Deutschland nutzen 11 Prozent der Erwachsenen Kryptowährungen zumindest gelegentlich, in Österreich 18 und in der Schweiz 23 Prozent. Das zeigt eine im Juni 2026 erhobene Umfrage von YouGov im Auftrag von BearingPoint. Für Banken und Vermögensverwalter mit Geschäft in mehreren DACH-Ländern greift eine einheitliche Krypto-Strategie damit zu kurz.
Drei Märkte mit unterschiedlichem Reifegrad
Die Abstände zeigen sich auch bei der Bewertung als Anlage. Schweizer halten Kryptowährungen deutlich häufiger für eine geeignete Geldanlage als Deutsche. BearingPoint beschreibt Deutschland als zurückhaltenden Markt, Österreich als pragmatisches Mittelfeld und die Schweiz als Spitzenreiter. Befragt wurden rund 2.000 Personen in Deutschland und je rund 1.000 in Österreich und der Schweiz.
Innerhalb der Länder verläuft eine zweite Trennlinie. In allen drei Märkten nutzen Männer Kryptowährungen mindestens doppelt so oft wie Frauen. Bei den 18- bis 24-Jährigen ist bereits jeder Dritte aktiv. Höheres Einkommen und höhere Bildung gehen mit größerer Anlagebereitschaft einher.
Staatliches Geld bleibt der Anker
Das Wachstum digitaler Werte geht nicht zulasten des Vertrauens in staatliches Geld. In allen drei Ländern halten mindestens 80 Prozent der Befragten staatliche Währungen für ein gutes oder sehr gutes Zahlungsmittel. Gold halten sie zudem deutlich häufiger für einen verlässlichen Inflationsschutz als Kryptowährungen.
Das Interesse an einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) liegt in Deutschland bei 29 Prozent, in der Schweiz bei 44 Prozent. Es übersteigt damit in allen drei Ländern die heutige Krypto-Nutzung. Robert Bosch, globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint, hält für staatlich gestützte digitale Währungen eine deutlich breitere Akzeptanz für möglich. Die Daten legen nahe, dass für breite Akzeptanz der Absender mehr zählt als die Technologie.
Wer den Kundenzugang in Deutschland hält
Für Banken liegt die eigentliche Frage im Vertrieb. Eine zweite BearingPoint-Auswertung für Deutschland vom August 2026 zeigt, wo Krypto-Anleger handeln. An der Spitze stehen Trade Republic, Binance, Bitpanda und Coinbase. Klassische Banken tauchen unter den zehn meistgenannten Anbietern praktisch nicht auf.
Seit Inkrafttreten der EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets) lässt sich diese Lücke laut BearingPoint kaum noch mit regulatorischen Hürden erklären. Die Berater sehen gerade die jüngeren Anleger als langfristig wichtigste Zielgruppe für Finanzdienstleister. Wer ihren Zugang verliert, riskiert nach Einschätzung von altii auch die Beziehung im übrigen Wertpapiergeschäft.
Worauf Anbieter in der Region achten sollten
Nach Einschätzung von altii folgen aus den Daten unterschiedliche Prioritäten je Markt. In der Schweiz geht es um Produkttiefe und die Einbindung in die Vermögensberatung. In Deutschland stehen Vertrauen, Aufklärung und einfache Zugänge über bestehende Kanäle im Vordergrund. Österreich liegt dazwischen und eignet sich als Testmarkt für Angebote, die später nach Deutschland wandern.
Offen ist, ob Deutschland den Abstand verkleinert. BearingPoint erhebt die Daten für Deutschland seit 2016 in vergleichbarem Aufbau. Kommende Erhebungen können deshalb zeigen, ob Banken den Kundenzugang zurückgewinnen oder ob Neo-Broker ihn dauerhaft besetzen.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.