Boutiquenfonds im dritten Quartal: Mischfonds verlieren weiter Mittel

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Deutsche Fondsboutiquen haben im dritten Quartal 2026 netto 2,7 Mrd. Euro an Anlegergeldern verloren. Das zeigt das aktuelle BoutiquenFonds Radar von Pro BoutiquenFonds (Stand: 30.09.2026). Die Abflüsse konzentrieren sich auf Mischfonds, das traditionelle Kernsegment der Boutiquen. Für Selektoren und Dachfondsmanager ist das ein Signal, wie sich die Nachfrage im Markt verschiebt.

Was das Radar für das dritte Quartal zeigt

Die 28. Ausgabe des Radars wertet 1.087 aktive Fonds von 399 konzernunabhängigen Fondsboutiquen aus. Ihr verwaltetes Volumen sinkt auf 164,8 Mrd. Euro. Im Vorquartal hatte es mit 166,7 Mrd. Euro noch einen Rekord erreicht, wie FundResearch im Juli berichtete.

Das Volumen fällt damit um 1,9 Mrd. Euro und weniger stark als die Abflüsse. Rechnerisch hat die Kursentwicklung einen Teil davon ausgeglichen, sofern das Fondsuniversum vergleichbar geblieben ist.

Die Abflüsse aus Mischfonds erreichen laut Pro BoutiquenFonds einen neuen Höchststand. Schon im zweiten Quartal hatten Anleger dort 2,6 Mrd. Euro abgezogen, im ersten Halbjahr zusammen 4,6 Mrd. Euro. Aktienfonds drehen dagegen erstmals in diesem Jahr ins Plus. In den ersten beiden Quartalen hatten auch sie Mittel verloren.

Warum Mischfonds unter Druck stehen

Mischfonds haben den Boutiquenmarkt in Deutschland groß gemacht. Die größten Boutiquenfonds sind vermögensverwaltende Konzepte, an der Spitze das Flaggschiff von Flossbach von Storch. Wenn dieses Segment Quartal für Quartal Mittel verliert, betrifft das den Kern des Marktes.

Nach unserer Einschätzung bauen Anleger ihre Allokation zunehmend selbst aus Einzelbausteinen auf. Sie kaufen Aktien, Anleihen und alternative Strategien getrennt ein, statt die Gewichtung einem Fondsmanager zu überlassen. Dafür spricht, dass im zweiten Quartal Anleihefonds und alternative Konzepte Zuflüsse verzeichneten.

Im dritten Quartal ziehen nun Aktienfonds Geld an. Ein Beleg für die Motive der Anleger ist das nicht, die Daten zeigen nur die Richtung der Ströme. Anhaltende Abflüsse verändern zudem die Arbeit im Fonds: Manager müssen Liquidität vorhalten und Positionen abbauen. Das schränkt die Flexibilität ein, auf die vermögensverwaltenden Konzepte setzen.

Was Selektoren jetzt beobachten sollten

Für Boutiquen mit einem dominanten Mischfonds wächst der Druck, die eigene Produktpalette zu verbreitern. Spezialisierte Aktien-, Renten- oder Optionsstrategien können Abflüsse im Flaggschiff abfedern. Wer nur ein Produkt anbietet, ist stärker vom Urteil der Anleger über genau dieses Konzept abhängig.

Für Selektoren und Dachfondsmanager stellt sich die Frage, ob die Zuflüsse in Aktienfonds eine Trendwende markieren oder nur guten Kursen folgen. Aufschluss gibt das Radar für das vierte Quartal, das die Jahresbilanz 2026 zieht. Entscheidend wird sein, ob sich die Abflüsse aus Mischfonds verlangsamen oder ob sich die Verschiebung zu Einzelbausteinen verfestigt. Im zweiten Fall müssten Boutiquen ihre Vertriebsargumente für vermögensverwaltende Konzepte neu begründen.

Bild © Pro BoutiquenFonds

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