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Rentenmärkte driften auseinander

OpinionsRentenmärkte driften auseinander

Es gibt aktuell nur einen Markt, der die Krisenstimmung im März unbeschadet überstanden hat: US-Staatsanleihen. Die massive Leitzinssenkung der Fed und das wieder forcierte Anleihen-Kaufprogramm konnten noch einiges Kurspotenzial heben. Andere Staatsanleihen verloren in der Markthektik Mitte März, konnten sich im April jedoch wieder einigermaßen erholen. Die Erwartung hoher Budgetdefizite schlägt sich noch nicht nieder.

Ganz anders die Lage bei den Spread-Produkten, also Anleihen mit Renditeaufschlag (Risikoprämie): Hochzinsanleihen verloren deutlich, die Renditeabstände aus 2008/09 wurden allerdings nicht erreicht. Am stärksten kamen jedoch die Anleihen aus den Schwellenländern unter Druck, dort lasten zusätzlich die oft schwachen Währungen auf der Wertentwicklung. Die deutliche Erholung an den Aktienmärkten konnte sich hier nur gedämpft auswirken. Somit driften die bis Februar weitgehend im globalen Gleichlauf befindlichen Rentenmärkte deutlich auseinander. Ein Resultat aktuell hoher Risikovermeidung, so Raiffeisen Capital Management in der neusten Ausgabe von märkte | unter uns. Die vollständige Ausgabe finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt: Staatliche Interventionen bestimmend

Globale Nullzinspolitik: Die US-Notenbank hat Ende April beschlossen den Leitzins in der Bandbreite von 0 bis 0,25 % zu belassen, das bleibt bis auf Weiteres aufrecht. Notenbankchef Powell deutete auch an, dass die „Schlacht noch lange nicht gewonnen“ sei. Die Fed, die EZB und andere führende Notenbanken kaufen massiv Anleihen am Markt auf oder weiten Kreditlinien aus.

Diese Interventionen wirken sich nicht nur auf die Renditen der Staatsanleihen aus, sondern auch auf die Renditeaufschläge der Unternehmensanleihen, die nach den starken Anstiegen im März nun wieder zurückgekommen sind. Diese Unterstützungsmaßnahmen halten den Zugang zum Primärmarkt aufrecht, mit erstaunlichen Rekorden bei Emissionsvolumina. Dadurch sinken die unmittelbaren Refinanzierungsrisiken der Unternehmen, die wiederum Dividendenzahlungen kürzen und Investitionsvorhaben verschieben. Auf der Sicherung der kurzfristigen Liquiditätsversorgung liegt das Hauptaugenmerk der Unternehmen, wovon in erster Linie Gläubiger profitieren. Diese Entwicklung kann noch anhalten.

Staats- und Unternehmensanleihen: Unsicherheiten bleiben

Die Krise wird vor allem wieder die Schuldentragfähigkeit der europäischen Peripherieländer in Frage stellen. Dies gilt umso mehr, wenn man von keinem finanzierungstechnischen Zusammenhalt der Eurozone-Länder ausgeht. Wir erwarten diesen allerdings schon und mit der zunehmenden Anzahl an bewältigten Krisen in der Eurozone steigt unsere Zuversicht. Wir bleiben bei der Übergewichtung von US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen.

Bei Unternehmensanleihen hoher Qualität (Investmentgrade) erfolgt die Generierung des Cashflows in der aktuellen Krise weniger durch operative Einnahmen, sondern durch Fremdkapitalemissionen. Dies wird langfristig zwar die Bonitätsprofile belasten (Ratingagenturen reduzieren bereits flächendeckend die Kredit-Ratings), kurzfristig ist dieses Vorgehen aber alternativlos. High-Yield-Unternehmen fehlt praktisch seit über einem Monat der Zugang zum Anleihen-Primärmarkt, weshalb wir hier noch zurückhaltend sind. Aber wir übergewichten wieder Euro-IG-Unternehmensanleihen.

Emerging Markets: Von der Krise stark betroffene Regionen

Viele Schwellenländer sind von der Rohstoffpreisentwicklung bzw. damit verbundenen Exporterlösen abhängig. Deren Entwicklung verlief vor dem Hintergrund der aktuellen Krise zuletzt sehr schwach, weshalb die Risikoprämien der Anleihen weiterhin auf hohen Niveaus verharrten. Wir sehen jedoch einen Großteil der auf uns zukommenden fundamentalen Probleme bereits eingepreist. Hartwährungsanleihen bleiben für uns eine der attraktiveren Anleiheklassen. Aus diesem Grund erhöhen wir diese Position gegenüber Euro-Staatsanleihen etwas.