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Chinas Medizinsektor boomt

Markets and NewsChinas Medizinsektor boomt

Längst hat sich China auch im Medizinsektor von der Werkbank zum Global Player entwickelt. „Chinesische Pharma-Unternehmen begnügen sich nicht länger damit, Patienten patentgeschützte Analogprodukte anzubieten, sondern mischen nun auch im „First-in-Class“-Segment, also bei Medikamenten mit neuem, einzigartigem Wirkmechanismus, mit“, schreibt Yanxiu Gu, Produktspezialistin für chinesische Aktien bei ODDO BHF Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar.

Neue Konkurrenz für die Platzhirsche
„In den letzten zehn Jahren haben sich viele Firmen zu Forschungs- und Entwicklungspartnern oder aber zu Konkurrenten großer internationaler Pharmaunternehmen wie Johnson & Johnson*, Mercer, GlaxoSmithKline, Roche oder Pfizer entwickelt“, führt Gu aus. Dazu gehörten beispielweise das pharmazeutische Unternehmen Biologics, die im Bereich der Auftragsforschung, -entwicklung und -herstellung tätige Wuxi Biologics und die Biotech-Firma Beigene. Beigene ist in den USA, Hongkong und am chinesischen A-Shares-Markt börsennotiert. Die auf Krebsbehandlung spezialisierte Firma hat von der US-Arzneimittelbehörde FDA für ihr Präparat Baiyueze die Zulassung für die USA erhalten. „Das ist das erste chinesische Originalpräparat, das von der FDA als „bahnbrechende Therapie“ anerkannt und dem Prioritätsstatus gewährt wurde“, betont Gu.

Clusterbildung mit System
Nahe Shanghai, in der Stadt Suzhou haben sich die wichtigsten biomedizinischen Unternehmen in einem Stadtviertel, der sogenannten BioBay, angesiedelt und profitieren von der Nähe zueinander. Über 35.000 Forscher arbeiten hier an innovativen Therapien, hochwertigen medizinischen Geräten und in Biotechnologie. Auch Beigene ist mit einer Niederlassung dort vertreten. Suzhou ist mit seinen 2000 Unternehmen, davon 20 börsennotiert, nur eines der großen Pharma- und Medizin-Cluster in China. Seit 2009 fördert die chinesische Regierung den Aufbau einer biomedizinischen Industrie. Neueinstellungen werden subventioniert. Das zieht Wissenschaftler aus dem In- und Ausland an. „Nachlässe beim Schulgeld, Rabatte bei Mieten oder einfachere Regelungen bei Arbeitsvisa – die Kommunalregierungen arbeiten daran, möglichst viele Hürden aus dem Weg zu räumen“, so Gu von ODDO BHF AM. Zudem hätten einige Schulen in Suzhou Kooperationen mit den dort ansässigen Life-Science-Laboren.

Politik hält den Schlüssel
Die inländische Medizintechnik in China sei auch deswegen so erfolgreich, weil die Politik das begünstige. „Die chinesische Politik im Medizinsektor will zum einen einheimische Innovationen fördern und zum anderen die Grundbedürfnisse der breiten Bevölkerung befriedigen“, so die Investmentexpertin Gu. So seien staatliche Krankenhäuser angehalten, Produkte heimischer Anbieter zu kaufen, Hersteller ausländischer Medizintechnik müssten komplizierte Verwaltungsverfahren durchlaufen. Eine Schlüsselrolle nimmt die 2018 gegründete National Healthcare Security Administration (NHSA) ein. Sie bewertet jedes neue Produkt und legt den Preis für die am höchsten bewerteten Produkte fest. Die chinesische Regierung verlange sowohl niedrige Preise als auch hohe Qualität. Hierdurch wird das Scheitern nicht wettbewerbsfähiger Unternehmen befördert, inländische Unternehmen mit hoher Innovationskraft und wirksamer Kostenkontrolle hingegen begünstigt. „Für die Pharmaunternehmen gilt bei Aufnahme in den nationalen Katalog der Krankenversicherungen das „The winner takes it all“-Prinzip – allerdings zu Lasten der Marge“, fasst Gu zusammen.

Internationale Expansion
Dies stelle internationale Pharmaunternehmen vor Herausforderungen, aber biete einen Anreiz für heimische Generika-Hersteller, stärker auf Produktinnovationen zu setzen. „Auch veranlasst es führende chinesische Pharmaunternehmen dazu, auf der Suche nach höherer Rentabilität internationale Standorte zu erschließen“, so die Expertin von ODDO BHF. Junshi Biosciences, Innovent Biologics und CStone Pharmaceuticals expandierten derzeit nach Südostasien. Beigene ist mit Standorten in Cambridge (Massachusetts) und Basel vertreten.