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Wie kann unser eigener Impact aussehen?

Markets and NewsWie kann unser eigener Impact aussehen?

Hanna M. Hornberg von der FERI AG im Gespräch mit Karsten Kührlings, Geschäftsführer der GLS Investments: Die Umsetzung fokussierter und kompromissloser Impact Investments ist geprägt von den Entwicklungen der Intermediäre und Finanzdienstleister in diesem Themenfeld. Viele Investoren beklagen ein zu geringes ernstzunehmendes Angebot. Viele befürchten Green- oder besser Impactwashing. In der Dialogreihe werden Gespräche zwischen Marktteilnehmern dokumentiert.

Hanna M. Hornberg: Als Grundlage für unser heutiges Gespräch, interessieren mich die Beweggründe, sich mit positiver Wirkung von Kapitalanlage auseinanderzusetzen. Auf ihrer Internetseite machen Sie deutlich, dass sie da wollen wirken wollen, wo das Geld gebraucht wird, um Veränderungen anzustoßen – das macht für sie den Unterschied und den Erfolg aus. Ist das Ihr Credo?

Karsten Kührlings: Impact Investing ist schon mit dem Gründungsimpuls der GLS Bank eng verbunden, obwohl es den Begriff in den 70er Jahren noch nicht gab. Die Gründer der Bank hatten ja gar nicht vor, eine Bank zu gründen, sondern wollten Schulen und Kindergärten gründen und finanzieren. Die Gründung einer Bank war da später nur Mittel zum Zweck und das zeigt deutlich, dass es in unserer DNA steckt, Dinge voranzubringen und zu finanzieren und nicht einfach nur Bankgeschäft zu machen. Deswegen passt Impact Investing heute sehr gut zu uns. Wo wir uns noch weiterentwickeln möchten? Dass wir auf der Investorenseite die Angebote für Investoren passender machen wollen und skalierbarer in etablierten professionellen Strukturen. Vor allem bei institutionellen Investoren sehen wir noch Potenzial.

Hanna M. Hornberg: Herr Kührlings, GLS Investments hat eine große Bandbreite an verschiedenen Assets und Assetklassen. Wie ist das Thema Impact Investing strategisch bei Ihnen in der Umsetzung?

Karsten Kührlings: Wir haben uns früh sehr grundsätzlich und ausführlich, auch wissenschaftlich mit der möglichen Wirkung von Kapitalanlage auseinandergesetzt.
Was heißt Impact Investing für uns eigentlich?
Was ist der Investor Impact und was ist der Company Impact?
Wer erzeugt eigentlich einen Impact?
Bin ich ein Investor, kaufe ich mir nur den Impact des Invests oder generiere ich selbst einen. Dabei geht es viel um Additionalität, die ich erzeuge. Wir sehen am Markt bereits viele Beispiele hierfür. Bei uns wird wissenschaftlich die Grundlagen gelegt und wir überlegen, wie daraus ein Konzept zu entwickeln ist. Ein Konzept, das ein Impact Management in operativen Prozessen darstellt – wie kriege ich Impact Investing wirklich in den Investment Prozess integriert. Dabei geht es uns natürlich viel um Analyse, sehr viel um Datenaufnahme, Datenbewertung, Datenspeicherung und später Messung des Impacts.

Als nächsten Schritt haben wir überlegt, was können für uns die richtigen Partner sein. Da geht es um Themen wie Glaubwürdigkeit, Ambition und vor allem auch Track Rekord.

Hanna M. Hornberg: Ich gebe Ihnen recht, dass die großen Herausforderungen nur in Zusammenarbeit mit Partnern gelöst werden können. Hier würde ich gerne ein wenig nacHanna M. Hornbergaken. Wenn Sie von Partnern sprechen, wen haben Sie dabei ganz genau im Kopf? Sprechen Sie hier von Wettbewerbern, von NGOs, Wissenschaftlern, der Öffentlichen Hand? …

Karsten Kührlings: Es gibt nur ganz wenige Akteure die schon 8, 10, oder mehr Jahre wirkungsstarke Investments umgesetzt haben. Wir haben uns viel Zeit genommen Partner zu finden.

