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Präsidentschaftswahlen in Senegal

Markets and NewsPräsidentschaftswahlen in Senegal

Ein Beitrag von Leo Morawiecki, Associate Investment Specialist, Fixed Income bei abrdn: „Nach wochenlanger Ungewissheit darüber, ob und wann die Wahlen stattfinden werden, hat der friedliche Wahltag am Sonntag die Nerven der Märkte beruhigt. Obwohl die Ergebnisse bislang nur vorläufig sind, deuten sie darauf hin, dass die PASTEF stark abgeschnitten hat. Selbst wenn der Sieg in der ersten Runde noch nicht gesichert ist, sind die Chancen auf einen Sieg in der zweiten Runde hoch. Dies entspricht unseren Erwartungen, die wir nach einer Recherchereise nach Dakar vor ein paar Wochen geäußert haben.

Das Augenmerk wird sich nun auf die Politik und die möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen richten. Während die Rhetorik der PASTEF im Vorfeld der Wahlen zum Teil recht radikal war, wird sie sich unserer Meinung nach in den kommenden Monaten abschwächen. Stattdessen wird sich die neue Regierung nach Jahren zunehmender Korruption auf Reformen der Staatsführung konzentrieren, was wir positiv bewerten.

Die politischen Ereignisse der letzten Wochen haben das Land jedoch gefährlich nahe an eine verfassungsmäßige Umwälzung herangeführt. Es ist nur einer unabhängigen Justiz zu verdanken, dass die erste Runde der Präsidentschaftswahlen am 24. März stattfinden konnte. Hier deuten die vorläufigen Wahlergebnisse darauf hin, dass die oppositionelle Partei PASTEF die Nachfolge des amtierenden Präsidenten Macky Sall antritt.

Doch welchen Weg könnte der Senegal unter einer PASTEF-Regierung einschlagen? Zwei Pläne haben das Potenzial die Kapitalmärkte in Aufruhr versetzen. Erstens will PASTEF den Senegal aus der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion herausnehmen, einer Währungskoalition, die stärker integriert ist als der Euro.Zweitens will PASTEF die Öl- und Gasverträge neu verhandeln und in eine staatlich kontrollierte Einheit überführen. Ziel ist es, die Steuereinnahmen zu erhöhen. Unserer Ansicht nach verfügt Senegal jedoch weder über die einheimischen Institutionen noch über das Fachwissen, um die politischen Konsequenzen intern zu managen. Außerdem würde eine solche Maßnahme auch dringend benötigte ausländische Direktinvestitionen abschrecken. Die ausländischen Direktinvestitionen beliefen sich im Jahr 2022 auf knapp über 9 % des BIP.

Wir glauben, dass die PASTEF ihre Vorsätze nach den Wahlen abschwächen wird. Die Partei wird stattdessen versuchen, die Kontrollen zu verbessern und nicht zugeteilte Ölblöcke an staatliche Unternehmen vergeben. Investoren dürften dies begrüßen.

Der Senegal verzeichnet weiterhin ein Zwillingsdefizit. Die Haushaltskonsolidierung bleibt jedoch auf Kurs. Im November letzten Jahres erhielt das Land die letzte Auszahlung im Rahmen des Programms des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zwar gab es in letzter Zeit einige Verzögerungen, weil die Abschaffung der Treibstoffsubventionen langsamer als erwartet erfolgte. Aber das war im Vorfeld einer Wahl zu erwarten.

Wir glauben, dass sich eine PASTEF-Regierung weiterhin auf die Haushaltskonsolidierung konzentrieren wird. Ihr Chef, Bassirou Diomaye Faye, hat einen Hintergrund in der Steuerverwaltung. Es wird erwartet, dass in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 neue Öl- und Gasfelder in Betrieb genommen werden. Dies dürfte dazu beitragen, das Leistungs- und Haushaltsdefizit zu verringern, das sich in den letzten Jahren ausgeweitet hat. Auch das Wirtschaftswachstum würde dadurch angekurbelt.

Die konzessionäre Finanzierung wird eine wichtige Geldquelle bleiben. Es besteht die Möglichkeit, im Laufe des Jahres eine Eurobond-Emission im Rahmen des Umwelt-, Sozial- und Governance-Rahmens zu begeben. Dies ist ein Versuch, die Devisenreserven im Einklang mit den Vorschriften der Zentralbank der westafrikanischen Staaten aufzustocken.

Die derzeitigen Reserven decken nur den ungefähren Einfuhrbedarf von zwei Monaten. Der IWF sieht für das Land weiterhin ein mäßiges Risiko der Verschuldungsproblematik. Die Verschuldung im Verhältnis zum BIP beträgt aktuell nur 57 % und gibt somit keinen Anlass zur Sorge.

Anleihegläubiger möchten einen klaren Weg zur Haushaltskonsolidierung, eine umsichtige Geldpolitik und politische Stabilität sehen. Diese sind auf den Frontier-Märkten selten gegeben. Im Senegal hat die politische Unsicherheit die Preise in diesem Jahr um sechs bis neun Punkte auf der Renditekurve nach unten gedrückt. Nichtsdestotrotz bleibt die fundamentale Investmentstory intakt.“