Der Fondsfrauen-Gipfel 2026 hat erneut gezeigt, welche Dynamik das Thema Gender Diversity in der Investmentbranche inzwischen entfaltet. Rund 500 Frauen aus Asset-Management, Banken, Beratung und Finanzdienstleistungen kamen zum diesjährigen Gipfel zusammen, begleitet von einer sehr kleinen Gruppe männlicher Teilnehmer, zu denen mindestens der Autor dieser Zeilen und ein Headhunter gehören.
Schon diese Konstellation unterstreicht den Charakter der Veranstaltung: Der Fondsfrauen-Gipfel ist primär ein Raum für Austausch, Netzwerk und gegenseitige Stärkung innerhalb einer Branche, in der Frauen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind.
Ein Auftakt mit klarer Botschaft
Eröffnet wurde der Gipfel von Anne Connelly, die die aktuelle Entwicklung rund um Diversität in der Finanzindustrie einordnete. Grundlage ihrer Ausführungen war unter anderem der jüngste Gender Diversity-Report, der gemeinsam mit Partnern aus Beratung und Wissenschaft erstellt wurde.
Die zentrale Botschaft: Zwar arbeiten inzwischen in vielen Bereichen der Finanzindustrie deutlich mehr Frauen als noch vor einigen Jahren, doch auf Führungsebene bleibt der Fortschritt begrenzt. Der Anteil von Frauen in Geschäftsführungen liegt weiterhin bei rund 16 Prozent – ein Wert, der sich zuletzt nur langsam bewegt hat.
Ein wichtiger Faktor sei laut Connelly die Sichtbarkeit von Frauen im Unternehmen. Fehlende Präsenz in Netzwerken, Projekten oder Entscheidungsprozessen werde häufig als Grund genannt, warum Karrieren langsamer voranschreiten. Genau hier setzen Initiativen wie die Fondsfrauen an.
Wachsende Bewerberzahlen – aber weniger Einstellungen
Eine besonders bemerkenswerte Entwicklung betrifft den Recruiting-Markt. Laut den präsentierten Daten steigt die Zahl der Bewerbungen von Frauen für Positionen in der Finanzindustrie deutlich. Gleichzeitig zeigt sich jedoch erstmals eine gegenläufige Tendenz: Prozentual werden derzeit weniger Frauen eingestellt, als sich bewerben.
Als mögliche Erklärung nannte Connelly unter anderem veränderte politische Rahmenbedingungen, insbesondere Impulse aus den USA. Einige international tätige Unternehmen würden ihre Diversity-Programme aktuell zurückhaltender kommunizieren oder Zielvorgaben anpassen. Für Organisationen wie die Fondsfrauen ist diese Entwicklung ein kritischer Punkt, denn ohne klare Ziele lasse sich struktureller Fortschritt nur schwer messen.
Diversity als wirtschaftlicher Faktor
Die Diskussion über Gender Diversity wird häufig normativ geführt. Connelly erinnerte jedoch daran, dass gemischte Teams nachweislich erfolgreicher arbeiten und damit auch für Unternehmen einen klaren wirtschaftlichen Mehrwert darstellen. Diversity sei deshalb kein Selbstzweck, sondern ein Bestandteil nachhaltiger Personalpolitik und Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig betonte sie, dass Initiativen wie die Fondsfrauen keineswegs gegen Männer gerichtet seien. Im Gegenteil: Eine vielfältigere Arbeitswelt eröffne auch Männern neue Möglichkeiten jenseits traditioneller Karriere- und Rollenbilder.
Eine Plattform für Karriere und Geschäft
Die Fondsfrauen haben sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Netzwerkplattformen für Frauen in der Finanzbranche im deutschsprachigen Raum entwickelt. Laut Angaben der Organisation umfasst das Netzwerk inzwischen rund 6.000 Frauen und wird von etwa 90 Partnerunternehmen unterstützt.
Neben großen Veranstaltungen wie dem Gipfel organisiert das Netzwerk jährlich mehr als 80 Events in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, auf der Frauen sich austauschen, voneinander lernen und berufliche Chancen entwickeln können.
Ein besonders stark wachsendes Format ist das Mentoring-Programm, das sich laut Connelly großer Nachfrage erfreut. Da nicht alle Interessentinnen individuell betreut werden können, plant die Organisation ab Sommer zusätzlich digitale Masterclasses, in denen konkrete Karriere- und Branchenkompetenzen vermittelt werden sollen.
Netzwerken mit Haltung
Zum Abschluss ihrer Eröffnung richtete Connelly einen Appell an das Publikum: Die Branche befinde sich in einer Zeit zunehmender Polarisierung und eines raueren Tons im öffentlichen Diskurs. Gerade deshalb sei es wichtig, innerhalb der Community respektvoll, wohlwollend und unterstützend miteinander umzugehen.
Ein Raum für Austausch – und ein Signal an die Branche
Der Fondsfrauen-Gipfel ist mehr als nur eine Netzwerkveranstaltung. Er zeigt, dass sich innerhalb der Finanzindustrie eine starke Community gebildet hat, die strukturelle Veränderungen aktiv vorantreibt.
Die hohe Teilnehmerzahl verdeutlicht, dass die Themen Karrierechancen, Sichtbarkeit und Diversität in der Branche weiterhin eine große Relevanz besitzen. Gleichzeitig bleibt klar: Der Weg zu einer ausgewogeneren Repräsentation in Führungspositionen ist noch nicht abgeschlossen.
Der Gipfel macht jedoch deutlich, dass die Diskussion längst nicht mehr nur eine Randnotiz ist, sondern ein fester Bestandteil der strategischen Debatte in der Finanzindustrie.
Zur Agenda: https://fondsfrauen-gipfel.de/#agenda-2026