Der Iran-Konflikt treibt den Ölpreis weiter in die Höhe. Zu Beginn der Woche lag er bei mehr als 115 US-Dollar pro Barrel – ein Anstieg von 59 Prozent seit Ausbruch des Krieges. Ein Blick auf die Brent-Terminpreise zeigt, dass Öl inzwischen bis Juli bei rund 100 US-Dollar je Barrel gehandelt wird, bevor der Preis bis Dezember auf etwa 85 US-Dollar zurückfällt. Doch nicht nur Öl wird teurer. Auch andere Rohstoffpreise steigen, während Gold seit Kriegseinbruch 14 Prozent an Wert verloren hat. Die Unsicherheit wächst weiter, ebenso wie das Risiko weiterer Teuerung – vor allem, da nun auch die Schifffahrt durch den Suezkanal bedroht sein könnte.
Rohstoffe und Lebensmittel werden teurer, Gold verliert an Wert
Neben Öl steigen auch die Preise für Erdgas, Helium, Ammoniak und Harnstoff, welches für die Düngemittelproduktion gebraucht wird. Das spiegelt sich dementsprechend in den Lebensmittelpreisen wider. Die Auswirkungen sind also im gesamten Rohstoffsektor zu spüren – umso mehr jetzt im April, wenn die Lagerbestände langsam aufgebraucht werden. Der kommende Monat wird sowohl durch höhere Preise als auch durch zunehmende Unsicherheit über die Versorgung geprägt sein.
Ein Rohstoff, der in diesem Jahr eine starke Entwicklung verzeichnet hatte und allgemeinhin als sicherer Hafen galt, ist dagegen deutlich gefallen. Seit Kriegsbeginn ist der Goldpreis um 14 Prozent gesunken. Offensichtlich überwiegen die Inflationsrisiken derzeit die Absicherung, die Gold kurzfristig gegen geopolitische Schocks bieten kann.
Weiterer Ölpreisanstieg? Huthi können Suez-Schiffsverkehr bedrohen
Falls die Straße von Hermus weiter gesperrt bleibt oder es zu einer weiteren Eskalation kommt, nimmt das Risiko für steigende Ölpreise weiter zu. Friedensgespräche unter Vermittlung Dritter sind im Gange. Sollte der Iran einem Abkommen bis zu Präsident Trumps Frist am 6. April nicht zustimmen, drohen Angriffe auf seine Energieinfrastruktur. Diese würden unweigerlich Vergeltungsmaßnahmen provozieren – wie etwa die Verminung der Straße von Hormus.
Zudem haben die Huthi, eine Iran-nahe Bürgerkriegspartei im Jemen, Israel ebenfalls attackiert. Das ist auch für Europa eine gefährliche Entwicklung, da diese politisch-militärische Bewegung bereits früher Schiffe im Roten Meer angegriffen hat. Sie können nicht nur die Ausweichroute für den Öltransport aus dem Golf gefährden, die über die Ost-West-Pipeline nach Yanbu an der Westküste Saudi-Arabiens führt, sondern auch die Schiffsrouten durch den Suezkanal. Eine Störung hier würde die Rohstoffpreise weiter anheizen – das wäre ein weiterer massiver Gegenwind, nicht nur für Europa, sondern auch für die globalen Lieferketten.
Ein Lichtblick?
Auf den Finanzmärkten herrscht weiterhin große Unsicherheit. Aber in den nächsten zwei Wochen sollten sich hilfreiche Anhaltspunkte finden. Man darf nicht vergessen, dass die Straße von Hormus bisher nicht unpassierbar ist – etwa durch Minen – und für die Schifffahrt sehr schnell wieder freigegeben werden könnte. Doch selbst wenn der Konflikt schnell beigelegt wird, dürften die Energiepreise noch eine Weile erhöht bleiben, da die Rohstoffmärkte derzeit eine Risikoprämie einpreisen. Gleichzeitig besteht aber auch das Potenzial für Abwärtsbewegungen, sollte es zu Fortschritten bei den Friedensverhandlungen kommen.
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