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Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich

Markets and NewsNicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich

Ein Kapitalmarktkommentar von Karin Kunrath, Chief Investment Officer von Raiffeisen Capital Management* im Rahmen der Serie Märkteunteruns: Seit geraumer Zeit werden die Märkte von zwei großen Themen dominiert. Zum einen von der Aussicht auf Zinssenkungen und zum anderen vom Megatrend „Artificial Intelligence“ (AI). Während Ersteres infolge der zähen Inflationsdynamik noch mit einer gewissen Unsicherheit verbunden ist, die insbesondere auf dem Anleihenmarkt lastet, hat sich Letzteres spätestens seit dem Frühjahr 2023 als Antriebsfaktor für den Aktienmarkt fest etabliert und ist seitdem nicht mehr abgeflaut. Die wiederholten Berichte der in AI exponierten Unternehmen über die enorme Nachfrage und das damit verbundene Wachstumspotential für Technologie zur Implementierung entsprechender AI-Anwendungen und zur Steigerung der Produktivität in vielen Bereichen haben den Trend zunehmend untermauert. Immer öfter wird angesichts der jüngsten Kursrallye der Vergleich mit der Marktphase rund um den Höhenflug der Internetaktien gegen Ende der 1990iger Jahre bemüht, denn natürlich werden am Aktienmarkt immer wieder bestehende Trends temporär übertrieben, Bewertungen hochgezogen und Zukunftspotentiale vorweg eingepreist. Das liegt wohl in der vorauseilenden Charakteristik des Aktienmarktes. Der Vergleich mit den späten 1990iger Jahren hinkt aber insofern, als die damals gehypten Internetaktien oftmals nach euphorischen Börsengängen erst kurz am Markt waren und viele dieser Firmen noch keine nennenswerten Umsätze oder gar Gewinne aufzuweisen hatten. Die heutigen, nun auch im AI-Bereich dominierenden großen Tech-Unternehmen sind seit Jahren bzw. Jahrzehnten am Markt, verfügen über starke Geschäftsmodelle und Marktpositionen sowie einen langen Track-Record in der Umsatz- und Gewinnentwicklung. Darüber hinaus hat sich im Gegensatz zu damals die Marktbreite zuletzt deutlich ausgeweitet, wodurch der Aufwärtstrend von wesentlich mehr Sektoren und Einzeltiteln getragen wird. Und im Bereich der Notenbankpolitik wurden 1999/2000 die Leitzinsen merklich angehoben, während bislang für 2024 und auch für die Folgejahre von Zinssenkungen ausgegangen wird. Die jetzigen Rahmenbedingungen erscheinen somit nicht wirklich vergleichbar mit jenen rund um die Jahrtausendwende. Auch wenn es derzeit insbesondere an geopolitischen Spannungen nicht mangelt und gewisse Risikofaktoren für temporäre Marktkorrekturen zweifelsfrei bestehen, sehen wir weiterhin ein insgesamt konstruktives Marktumfeld für „risky assets“. Unsere Positionierung bleibt daher offensiv ausgerichtet.

Staatsanleihen: Im Fokus bleiben die Inflationsraten

Staatsanleiherenditen fanden zuletzt keine eindeutige Richtung und tendierten seitwärts. Im Fokus des Interesses bleiben Inflationsraten. Diese sinken zwar weiter, doch die Zweifel an einer baldigen Rückkehr zum Inflationsziel von zwei Prozent bleiben bestehen. Womit die Manövriermöglichkeiten der Notenbanken hinsichtlich Zinssenkungen beschränkt bleiben.

Unternehmensanleihen: kleinere High-Yield-Unternehmen kämpfen mit hohen Zinsniveaus

An den Creditmärkten sind die High-Yield-Corporate-Risikoprämien im Vormonat angestiegen, während jene von Investmentgrade-Unternehmensanleihen weiter gesunken sind. Dies dürfte damit zu tun haben, dass kleiner High-Yield-Unternehmen zunehmend Probleme mit dem relativ hohen Zinsniveau bekommen und diese Anleiheklasse gleichzeitig aus bewertungstechnischer Sicht teuer bewertet ist. Für Investmentgrade-Unternehmensanleihen gilt dies hingegen weniger. Wir gehen davon aus, dass sie die Spreadrallye hier noch nicht erschöpft hat.

Emerging Markets: kein Abkoppeln von den Risikoprämien in entwickelten Märkten

Bei den Schwellenländeranleihen erwarten wir in Summe kein Abkoppeln der Anleihespreads von den Risikoprämien in den entwickelten Märkten. Emerging-Markets-Anleihen zeigen sich allerdings bewertungstechnisch ähnlich teuer wie High-Yield-Unternehmensanleihen.

Entwickelte Aktienmärkte mit positiven Rahmenbedingungen

Die internationalen Aktienmärkte präsentierten sich in den letzten Wochen deutlich stärker. Neben besser als erwarteten Konjunkturdaten (vor allem in den USA) konnten die Aktienmärkte in den letzten Wochen auch von einer guten Berichtssaison profitieren. Die erneut gestiegenen Anleiherenditen gingen hingegen fast spurlos an den Aktienmärkten vorüber. Auch wenn die Gefahr für kurzfristige Rücksetzer angesichts der Performance in den letzten Wochen steigt, bleiben wir aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen im Aktienbereich positiv gestimmt.

Schwellenländer-Aktienmärkte legten zuletzt weiter zu

Aktien aus den Emerging Markets konnten im März weiter zulegen. Dennoch ist der Trend von schlechterer Wertentwicklung gegenüber entwickelten Aktien weiterhin aufrecht. Dies liegt sehr stark darin begründet, dass das Gewinnmomentum in dieser Assetklasse weiterhin sehr durchwachsen ist. Die Positionierung internationaler Investoren gegenüber Emerging-Markets-Aktien ist weiterhin sehr vorsichtig, wenngleich die Bewertung einen langfristig guten Ertrag verspricht.

Rohstoffmärkte: Edelmetallbereich zeigt sich weiterhin sehr fest

In den letzten Wochen präsentierte sich der Energiebereich etwas fester. Dieser profitierte von den geopolitischen Unsicherheiten und einer Angebotszurückhaltung. Das Ausmaß der

Anstiege hielt sich aber in Grenzen. Der Edelmetallbereich konnte trotz gestiegener Anleiherenditen zuletzt weiter zulegen, während sich die Industriemetalle unverändert schwach präsentieren.

* Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Bild: (c) Roland Rudolph, redaktionelle Bearbeitung