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Big Data: ein potentes Werkzeug

OpinionsBig Data: ein potentes Werkzeug

von Dominik Benedikt, Senior Research Analyst der Erste Asset Management.

Big Data ist ein enorm potentes Werkzeug. Wie jedes Werkzeug kann es aber in sehr verschiedener Weise genutzt werden. Ein Hammer kann Nägel einschlagen [durchaus nützlich] oder auch Köpfe [keinesfalls bitte]. Hier die wegweisenden Orientierungen zu geben und effektive Grenzen zu setzen ist die Herausforderung. So die vielleicht kürzeste Zusammenfassung unseres Investment Boards mit unseren Research-Partnern.

Die Digitalisierung immer weitreichenderer Lebensbereiche hat über die letzten Jahrzehnte exponentiell wachsende Datenmengen produziert. Moderne Algorithmen haben diese nutzbar gemacht. Die Chancen, die sich daraus ergeben, sind immens. Im Gesundheitsbereich etwa beschränken sich die Möglichkeiten nicht nur darauf mögliche Epidemien vorherzusagen. Neonatal-Intensivstationen sind dank der gesammelten Daten mittlerweile in der Lage Komplikationen bei Frühstgeborenen vor deren Eintritt vorherzusagen, und aufgrund dieses Vorsprungs ihre Überlebenschancen massiv zu erhöhen.

Die Problematik der Verwendung solch kritischer Informationen wie Gesundheitsdaten ergibt sich, wenn diese nicht mehr nur ihrem primären Nutzen – also dem therapeutischen Fortschritt – sondern gänzlich andere Verknüpfungen und Algorithmen potentiell entgegengesetztem Nutzen dienen. Bewegungsprofile von Mobiltelefonen können der Verbesserung der Netze helfen oder dazu Nutzer zu durchleuchten und die Erkenntnisse zu verkaufen, wie in den USA geschehen.

Schlecht bewertete Bürger in China

Daraus ergeben sich zwei Imperative: die Sensibilisierung jedes einzelnen und die Kontrolle darüber wie, wo und durch wen seine Daten gesammelt und verarbeitet werden, sowie die Transparenz über Algorithmen die diese verarbeiten. Ohne diese beiden Elemente, entsteht ein Ungleichgewicht, das jeglichen Korrektiv der Nutzung der Daten aushebelt. Sind die verwendeten Informationen mangelhaft oder gar unbekannt, ist eine Berufung gegen die daraus resultierenden, möglicherweise fälschlichen oder diskriminierenden Entscheidungen unmöglich.

Regulative wie die DSGVO oder die kommende e-Privacy Verordnung der EU sind ein wichtiger Schritt in Richtung eines ausgewogeneren Umgangs. Gleichzeitig gibt es immer noch 50 Staaten, die über keinerlei Datenschutzgesetze verfügen. Im schlimmsten Falle werden die Informationen vom Staat selbst zur Überwachung oder Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen genutzt: in China muss die uigurische Minderheit Überwachungssoftware auf ihren Mobiltelefonen und Tracker in ihren Fahrzeugen installieren. Das Social Scoring, das derzeit in zwei Provinzen getestet wird, soll auf ganz China ausgerollt werden, und wird „schlecht bewertete“ Bürger massiv in deren Möglichkeiten einschränken.

Natürlich erlauben Big Data Anwendungen nicht nur solche distopische Visionen sondern dienen ebenso dem öffentlichen Gut. Die Vereinten Nationen haben zu jedem ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung passende Big Data Lösungen gegenübergestellt. Smart Cities, sind ein solches Beispiel. Durch stärkere Vernetzung von Verkehrs- oder Energiesystemen können enorme Effizienzgewinne erzielt werden, um Energieverbrauch und Schadstoffbelastungen zu reduzieren. In Südafrika können die Bewohner von Kapstadt den Wasserverbrauch und die nötigen Einsparungen in ihrem Viertel in Echtzeit online abrufen. Das hat signifikant dazu beigetragen die seit 2015 andauernde Wasserkrise zu entschärfen.

Die Möglichkeit durch entsprechende Algorithmen, Ressourcen in der Industrie oder Landwirtschaft effizienter einzusetzen, erlauben aus Nachhaltigkeitssicht Effizienzgewinne. Sind die Daten und Algorithmen nicht offen zugänglich, führen diese Gewinne durch Verdrängung kleiner Mitbewerber zu steigender Marktkonzentration und höheren Eintrittsbarrieren für neue Konkurrenten.

Gerade aufgrund dieser ökonomischen Bedeutung, fehlen laut unseren Researchpartnern wirkliche Best-in-Class Ansätze im Umgang mit den gesammelten Daten. Unternehmen beschränken sich auf Compliance mit geltendem Recht oder reagieren einzig auf den externen Druck ihrer Kunden oder Investoren. Gleichzeitig warnen die Analysten unserer Partner sogar davor sich mit Selbstverpflichtungen zufriedenzugeben. Das Thema sei schlicht zu kritisch. Daraus resultiert eine klare Verantwortung nicht nur nachhaltiger Investoren, wie der Erste AM, sondern jedes einzelnen Bürgers für den verantwortungsvollen Umgang mit seinen Daten einzutreten.


Wichtige rechtliche Hinweise:

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.