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Wie entwickeln sich die Währungen aus Schwellenländern?

OpinionsWie entwickeln sich die Währungen aus Schwellenländern?

Der Ausverkauf von Währungen aus Schwellenländern seit Mitte April ist nicht mit dem Taper Tantrum aus dem Jahr 2013 vergleichbar, so Patrick Zweifel, Chief Economist bei Pictet Asset Management. Ist man über das Ziel hinaus geschossen?

Der Ausverkauf von Währungen aus Schwellenländern seit Mitte April ist aus unserer Sicht nicht vergleichbar mit dem durch eine klassische Zahlungsbilanzkrise ausgelösten Taper Tantrum des Jahres 2013. Vielmehr sind es unserer Meinung nach vier globale, spezifische Faktoren, die sowohl die Währungen der Länder mit Leistungsbilanzdefizit (CAD) als auch der Länder mit Leistungsbilanzüberschuss (CAS) beeinflussen:

  • Steigende globale Raten/stärkerer USD (betrifft hauptsächlich CAD)
  • Handelsspannungen (betrifft hauptsächlich CAS)
  • Renminbi (RMB) Contagion-Effekt (betrifft CAS & Rohstoffexporteure)
  • Zunehmender Populismus (betrifft alle)

 Ist die jüngste Korrektur von Währungen aus Schwellenländern gerechtfertigt?

1. Beobachtung – Ein umfassender Ausverkauf

Währungen aus Schwellenländern haben in diesem Jahr 10 Prozent verloren, verglichen mit 4 Prozent im Jahr 2013 (Abb. 1). Der Hauptunterschied zum Taper Tantrum aus dem Jahr 2013 besteht darin, dass der Ausverkauf breit abgestützt ist und sowohl Defizit- als auch Überschussländer trifft.

Länder mit einem derzeitigen Leistungsbilanzüberschuss waren nicht vor dem Ausverkauf geschützt, was allerdings nicht auf Contagion-Effekte zurückzuführen ist. Wir glauben vielmehr, dass dies aufHandelsspannungen, die Exposure gegenüber China und einen schwachen Renminbi zurückzuführen ist.

ABB. 1 – DIESES MAL SIND SOWOHL DEFIZIT- ALS AUCH ÜBERSCHUSSLÄNDER BETROFFEN

USD vs. CAD- und CAS-Währungen der Schwellenländer (2018 vs. Taper Tantrum von 2013)

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten für 2018 bis 06.07.2018; Daten für 2013 bis 30.06.2014.
* 2018 CAD-Währungen der Schwellenländer: INR, IDR, PHP, ARS, BRL, CLP, COP, MXN, PEN, RON, ZAR, TRY.  ** 2013 CAD-Währungen der Schwellenländer: INR, IDR, THB, ARS, BRL, CLP, COP, MXN, CZK, PLN, ZAR, TRY.  *** 2018 CAS-Währungen der Schwellenländer: CNY, KRW, MYR, SGD, THB, TWD, CZK, HUF, ILS, PLN, RUB.  ** 2013 CAS-Währungen der Schwellenländer: CNY, KRW, MYR, PHP, SGD, TWD, HUF, ILS, RUB.

2. Beobachtung – Die Leistungsbilanzpositionen sind insgesamt deutlich stärker als vor fünf Jahren

Im Gegensatz zum Jahr 2013 gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während einige Währungen aus Schwellenländern die stabilste der G10-Währungen, den Yen, übertroffen haben, erzielten die Währungen der vier wichtigsten Defizitländer, angeführt vom Argentinischen Peso, die schlechtesten Ergebnisse (Abb. 2).

ABB. 2 – NICHT ALLE SCHWELLENLÄNDERWÄHRUNGEN HABEN IN GLEICHEM MASSE AN WERT VERLOREN

Die Schwellenländerwährungen der CAD- und CAS-Länder verändern sich (YTD)

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Juli 2018 

Auch wenn Länder mit höheren Leistungsbilanzdefiziten (ein Indikator für höheren Aussenfinanzierungsbedarf) typischerweise schwächere Währungen aufweisen, haben diesmal jedoch nicht alle CAD-Länder eine so starke Abwertung ihrer Währungen zu verzeichnen. Die Hauptverantwortlichen sind Argentinien und die Türkei, deren Zahlungsbilanzen eine ausgeprägte Instabilität aufweisen.

