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Vier Gründe, weshalb sich Russland von den jüngsten US-Sanktionen nicht beeindrucken lässt

OpinionsVier Gründe, weshalb sich Russland von den jüngsten US-Sanktionen nicht beeindrucken lässt

Die jüngsten Sanktionen der USA für Russland werden wahrscheinlich nicht so schädlich sein, wie jene aus dem Jahr 2014. Die Entkoppelung von Ölpreis und Rubel, der Inflationsdruck, die wirtschaftliche Stärke Russlands und die Fußballweltmeisterschaft sollten dazu beitragen, die Sanktionen auszugleichen. Das bekräftigt den Investment Case für Russland, so Nikolay Markov, Senior Economist bei Pictet Asset Management.

1. Entkoppelung von Ölpreis und Rubel.

Die US-Sanktionen von 2014 wurden zu einer Zeit verhängt, in der sowohl die Ölpreise wie auch der Rubel fielen. Diesmal haben sich die steigenden Ölpreise vom fallenden Rubel abgekoppelt (Abb. 1). Das ist außergewöhnlich. 

ABB. 1 – ÖLPREIS-RUBEL-WECHSELKURS

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom Mai 2018.

Die starke weltweite Nachfrage und eine Verlängerung der OPEC-Förderkürzung haben die Ölpreise angehoben. 

Unterdessen agierte der bereits unterbewertete Rubel bei den neuen Sanktionen als Schockschlucker. Im April fiel er um 6,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar, im handelsgewichteten Nominalwert verlor er jedoch nur 0,3 Prozent1.

2. Enthaltener Inflationsdruck  

Der kurzfristige Inflationsdruck nahm zu, doch wir erwarten, dass dieser gegen Jahresende und Anfang 2019 verblasst (Abb. 2 unten). 

ABB. 2 – KERNINFLATION UND KERNINFLATIONSDRUCK

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom Mai 2018.

Obwohl der Inflationsdruck moderat ist, dürfte er sich auf die Geldpolitik auswirken, was eine Pause im aktuellen Entspannungszyklus bedeutet und begrenztere Zinssenkungen im Jahr 2018 vermuten lässt. 

Die aktuelle Zinspolitik von 7,25 Prozent stimmt mit unserer Schätzung des Fair Value überein (Abb. 3). Damit bleibt wenig Spielraum für Zinssenkungen im Jahr 2018, insbesondere angesichts der Notwendigkeit, die Inflationserwartungen der Haushalte zu senken. Diese liegen laut der jüngsten Umfrage der Russischen Zentralbank (CBR) im März mit 7,8 Prozent weiterhin über dem Ziel und könnten sich aufgrund der Sanktionen erhöhen.

ABB. 3 – RUSSISCHE ZINSPOLITIK UND FAIR VALUE (2. QUARTAL 2018)

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom Mai 2018.

3. Die wirtschaftliche Stärke Russlands

Wie in Abb. 4 dargestellt, sind die öffentlichen Finanzen Russlands exzellent in Form. Als Nettogläubiger gegenüber dem Rest der Welt verfügt das Land zudem über einen hohen Leistungsbilanzüberschuss, der einen ausreichenden Puffer zur Abfederung der Sanktionswirkung bietet. 

ABB. 4 – ÖFFENTLICHER SCHULDENSTAND IM VERHÄLTNIS ZUM BIP

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom Mai 2018, mit den Erwartungen bis zum Jahresende.

Unser Leitindikator deutet ebenfalls auf ein künftiges starkes BIP-Wachstum hin (Abb. 5), das vom Energiesektor sowie einer Verbesserung des Arbeitsmarktes und der Industrieproduktion getragen wird. 

ABB. 5 – SEQUENZIELL MASSGEBLICHES INDEXWACHSTUM BEI PICTET

(%3m/3m jährl.)

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom Mai 2018.

4. Fußball-Weltmeisterschaft

Der Ausgabenanstieg rund um die Fußballweltmeisterschaft im Juni sollte auch dazu beitragen, die Sanktionen auszugleichen.

ABB. 6 – FUSSBALL-WELLTMEISTERSCHAFT IN RUSSLAND – EINIGE ZAHLEN

Quelle: Pictet Asset Management, Reuters, The Guardian. Daten vom Mai 2018. 
*Wir erwarten, dass sich der größte Teil des Beitrags zum BIP während der letzten vier Jahre auf die Weltmeisterschaft konzentrieren wird.

 

Lesen Sie hier die komplette Ausgabe des Emerging Markets Monitors. 


1) Quelle : Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Mai 2018

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Über den Autor
Nikolay Markov kam 2013 als Volkswirt zur Fixed Income-Abteilung bei Pictet Asset Management. Davor arbeitete er bei der Geldpolitikanalyse der Schweizer Nationalbank, wo er Untersuchungen zu den Regeln der Geldpolitik für die Schweiz durchführte. Vor dieser Position arbeitete er als Lehr- und Forschungsassistent an der Universität Genf und nahm an internationalen akademischen Konferenzen teil. Nikolay Markov hat einen PhD in Volkswirtschaft von der Universität Genf und erwarb am Studienzentrum der Schweizer Nationalbank in Gerzensee ein PhD-Zertifikat.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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