
Volker Schilling: Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von FUNDamental, dem Fonds-Magazin, das sich nicht nur mit spannenden Investmentfonds beschäftigt, sondern vor allem mit den Menschen dahinter. Heute sprechen wir über den Fonds SQUAD Gallo, den wir selbst seit Auflage begleiten und auch im Portfolio haben. Bei mir sind die Fondsberater Sebastian Hahn und Lars Hettche von HC Capital Advisors. Zum Einstieg interessiert mich Ihr persönlicher Weg in die Branche. Wie sind Sie ins Asset Management gekommen?
Sebastian Hahn: Ich habe Finance and Accounting an der LMU München studiert und dort früh Kontakt mit Behavioral Finance und Value Investing bekommen. Danach arbeitete ich in einem Family Office, das stark nach den Prinzipien von Warren Buffett und Charlie Munger investierte. Dort lernte ich meinen heutigen Geschäftspartner Jérémie Couix kennen. 2011 entstand aus einer gemeinsamen Watchlist die Idee zu HC Capital. Nach einer Zeit bei Discover Capital wagten wir 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit und legten unseren ersten Fonds auf.
Volker Schilling: Lars Hettche, wie sah Ihr Weg in die Fondsbranche aus?

Lars Hettche: Bei mir begann das Interesse sehr früh. Mein Vater arbeitete bei BASF und übertrug mir schon als Jugendlicher Mitarbeiteraktien. Seitdem habe ich täglich die Kurse verfolgt und begann früh selbst zu investieren. Später folgte ein BWL-Studium, danach eine kurze Station in der Wirtschaftsprüfung und anschließend zehn Jahre Aktienanalyse auf der Sell-Side beim Bankhaus Metzler. Über diese Zeit lernte ich Discover Capital sowie Sebastian Hahn und Jérémie Couix kennen. 2017 ergab sich dann die Möglichkeit, auf die Buy-Side zu wechseln und beim SQUAD-Gallo-Fonds mitzuarbeiten.
Volker Schilling: Der Fonds investiert vor allem in europäische Nebenwerte. Ist das eine feste Schublade oder eher das Ergebnis Ihres Investmentprozesses?
Sebastian Hahn: Es ist eher das Ergebnis unseres Ansatzes. Unser Ziel ist es, langfristig Vermögen aufzubauen und in qualitativ hochwertige Unternehmen zu investieren. Ineffizienzen findet man häufig dort, wo Märkte weniger effizient sind – also im Nebenwertesegment. Deshalb landen wir oft bei europäischen Small und Mid Caps, aber nicht, weil wir unbedingt dort investieren müssen.
Volker Schilling: Gibt es Branchen oder Unternehmen, die Sie grundsätzlich meiden?
Lars Hettche: Wichtig ist für uns ein belastbarer Track Record. Wir wollen sehen, dass ein Geschäftsmodell auch schwierige Phasen überstehen kann. Deshalb investieren wir selten in sehr junge Geschäftsmodelle, etwa frühe Biotechfirmen ohne Produkte am Markt. Uns interessieren Unternehmen mit bewährten Geschäftsmodellen, starken Margen und guter Kapitalallokation.
Volker Schilling: Gibt es geografische Schwerpunkte in Europa?

Sebastian Hahn: Unsere Kernmärkte sind die DACH-Region, Frankreich und Großbritannien. Man muss die Kapitalmarktstrukturen verstehen und vor allem auch mit den Unternehmen sprechen. Deshalb ist lokale Nähe wichtig. Skandinavien und Norditalien finden wir ebenfalls spannend, weil es dort viele starke Unternehmer gibt. Grundsätzlich schließen wir aber kein Land aus.
Volker Schilling: Wie viele Unternehmen können Sie mit Ihrem Ansatz sinnvoll verfolgen?
Sebastian Hahn: Wir haben derzeit rund 80 Positionen im Portfolio. Mehr wird schnell schwierig, weil wir sehr tief in die Analyse gehen, viele Gespräche mit Managementteams führen und jedes Investment intensiv begleiten.
Volker Schilling: Die Ergebnisse des Fonds sind seit Auflage 2017 sehr stark und gleichzeitig schwankt der Fonds deutlich weniger als viele Small-Cap-Strategien. Woran liegt das?
Lars Hettche: Ein zentraler Punkt ist die Auswahl der Unternehmen. Wir investieren bevorzugt in Firmen mit robusten Geschäftsmodellen, hoher Cashflow-Stärke und meist sehr geringer Verschuldung. Viele unserer Beteiligungen haben sogar Netto-Cash. Zudem streuen wir breit über viele Positionen und vermeiden große Klumpenrisiken. In schwierigen Marktphasen kann auch eine Cashquote als Puffer helfen.
Volker Schilling: Sie verstehen den Fonds also eher als langfristigen Portfolio-Baustein?
Lars Hettche: Genau. Unser Ziel ist nicht taktisches Timing im Nebenwertesegment, sondern ein strategisches Investment in sehr gute Unternehmen. Anleger sollen an den langfristig höheren Renditechancen kleinerer Firmen partizipieren können – ohne extreme Schwankungen.
Volker Schilling: Wie entscheiden Sie über die Gewichtung einzelner Positionen im Portfolio?

