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Europas Streben nach Energieunabhängigkeit erzeugt Anlagechancen

OpinionsEuropas Streben nach Energieunabhängigkeit erzeugt Anlagechancen

Ein Marktkommentar von ODDO BHF AM: Die Europäische Kommission hat am 08.03. den Notfallplan „REPowerEU“ vorgestellt. Dieser hat zum Ziel, die russischen Gasimporte im kommenden Jahr um 65 Prozent zu reduzieren und markiert einen strategischen Durchbruch für die Energieunabhängigkeit Europas. „Dieser rasante Umbruch unterstreicht die mit der Thematik des ökologischen Wandels verbundenen Wachstumsperspektiven, insbesondere durch die Nutzung sauberer Energien und die Suche nach Lösungen für Energieeffizienz“, schreibt Nicolas Jacob, Portfoliomanager des ODDO BHF Green Planet, in einem aktuellen Marktkommentar.

Diversifikation und Substitution der Gasversorgung

Ein zentrales Ziel des Plans ist die Diversifikation der Gasversorgung. Von aktuell 155 Milliarden Kubikmetern Gas, die jährlich aus Russland importiert werden, sollen allein 60 Milliarden Kubikmeter durch den Wechsel zu anderen Lieferanten wie Norwegen und Aserbeidschan sowie Flüssiggasimporte ersetzt werden. Daneben gehe es darum, die generelle Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen durch einen Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien zu reduzieren. Damit könne nicht nur die Abhängigkeit von Russland verringert, sondern auch der CO2-Ausstoß bis 2030 um 55 Prozent reduziert werden, wie es auch der „Fit for 55“-Plan der EU vorsieht. „Dies könnte den Wachstumsaussichten des Versorgungssektors Rückenwind geben, da dieser von dem hierfür notwendigen Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien profitiert“, schreibt Nicolas Jacob. Konkret sollen noch 2022 im Äquivalent 20 Milliarden Kubikmeter russisches Gas durch den Ausbau der Windenergie und der Solarenergie eingespart werden. Durch den beschleunigten Ausbau werde auch die Produktion von grünem Wasserstoff vorangetrieben. Jacob zufolge lassen sich dadurch bis 2030 weitere 25 bis 50 Milliarden Kubikmeter russischen Gases ersetzen.

Chancen bei Versorgern und erneuerbarer Energien

Nicolas Jacob sieht in Europa Anlagechancen bei Unternehmen, die gut aufgestellt sind, um von Europas Streben nach Energieunabhängigkeit und der dadurch verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien zu profitieren. So sei das dänische Unternehmen Orsted weltweit führend in der Entwicklung, dem Bau und dem Betrieb von Offshore-Windparks und plane die Produktion von grünem Wasserstoff voranzutreiben. Jacob zufolge erziele das Unternehmen aktuell mehr als 90 Prozent seiner Einnahmen in Europa. Investmentchancen sieht er auch bei Versorgern und Netzbetreibern wie der spanischen Iberdrola, die weltweit in den Bereichen Netze (Übertragung und Verteilung) und erneuerbare Energien tätig ist, oder der portugiesischen EDP, die in der Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Strom aktiv ist. Der Konzern erwirtschafte rund 70 Prozent seines Geschäfts in Europa und plane bis 2025 8 Milliarden Euro in neue Kapazitäten für erneuerbare Energien in Europa zu investieren.