auf 25,5x, während das Forward-EPS um weitere 15 Prozent gestiegen ist. Die resultierende Divergenz ist extrem, mit der Zeit um Russlands 1998er Staatspleite als seltenem Vergleich. Damals holten die Multiples die Gewinnerwartungen ein, sobald die Makro-Ängste abklangen. Alpine Macro erwartet eine ähnliche Dynamik, gestützt durch die konstruktivere Sicht auf die AI-Monetarisierung und den Übergang von Capex zu Cashflow.
Australien: Kein Fall für Übergewichtung
Die australische Börse steckt seit 2013 in einem relativen Bärenmarkt, als Mining-Investitionen ihren Höhepunkt erreichten, China begann, sich von infrastrukturgetriebenem Wachstum abzuwenden, und globales Kapital von traditionellen Value-Sektoren in US-Tech rotierte. Australiens relative Performance wird maßgeblich durch die Sektorkomposition getrieben: Zwei Drittel des Index entfallen auf Finanzwerte und Materialien, während der globale Benchmark stärker auf Growth-orientierte Tech- und Industriesektoren konzentriert ist.
Die dominierenden Branchen Australiens stehen vor spezifischen Belastungen. Die Netto-Zinsmargen der Banken sind seit Jahresbeginn bereits von 1,9 auf 1,5 Prozent gesunken und dürften durch straffere Geldpolitik und eine abflachende Zinskurve weiteren Druck erfahren. Der Materialsektor bleibt stark von Eisenerz abhängig, das fast die Hälfte der heimischen Erzproduktion ausmacht. Die Lagerbestände – insbesondere in China – befinden sich auf Mehrjahreshochs, während Chinas Stahlmarkt unter Überangebot leidet.
Dennoch könnte der australische Dollar die Renditen für nicht-domestische Investoren stützen. Der Zinserhöhungszyklus der RBA dürfte noch Spielraum haben, während die Fed eher zu einer Lockerung tendiert. Der Aussie scheint bei Zinsdifferenzen hinterherzuhinken und sollte aufholen.
Investmentimplikationen
Die Asset-Allocation-Empfehlungen von Alpine Macro bleiben trotz der geopolitischen Entwicklungen unverändert. Aktien sollten übergewichtet bleiben, gestützt auf den intakten Manufacturing-Aufschwung und die zu hawkishen Zinserwartungen. High Yield sollte von Underweight auf neutral angehoben werden, nachdem sich die Spreads von 256 auf über 300 Basispunkte ausgeweitet haben. Duration sollte über Benchmark positioniert werden, mit dem Ziel, dass US-Tenors wieder Richtung 4 Prozent zurückkehren.
Sektoral empfiehlt sich eine „Barbell“-Strategie aus Tech und „Old Economy“-Industriewerten mit AI-Spillover-Exposure. Die Konzentration der Renditen auf wenige große Titel ist dabei kein Warnsignal, sondern ein Merkmal spätzyklischer spekulativer Phasen – wie das Beispiel der 1990er Jahre zeigt. Für EAFE-Positionierungen gibt es keinen überzeugenden Grund, Australien übergewichten, die Währungsexposure sollte jedoch ungesichert bleiben.













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