Der Nikkei-Aktienindex hat an den ersten Tagen nach dem Angriff auf den Iran deutlich nachgegeben – Ausdruck der Ungewissheit darüber, wie lange der Konflikt andauern wird. Was jetzt auf Japan zukommt, schildert Naoki Kamiyama, Chief Strategist bei Amova AM:
Entscheidend für Japan: Risiko bei der Ölversorgung
Sollten die Feindseligkeiten kurzfristig beigelegt und der Transport durch die Straße von Hormus wieder aufgenommen werden, blieben die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen begrenzt. Anleger könnten sich dann wieder auf Wachstumschancen konzentrieren.
Das Hauptproblem für Japan ist nicht der Ölpreis, sondern das Risiko von Versorgungsengpässen. Japan ist in hohem Maße von Rohöl aus dem Nahen Osten abhängig und dient daher bei Konflikten in dieser Region nicht als „sicherer Hafen”.
Wirtschaftliche Stagnation als größeres Problem
Ein anhaltender Anstieg der Ölpreise muss auch nicht zwangsläufig zur Stagflation führen. In den frühen 2010er Jahren kostete das Barrel mehrere Jahre lang über 100 US-Dollar, ohne dass Japan Inflation erlebte, geschweige denn eine Stagflation. Zudem hat Japans Abhängigkeit vom Öl deutlich abgenommen; höhere Energiepreise führen nicht mehr zwangsweise zu breit angelegter Inflation.
Die strategischen Erdölreserven Japans reichen Schätzungen zufolge für mehrere Monate. Versorgungsengpässe, die länger andauern, könnten zu Bedenken bei der Stromerzeugung und der Industrieproduktion führen. Dann wäre die Inflation das geringere, die durch Produktionsengpässe verursachte wirtschaftliche Stagnation das größere Problem.
Keine ungebremsten Staatsausgaben
Die Maßnahmen der Regierung Takaichi wurden nicht mit Blick auf einen Konflikt dieser Art konzipiert. Eine mangelnde Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft könnte aber eine Neubewertung der finanzpolitischen Prioritäten erforderlich machen, insbesondere in Bereichen wie Energiesicherheit und Landesverteidigung. Die Staatsausgaben würden nicht sofort unkontrolliert ausgeweitet.
Befürchtungen, dass eine erneute Inflation das politische Kapital der Regierung untergraben könnte, erscheinen übertrieben. Energiepreissteigerungen allein dürften keine anhaltende Inflation auslösen, da der Konsum in anderen Bereichen zurückgehen dürfte. Zudem stehen Instrumente wie vorübergehende Steueranpassungen zur Verfügung. Letztendlich hängt das politische Risiko möglicherweise weniger von der Inflation ab als davon, wie die politischen Entscheidungsträger angesichts der erhöhten Ungewissheit reagieren und kommunizieren.
Bild © Amova AM