Sebastian Hahn: Wir haben keine starre Formel. Die Positionsgröße ergibt sich aus mehreren Faktoren: Bewertung, erwartete Rendite, Qualität des Geschäftsmodells, Kapitalallokation des Managements und auch der Liquidität der Aktie. Wenn wir besonders überzeugt sind und das Chancen-Risiko-Verhältnis attraktiv ist, kann eine Position größer werden.
Volker Schilling: Welche Rolle spielt das Management eines Unternehmens in Ihrer Analyse?
Sebastian Hahn: Eine sehr große. Wir achten darauf, ob das Management ehrlich kommuniziert, ob Strategie und Zahlen zusammenpassen und ob es selbst stark am Unternehmen beteiligt ist.
Volker Schilling: Viele Investoren fragen sich aktuell, wann europäische Small Caps wieder stärker laufen. Haben Sie dafür einen konkreten Auslöser im Blick?
Sebastian Hahn: Timing ist extrem schwierig. Historisch sehen wir jedoch, dass Small Caps häufig mit einer Prämie gehandelt werden, weil sie schneller wachsen und häufiger Übernahmeziele sind. In unsicheren Zeiten fließt Kapital eher in große, liquide Unternehmen. Wenn sich das Umfeld stabilisiert, kann die Neubewertung aber sehr schnell passieren.
Volker Schilling: Welche Rolle spielen Übernahmen oder Sondersituationen in Ihrer Strategie?
Lars Hettche: Sie können vorkommen, sind aber kein Kernbestandteil. Wir spekulieren nicht gezielt darauf. Wenn sich eine attraktive Situation ergibt, etwa eine Wandelanleihe mit asymmetrischem Chancen-Risiko-Profil, nutzen wir das gelegentlich. Solche Positionen bleiben aber klar begrenzt.
Volker Schilling: Wie groß kann der Fonds werden, ohne dass der Ansatz leidet?
Sebastian Hahn: Für unser Setup sehen wir eine sinnvolle Obergrenze bei etwa 350 Millionen Euro. Darüber würden wir einen Soft-Close prüfen, um sicherzustellen, dass wir weiterhin flexibel im Nebenwertesegment investieren können.
Volker Schilling: Abschließend noch der Blick auf Europas Mittelstand. Sehen Sie trotz vieler Herausforderungen weiterhin attraktive Unternehmen?
Lars Hettche: Absolut. Gerade in schwierigen wirtschaftlichen Phasen zeigen viele mittelständische Unternehmen enorme Anpassungsfähigkeit. Wir sehen Firmen, die trotz rückläufiger Umsätze ihre Margen stabil halten oder sogar steigern konnten. Das zeigt, wie effizient und unternehmerisch viele dieser Unternehmen geführt werden – und genau solche Firmen suchen wir für das Portfolio.
Volker Schilling: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was machen Sie, wenn es einmal nicht um Börse und Unternehmen geht?
Sebastian Hahn: Ich gehe sehr gern in die Berge und spiele Golf.
Lars Hettche: Bei mir sind es ebenfalls die Berge – und viel Zeit auf Fußballplätzen, weil meine Kinder dort aktiv sind.
Volker Schilling: Vielen Dank für Gespräch und Einblicke!
Bilder © HC Capital Advisors
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Dieser Beitrag erschien zuerst beim Greiff Research Institut GmbH
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