Seit dem 26. Oktober 2026 handeln Anleger in Hongkong Anteile zweier tokenisierter Geldmarktfonds rund um die Uhr. Die Aufsicht SFC hat den Sekundärhandel der Fonds von ChinaAMC (HK) auf der Plattform PantherTrade zugelassen. Nach Angaben der Beteiligten ist es weltweit das erste regulierte Angebot dieser Art für Privatanleger.
Was in Hongkong jetzt möglich ist
Gehandelt werden die Anteilsklassen F des ChinaAMC HKD Digital Money Market Fund und des ChinaAMC USD Digital Money Market Fund. Laut Pressemitteilung der Partner kaufen und verkaufen Privatanleger an 365 Tagen im Jahr, auch an Wochenenden. PantherTrade ist eine von der SFC lizenzierte Handelsplattform für virtuelle Vermögenswerte. Sie gehört dem Nasdaq-notierten Onlinebroker Futu.
Die Grundlage schuf die SFC im April mit einem Rundschreiben zum Sekundärhandel. Nach Angaben der Behörde gab es im März 2026 in Hongkong 13 tokenisierte Publikumsprodukte. Das Volumen ihrer tokenisierten Anteilsklassen stieg binnen eines Jahres etwa auf das Siebenfache, auf 10,7 Milliarden Hongkong-Dollar (Stand: März 2026).
Wie der Handel rund um die Uhr funktioniert
Der Fonds bewertet sein Portfolio weiterhin nur an Geschäftstagen. Den Handelspreis bilden Angebot und Nachfrage auf der Plattform. Er kann deshalb vom Nettoinventarwert abweichen. Zum Schutz zeigt die Plattform einen indikativen Nettoinventarwert, warnt bei Preisabweichungen und sieht bei starken Schwankungen eine fünfminütige Abkühlphase vor.
Ausgabe und Rücknahme beim Fonds bleiben als Rückfallebene bestehen, zum Tageswert laut Verkaufsprospekt. Wie Ledger Insights berichtet, lassen sich die Token nicht von der Plattform abziehen. Das maßgebliche Anteilsregister liegt außerhalb der Blockchain. Gehandelt wird also in einem geschlossenen Orderbuch, frei übertragbare Token gibt es nicht.
Was das für Asset Manager in Europa bedeutet
Hongkong nutzt eine Besonderheit seiner Lizenzordnung: Lizenzierte Kryptohandelsplätze dürfen dort auch tokenisierte Wertpapiere handeln. In vielen anderen Rechtsordnungen braucht der Wertpapierhandel eine eigene Lizenz. In der EU fällt der Handel mit tokenisierten Fondsanteilen nach unserer Einschätzung unter die Handelsplatzregeln der MiFID II oder unter das DLT-Pilotregime. Ein vergleichbares Angebot für Privatanleger rund um die Uhr ist uns dort bislang nicht bekannt.
Für Anbieter von Geldmarktfonds ist das Modell dennoch ein Prüfstein. Die SFC verlangt Vorkehrungen für faire Preise, geordneten Handel, Liquidität und Offenlegung, abgeleitet aus dem ETF-Markt. Wer tokenisierte Anteilsklassen plant, sollte Market Making, Preisreferenz und Abwicklungswährung früh mitdenken.
Worauf Investoren jetzt achten sollten
Offen ist, wie tief die Orderbücher werden. Ebenso offen ist, wie stark die Kurse nachts und am Wochenende vom Nettoinventarwert abweichen. Davon hängt ab, ob der Dauerhandel echte Liquidität schafft oder nur Verfügbarkeit verspricht. Die SFC will den Betrieb auswerten und den Produktkreis später erweitern.
Ein zweiter Faktor ist die Abwicklung. Die Behörde stellt den Einsatz regulierter Stablecoins und tokenisierter Einlagen in Aussicht. Erst damit wäre auch die Geldseite rund um die Uhr verfügbar. Europäische Häuser sollten diese Auswertung verfolgen, bevor sie eigene Strukturen festlegen.
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