Das Team von FPM (Frankfurt Performance Management) rund um Thomas Seppi, Raik Hoffmann und Martin Wirth blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück, in dem das 25-jährige Firmenjubiläum mit einer starken Marktrückkehr von Value-Titeln zusammenfiel.
Dazu einige gezielte Fragen an Oliver Schuck, Direktor Sales der FPM AG, die sowohl die beeindruckende Performance von 2025 reflektieren als auch den Blick auf die Chancen im Jahr 2026 richten:
Herr Schuck, die beiden FPM-Strategien haben 2025 mit Wertzuwächsen von über 20 % beziehungsweise über 30 % ein außergewöhnlich starkes Jahr erzielt. War das Jahr eine Bestätigung für den Value- und Bottom-up-Ansatz?
2025 war für uns und unsere Investoren zweifellos ein sehr erfreuliches Jahr. Mit der Performance haben sich beide Fonds erneut an der Spitze ihrer jeweiligen Peergroup positioniert. Gleichzeitig sollte man das Ergebnis einordnen: Von einer klassischen „Durststrecke“ für Value-Manager kann aus unserer Sicht keine Rede sein. Über drei Jahre liegen unsere beiden Stockpicker-Fonds nach Kosten bei rund 55 % beziehungsweise knapp 30 %. Entscheidend ist für uns unverändert der konsequente Bottom-up-Ansatz: Wir investieren nur dort, wo wir Geschäftsmodell, Management und Bewertung wirklich verstehen. Das führt zu fokussierten Portfolios mit hohem Active Share – und in einem Marktumfeld mit mehr Breite und höherer Streuung zahlt sich genau das wieder stärker aus.
Sie sprechen von einer Rückkehr der Marktbreite. Welche Rolle spielte das für die Performance?
Eine sehr große. 2025 war kein Jahr, in dem wenige große Tech- oder Growth-Titel den Markt getragen haben. Stattdessen gab es eine deutlich höhere Dispersion. Genau in solchen Phasen zählt Selektion wieder. Davon profitieren aktive Manager. Unsere Performance kam nicht nur von bekannten Large Caps wie Commerzbank oder Deutsche Bank, sondern auch von weniger indexlastigen Titeln wie Verbio, Heidelberger Druckmaschinen oder 1&1. Gerade im deutschen Mittelstand entstehen Chancen bei Turnarounds, Bilanzverbesserungen oder Re-Ratings – klassisches Terrain für Bottom-up-Investoren.
Trotz der Rallye bleibt oft vom „Germany-Discount“ die Rede. Sehen Sie diesen weiterhin?
Ja, klar. Auch nach 2025 besteht die Bewertungslücke zwischen Europa und den USA fort. Europa – und insbesondere Deutschland – wird weiterhin mit einem deutlichen Abschlag gehandelt. Bei Small- und Mid-Caps kommen strukturelle Vorteile hinzu: ein stärkerer Binnenfokus, geringere Währungs- und Zollabhängigkeit sowie die Aussicht auf sinkende Zinsen. Für uns liegt das Potenzial weniger in einer pauschalen Indexbewegung, sondern in Einzeltiteln, bei denen Ergebnisnormalisierung, Bilanzhebel oder auch M&A-Fantasie greifen.
Wie haben sich Zinsen und Kapitalflüsse 2025 auf Ihre Zielsegmente ausgewirkt?
Europa hat 2025 starke Kapitalzuflüsse gesehen, insbesondere über ETFs. Davon profitieren auch Small- und Mid-Caps, wenn auch indirekt. Entscheidend für eine nachhaltige Verbesserung der Liquidität bleibt aber die Gewinnentwicklung. Für 2026 sehen wir drei zentrale Faktoren: weitere Entspannung bei den Zinsen, anhaltende politische Unsicherheit in den USA – die Europa als Diversifikationsziel attraktiv macht – und eine operative Gewinnbestätigung bei europäischen Nebenwerten.
Große Investitionsprogramme gelten als Treiber. Wo sehen Sie noch Chancen jenseits offensichtlicher Gewinner?
In klassischen Defense-Titeln sind viele Erwartungen bereits eingepreist. Interessanter sind für uns die indirekten Effekte: Mittelständler, die von Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen profitieren, ohne selbst als „Pure Play“ wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus sehen wir Chancen in Bereichen, die 2025 noch am Boden lagen – etwa im Konsum oder in der Chemie. Schon kleine Verbesserungen bei Auslastung oder Verbrauchervertrauen können hier große Ergebniseffekte haben.
Und der Blick nach vorne: Wo liegt 2026 das größte Überraschungspotenzial?
Nicht bei den Gewinnern von 2025, sondern dort, wo die Erwartungen weiterhin niedrig sind. Zyklische Industrien abseits von Defense, „langweilige“ deutsche Nebenwerte ohne große Story oder Turnaround-Kandidaten mit sich verbessernden Cashflows. Überraschungen entstehen nicht aus Stärke, sondern aus falschen Erwartungen. Genau dort sehen wir 2026 die besten Chancen für aktive Bottom-up-Manager.
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