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Klimarisiken: Warum wir uns nicht schnell genug anpassen

OpinionsKlimarisiken: Warum wir uns nicht schnell genug anpassen

von Stefanie Schock, Research Analyst der Erste Asset Management.

Klimarisiken sind allgegenwärtig. Extreme Wetterereignisse, Fluten, Stürme & Zyklone,  steigende Treibhausgasemissionen oder Naturkatastrophen sind Risiken die das World Economic Forum bereits seit 2011 unter den Top 5 identifiziert, wenn es darum geht welche Ereignisse mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden.

2019 sind bereits drei der Top 5 Risiken dem Klimabereich zuzuordnen, bei einer Betrachtung des Impacts sogar vier von fünf. Neben Naturkatastrophen und Extremen Wettereignissen findet sich auf Platz 2 aber auch unser Unvermögen uns an die Folgen des Klimawandels anzupassen sowie die damit in direktem Zusammenhang stehende globale Wasserkrise. Eine Priorisierung dieser Problematik ist aus Nachhaltigkeitssicht daher unumgänglich.

Wie warm wird es werden?

Im vierten nationalen Klimabericht der USA wird im November davor gewarnt, dass uns ohne eine Reduzierung der anthropogenen Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrtausends eine Klimaerwärmung von ~plus 5 Grad treffen könnte. Um das plus 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, hätten wir laut IPCC (Internationales Klimapanel) noch 12 Jahre um eine notwendige Kursänderung durchzuführen. Wichtige Funktionen übernehmen auch unsere Ökosysteme: Ozeane oder Waldflächen sind CO2-Speicher, deren Leistung durch die globale Klimaerwärmung beeinträchtigt ist.Ein Beispiel für die Abhängigkeit von den Leistungen dieser Systeme sind Mangrovenwälder in Küstengebieten: rund 200 Mio. Menschen die in diesen Gebieten leben und Nahrungsmittel anbauen sind auf Mangroven angewiesen um sich vor Sturmfluten und steigendem Meeresspiegel zu schützen. Der World Wide Fund for Nature warnt, dass seit Mitte des 20. Jhd. etwa die Hälfte der Mangrovenwälder verdrängt wurde was einer enormen CO2 Freisetzung entspricht, da die CO2 Speicherkapazität dieser Wälder rund drei bis fünf Mal höher als jene von terrestrischen Wäldern ist.

Neben marinen und terrestrischen Systemen sind anthropogene Systeme auch direkt betroffen. Nach IPCC-Auswertungen zeigt die Mehrheit der untersuchten Studien einen negativen Zusammenhang zwischen Ernteerträgen und der Klimaerwärmung, besonders im Bereich der Getreide- u. Maisernte, weniger betroffen sind Reis und Soja.

Global riskQuelle: WEF (World Economic Forum)

Welche Rolle spielt das Meer?

Schnell wachsende Städte und anhaltende Auswirkungen des Klimawandels machen mehr Menschen anfällig für den Anstieg des Meeresspiegels. Es wird erwartet, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Schätzungen des WEF (World Economic Forum) zufolge leben bereits 800 Millionen Menschen in mehr als 570 Küstenstädten, die bis 2050 einem Meeresspiegelanstieg von 0,5 Metern ausgesetzt sind.

In einem Teufelskreis konzentriert sich die Urbanisierung nicht nur auf Menschen und Eigentum in potenziellen Schadens- und Störungsgebieten, sondern erhöht diese Risiken auch – zum Beispiel durch die Zerstörung natürlicher Resilienzquellen wie Küstenmangroven und die Belastung der Grundwasservorkommen. Durch die Intensivierung der Auswirkungen wird immer mehr Land unbewohnbar. Es gibt drei Hauptstrategien für die Anpassung an den steigenden Meeresspiegel: (1) Ingenieurprojekte zur Eindämmung von Wasser, (2) naturbasierte Lösungen und (3) personenbezogene Strategien, z. B. die Verschiebung von Haushalten und Unternehmen auf sicherere Wege oder In Sozialkapital zu investieren, um Gemeinschaften mit Hochwassergefahren widerstandsfähiger zu machen, heißt es in dem Bericht.

„Der Anstieg des Küsten-Meeresspiegels gehört zu den gravierendsten gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels. Der globale Anstieg des mittleren Meeresspiegels wird sich infolge der Klimaerwärmung über viele Jahrhunderte hinweg fortsetzen. Das detaillierte Tempo und der endgültige Anstieg hängen wesentlich von den künftigen Treibhausgasemissionen ab “, betont Pavel Kabat, Forschungsdirektor der WMO (World Meteorological Organization).

Warum Biodiversität wichtig ist?

Der Klimawandel verstärkt den Verlust an Biodiversität. Viele betroffene Ökosysteme – wie Ozeane und Wälder – sind wichtig, um Kohlenstoffemissionen zu absorbieren. Zunehmend fragile Ökosysteme bergen auch Risiken für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität. Da sich Umweltrisiken mit zunehmender Häufigkeit und Schwere kristallisieren, werden sich die Auswirkungen auf die globalen Wertschöpfungsketten wahrscheinlich verstärken und die Widerstandsfähigkeit insgesamt schwächen.

Fazit des Global Risk Reports

Die Umweltrisiken dominieren weiterhin die Ergebnisse der jährlichen Studie zur Erfassung der globalen Risiken (GRPS). Die Folgen des Klimawandels werden immer deutlicher. Besorgnis erregend ist der zunehmende Verlust an Biodiversität. Die Artenvielfalt ist seit 1970 um 60% zurückgegangen. In der menschlichen Nahrungskette wirkt sich der Verlust an biologischer Vielfalt auf die Gesundheit und die sozioökonomische Entwicklung aus, was sich wiederum auf Wohlbefinden, Produktivität und sogar regionale Sicherheit auswirkt.

Die Unterbrechung der Produktion und Lieferung von Gütern und Dienstleistungen aufgrund von Umweltkatastrophen ist seit 2012 um 29% gestiegen. Nordamerika war die Region, die am stärksten von umweltbedingten Lieferkettenstörungen im Jahr 2017 betroffen war. Diese Störungen waren vor allem auf Wirbelstürme und Waldbrände zurückzuführen.

In der US-amerikanischen Automobilindustrie verursachten beispielsweise nur Fabrikbrände und Unternehmenszusammenschlüsse mehr Störungen in der Lieferkette als Hurrikane. Wenn die Störungen eher an der Anzahl der betroffenen Anbieter als an der Anzahl der einzelnen Ereignisse gemessen werden, waren die vier wichtigsten Auslöser 2017 Hurrikane, extremes Wetter, Erdbeben und Überschwemmungen.

Umwälzungen in der globalen Abfallentsorgungs- und Recycling-Lieferkette im Jahr 2018 können ein Vorgeschmack sein. China verbot den Import von ausländischen Abfällen, darunter fast 9 Millionen Tonnen Plastikschrott, um die Umweltbelastung zu verringern. Dieses Verbot enthüllte Schwächen bei der inländischen Recyclingkapazität vieler westlicher Länder. Allein im ersten Halbjahr 2018 schickten die Vereinigten Staaten 30% des Plastiks, das zuvor in China deponiert worden wäre, in andere Länder wie Thailand, Malaysia und Vietnam.

Global Risk Report: https://www.weforum.org/reports/the-global-risks-report-2019


Wichtige rechtliche Hinweise

Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Dieser Beitrag erschien zuerst im Blog der Erste Asset Management.

Mehr Informationen zur Produktpalette der Erste Asset Management finden Sie unter www.erste-am.at.