
Volker Schilling: Willkommen zu einer neuen Ausgabe von FUNDamental, dem Magazin, das sich nicht nur mit guten und spannenden Fonds beschäftigt, sondern vor allem auch mit den Machern dieser Fonds. Heute freue ich mich ganz besonders, einen der erfolgreichsten globalen Mischfonds bei mir zu Gast zu haben. Aber einen Fonds kann man ja nicht wirklich zu Gast haben, aber die Macher dahinter. Ein herzliches Willkommen an Andre Koppers, dem Fondsverantwortlichen der Firma Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungs GmbH.
Andre Koppers: Dankeschön. Ich freue mich.

Volker Schilling: Abgesehen davon, dass Ihr Firmenname ein ganz langes Wort ist: Klären Sie uns doch mal auf. Warum heißen Sie so? Was ist der Hintergrund? Und vielleicht sagen Sie bei der Gelegenheit auch gleich noch, wo Ihr Sitz in Deutschland ist.
Andre Koppers: Das Unternehmen wurde im Jahr 2003 gegründet. Herr Oberbanscheidt hat es im zarten Alter von 60 Jahren noch einmal gegründet, davor hatte er eine sehr aktive Karriere bei einer Großbank. Und wie wir hier am Niederrhein so sind: Wir haben es nicht mit Abkürzungen oder anderen Dingen, sondern wir schreiben drauf, was drin ist. Deswegen heißt das Unternehmen Oberbanscheidt – ein wenig sperrig. Aber ich glaube, wenn man es einmal gemerkt hat, verfängt das relativ gut. Wir sitzen in Kleve, ganz kurz vor der niederländischen Grenze. Wenn man uns besucht und nicht rechtzeitig bremst, steht man in den Niederlanden.
Volker Schilling: Sie haben sich sogar dazu entschlossen, Ihren Fonds mit diesem Namen zu versehen. Wir reden heute über den Oberbanscheidt Global Flexibel Fonds. Da steht global drin, also nehme ich an, Sie investieren global, und flexibel wird dafür stehen, dass Sie in verschiedene Assetklassen investieren können. Kurz noch zu Ihnen: Wie kamen Sie dazu und warum sind Sie heute verantwortlich für diesen Fonds?
Andre Koppers: Ich habe viele Jahre bei einer in Deutschland bekannten Geschäftsbank gearbeitet, dort viele spannende Erfahrungen und Einblicke gewonnen. Im Laufe der Jahre hat sich das Ganze aber vom Bankberater zum Bankverkäufer gewandelt. Irgendwann muss man in sich gehen und fragen: Ist das mein Weg? Bei mir war die Antwort eher nein. Ich hatte immer Kontakt zu Herrn Oberbanscheidt und bin dann 2012 hier dazugestoßen. Wir sind mittlerweile zu zwölft und in den letzten Jahren sowohl personell als auch beim verwalteten Vermögen gewachsen.
Volker Schilling: Sie managen den Fonds im Team. Wie kam es zu diesem Team?
Andre Koppers: Mit Christian Köpp habe ich gute zehn Jahre Schreibtisch an Schreibtisch gearbeitet. Marco Jansen kenne ich ebenfalls seit vielen Jahren. Wir kommen aus Nachbardörfern. Es gab also eine breite Historie und ein großes Vertrauensverhältnis. Wenn man jemanden in die Verantwortung für einen Fonds holt, braucht es größtmögliches Vertrauen – fachlich und menschlich.

Volker Schilling: Wie kommt man als klassischer Vermögensverwalter auf die Idee, einen eigenen Fonds aufzulegen?
Andre Koppers: Da spielten mehrere Gedanken mit hinein. Wir sitzen in Kleve am Niederrhein, nicht in Frankfurt oder München. Hier kommen Mandanten, die nicht in Millionenvermögen denken. Trotzdem wollen wir ihnen eine präzise, zuverlässige und fachlich saubere Art des Investierens anbieten. Mit gewissen Streuungsaspekten landet man schnell bei einem Fonds. Außerdem wollten wir Verantwortung nicht auslagern, sondern für den buchstäblich letzten Euro verantwortlich sein. Und ein Fonds ist natürlich auch ein Leistungsnachweis.
Volker Schilling: Ist es ein klassischer Multi-Asset-Fonds? Welche Assetklassen finden sich im Fonds?
Andre Koppers: Cash, Aktien und Anleihen. Private Equity, Hedgefonds oder Kryptowährungen suchen Sie bei uns vergebens. Nicht weil wir das grundsätzlich ablehnen, sondern weil uns dafür die hausinterne Expertise fehlt. Wir machen das, was wir können.
Volker Schilling: Wie erklären Sie die Philosophie Ihres Fonds, wenn Sie es ganz einfach formulieren müssten?
