EZB hält Leitzinsen unverändert
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer Julisitzung den Einlagensatz erwartungsgemäß bei 2,25% belassen. Die einstimmige Entscheidung reflektiert die komplexe Abwägung im Rat, da einige Mitglieder einen weiteren Zinsschritt bereits heute für möglich hielten. Eine Anhebung im September bleibt ein ernstzunehmendes Szenario.
Bewertung der aktuellen Zinspause
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass die Inflationsrisiken nach oben und die Wachstumsrisiken nach unten gerichtet sind. Der volle Effekt des Energiepreisschocks auf die Inflation ist noch nicht absehbar, ebenso wenig wie potenzielle Zweitrundeneffekte, die bisher kaum erkennbar sind. Diese Beobachtung wird geteilt, weshalb die Einlegezinspause als angemessen gilt.
Der Zinsschritt im Juni wurde als vorsorgliche Maßnahme eingestuft, während ein weiterer Schritt stärker die Zinserwartungen steigen und die Finanzierungskosten verschärfen würde. Ein solcher Schritt wäre nur bei eindeutigen Anzeichen eines breiteren Inflationsprozesses gerechtfertigt, wie er 2022 beobachtet wurde. Gegenwärtig gibt es dafür kaum Hinweise.
Inflations- und Wachstumsdynamik
Die Inflationsrate sank im Juni auf 2,8%, die Kerninflationsrate auf 2,4%. Obwohl Dienstleistungen teuer bleiben, ist ihre Verteuerungsrate rückläufig. Die Wahrscheinlichkeit einer Lohn-Preis-Spirale gilt als gering, da im Unterschied zu 2022 kein signifikanter fiskalischer Impuls vorliegt, die Realzinsen höher sind und die Nachfrage sensibler auf Preissteigerungen reagiert.
Seit 2022 wurde das Wirtschaftswachstum von der EZB wiederholt überschätzt. Die Notenbank muss wachsam bleiben, insbesondere angesichts der anhaltenden Unsicherheiten im Energiesektor. Eine zu schnelle oder starke Zinserhöhung zur Bekämpfung kriegsbedingter Ölpreisrisiken könnte erhebliche wirtschaftliche Kollateralschäden verursachen und ist nur bei eindeutigen Inflationssignalen zu rechtfertigen.
Markterwartungen und geldpolitische Ausblicke
Die Märkte rechnen aktuell mit bis zu zwei weiteren Zinserhöhungen bis Jahresende, was allerdings klare Anzeichen von Zweitrundeneffekten voraussetzt. Die heutige Kommunikation der EZB dient dazu, sich auf diese Möglichkeit vorzubereiten, ohne überstürzt zu handeln.
Für Risikoanlagen bleibt das europäische Umfeld anspruchsvoll. Aufgrund der schwachen Konjunkturdynamik wird empfohlen, Anleihen nicht nur kurzfristig zu halten. Die Geldpolitik sollte mittelfristige Einflüsse wie geopolitische, demografische und klimatische Faktoren berücksichtigen, die inflationssteigernd wirken, während technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz deflationär wirken können.
Die EZB hat mit ihrer heutigen Entscheidung einen Kurs eingeschlagen, der den aktuellen Impuls hinterfragt, ohne ihn zu ignorieren. Dieser ausgewogene Weg ist aus institutioneller Sicht angemessen und sollte beibehalten werden.
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