Schroders: Warum bei europäischen Staatsanleihen aktives Management sinnvoll ist

Edition AISchroders: Warum bei europäischen Staatsanleihen aktives Management sinnvoll ist

Europäische Staatsanleihen im Fokus

Die Realrenditen europäischer Staatsanleihen sind aktuell auf einem Höhepunkt, der seit Jahrzehnten nicht erreicht wurde. Gleichzeitig differenzieren sich die Fundamentaldaten der Länder zunehmend, was das Anlageumfeld komplexer macht. Frankreich verdeutlicht die Herausforderungen für Investoren: Ein hohes Haushaltsdefizit und ein zersplittertes Parlament erschweren eine glaubwürdige Konsolidierung des Staatshaushalts. Der Markt reagiert deswegen sensibel auf fiskalische Pläne, Wahlen und politische Ereignisse.

Attraktive Realrenditen und neues Marktumfeld

Die nominalen Renditen liegen derzeit über den langfristigen Inflationsprognosen, was zu positiven Realrenditen führt – erstmals seit der globalen Finanzkrise. Damit müssen Anleiheinvestoren nicht mehr allein auf Kurssteigerungen durch fallende Zinsen setzen. Die Renditen von Euro-Staatsanleihen bewegen sich nun auf einem ähnlichen Niveau wie hochwertige Euro-Unternehmensanleihen.

Gründe für eine stärkere Marktdivergenz und Bedeutung für aktives Management

Zwei Faktoren tragen zur erhöhten Dispersion im Markt bei, die aktivem Management zugutekommt:

  1. Normalisierung der EZB-Bilanz: Der Bilanzabbau der Europäischen Zentralbank seit 2023 führt dazu, dass der „preisunempfindliche“ Käufermarkt schrumpft. Private Investoren übernehmen größere Anleiheemissionen und agieren preisempfindlich, was zu einer stärkeren Preisdifferenzierung führt. Dies manifestiert sich beispielsweise darin, dass die Kurse spanischer und französischer Staatsanleihen seit dem Ende der quantitativen Straffung unterschiedliche Entwicklungen durchlaufen.
  2. Fiskalische und politische Divergenz: Die Haushaltsgegebenheiten in der Eurozone werden zunehmend heterogen. In vielen Ländern liegt der effektive Zinssatz für Staatsschulden über dem Wirtschaftswachstum, während gleichzeitig Ausgabendruck durch demografische und sicherheitspolitische Faktoren zunimmt. Dies variiert stark nach Land, ebenso wie die politische Fähigkeit zur Anpassung. Wahlen in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland im Jahr 2027 bringen zusätzliche Unsicherheit und mögliche Katalysatoren für Marktbewegungen.

Strategischer Anlageansatz für europäische Staatsanleihen

Der Investmentansatz beruht auf einem szenariobasierten makroökonomischen Rahmen kombiniert mit einer detaillierten Analyse des europäischen Staatsanleiheuniversums. Mehrere Szenarien für Wachstum, Inflation sowie Geld- und Fiskalpolitik werden berücksichtigt, um die Auswirkungen auf einzelne Märkte zu beurteilen und mit bestehenden Markterwartungen zu vergleichen.

Spezialisten analysieren die Spread-Bewertungen der Länder, um potenzielle Fehlbewertungen und politische Unsicherheiten zu identifizieren. Dies ermöglicht eine aktive Auswahl von Ländern und Relative-Value-Positionierungen, die durch Szenarioanalysen auf unterschiedliche politische oder wirtschaftliche Entwicklungen reagieren können. Ziel ist es, Risiken nur dort einzugehen, wo eine angemessene Kompensation erwartet wird, und das Portfolio widerstandsfähig gegenüber verschiedenen Ergebnissen zu gestalten.

Fazit

Das aktuelle Umfeld mit hohen Realrenditen und einer wachsenden Dispersion bei Staatsanleihen bietet eine solide Ertragsbasis. Die Zunahme fiskalischer und politischer Unterschiede unterstreicht die Bedeutung eines aktiven, flexiblen Managements, um Chancen besser zu nutzen und Risiken zu steuern.


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