Es ist wichtig, immer in einem holistischen Sinne vorzugehen und dabei lassen wir uns extern wissenschaftlich begleiten. Gleichzeitig sind wir sowohl mit NGOs als auch mit öffentlichen Adressen im Austausch. Wir haben viel Erfahrung mit Blended Finance, z.B. Hand in Hand mit der öffentlichen Hand agieren und bei einem aktuellen Konzept lassen wir uns z.B. viel von der deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit – KLUG eV begleiten, um aus dem medizinischen Bereich kommenden Planetary Health Perspektive ein Planetary Health Investment Konzept zu machen. Dabei berücksichtigen wir im Investment Konzept die planetaren Grenzen, weil diese l in vielen Bereichen überstrapaziert werden. Wir müssen es schaffen unsere Wirtschaft, unser Investitionsverhalten wieder in diese Grenzen zu bekommen und das als wissenschaftliches Konzept und als Grundlage zu nehmen.

Hanna M. Hornberg: Der Schwerpunkt von nacHanna M. Hornbergaltigem aber auch von Impact Investing liegt in der öffentlichen Wahrnehmung bei dem Thema ökologische NacHanna M. Hornbergaltigkeit. Auch die Entwicklung der EU Taxonomie ist darauf aufgebaut. Denn natürlich macht das dringlichste Thema Umwelt eben vor den Landesgrenzen nicht halt.

Wie setzen sie jetzt das Thema in ihren Angeboten konkret um, was zeigen sie ihren Kunden, was ist die Thematik wo sie sagen in der Umsetzung ist das das Hauptthema, was wollen sie erreichen und in welcher Form bieten sie es dann an?

Karsten Kührlings: Wir haben einen konzeptionellen Ansatz, dass wir im Rahmen der planetaren Grenzen investieren wollen; diese berücksichtigen und beschützen wollen. Mit dem Planeten als Ausgangsbasis, verfolgen wir einen globalen und einen Multi-Themen-Ansatz. Konkret bedeutet das, dass wir gezielt in grüne Technologien investieren, z.B. Erneuerbare Energien, Ressourceneffizienz oder Kreislaufwirtschaft. Zugleich investieren wir selbstverständlich nicht in Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf fossilen Brennstoffen basiert.

Mit unseren neuen Angeboten sind wir jetzt einen Schritt weiter gegangen. Wir
arbeiten hier mit hochspezialisierten Impact Investing Managern zusammen. Wir sehen am Markt Beispiele bei hochspeziellen Themen und wenn ich mich dann thematisch fokussiere, da ich die richtigen Expert*innen in einem gewissen Themenfeld habe oder auch in einem lokalen Markt da glauben wir, dass wir es mit Investments in hochspezielle Singlefonds besser lösen können als in einem Fund of Fund Konzept Hier sehen wir auch eine entsprechende Nachfrage.

Hanna M. Hornberg: Welche Bedeutung haben dabei für Sie die Investments in Private Markets? Und wie gehen Sie mit den Herausforderungen globaler Investments unter Einbeziehung der Schwellenländer um?

Karsten Kührlings: Wir haben bei unserem Impact Konzept festgestellt, es gibt drei große Wirkhebel, um positiv zu wirken: Signalsetzung, Engagement, und vor allem die Kapitalallokation. Letztere ist nur greifbar und direkt, wenn in Unternehmen investiert wird. Im sekundären Markt geht das nur begrenzt, z.B. bei einer Kapitalerhöhung oder einem Börsengang.

Im Privatmarkt kann ich direkt in die Unternehmen investieren und habe dann auch mit dem zweiten Wirkhebel Engagement einen viel stärkeren Zugriff auf das Management.

Zu Ihrer Frage nach globalen Herausforderungen: Uns ist es wichtig, nicht nur die etablierten Märkte USA, Kanada einerseits, Europa andererseits zu adressieren, sondern auch in Schwellenländer zu investieren. Wir sehen es als wichtigen Investmentansatz auch hier zu investieren, denn in den Schwellenländern finden ein großer Teil der Probleme statt und es werden dringend Lösungen benötigt.

Das hat aus meiner Sicht viel mit dem Thema Innovation zu tun. Ich weiß nicht, wo genau die Lösung entwickelt wird. Vielleicht hat gerade in dieser Minute eine brasilianische Ingenieurin oder ein japanischer Student eine durchbrechende Idee – wer weiß. Deshalb wollen wir die Lösung finden, die wirklich auf globale Probleme einzahlen können. Diese werden disruptive Entwicklungen mit sich bringen.

Auf das einzelne Thema bezogen kann es natürlich sein, dass ich gewisse Strategien nur in Deutschland, nur in Westeuropa oder nur in den USA umsetzen kann. Nehmen wir das Thema Immobilie als Beispiel, daran kann man gut erkennen, wie unterschiedlich einzelne Märkte sind. Daher möchte ich mir diese Opportunitäten global investieren zu können und wo die besten Ideen entwickelt werden, nicht nehmen lassen.

