Monday 3-Oct-2022
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Korrektur an vielen Börsen – Fundamentaldaten aber intakt

OpinionsKorrektur an vielen Börsen – Fundamentaldaten aber intakt

Nach zwei Jahren ohne nennenswerten Rückschlag ist gestern (5. Februar) die von vielen Marktteilnehmern seit längerem erwartete Korrektur eingetreten. Das Ausmaß der Verluste war dann doch überraschend und kann zum Teil durch technische Aspekte (Auflösung von Short- Volatilitäts-Strategien) erklärt werden. Der Dow Jones Industrial sackte streckenweise unter 24.000 Punkte ab. Die bisherigen Jahresgewinne für 2018 wurden innerhalb kürzester Zeit zunichte gemacht, ebenso wie die Gewinne im Dezember 2017. Gleichzeitig sprang das „Angstbarometer“ (VIX-Index), das die erwarteten Kursschwankungen des S&P 500 misst, um fast 100 % nach oben. Das letzte Mal, als der Volatilitätsindex derart markant ausgeschlagen hat, war China der Auslöser für einen Ausverkauf an den Börsen. Dieses Mal sind Befürchtungen um einen beschleunigten Zinsanhebungszyklus in den USA mit ein Grund für die steigende Nervosität. Mit einem Minus von 4,6 % ging die weltweit wichtigste Börse aus dem Handel.

Kurseinbruch auch an asiatischen Leitbörsen – Emerging Markets weniger stark betroffen

Nach dem Einbruch des Dow Jones sackten auch die asiatischen Börsen ins Minus. Am deutlichsten gab der japanische Nikkei-Index nach – er verliert im Tagesverlauf rund 5 % – aber auch die Börsen in Australien und Südkorea sind von deutlichen Verlusten betroffen. Die Emerging Markets konnten sich in diesem Umfeld überraschend gut schlagen: Einige der großen Börsen – wie etwa Moskau oder Shanghai – sind seit Jahresbeginn sogar noch im Plus. Was beachtlich ist, denn gerade diese Börsen sind meist besonders „störungsanfällig“, wenn es an den großen Leitbörsen zu umfangreicheren Korrekturen kommt.

Europa folgt im Frühhandel dem Trend

Nach dem Ausverkauf an den US-Börsen sowie in Asien haben heute (6. Februar) auch die europäischen Aktienmärkte mit Kursverlusten reagiert. Der DAX und andere wichtige europäische Indizes – unter anderem auch der Leitindex der Eurozone (der Euro-Stoxx-50) – zeigten sich unter Druck. Die Wiener Börse musste zum Handelsstart massive Abschläge in Kauf nehmen: Der Leitindex ATX rutschte im Einklang mit dem europäischen Umfeld um rund 5 % ab.

Anleihen: Liquide Staatsanleihemärkte profitieren von Risikoszenario

An den Anleihemärkten profitieren liquide Staatsanleihemärkte von den aktuellen Marktgeschehnissen. Bei den Spreadmärkten kommt es im Einklang mit den Aktien zu Gewinnmitnahmen.

Korrektur überfällig – Fundamentaldaten global mehr als intakt

Für langfristig denkende Anleger war diese Korrektur schon mehr als überfällig. Kursgewinne von rund 5 % und darüber hinaus bei den Leitindizes wie Dow Jones, Nasdaq und DAX seit Jahresanfang und davor eine jahrelang andauernde Aufwärtsphase zeigten, dass es höchste Zeit für eine Gegenbewegung war. Gerade in den USA sind in den vergangenen Monaten die Aktienbewertungen nochmals besonders stark gestiegen. Eine Korrektur war deshalb nötig. Am guten Zustand der Unternehmen ändert diese Korrektur, bei der viele Anleger Gewinne mitgenommen haben, nichts. Sowohl die entwickelten Länder als auch die Emerging Markets weisen positive Wachstumsaussichten auf. Sogar eine Verbesserung gegenüber 2017 wird erwartet. Die veröffentlichten Konjunkturdaten liegen zumeist über den Erwartungen, die Inflationserwartungen steigen nur langsam an und die Arbeitslosigkeit geht in vielen Ländern deutlich zurück. Auch die Unternehmen selbst sind in sehr gutem Zustand: Realisierte und erwartete Gewinne weisen seit Monaten einen stabil positiven Trend auf. Die Gewinnrevisionen sind ebenfalls positiv.

Raiffeisen Capital Management sieht die aktuelle Korrektur daher als gesunden Prozess innerhalb einer grundsätzlich positiven Entwicklung und wird – nach einer Phase der Bodenbildung, die sich vermutlich über die nächsten Wochen ziehen wird – die sich bietenden Gelegenheiten nutzen. Die starken Ausschläge sind für Investmentprofis jedenfalls kein Grund zur Panik.