Die Entscheidung zu Neuwahlen hat sich für Japans Premierministerin Takaichi ausgezahlt: Die Regierungsarbeit ist für ihre Regierung nach dem Sieg im Unterhaus deutlich einfacher geworden. Was Naoki Kamiyama, Chief Strategist bei Amova AM, jetzt erwartet:
Wahl stärkt vorerst Aktienkurse
Erwartungsgemäß reagierten einige Märkte mit einer Verstärkung des sogenannten „Takaichi Trades” (gekennzeichnet durch steigende Aktienkurse, höhere Anleiherenditen und einen schwächeren Yen). Der Nikkei-Index erklomm neue Rekorde, in Vorfreude auf höhere Staats- und insbesondere Verteidigungsausgaben.
Die Anleihen- und Devisenmärkte reagierten zunächst verhalten. Die Renditen japanischer Staatsanleihen – insbesondere die der Anleihen mit sehr langen Laufzeiten – waren auf neue Höchststände geklettert, als Takaichi im Januar vorgezogene Neuwahlen ankündigte. Nach der Wahl blieben die Renditen jedoch unter diesen Höchstständen. Das Gleiche gilt für den Yen. Die japanische Währung hatte nach der Ankündigung der Neuwahlen deutlich nachgegeben, hat sich aber nach der Wahl etwas stabilisiert.
Regierung muss Haltung zu Fiskalpolitik klarstellen
Ob Renditen und Yen sich stabilisieren, dürfte von der Haltung der Regierung Takaichi zu einer „verantwortungsvollen und proaktiven Fiskalpolitik” abhängen. Insbesondere der Begriff „verantwortungsvoll” ist erklärungsbedürftig.
Finanzminister Katayama hat darauf verwiesen, dass die Staatsverschuldung tragbar bleibt, wenn der Realzins unter dem realen Wachstum bleibt. Die entscheidende Frage ist dann, ob das Wirtschaftswachstum ausreichend steigt, um höhere Zinsen auszugleichen. Die Regierung scheint zu glauben, dass die Industriepolitik das Wachstum durch die Stimulierung von Investitionen und Produktivität unterstützen und letztendlich die Steuereinnahmen erhöhen kann. Die Märkte benötigen klare Erklärungen darüber, welche Maßnahmen welche Wachstumsverbesserungen bewirken sollen.
Unternehmensgewinne sind in der Regel inflationsresistent; Firmen geben höhere Kosten weiter und steigern ihre nominalen Einnahmen; die resultierenden inflationsbereinigten Gewinne bilden die Steuerbasis. Gleichzeitig fördert der anhaltende Arbeitskräftemangel mehr Kapitalinvestitionen, steigert die Produktivität und ermöglicht Lohnanhebungen.
Positiver Kreislauf möglich
Vor diesem Hintergrund könnte sich ein positiver Kreislauf entwickeln, in dem höhere Löhne zu stärkerem Konsum führen, was wiederum den Umsatz ankurbelt. Ausgangspunkt sind Staatsausgaben, die die Unternehmensumsätze steigern, den Arbeitsmarkt straffen, die Reallöhne anheben und Investitionen und Produktivität fördern. All dies wird das reale Wirtschaftswachstum ankurbeln. Die Regierung sollte ein solches Wachstumsszenario klar vermitteln und zeigen, dass die Ausgaben sinnvoll verteilt werden – dies würde verdeutlichen, was „verantwortungsvoll” bedeutet. Andernfalls dürften die Märkte stärkere Zusicherungen zur Haushaltsdisziplin verlangen.
Bild © Amova AM