Europäische Renditen werden von fiskalischen Sorgen dominiert, sagt apoBank Investmentstratege Jonas Krettek

Edition AIEuropäische Renditen werden von fiskalischen Sorgen dominiert, sagt apoBank Investmentstratege Jonas Krettek

Unterschiedliche Gründe für steigende Staatsanleihenrenditen in Europa und den USA

Die Renditen langfristiger Staatsanleihen sind sowohl in Europa als auch in den USA zuletzt deutlich gestiegen, jedoch aus verschiedenen Ursachen. In den USA beeinflussen vor allem robuste Konjunkturdaten und eine höhere Zinserwartung die Entwicklung der Renditen. In Europa hingegen spiegeln die steigenden Renditen vor allem wachsende fiskalische und politische Sorgen wider.

Fiskalische Unsicherheiten in Europa als Renditetreiber

Besonders in Frankreich ist seit Anfang Juli eine deutliche Zunahme der Laufzeitprämien zu verzeichnen. Das Berufungsgerichtsurteil zur Präsidentschaftskandidatur von Marine Le Pen 2027 hat politische Unsicherheiten verstärkt. Anleger legen nun den Fokus auf den möglichen zukünftigen finanzpolitischen Kurs Frankreichs.

Die von Anlegern verlangte Laufzeitprämie erklärt inzwischen mehr als die Hälfte des Renditeanstiegs französischer Staatsanleihen seit Jahresbeginn. Zusätzlichen Druck erzeugen die hohe Staatsverschuldung, bevorstehende Haushaltsverhandlungen und anstehende Bonitätsbewertungen durch Ratingagenturen. Diese Unsicherheiten wirken sich zunehmend auch auf andere europäische Rentenmärkte aus, unter anderem auf deutsche Bundesanleihen.

Fundamentale Faktoren prägen US-Markt

In den USA ist ein vergleichbarer Anstieg der Laufzeitprämien bisher nicht zu beobachten. Trotz einer Staatsverschuldung von über 40 Billionen US-Dollar werden die steigenden Renditen vor allem durch solide wirtschaftliche Fundamentaldaten und höhere erwartete Leitzinsen erklärt. Die US-Notenbank stellt weiterhin die Inflationsbekämpfung in den Vordergrund, was zu einem angehobenen Zinspfad an den Kapitalmärkten führt.

Empfehlungen für Anleger

Angesichts dieser Entwicklung wird Zurückhaltung bei langlaufenden Staatsanleihen empfohlen. Insbesondere in den USA besteht das Risiko, dass die hohe Staatsverschuldung künftig zu einem stärkeren Anstieg der Laufzeitprämien führt, was zusätzlichen Renditeanstieg bewirken könnte.

Bevorzugt werden daher Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten, da diese attraktive laufende Erträge bieten und weniger anfällig für steigende Laufzeitprämien sind, die durch wachsende fiskalische Sorgen ausgelöst werden könnten.


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