KI-Assistenz hebt die Arbeit von Junioren, nicht ihr Urteilsvermögen

AIKI-Assistenz hebt die Arbeit von Junioren, nicht ihr Urteilsvermögen

KI-Assistenten verbessern die Arbeit von Berufseinsteigern sofort. Zu besseren Fachleuten machen sie diese aber nicht automatisch. Das zeigt ein dreimonatiges Feldexperiment mit 133 Patentanwälten aus elf US-Kanzleien, das der Arbeitsmarktökonom David Autor mit Google-Forschern als NBER-Working-Paper veröffentlicht hat. Für Häuser, die KI in Research, Compliance oder Portfoliomanagement einführen, stellt sich damit die Frage, woher künftig erfahrene Leute kommen.

Was das Experiment misst

Die Forscher gaben zwei Dritteln der Anwälte jeder Kanzlei Zugang zu einem damals unveröffentlichten Entwurfsassistenten von Google Labs. Die übrigen arbeiteten drei Monate ohne das Werkzeug. Unabhängige Patentanwälte bewerteten alle Arbeiten, ohne zu wissen, wer KI genutzt hatte.

Beim Entwurf von Patentanmeldungen lag die KI-Gruppe nach 90 Tagen klar vorn. Laut der Erläuterung der Autoren bei Google Research entspricht der Vorsprung rund elf Perzentilpunkten in der Rangfolge. Am stärksten profitierten Junioren mit weniger als sieben Jahren Berufserfahrung.

Wo der Lerneffekt ausbleibt

Zum Abschluss mussten alle Teilnehmer ohne KI eine fehlerhafte Patentanmeldung korrigieren. Diese Prüfaufgabe verlangt genau das Urteilsvermögen, das erfahrene Anwälte auszeichnet. Die KI-Gruppe schnitt besser ab, der Vorsprung ging aber vollständig auf die Senioren zurück. Sie lagen rund 13 Perzentilpunkte vor der Kontrollgruppe.

Bei den Junioren gab es im Schnitt keinen Gewinn. Ihre Ergebnisse streuten stärker: weniger mittelmäßige, dafür mehr schwache und mehr gute Bewertungen. Die Autoren sehen KI deshalb für manche Einsteiger als Sprungbrett, für andere als Polster. Erfahrene Anwälte nutzten die KI-Entwürfe dagegen nach eigener Aussage, um ihre eigene Argumentation zu prüfen.

Was Finanzhäuser daraus ableiten können

Die Studie betrifft Juristen, das Muster lässt sich aber auf andere Wissensberufe übertragen. Junge Analysten, Fondsbuchhalter oder Compliance-Mitarbeiter lernen ihr Handwerk ebenfalls über Routinearbeit. Übernimmt KI diese Arbeit, liefern sie schneller brauchbare Ergebnisse, bauen aber womöglich weniger eigenes Urteil auf. Das ist eine Einschätzung der Redaktion, Finanzberufe untersucht die Studie selbst nicht.

Für die Einführung von KI folgt daraus eine Unterscheidung, die Produktivitätskennzahlen verdecken. Wer nur misst, was mit KI entsteht, sieht den Nutzen des Werkzeugs. Was die Mitarbeiter selbst können, zeigen erst Prüfungen ohne KI. Die Autoren halten genau diese Trennung für die wichtigste Lehre ihrer Arbeit.

Was die Aussagekraft begrenzt

Die Stichprobe ist klein, und drei Monate sind kurz, gemessen an den Jahren, die Expertise braucht. Zudem haben sich die Modelle seit dem Versuch weiterentwickelt, wie die Autoren selbst einräumen. Das Papier ist nicht begutachtet. Google hat die direkten Kosten getragen, fünf der sieben Autoren sind dort angestellt.

Offen bleibt, wie Ausbildung aussehen muss, wenn KI die Routinearbeit übernimmt. Wer Nachwuchs einstellt, muss diese Frage beantworten, bevor die erste Generation ohne klassische Lehrjahre in Führungsrollen hineinwächst.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.