Andre Koppers: Unser geflügeltes Wort lautet: Wer gut streut, der rutscht nicht. Das klingt einfach, erfordert aber Disziplin. Wir investieren in der Regel nicht mehr als rund drei Prozent in eine einzelne Aktie. Wenn wir ein Thema identifizieren, etwa Lachsfarmen in Norwegen, kaufen wir mehrere selektierte Titel. Wir mögen mehrere Pfeile im Köcher und sind in der Streuung sehr konsequent.
Volker Schilling: Gibt es feste Quoten?
Andre Koppers: Wir haben eine Mindestaktienquote von 25 Prozent, auch wegen der Teilfreistellung. Ferner sind wir flexibel: bis zu 100 Prozent Aktien, bis zu 75 Prozent Anleihen. Diese Bandbreiten werden genutzt. Aktuell liegen wir bei etwa 50/50.
Volker Schilling: Wie laufen Entscheidungen im Team ab?
Andre Koppers: Wir entscheiden im Dreiergremium nach dem Mehrheitsprinzip, also zwei zu eins. Das gilt für Käufe, Verkäufe und Anpassungen. Das ist ein gutes Regulativ gegen Lieblingsaktien und hat sich bewährt.
Volker Schilling: Wie vergleichen Sie Ihre Ergebnisse?
Andre Koppers: Wir vergleichen uns primär mit der Peergroup, nicht mit Indizes. Ein flexibler Multi-Asset-Fonds lässt sich schwer mit einem Index messen. Wir schauen auf Performance und Drawdown im Vergleich zu vergleichbaren Fonds.
Volker Schilling: Wie waren die Ergebnisse der letzten Jahre?
Andre Koppers: In den letzten fünf vollen Jahren – mit Ausnahme von 2022 – haben wir jeweils zweistellige Renditen erzielt. 2022 lagen wir bei minus sieben Prozent, was im Wettbewerbsvergleich sehr ordentlich war. Im vergangenen Jahr waren es 27 Prozent. Aber wir treten nicht an, um jedes Jahr 27 Prozent zu erzielen. Wichtig ist, welches Risiko man dafür eingegangen ist. Unsere Aktienquote lag meist unter 50 Prozent. Zudem hatten wir die letzten 13 Monate keinen Verlustmonat.
Volker Schilling: Was lief weniger gut?
Andre Koppers: Vor 2020 waren Entscheidungswege teilweise zu lang. Gerade in der Corona-Phase hat uns das geschadet. Danach haben wir das Dreiergremium eingeführt, um schneller und klarer zu entscheiden. Außerdem haben wir früher versucht, uns gegen den Markt zu stellen – das war nicht erfolgreich. Heute ist unser Risikomanagement deutlich klarer strukturiert.
Volker Schilling: Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?
Andre Koppers: Wir achten sehr darauf, dass der Fondsvertrieb nicht wichtiger wird als das Portfoliomanagement. Das bleibt die Kernaufgabe. Natürlich liegt man nicht immer bei jedem Trend richtig – beim Thema KI waren wir beispielsweise nicht dabei. Aber entscheidend ist die Gesamtperformance.
Volker Schilling: Sie haben einen leichten Value-Tilt. Wie definieren Sie das?
Andre Koppers: Wir arbeiten mit einem Core-Satellite-Ansatz. Im Kern stehen solide Value-Titel wie Münchener Rück, Allianz oder Shell – stabile Bilanz, Cashflow, Burggraben. Die Satelliten sind Themen-, Branchen- oder Länderinvestments. Als kleineres Haus können wir schneller reagieren.
Volker Schilling: Wie ist die Anleiheseite gestaltet?
Andre Koppers: sehr aktiv und dynamisch. Viele Unternehmensanleihen, Sondersituationen. Die Rentenseite liefert einen wichtigen Performancebeitrag und ist kein bloßes Anhängsel.
Volker Schilling: Abseits der Kapitalmärkte: Was machen Sie, wenn es mal nicht um Fonds geht?
Andre Koppers: Familie spielt eine große Rolle. Ich bin ein großer Jazzfreund. Musik hilft beim Abschalten. Jeder im Team hat seine eigene Insel – Sport, Konzerte – um Abstand vom Markt zu gewinnen.
Volker Schilling: Herr Koppers, vielen Dank für das Gespräch.
Andre Koppers: Sehr gerne, Herr Schilling. Hat Spaß gemacht. Jederzeit gerne wieder.
Bilder © Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungs GmbH und Greiff capital management AG
Zur Originalseite von FUNDamental: Das Fonds-Porträt des Greiff Research Instituts
Dieser Beitrag erschien zuerst beim Greiff Research Institut GmbH
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