Saturday 1-Oct-2022
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Geldpolitik allein kann die Probleme Europas nicht lösen

OpinionsGeldpolitik allein kann die Probleme Europas nicht lösen

von Aneeka Gupta, Associate Director Research bei WisdomTree, anlässlich des Antritts der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Das Hauptproblem Europas ist nicht der fehlende Zugang von Unternehmen zu Kapital oder hohe Kapitalkosten, sondern vielmehr eine unzureichende externe und interne Nachfrage. Aufgrund äußerer Schocks wie Handelskriege, Brexit und Konjunkturabschwächung in China bleiben die globalen Nachfragebedingungen weiterhin schwach. Aus diesem Grund muss die Finanzpolitik in Europa, die nach wie vor restriktiver als notwendig ist, mehr tun, um die Binnennachfrage zu stützen. Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi schloss sich dieser Überlegung auch auf der jüngsten Pressekonferenz der EZB an, auf der er betonte, dass eine monetäre Lockerung nunmehr angebracht sei, da Wachstums- und Inflationsziele ohne fiskalpolitische Eingriffe kaum erreicht werden dürften. Es wird immer deutlicher, dass die Geldpolitik allein die Probleme Europas nicht lösen kann. Christine Lagardes künftige Hauptrolle wird darin liegen, Länder mit Haushaltsüberschüssen wie die Niederlande und Deutschland davon zu überzeugen, mehr zu investieren, um das Wachstum zu unterstützen.

Innerhalb der EZB herrscht derzeit eine tiefe Spaltung. Einige Mitglieder des EZB-Rates bezweifeln die Wirksamkeit negativer Zinssätze und die quantitative Lockerung zur Verbesserung der Kreditvergabe. Darüber hinaus gibt es die Besorgnis, dass sich Minuszinsen auf inländische Sparkassen und Banken ungünstig auswirken werden. Die Leiter der französischen und österreichischen Zentralbanken haben sich öffentlich gegen die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen der EZB ausgesprochen. Der unerwartete Rücktritt von Sabine Lautenschläger, die zu den geldpolitischen Falken zählt, ist ein weiteres Zeichen für die Uneinigkeit innerhalb der EZB. Aus Berichten im Anschluss an die EZB-Sitzung geht hervor, dass 9 von 25 Ratsmitgliedern ihre Ablehnung des kürzlich vom ehemaligen EZB-Präsidenten Mario Draghi angekündigten Lockerungspakets zum Ausdruck brachten. In diesem Zusammenhang wird Christine Lagarde auch damit beauftragt, die Kohärenz zwischen den Mitgliedern des EZB-Rates zu verbessern. Letztendlich wird sie nur auf diese Weise in der Lage sein, den Rat geschlossen zu vertreten und damit den Investoren eine effektive und glaubwürdige Kommunikation zu ermöglichen.