Unternehmen stellen in KI-nahen Berufen weniger Berufseinsteiger ein, besonders in der Softwareentwicklung. Aktuelle US-Daten und eine Bitkom-Umfrage zeigen, wo sich der Einstieg verengt. Für Banken, Asset Manager und ihre Dienstleister geht es damit um die Frage, woher künftig erfahrene IT-Fachkräfte kommen.
Was die Daten aus den USA zeigen
Das Stanford Digital Economy Lab hat im August 2026 eine überarbeitete Fassung seiner Canaries-Studie veröffentlicht. Grundlage sind Lohnabrechnungsdaten des US-Dienstleisters ADP. Die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen liegt danach rund 19 Prozent unter dem Pfad weniger exponierter Altersgenossen. Der Wert hat den Stand Juni 2026, bei erfahrenen Beschäftigten zeigt sich keine vergleichbare Lücke.
Die Anpassung läuft vor allem über weniger Neueinstellungen und kaum über Entlassungen. Betroffen sind Berufe, in denen KI Aufgaben automatisiert. Laut dem Canaries-Dashboard gehört die Softwareentwicklung dazu, mit deutlichen Rückgängen bei den Jüngsten. Die Autoren betonen, dass ihre Befunde beschreibend sind und keinen kausalen Nachweis liefern.
Die Lage in Deutschland
Hierzulande ist das Bild weniger eindeutig. Laut Bitkom fehlen aktuell 79.000 IT-Fachkräfte, fast halb so viele wie 2023 (Stand September 2026). Eine Mehrheit der Unternehmen erwartet keine Verluste von IT-Jobs durch KI. Ein Teil setzt KI gezielt dort ein, wo sich Stellen nicht besetzen lassen.
Bei den Aufgaben rechnen die Befragten dagegen mit Veränderungen. 55 Prozent erwarten, dass klassische Einstiegsaufgaben zunehmend wegfallen. Genau diese Aufgaben waren bislang der übliche Weg in den Beruf: Tests schreiben, Fehler suchen, Dokumentation pflegen. Wer sie an KI abgibt, muss den Lernweg für Einsteiger neu bauen.
Warum das für Finanzhäuser zählt
Die Stanford-Autoren unterscheiden kodifiziertes und implizites Wissen. Kodifiziertes Wissen steht in Lehrbüchern und Handbüchern, KI kann es gut anwenden. Implizites Wissen entsteht durch Praxis, Mentoring und wiederkehrende Situationen. Dort wächst die Beschäftigung erfahrener Kräfte.
Daraus folgt eine Einschätzung der Redaktion: Wer heute bei Junioren spart, senkt kurzfristig Kosten. Er verengt aber den eigenen Weg zu erfahrenen Fachkräften. Für Banken und Kapitalverwaltungsgesellschaften wiegt das schwer, denn Kernbanken-, Risiko- und Meldesysteme verlangen langjähriges Fachwissen.
Hinzu kommt die Regulierung. Seit Januar 2025 verlangt die europäische Verordnung zur digitalen operationalen Resilienz (DORA) von Finanzunternehmen ein umfassendes Management ihrer IKT-Risiken. Fehlt eine Generation, wächst die Abhängigkeit von wenigen Schlüsselpersonen und externen Dienstleistern. Beides ist nach Einschätzung der Redaktion ein Thema für die Aufsichtsgespräche der kommenden Jahre.
Worauf Entscheider jetzt achten
Ob sich der Trend verfestigt, ist offen. Stanford aktualisiert die Kernergebnisse monatlich, und die übrige Forschung kommt teils zu abweichenden Ergebnissen. Für Investoren lohnt der Blick auf die Personalstrategie, in eigenen IT-Teams ebenso wie bei Managern und Dienstleistern in der Due Diligence.
Aufschlussreich ist, ob Häuser ihre Ausbildungswege neu ordnen. Ein Ansatz ist, Junioren früh KI-Werkzeuge steuern und deren Ergebnisse prüfen zu lassen. Schließt sich die Lücke bei jungen Beschäftigten nicht, wird der Nachwuchs zum strukturellen Thema der IT-Planung.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.