Dabei ist festzuhalten, dass beide Länder die Ausnahme bilden – die Länder mit Leistungsbilanzdefizit haben ihren Aussenfinanzierungsbedarf stark reduziert und sind offensichtlich viel besser in der Lage, höhere Raten zu bewältigen.

3. Beobachtung – Kein Contagion-Effekt durch China

Die Schwäche des Renminbi (RMB) ist zugegebenermassen mit Handelsspannungen verbunden, nachdem die chinesischen Behörden eine Aufwertung der Währung um rund 4 Prozent (Abb. 3) gegenüber ihrem handelsgewichteten Währungskorb zugelassen hatten. Wir halten dies für einen willkommenen Rückstand gegenüber den wichtigsten Handelspartnern.

ABB. 3 – RENMINBI – ERNEUT AUF DEM STAND VOM JANUAR 2018 

Renminbi vs. handelsgewichteter Währungskorb

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. Daten vom 11.07.2018. Sehr begrenzte Nettokapitalabflüsse seit Jahresbeginn dank der sich verbessernden Fundamentaldaten Chinas stellen einen beruhigenden Faktor dar. Seit Januar 2017 gelten ferner strengere Kapitalkontrollen, insbesondere bei Direktinvestitionen in Übersee, was das Risiko einer Kapitalflucht verringert hat. 

Schlussfolgerung 

Viele Schwellenländer haben in den letzten Jahren ihr Leistungsbilanzdefizit reduziert und sind damit wesentlich besser gegen externe Einflüsse gerüstet. Und obwohl sich das Wachstum in China verlangsamt, sind die Fundamentaldaten der chinesischen Wirtschaft stärker als im Jahr 2013.

Handelsbedingte Spannungen bleiben bestehen, und die Gefahr einer populistischen Regierung in Brasilien gibt Anlass zur Sorge. Unserer Meinung nach ist die Korrektur bei den Währungen der Schwellenländer jedoch über das Ziel hinaus geschossen.

Den vollständigen Emerging Markets Monitor von Pictet Asset Management finden Sie hier.


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Über den Autor
Patrick Zweifel kam 1997 zu Pictet. Er ist als Chef-Ökonom von Pictet Asset Management tätig. Bevor er 2009 in diese Funktion wechselte, leitete er das Makro-Research-Team von Pictet Private Wealth Management. Dort war er insbesondere für Schwellenländer und Japan, sowie für die Entwicklung quantitativer Modelle für die wichtigsten Anlagekategorien, hauptsächlich Wechselkursmodelle, zuständig. Vor seiner Tätigkeit bei Pictet war er Forschungsassistent der Fachrichtung Ökonometrie und Geldmarkttheorie und beteiligte sich an internationalen Forschungsprojekten der Weltbank und der Europäischen Union. Patrick Zweifel hat einen Doktortitel im Fachgebiet Ökonometrie von der Universität Lausanne.

Pictet Asset Management ist ein unabhängiger Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von 151 Milliarden EUR, das wir für unsere Kunden in Aktien, Festverzinsliche, alternative Anlagen und Multi-Asset-Produkte investieren. Wir verwalten Einzelmandate und Anlagefonds für einige der größten Pensionsfonds, Finanzinstitute, Staatsfonds, Finanzintermediäre und deren Kunden weltweit. Bei unserem auf Anlagen basierenden Geschäft verfolgen wir einen langfristigen Ansatz mit einer einzigartigen Kundenorientierung. Unser Ziel ist es, der bevorzugte Anlagepartner unserer Kunden zu sein. Wir schenken ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, bieten Pionier-Strategien und fühlen uns der Exzellenz verpflichtet.

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