Thursday 6-Oct-2022
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Die beste aller Anlegerwelten

OpinionsDie beste aller Anlegerwelten

Aus Sicht des Anlegers ist das erste Quartal 2019 nach Wunsch verlaufen. Die Verluste, die in diver­sen Märkten im Vorjahr angefallen waren, wurden in vielen Fällen in nur wenigen Wochen wieder ausgemerzt. Beispielsweise hat der globale Aktien­ korb MSCI All Countries in Euro kürzlich den bishe­rigen Höchststand vom Oktober 2018 überwinden können. Erwähnenswert sind auch Emerging-Market-Anleihen. Die im vergangenen Jahr viel gescholtene Kategorie hat sich unter den diversen Anleiheklassen heuer besonders hervorgetan, trotz politischer Störfeuer in wichtigen Ländern wie Bra­silien und der Türkei. Nicht zuletzt haben sich aber auch Staatsanleihen mit sehr hoher Bonität gut entwickelt. Allen voran sind hier deutsche Bundesanleihen zu nennen. Das kurze Ende der Zins­kurve ist hier ja schon seit Jahren mit einer nega­tiven Rendite ausgestattet. Zuletzt sind die Kurse dieser Anleihen aber so stark gestiegen, dass auch das zehnjährige Laufzeitensegment wieder in den negativen Renditebereich abgesunken ist. Dieser Punkt hinterlässt so manchen Beobachter etwas ratlos. Denn sehr stark steigende Notierun­gen von „riskanten“ Kategorien, wie z. B. Aktien, und auch von hochqualitativen Staatsanleihen können durchaus als Widerspruch gesehen wer­den. Der Versuch, ein Szenario zu zimmern, in dem diese vermeintliche Diskrepanz unter einen Hut geht, fällt allerdings nicht schwer: Erstens, die Wirtschaftsschwäche des Jahres 2018 und der ersten Monate 2019 wird überwunden. Die Konjunkturindikatoren erholen sich im Verlauf von 2019. Dies aber, zweitens, nur moderat und ohne Inflationsdruck, sodass die Notenbanken weiterhin eine lockere Geldpolitik verfolgen können. Drittens: Handelskrieg und Brexit finden ein positi­ves Ende. Andere Risiken werden nicht schlagend. Die beste aller Anlegerwelten also, auch „Goldi­locks“ genannt. Genießen wir es, so lange es andauert.

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Globale Konjunktur: Abschwächung hier wie dort

Der Trend in der Entwicklung der globalen Wirtschafts­daten ist ungebrochen negativ. Während in den USA die meisten Indikatoren nach wie vor eine Expansion, wenn auch in geringerem Ausmaß anzeigen, erschei­nen die Daten aus China und insbesondere diejenigen aus der Eurozone zuletzt erschreckend schwach. Trotz bereits schwächerer Wirtschaftsdaten überraschen die veröffentlichen Zahlen aktuell in Relation zu den Analys­tenerwartungen in allen Regionen negativ – auch in den USA. Dementsprechend ist in nächster Zukunft noch mit weiteren nach unten gerichteten Revisionen bei den Wirtschaftsprognosen zu rechnen.

Auch auf den Aktienmärkten nähert sich der aktuelle Gewinnwachstumszyklus, der im Frühjahr 2016 begon­nen und in Europa 2017 bzw. in den USA 2018 seinen Höhepunkt erreicht hat, seinem Ende. Wenngleich die Zuwachsraten im Rückblick der letzten 12 Monate zu­mindest in den USA noch immer stattlich sind, hat sich die Dynamik auch hier schon merklich abgeschwächt.

Rohstoffe und Währungen: leicht schwächerer Euro

Die seit Jahresbeginn anziehenden Rohstoffpreise legten im März ebenso eine kleine Pause ein wie die Aktienmärkte. Die Rally der Industriemetalle wurde von der schwächeren Angebotsentwicklung und vor allem auch von den weggefallenen Zinsängsten befeuert. Lediglich die Edelmetalle – teilweise als Krisenwäh­rung gesehen – konnten bisher nicht überzeugen, die Käufer bevorzugten bisher auch hier die zyklischen Werte wie Energie und Industriemetalle.

Relativ wenig Bewegung war zuletzt auf den Devisenmärkten zu sehen. Generell driftet der Euro etwas nach unten. Er verlor nicht nur gegen die globalen Hauptwährungen Dollar und Yen, sondern auch gegen die bedeutendsten Emerging-­Market-­Währungen. Lediglich einzelne Währungen wie die türkische Lira oder der argentinische Peso notieren wegen hausge­ machter Probleme auch 2019 deutlich schwächer. Der schwächere Euro dürfte auch seitens der Geld­politik der EZB erwünscht sein. In Europa tut sich bis dato das leicht steigende britische Pfund hervor.