Hanna M. Hornberg: Herr Kührlings, was sind die konkreten Themen und Ideen, die sie in Bezug auf Impact Investing umsetzen möchten? Sie haben eine große Bandbreite an Assetklassen. Ist die Fokussierung auf den illiquiden Bereich und die auf einzelnen Private Markets Segmente ein Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie? Oder ist geplant das auch mit liquiden Investments zu ergänzen?

Karsten Kührlings: Wir arbeiten an verschiedenen Projekten. Unser aktuelles Projekt, bei dem wir gerade in der finalen Umsetzung sind, ist tatsächlich ein reines Private Market Konzept, was sich auch auf Eigenkapital und damit Private Equity bezieht.
Wir sind überzeugt bei der Vielzahl der globalen Herausforderungen, dass gerade unternehmerische Ansätze innovativer Art zu Lösungen führen werden und dass das auch die Gewinner von morgen sein werden.

Wer hier gute unternehmerische, skalierbare Lösungen entwickelt, die die globalen Probleme adressieren und zur Lösung oder Abmilderung beitragen, kann auch ökonomische Opportunitäten erwarten. Das Thema Innovation spielt inhaltlich eine große Rolle.

Wir beschäftigen uns natürlich auch mit unserer eigenen Rolle. Wir sind jetzt sehr fokussiert darauf, wie kann denn auch unser Impact oder unser Beitrag aussehen. Daher richten wir zum Beispiel auch unsere Vergütungssysteme am Impact aus. Das heißt, wenn wir hier ein Leistungsversprechen abgeben, wollen wir auch unsere eigene Leistung nicht nur an den ökonomischen Zielerreichung messen lassen, sondern auch an den Impactzielen. Wir und unsere Partner erhalten nur dann die volle Prämie z.B. aus dem Carry (Anm.: Carried Interest), wenn wir auch die Impactziele erreichen. Das ist ein kleiner Schritt, aber ich glaube, dass wir auch bei Investmentlösungen bis hin zu Finanzinstrumenten Innovation brauchen; dass wir einfach Berechnungs- und Bewertungsmethoden erweitern müssen, im Impact Investing über traditionelle Methoden hinweg.

Hanna M. Hornberg:  Ist das dann auch ein Appell an den Regulator, dass der sich auch mehr mit Innovation beschäftigt als nur mit der rein formalen Regulierung?

Karsten Kührlings: Ich habe tatsächlich die Sorge, dass der Regulator teilweise fehlreguliert und überreguliert. Einschränkung von Freiräumen und Vielfalt bedeutet auch eine Begrenzung von Innovationsfähigkeit. Ich sehe ein großes Risiko, dass Investmentmanager sich in ihrer Innovationskraft und -entfaltung beschränken und begrenzen, wenn sie vorrangig die Erfüllung regulatorische Vorgaben berücksichtigen, insbesondere dann, wenn diese widersprüchlich, unreif und unausgewogen oder überbordend bürokratisch ist. Wir sehen, die öffentlichen Finanzen sind sehr angespannt und ich glaube, wir brauchen wirklich einfach durchbrechende Innovationen, um die Probleme und Herausforderungen im Schulterschluss zwischen öffentlicher und privater Investition zu lösen. Da müssen wir auf der regulatorischen Seite sehr aufpassen, dass es nicht zu standardisiert und zu sehr eingegrenzt wird, um diese Möglichkeit weiter zuzulassen.

Hanna M. Hornberg: Vielen Dank für das Gespräch und die Erläuterung Ihres Investment-Ansatzes. Wir werden mit Interesse verfolgen, wie Ihr Haus den Impact-Ansatz weiter ausbaut und präzisiert. FERI forscht selbst zu diesen Aspekten und ist überzeugt, dass hier noch viel wichtige Arbeit zu leisten ist. Daraus kann ein wichtiger Fortschritt für diesen noch jungen Ansatz entstehen, Impact in Zukunft noch präziser zu beschreiben und dadurch auch die verfügbaren Mittel gezielter in erfolgversprechende Investments zu lenken!

Hanna M. Hornberg ist bei der FERI AG für das Relationship Management für wichtige Institutionelle Investorengruppen verantwortlich. Sie engagiert sich darüber hinaus intensiv für das Thema Impact Investing z.B. als Autorin, bei der Bundesinitiative Impact Investing und als Dozentin an der EBS.

Karsten Kührlings ist Überzeugungstäter in Sachen konsequente uns systematische Umsetzung wirkungsorientierter Investments. Als Geschäftsführer der GLS Investment Management GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der GLS Bank, hat er hierfür das ideale Umfeld.

Bild: Composit