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Was steckt in Plastik?

OpinionsWas steckt in Plastik?

von Gernot Mayr, Senior Fondsmanager bei der Raiffeisen KAG.

Kunststoffe, oder umgangssprachlich Plastik, sind tolle Werkstoffe. Sie sind formbar, widerstandsfähig, leicht, hygienisch und meist billig. Eine moderne Welt ohne Kunststoffe ist nicht mehr vorstellbar.

Im Jahr 2015 wurden weltweit ca. 400 Millionen Tonnen Kunststoffe erzeugt. Ausgangsprodukt für Kunststoffe ist fast ausschließlich Erdöl bzw. Erdgas. Kunststoffe kommen in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlicher Lebensdauer zum Einsatz. Der größte Teil, ca. 45 %, findet als Verpackungsmaterial Verwendung, gefolgt von der Bauwirtschaft mit ca. 19 % und dem Einsatz als Konsumgüter mit ca. 12 %.

90 % des Kunststoffes entfallen auf die sechs Grundkunststoffe: Polyurethan (PUR), Polyethylenterephthalat (PET), Polyvinylchlorid (PVC), Polystyrol (PS), Polypropylen (PP) sowie Polyethylen (PE). Polyethylen wird noch je nach Herstellungsverfahren und Eigenschaften in High Density Polyethylen (HDPE) und Low Density Polyethylen (LDPE) unterschieden.

Um die Produkteigenschaften zu verbessern, werden Kunststoffen Zusatzstoffe, sogenannte Additive, zugesetzt. Darunter versteht man unter anderem Weichmacher, Flammschutzmittel, Thermostabilisatoren, Füllmittel, Farbstoffe, Stabilisatoren sowie Verstärkungsstoffe. Ein bekanntes Additiv ist Bisphenol A, das PET-Flaschen von manchen Herstellern als Stabilisator zugesetzt wird. Bisphenol A steht im Verdacht, gesundheitsschädigend zu sein.

Je nach Anwendungsgebiet und Kunststoff unterscheidet sich die Anwendungsdauer (wie lange das Produkt im Einsatz ist). Verpackungsmaterial hat die kürzesten Anwendungszeiten von durchschnittlich einem halben Jahr, im Baubereich liegt die längste Lebensdauer bei durchschnittlich etwas über 35 Jahren.

UND DANACH?

Am Ende ihrer Anwendungsdauer können Kunststoffe entweder recycelt, verbrannt oder deponiert werden. Bei Verbrennung ist zwar einerseits die hohe Energiedichte von Plastik nutzbar, andererseits wird hierbei CO2 freigesetzt, was negativen Einfluss auf das Klima hat. Bei Deponierung gelangt der Kohlenstoff zwar nicht in die Atmosphäre, bei unsachgemäßer Deponierung kommt das Plastik aber in die Umwelt und beeinflusst Fauna und Flora.

Beim Recycling wird alter Kunststoff in neuwertigen Kunststoff umgewandelt, wobei hier verschiedene Herausforderungen zu beachten sind. Kunststoffabfälle müssen zunächst je nach Art des Kunststoffs getrennt werden. Besonders problematisch ist dies einerseits bei Kunststoffen, die nicht den oben erwähnten Grundkunststoffen angehören, und bei sogenannten Verbundkunststoffen. Im letzteren Falle sind verschiedene Kunststoffarten fest miteinander verbunden, sodass die Trennung ausgesprochen mühsam und kostenintensiv ist. Zusätzlich müssen Verunreinigungen entfernt bzw. gering gehalten werden. Das Recycling selbst ist auch nicht beliebig oft wiederholbar. Je nach Kunststoff muss das Material nach einer bestimmten Anzahl von Recycling-Schritten in niederwertigere Anwendungen abgewertet werden. Mit anderen Worten, aus einer PET-Flasche lässt sich nicht eine ganze neue PET-Flasche herstellen, der Recyclingprozess ist somit verlustbehaftet. Eine Reihe von Studien1 zeigt allerdings, dass Recycling als umweltschonendste Methode für den Umgang mit Plastikmüll gilt, wobei die Vermeidung von Kunststoff durch Ersatz mittels leichter abbaubarer Stoffe natürlich unschlagbar ist. Laut OECD2 werden zum Beispiel bei jeder Tonne PET, die alternativ zur Deponierung recycelt wird, 1,7 Tonnen CO2 eingespart.


Diesen Beitrag finden Sie mit Grafiken sowie weiteren Informationen in der jüngsten Ausgabe des Nachhaltigkeitsletters „nachhaltig investieren“ der Raiffeisen KAG. Die vollständige Ausgabe zum Thema „Plastikmüll“ finden Sie links als PDF.

1) C. A. Bernardo: Environmental and economic life cycle analysis of plastic waste management options. A review; 2016
2) OECD publishing: Improving Markets for Recycled Plastics (Trends, Prospects and Policy Respones); 2018